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Weltliteratur verstehen - Gorgias - Platon

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Weltliteratur verstehen - Gorgias - Platon

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Weltliteratur verstehen - Gorgias - Platon

Zielgruppe: Klasse 11 bis 13 · Deutsch, Ethik, Philosophie

Vorhandene Buchseite: Buch - Gorgias - Platon

Leitfrage: Ist eine überzeugende Rede auch eine wahre und gerechte Rede?


Einleitung

In Platons Dialog „Gorgias“ spricht Sokrates mit drei Gegnern: Gorgias, Polos und Kallikles. Es geht um Redekunst, Macht, Gerechtigkeit und das gute Leben.

Der Text entstand wahrscheinlich im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. im antiken Griechenland. Platon schreibt ein philosophisches Streitgespräch, keinen wörtlichen Bericht über ein historisches Treffen.

Eine antike Darstellung Platons, erhalten als römische Kopie.

Sokrates als antike Büste. Im Dialog stellt er unbequeme Fragen.


Inhalt, Figuren und Aufbau

Gorgias (449a–461b): Gorgias lobt die Kunst, andere zu überzeugen. Sokrates fragt: Führt Überredung auch zu Wissen? Eine wichtige Stelle ist 454d–455a.

Polos (461b–481b): Polos bewundert die Macht erfolgreicher Menschen. Sokrates prüft, ob Unrecht zu tun schlimmer ist, als Unrecht zu erleiden. Lies besonders 474b–475e.

Kallikles (481b–522e): Kallikles behauptet, die Starken sollten mehr bekommen dürfen. Sokrates fragt nach Gerechtigkeit, Selbstbeherrschung und dem Unterschied zwischen Lust und Gutem. Lies 482c–484c und 495a–499b.

Schluss (523a–527e): Ein Mythos vom Gericht über die Seelen soll zeigen, warum ein gerechtes Leben zählt. Das ist ein philosophisches Bild, kein historischer Bericht.

Sprache und Form: Platon nutzt Fragen, kurze Antworten, Vergleiche und Widersprüche. Achte darauf, wer etwas behauptet und wer es begründet.

Die Rednertribüne auf der Pnyx in Athen erinnert an die politische Bedeutung öffentlicher Reden. Sie zeigt nicht den Ort des Dialogs.

Video: „Gorgias – Über die Redekunst“, Meisterwerke der Philosophie. Hörauftrag: Notiere den Unterschied zwischen Überzeugung und Wissen.


Textarbeit: Original, Übersetzung, Deutung

Originalsprache: Altgriechisch. Der folgende Satz stammt aus Gorgias 454e; Sprecher ist Sokrates.

Griechischer Originaltext:

„Βούλει οὖν δύο εἴδη θῶμεν πειθοῦς, τὸ μὲν πίστιν παρεχόμενον ἄνευ τοῦ εἰδέναι, τὸ δ᾽ ἐπιστήμην;“

Historische deutsche Übersetzung von Friedrich Schleiermacher:

„Willst du also, wir sollen zwei Arten der Überredung setzen, die eine welche Glauben hervorbringt ohne Wissen, die andere aber welche Erkenntnis?“

Textnachweise: Griechischer Text, Abschnitt 454e · Schleiermachers deutscher Text, Abschnitt 454

Wörter vergleichen: πίστις bedeutet hier ungefähr Glauben oder Überzeugtsein. ἐπιστήμη bezeichnet Wissen oder Erkenntnis. Übersetzungen sind sprachliche Entscheidungen, nicht der griechische Originaltext.

Deutung – kein Zitat: Man kann etwas fest glauben, ohne es zu wissen. Sokrates fragt deshalb, ob eine erfolgreiche Rede auch Wissen vermittelt. Wichtig: Er behauptet nicht einfach, dass jede Rede falsch sei.

Deine Mini-Aufgabe: Markiere im griechischen und deutschen Text die Begriffe für Glauben und Wissen. Erkläre den Unterschied in zwei eigenen Sätzen.

Hörprobe: Rekonstruierte attische Aussprache des Wortes φθόγγος („Laut“). Dies ist kein Satz aus „Gorgias“ und keine antike Tonaufnahme.


Gestufte Hilfen zur Textstelle

Hilfe 1 – leicht: Suche die zwei Arten der Überredung. Was ist bei der ersten Art nicht vorhanden?

Hilfe 2 – mittel: Ein Redner kann eine Menge schnell überzeugen. Muss die Menge danach die Sache wirklich verstehen? Prüfe auch 455a.

Hilfe 3 – vertieft: Vergleiche einen überzeugenden Wahlkampfsatz mit einer begründeten Erklärung. Welche Belege würdest du verlangen, bevor du zustimmst?

Animation aus Platons anderem Dialog „Menon“: Die Frage nach einem verdoppelten Quadrat. Sie zeigt ein Beispiel für Lernen durch Fragen, keine Szene aus „Gorgias“.


Antike und frühe Literaturtraditionen

Griechenland: Platons „Gorgias“ ist ein philosophischer Dialog in Altgriechisch. Das genaue Abfassungsjahr ist nicht sicher.

Rom: Cicero behandelt in „De oratore“ die Redekunst auf Latein (55 v. Chr.). Beide Texte sprechen über Rhetorik, aber sie sind verschiedene Werke aus verschiedenen Zeiten.

China: Die Gespräche des Konfuzius (Lunyu) wurden über längere Zeit zusammengestellt. Ihre Sprache ist das klassische Chinesisch. Die abgebildete Handschrift ist deutlich jünger als die überlieferten Lehren.

Indien: Die Bhagavadgita ist Teil des Mahabharata und in Sanskrit verfasst. Sie spricht ebenfalls über richtiges Handeln. Die abgebildete Handschrift stammt jedoch erst aus dem 19. Jahrhundert.

Vergleichsregel: Diese vier Literaturtraditionen haben eigene Entstehungsgeschichten. Die europäische Bezeichnung „Antike“ passt nicht ohne Weiteres als gleiche Epoche auf China und Indien.


Entstehung und Überlieferung unterscheiden

Zeit Was geschah?
Frühes 4. Jahrhundert v. Chr. Wahrscheinliche Entstehung von Platons „Gorgias“ in griechischer Sprache
895 n. Chr. Eine erhaltene griechische Handschrift im Codex Clarkianus 39 wurde geschrieben
1513 Eine frühe gedruckte griechische Gesamtausgabe Platons erschien in Venedig
1805 Schleiermachers deutsche Übersetzung des „Gorgias“ erschien

Beginn des Dialogs in einer Handschrift von 895. Das Datum bezeichnet die Abschrift, nicht die Entstehung des Werkes.

Beginn des „Gorgias“ in der ersten gedruckten griechischen Platon-Ausgabe von 1513.

Merksatz: Entstehung, Abschrift, Druck und Übersetzung sind vier verschiedene Vorgänge. Eine Übersetzung aus dem Jahr 1805 macht den antiken Text nicht zu einem Werk des 19. Jahrhunderts.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Sprache verfasste Platon den Dialog „Gorgias“? (Altgriechisch) (!Latein) (!Sanskrit) (!Klassisches Chinesisch)




Was prüft Sokrates im Gespräch mit Gorgias besonders? (Den Unterschied zwischen Überredung und Wissen) (!Die Entstehung der römischen Republik) (!Die Regeln des griechischen Theaters) (!Die Erfindung der Schrift)




Welcher Begriff steht in Gorgias 454e für Glauben? (πίστις) (!πόλις) (!φύσις) (!λόγος)




Wofür ist Gorgias im Dialog bekannt? (Für die Kunst des überzeugenden Redens) (!Für seine Tätigkeit als Arzt) (!Für die Führung des Heeres) (!Für die Übersetzung des Dialogs)




Welches Problem steht beim Gespräch mit Polos im Mittelpunkt? (Das Verhältnis von Macht und Unrecht) (!Die Bewegung der Sterne) (!Der Ursprung der Götter) (!Der Bau der Akropolis)




Welche Position vertritt Kallikles im Streit? (Die Stärkeren sollten von Natur aus mehr haben dürfen) (!Jede Lust sei stets ungerecht) (!Alle Macht müsse abgeschafft werden) (!Redekunst sei dasselbe wie Mathematik)




Was steht am Ende des Dialogs? (Ein Mythos über das Gericht der Seelen) (!Eine Abstimmung im römischen Senat) (!Ein Bericht über Platons Geburt) (!Ein Brief von Schleiermacher)




Was bezeichnet die Jahreszahl 895 bei der gezeigten Quelle? (Das Entstehungsjahr einer erhaltenen Abschrift) (!Das Abfassungsjahr des Dialogs) (!Die erste deutsche Übersetzung) (!Die Lebenszeit des Sokrates)




Was ist Schleiermachers „Gorgias“ von 1805? (Eine historische deutsche Übersetzung) (!Die altgriechische Erstfassung) (!Ein Werk des römischen Cicero) (!Eine Rede des Kallikles als Tonaufnahme)




Was ist bei einem Vergleich früher Literaturtraditionen wichtig? (Originalsprache und Überlieferungszeit getrennt untersuchen) (!Alle Handschriften gleich alt nennen) (!Alle Traditionen derselben europäischen Epoche zuordnen) (!Übersetzungen für den Originaltext halten)





Memory

Rhetorik Kunst des überzeugenden Redens
πίστις Glauben
ἐπιστήμη Wissen
Polos Streit über Macht und Unrecht
Kallikles Streit über Natur und Gesetz
Stephanuszählung Einheitliche Stellenangabe bei Platon





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Rolle oder Bedeutung
Sokrates Prüft Aussagen durch Fragen
Gorgias Verteidigt die Kunst der Überredung
Polos Diskutiert über Macht und Unrecht
Kallikles Beruft sich auf das Recht der Stärkeren
Schlussmythos Veranschaulicht die Frage nach gerechtem Leben





Kreuzworträtsel

Rhetorik Wie heißt die Kunst des überzeugenden Redens?
Platon Wer verfasste den Dialog „Gorgias“?
Sokrates Wer prüft die Behauptungen durch Fragen?
Gorgias Welcher berühmte Redner ist erster Hauptgesprächspartner?
Polos Welcher Gesprächspartner diskutiert über Macht und Unrecht?
Kallikles Wer beruft sich auf das Recht der Stärkeren?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Platon verfasste den Dialog „Gorgias“ auf

.
Der Redner

spricht über die Kunst der Überredung.
Sokrates diskutiert mit

über Macht und Unrecht.
Der Gesprächspartner

verteidigt die Ansprüche der Stärkeren.
In Abschnitt 454e unterscheidet Sokrates Wissen und

.
Eine Abschrift des Textes nennt man auch

.
Am Ende des Dialogs steht ein

über das Gericht der Seelen.
Schleiermachers deutscher Text ist eine historische

.
Die Sprache der Bhagavadgita heißt

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Textanalyse: Lies „Gorgias“ 454d–455a auf der verlinkten Buchseite. Gib Sokrates' Unterschied zwischen Glauben und Wissen in 80 bis 120 eigenen Wörtern wieder. Verwende eine genaue Stellenangabe.


Standard

  1. Argumentation: Vergleiche Polos und Sokrates anhand von 474b–475e. Erstelle eine Gegenüberstellung aus Behauptung, Begründung und Deiner Bewertung. Benutze mindestens zwei genaue Stellenverweise.


Schwer

  1. Medienkritik: Untersuche eine öffentlich zugängliche politische Rede oder Werbeaussage. Prüfe sie mit den Fragen aus 454e–455a und 482c–484c. Unterscheide Überzeugung, Beleg und Werturteil. Verfasse eine begründete Stellungnahme von ungefähr 300 Wörtern.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wissen: Erkläre mit einem selbst gewählten Beispiel, warum eine mehrheitsfähige Aussage noch kein gesichertes Wissen ist.
  2. Gerechtigkeit: Vergleiche die Auffassungen von Sokrates und Kallikles zu Macht und gutem Leben. Beziehe die Abschnitte 482c–484c ein.
  3. Quellenkritik: Ein Schulbuch zeigt eine Platon-Handschrift von 895. Erkläre, warum dieses Datum nicht die Entstehungszeit des „Gorgias“ angibt.
  4. Übersetzung: Vergleiche πίστις und ἐπιστήμη in 454e mit Schleiermachers „Glauben“ und „Erkenntnis“. Welche Bedeutung geht durch eine zu einfache Gleichsetzung verloren?
  5. Transfer: Entwickle drei Fragen, mit denen Du eine überzeugende Rede heute auf Belege und Gerechtigkeit prüfen kannst.


Lernnachweis

Du kannst die Hauptpositionen von Gorgias, Polos, Kallikles und Sokrates erklären. Du kannst einen Gedankengang mit einer genauen Stephanus-Stellenangabe belegen. Du unterscheidest griechischen Originaltext, deutsche Übersetzung und eigene Interpretation. Du kannst Entstehungszeit, Handschrift, Druck und Übersetzung richtig einordnen. In Deiner eigenen Stellungnahme verwendest Du nachvollziehbare Gründe und behandelst Gegenargumente fair.


OERs zum Thema

Wikipedia-Einstieg:

Originaltext und historische Übersetzung:

  1. Altgriechischer Text mit Abschnittsangaben
  2. Friedrich Schleiermachers deutsche Übersetzung
  3. Hintergrund zu Werk und Forschungsfragen

Weiterführende Videos:

WikiTubia: Hörorientierter Überblick zu Platons „Gorgias“. Vergleiche die Aussagen mit dem Originaltext.

The Platonic Academy of Melbourne: englischsprachige Vertiefung zur Kunst der Überredung, Beginn des Dialogs. Für das erhöhte Niveau.


Mediennachweise und Lizenzen

Die folgenden Dateien stammen von Wikimedia Commons und werden hier unverändert eingebunden. Die Links führen zu Urhebern, Quellen und Lizenzangaben.

  1. Platon-Büste: Foto Marie-Lan Nguyen, CC BY 2.5.
  2. Sokrates-Büste: Foto Eric Gaba, CC BY-SA 2.5.
  3. Pnyx in Athen: Foto Mirjanamimi, CC BY-SA 4.0.
  4. Cicero-Büste: Foto Glauco92, CC BY-SA 3.0.
  5. Gorgias-Handschrift von 895: historische Handschrift, Public Domain Mark.
  6. Griechischer Erstdruck von 1513: historischer Druck, Public Domain Mark.
  7. Chinesische Lunyu-Handschrift: historische Quelle, Public Domain Mark.
  8. Bhagavadgita-Handschrift: unbekannter historischer Urheber, Public Domain Mark.
  9. Animation zu „Menon“: Protious, vom Urheber gemeinfrei freigegeben.
  10. Altgriechische Hörprobe: Erutuon, CC BY-SA 4.0.

Lizenzlinks: CC BY 2.5 · CC BY-SA 2.5 · CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 4.0 · Public Domain Mark.

Videos: Die verlinkten YouTube-Videos bleiben externe Inhalte. Rechte und Nutzungsbedingungen liegen bei den jeweiligen Kanälen und der Plattform. Eine freie Creative-Commons-Lizenz der Videos wird nicht behauptet.


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