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Weltliteratur verstehen - Der Geizige - Molière

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Weltliteratur verstehen - Der Geizige - Molière

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Weltliteratur verstehen - Der Geizige - Molière


Einleitung

Klasse 11–13 | Deutsch, Literatur, Französisch

Molières L’Avare (Der Geizige) ist eine Komödie in fünf Akten. Harpagon liebt sein Geld mehr als die Wünsche seiner Kinder. Eine verschwundene Geldkassette führt zu Verdacht, Streit und Verwechslungen. Du untersuchst, wie Geld, Liebe und Macht zusammenhängen.

Vorhandene MOOCwiki-Buchseite: Buch - Der Geizige - Molière. Dieser Kurs ergänzt die Buchseite; er legt keine neue Buchausgabe an.

Molière im Porträt von Pierre Mignard, um 1658.

Harpagon als Figurendarstellung aus dem 19. Jahrhundert. Bildnachweis unten.


Handlung: fünf Akte

Erster Akt: Élise liebt Valère, Cléante liebt Mariane. Ihr Vater Harpagon plant andere Ehen. Zweiter Akt: Cléante will Geld leihen und gerät mit seinem Vater aneinander. Dritter Akt: Harpagon bereitet ein möglichst billiges Essen für Mariane vor. Vierter Akt: La Flèche nimmt Harpagons versteckte Kassette; Harpagon gerät in Panik. Fünfter Akt: Eine Verwechslung bei einem Verhör und die Aufklärung von Familienbeziehungen lösen die Heiratskonflikte. Harpagon erhält sein Geld zurück.

Harpagon auf einer historischen Theaterkostüm-Darstellung von 1790.


Figuren und Beziehungen

Harpagon ist Vater, Geldverleiher und Hausherr. Er will Élise mit Anselme verheiraten, weil dieser keine Mitgift fordert. Cléante liebt Mariane, die auch Harpagon heiraten will. Élise liebt Valère, der bei Harpagon arbeitet. La Flèche hilft Cléante. Frosine versucht, Heiraten zu vermitteln. Maître Jacques dient Harpagon. Am Ende erkennt Anselme seine Kinder Valère und Mariane wieder.

Deutung: Geld verschafft Harpagon Macht. Die jungen Menschen kämpfen um eigene Entscheidungen. Das ist eine Interpretation, keine wörtliche Aussage des Autors.

Harpagon und Valère im Gespräch über Élises Heirat; Illustration aus dem 19. Jahrhundert.


Sprache und Textstellen

Wichtig: Die Originalsprache ist Französisch. Der Druck von 1669 ist eine historische Quelle. Die folgenden französischen Zitate stammen aus der Textausgabe Louandre von 1910; die deutschen Vergleichsstellen aus der Übersetzung von Wolf Heinrich Graf von Baudissin, 1887. Die Fassungen sind nicht identisch. Zitat und eigene Deutung werden getrennt.

Erster Akt, siebte Szene: Harpagon wiederholt « Sans dot ! ». Baudissin übersetzt: „Ohne Mitgift! –“. Deutung: Er denkt beim Heiraten vor allem an die Kosten. Die Wiederholung zeigt, wie einseitig er denkt. Französisch | Deutsch

Vierter Akt, siebte Szene: Harpagon ruft « Au voleur ! au voleur ! à l’assassin ! au meurtrier ! ». Baudissin schreibt: „Diebe! Diebe! Räuber, Mörder!“ Deutung: Die vielen Ausrufe und die Übertreibung machen seine Angst sichtbar. Französisch | Deutsch

Fünfter Akt, dritte Szene: Harpagon sagt « Les beaux yeux de ma cassette ! ». Bei Baudissin heißt es: „Die schönen Augen meiner Schatulle?“ Deutung: Valère meint Élise, Harpagon die Kassette. Beide reden aneinander vorbei: ein Missverständnis als komisches Mittel. Französisch | Deutsch

Textarbeit: Markiere in jeder Szene, was die Figur sagt, was sie meint und was das Publikum bereits weiß. Belege jede Aussage mit Akt, Szene und der verwendeten Ausgabe. Vergleiche bei Bedarf auch das Digitalisat des Drucks von 1669; setze seinen Wortlaut nicht ungeprüft mit der Edition von 1910 gleich.


Aufbau, Theater und Wirkung

Das Stück ist eine fünfaktige Prosakomödie. Es arbeitet mit Charakterkomik, Übertreibung, Streit und Verwechslungen. Besonders wichtig ist der Wissensvorsprung des Publikums: Es versteht oft mehr als Harpagon.

Datei:L'Avare (1908).webm Bewegtbild: Ausschnitt aus Georges Méliès’ Stummfilm L’Avare (1908). Eine spätere Adaption, keine Aufführung von 1668.

Sieh hin: Wie werden Geiz und Angst ohne gesprochene Dialoge gezeigt?


Epoche: Barock und französische Klassik

1668 fand die Uraufführung am Pariser Palais-Royal statt. Frankreich wurde von Ludwig XIV. regiert. In der französischen Literatur spricht man für viele Werke dieser Zeit von französischer Klassik. Der Barock ist auch eine wichtige Bezeichnung für Literatur des 17. Jahrhunderts, vor allem in anderen regionalen Traditionen. Beide Strömungen sind nicht gleichzusetzen.

In der französischen Klassik waren antike Vorbilder, Theaterregeln und gesellschaftliches Verhalten wichtige Themen. Im deutschsprachigen Barock begegnen Dir häufig Vanitas und Gegensätze wie Leben und Tod. L’Avare nutzt zugleich lebendige Formen der Commedia dell’arte und Motive aus Plautus’ Aulularia.

Ludwig XIV. im Herrscherporträt von Hyacinthe Rigaud (1701): ein Bild des höfischen Umfelds, nicht der Handlung.

Philosophie des 17. Jahrhunderts: René Descartes fragte nach sicherem Wissen und vernünftigem Denken. Blaise Pascal beschäftigte sich mit Selbsttäuschung und dem Menschen. Du kannst fragen: Handelt Harpagon vernünftig? Erkennt er seine eigenen Motive? Das ist ein Vergleich für die Deutung, kein Beleg für einen direkten Einfluss dieser Denker auf Molière.

Animation mit Tiefenwirkung: Büste von Jean-Baptiste Colbert, Minister Ludwigs XIV. Sie zeigt einen historischen Bezug zu Staat und Geld, keine Figur des Stücks.

Hörvergleich zum Epochenumfeld: Musik von Marin Marais (Komposition von 1689, moderne Aufnahme). Sie stammt nicht aus der Uraufführung des Stücks.


Drei Bühnenblicke

Kurze deutschsprachige Inszenierung: Trailer des Thalia Theaters (2020). Vergleiche Kostüme, Tempo und die Wirkung von Harpagon.

Französische Aufführung: Ausschnitt der Comédie-Française, Inszenierung von Jean-Paul Roussillon (Aufzeichnung 1973). Achte auf Körpersprache und Stimme.

Bühnenwandel: INA-Bericht über eine modernere Inszenierung an der Comédie-Française (2000). Frage: Was ändert sich, was bleibt?

YouTube-Beiträge sind verlinkte Einbettungen der jeweiligen Rechteinhaber. Sie sind nicht als frei nachnutzbare Commons-Dateien gekennzeichnet.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Sprache schrieb Molière das Stück ursprünglich? (Französisch) (!Deutsch) (!Latein) (!Englisch)




Wann wurde L’Avare erstmals aufgeführt? (1668) (!1600) (!1789) (!1908)




Welche Form hat Der Geizige? (Eine Komödie in fünf Akten) (!Ein Roman in drei Teilen) (!Ein Gedichtzyklus) (!Eine Oper in zwei Akten)




Wer ist Élises und Cléantes Vater? (Harpagon) (!Valère) (!Anselme) (!Maître Jacques)




Wen lieben sowohl Harpagon als auch Cléante? (Mariane) (!Élise) (!Frosine) (!Dame Claude)




Was bedeutet sans dot im Heiratsgespräch? (Ohne Mitgift) (!Ohne Hochzeitsgäste) (!Ohne Trauzeugen) (!Ohne Zustimmung des Königs)




Wer nimmt Harpagons versteckte Kassette an sich? (La Flèche) (!Frosine) (!Anselme) (!Der Kommissar)




Welches sprachliche Mittel prägt Harpagons Ruf nach dem Diebstahl? (Ausrufe und Wiederholungen) (!Nüchterne Statistik) (!Ruhige Sachbeschreibung) (!Stille ohne Worte)




Warum ist das Gespräch mit Valère im fünften Akt komisch? (Die Figuren meinen Verschiedenes) (!Beide kennen denselben Plan) (!Es gibt keine Verwechslung) (!Die Figuren schweigen durchgehend)




Welche Aussage zum Epochenkontext ist richtig? (Französische Klassik und deutschsprachiger Barock sind nicht identisch) (!Alle europäischen Länder hatten dieselben Literaturregeln) (!Molière gehört zur deutschen Romantik) (!Das Stück entstand im Mittelalter)





Memory

Harpagon Geldkassette
Élise Valère
Cléante Mariane
La Flèche Kassettenraub
Anselme Familienenthüllung
Frosine Heiratsvermittlung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion in der Handlung
Heiratsplan Auslöser des Familienkonflikts
Geldverleih Streit zwischen Vater und Sohn
Kassettenraub Ursache von Harpagons Panik
Verhör Anlass für das doppeldeutige Gespräch
Wiedererkennung Auflösung der Familiengeschichte





Kreuzworträtsel

Harpagon Wie heißt der geizige Vater?
Frosine Wer vermittelt Heiraten?
Mariane Wie heißt Cléantes Geliebte?
Kassette Welcher Gegenstand verschwindet aus dem Garten?
Mitgift Welche finanzielle Leistung möchte Harpagon bei Élises Heirat vermeiden?
Komödie Zu welcher Dramenart gehört das Stück?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der Autor heißt

.
Das Stück wurde erstmals im Jahr

aufgeführt.
Die Originalsprache ist

.
Der Vater der beiden jungen Hauptfiguren heißt

.
Élise liebt den Angestellten

.
Cléante liebt

.
Der Diener

nimmt die Kassette an sich.
Im Mittelpunkt des vierten Aktes steht die gestohlene

.
Das Missverständnis im fünften Akt beruht auf verschiedenen

.
Der Text gehört zur französischen

.



Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurenkonstellation: Zeichne ein Beziehungsnetz mit Harpagon, Élise, Cléante, Valère und Mariane. Erkläre einen Konflikt in fünf Sätzen und nenne eine belegende Szene.


Standard

  1. Textvergleich: Vergleiche Sans dot ! und Ohne Mitgift! – im Zusammenhang des ersten Aktes. Erkläre in etwa 120 Wörtern, wie die Wiederholung Harpagons Haltung zeigt. Notiere die beiden Ausgaben.


Schwer

  1. Inszenierungsanalyse: Vergleiche zwei der verlinkten Theaterausschnitte. Entwickle auf etwa 200 Wörter eine eigene Regieidee für den Kassetten-Monolog. Begründe eine Entscheidung mit einem französischen Originalzitat und ordne die Wirkung historisch ein.


Gestufte Hilfen

Zur leichten Aufgabe: Hilfe A: Suche die beiden Liebespaare. Hilfe B: Markiere Harpagons eigenen Heiratswunsch. Hilfe C: Prüfe den ersten Akt, besonders die siebte Szene.

Zur Standardaufgabe: Hilfe A: Suche gleiche Wörter. Hilfe B: Prüfe, wann Harpagon unterbricht. Hilfe C: Erkläre, warum die Kosten wichtiger werden als Élises Wille.

Zur schweren Aufgabe: Hilfe A: Vergleiche Stimme und Körperhaltung. Hilfe B: Beachte, welche Inszenierung den Geiz lächerlich oder bedrohlich zeigt. Hilfe C: Belege Deine Regieentscheidung mit Akt IV, Szene VII und unterscheide Aufführung von Originaltext.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Macht und Abhängigkeit: Erkläre an zwei Szenen, wie Geld innerhalb der Familie Entscheidungen beeinflusst.
  2. Dramatische Ironie: Untersuche, warum das Publikum das Verhör anders versteht als Harpagon.
  3. Übersetzung: Beurteile eine unterschiedliche Wortwahl in der französischen und deutschen Fassung und ihre Wirkung.
  4. Epochenvergleich: Zeige an einem konkreten Merkmal, warum französische Klassik nicht einfach mit deutschsprachigem Barock gleichgesetzt werden darf.
  5. Aktualisierung: Übertrage einen Konflikt des Stücks auf eine heutige Situation, ohne die Figuren oder den historischen Rahmen als identisch darzustellen.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis brauchst Du eine knappe Inhaltsübersicht der fünf Akte, eine begründete Figurenanalyse, zwei genaue Textbelege mit Akt, Szene und Ausgabe, einen französisch-deutschen Sprachvergleich sowie eine kurze Einordnung in die französische Klassik und den europäischen Barock. Trenne jeweils Textbeobachtung, Deutung und historische Information. Eine begründete eigene Stellungnahme zeigt den Transfer.


OERs zum Thema

Quellen für die Textarbeit:

  1. Druck von 1669 – historisches französisches Digitalisat aus der Bibliothèque nationale de France; gemeinfrei.
  2. Französischer Text – Ausgabe Louandre, 1910. Redaktioneller Text, nicht identisch mit dem Druck von 1669.
  3. Deutsche Übersetzung – Wolf Heinrich Graf von Baudissin, Ausgabe von 1887.
  4. Gallica der BnF – Drucke, Bild- und Tonquellen zu L’Avare.

Wikipedia zum Nachlesen:


Mediennachweise und Lizenzen

Alle eingebundenen Commons-Medien sind externe Bestandsdateien. Es wurden keine neuen Medien erzeugt. Bilder wurden nur in der Anzeigegröße angepasst.

  1. Molière-Porträt: Pierre Mignard, um 1658, gemeinfrei. Quelle und Rechte.
  2. Harpagon-Zeichnung: Pouget, Illustration von 1850, gemeinfrei. Quelle und Rechte.
  3. Harpagon und Valère: Jean-Antoine-Valentin Foulquier, Druck 1878/79, Digitalisat Rijksmuseum, CC0 1.0. Quelle und Rechte.
  4. Theaterkostüm: Darstellung von Grand-Ménil als Harpagon, 1790, Sammlung BnF, gemeinfrei. Quelle und Rechte.
  5. Ludwig XIV.: Hyacinthe Rigaud, 1701, gemeinfrei. Quelle und Rechte.
  6. Colbert-Animation: Skulptur Antoine Coysevox, Animation mit Tiefenwirkung LaDair3D, CC BY 2.5 (Lizenz). Quelle und Namensnennung.
  7. Historisches Musikbeispiel: Marin Marais, Tombeau de Mr. Meliton (Komposition 1689); moderne Aufnahme von Phillipwserna und Mitwirkenden, CC BY-SA 3.0 (Lizenz). Quelle und vollständige Mitwirkendenangaben.
  8. Stummfilmfragment: Georges Méliès, L’Avare, 1908, gemeinfrei. Quelle und Rechte.
  9. YouTube: Thalia Theater, Der Geizige oder Die Schule der Lügner (Trailer 2020); Comédie-Française, L’Avare (Aufführungsmitschnitt 1973); INA Culture, Bericht zur Inszenierung (2000). Quellen und Urheber sind an den jeweiligen Videos angegeben. Nur eingebettet, nicht heruntergeladen oder unter einer freien Lizenz weiterverbreitet.


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