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Buch - Der Geizige - Molière

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Der Geizige

Molière

Harpagons Angst um sein Geld bestimmt das Leben seiner Kinder und bringt ihre Heiratspläne durcheinander. Die Verwechslung um eine verschwundene Geldkassette legt im Verlauf der fünfaktigen Komödie Gier, Abhängigkeit und familiäre Machtspiele offen.

KomödieKlasse 11–137 Abschnitte
Porträt von Molière
Porträt von Molière — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Pierre Mignard I · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Baudissin, Wolf Heinrich von

Hinweise für den Unterricht
  • Historische gesellschaftliche, religiöse und geschlechterbezogene Vorstellungen kritisch einordnen. Die Klassenangabe ist redaktionelle Orientierung für begleitete Lektüre.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Auftritt.
Vorlage S. 3
2
Valere. Elise.
Vorlage S. 3
3
VALERE.
Vorlage S. 3
4
Wie, meine teure Elise, ich sehe Euch nachdenklich und sorgenvoll, nachdem Ihr eben die Großmut hattet, mich Eurer Treue zu versichern? Muss ich Euch – ach! – mitten in meiner Freude seufzen sehn? Ist's Euch leid, mich glücklich gemacht zu haben? Und bereut Ihr das Versprechen, zu dem meine Leidenschaft Euch überredet hat?
Vorlage S. 3
5
ELISE.
Vorlage S. 3
6
Nein, Valere, ich kann nichts bereuen, was ich für Euch getan habe; ich fühle mich durch eine zu sanfte Gewalt dazu hingezogen und kann nicht einmal wünschen, dass dies alles nicht geschehn wäre. Aber wenn ich Euch die Wahrheit gestehn soll, unser bisheriger Erfolg beunruhigt mich, und ich fürchte zuweilen, ich liebe Euch mehr, als ich sollte.
Vorlage S. 3
7
VALERE.
Vorlage S. 3
8
Aber, geliebte Elise, was könnt Ihr von Eurer Güte gegen mich besorgen?
Vorlage S. 3
9
ELISE.
Vorlage S. 3
10
Ach, hunderterlei: den Zorn meines Vaters, die Vorwürfe der Familie, das Urteil der Welt: mehr aber als dies alles, Valere, die Wandelbarkeit Eures Herzens und die schnöde Kälte, mit der ihr Männer so oft die zu warmen Äußerungen einer unschuldigen Neigung vergeltet.
Vorlage S. 3
11
VALERE.
Vorlage S. 3
12
Um alles in der Welt, tut mir nicht das Unrecht an, mich nach andern zu beurteilen. Traut mir alles mögliche zu, teure Elise, nur nicht, dass ich meine Pflicht gegen Euch vergessen könnte. Dazu liebe ich Euch zu sehr, und meine Liebe wird nur mit meinem Leben erlöschen.
Vorlage S. 3
13
ELISE.
Vorlage S. 3
14
Ach, Valere, das sagt jeder. Alle Männer gleichen sich in ihren Reden, und nur ihre Taten unterscheiden sie.
Vorlage S. 3
15
VALERE.
Vorlage S. 5
16
Wenn wir denn nur an unsern Taten erkannt werden, so wartet wenigstens, bis Ihr mein Herz nach meinem Tun beurteilen könnt, und lasst Eure ungerechte Furcht, die nur auf einer melancholischen Voraussicht beruht, mir nicht Verbrechen andichten, die meiner Seele fern liegen. Erspart mir, ich bitte Euch, die tödlichen Dolchstiche eines kränkenden Verdachts und gönnt mir Zeit, Euch durch tausend und aber tausend Beweise von der Aufrichtigkeit meiner Liebe zu überzeugen.
Vorlage S. 5
17
ELISE.
Vorlage S. 5
18
Wie leicht lässt man sich überreden, wenn man liebt! Ja, Valere, ich halte Euch für unfähig, mich zu betrügen; ich glaube, dass Ihr mich wirklich liebt und mir treu bleiben werdet; ich will nicht länger zweifeln und meinen Kummer auf die Furcht vor dem Tadel beschränken, der mich treffen wird.
Vorlage S. 5
19
VALERE.
Vorlage S. 5
20
Was aber habt Ihr zu fürchten?
Vorlage S. 5
21
ELISE.
Vorlage S. 5
22
Nichts, Valere, wenn die ganze Welt Euch mit meinen Augen ansähe; und ich finde in Eurem Wesen die beste Berechtigung für mich, zu handeln, wie ich's tue. Meine Herzenswahl wird gerechtfertigt durch Euer Verdienst und stützt sich überdem auf eine Dankbarkeit, zu der der Himmel selbst mich gegen Euch verpflichtet hat. Jede Stunde denke ich an die entsetzliche Gefahr, in der wir uns zuerst einander begegneten; an die bewundernswürdige Großmut, mit der Ihr Euer Leben wagtet, um das meinige den tobenden Wellen zu entreißen; an die zärtliche Sorgfalt, die Ihr mir erwiest, nachdem Ihr mich aus den Fluten gerettet, und an die fortdauernd dargebrachte Huldigung Eurer Liebe, die weder Zeit noch Schwierigkeiten erschüttern konnten und die Euch dazu gebracht hat, Eltern und Heimat zu verlassen und hier zu verweilen. Seid Ihr doch, um mich sehn zu können, so weit gegangen, einen Dienst im Hause meines Vaters anzunehmen! Das alles musste einen unwiderstehlichen Eindruck auf mich machen und ist in meinen Augen mehr als hinreichend, um das Versprechen zu rechtfertigen, das ich gestern eingegangen bin; aber es genügt vielleicht nicht für die übrige Welt, und ich bin nicht sicher, ob diese meine Gesinnungen billigen wird.
Vorlage S. 5
23
VALERE.
Vorlage S. 5
24
Von allem, was Ihr eben angeführt habt, ist es nur meine Liebe, durch die ich hoffe, etwas bei Euch zu gelten; und was Eure sonstigen Zweifel betrifft, sorgt leider Euer Vater selbst am besten dafür, Euch vor der ganzen Welt zu rechtfertigen; denn sein übertriebener Geiz und die Strenge, mit der er seine Kinder behandelt, könnten noch ganz andre Dinge entschuldigen. Verzeiht mir, geliebte Elise, wenn ich so vor seiner Tochter spreche; Ihr wisst, man kann ihn in dieser Beziehung nicht loben. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, meine Eltern wiederzufinden, und wenn mir das gelingt, wird es nicht schwer sein, ihn für uns zu gewinnen. Ich erwarte mit Ungeduld Nachrichten von ihnen und will, wenn diese nicht bald eintreffen, mich selbst aufmachen, um sie mir zu holen.
Vorlage S. 5
25
ELISE.
Vorlage S. 6
26
Ach, Valere, ich bitte Euch, verlasst mich nicht und denkt nur darauf, Euch bei meinem Vater in Gunst zu erhalten.
Vorlage S. 6
27
VALERE.
Vorlage S. 6
28
Ihr seht ja, wie mir's bisher gelungen ist und durch welche geschickte Nachgiebigkeit ich es durchgesetzt habe, in seinen Dienst zu kommen; wie ich unter der Maske gleicher Neigungen und Gesinnungen es dahin gebracht habe, ihm zu gefallen, und welche Rolle ich täglich spiele, um mir seine Gewogenheit zu sichern. Ich habe auch schon die überraschendsten Fortschritte in seiner Gunst gemacht und überzeuge mich, dass es kein besseres Mittel gibt, sich bei den Menschen beliebt zu machen, als mit ihren eignen Ansichten vor ihnen schön zu tun, ihre Grundsätze zu verteidigen, ihren Fehlern zu huldigen und alles zu bewundern, was sie tun. Man braucht nicht zu fürchten, diese Geschmeidigkeit könnte ihnen übertrieben erscheinen; die Art, wie man sie zum besten hat, mag noch so augenscheinlich sein – selbst die Klügsten sind einem Schmeichler gegenüber die Allerverblendetsten, und es gibt nichts so Widersinniges und Abgeschmacktes, das sie nicht verschlucken, wenn man es mit Lob zu würzen versteht. Freilich kommt die Ehrlichkeit ein wenig zu kurz bei dem Handwerk, das ich jetzt treibe; aber wenn man die Leute braucht, so muss man sich schon nach ihnen richten; und da man sie nur auf diese Weise gewinnen kann, sind nicht die Schmeichler die Schuldigen, sondern sie selbst, die geschmeichelt sein wollen.
Vorlage S. 6
29
ELISE.
Vorlage S. 6
30
Warum bemüht Ihr Euch aber nicht auch um den Beistand meines Bruders für den Fall, dass Frau Claude unser Geheimnis verraten sollte?
Vorlage S. 6
31
VALERE.
Vorlage S. 7
32
Das lässt sich nicht vereinigen; Vater und Sohn sind in ihrer Gesinnung so gründlich verschieden, dass es mir unmöglich scheint, sich mit beiden gut zu stehn. Ihr aber, teure Elise, tut das Eurige bei Eurem Bruder und benutzt seine Freundschaft für Euch, um ihn in unser Interesse zu ziehn. Er kommt, und ich entferne mich. Der Augenblick ist günstig; sprecht mit ihm und entdeckt ihm von unserm Verhältnis, soviel Euch ratsam scheint.
Vorlage S. 7
33
ELISE.
Vorlage S. 7
34
Ich weiß noch nicht, ob ich den Mut haben werde, mich ihm anzuvertrauen.
Vorlage S. 7
35
Zweiter Auftritt.
Vorlage S. 7
36
Cleanthe. Elise.
Vorlage S. 7
37
CLEANTHE.
Vorlage S. 7
38
Es ist mir lieb, dich allein zu treffen, Schwester, denn ich konnte es nicht erwarten, mit dir zu sprechen, um dir ein Geheimnis mitzuteilen.
Vorlage S. 7
39
ELISE.
Vorlage S. 7
40
Ich bin ganz Ohr, lieber Bruder. Was hast du mir zu sagen?
Vorlage S. 7
41
CLEANTHE.
Vorlage S. 7
42
Sehr viel, Schwester. Und doch umschließt das alles ein einziges Wort: ich liebe.
Vorlage S. 7
43
ELISE.
Vorlage S. 7
44
Du liebst?
Vorlage S. 7
45
CLEANTHE.
Vorlage S. 7
46
Ja, ich liebe. Ehe ich aber fortfahre – ich weiß, dass ich einen Vater habe, von dem ich abhänge, und dass der Name Sohn mich seinem Willen unterwirft; dass wir unser Herz nicht ohne die Einwilligung unsrer Eltern verschenken dürfen; dass der Himmel sie als Gebieter über unsre Wünsche eingesetzt hat und dass es unsre Pflicht ist, uns ihrer Führung zu überlassen; dass sie, von keiner törichten Leidenschaft beherrscht, in der Lage sind, sich weit weniger als wir selbst zu täuschen und viel besser zu beurteilen, was uns frommt; dass wir uns sicherer auf ihre Einsicht und ihr Urteil verlassen können, als auf unsre blinde Leidenschaft, und dass die stürmische Heftigkeit der Jugend uns nur zu oft in die gefährlichsten Abgründe stürzt. Das alles sage ich dir, meine gute Schwester, damit ich dir die Mühe erspare, es mir zu sagen – denn meine Liebe will nichts hören, und ich bitte dich, mich mit allen Gegenvorstellungen zu verschonen.
Vorlage S. 7
47
ELISE.
Vorlage S. 8
48
Hast du dich schon mit deiner Geliebten verlobt, Bruder?
Vorlage S. 8
49
CLEANTHE.
Vorlage S. 8
50
Nein, aber ich bin dazu entschlossen, und ich beschwöre dich noch einmal, komme mir nicht mit Gründen, um mir's einzureden.
Vorlage S. 8
51
ELISE.
Vorlage S. 8
52
Hältst du mich denn für so wunderlich?
Vorlage S. 8
53
CLEANTHE.
Vorlage S. 8
54
Nein, Schwester; aber du liebst nicht; du weißt nichts von der süßen Gewalt, die eine zärtliche Neigung über unser Herz hat, und ich fürchte dein besonnenes Urteil.
Vorlage S. 8
55
ELISE.
Vorlage S. 8
56
Ach, Bruder, sprechen wir nicht von einer Besonnenheit; es gibt niemand, den sie nicht einmal im Stich ließe, und wenn ich dir mein Herz eröffnen wollte, würde ich dir vielleicht, sehr viel unbesonnener vorkommen als du dir selbst.
Vorlage S. 8
57
CLEANTHE.
Vorlage S. 8
58
Oh, wollte doch Gott, dass deine Seele wie die meinige wäre ...
Vorlage S. 8
59
ELISE.
Vorlage S. 8
60
Sprechen wir nur zuerst von deinen Angelegenheiten, und sage mir, wen du liebst.
Vorlage S. 8
61
CLEANTHE.
Vorlage S. 8
62
Ein junges Mädchen, das erst seit kurzem in dieser Gegend wohnt und ganz dazu geschaffen scheint, jedem, der sie erblickt, Liebe einzuflößen. Nie hat die Natur etwas Reizenderes hervorgebracht, und ich war vom ersten Augenblick an bezaubert von ihrer Schönheit. Sie heißt Mariane und lebt unter der Obhut einer guten ehrlichen Mutter, die fast immer krank ist und für welche das liebe Mädchen die rührendste Sorgfalt an den Tag legt. Sie pflegt sie, tröstet sie und bemitleidet sie in einer Weise, die dein ganzes Herz gewinnen würde. Alles, was sie tut, ist anmutig, jeder Bewegung leiht sie einen neuen Reiz und zeigt eine so liebenswürdige Sanftmut, eine so unwiderstehliche Güte, eine so entzückende Sittsamkeit, ein ... Ach, Schwester, ich wünschte nur, du könntest sie sehn!
Vorlage S. 8
63
ELISE.
Vorlage S. 8
64
Ich sehe schon genug, Bruder, aus allem, was du mir von ihr sagst; und um ihren Wert zu erkennen, brauche ich nur zu wissen, dass du sie liebst.
Vorlage S. 8
65
CLEANTHE.
Vorlage S. 8
66
Ich habe unterderhand erfahren, dass sie nicht wohlhabend sind, und dass sie trotz ihrer Eingezogenheit Mühe haben, ihre wenigen Ausgaben zu bestreiten. Denke nur, Schwester, welche Freude es sein müsste, die Lage eines geliebten Wesens zu verbessern, auf feine Weise dem bescheidenen Bedarf einer tugendhaften Familie zu Hilfe zu kommen, und du wirst einsehn, wie schmerzlich es für mich sein muss, mich durch den Geiz unsres Vaters außerstande zu sehn, mir dies Glück zu verschaffen und meiner Geliebten irgendeinen Beweis meiner Zärtlichkeit zu geben.
Vorlage S. 8
67
ELISE.
Vorlage S. 9
68
Ja, ich begreife ganz, Bruder, welchen Kummer du dabei empfinden musst.
Vorlage S. 9
69
CLEANTHE.
Vorlage S. 9
70
Ach, Schwester, er ist größer, als du ihn dir vorstellen kannst. Sag selbst, kann man sich etwas Grausameres denken als die harte Sparsamkeit, die man gegen uns ausübt, und die unerhörte Dürftigkeit, in der wir schmachten müssen? – Wozu hilft uns unser Vermögen, wenn es uns erst in einer Zeit zufällt, wo wir nicht mehr in den schönen Jahren sind, es genießen zu können? wenn ich jetzt, um nur zu bestehn, nach allen Seiten Schulden machen muss und so wie du gezwungen bin, täglich die Gefälligkeit der Kaufleute in Anspruch zu nehmen, um mir nur einigermaßen anständige Kleider zu verschaffen? – Ich habe dich bitten wollen, liebste Schwester, mir unsern Vater über meine Neigung ausforschen zu helfen; und wenn ich sehe, dass er taub für meine Wünsche bleibt, bin ich entschlossen, mir eine andre Heimat zu suchen und mit dem geliebten Mädchen mein Schicksal dem Himmel anheimzustellen. Ich bemühe mich deshalb, wo ich kann, Geld aufzunehmen, und wenn deine Lage, liebste Schwester, der meinigen gleichen sollte und unser Vater sich dir ebenso widersetzt wie mir, so lass uns ihm beide entfliehen und uns von der Tyrannei freimachen, in der sein unerträglicher Geiz uns schon so lange gefesselt hält.
Vorlage S. 9
71
ELISE.
Vorlage S. 9
72
Es ist wahr, dass er uns täglich mehr und mehr Ursache gibt, den Tod unsrer Mutter aufs neue zu beweinen.
Vorlage S. 9
73
CLEANTHE.
Vorlage S. 9
74
Ich höre seine Stimme: lass uns in dein Zimmer gehn, um unsre Geständnisse weiter auszutauschen, und dann mit vereinten Kräften einen Angriff auf seinen harten Sinn versuchen.
Vorlage S. 9
75
Dritter Auftritt.
Vorlage S. 9
76
Harpagon. La Fleche.
Vorlage S. 10
77
HARPAGON.
Vorlage S. 10
78
Hinaus, sage ich! Mir aus den Augen, du Erztagedieb! den Augenblick aus meinem Hause, du Galgenstrick!
Vorlage S. 10
79
LA FLECHE
Vorlage S. 10
80
beiseite.
Vorlage S. 10
81
Habe ich je einen so boshaften alten Kerl gesehn! Ich glaube meiner Treu, er hat den Teufel im Leibe.
Vorlage S. 10
82
HARPAGON.
Vorlage S. 10
83
Du murrst noch?
Vorlage S. 10
84
LA FLECHE.
Vorlage S. 10
85
Warum jagt Ihr mich denn fort?
Vorlage S. 10
86
HARPAGON.
Vorlage S. 10
87
Als ob dir's zukäme, du Schlingel, mich noch nach Gründen zu fragen! Drum marsch fort, sonst werfe ich dich hinaus.
Vorlage S. 10
88
LA FLECHE.
Vorlage S. 10
89
Was habe ich Euch nur getan?
Vorlage S. 10
90
HARPAGON.
Vorlage S. 10
91
Grade genug, damit ich dich los sein will.
Vorlage S. 10
92
LA FLECHE.
Vorlage S. 10
93
Mein junger Herr hat mir befohlen, ihn hier zu erwarten.
Vorlage S. 10
94
HARPAGON.
Vorlage S. 10
95
So geh und erwarte deinen jungen Herrn auf der Straße und stehe mir nicht so kerzengrade wie eine Schildwache da, um alles auszukundschaften, was vorgeht, und dir an allem deinen Profit zu machen. Ich will nicht ewig einen Aufpasser zur Seite haben, einen Spürhund, dessen verdammte Augen alles bewachen, was ich tue, alles verschlingen, was ich besitze, und in allen Ecken umherspähen, um zu sehn, ob's nichts zu mausen gibt.
Vorlage S. 10
96
LA FLECHE.
Vorlage S. 10
97
Wie zum Teufel sollte man's denn wohl anfangen, um Euch zu bestehlen? – Seid Ihr ein bestehlbarer Mensch, Ihr, der alles einschließt und Tag und Nacht Wache steht?
Vorlage S. 10
98
HARPAGON.
Vorlage S. 10
99
Ich will verschließen, was mir beliebt, und Schildwache stehn, wie mir's gefällt. Du bist mir auch so ein Spion, der auf alles acht gibt. Leise für sich. Wenn er nur nichts von meinem Gelde gemerkt hat! Laut. Du wärst wahrhaftig imstande und sprengtest aus, ich hätte Geld bei mir versteckt?
Vorlage S. 10
100
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
101
Ihr habt Geld bei Euch versteckt?
Vorlage S. 11
102
HARPAGON.
Vorlage S. 11
103
Nein, du Spitzbube, das sage ich nicht. Leise. Er bringt mich noch außer mir! Laut. Ich frage, ob du nicht boshaft genug wärst, mir's nachzusagen?
Vorlage S. 11
104
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
105
Uns kann's am Ende ganz einerlei sein, ob Ihr welches habt oder ob Ihr keins habt; wir bekommen doch nichts davon zu sehn!
Vorlage S. 11
106
HARPAGON
Vorlage S. 11
107
hebt die Hand auf, um ihm eine Ohrfeige zu geben.
Vorlage S. 11
108
Du räsonierst noch? Ich will dir meine Antwort hinters Ohr schreiben. Und nun noch einmal, mach, dass du fortkommst!
Vorlage S. 11
109
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
110
Nun gut, ich gehe.
Vorlage S. 11
111
HARPAGON.
Vorlage S. 11
112
Warte noch! Hast du nichts mitgenommen?
Vorlage S. 11
113
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
114
Was könnte ich denn nur mitnehmen?
Vorlage S. 11
115
HARPAGON.
Vorlage S. 11
116
Gleich komm her, lass mich einmal nachsehn. Zeig mir deine Hände.
Vorlage S. 11
117
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
118
Da sind sie.
Vorlage S. 11
119
HARPAGON.
Vorlage S. 11
120
Die andern!
Vorlage S. 11
121
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
122
Die andern?
Vorlage S. 11
123
HARPAGON.
Vorlage S. 11
124
Ja.
Vorlage S. 11
125
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
126
Da sind sie.
Vorlage S. 11
127
HARPAGON
Vorlage S. 11
128
zeigt auf die Taschen seiner weiten Beinkleider.
Vorlage S. 11
129
Hast du nichts dahineingesteckt?
Vorlage S. 11
130
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
131
Seht selbst nach!
Vorlage S. 11
132
HARPAGON.
Vorlage S. 11
133
Die großen Pluderhosen sind wahre Diebshöhlen, und ich wollte nur, man hängte einmal eine an den Galgen.
Vorlage S. 11
134
LA FLECHE
Vorlage S. 11
135
beiseite.
Vorlage S. 11
136
Na! wenn der nicht verdient, dass ihm geschähe, was er fürchtet, so weiß ich's nicht. Welch ein Vergnügen müsste es sein, den zu bestehlen!
Vorlage S. 11
137
HARPAGON.
Vorlage S. 11
138
He?
Vorlage S. 11
139
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
140
Was?
Vorlage S. 11
141
HARPAGON.
Vorlage S. 11
142
Was sprichst du da von stehlen?
Vorlage S. 11
143
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
144
Ich sage, visitiert nur recht genau, um zu sehn, ob ich Euch bestohlen habe.
Vorlage S. 11
145
HARPAGON.
Vorlage S. 11
146
Das will ich auch. Er greift in seine Taschen.
Vorlage S. 11
147
LA FLECHE
Vorlage S. 11
148
beiseite.
Vorlage S. 11
149
Wenn doch der Teufel den Geizhals holte und die Geizhälse dazu!
Vorlage S. 11
150
HARPAGON.
Vorlage S. 11
151
Was? Was sagst du?
Vorlage S. 11
152
LA FLECHE.
Vorlage S. 11
153
Was ich sage?
Vorlage S. 11
154
HARPAGON.
Vorlage S. 12
155
Ja; was sagst du vom Geiz und von den Geizigen?
Vorlage S. 12
156
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
157
Ich sage: wenn doch der Teufel den Geiz und alle Geizhälse holte!
Vorlage S. 12
158
HARPAGON.
Vorlage S. 12
159
Wen meinst du damit?
Vorlage S. 12
160
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
161
Die Geizhälse.
Vorlage S. 12
162
HARPAGON.
Vorlage S. 12
163
Und wer sind denn die Geizhälse?
Vorlage S. 12
164
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
165
Die schmutzigen Knicker und schäbigen Filze.
Vorlage S. 12
166
HARPAGON.
Vorlage S. 12
167
Aber auf wen geht das alles?
Vorlage S. 12
168
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
169
Was kümmert das Euch?
Vorlage S. 12
170
HARPAGON.
Vorlage S. 12
171
Ich kümmere mich um was mir gut dünkt.
Vorlage S. 12
172
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
173
Glaubt Ihr etwa, ich rede von Euch?
Vorlage S. 12
174
HARPAGON.
Vorlage S. 12
175
Ich glaube, was ich glaube, aber du sollst mir sagen, zu wem du das alles sprichst.
Vorlage S. 12
176
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
177
Ich spreche ... ich spreche mit meiner Mütze.
Vorlage S. 12
178
HARPAGON.
Vorlage S. 12
179
Nimm dich in acht! oder ich werde mit deinen Ohren sprechen.
Vorlage S. 12
180
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
181
Wollt Ihr mir wehren, die Geizhälse zu verwünschen?
Vorlage S. 12
182
HARPAGON.
Vorlage S. 12
183
Nein; aber ich werde dir's wehren, unverschämtes Zeug zu schwatzen! Schweig!
Vorlage S. 12
184
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
185
Ich nenne ja niemand!
Vorlage S. 12
186
HARPAGON.
Vorlage S. 12
187
Ich haue dich, wenn du noch ein Wort sprichst.
Vorlage S. 12
188
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
189
Wen es juckt, der kratze sich.
Vorlage S. 12
190
HARPAGON.
Vorlage S. 12
191
Wirst du schweigen?
Vorlage S. 12
192
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
193
Ich muss wohl!
Vorlage S. 12
194
HARPAGON.
Vorlage S. 12
195
Endlich!
Vorlage S. 12
196
LA FLECHE
Vorlage S. 12
197
zeigt auf noch eine Tasche in seinem Wams.
Vorlage S. 12
198
Seht, hier ist noch eine Tasche. Seid Ihr nun zufrieden?
Vorlage S. 12
199
HARPAGON.
Vorlage S. 12
200
Komm, gib mir's heraus, ohne dass ich visitiere.
Vorlage S. 12
201
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
202
Was?
Vorlage S. 12
203
HARPAGON.
Vorlage S. 12
204
Was du mir gestohlen hast.
Vorlage S. 12
205
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
206
Ich habe Euch ganz und gar nichts gestohlen!
Vorlage S. 12
207
HARPAGON.
Vorlage S. 12
208
Gewiss nicht?
Vorlage S. 12
209
LA FLECHE.
Vorlage S. 12
210
Wahrhaftig nicht.
Vorlage S. 12
211
HARPAGON.
Vorlage S. 12
212
So geh zum Teufel!
Vorlage S. 12
213
LA FLECHE
Vorlage S. 12
214
beiseite.
Vorlage S. 12
215
Schöne Empfehlung!
Vorlage S. 12
216
HARPAGON.
Vorlage S. 12
217
Ich lege dir's auf dein Gewissen!
Vorlage S. 12
218
Vierter Auftritt.
Vorlage S. 12
219
Harpagon allein.
Vorlage S. 13
220
Der Schlingel ist mir immer im Wege, und ich kann den nichtsnutzigen hinkenden Taugenichts nicht mehr ersehn. Es ist wahrhaftig keine kleine Sache, eine so große Summe in seinem Hause zu hüten, und der ist ein glücklicher Mann, der sein ganzes Vermögen sicher untergebracht und nur so viel behalten hat, als er zu seinen täglichen Ausgaben braucht! – Man hat wahrhaftig rechte Not, im ganzen Hause einen sichern Winkel zu finden. Von den eisernen Geldkisten will ich nichts wissen und traue ihnen nicht; denn die sind der wahre Köder für die Spitzbuben; an die machen sie sich immer zuerst.
Vorlage S. 13
221
Fünfter Auftritt.
Vorlage S. 13
222
Harpagon. Elise und Cleanthe im Gespräch miteinander im Hintergrunde der Bühne.
Vorlage S. 13
223
HARPAGON
Vorlage S. 13
224
für sich.
Vorlage S. 13
225
Und doch weiß ich nicht, ob es klug war, dass ich die dreißigtausend Livres, die man mir gestern brachte, im Garten vergraben habe. Dreißigtausend Livres in blankem Golde sind wahrhaftig ein hübsches Kapital ... Er bemerkt Elise und Cleanthe; beiseite. O Himmel! – da werde ich mich selbst verraten haben! – Der Eifer hat mich hingerissen, und ich glaube, ich habe laut vor ihnen gesprochen! Zu Elise und Cleanthe. Was gibt's?
Vorlage S. 13
226
CLEANTHE.
Vorlage S. 13
227
Nichts, Vater!
Vorlage S. 13
228
HARPAGON.
Vorlage S. 13
229
Seid ihr schon lange da?
Vorlage S. 13
230
ELISE.
Vorlage S. 13
231
Wir kommen erst eben.
Vorlage S. 13
232
HARPAGON.
Vorlage S. 13
233
Ihr habt gewiss gehört ...
Vorlage S. 13
234
CLEANTHE.
Vorlage S. 13
235
Was denn, Vater?
Vorlage S. 13
236
HARPAGON.
Vorlage S. 13
237
Jetzt eben!
Vorlage S. 13
238
ELISE.
Vorlage S. 13
239
Was?
Vorlage S. 13
240
HARPAGON.
Vorlage S. 13
241
Was ich zu mir selbst sprach.
Vorlage S. 13
242
CLEANTHE.
Vorlage S. 13
243
Nein!
Vorlage S. 13
244
HARPAGON.
Vorlage S. 13
245
Doch! doch!
Vorlage S. 13
246
ELISE.
Vorlage S. 13
247
Gewiss nicht, Vater.
Vorlage S. 13
248
HARPAGON.
Vorlage S. 14
249
Ich sehe es euch an, ihr müsst etwas gehört haben. Ich überlegte mir, wie schwer es heutzutage ist, Geld aufzutreiben, und sagte, das wäre ein glücklicher Mann, der dreißigtausend Livres im Hause liegen hätte.
Vorlage S. 14
250
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
251
Wir fürchteten, Euch zu stören, und wollten Euch nicht zuerst anreden.
Vorlage S. 14
252
HARPAGON.
Vorlage S. 14
253
Ich wiederhole euch das mit Fleiß, damit ihr die Sache nicht falsch versteht und euch etwa einbildet, ich hätte selbst die dreißigtausend Livres.
Vorlage S. 14
254
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
255
Wir kümmern uns nicht um Eure Angelegenheiten.
Vorlage S. 14
256
HARPAGON.
Vorlage S. 14
257
Wollte Gott, ich hätte sie, die dreißigtausend Livres!
Vorlage S. 14
258
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
259
Ich glaube nicht ...
Vorlage S. 14
260
HARPAGON.
Vorlage S. 14
261
Die wären mir recht gelegen!
Vorlage S. 14
262
ELISE.
Vorlage S. 14
263
Das sind Dinge ...
Vorlage S. 14
264
HARPAGON.
Vorlage S. 14
265
Ich könnte sie recht gut brauchen!
Vorlage S. 14
266
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
267
Ich denke ...
Vorlage S. 14
268
HARPAGON.
Vorlage S. 14
269
Da wäre ich aus aller Verlegenheit!
Vorlage S. 14
270
ELISE.
Vorlage S. 14
271
Ihr seid ...
Vorlage S. 14
272
HARPAGON.
Vorlage S. 14
273
Und hätte nicht nötig, über die schlechten Zeiten zu klagen!
Vorlage S. 14
274
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
275
Mein Gott, Vater, Ihr habt auch keine Ursache zu klagen; man weiß ja, dass Ihr vermögend genug seid.
Vorlage S. 14
Porträt von Molière
Kontextbild zum Werk. Porträt von Molière — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Pierre Mignard I · Public domain Bildquelle ↗
276
HARPAGON.
Vorlage S. 14
277
Was, ich wäre vermögend genug? Daran ist kein wahres Wort, und wer so etwas unter die Leute bringt, ist ein Schelm.
Vorlage S. 14
278
ELISE.
Vorlage S. 14
279
Ereifert Euch doch darüber nicht!
Vorlage S. 14
280
HARPAGON.
Vorlage S. 14
281
Es ist unerhört! Meine eigenen Kinder verraten mich und werden meine Feinde!
Vorlage S. 14
282
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
283
Muss man denn Euer Feind sein, wenn man Euch wohlhabend nennt?
Vorlage S. 14
284
HARPAGON.
Vorlage S. 14
285
Ja freilich! – Solche Rede und deine unsinnigen Ausgaben werden noch zur Folge haben, dass man allernächstens bei mir einbrechen und mir den Hals abschneiden wird, weil man denkt, ich schwimme in Gold.
Vorlage S. 14
286
CLEANTHE.
Vorlage S. 14
287
Was für große Ausgaben mache ich denn?
Vorlage S. 14
288
HARPAGON.
Vorlage S. 14
289
Was für Ausgaben? Ist es denn nicht eine wahre Schande, sich in einem so kostbaren Anzuge in der Stadt herumzutreiben? Ich zankte gestern mit deiner Schwester; aber du bist noch zehnmal schlimmer. Das schreit ja zum Himmel; und wie du da gehst und stehst, ließe sich ein ganz hübscher Rentenvertrag aus dem unnützen Plunder formulieren. Ich habe dir's zwanzigmal gesagt, Herr Sohn, alle deine Manieren missfallen mir im höchsten Grade. Es ist ja ganz erschrecklich, wie du den Marquis spielst! – Um dir solche Kleider anschaffen zu können, musst du mich bestehlen.
Vorlage S. 14
290
CLEANTHE.
Vorlage S. 15
291
Wie? Ich Euch bestehlen?
Vorlage S. 15
292
HARPAGON.
Vorlage S. 15
293
Was weiß ich! Woher nimmst du sonst das Geld für all den Flitterstaat?
Vorlage S. 15
294
CLEANTHE.
Vorlage S. 15
295
Ich, Vater? – Ich spiele; und da ich Glück im Spiel habe, verwende ich den Gewinn auf meinen Anzug.
Vorlage S. 15
296
HARPAGON.
Vorlage S. 15
297
Daran tust du sehr unrecht. Wenn du Glück im Spiel hast, solltest du's benutzen und das gewonnene Geld auf gute Interessen anlegen; dann hättest du etwas, wenn du's brauchst. Ich möchte doch wissen, abgesehen von allem andern, wozu die Unmasse von Bändern nützt, mit denen du vom Kopf bis zu den Füßen gespickt bist, und ob ein halb Dutzend Nesteln nicht genug wäre, um deine Pluderhosen an das Wams zu heften. Es ist wahrhaftig wohl nötig, Geld für Perücken auszugeben, wenn man sein eigenes Haar tragen kann, das nichts kostet! Ich will wetten, in deiner Perücke und deinen Bändern stecken allerwenigstens zwanzig Pistolen, und zwanzig Pistolen bringen im Jahr achtzehn Livres acht Sous und acht Deniers, wenn man sie auch nur zum zwölften Pfennig ausleiht.
Vorlage S. 15
298
CLEANTHE.
Vorlage S. 15
299
Das ist richtig.
Vorlage S. 15
300
HARPAGON.
Vorlage S. 15
301
Aber jetzt von etwas anderm. Er bemerkt, dass Cleanthe und Elise sich Zeichen geben. He! Beiseite. Ich glaube, sie machen sich einander Zeichen, um mir meine Börse zu stehlen. Laut. Was bedeuten alle die Winke?
Vorlage S. 15
302
ELISE.
Vorlage S. 15
303
Wir verhandeln eben, mein Bruder und ich, wer zuerst mit Euch sprechen soll, denn wir haben Euch beide etwas zu sagen.
Vorlage S. 15
304
HARPAGON.
Vorlage S. 15
305
Und ich habe euch beiden gleichfalls etwas zu sagen.
Vorlage S. 15
306
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
307
Wir wünschten, Vater, mit Euch vom Heiraten zu sprechen.
Vorlage S. 16
308
HARPAGON.
Vorlage S. 16
309
Und über eine Heirat wollt' ich grade eben auch mit Euch reden.
Vorlage S. 16
310
ELISE.
Vorlage S. 16
311
Ach, Vater!
Vorlage S. 16
312
HARPAGON.
Vorlage S. 16
313
Was erschrickst du denn so? Ist's das Wort oder die Sache, die dir bange macht?
Vorlage S. 16
314
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
315
Nach der Art, wie Ihr wahrscheinlich die Sache auffaßt, kann eine Heirat uns beide wohl erschrecken, und wir sind in der Besorgnis, dass unsre Gefühle nicht mit Eurer Wahl übereinstimmen werden.
Vorlage S. 16
316
HARPAGON.
Vorlage S. 16
317
Nur ein wenig Geduld, und macht euch keine Unruhe. Ich weiß, was sich für euch beide schickt, und ihr sollt weder der eine noch die andere die mindeste Ursache haben, euch über meine Pläne zu beklagen. Um also die Sache vom einen Ende anzufangen, Zu Cleanthe. sage mir doch, hast du eine junge Person gesehen, die Mariane heißt und nicht weit von hier wohnt?
Vorlage S. 16
318
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
319
Ja, Vater.
Vorlage S. 16
320
HARPAGON.
Vorlage S. 16
321
Und du?
Vorlage S. 16
322
ELISE.
Vorlage S. 16
323
Ich habe von ihr gehört.
Vorlage S. 16
324
HARPAGON.
Vorlage S. 16
325
Nun, mein Sohn, wie gefällt dir das Mädchen?
Vorlage S. 16
326
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
327
Ich finde sie außerordentlich hübsch.
Vorlage S. 16
328
HARPAGON.
Vorlage S. 16
329
Ihre Physiognomie?
Vorlage S. 16
330
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
331
Ganz Güte und Verstand.
Vorlage S. 16
332
HARPAGON.
Vorlage S. 16
333
Ihre Haltung und ihr Benehmen?
Vorlage S. 16
334
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
335
Durchaus liebenswürdig, ohne Frage.
Vorlage S. 16
336
HARPAGON.
Vorlage S. 16
337
Scheint dir nicht, ein solches Mädchen verdiene schon, dass man an sie denke?
Vorlage S. 16
338
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
339
Ja freilich, lieber Vater.
Vorlage S. 16
340
HARPAGON.
Vorlage S. 16
341
Dass es eine wünschenswerte Partie sein würde?
Vorlage S. 16
342
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
343
Im höchsten Grade wünschenswert.
Vorlage S. 16
344
HARPAGON.
Vorlage S. 16
345
Dass sie ganz danach aussieht, als würde sie eine gute Hausfrau abgeben?
Vorlage S. 16
346
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
347
Ohne allen Zweifel.
Vorlage S. 16
348
HARPAGON.
Vorlage S. 16
349
Und dass ein Mann schon mit ihr zufrieden sein könnte?
Vorlage S. 16
350
CLEANTHE.
Vorlage S. 16
351
Ganz gewiss!
Vorlage S. 16
352
HARPAGON.
Vorlage S. 17
353
Es ist allerdings eine kleine Schwierigkeit dabei: ich fürchte, sie wird nicht so viel Vermögen haben, als man wohl verlangen könnte.
Vorlage S. 17
354
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
355
Ach, Vater, auf das Vermögen muss man nicht sehen, wenn sich's darum handelt, ein so vortreffliches Mädchen zu heiraten.
Vorlage S. 17
356
HARPAGON.
Vorlage S. 17
357
Erlaube, mein Sohn, erlaube! Indes, wenn sich denn auch nicht so viel Kapital vorfindet, als zu wünschen wäre, so lässt sich das immer auf andere Weise wieder einbringen.
Vorlage S. 17
358
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
359
Das versteht sich!
Vorlage S. 17
360
HARPAGON.
Vorlage S. 17
361
Nun, es ist mir recht lieb zu sehen, dass du einer Meinung mit mir bist, denn ihr sittsames Wesen und ihre Sanftmut haben mich für sie eingenommen, und ich habe beschlossen, sie zur Frau zu nehmen, wenn sie nur irgend etwas Geld hat.
Vorlage S. 17
362
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
363
Was?
Vorlage S. 17
364
HARPAGON.
Vorlage S. 17
365
Nun?
Vorlage S. 17
366
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
367
Ihr seid entschlossen, sagt Ihr ...
Vorlage S. 17
368
HARPAGON.
Vorlage S. 17
369
Mariane zu heiraten.
Vorlage S. 17
370
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
371
Wer? Ihr? – Ihr?
Vorlage S. 17
372
HARPAGON.
Vorlage S. 17
373
Ja doch! Ich! Ich! – Was soll das heißen?
Vorlage S. 17
374
CLEANTHE.
Vorlage S. 17
375
Mir ist nicht ganz wohl; ich will an die Luft gehn.
Vorlage S. 17
376
HARPAGON.
Vorlage S. 17
377
Das wird weiter nichts sein. Lass dir gleich in der Küche ein Glas kaltes Wasser geben!
Vorlage S. 17
378
Sechster Auftritt.
Vorlage S. 17
379
Harpagon. Elise.
Vorlage S. 17
380
HARPAGON.
Vorlage S. 17
381
Da haben wir unsere Modeherrchen, unsere zarten, schmächtigen Stutzer, die nicht mehr Saft und Kraft in den Gliedern haben als ein junges Huhn. Das war also, meine Tochter, was ich für mich ausgesucht habe. Was deinen Bruder anlangt, so bestimme ich dem eine Witwe, von der man mir heut morgen gesprochen hat; und du, mein Kind, sollst den Herrn Anselme heiraten.
Vorlage S. 17
382
ELISE.
Vorlage S. 18
383
Den Herrn Anselme?
Vorlage S. 18
384
HARPAGON.
Vorlage S. 18
385
Ja; ein gesetzter, vorsichtiger und verständiger Mann, der nicht über fünfzig Jahre alt ist und, wie man mir rühmt, ein schönes Vermögen besitzt.
Vorlage S. 18
386
ELISE
Vorlage S. 18
387
macht ihm eine Reverenz.
Vorlage S. 18
388
Mit Eurer Erlaubnis, mein Herr Vater, ich will mich nicht verheiraten.
Vorlage S. 18
389
HARPAGON
Vorlage S. 18
390
spottet Elisen nach.
Vorlage S. 18
391
Und ich, Fräulein Naseweis, mein Schatz, ich bestehe darauf, mit deiner Erlaubnis, dass du dich verheiratest.
Vorlage S. 18
392
ELISE
Vorlage S. 18
393
sich abermals verneigend.
Vorlage S. 18
394
Ich bitte um Verzeihung, mein Vater.
Vorlage S. 18
395
HARPAGON
Vorlage S. 18
396
ihr nachsprechend.
Vorlage S. 18
397
Ich bitte um Verzeihung, meine Tochter.
Vorlage S. 18
398
ELISE.
Vorlage S. 18
399
Ich bin des Herrn Anselme untertänigste Dienerin; aber Verneigt sich abermals. mit Eurer Erlaubnis, heiraten werde ich ihn nicht.
Vorlage S. 18
400
HARPAGON.
Vorlage S. 18
401
Ich bin dein untertänigster Diener, aber Spricht Elise nach. heiraten wirst du ihn noch heut abend.
Vorlage S. 18
402
ELISE.
Vorlage S. 18
403
Heut abend, sagt Ihr?
Vorlage S. 18
404
HARPAGON.
Vorlage S. 18
405
Heut abend, sag' ich.
Vorlage S. 18
406
ELISE
Vorlage S. 18
407
macht noch einmal eine Reverenz.
Vorlage S. 18
408
Das wird nicht geschehen, mein Vater.
Vorlage S. 18
409
HARPAGON.
Vorlage S. 18
410
Das wird doch geschehen, meine Tochter.
Vorlage S. 18
411
ELISE.
Vorlage S. 18
412
Nein!
Vorlage S. 18
413
HARPAGON.
Vorlage S. 18
414
Doch!
Vorlage S. 18
415
ELISE.
Vorlage S. 18
416
Nein, sage ich Euch.
Vorlage S. 18
417
HARPAGON.
Vorlage S. 18
418
Doch, sage ich dir.
Vorlage S. 18
419
ELISE.
Vorlage S. 18
420
Ihr werdet mich nie dazu zwingen.
Vorlage S. 18
421
HARPAGON.
Vorlage S. 18
422
Ich werde dich schon dazu zwingen.
Vorlage S. 18
423
ELISE.
Vorlage S. 18
424
Lieber, als einen solchen Mann zu heiraten, bringe ich mich um.
Vorlage S. 18
425
HARPAGON.
Vorlage S. 18
426
Du wirst dich nicht umbringen und wirst ihn heiraten. Aber sehe mir einer den Trotz! – Hat man je eine Tochter so mit ihrem Vater sprechen hören?
Vorlage S. 18
427
ELISE.
Vorlage S. 18
428
Hat man aber auch je einen Vater seine Tochter so verheiraten sehen?
Vorlage S. 18
429
HARPAGON.
Vorlage S. 18
430
Gegen die Heirat ist nichts einzuwenden, und ich wette, dass alle Welt meine Wahl billigen wird.
Vorlage S. 18
431
ELISE.
Vorlage S. 19
432
Und ich wette, kein vernünftiger Mensch wird sie gutheißen.
Vorlage S. 19
433
HARPAGON.
Vorlage S. 19
434
Da kommt Valere. Willst du, dass wir ihn zum Schiedsrichter zwischen uns beiden machen?
Vorlage S. 19
435
ELISE.
Vorlage S. 19
436
Ich bin's zufrieden.
Vorlage S. 19
437
HARPAGON.
Vorlage S. 19
438
Wirst du dich seinem Ausspruch unterwerfen?
Vorlage S. 19
439
ELISE.
Vorlage S. 19
440
Ja; was er sagt, will ich tun.
Vorlage S. 19
441
HARPAGON.
Vorlage S. 19
442
Abgemacht!
Vorlage S. 19
443
Siebenter Auftritt.
Vorlage S. 19
444
Valere. Harpagon. Elise.
Vorlage S. 19
445
HARPAGON.
Vorlage S. 19
446
Hierher, Valere! Wir haben ausgemacht, meine Tochter und ich, dass du entscheiden sollst, wer von uns beiden recht hat.
Vorlage S. 19
447
VALERE.
Vorlage S. 19
448
Ohne Zweifel Ihr, gnädiger Herr.
Vorlage S. 19
449
HARPAGON.
Vorlage S. 19
450
Weißt du denn, um was sich's handelt?
Vorlage S. 19
451
VALERE.
Vorlage S. 19
452
Nein. Aber Ihr könnt ein für allemal nicht unrecht haben; denn Ihr seid die Weisheit selbst.
Vorlage S. 19
453
HARPAGON.
Vorlage S. 19
454
Ich will sie heut abend mit einem wackern und reichen Manne verheiraten, und der Grasaffe sagt mir ins Gesicht, daraus könne nichts werden. Was sagst du dazu?
Vorlage S. 19
455
VALERE.
Vorlage S. 19
456
Was ich dazu sage?
Vorlage S. 19
457
HARPAGON.
Vorlage S. 19
458
Ja.
Vorlage S. 19
459
VALERE.
Vorlage S. 19
460
Hm! hm!
Vorlage S. 19
461
HARPAGON.
Vorlage S. 19
462
Nun?
Vorlage S. 19
463
VALERE.
Vorlage S. 19
464
Ich sage, dass ich im Grunde Eurer Meinung bin, denn Ihr könnt nicht anders als recht haben; aber sie hat ihrerseits auch nicht völlig unrecht.
Vorlage S. 19
465
HARPAGON.
Vorlage S. 19
466
Was! Der Herr Anselme ist eine höchst vorteilhafte Partie; er ist ein Edelmann von wirklichem Adel, ein stiller, gesetzter, verständiger und sehr reicher Mann, dessen Kinder alle gestorben sind. Kann sie es denn besser verlangen?
Vorlage S. 19
467
VALERE.
Vorlage S. 19
468
Das ist wahr. Aber sie könnte Euch vielleicht einwenden, dass Ihr die Sache etwas übereilt und dass man wenigstens noch einige Zeit warten sollte, um zu sehen, ob ihre Neigung ...
Vorlage S. 19
469
HARPAGON.
Vorlage S. 20
470
Ei was! Solch eine Gelegenheit muss man beim Schopf fassen. Es wird mir hier ein Vorteil geboten, den ich anderswo nie wieder finden würde; er verpflichtet sich, sie ohne Mitgift zu nehmen.
Vorlage S. 20
471
VALERE.
Vorlage S. 20
472
Ohne Mitgift?
Vorlage S. 20
473
HARPAGON.
Vorlage S. 20
474
Ja.
Vorlage S. 20
475
VALERE.
Vorlage S. 20
476
Ah, dann sage ich nichts mehr. Ja, seht, das entscheidet ohne weiteres; da muss man die Segel streichen.
Vorlage S. 20
477
HARPAGON.
Vorlage S. 20
478
Das ist für mich eine große Ersparnis.
Vorlage S. 20
479
VALERE.
Vorlage S. 20
480
Natürlich. Dagegen ist nicht zu streiten. Freilich könnte Eure Tochter Euch vorstellen, dass die Heirat für sie eine hochwichtige Sache ist; dass sich's um das Glück oder Unglück ihres ganzen Lebens handelt; und dass eine Verbindung, die nur der Tod trennen kann, mit der größten Vorsicht geschlossen werden muss.
Vorlage S. 20
481
HARPAGON.
Vorlage S. 20
482
Ohne Mitgift!
Vorlage S. 20
483
VALERE.
Vorlage S. 20
484
Ihr habt recht; damit ist alles gesagt, das versteht sich. Es gibt zwar Leute, die Euch bemerken könnten, dass in solchen Fällen die Zuneigung eines Mädchens berücksichtigt werden sollte, und dass eine so große Ungleichheit des Alters, des Naturells und Gefühls eine Ehe den verdrießlichsten Zufällen aussetzen kann ...
Vorlage S. 20
485
HARPAGON.
Vorlage S. 20
486
Ohne Mitgift!
Vorlage S. 20
487
VALERE.
Vorlage S. 20
488
Freilich, darauf lässt sich nichts erwidern, das sehe ich wohl ein. Wer Teufel kann dagegen aufkommen? Es gibt allerdings Väter, denen die Zufriedenheit ihrer Töchter lieber ist als das Gold, das sie ihnen mitzugeben hätten; die nicht daran denken, sie ihrem Interesse zu opfern, und die vor allen Dingen danach streben, eine Ehe auf die schöne Harmonie zu gründen, die allein imstande ist, ihr Ehre, Ruhe und Glück zu sichern ...
Vorlage S. 20
489
HARPAGON.
Vorlage S. 20
490
Ohne Mitgift!
Vorlage S. 20
491
VALERE.
Vorlage S. 20
492
Ja, da liegt's; da muss jeder verstummen. Ohne Mitgift! Wer kann solch einem Grunde widerstehn?
Vorlage S. 20
493
HARPAGON
Vorlage S. 20
494
beiseite; sieht nach dem Garten.
Vorlage S. 20
495
Still, was war das? Ich glaube, der Hund hat gebellt. Gewiss sind Diebe bei meinem Gelde. Zu Valere. Geh nicht fort, ich bin gleich wieder da.
Vorlage S. 20
496
Achter Auftritt.
Vorlage S. 20
497
Elise. Valere.
Vorlage S. 21
498
ELISE.
Vorlage S. 21
499
Seid Ihr von Sinnen, Valere, dass Ihr so zu ihm sprecht?
Vorlage S. 21
500
VALERE.
Vorlage S. 21
501
Das muss ich, um ihn nicht zu erbittern, und um desto eher zu meinem Ziele zu gelangen. Ihm geradezu widersprechen, wäre das Mittel, alles zu verderben; es gibt Charaktere, denen man nur durch Nachgiebigkeit beikommen kann – Temperamente, die keinen Widerspruch ertragen; störrische Naturen, die sich gegen die Wahrheit aufbäumen, vom geraden Wege der Vernunft nichts wissen wollen und sich nur durch Wendungen dahin führen lassen, wohin man sie haben will. Stellt Euch nur, als fügtet Ihr Euch in seinen Willen, so werdet Ihr Euren Zweck viel leichter erreichen.
Vorlage S. 21
502
ELISE.
Vorlage S. 21
503
Aber diese Heirat, Valere!
Vorlage S. 21
504
VALERE.
Vorlage S. 21
505
Wir müssen Ausflüchte suchen, sie zu hintertreiben.
Vorlage S. 21
506
ELISE.
Vorlage S. 21
507
Was lässt sich denn aber ersinnen, wenn der Kontrakt heut abend unterschrieben werden soll?
Vorlage S. 21
508
VALERE.
Vorlage S. 21
509
Ihr verlangt einen Aufschub, gebt vor, Ihr seid krank.
Vorlage S. 21
510
ELISE.
Vorlage S. 21
511
Wenn aber ein Arzt geholt wird, kommt die Wahrheit an den Tag!
Vorlage S. 21
512
VALERE.
Vorlage S. 21
513
Glaubt Ihr das im Ernst? Was verstehen denn die Ärzte davon! – Geht, geht; wegen deren könnt Ihr von Krankheiten nennen, was Euch einfällt; sie werden Euch gewiss Gründe finden, um Euch zu deduzieren, woher das Übel entstanden sei.
Vorlage S. 21
514
Neunter Auftritt.
Vorlage S. 21
515
Harpagon. Elise. Valere.
Vorlage S. 21
516
HARPAGON
Vorlage S. 21
517
beiseite, im Hintergrunde.
Vorlage S. 21
518
Es war nichts, Gott sei Dank!
Vorlage S. 21
519
VALERE
Vorlage S. 21
520
ohne Harpagon zu sehen.
Vorlage S. 21
521
Und dann haben wir ja noch das letzte Mittel, das uns gegen alles schützt – die Flucht. Wenn Eure Liebe, meine teure Elise, Festigkeit genug besitzt – Er sieht Harpagon. Ja, eine Tochter muss ihrem Vater gehorchen. Wie der ihr bestimmte Mann aussieht, das muss ihr einerlei sein; und wenn das große Argument »ohne Mitgift« ins Spiel kommt, muss sie sich jeden gefallen lassen, den man ihr vorschlägt.
Vorlage S. 21
522
HARPAGON.
Vorlage S. 22
523
Bravo! – Vortrefflich gesprochen!
Vorlage S. 22
524
VALERE.
Vorlage S. 22
525
Gnädiger Herr, Ihr müsst entschuldigen, dass ich so in Eifer kam und mir's herausnahm, so resolut mit ihr zu sprechen.
Vorlage S. 22
526
HARPAGON.
Vorlage S. 22
527
Ei, das macht mir ja die größte Freude, und ich räume dir die unbedingteste Gewalt über sie ein. Zu Elise. Ja, laufe nur davon; ich erteile ihm alle Gewalt, die mir der Himmel über dich verliehen hat, und verlange, dass du alles tust, was er dir sagen wird.
Vorlage S. 22
528
VALERE
Vorlage S. 22
529
zu Elise.
Vorlage S. 22
530
Werdet Ihr Euch meinen Vorstellungen jetzt noch widersetzen?
Vorlage S. 22
531
Zehnter Auftritt.
Vorlage S. 22
532
Harpagon. Valere.
Vorlage S. 22
533
VALERE.
Vorlage S. 22
534
Gnädiger Herr, ich werde ihr nachgehen und in meinen Ermahnungen weiter fortfahren.
Vorlage S. 22
535
HARPAGON.
Vorlage S. 22
536
Das soll mir ganz lieb sein; denn wahrhaftig ...
Vorlage S. 22
537
VALERE.
Vorlage S. 22
538
Man muss ihr den Zügel ein wenig straff halten ...
Vorlage S. 22
539
HARPAGON.
Vorlage S. 22
540
Ja, das muss man. Es wird gut sein ...
Vorlage S. 22
541
VALERE.
Vorlage S. 22
542
Seid unbesorgt. Ich glaube, ich werde mit ihr fertig werden!
Vorlage S. 22
543
HARPAGON.
Vorlage S. 22
544
Nur immer zu! Ich mache nur einen kleinen Gang durch die Stadt und komme gleich wieder zurück.
Vorlage S. 22
545
VALERE
Vorlage S. 22
546
spricht im Abgehen durch die Kulisse, durch welche Elise sich entfernt hatte.
Vorlage S. 22
547
Ja, das Geld ist kostbarer als alles übrige in der Welt, und Ihr müsst dem Himmel dankbar dafür sein, dass er Euch einen so braven Vater gegeben hat. Der weiß, was zum Leben gehört. Wenn sich jemand erbietet, ein Mädchen ohne Mitgift nehmen zu wollen, da darf man weder rechts noch links sehen; in dem Wort liegt alles. Ohne Mitgift; das ersetzt Schönheit, Jugend, Geburt, Ehre, Verstand und Rechtschaffenheit.
Vorlage S. 22
548
HARPAGON.
Vorlage S. 23
549
Der brave Junge! Spricht er nicht wahrhaftig wie ein Orakel! – Glücklich, wer einen solchen Diener gefunden hat!
Vorlage S. 23

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Meine Herzenswahl wird gerechtfertigt durch Euer Verdienst und stützt sich überdem auf …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ihr aber, teure Elise, tut das Eurige bei Eurem Bruder und benutzt seine […] für Euch, um ihn in unser Interesse zu ziehn.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »nachdem« in diesem Textausschnitt? »Wie, meine teure Elise, ich sehe Euch nachdenklich und sorgenvoll, nachdem Ihr eben die Großmut hattet, mich Eurer Treue zu versichern?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ich spreche ... ich spreche mit meiner Mütze.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, meine Eltern wiederzufinden, und wenn mir das gelingt, wird es nicht schwer sein, ihn für uns zu gewinnen.« B: »Und doch weiß ich nicht, ob es klug war, dass ich die dreißigtausend Livres, die man mir gestern brachte, im Garten vergraben habe.« C: »Gegen die Heirat ist nichts einzuwenden, und ich wette, dass alle Welt meine Wahl billigen wird.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Nun, mein Sohn, wie …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Das war also, meine Tochter, was ich für mich […] habe.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deshalb« in diesem Textausschnitt? »Ich bemühe mich deshalb, wo ich kann, Geld aufzunehmen, und wenn deine Lage, liebste Schwester, der meinigen gleichen sollte und unser Vater sich dir ebenso widersetzt wie mir, so lass uns ihm beide entfliehen und uns von der Tyrannei freimachen, in der sein unerträglicher Geiz uns schon so lange gefesselt hält.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wenn Eure Liebe, meine teure Elise, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Wie, meine teure Elise, ich sehe Euch nachdenklich und sorgenvoll, nachdem Ihr eben die Großmut hattet, mich Eurer Treue zu versichern?«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Wie, meine teure Elise, ich sehe Euch nachdenklich und sorgenvoll, nachdem Ihr eben die Großmut hattet, mich Eurer Treue zu versichern?« und »Festigkeit genug besitzt – Er sieht Harpagon«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »hat mich hingerissen, und ich glaube, ich habe laut vor ihnen gesprochen«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Wie, meine teure Elise, ich sehe Euch nachdenklich und sorgenvoll, nachdem Ihr eben die Großmut hattet, mich Eurer Treue zu versichern?«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »O Himmel! – da werde ich mich selbst verraten haben! – Der Eifer hat mich hingerissen, und ich glaube, ich habe laut vor ihnen gesprochen!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Spricht er nicht wahrhaftig wie ein Orakel! – Glücklich, wer einen solchen Diener gefunden hat!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte historische Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid stellt Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Der Geizige

Molière: Der Geizige. Übers. v. Wolf Graf Baudissin, Leipzig: Philipp Reclam jun., [o. J.]. Molière 3- Leipzig

Das Werk Der Geizige von Molière ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE Lizenz

Originalsprache · Französisch

Vollständige französische Komödie mit Personenverzeichnis und fünf Akten; historische Schreibweise und die17 erklärenden Anmerkungen der Firmin-Didot-Ausgabe1890 sind erhalten. Die moderne Gutenberg-Herstellungsnotiz und der Lizenzabschluss stehen außerhalb des Werktextes. Keine Satzparität zur Baudissin-Übersetzung.

Molière; Project Gutenberg.

Autorschaft und Ausgabe: Molière

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.