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Zellatmung - Chemie

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Zellatmung - Chemie




Zellatmung - Chemie


Einleitung

Bei der Zellatmung gewinnen Zellen nutzbare chemische Energie aus energiereichen Stoffen wie Glucose. Aus chemischer Sicht ist die Zellatmung eine Folge gekoppelter Redoxreaktionen. Glucose wird schrittweise oxidiert, während Sauerstoff am Ende der Reaktionskette reduziert wird.

Die Energie wird nicht auf einmal als Wärme frei. Ein Teil wird vorübergehend in Adenosintriphosphat ATP gespeichert. ATP kann anschließend energieverbrauchende Vorgänge in der Zelle antreiben. Auch Pflanzen betreiben Zellatmung.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du

  1. die Gesamtreaktion der Zellatmung formulieren,
  2. Oxidation und Reduktion in der Gesamtreaktion erkennen,
  3. die vier Teilabschnitte chemisch einordnen,
  4. die Rolle von NADH, FADH₂, Sauerstoff und ATP erklären,
  5. Stoffbilanz und Energiebilanz voneinander unterscheiden.


Die chemische Gesamtreaktion

Die vereinfachte Stoffbilanz lautet:

C6H12O6+6O26CO2+6H2O

Die Reaktion ist insgesamt exergonisch:

ΔG<0

Wichtig: Energie ist kein Stoff und daher kein gewöhnlicher Bestandteil der Stoffbilanz. Bei der Zellatmung wird chemische Energie umgewandelt. Ein Teil erscheint als Wärme, ein Teil wird in ATP konserviert.


Zellatmung als Redoxreaktion

In Glucose besitzt Kohlenstoff im Mittel die Oxidationszahl 0. Im Kohlenstoffdioxid besitzt er die Oxidationszahl +4. Der Kohlenstoff wird somit oxidiert.

Sauerstoff besitzt im elementaren Molekül O₂ die Oxidationszahl 0. Im Wasser besitzt Sauerstoff die Oxidationszahl −2. Sauerstoff wird somit reduziert.

O2+4e+4H+2H2O

Die Gesamtreaktion läuft nicht als direkte Verbrennung ab. Enzyme zerlegen sie in viele kontrollierte Einzelschritte. Dadurch kann die frei werdende Energie portionsweise genutzt werden.


Orte und Teilprozesse

Bei eukaryotischen Zellen findet nur die Glykolyse im Cytosol statt. Die folgenden Schritte laufen im Mitochondrium ab.

Teilprozess Hauptort Chemisches Ergebnis
Glykolyse Cytosol Glucose wird zu zwei Pyruvatmolekülen umgebaut
Oxidative Decarboxylierung Mitochondrienmatrix Pyruvat wird zu Acetyl-CoA, CO₂ und NADH umgesetzt
Citratzyklus Mitochondrienmatrix Acetylreste werden zu CO₂ oxidiert
Atmungskette und oxidative Phosphorylierung Innere Mitochondrienmembran Elektronen enden bei Sauerstoff; der Protonengradient ermöglicht ATP-Bildung


Glykolyse

Die Glykolyse spaltet ein Glucosemolekül mit sechs Kohlenstoffatomen in zwei Pyruvatmoleküle mit jeweils drei Kohlenstoffatomen. Sie besteht aus zehn enzymkatalysierten Reaktionsschritten.

Zunächst werden zwei ATP investiert. Später entstehen vier ATP. Die Nettobilanz beträgt deshalb zwei ATP. Außerdem werden zwei Moleküle NAD⁺ zu NADH reduziert.

Vereinfachte Bilanz:

Glucose+2NAD++2ADP+2Pi2Pyruvat+2NADH+2H++2ATP+2H2O


Oxidative Decarboxylierung

Pyruvat wird in der Mitochondrienmatrix in eine aktivierte C₂-Einheit überführt. Dabei entsteht Acetyl-CoA. Gleichzeitig wird Kohlenstoffdioxid abgespalten und NAD⁺ reduziert.

Da aus einer Glucose zwei Pyruvatmoleküle entstehen, läuft die Reaktion zweimal ab:

2Pyruvat+2CoA+2NAD+2Acetyl-CoA+2CO2+2NADH+2H+

Dieser Schritt verbindet die Glykolyse mit dem Citratzyklus.


Citratzyklus

Der Citratzyklus ist ein Kreisprozess. Die C₂-Einheit des Acetyl-CoA verbindet sich zunächst mit einem C₄-Körper. Nach mehreren Reaktionen wird der C₄-Körper regeneriert.

Pro Glucose entstehen im Citratzyklus insgesamt vier CO₂, sechs NADH, zwei FADH₂ und zwei energiereiche Phosphatbindungen in Form von GTP beziehungsweise ATP. Der größte Teil der Energie steckt danach noch in den reduzierten Elektronenträgern NADH und FADH₂.


Elektronenträger NADH und FADH₂

NAD⁺ und FAD nehmen Elektronen und Protonen auf. Sie wirken damit als mobile Redoxpartner.

NAD++2e+H+NADH

FAD+2e+2H+FADH2

NADH und FADH₂ transportieren energiereiche Elektronen zur Atmungskette. Dort werden sie wieder oxidiert. Die Elektronen werden schrittweise auf Moleküle mit größerer Elektronenaffinität übertragen.


Atmungskette und Chemiosmose

Die Atmungskette liegt in der inneren Mitochondrienmembran. NADH und FADH₂ geben Elektronen ab. Beim Elektronentransport wird Energie frei, mit der Protonen aus der Matrix in den Intermembranraum befördert werden.

Dadurch entstehen ein Konzentrationsgefälle und eine elektrische Spannungsdifferenz. Zusammen bilden sie den elektrochemischen Protonengradienten. Beim Rückstrom der Protonen durch die ATP-Synthase wird ATP gebildet.

ADP+PiATP

Am Ende nimmt Sauerstoff die Elektronen auf und reagiert mit Protonen zu Wasser. Ohne einen terminalen Elektronenakzeptor kommt die Atmungskette zum Stillstand.


Stoffbilanz und Energiebilanz

Die Stoffbilanz beschreibt, welche Stoffe verbraucht und gebildet werden. Die Energiebilanz beschreibt, wie viel nutzbare Energie in ATP konserviert wird.

Bei der Glykolyse und im Citratzyklus entstehen nur wenige ATP direkt durch Substratkettenphosphorylierung. Der größte Anteil entsteht bei der oxidativen Phosphorylierung.

Für eine eukaryotische Zelle werden häufig ungefähr 30 bis 32 ATP pro Glucose angegeben. Der genaue Wert hängt unter anderem davon ab, wie Elektronen aus dem Cytosol in das Mitochondrium übertragen werden und wie effizient die Membran gekoppelt ist.


Häufige Fehlvorstellungen

  1. Sauerstoff wird nicht in Energie umgewandelt. Sauerstoff wird zu Wasser reduziert und ermöglicht den Elektronenfluss.
  2. ATP ist kein dauerhafter Energiespeicher. Es ist ein kurzfristiger chemischer Energieträger.
  3. Die Glykolyse benötigt selbst keinen Sauerstoff. Sie kann ohne O₂ ablaufen, doch die aerobe Gesamtverwertung von Glucose ist auf einen Elektronenakzeptor angewiesen.
  4. Zellatmung ist keine unkontrollierte Verbrennung. Enzyme koppeln zahlreiche kleine Reaktionsschritte.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Stoffe stehen auf der Eduktseite der vereinfachten Gesamtgleichung? (Glucose und Sauerstoff) (!Kohlenstoffdioxid und Wasser) (!ATP und Kohlenstoffdioxid) (!Pyruvat und Wasser)




Welche Aussage beschreibt die Oxidation des Kohlenstoffs korrekt? (Die mittlere Oxidationszahl steigt von null auf plus vier) (!Die mittlere Oxidationszahl sinkt von plus vier auf null) (!Der Kohlenstoff nimmt ausschließlich Protonen auf) (!Der Kohlenstoff wird zu elementarem Kohlenstoff)




Wo findet die Glykolyse bei eukaryotischen Zellen statt? (Im Cytosol) (!In der Mitochondrienmatrix) (!Im Intermembranraum) (!Im Zellkern)




Was ist die Nettobilanz an ATP in der Glykolyse pro Glucose? (Zwei ATP) (!Vier ATP) (!Sechs ATP) (!Kein ATP)




Welches Molekül entsteht bei der oxidativen Decarboxylierung als Eintrittsstoff für den Citratzyklus? (Acetyl-CoA) (!Lactat) (!Sauerstoff) (!Glucose)




Welche Hauptaufgabe haben NADH und FADH₂? (Sie übertragen energiereiche Elektronen) (!Sie spalten Glucose mechanisch) (!Sie bilden die Mitochondrienmembran) (!Sie ersetzen den Sauerstoff dauerhaft)




Welcher Stoff ist der terminale Elektronenakzeptor der aeroben Atmungskette? (Sauerstoff) (!Glucose) (!Kohlenstoffdioxid) (!Pyruvat)




Was treibt die ATP-Synthase unmittelbar an? (Der Rückstrom von Protonen) (!Die Abgabe von Kohlenstoffdioxid) (!Die Spaltung von Glucose) (!Die Aufnahme von Pyruvat)




In welchem Teilprozess entsteht der größte Anteil des ATP? (In der oxidativen Phosphorylierung) (!In der Glykolyse) (!In der oxidativen Decarboxylierung) (!In der Kohlenstoffdioxidabgabe)




Welche Aussage zur Energie ist chemisch korrekt? (Energie wird umgewandelt und teilweise in ATP konserviert) (!Energie ist ein Atom auf der Produktseite) (!Energie entsteht aus dem Nichts) (!Energie wird vollständig zu Sauerstoff)





Memory

Glucose energiereicher Ausgangsstoff
NADH Elektronenträger
Glykolyse Spaltung zu Pyruvat
Mitochondrienmatrix Ort des Citratzyklus
Innere Mitochondrienmembran Ort der Atmungskette
Sauerstoff terminaler Elektronenakzeptor
ATP-Synthase nutzt den Protonengradienten
Kohlenstoffdioxid Oxidationsprodukt des Kohlenstoffs





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Chemisches Kennzeichen
Glykolyse Glucose wird zu Pyruvat umgebaut
Oxidative Decarboxylierung Pyruvat liefert Acetyl-CoA und Kohlenstoffdioxid
Citratzyklus Acetylreste werden vollständig zu Kohlenstoffdioxid oxidiert
Atmungskette Elektronen werden stufenweise auf Sauerstoff übertragen
Chemiosmose Ein Protonengradient treibt die ATP-Synthase






Kreuzworträtsel

Glucose Welcher energiereiche Einfachzucker ist der wichtigste Ausgangsstoff?
Pyruvat Welches C3-Produkt entsteht am Ende der Glykolyse?
Mitochondrium In welchem Zellorganell laufen die meisten Schritte ab?
Sauerstoff Welcher Stoff nimmt am Ende der Atmungskette Elektronen auf?
Citratzyklus Welcher Kreisprozess oxidiert Acetylreste?
Chemiosmose Wie heißt die ATP-Bildung mithilfe eines Protonengradienten?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Zellatmung ist insgesamt eine Folge von

. Glucose wird dabei schrittweise zu

oxidiert. Der molekulare Sauerstoff wird am Ende zu

reduziert. Die Glykolyse findet im

statt. Ihr C3-Endprodukt heißt

. Bei der oxidativen Decarboxylierung entsteht

. Der Kreisprozess in der Mitochondrienmatrix heißt

. Die reduzierten Coenzyme transportieren energiereiche

. Die Atmungskette erzeugt einen elektrochemischen

. Der Rückstrom der Protonen treibt die

an.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Reaktionsgleichung: Schreibe die Gesamtgleichung der Zellatmung ab und markiere Edukte und Produkte in zwei verschiedenen Farben.
  2. Oxidationszahl: Bestimme die Oxidationszahlen von Sauerstoff in O₂ und H₂O und erkläre die Änderung in zwei Sätzen.
  3. Mitochondrium: Zeichne ein vereinfachtes Mitochondrium und beschrifte Matrix, innere Membran und Intermembranraum.
  4. Begriffsnetz: Verbinde die Begriffe Glucose, Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid, Wasser und ATP zu einem sinnvollen Begriffsnetz.


Standard

  1. Stoffbilanz: Erstelle eine Tabelle, die für jeden Teilprozess Ausgangsstoffe, Produkte und Reaktionsort zeigt.
  2. Redoxpaar: Formuliere die Reduktion von NAD⁺ zu NADH und beschreibe, welche Teilchen übertragen werden.
  3. Erklärvideo: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo zur Frage, warum die Zellatmung keine einfache Verbrennung ist.
  4. Modellversuch: Entwickle mit Alltagsmaterialien ein Modell für Protonengradient und ATP-Synthase und dokumentiere die Grenzen des Modells.


Schwer

  1. Energiediagramm: Zeichne ein qualitatives Energiediagramm für direkte Glucoseverbrennung und enzymatisch gestufte Zellatmung und vergleiche beide Wege.
  2. Bilanzvergleich: Vergleiche aerobe Zellatmung und Milchsäuregärung hinsichtlich Stoffprodukten, Elektronenübertragung und ATP-Ausbeute.
  3. Forschungsfrage: Plane eine Untersuchung zum Einfluss der Temperatur auf die Zellatmungsrate von keimenden Samen und benenne Variablen sowie Kontrollen.
  4. Transferaufgabe: Erkläre chemisch, weshalb eine Blockade der Atmungskette auch den Citratzyklus und die ATP-Produktion beeinträchtigt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Redoxanalyse: Leite aus den Oxidationszahlen ab, welcher Reaktionspartner der Gesamtreaktion oxidiert und welcher reduziert wird.
  2. Kopplungsprinzip: Erkläre, weshalb die schrittweise Elektronenübertragung eine bessere Energieausnutzung ermöglicht als eine direkte Reaktion von Glucose mit Sauerstoff.
  3. Membranmodell: Sage voraus, wie sich eine frei für Protonen durchlässige innere Mitochondrienmembran auf ATP-Bildung, Sauerstoffverbrauch und Wärmeentwicklung auswirkt.
  4. Sauerstoffmangel: Begründe, warum NADH bei Sauerstoffmangel schlechter zu NAD⁺ reoxidiert werden kann und welche Folgen dies für weitere Reaktionsschritte hat.
  5. Stoff- und Energiebilanz: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel den Unterschied zwischen der Erhaltung von Atomen und der Umwandlung chemischer Energie.
  6. Vergleichende Chemie: Vergleiche Zellatmung und Verbrennung von Glucose hinsichtlich Gesamtbilanz, Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie und Energiekopplung.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du

  1. die Gesamtgleichung korrekt und ausgeglichen notierst,
  2. Oxidation und Reduktion mithilfe von Oxidationszahlen begründest,
  3. die Teilprozesse in die richtige Reihenfolge bringst,
  4. die Reaktionsorte in der Zelle zuordnest,
  5. die Funktion von NADH und FADH₂ als Elektronenträger erklärst,
  6. Protonengradient, ATP-Synthase und ATP-Bildung verknüpfst,
  7. Stoffbilanz und Energiebilanz unterscheidest,
  8. einen unbekannten Störfall auf die Reaktionskette überträgst.




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