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Weltliteratur verstehen - Die Pest zu London - Daniel Defoe

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Weltliteratur verstehen - Die Pest zu London - Daniel Defoe

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Weltliteratur verstehen - Die Pest zu London - Daniel Defoe


Einleitung

Daniel Defoes Die Pest zu London erschien 1722 unter dem englischen Titel A Journal of the Plague Year. Der Text führt Dich in das London des Jahres 1665. Ein Ich-Erzähler berichtet von Angst, Krankheit, Flucht, Hilfe, Gerüchten und Todesfällen während der Großen Pest.

Der Text wirkt oft wie ein Augenzeugenbericht. Trotzdem ist wichtig: Daniel Defoe war 1665 noch ein Kind. Das Werk entstand erst Jahrzehnte später. Es verbindet historische Informationen, Berichte, Statistiken und literarische Gestaltung. Deshalb musst Du immer unterscheiden: Was ist historische Quelle? Was erzählt der literarische Text? Was ist Interpretation?

Die bereits vorhandene Buchseite bleibt die zentrale Buchausgabe: Buch - Die Pest zu London - Defoe, Daniel

Zielgruppe: Klasse 9–10. Vertiefungen eignen sich auch für Klasse 11–13.


Kurzbeschreibung

Ein Erzähler schildert die Londoner Pest des Jahres 1665 anhand von Beobachtungen, Berichten und Einzelschicksalen. Der Text untersucht besonders Angst, Solidarität, Selbstschutz, Gerüchte und das Verhalten von Menschen während einer Katastrophe.


Autor und Werk

Daniel Defoe war ein englischer Schriftsteller und Journalist. Zu seinen bekanntesten Werken gehört auch Robinson Crusoe. A Journal of the Plague Year wurde 1722 veröffentlicht und spielt überwiegend im Jahr 1665.

Die Titelseite der Erstausgabe bezeichnet den Text als Beobachtungen und Erinnerungen eines Bürgers, der während der Pest in London geblieben sei. Diese Form unterstützt den Eindruck eines echten Berichts.


Historischer Hintergrund: London 1665

1665 erlebte London einen schweren Ausbruch der Pest. Behörden veröffentlichten sogenannte Bills of Mortality. Darin wurden Todesfälle nach Gemeinden und Todesursachen erfasst. Solche Listen spielen auch bei Defoe eine wichtige Rolle.

Die Zahlen wirken sachlich. Gleichzeitig waren damalige Zählungen nicht vollständig zuverlässig. Für die Interpretation bedeutet das: Eine Zahl im Text kann eine historische Grundlage haben, ist aber nicht automatisch eine objektiv genaue Messung.


Erzähler und Figuren

Der Erzähler nennt am Ende die Initialen H. F.. Er lebt in London und beobachtet die Ausbreitung der Pest. Er berichtet von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen.

Wichtiger als eine große Zahl ausgearbeiteter Romanfiguren sind hier verschiedene Menschentypen und Verhaltensweisen: Menschen fliehen, andere bleiben. Manche helfen, andere verdienen an der Not. Einige vertrauen religiösen Deutungen, andere beobachten Zahlen und praktische Maßnahmen.

Der Erzähler ist nicht neutral. Er bewertet Verhalten, gibt Gerüchte wieder und sagt teilweise selbst, dass er etwas nur gehört habe. Genau deshalb lohnt es sich, seine Aussagen kritisch zu prüfen.


Aufbau und Erzählweise

Der Text besitzt keine moderne, klar gegliederte Kapitelstruktur. Er folgt dem Verlauf der Epidemie ungefähr chronologisch, enthält aber viele Rückblicke, Einschübe, Statistiken und einzelne Geschichten.

Typisch ist der Wechsel zwischen:

  1. Beobachtung: Der Erzähler schildert, was er selbst gesehen haben will.
  2. Bericht: Er gibt Aussagen anderer Personen wieder.
  3. Statistik: Er nennt Zahlen aus Sterberegistern.
  4. Kommentar: Er bewertet menschliches Verhalten.
  5. Erzählung: Er gestaltet einzelne Szenen besonders anschaulich.

Diese Mischung erzeugt einen starken Eindruck von Wirklichkeit.


Arbeit mit konkreten Textstellen

Für genaue Textarbeit nutzt Du die vorhandene Buchseite und die historische englische Fassung. Die folgenden kurzen Stellen sind überprüfbare Originalzitate.

Textstelle 1 – Beginn des Werkes:

“It was about the Beginning of September 1664...”

Schon der Beginn nennt einen genauen Zeitraum. Dadurch klingt die Erzählung wie ein historischer Bericht.

Textstelle 2 – verändertes London:

“The Face of London was now indeed strangely alter'd”

Hier wird die ganze Stadt wie ein sichtbares Zeichen der Katastrophe dargestellt.

Textstelle 3 – Informationswege:

“We had no such thing as printed News-Papers in those Days...”

Der Erzähler erklärt, wie Nachrichten und Gerüchte weitergegeben wurden. Damit wird Information selbst zu einem Thema des Werkes.

Quellen für den Wortlaut: die Ausgabe von 1722 bei Wikisource und die digitalisierte Erstausgabe auf Wikimedia Commons.


Originaltext und deutsche Übersetzung vergleichen

Die Originalsprache ist Englisch. Eine historische deutsche Übersetzung von Heinrich Steinitzer erschien 1925. Sie ist heute unter anderem über Project Gutenberg zugänglich.

Beim Vergleich darfst Du Zitate nicht verändern. Schreibe deshalb immer dazu, welche Ausgabe oder Übersetzung Du benutzt.

Beispiel:

Englisches Original: “It was about the Beginning of September 1664...”

Übersetzung von Heinrich Steinitzer: „Es war um den Anfang September 1664 ...“

Vergleiche nicht nur einzelne Wörter. Frage auch:

  1. Klingt die deutsche Fassung ebenso sachlich?
  2. Bleibt die Unsicherheit des Erzählers erhalten?
  3. Werden alte englische Schreibweisen modernisiert?
  4. Welche Wirkung verändert sich durch die Übersetzung?


Quelle, Fiktion und Interpretation unterscheiden

Historische Quelle kann zum Beispiel ein originales Sterberegister von 1665 sein.

Literarischer Text ist Defoes Werk von 1722. Es verarbeitet historisches Material, ist aber kein unmittelbares Tagebuch Defoes aus dem Pestjahr.

Interpretation ist Deine begründete Deutung. Wenn Du zum Beispiel sagst, der Wechsel zwischen Zahlen und Einzelschicksalen verstärke das Gefühl von Bedrohung, ist das eine Interpretation. Sie braucht Textbelege.

Merksatz: Beleg zuerst, Deutung danach.


Aufklärung, Empfindsamkeit und Erzähltraditionen des 18. Jahrhunderts

Defoes Werk entsteht im frühen 18. Jahrhundert. Es lässt sich mit Entwicklungen der Aufklärung verbinden: Beobachtung, Erfahrung, Prüfung von Berichten und Interesse an gesellschaftlichen Problemen spielen eine wichtige Rolle.

Zur Empfindsamkeit besteht eine Nähe dort, wo Leid, Mitgefühl und moralisches Verhalten in den Mittelpunkt rücken. Das Werk gehört aber nicht einfach eindeutig zur Empfindsamkeit. Es verbindet ältere religiöse Deutungen mit sachlicher Beobachtung und neuen Formen realistischer Prosa.

Für die Oberstufe ist deshalb interessant: Der Text steht zwischen Chronik, Reportage, religiöser Deutung und dem sich entwickelnden Roman.


Angst, Solidarität und menschliches Verhalten

Die Katastrophe zeigt Menschen unter Druck. Angst führt zu Flucht, Misstrauen und Gerüchten. Gleichzeitig berichtet der Erzähler von Menschen, die trotz der Gefahr Aufgaben übernehmen und anderen helfen.

Der Text stellt deshalb keine einfache Botschaft auf. Er zeigt widersprüchliches Verhalten. Genau das macht ihn bis heute interessant.


Vertiefung: Erzählen wie ein Augenzeuge

Defoe nennt Straßen, Gemeinden, Zahlen und konkrete Situationen. Dadurch entsteht der Eindruck: Das muss wirklich so passiert sein.

Für eine Analyse solltest Du aber fragen:

  1. Wo nennt der Erzähler überprüfbare Daten?
  2. Wo benutzt er Formulierungen wie „ich hörte“ oder „man sagte“?
  3. Wo erzählt er besonders dramatisch?
  4. Wo wechselt er von Beobachtung zu moralischer Bewertung?


Gestufte Hilfen

Hilfe 1 – leicht: Markiere in einer Textstelle Wörter für Angst, Beobachtung und Bewertung.

Hilfe 2 – mittel: Ordne jeden Satz einer Kategorie zu: eigene Beobachtung, fremder Bericht, Zahl, religiöse Deutung oder Kommentar.

Hilfe 3 – anspruchsvoll: Prüfe, wie der Wechsel dieser Formen Glaubwürdigkeit erzeugt. Formuliere eine These und belege sie mit zwei kurzen Zitaten.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Jahr spielt die zentrale Pesthandlung? (1665) (!1722) (!1719) (!1666)




Wann erschien A Journal of the Plague Year? (1722) (!1665) (!1688) (!1750)




Wie heißt die Originalsprache des Werkes? (Englisch) (!Deutsch) (!Französisch) (!Latein)




Welche Initialen verwendet der Erzähler? (H F) (!D D) (!S P) (!J F)




Welche Textsorte wird im Werk mit Erzählungen verbunden? (Statistik) (!Drama) (!Sonett) (!Fabel)




Was erzeugt im Werk besonders den Eindruck von Wirklichkeit? (Konkrete Orte und Zahlen) (!Reime) (!Zauberei) (!Ein Chor)




Was ist eine historische Primärquelle zur Pest von 1665? (Ein zeitgenössisches Sterberegister) (!Eine heutige Interpretation) (!Ein modernes Schulbuch) (!Eine spätere Rezension)




Was musst Du bei einem Zitat beachten? (Den Wortlaut unverändert übernehmen) (!Den Wortlaut vereinfachen) (!Unbekannte Wörter ersetzen) (!Die Quelle weglassen)




Welches Thema passt besonders zum Werk? (Verhalten von Menschen in einer Katastrophe) (!Ritterturniere) (!Weltraumreisen) (!Industrialisierung)




Welche Aussage beschreibt das Werk am besten? (Es verbindet historische Grundlagen und literarische Gestaltung) (!Es ist Defoes echtes Tagebuch von 1665) (!Es ist ausschließlich eine Statistik) (!Es ist ein Theaterstück)





Memory

H. F. Ich-Erzähler
1665 Pestjahr in London
1722 Erscheinungsjahr des Werkes
Bills of Mortality Sterberegister
Aufklärung Beobachtung und Prüfung
Empfindsamkeit Mitgefühl und Gefühlskultur





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Beobachtung Der Erzähler beschreibt, was er selbst wahrgenommen haben will
Bericht Der Erzähler gibt Aussagen anderer wieder
Statistik Zahlen aus Sterberegistern werden verwendet
Kommentar Verhalten wird bewertet
Interpretation Ein Leser deutet die Wirkung des Textes





Kreuzworträtsel

Defoe Wer schrieb Die Pest zu London?
London In welcher Stadt spielt das Werk?
Plage Welches englische Wort steht im Originaltitel für Pest?
Quelle Wie nennt man historisches Material, das untersucht wird?
Erzähler Wer vermittelt die Ereignisse im literarischen Text?
Statistik Welche Darstellungsform nutzt Zahlen und Tabellen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Daniel Defoes Werk erschien im Jahr

. Die erzählte Pestkatastrophe betrifft vor allem London im Jahr

. Der Erzähler verwendet die Initialen

. Der Text verbindet literarisches Erzählen mit historischen

. Zahlen aus den Sterberegistern erzeugen einen Eindruck von

. Bei der Analyse müssen Originaltext und

getrennt werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Quellenvergleich - Die Pest zu London: Wähle ein Bild oder ein Sterberegister aus diesem aiMOOC. Beschreibe fünf Details und erkläre, was die Quelle über das Pestjahr zeigt.


Standard

  1. Textanalyse - Die Pest zu London: Untersuche eine kurze Passage aus der vorhandenen Buchausgabe. Markiere Beobachtung, Bericht und Bewertung. Belege Deine Ergebnisse mit drei kurzen unveränderten Zitaten.


Schwer

  1. Original und Übersetzung - Die Pest zu London: Vergleiche einen kurzen Abschnitt des englischen Originals mit der deutschen Übersetzung von Heinrich Steinitzer. Untersuche mindestens drei sprachliche Unterschiede und beurteile, ob sich dadurch die Wirkung verändert.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Glaubwürdigkeit untersuchen: Erkläre an zwei Textstellen, wie Defoe den Eindruck eines Augenzeugenberichts erzeugt.
  2. Quelle und Fiktion unterscheiden: Vergleiche eine historische Pestquelle mit einer Passage des literarischen Textes. Zeige Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
  3. Erzähler beurteilen: Prüfe, wie zuverlässig H. F. wirkt. Berücksichtige eigene Beobachtungen, Gerüchte und Bewertungen.
  4. Katastrophenverhalten analysieren: Zeige, wie Angst und Solidarität im Werk nebeneinander auftreten.
  5. Epochenbezug herstellen: Erläutere, welche Merkmale des Textes zur Aufklärung passen und wo sich Bezüge zu Empfindsamkeit oder älteren religiösen Erzähltraditionen zeigen.




Lernnachweis

Für einen guten Lernnachweis solltest Du:

  1. Inhalt und Aufbau des Werkes knapp erklären können.
  2. den Erzähler H. F. beschreiben und seine Zuverlässigkeit prüfen.
  3. historische Quelle, literarische Darstellung und eigene Interpretation unterscheiden.
  4. kurze Textstellen korrekt und unverändert zitieren.
  5. Original und Übersetzung an einem Beispiel vergleichen.
  6. die Themen Angst, Solidarität und Verhalten in der Katastrophe erklären.
  7. den Text in den Kontext von Aufklärung, Empfindsamkeit und Erzähltraditionen des 18. Jahrhunderts einordnen.




Medien und Quellen

Die folgenden Medien wurden aus Wikimedia Commons ausgewählt. Vor der Nutzung wurden Dateiseite, Herkunft und Lizenz geprüft.

  1. Defoe Journal of the Plague Year.jpg: Titelseite der Ausgabe von 1722; gemeinfrei, Public Domain Mark.
  2. Portrait of Daniel Defoe Wellcome M0012948.jpg: Wellcome Library; Michiel Van der Gucht; CC BY 4.0.
  3. Lord haue mercy on London.jpg: unbekannter Urheber, um 1665; gemeinfrei, Public Domain Mark.
  4. Bill of Mortality.jpg: Sterberegister von 1665; unbekannter Urheber; gemeinfrei.
  5. Great Plague of London table of funerals.png: Tabelle von 1665; gemeinfrei, Public Domain Mark.
  6. Chart of Mortality, Great Plague in London Wellcome L0025769.jpg: Wellcome Library; CC BY 4.0.
  7. Wikimedia Commons: A Journal of the Plague Year: Sammlung digitalisierter Ausgaben und Bildmaterialien.
  8. Wikisource: A Journal of the Plague Year: überprüfbarer englischer Originaltext.
  9. Project Gutenberg: Die Pest zu London: deutsche Übersetzung von Heinrich Steinitzer.
  10. The National Archives: The Great Plague of 1665–1666: historische Dokumente und Unterrichtsmaterial.

Die eingebundenen YouTube-Videos dienen der historischen Einordnung und der Arbeit am Werk. Es wurde kein Sofatutor-Material verwendet.


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