Weltliteratur verstehen - Die Gesetze des Manu - Altindische Überlieferung
Weltliteratur verstehen - Die Gesetze des Manu - Altindische Überlieferung
Zielgruppe: Klasse 11 bis 13
Epoche: Antike und frühe Literaturtraditionen
Buchausgabe im MOOCwiki: Die Gesetze des Manu - Altindische Überlieferung
Die Gesetze des Manu, meist als Manusmṛti oder Mānava-Dharmaśāstra bezeichnet, sind ein altindischer Sanskrittext über Dharma. Der Text verbindet religiöse Pflichten, soziale Regeln, Rechtsvorstellungen und Vorstellungen von gesellschaftlicher Ordnung. Er besteht aus zwölf Kapiteln.
Für die Arbeit mit dem Text ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Entstehungszeit, Handschriften, Kommentare und Übersetzungen sind nicht dasselbe. Die heute bekannte Textgestalt wird meist ungefähr zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. eingeordnet. Erhaltene Handschriften sind deutlich jünger. Eine bekannte englische Übersetzung von William Jones erschien erst 1794. Dieses Datum ist deshalb kein Entstehungsdatum des Sanskrittextes.

Abbildung: Darstellung zur Manusmṛti. Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Katyare, Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Lernziele
Du kannst nach diesem aiMOOC:
- Manusmṛti als historischen normativen Text einordnen.
- Entstehung, Überlieferung, Kommentar und Übersetzung unterscheiden.
- konkrete Textstellen in Sanskrit, Transliteration und Übersetzung vergleichen.
- zwischen Textaussage und Interpretation unterscheiden.
- Vorstellungen von Herrschaft, Geschlecht, sozialer Ordnung und Varna kritisch untersuchen.
- die Sprache und den Aufbau eines normativen Lehrtextes beschreiben.
- historische Wirkung und spätere Deutungen von der ursprünglichen Textentstehung trennen.
Einleitung
Die Manusmṛti ist kein Roman mit einer fortlaufenden Handlung. Sie ist ein Lehr- und Normtext. In Versform werden Regeln, Pflichten und Vorstellungen von Ordnung formuliert.
Der Text spricht über viele Lebensbereiche. Dazu gehören religiöse Pflichten, Lernen, Familie, Lebensphasen, Herrschaft, Rechtsprechung, Eigentum, soziale Gruppen und Geschlechterrollen. Deshalb kann die Manusmṛti als Quelle für die Geschichte von Ideen untersucht werden.
Wichtig ist: Ein normativer Text sagt, wie etwas nach Ansicht seiner Verfasser oder Tradenten sein sollte. Daraus folgt nicht automatisch, dass Menschen zu jeder Zeit tatsächlich so lebten.
Video: „Lecture 1: Context to the Study of Manusmriti“, Badrinath Srinivasan. Quelle: YouTube. Das Video wird eingebettet, nicht als eigenes Werk übernommen. Für Wiederverwendung außerhalb der Einbettung gelten die Angaben der Videoplattform und des Rechteinhabers.
Historischer Kontext
Die Manusmṛti gehört zu den Sanskrittexten der Dharmaśāstra-Tradition. Das Wort dharma kann je nach Zusammenhang Pflicht, Ordnung, angemessenes Verhalten, Recht oder religiöse Norm meinen. Eine einzige deutsche Übersetzung trifft deshalb nicht immer alle Bedeutungen.
Die Manusmṛti steht in einer langen indischen Überlieferung. Sie darf weder mit den älteren Veden noch mit späteren Kommentaren gleichgesetzt werden. Auch die europäische Übersetzungsgeschichte gehört zu einer anderen Zeit.
Zum Vergleich mit anderen antiken Traditionen eignen sich:
- Homer und andere griechische Texte.
- Römisches Recht und lateinische Normtexte.
- Konfuzianische Texte aus China.
- Veden, Upanishaden und weitere indische Texte.
Solche Vergleiche sollen keine Gleichheit behaupten. Sie helfen Dir zu fragen, wie verschiedene Gesellschaften über Ordnung, Pflicht, Recht und Herrschaft nachdachten.

Abbildung: Sanskrit-Handschrift eines Dharmashastra-Kommentars von 1407. Sie ist überwiegend mit der Naradasmṛti verbunden und daher keine Manusmṛti-Handschrift. Sie zeigt aber die materielle Überlieferung juristisch-religiöser Sanskrittexte. Quelle: Wikimedia Commons, Sammlung Cambridge University Library, Foto: Ms Sarah Welch, Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Entstehung, Überlieferung und Übersetzung
Ein antiker Text erreicht uns nicht direkt aus seiner Entstehungszeit. Zwischen Entstehung und heutiger Lektüre liegen viele Schritte.
Entstehung: Die Manusmṛti wurde in Sanskrit verfasst. Die Forschung datiert ihre Textgestalt ungefähr in den Zeitraum vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr.
Überlieferung: Der Text wurde abgeschrieben. Mehrere Handschriften sind bekannt. Sie stimmen nicht in allen Einzelheiten überein. Deshalb arbeiten moderne Editionen vergleichend mit verschiedenen Textzeugen.
Kommentar: Spätere Gelehrte erklärten und deuteten den Text. Besonders einflussreich war der Kommentar von Kullūka Bhaṭṭa.
Übersetzung: William Jones veröffentlichte 1794 in Kalkutta eine englische Übersetzung unter dem Titel Institutes of Hindu Law; or, the Ordinances of Menu. Diese Übersetzung entstand also weit über tausend Jahre nach dem antiken Text.

Abbildung: William Jones. Quelle: Wikimedia Commons / National Library of Wales, Stich nach Joshua Reynolds, Public Domain.
Datei:Institutes of Hindu Law; or, the Ordinances of Menu, according to the Gloss of Culluca, comprising the Indian System of Duties Religious and Civil verbally translated from the Original Sancrit (IA dli.granth.71718).pdf Historische Ausgabe: William Jones, 1794. Quelle: Wikimedia Commons / Asiatic Society of Mumbai / Digital Library of India. Public Domain.
Merksatz: Eine Übersetzung aus dem Jahr 1794 ist eine Quelle für die Rezeptions- und Übersetzungsgeschichte. Sie beweist nicht, dass der Sanskrittext 1794 entstanden ist.
Sprache und Schrift
Die Originalsprache ist Sanskrit. Moderne Ausgaben drucken Sanskrit häufig in Devanagari. Der Text ist überwiegend metrisch aufgebaut. Das bedeutet: Viele Aussagen stehen in Versen.

Animation: Schreibfolge des Devanagari-Zeichens म. Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: JackPotte, Lizenz unter anderem CC BY-SA 3.0. Die Animation dient nur zur Veranschaulichung der Schrift.
Audio: Aussprache des Wortes „Sanskrit“. Quelle: Wikimedia Commons. Die genaue Lizenz und Namensnennung sind auf der Commons-Dateiseite angegeben.
Sprache ist hier nicht neutral. Normative Texte arbeiten häufig mit:
- Feststellungen.
- Geboten.
- Verboten.
- Begründungen.
- Einteilungen von Menschen und Pflichten.
Beim Lesen solltest Du deshalb fragen: Wer spricht? Für wen gilt die Regel? Wer erhält Rechte? Wer erhält Pflichten?
Aufbau der zwölf Kapitel
Die zwölf Kapitel bilden keine moderne Gesetzessammlung mit Paragraphen. Die Themen wechseln zwischen religiöser Lehre, sozialer Ordnung und rechtlichen Regeln.
In stark vereinfachter Übersicht:
- Kapitel 1 behandelt unter anderem Schöpfung, Autorität und soziale Ordnung.
- Kapitel 2 behandelt unter anderem Quellen des Dharma, Erziehung und Schülerpflichten.
- Kapitel 3 bis 6 behandeln unter anderem Haushalt, Rituale und Lebensstadien.
- Kapitel 7 und 8 behandeln Herrschaft, Königspflichten und Rechtsprechung.
- Kapitel 9 behandelt unter anderem Ehe, Familie, Erbrecht und soziale Regeln.
- Kapitel 10 behandelt soziale Gruppen und zugeschriebene Tätigkeiten.
- Kapitel 11 behandelt unter anderem Sühne und Wiedergutmachung.
- Kapitel 12 behandelt unter anderem Handlungsfolgen und abschließende Lehren.
Diese Übersicht ersetzt keine genaue Textlektüre. Einzelne Verse müssen immer im Kapitelzusammenhang gelesen werden.
Textstelle 1: Der Beginn des Werkes
Manusmṛti 1.1, Sanskrit:
„मनुमेकाग्रमासीनमभिगम्य महर्षयः । प्रतिपूज्य यथान्यायमिदं वचनमब्रुवन् ॥“
Transliteration:
„manum ekāgram āsīnam abhigamya maharṣayaḥ | pratipūjya yathānyāyam idaṃ vacanam abruvan ||“
Die Textstelle beschreibt, wie große Seher zu Manu kommen und ihn ansprechen.
Beobachtung: Der Text beginnt nicht wie ein modernes Gesetzbuch. Er baut eine Lehrsituation auf. Manu erscheint als Autoritätsfigur.
Interpretation: Die Rahmung kann dazu beitragen, den folgenden Regeln besonderes Gewicht zu geben. Das ist eine Interpretation der Funktion der Szene, nicht der Wortlaut selbst.
Textstelle 2: Über Dharma
Manusmṛti 2.1, Sanskrit:
„विद्वद्भिः सेवितः सद्भिर्नित्यमद्वेषरागिभिः । हृदयेनाभ्यनुज्ञातो यो धर्मस्तं निबोधत ॥“
Eine historische englische Übersetzung von Georg Bühler aus dem Jahr 1886 beginnt mit der Aufforderung, das heilige Gesetz zu lernen, das von gelehrten und tugendhaften Menschen befolgt werde.
Für die deutsche Arbeit nutzt Du zusätzlich die vorhandene MOOCwiki-Buchausgabe. Prüfe dort die genaue Formulierung und verändere ein Zitat nicht.
Analysefrage: Wer wird in diesem Vers als Träger von Autorität dargestellt? Welche Rolle spielen Gelehrsamkeit, Tugend und Zustimmung?
Textstelle 3: Geschlechterordnung
Manusmṛti 9.3, Sanskrit:
„पिता रक्षति कौमारे भर्ता रक्षति यौवने । रक्षन्ति स्थविरे पुत्रा न स्त्री स्वातन्त्र्यमर्हति ॥“
Transliteration:
„pitā rakṣati kaumāre bhartā rakṣati yauvane | rakṣanti sthavire putrā na strī svātantryam arhati ||“
Die Aussage ordnet einer Frau in verschiedenen Lebensphasen männliche Schutz- beziehungsweise Kontrollpersonen zu und verneint im letzten Teil ihre selbstständige Unabhängigkeit.
Textaussage: Der Vers formuliert eine patriarchale soziale Norm.
Historische Analyse: Der Vers kann als Quelle dafür dienen, welche Geschlechterordnung der Text als normativ darstellt.
Wichtig: Aus einer Norm folgt nicht automatisch, wie alle Frauen in allen Regionen und Zeiten tatsächlich lebten. Für Aussagen über soziale Praxis brauchst Du weitere Quellen.
Soziale Ordnung und Varna
Die Manusmṛti unterscheidet soziale Gruppen und verbindet sie mit unterschiedlichen Pflichten und Rechten. Häufig wird dafür der Begriff Varna verwendet. Er wird im Deutschen oft mit „Kaste“ wiedergegeben, doch die Begriffe sind nicht vollständig deckungsgleich.
Für eine historische Untersuchung solltest Du deshalb drei Ebenen auseinanderhalten:
- Textmodell: Welche Ordnung beschreibt oder fordert die Manusmṛti?
- Historische Wirklichkeit: Was lässt sich aus anderen Quellen über Gesellschaften in Südasien sagen?
- Spätere Wirkung: Wie wurde der Text in späteren Jahrhunderten gelesen, kommentiert und politisch verwendet?
Eine kritische Lektüre fragt danach, welche Ungleichheiten der Text begründet oder festschreibt. Dazu zählen Unterschiede nach sozialer Zuordnung und Geschlecht.
Herrschaft und Recht
Die Kapitel 7 und 8 beschäftigen sich ausführlich mit dem König, Verwaltung und Rechtsprechung. Herrschaft wird nicht als rein private Macht verstanden. Sie wird an Pflichten und Vorstellungen von Ordnung gebunden.
Für die Analyse kannst Du fragen:
- Welche Aufgaben werden dem Herrscher zugeschrieben?
- Wie werden Strafe und Ordnung begründet?
- Gelten Regeln für alle Menschen gleich?
- Wo zeigen sich soziale Hierarchien?
- Welche Verbindung besteht zwischen religiöser und politischer Ordnung?
Diese Fragen machen deutlich, dass der Text zugleich religiöse, soziale und rechtliche Vorstellungen verbindet.
Historische Wirkung
Die Manusmṛti wurde über viele Jahrhunderte kommentiert und unterschiedlich bewertet. In der Kolonialzeit erhielt sie durch europäische Übersetzungen zusätzliches Gewicht.
William Jones übersetzte den Text 1794 ins Englische. Britische Kolonialgelehrte suchten schriftliche Grundlagen für das, was sie als „Hindu law“ einordneten. Dadurch konnte ein einzelner Sanskrittext in kolonialen Wissens- und Rechtsordnungen eine andere Stellung erhalten als zuvor.
Später wurde die Manusmṛti auch Gegenstand scharfer Kritik, besonders wegen hierarchischer Vorstellungen über soziale Gruppen und Geschlechter. Deshalb gehört zur Wirkungsgeschichte nicht nur Überlieferung, sondern auch Widerspruch.
Vergleich mit anderen antiken Literaturtraditionen
Die Manusmṛti gehört in einen großen Zusammenhang früher Schriftkulturen. Ein Vergleich kann Unterschiede sichtbar machen.
Bei griechischen Texten können etwa Epos, Philosophie und Gesetzgebung getrennte Gattungen bilden. Im römischen Bereich sind Rechtsquellen besonders wichtig. In chinesischen Traditionen spielen konfuzianische Vorstellungen von Rolle, Familie und Herrschaft eine große Rolle. In altindischen Texten können religiöse, soziale und rechtliche Ordnungen eng verbunden sein.
Vergleiche niemals nur einzelne Sätze. Prüfe immer:
- Entstehungszeit.
- Textgattung.
- Sprache.
- Adressaten.
- Überlieferung.
- historische Funktion.
Medien zur Vertiefung

Abbildung: Handschrift der Mitākṣarā, eines späteren Sanskrit-Kommentars zum hinduistischen Recht. Quelle: Wikimedia Commons / Ministry of Culture, Government of India. Lizenz: Government Open Data License – India. Namensnennung: Ministry of Culture, Government of India.
Video: populärwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Manusmṛti. Quelle: YouTube-Kanal Hyper Quest. Nutze das Video kritisch: Aussagen müssen mit Primärtext und Forschung abgeglichen werden. Einbettung ersetzt keine Lizenz zur freien Weiterverwendung.
Quellenkritik bei Medien
Bei jedem Medium prüfst Du:
- Quelle: Wer stellt das Medium bereit?
- Urheber: Wer hat es geschaffen?
- Lizenz: Darf es weiterverwendet werden?
- Kontext: Zeigt es wirklich die Manusmṛti oder nur eine verwandte Tradition?
- Funktion: Hilft das Medium beim Lernen oder ist es nur Dekoration?
Wikimedia Commons eignet sich besonders für freie Medien, weil dort Lizenzangaben sichtbar sind. Bei YouTube bedeutet eine Einbettung nicht automatisch, dass das Video unter einer freien Lizenz steht.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1: Einstieg
Wenn Dir die Analyse schwerfällt, beginne mit drei einfachen Fragen: Wer spricht? Was wird gefordert? Für wen gilt die Aussage?
Hilfe 2: Text und Interpretation trennen
Schreibe zwei Sätze:
- Im Text steht beziehungsweise wird gefordert: ...
- Ich deute diese Aussage als: ...
So vermeidest Du, Deine Interpretation als Wortlaut auszugeben.
Hilfe 3: Quellenkritik vertiefen
Prüfe bei jeder Textstelle:
- Welche Fassung benutzt Du?
- Ist es Sanskrit, Transliteration oder Übersetzung?
- Von wann stammt die Übersetzung?
- Kann ein Begriff mehrere Bedeutungen haben?
- Welche historische Frage kann die Stelle beantworten und welche nicht?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welcher Sprache wurde die Manusmṛti verfasst? (Sanskrit) (!Latein) (!Altgriechisch) (!Klassisches Chinesisch)
Welche Aussage zur Datierung ist richtig? (Die Textgestalt wird ungefähr zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. eingeordnet) (!Der Text entstand sicher 1794) (!Der Text entstand im europäischen Mittelalter) (!Der Text wurde erst im 20. Jahrhundert verfasst)
Was erschien 1794? (Eine englische Übersetzung von William Jones) (!Die erste Sanskritfassung) (!Der erste vedische Text) (!Die erste römische Übersetzung)
Was ist für einen normativen Text besonders wichtig? (Er beschreibt häufig, wie Verhalten sein soll) (!Er berichtet immer objektiv über den Alltag) (!Er enthält nur erfundene Figuren) (!Er ist immer ein Theaterstück)
Wie viele Kapitel hat die Manusmṛti? (Zwölf) (!Vier) (!Sieben) (!Zwanzig)
Welche Unterscheidung ist bei der Textarbeit zentral? (Textaussage und Interpretation) (!Handschrift und Fotografie sind immer identisch) (!Übersetzung und Entstehung sind dasselbe) (!Norm und Wirklichkeit sind immer gleich)
Was bezeichnet Dharma in diesem Zusammenhang am ehesten? (Einen vieldeutigen Begriff für Pflicht Ordnung Recht und angemessenes Verhalten) (!Nur einen Ortsnamen) (!Nur eine literarische Figur) (!Eine griechische Versform)
Was zeigt Manusmṛti 9.3 besonders deutlich? (Eine patriarchale Vorstellung von Geschlechterordnung) (!Eine Theorie der Demokratie) (!Eine Beschreibung römischer Beamter) (!Eine Anleitung zum Schiffbau)
Warum sind Handschriftenvergleiche wichtig? (Weil überlieferte Textzeugen voneinander abweichen können) (!Weil alle Handschriften völlig identisch sind) (!Weil Übersetzungen älter als Originaltexte sind) (!Weil Sanskrit keine Schrift kennt)
Wie sollte ein YouTube-Video zur Manusmṛti genutzt werden? (Kritisch und im Vergleich mit Primärtext und Forschung) (!Als alleiniger Beweis für jede historische Aussage) (!Ohne Prüfung von Autor und Kontext) (!Als Ersatz für jede Textlektüre)
Memory
| Manusmṛti | Sanskritischer Dharmaśāstra-Text |
| William Jones | Englische Übersetzung von 1794 |
| Dharma | Pflicht und Ordnung |
| Varna | Normative soziale Einteilung |
| Handschrift | Überlieferter Textzeuge |
| Kullūka Bhaṭṭa | Später Kommentator |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Sanskrit | Originalsprache |
| Handschrift | Überlieferung |
| Kommentar | spätere Auslegung |
| Übersetzung | Übertragung in eine andere Sprache |
| Interpretation | begründete Deutung |
Kreuzworträtsel
| Sanskrit | In welcher Sprache wurde die Manusmṛti verfasst? |
| Dharma | Welcher Begriff bezeichnet unter anderem Pflicht und Ordnung? |
| Jones | Wie lautet der Nachname des Übersetzers von 1794? |
| Manu | Welche Autoritätsfigur steht am Anfang des Textes? |
| Varna | Welcher Begriff bezeichnet eine normative soziale Einteilung? |
| Quelle | Was muss historisch kritisch geprüft werden? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Textbeobachtung: Wähle Manusmṛti 1.1 oder 9.3 und markiere nur Aussagen, die sich direkt aus dem Wortlaut erschließen.
- Begriffskarte: Erstelle eine kleine Begriffskarte zu Manusmṛti, Dharma, Sanskrit, Varna und Übersetzung.
- Medienkritik: Vergleiche zwei Medien dieses aiMOOCs und erkläre, welches stärker zum Verständnis des Textes beiträgt.
- Zeitstrahl: Erstelle einen Zeitstrahl mit Textentstehung, späterer Handschriftenüberlieferung und der Jones-Übersetzung von 1794.
Standard
- Übersetzungsvergleich: Vergleiche eine Stelle der MOOCwiki-Buchausgabe mit dem Sanskrit und einer historischen englischen Übersetzung. Kennzeichne Unterschiede, ohne den Wortlaut zu verändern.
- Norm und Wirklichkeit: Erkläre an Manusmṛti 9.3, warum eine Vorschrift nicht automatisch beweist, dass alle Menschen entsprechend lebten.
- Herrschaftsanalyse: Untersuche eine Passage aus Kapitel 7 oder 8. Arbeite heraus, welche Pflichten Herrschaft legitimieren sollen.
- Antikenvergleich: Vergleiche eine Ordnungsvorstellung der Manusmṛti mit einem griechischen, römischen oder chinesischen Text. Beachte Gattung und Entstehungskontext.
Schwer
- Quellenkritische Mini-Studie: Untersuche dieselbe Passage in Original, Transliteration und mindestens zwei Übersetzungen. Begründe, wo Übersetzungsentscheidungen die Interpretation verändern können.
- Wirkungsgeschichte: Recherchiere, wie die Übersetzung von 1794 in kolonialen Wissens- und Rechtsordnungen genutzt wurde. Trenne belegte Wirkung von Vermutungen.
- Kontroverse Deutung: Formuliere zwei unterschiedliche historische Interpretationen einer problematischen sozialen Norm und prüfe beide am Primärtext.
- Forschungsprojekt: Erstelle eine kurze Quellenmappe zu Geschlecht oder sozialer Hierarchie. Verwende Primärtext, historische Übersetzung und mindestens zwei wissenschaftliche Sekundärquellen.


Lernkontrolle
- Quellenkritik: Erkläre an einem konkreten Beispiel, warum das Erscheinungsjahr einer Übersetzung nicht als Entstehungsdatum des Originaltextes gelten darf.
- Transfer Norm und Praxis: Ein Historiker findet eine Vorschrift in einem antiken Text. Entwickle drei zusätzliche Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor Aussagen über den Alltag möglich sind.
- Sprachvergleich: Zeige an einer Textstelle, wie ein mehrdeutiger Begriff wie Dharma unterschiedliche Übersetzungen ermöglichen kann und warum dies die Interpretation beeinflusst.
- Herrschaft und Ordnung: Vergleiche die Legitimation von Herrschaft in der Manusmṛti mit einem anderen antiken Text und arbeite mindestens einen Unterschied in der Argumentation heraus.
- Bewertung von Quellen: Beurteile, wie zuverlässig ein modernes Onlinevideo, eine historische Übersetzung und eine Sanskritedition jeweils für unterschiedliche Forschungsfragen sind.
- Historische Wirkung: Erkläre, wie ein antiker Text in einer späteren politischen Ordnung neue Bedeutung gewinnen kann, ohne dass sich sein ursprünglicher Wortlaut verändert.
Lernnachweis
Für einen guten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- Entstehungszeit und Übersetzungszeit unterscheiden kannst.
- die Manusmṛti als normativen Dharmaśāstra-Text einordnest.
- mindestens zwei konkrete Textstellen korrekt belegst.
- Originaltext, Übersetzung und Interpretation trennst.
- soziale und geschlechtliche Hierarchien historisch kritisch analysierst.
- Normen nicht automatisch mit gesellschaftlicher Wirklichkeit gleichsetzt.
- Medien und Übersetzungen quellenkritisch prüfst.
- die Wirkungsgeschichte von der ursprünglichen Textentstehung unterscheidest.
OERs zum Thema
Weitere frei zugängliche Quellen:
- Wikimedia Commons: Kategorie Manusmriti
- William Jones: Institutes of Hindu Law, 1794, Public Domain
- Sanskrittext Manusmṛti 1.1
- Historische englische Übersetzung von Georg Bühler, 1886
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