Weltliteratur verstehen - Die Brooklyn-Revue - Paul Auster
Einleitung
Weltliteratur verstehen – Die Brooklyn-Revue – Paul Auster ist ein Lektüre- und Analysekurs für die Jahrgangsstufen 11–13 und die Erwachsenenbildung. Ausgangspunkt ist Paul Austers Roman Die Brooklyn-Revue (Original: The Brooklyn Follies). Im Mittelpunkt stehen Neuanfang, Verwandtschaft, Verletzlichkeit, Zufall, urbane Begegnungen und die Frage, ob Menschen einen bewohnbaren Alltag füreinander schaffen können.
Lernziele: Du kannst Handlungswissen von Interpretation unterscheiden, Beziehungen durch Textbelege untersuchen, die begrenzte Sicht eines Ich-Erzählers erklären, literarische Verfahren beschreiben, Medien kritisch vergleichen und unterschiedliche Urteile über das Buch begründen. Du kannst zudem beurteilen, was die Einordnung „Postmoderne und Gegenwart“ leistet und wo sie verkürzt.
Wichtige Textgrenze: Der urheberrechtlich geschützte Primärtext liegt für die Erstellung dieses Kurses nicht vor. Deshalb enthält dieser Kurs keine erfundenen Roman-Zitate, Seitenzahlen oder ausführlichen Kapitelreferate. Verbindliche Detailbelege, genaue Formulierungen und Textstellen musst du an einer rechtmäßig verfügbaren Ausgabe selbst kontrollieren. Insbesondere unterscheiden sich Seitenzahlen je nach Auflage.
Lektüreempfehlung: Die Brooklyn-Revue bei Rowohlt, ISBN 978-3-499-25792-6, aus dem Englischen von Werner Schmitz. Das Buch kannst du über Buchhandel oder eine öffentliche bzw. schulische Bibliothek ausleihen oder rechtmäßig beziehen. Ein kostenloser vollständiger Romantext wird hier nicht behauptet.
Hinweis zur Unterrichtseignung: In der Geschichte werden unter anderem Erkrankung und Sterblichkeit, Trennung, familiäre Krisen, mögliche Überforderung eines Kindes, gesellschaftliche Verletzlichkeit, problematisches Verhalten und ein historisch belastender Ausblick thematisch. Einzelne Schilderungen und sprachliche Register sollten Lehrkräfte vor dem Unterricht in der konkreten Ausgabe prüfen. Für Klasse 11–13 und Erwachsene ist eine reflektierte, freiwillig distanzierte Bearbeitung grundsätzlich denkbar; Alternativaufgaben ohne persönlichen Erfahrungsbericht sind vorzusehen. Das Ende wird im fünften Hauptkapitel gesondert mit einer Spoilerwarnung behandelt.
So arbeitest du: Führe ein Belegprotokoll mit den Spalten „Behauptung – Textbeobachtung – Fundstelle deiner Ausgabe – Deutung – Gegenlesart“. Markiere Sekundärinformationen als solche. Bei den mit „Beispiel“ bezeichneten Fällen handelt es sich um didaktisch konstruierte Situationen, nicht um wörtliche oder belegte Szenen des Romans.
Textgrundlage und Handlungsgerüst
Bibliografie und literarischer Ort
Paul Auster (1947–2024) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Sein Roman The Brooklyn Follies erschien 2005; die deutsche Ausgabe trägt den Titel Die Brooklyn-Revue. Die hier ausgewiesene Rowohlt-Taschenbuchausgabe von 2012 hat 352 Seiten und ist eine Übersetzung von Werner Schmitz. Der Originaltitel betont mit „follies“ unter anderem menschliche Torheiten, während „Revue“ im deutschen Titel eine Folge von Auftritten oder Episoden anklingen lässt. Diese Bedeutungsspanne ist eine Interpretationshypothese, keine automatisch bewiesene Übersetzungsabsicht.
Merkkasten – Werkinformation: Autor, Originaltitel, Erscheinungsjahr, Übersetzer und ISBN sind bibliografische Angaben. Eine Aussage über die Wirkung des Titels ist dagegen eine begründungsbedürftige Lesart.
Arbeitsbeispiel: Trage beide Titel nebeneinander ein. Formuliere zu jedem zwei mögliche Erwartungen. Prüfe nach der Lektüre, welche Erwartungen gestützt werden und welche nicht.
Ausgangslage ohne Ersatznacherzählung
Der 59-jährige Nathan Glass, früher Versicherungsvertreter, zieht nach einer Krebserkrankung und dem Scheitern seiner Ehe nach Brooklyn. Er begegnet seinem Neffen Tom Wood wieder, der in einem Antiquariat arbeitet. Dessen Umfeld, darunter der Buchhändler Harry Brightman, weitet Nathans neue Alltags- und Familienbeziehungen aus. Auch Toms Schwester Aurora und ihre Tochter Lucy werden wichtig. Diese Ausgangspunkte lassen sich durch Verlagstext und zeitgenössische Buchbesprechungen überprüfen; die weitere Handlung wird hier bewusst nicht detailliert vorweggenommen.
Eine analytische Leitfrage lautet: Wie wandelt sich ein Vorsatz zum Rückzug in eine Beteiligung an anderen Leben? Achte auf Nathans Entscheidungen, nicht bloß auf Ereignisse, die ihn treffen.
Merkkasten – Handlung versus Deutung: „Nathan zieht nach Brooklyn“ beschreibt eine belegbare Ausgangssituation. „Brooklyn heilt alle seine Probleme“ wäre eine weitreichende, erst am Text zu prüfende und möglicherweise zu widerlegende Behauptung.
Szenen lesen und Belege sichern
Eine knappe Szenenkarte enthält Ort, beteiligte Personen, Konflikt, Erzählerwissen, auffällige Wörter, eine knappe eigene Inhaltsangabe und eine genaue Fundstelle. Übernimm keine längeren Passagen in frei zugängliche Lernprodukte. Kurze, wirklich notwendige Zitate aus deiner eigenen Ausgabe versiehst du mit Ausgabe, Seite und gegebenenfalls Kapitel.
Beispiel einer Methode, keine Romanaussage: Behauptung: „Die Nähe zwischen zwei Figuren ist noch unsicher.“ Mögliche Belege wären Unterbrechungen im Dialog, ausweichende Antworten oder eine nachträglich zurückgenommene Zusage. Ob solche Signale an einer konkreten Stelle vorliegen, entscheidest du erst beim Lesen.
Merkkasten – Drei Prüffragen: Was steht tatsächlich im Text? Welche Schlussfolgerung ziehe ich? Welche andere Deutung könnte denselben Beobachtungen gerecht werden?
Erste Orientierung am Textmaterial
Nutze den Verlag als Quelle für Editionsangaben und erste Werkhinweise, Rezensionen für nachweisbar wertende Perspektiven und die eigene Ausgabe für Textbelege. Rezensionen können Einzelheiten auswählen oder zugespitzt darstellen. Eine Inhaltsangabe auf einer Buchseite ersetzt daher keine eigenständige Lektüre.
Arbeitsauftrag: Kennzeichne im Verlagsklappentext drei reine Informationen und zwei werblich oder interpretierend formulierte Wertungen. Begründe deine Kennzeichnung anhand sprachlicher Signale.
Figuren, Beziehungen und Verantwortung
Nathan Glass: Rückzug und neue Teilhabe
Nathan erzählt als Ich-Figur von einer Lebensphase, in der er Verluste, körperliche Unsicherheit und Entfremdung erlebt. Sein Blick prägt, welche Informationen du erhältst und wie du andere Menschen kennenlernst. Ein Erzähler ist nicht identisch mit seinem Autor; Nathans Selbstbeschreibung darf daher weder als objektiver Bericht noch als Autobiografie Paul Austers behandelt werden.
Analyseimpuls: Untersuche eine Stelle, an der Nathan ein Urteil über sich selbst fällt. Welche Ereignisse kennt er selbst, welche nur durch andere, und wo könntest du seiner Bewertung widersprechen?
Merkkasten – Perspektivenkritik: Ein Ich-Erzähler muss nicht bewusst täuschen, damit seine Darstellung selektiv und begrenzt ist.

Medienarbeit: Das Autorenporträt zeigt Paul Auster beim Brooklyn Book Festival 2007. Vergleiche überprüfte Lebensdaten des Schriftstellers mit Nathans ausdrücklich fiktiver Ausgangslage und erkläre die Grenze zwischen Autor, Erzähler und Figur. Quelle und Fotograf: Wikimedia Commons, Piktor08; Lizenz: CC BY-SA 2.0 DE.
Tom Wood: Verwandtschaft, Bücher und Lebensentwürfe
Tom ist Nathans Neffe und arbeitet zu Beginn im Umfeld eines Antiquariats. Ihre Begegnung erlaubt Fragen nach familiären Erwartungen: Wann hilft Nähe? Wann droht sie, zur Einmischung zu werden? Die Figur ist nicht allein als „Hilfsbedürftiger“ zu beschreiben. Prüfe, was sie selbst sagt, was Nathan über sie behauptet und wo beide Perspektiven auseinanderlaufen.
Arbeitsbeispiel: Zeichne zwei Pfeile zwischen Nathan und Tom: „Nathan denkt über Tom“ und „Tom handelt selbst“. Trage an jedem Pfeil eine Textstelle mit eigener Fundangabe ein.
Merkkasten – Beziehungen lesen: Für eine Figurenskizze brauchst du Aussagen, Handlungen, Fremdwahrnehmungen und Veränderungen im Verlauf, nicht bloß ein Charakteretikett.
Harry Brightman: Vertrauen, Geschichten und Moral
Der Antiquar Harry Brightman gehört zu Toms beruflichem Umfeld. Sein Handlungsstrang eröffnet Fragen nach Glaubwürdigkeit, Täuschung und dem Wert scheinbar authentischer Geschichten und Objekte; die Buchbesprechungen erwähnen dabei einen problematischen Manuskriptzusammenhang. Ob und wie seine Selbstdarstellung vertrauenswürdig erscheint, muss die Lektüre klären.
Analyseimpuls: Wähle eine Äußerung oder Handlung Harrys aus deiner Ausgabe. Formuliere zwei verschiedene moralische Bewertungen. Welche Fakten stützen deine jeweilige Interpretation?
Merkkasten – Keine Kurzschlüsse: Ein faszinierender Erzähler über sich selbst ist nicht automatisch eine verlässliche Person. Literarische Sympathie und ethische Bewertung dürfen auseinanderfallen.
Aurora und Lucy: Sorge, Handlungsfähigkeit und Grenzen
Aurora ist Toms Schwester; Lucy ist ihre Tochter. Die Beziehungen erlauben eine vorsichtige Untersuchung von familiärer Verantwortung, Krisenbewältigung und Kinderperspektive. Bei sensiblen familiären Problemen sollst du nicht ohne Textgrundlage Motive, Diagnosen oder Lebensgeschichten ergänzen.
Arbeitsauftrag: Stelle in einer Beziehungskarte nicht nur verwandtschaftliche Verbindungen dar, sondern auch belegte Formen von Unterstützung, Abhängigkeit und Handlungsspielraum. Unterscheide, was Lucy selbst äußert oder tut, und was Erwachsene in sie hineinlesen.
Merkkasten – Verantwortung: Analysiere Machtgefälle mit Blick auf konkrete Handlungen; vermeide eine psychologische Diagnose von Figuren ohne nachvollziehbare Grundlage.
Ein Netz statt einer isolierten Hauptfigur
Der Roman lässt sich als Geschichte einer neuen sozialen Verknüpfung untersuchen. Dabei bleibt offen, ob zufällige Begegnungen eine fragwürdige bequeme Konstruktion oder ein ästhetisches Programm über menschliche Offenheit bilden.
Beispiel einer Gegenposition: Lesart A: Häufige Begegnungen fördern Hoffnung und Gemeinschaft. Lesart B: Häufige Begegnungen entlasten die Figuren zu schnell von komplexen Konflikten. Finde für jede Lesart unterschiedliche Textbelege und beurteile ihre Tragweite.
Erzählen, Schreiben und Sprache
Ich-Perspektive und Erzählabstand
Nathan ist sowohl handelnde Figur als auch berichtende Instanz. Frage deshalb nach dem zeitlichen Abstand zwischen einem Ereignis und seinem Erzählen. Selbstironische Bemerkungen können Einsicht signalisieren, aber auch ein Mittel sein, belastende Fragen auszuweichen. Eine Stelle solltest du im Verhältnis zu anderen Angaben Nathans lesen.
Analysewerkzeug: Notiere „Was beobachtet Nathan?“, „Was schließt er daraus?“, „Was weiß er zu diesem Zeitpunkt nicht?“ und „Was erfahren wir erst später?“. Genau solche Lücken machen Erzählperspektive literarisch interessant.
Merkkasten – Fokalisierung: Unterscheide die Stimme, die erzählt, vom Blickfeld, durch das Geschehnisse wahrgenommen werden. Hier musst du stets Nathans besondere Wahrnehmung mitprüfen.
Geschichten über Geschichten
Nathan entwirft im Roman ein Schreibprojekt, in dem er menschliche Torheiten festhalten möchte. Diese Ebene lädt dazu ein, den Roman selbst als Erzählung über das Erzählen zu lesen. Man kann darin eine metapoetische oder selbstreflexive Technik erkennen, muss ihre konkrete Ausgestaltung jedoch anhand einer Passage nachweisen.
Arbeitsbeispiel: Vergleiche „Eine Figur erzählt von ihrer Vergangenheit“ mit „Eine Figur erläutert, warum sie gerade Geschichten sammelt“. Was verändert die zweite Ebene an deiner Erwartung über Wahrheit, Auswahl und Ordnung?
Merkkasten – Metafiktion: Von Selbstreflexion spricht man, wenn ein Text sein Erzählen, Schreiben oder Erfinden selbst zum Gegenstand macht. Nicht jedes Auftreten eines Buches beweist bereits Metafiktion.
Humor, Ironie, Dialog und Tonwechsel
Auster verbindet in vielen seiner Werke ernste existenzielle Fragen mit sprachlicher Beweglichkeit. Für Die Brooklyn-Revue beschreiben Besprechungen eine besondere Mischung aus Witz, Wärme und Problemfällen. Untersuche selbst, ob der Ton zwischen nüchterner Rückschau, Selbstverspottung und Anteilnahme wechselt. Das sind mögliche Kategorien, keine unüberprüften Zitate.
Prüfverfahren: Bestimme in einer kurzen legal verfügbaren Passage Sprecher, Tonindikatoren und Wirkung. Eine vermeintlich humorvolle Aussage kann den Schmerz einer Figur verdecken; frage deshalb, wer im Gespräch lachen kann und wer nicht.
Merkkasten – Ironie: Ironie ist nicht einfach „etwas Lustiges“. Begründe die Differenz zwischen gesagter Formulierung, Kontext und gemeintem Sinn.
Übersetzung und Titelwirkung
Die Analyse der deutschen Ausgabe muss sich zunächst auf Werner Schmitz' tatsächlichen Text beziehen. Aussagen über Austers englische Wortwahl erfordern zusätzlich Einsicht in das englische Original. Weise sorgfältig aus, auf welcher Ausgabe dein Argument beruht.
Vergleichsauftrag: Stelle die nachgewiesenen Titel The Brooklyn Follies und Die Brooklyn-Revue gegenüber. Welche semantischen Räume eröffnen „Torheiten“ und „Revue“? Du darfst hierzu Hypothesen bilden; eine Behauptung über die Entscheidung des Übersetzers benötigt eine zusätzliche Quelle.
Merkkasten – Texttreue: Erfinde keine englische Originalformulierung, wenn du nur die deutsche Ausgabe gelesen hast.
Medienarbeit: Im Interview „Paul Auster Interview: How I Became a Writer“ spricht der Autor über sein Schreiben. Notiere zwei nachprüfbare Aussagen aus dem Video mit Zeitangaben und erkläre, warum eine Autorenaussage eine Romanstelle nicht automatisch entscheidet. Quelle/Produktion: Louisiana Channel / Louisiana Museum of Modern Art; Video urheberrechtlich geschützt, lediglich als offizielles YouTube-Video eingebettet, keine CC-Lizenz behauptet. Englischsprachig; bei Bedarf mit Untertiteln oder Transkript arbeiten.
Stadt, Zufall und Leitmotive
Brooklyn als sozialer Raum
Brooklyn ist ein New Yorker Stadtbezirk und zugleich titelgebender literarischer Ort. Eine Karte kann räumliche Orientierung geben; sie verrät aber weder reale Romanschauplätze noch die Empfindungen Nathans. Analysiere, wie Orte Begegnungen ermöglichen, Distanz erzeugen oder Zugehörigkeit andeuten. Vermeide es, tatsächliche Reiserouten der Figuren aus einer modernen Karte abzuleiten.

Medienarbeit: Lokalisier Brooklyn in New York City, grenze räumliche Fakten von erzählerischer Ortswahrnehmung ab und markiere selbst recherchierte, ausdrücklich textbelegte Schauplätze nur auf einer eigenen Arbeitskarte. Quelle/Urheber: Wikimedia Commons, Nafsadh; auf früheren Kartengrundlagen beruhend; laut Commons gemeinfrei (Public Domain).
Alltag, Nachbarschaft und Veränderung
Stadtbilder sind Momentaufnahmen. Das folgende frei lizenzierte Foto eines Brooklyn-Viertels dokumentiert eine spätere Zeit als die Romanhandlung. Vergleiche, welche sozialen Informationen ein Bild zeigen kann und welche du nur im Text findest. Setze Bild und Roman nicht gleich.
Medienarbeit: Sammle aus dem Foto drei sichtbare Details und aus deiner Lektüre drei belegte Beschreibungen eines Ortes. Formuliere Gemeinsamkeiten und Grenzen, ohne die Aufnahme als Filmszene zu behandeln. Quelle/Fotograf: Wikimedia Commons, Mikeruggy / Michael Ruggiero, 2016; Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Zufall oder erzählerische Konstruktion?
Auster wird häufig mit dem Motiv des Zufalls verbunden. In diesem Roman können unerwartete Kontakte als Versprechen neuer Möglichkeiten erscheinen. Kritisch lässt sich aber fragen, ob das Zusammentreffen von Personen und Lösungen bisweilen allzu bequem arrangiert ist.
Analyseschritt: Trenne für zwei Ereignisse „nicht vorhersehbar für die Figur“ von „durch die Erzählkonstruktion motiviert“. Eine Ursache kann für Lesende vorbereitet sein, auch wenn die Figur sie nicht kennt.
Merkkasten – Begründete Doppelperspektive: Dasselbe Ereignis kann als lebensnaher Zufall und als Kunstgriff des Romans gelesen werden. Die stärkere Lesart erklärt mehr Einzelheiten, ohne Gegenbelege zu unterschlagen.
Bücher, Antiquariat und Echtheit
Bücher sind nicht nur Gegenstände, sondern können Wissen, Geschichten, Erinnerungen und auch Fragen nach Echtheit oder Täuschung bündeln. Harrys berufliche Welt bietet einen sinnvollen Zugang zur Frage, wem Menschen Glauben schenken und warum sie Geschichten aufbewahren.

Medienarbeit: Diese Aufnahme zeigt die Hauptstelle der Brooklyn Public Library (2014). Sie ist eine Kontextaufnahme, kein belegter Handlungsort. Vergleiche die öffentliche Bibliothek als Institution mit dem Antiquariat als literarischem Ort: Was unterscheidet Sammeln, Verkaufen, Zugänglichmachen und Erzählen? Quelle/Fotograf: Wikimedia Commons, Davidwtucker77; Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Medienarbeit: In „Paul Auster Interview: Early Readings“ spricht Auster über Lektüreerfahrungen. Vergleiche zwei tatsächlich geäußerte Gedanken mit deiner Deutung der Buchmotive im Roman. Ein Interview ist Kontext, nicht Beweis für die Absicht einer bestimmten fiktiven Figur. Quelle/Produktion: Louisiana Channel / Louisiana Museum of Modern Art; urheberrechtlich geschützt, offizielles YouTube-Embedding, keine offene Lizenz behauptet. Englischsprachig.
Hören und Bewegen: das Stadterlebnis als Medienvergleich
Eine gesprochene Ortsinformation schafft eine andere Perspektive als Nathans literarische Stimme. Die folgende Commons-Audiodatei enthält eine englische gesprochene Wikipedia-Fassung zu Clinton Hill, Brooklyn, und ist weder Romanhörbuch noch als Romanort bestätigt.
Medienarbeit: Höre einen selbst gewählten kurzen Ausschnitt. Vergleiche die sachorientierte Stimme mit Nathans Ich-Erzählen: Wo entstehen Emotionen, Zweifel, Nähe und Auswahl? Quelle/Sprecher: Wikimedia Commons, JohnAnkerBow; Lizenz: CC0 laut Commons-Dateiseite.
Die folgende animierte Kartendarstellung eines New Yorker U-Bahn-Netzes entstand nach der Handlungsepoche; sie visualisiert Bewegungsstrukturen, keine belegte Romanroute.
Datei:NYC Subway animation vc.webm Medienarbeit: Beschreibe, was die Animation objektiv darstellt und was über soziale Nähe unsichtbar bleibt. Ergänze eine selbst beschriftete Gegenüberstellung „Wegnetz – Beziehungsnetz“. Quelle/Urheber: Wikimedia Commons, TheFahrplan2; Lizenzangabe der Commons-Dateiseite: CC BY 3.0; musikalische Bestandteile und Originalcredits auf der Dateiseite zusätzlich beachten.
Literaturgeschichte, Rezeption und Lesesicherheit
Gegenwartsliteratur und postmoderne Verfahren
Die Sammelbegriffe Gegenwartsliteratur und Postmoderne (Literatur) eröffnen unterschiedliche Perspektiven, sind aber keine automatische Schublade. Zeitgenössischer gesellschaftlicher Raum, selbstreflexives Schreiben, Erzählerironie, Spiel mit Geschichten und mögliche Koinzidenzen lassen sich beschreiben. Ob der gesamte Roman als „postmodern“ angemessen erfasst wird, muss anhand textueller Verfahren und historischer Argumente diskutiert werden.
Merkkasten – Epoche als Werkzeug: Begründe „Der Text verwendet ein postmodern lesbares Verfahren“ präziser als „Der Text ist ganz eindeutig postmodern“. Andere Perspektiven, etwa Familienroman oder Gegenwartserzählung, können ebenfalls tragen.
Beispiel: Ein Ich-Erzähler kommentiert sein eigenes Schreiben: Das kann Selbstreflexion markieren. Erst eine konkrete Analyse klärt, wie weit der Roman dabei Fiktion, Wahrheit oder Leserwartungen problematisiert.
Historischer Horizont und Schluss – Spoilerwarnung
Achtung: Der folgende Abschnitt verrät einen entscheidenden historischen Rahmen des Romanendes. Wer ohne Vorwissen lesen möchte, kann den Absatz erst nach Abschluss der Lektüre bearbeiten.
Zeitgenössische Besprechungen verorten den Ausblick des Romans am Morgen des 11. September 2001, unmittelbar vor den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten. Damit entsteht für spätere Lesende eine schmerzliche Wissensdifferenz zwischen den Hoffnungen der Figuren und dem, was die Leserinnen und Leser historisch wissen. Welche Wirkung tatsächlich entsteht, hängt von den präzisen letzten Textseiten ab und ist dort zu überprüfen.
Analysepraxis: Prüfe, ob deine Ausgabe vor dem historischen Einschnitt endet und wie die zeitliche Position des Erzählens gestaltet ist. Unterscheide ausdrücklich Textbeobachtung, späteres historisches Wissen und deine ethische Bewertung. Biete bei Belastung eine alternative Aufgabe zur historischen Erzählperspektive ohne die Beschäftigung mit Gewaltdetails an.
Merkkasten – Kontext zählt: Historisches Wissen verändert die Rezeption; es erlaubt aber nicht, unbelegte Ereignisse oder Reaktionen im Roman zu ergänzen.
Unterschiedliche Stimmen in der Kritik
Rezensionen aus dem Veröffentlichungsumfeld besprechen den Roman teils als warmherzige, einfallsreiche Darstellung menschlicher Verbundenheit, teils skeptisch im Blick auf Zufälle, Konstruktion und leichte Lösungen. Die beiden Urteile können jeweils begründet sein; deine Rezension sollte sagen, auf welche Szenen sie sich stützt.
Vergleiche zum Beispiel Toby Lichtigs Besprechung im Guardian vom 20.11.2005 mit Michael Dibdins Guardian-Rezension vom 19.11.2005 und einer deutschsprachigen Rezension bei literaturkritik.de. Interpretiere Rezensionen als argumentierende Sekundärtexte, nicht als letzte Instanz.
Merkkasten – Urteil mit Gegenprobe: Eine glaubwürdige Kritik nennt Stärken, mögliche Einwände und eine nachweisbare Szene, an der beide prüfbar werden.
Eignung und sensible Inhalte
Die in Ausgangssituation und Kritik greifbaren Themen umfassen Krankheit, Trennung, Angst vor dem Tod, familiäre Krisen, unsichere Kindheitssituationen, Täuschungen und das Wissen um historische Gewalt. Prüfe weitere sensible Inhalte in der Unterrichtsausgabe, bevor Auszüge verteilt oder Szenen gelesen werden; ohne Primärtext kann dieser Kurs keine vollständige Inhaltswarnung garantieren.
Für die Oberstufe: Stelle Textdistanz und Quellenkritik in den Vordergrund. Ermögliche die Wahl zwischen Figurenanalyse und historischer Kontextarbeit. Fordere keine persönlichen Krankheits-, Familien- oder Traumaerlebnisse ein. Diskutiere bei Fragen zu Kindern oder vulnerablen Erwachsenen wertschätzend, textbezogen und ohne diagnostische Etiketten. Erlaube bei Video und Audio schriftliche Alternativen und berücksichtige die Zugänglichkeit englischsprachiger Medien.
Merkkasten – Gute Lektüreethik: Die Würde betroffener Menschen ist wichtiger als eine spektakuläre Deutung. Über den literarischen Text lässt sich auch argumentieren, ohne die eigene Biografie preiszugeben.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Textverständnis und Analyse
Beantworte die zehn Fragen. Bei jeder Frage steht die korrekte Lösung zuerst in der Aufgabenstruktur; nach der Auswertung erläutert die Rückmeldung den Zusammenhang. Für eine schriftliche Besprechung solltest du zusätzlich Belegstellen aus deiner eigenen Ausgabe notieren.
Welche Aussage gehört zur belegten Ausgangssituation des Romans? (Nathan Glass zieht nach einer schweren Erkrankung nach Brooklyn) (!Nathan Glass zieht als Jugendlicher zum Studium nach Paris) (!Tom Wood reist allein nach Alaska) (!Harry Brightman berichtet als einziger Erzähler aus dem Ausland)
Rückmeldung: Der Verlag beschreibt Nathans Umzug nach Brooklyn nach Krankheit und privater Krise. Die Alternativen sind keine belegten Ausgangspunkte.
In welchem Verhältnis stehen Nathan Glass und Tom Wood? (Sie sind Onkel und Neffe) (!Sie sind Vater und Sohn) (!Sie sind eineiige Brüder) (!Sie sind Lehrer und Schüler)
Rückmeldung: Die Verwandtschaft ist für das Thema Wiederannäherung zentral; die Art ihrer Beziehung kann in der Lektüre weiter untersucht werden.
Welche Aussage trennt Autor und Erzähler korrekt? (Paul Auster schrieb den Roman und Nathan erzählt als Figur darin) (!Paul Auster und Nathan sind nachweislich dieselbe Person) (!Nathan übersetzte die Rowohlt Ausgabe) (!Tom verfasste die gesamte Verlagsbiografie)
Rückmeldung: Eine Ich-Stimme im Roman ist eine konstruierte Erzählinstanz, auch wenn ihre Lebensnähe stark wirken kann.
Womit kann man eine Interpretation der Figurenbeziehung am besten prüfen? (Mit einer genauen Textbeobachtung und einer alternativen Lesart) (!Mit der freien Erfindung einer wörtlichen Aussage) (!Mit einer beliebigen Rezension ohne Bezug zum Roman) (!Mit einer Landkarte ohne Textarbeit)
Rückmeldung: Literaturanalysen brauchen konkrete Belege und müssen Gegenargumente zulassen.
Was lässt sich ohne Einsicht in eine bestimmte Romanausgabe nicht zuverlässig angeben? (Eine genaue Seitenzahl für eine wörtliche Passage) (!Der bibliografische Name des Autors) (!Der nachgewiesene Originaltitel) (!Der Name des Rowohlt Verlags)
Rückmeldung: Seitenzahl und Wortlaut sind editionsabhängig. Diese Angaben dürfen nicht erraten werden.
Welcher Begriff beschreibt das Erzählen über das eigene Geschichtenerzählen? (Selbstreflexives Erzählen) (!Metrisch gebundene Lyrik) (!Naturwissenschaftliche Messung) (!Ausschließlich dramatische Bühnenrede)
Rückmeldung: Das Sammeln und Erörtern von Geschichten kann zum Gegenstand des Romans selbst werden.
Was ist eine sinnvolle Frage zum Zufallsmotiv? (Ob Begegnungen nachvollziehbar vorbereitet oder bewusst überraschend gesetzt sind) (!Ob alle Romanfiguren zufällig denselben Vornamen tragen) (!Ob ein Foto automatisch sämtliche Dialoge beweist) (!Ob eine Rezension grundsätzlich die Handlung festlegt)
Rückmeldung: Trenne Ereignisse innerhalb der Geschichte von ihrer Konstruktion für Lesende.
Wie benutzt man ein Foto aus dem heutigen Brooklyn wissenschaftlich redlich? (Als historische oder gegenwärtige Kontextquelle mit klar benannten Grenzen) (!Als wortgetreue Wiedergabe aller Romankapitel) (!Als Beweis für nicht belegte Wege der Figuren) (!Als Ersatz für einen genauen Blick in den Primärtext)
Rückmeldung: Ein Stadtfoto kann Räume veranschaulichen, aber keine fiktive Handlung oder Erzählperspektive beweisen.
Welche Aussage zur literarhistorischen Einordnung ist methodisch am besten? (Postmoderne und Gegenwart sind prüfbare Deutungsperspektiven und keine unverrückbaren Etiketten) (!Jeder Roman nach dem Jahr 2000 gehört zwingend nur einer einzigen Epoche an) (!Eine Genrebezeichnung macht die Textanalyse überflüssig) (!Eine Übersetzung beweist allein die Absicht des Autors)
Rückmeldung: Epochenbegriffe gewinnen Erklärungskraft erst an konkreten Textverfahren und im Vergleich mit Alternativen.
Warum benötigt die Schlussanalyse historisches Kontextwissen? (Weil die Leserkenntnis des 11. September 2001 dem Romanende zusätzliche Bedeutung geben kann) (!Weil sämtliche Romanfiguren den zukünftigen Verlauf sicher wissen) (!Weil historische Ereignisse jede Textbeobachtung ersetzen) (!Weil der Roman eine vollständige Chronik aller Anschläge wäre)
Rückmeldung: Die Wirkung einer historischen Wissensdifferenz muss textnah beschrieben werden, ohne ungeschriebene Szenen zu erfinden.
Memory: Begriffe und Funktionen
Finde die sechs passenden Paare. Nutze danach zwei davon, um eine Textstelle mit eigener Fundangabe zu kommentieren.
| Nathan Glass | Ich-Erzähler und Figur des Neuanfangs |
| Tom Wood | Nathans Neffe im Umfeld eines Antiquariats |
| Harry Brightman | Buchhändler und Anlass von Vertrauensfragen |
| Aurora | Toms Schwester und Lucys Mutter |
| Fokalisierung | Begrenzung des erzählerischen Blickfeldes |
| Metafiktion | Erzählung reflektiert ihren eigenen Erzählcharakter |
Lösungshinweis: Verbinde keine bloßen Klangähnlichkeiten, sondern Funktionen. Bei Fokalisierung ist nach der Informationsgrenze, bei Metafiktion nach dem Schreiben im erzählten Geschehen zu fragen.
Drag and Drop: Methode und Aussage
Ordne jedem Fachbegriff seine passende Erklärung zu. Anschließend verdeutliche einen der Begriffe mit einer selbst gefundenen Romanstelle.
| Fachbegriff | Richtige Erklärung |
|---|---|
| Textbeleg | Nachweis einer Behauptung an einer bestimmten Stelle der benutzten Ausgabe |
| Gegenlesart | Plausible alternative Erklärung derselben Beobachtung |
| Erzählstimme | Instanz, die die erzählte Geschichte sprachlich vermittelt |
| Leitmotiv | Wiederkehrendes bedeutungstragendes Element der Erzählung |
| Rezeption | Wahrnehmung und Bewertung des Werks durch Lesende und Kritik |
Lösungshinweis: Ein Ortsfoto ist kein Textbeleg, eine Vermutung noch keine Gegenlesart und eine Rezension Teil der Rezeption, nicht die Stimme des Romans.
Kreuzworträtsel: Sechs Schlüsselbegriffe
Gesucht sind sechs einzelne Wörter. Alle Hinweise beziehen sich auf die im Kurs gesicherten Fakten oder erläuterten Analysebegriffe.
| Nathan | Vorname des Ich-Erzählers Glass |
| Brooklyn | New Yorker Stadtbezirk im deutschen Romantitel |
| Antiquariat | Geschäft für gebrauchte und ältere Bücher |
| Zufall | Motiv unvorhergesehener Begegnungen |
| Ironie | Verfahren mit Abstand zwischen Ausdruck und gemeinter Bedeutung |
| Rezeption | Aufnahme und Bewertung eines literarischen Werks |
Lösungshinweis: Die Begriffe entstammen Bibliografie, Figurensystem, Erzählanalyse und literaturwissenschaftlicher Methodik.
LearningApps: Ergänzende Übungen suchen
Der Link öffnet eine thematische Suche nach möglicherweise verfügbaren Lernübungen, keine redaktionell geprüfte Einzelübung. Kontrolliere bei Fundstücken immer Urheberangaben, sachliche Genauigkeit und Übereinstimmung mit deiner Ausgabe.
Lückentext: Wesentliche Zusammenhänge
Lösungshinweis: Prüfe bei Unsicherheit die entsprechenden Merkkästen. Die Antworten bilden Grundbegriffe der textnahen Lektüre.
Offene Aufgaben
Verwende für jede textbezogene Aufgabe eine rechtmäßig verfügbare Ausgabe und notiere deren genaue bibliografische Angaben. Du darfst historische oder sensible Themen anhand einer Alternativaufgabe zur Erzähltechnik bearbeiten. Vier Aufgaben gehören jeweils zu einer Niveaustufe.
Leicht
- Lektürepass: Erstelle eine Karteikarte zu Autor, Originaltitel, deutscher Ausgabe, Übersetzer und einer wesentlichen Grenze des Quellenwissens. Lösungshinweis: Gleiche jede Angabe mit dem Rowohlt-Datensatz ab.
- Beziehungsskizze: Zeichne Nathan, Tom, Harry, Aurora und Lucy mit den gesicherten Beziehungen und markiere ungeklärte Einzelheiten mit Fragezeichen. Lösungshinweis: Verwandtschaft und berufliche Verbindungen dürfen nicht verwechselt werden.
- Perspektivenampel: Suche eine geeignete Seite deiner Lektüre und kennzeichne Beobachtung, Erzählerurteil und eigene Deutung in drei Farben. Lösungshinweis: Mindestens drei verschiedenartige Beispiele samt Ausgabe und Seite.
- Brooklyn im Vergleich: Analysiere eine Commons-Karte und ein Stadtbild hinsichtlich dessen, was sie zeigen und was sie über den Roman nicht beweisen. Lösungshinweis: Zwei beobachtbare Details und zwei ausdrücklich benannte Grenzen.
Standard
- Konfliktprotokoll: Rekonstruiere eine selbst gewählte, tatsächlich gelesene Spannung zwischen Nathan und Tom in Ausgangspunkt, Perspektive, Entscheidung und Folge. Lösungshinweis: Für jede Stufe ein belegtes Indiz.
- Autor gegen Erzähler: Sieh das verlinkte Louisiana-Interview an und vergleiche zwei Aussagen über das Schreiben mit Nathans Position im Roman. Lösungshinweis: zwei Video-Zeitmarken, zwei Textfundstellen und eine ausdrücklich erklärte Trennung der Instanzen.
- Zufallsdiagramm: Zeichne ein Netz von mindestens vier belegten Begegnungen oder Entscheidungen aus deiner Ausgabe und markiere Ursache, Überraschung und nachträgliche Erzählerdeutung. Lösungshinweis: Ergänze die stärkste Gegeninterpretation.
- Sprachbeobachtung: Untersuche eine kurze Stelle deiner rechtmäßigen deutschen Ausgabe auf Ironie, Wortwahl und Dialogführung. Lösungshinweis: Keine erfundenen Zitate; genaue Fundstelle, Wirkung und mögliche alternative Lesart.
Schwer
- Doppelrezension: Verfasse zwei gegensätzliche Kurzkritiken zum Umgang des Romans mit Zufall und Fürsorge und entscheide anschließend begründet. Lösungshinweis: Jede Stimme braucht mindestens zwei belegte Beobachtungen und einen Einwand.
- Historische Wissensdifferenz: Analysiere nach vollständiger Lektüre die historische Rahmung des Endes oder wähle alternativ einen anderen Fall von Vorauswissen der Leserschaft ohne Gewaltbezug. Lösungshinweis: Historische Fakten, Romantext und persönliche Wertung in separaten Absätzen.
- Erzählprojekt und Selbstreflexion: Entwickle eine textbasierte These zu Nathans Schreibprojekt und diskutiere, ob sie den gesamten Roman trägt oder nur einzelne Passagen erklärt. Lösungshinweis: Begriffsklärung, Gegenargument und mindestens drei präzise Fundstellen.
- Kleine Medienausstellung: Gestalte ein digitales oder analoges Lernposter mit Commons-Karte, lizenziertem Bild und selbst verfasstem Kommentar, optional ergänzt um einen reinen Link zum offiziellen Interview. Lösungshinweis: Zu jedem Medium Funktion, Urheber, Lizenz bzw. Einbettungsrecht, Quelle und analytischer Mehrwert; keine unerlaubten Buchcover oder Tonmitschnitte.


Allgemeines Bewertungsraster für offene Aufgaben (je 20 Punkte): 0–5 Punkte für sachlich richtige Angaben und klare Fragestellung; 0–5 Punkte für überprüfbare Text- bzw. Medienbelege mit Fundstellen; 0–5 Punkte für eigenständige Analyse, begründetes Abwägen und erkennbare Gegenposition; 0–3 Punkte für Aufbau und adressatengerechte Sprache; 0–2 Punkte für Quellenklarheit, Urheberrechte und respektvollen Umgang mit sensiblen Themen. Eine alternative Deutung kann bei guter Begründung die volle Punktzahl erhalten. Fehlende Textgrundlagen müssen offen benannt und dürfen nicht durch erfundene Details ersetzt werden.
Lernkontrolle
Bearbeite mindestens fünf der folgenden sechs Prüfaufgaben als zusammenhängendes Portfolio. Bei der Bewertung gelten vor allem Beziehungen, Anwendung, Argumentation und Transfer.
- Figur und Veränderung: Zeige an zwei belegten Momenten, wie Nathan eine eigene Ausgangshaltung bestätigt oder verändert; prüfe dabei auch eine gegenteilige Deutung.
- Perspektivenproblem: Erläutere an einer konkreten Passage, welche Informationen dem Ich-Erzähler fehlen oder welche Einschätzungen er nachträglich verändert.
- Buch und Echtheit: Analysiere anhand eines rechtmäßig gelesenen Abschnitts, welche Bedeutung Geschichten, Bücher oder Echtheit für eine ethische Entscheidung haben.
- Stadtvergleich: Stelle einer eigenen Textbeobachtung eine korrekt gekennzeichnete Commons-Aufnahme gegenüber und erläutere zwei Grenzen dieses Vergleichs.
- Rezeptionsdebatte: Wähle zwei tatsächlich gelesene Rezensionen und bewerte, welche ihre Aussagen präziser durch Textbelege oder plausible Argumente stützt.
- Einordnung mit Gegenposition: Beurteile, ob „postmodern“, „Gegenwartsroman“ oder „Familiengeschichte“ für deinen Leseeindruck am aufschlussreichsten ist; nenne ein Verfahren und einen begründeten Einwand.
Lösungshinweise: Gute Antworten behaupten keine unüberprüften Einzelfakten. Sie identifizieren belegtes Geschehen, beschreiben sprachliche Verfahren, leiten eine Interpretation ab und prüfen mindestens ein Gegenargument. Bei Aufgaben zum 11. September genügt die analytische Erklärung der Wissensdifferenz; persönliche Erinnerungen oder Erfahrungen sind nicht nötig.
Transparenter Notenschlüssel (Vorschlag): Vergib pro Prüfaufgabe 20 Punkte nach dem Raster der offenen Aufgaben; bei fünf Aufgaben ergeben sich 100 Punkte. 90–100 zeigen eine sehr sichere, differenzierte Leistung, 75–89 eine gut belegte, 60–74 eine überwiegend tragfähige, 45–59 eine teilweise gesicherte und weniger als 45 eine noch deutlich zu überarbeitende Leistung. Lehrkräfte können die Grenzen an gültige schulische Vorgaben anpassen. Quellenfehler sollen durch Rückmeldung und Korrektur bearbeitet werden.
Lernnachweis
Ein überzeugender Lernnachweis besteht aus einer Lektüremappe mit einer eigenständigen knappen Szenenübersicht, einer Belegmatrix zu mindestens drei Figuren, einer textnahen Analyse von Erzählerwissen und Sprache, einer begründeten Deutungsdebatte samt Gegenposition sowie einer medienkritischen Seite mit korrekt lizenziertem Bild oder Karte. Dokumentiere die benutzte Buchausgabe vollständig. Gib bei jedem übernommenen kurzen Zitat die exakte Fundstelle an. Nutze keinen nicht autorisierten Buchvolltext und keine ungekennzeichnet übernommenen Bilder.
Kompetenzen: Du kannst zwischen Quelle, Fakt und Deutung unterscheiden; Figurenkonflikte aus mehreren Perspektiven lesen; Erzählstimme und Autor trennen; titelgebende Räume analysieren; mögliche postmoderne Erzählverfahren belegen; Rezensionen kritisch gewichten; sensible Stoffe altersangemessen und nicht voyeuristisch behandeln. Als Transfer kannst du eine begründete Frage formulieren, wie menschliche Beziehungen in einer unübersichtlichen Stadt gestaltet werden.
Selbstcheck: Kann eine andere Person meine Textstellen in der angegebenen Ausgabe finden? Würde meine These auch eine vernünftige Gegenlesart zulassen? Weiß ich für jedes Medium, woher es stammt und ob die gewählte Verwendung gestattet ist? Habe ich alle unbelegten Werkdetails ausdrücklich als Hypothese gekennzeichnet?
OER und Wikipedia
Bibliografische Primär- und Ausgangsnachweise
- Rowohlt: Paul Auster, Die Brooklyn-Revue, Taschenbuchausgabe ISBN 978-3-499-25792-6 – Erscheinungs- und Ausgabenangaben sowie rechtmäßiger Buchbezug; Verlagstext ist kein Ersatz für den Roman.
- Rowohlt: Paul Auster, Autorenbiografie – biografische Grunddaten; Autorbiografie ist keine Erzähleraussage.
- Wikipedia: Die Brooklyn-Revue – nachprüfbare Hintergrundorientierung, Versions- und Beleglage berücksichtigen.
- The Guardian, Toby Lichtig, 20.11.2005 – zeitgenössische, argumentativ zu prüfende Rezension.
- The Guardian, Michael Dibdin, 19.11.2005 – zweite, kritisch zu vergleichende Rezension.
- literaturkritik.de: deutschsprachige Rezension – Vergleich der Rezeption.
Offen lizenzierte Kontextmedien: Rechte- und Quellennachweise
| Eingebundene Datei | Nachprüfbare Commons-Dateiseite | Urheber / Zusammenhang | Lizenz oder Nutzungsstatus |
|---|---|---|---|
| File:Paul Auster.jpg | Commons-Dateiseite | Piktor08; Autorenporträt 2007 | CC BY-SA 2.0 DE |
| File:5 Boroughs Labels New York City Map.svg | Commons-Dateiseite | Nafsadh; Kartengestaltung auf Grundlage anderer Karten | Public Domain, siehe Rechtekennzeichnung der Dateiseite |
| File:ParkSlope.JPG | Commons-Dateiseite | Mikeruggy / Michael Ruggiero; Brooklyn-Fotografie 2016 | CC BY-SA 4.0 |
| File:Brooklyn Public Library, central branch.jpg | Commons-Dateiseite | Davidwtucker77; Bibliotheksfoto 2014 | CC BY-SA 4.0 |
| File:Clinton Hill (Brooklyn).ogg | Commons-Dateiseite | JohnAnkerBow; englische gesprochene Kontextinformation, kein Romanhörbuch | CC0 laut Dateiseite |
| File:NYC Subway animation vc.webm | Commons-Dateiseite | TheFahrplan2; animierte Darstellung mit zu beachtenden weiteren Credits | CC BY 3.0 laut Dateiseite, Details dort prüfen |
Offizielle Videos: Rechte- und Quellennachweise
| Eingebundenes Video | Verifizierbarer Originalkanal | Urheber / Produktion | Nutzungshinweis |
|---|---|---|---|
| https://www.youtube.com/watch?v=pLhVjsczcb8 | How I Became a Writer | Louisiana Channel / Louisiana Museum of Modern Art | Copyright beim Rechteinhaber; hier nur offizielles YouTube-Embedding, keine offene Lizenz |
| https://www.youtube.com/watch?v=3ELlUd09D-g | Early Readings | Louisiana Channel / Louisiana Museum of Modern Art | Copyright beim Rechteinhaber; hier nur offizielles YouTube-Embedding, keine offene Lizenz |
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