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Weltliteratur verstehen - Der Fall Deruga - Ricarda Huch

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Weltliteratur verstehen - Der Fall Deruga - Ricarda Huch

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Weltliteratur verstehen - Der Fall Deruga - Ricarda Huch

Zielgruppe: Klasse 9–10 und 11–13

Thema: Ein Gerichtsfall. Viele Aussagen. Schwierige Fragen nach Schuld, Liebe und Verantwortung.

Lernziel: Du untersuchst einen Roman mit Textbelegen. Du unterscheidest Tatsachen, Meinungen und Deutungen.


Einleitung

In Ricarda Huchs Roman Der Fall Deruga steht ein Arzt vor Gericht. Er soll seine geschiedene Frau getötet haben. Doch er wirkt erstaunlich gelassen. Zeugenaussagen, Erinnerungen und Beziehungen verändern das Bild des Angeklagten.

Die wichtigste Frage lautet: Ist ein Mensch moralisch schuldig, wenn ein Gericht ihn nicht verurteilt?

Buchgrundlage: Vorhandene Buchausgabe auf MOOCwiki

Historischer Originaltext: Der Fall Deruga, Ausgabe von 1917, digitalisierte Textfassung bei Project Gutenberg

Hinweis: Die Erklärungen sind kurz. Die Originalzitate bleiben unverändert.


Autorin und Werk

Ricarda Huch auf einer historischen Fotografie. Foto: Wanda von Debschitz-Kunowski, gemeinfrei.

Ricarda Huch lebte von 1864 bis 1947. Sie schrieb Romane, Gedichte und historische Werke. Ihr Roman Der Fall Deruga erschien 1917 bei Ullstein in Berlin und Wien. Die Originalsprache ist Deutsch.

Hörbeispiel: So wird der Name Ricarda Huch ausgesprochen. Die Aufnahme ist modern und nicht die Stimme der Autorin.

Ricarda Huch 1946. Foto: Abraham Pisarek / Deutsche Fotothek, CC BY-SA 3.0 DE. Dieses Bild entstand lange nach dem Roman.


Inhalt und Figuren


Was geschieht?

Dr. Sigismondo Enea Deruga ist Arzt und lebt in Prag. Seine frühere Ehefrau Mingo Swieter stirbt in München. Sie hat ihn zum Erben gemacht. Später weist eine Untersuchung das Gift Curare als Todesursache nach.

Deruga gerät unter Verdacht. Vor Gericht werden seine Vergangenheit, seine Ehe und sein Verhalten besprochen. Die Zeugenaussagen passen nicht immer zusammen.

Achte beim Lesen darauf: Wer weiß etwas sicher? Wer vermutet nur etwas? Wer könnte eigene Interessen haben?


Die wichtigsten Figuren

  1. Dr. Deruga: Angeklagter Arzt. Er reagiert oft gelassen oder spöttisch.
  2. Mingo Swieter: Seine verstorbene geschiedene Ehefrau. Ihre Beziehung zu Deruga ist für den Fall entscheidend.
  3. Baronin Truschkowitz: Eine Verwandte der Verstorbenen. Auch Fragen des Erbes spielen für sie eine Rolle.
  4. Justizrat Fein: Der Verteidiger Derugas.
  5. Dr. Zeunemann: Der Vorsitzende des Gerichts.

Wichtig: Es gibt im Roman auch die Tochter der Baronin, die Mingo heißt. Verwechsle sie nicht mit der verstorbenen Mingo Swieter.


Der historische Schauplatz

München um 1900, historische Ansicht des Justizplatzes. Detroit Publishing Company / Library of Congress, gemeinfrei. Das Bild zeigt nicht den erfundenen Prozess.

München und Umgebung auf einer historischen Kartengrundlage von 1907 bis 1914. Zusammenstellung: Maximilian Dörrbecker, CC BY-SA 2.0.

Bildfrage: Was zeigen diese Medien über die Zeit? Was können sie über Derugas Schuld nicht zeigen?


Lesen mit echten Textstellen


Textstelle 1: Verdacht ist kein Urteil

Originalzitat, Kapitel I, gedruckte Seite 6:

„»Du darfst nicht vergessen, liebes Kind,« sagte der Ehemann, »daß ein Angeklagter noch kein Verurteilter ist.«“

Einfach erklärt: Schon zu Beginn urteilen Zuschauer über Deruga. Der Satz erinnert daran, dass ein Verdacht noch kein Beweis ist.

Deine Textfrage: Welche Vorurteile zeigen die Zuschauer in Kapitel I? Suche dafür eine weitere konkrete Stelle.


Textstelle 2: Recht oder eigenes Interesse?

Originalzitat, Kapitel XI, gedruckte Seite 275:

„»Meine Überzeugung ist nicht maßgebend,« sagte die Baronin. »Die Geschworenen sind dazu da, das Recht zu finden. Es handelt sich einfach um das Recht. Ich will nichts für mich erzwingen, was nicht dem Rechte gemäß ist.«“

Einfach erklärt: Die Baronin beruft sich auf das Recht. Aber ihre Familie spricht auch über das Erbe. Deshalb kannst Du fragen, ob ihre Worte und ihre Interessen zusammenpassen.

Deine Textfrage: Ist die Aussage glaubwürdig? Unterscheide, was die Figur behauptet, und was Du daraus deutest.

Quellenhinweis: Beide Zitate folgen der historischen Textfassung bei Project Gutenberg. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die dort wiedergegebene Ausgabe von 1917. Andere Ausgaben können anders zählen.


Sprache und Aufbau

Der Roman hat 20 Kapitel. Er beginnt mitten in der Situation vor Gericht. Gespräche, Erinnerungen und Aussagen ergänzen nach und nach die Vorgeschichte.

Sprache: Die Figuren sprechen unterschiedlich. Manche urteilen vorschnell. Andere versuchen, vernünftig zu klingen. Auch Ironie und Spott kommen vor.

Aufbau: Du erhältst Informationen nicht alle auf einmal. Dadurch veränderst Du vielleicht mehrfach Dein Urteil über Deruga.

Untersuche immer drei Schritte: Beobachtung im Wortlaut, Textbeleg mit Kapitel, eigene Deutung.


Originalsprache und historische Fassung

Originalsprache: Deutsch. Der Roman ist also keine Übersetzung aus einer anderen Sprache.

Historische Schreibweise aus Textstelle 1: „daß“.

Heutige Schreibweise: „dass“. Das ist eine sprachliche Modernisierung und kein unverändertes Originalzitat.

Es gibt auch Übersetzungen in andere Sprachen. Vergleiche sie nur dann Wort für Wort, wenn Dir die tatsächlichen Ausgaben vorliegen. Erfinde keine übersetzten Textstellen.

Mini-Auftrag: Finde im Original drei heute ungewohnte Wörter oder Schreibweisen. Schreibe daneben eine verständliche Erklärung, ohne das Original stillschweigend zu verändern.


Literatur und Geschichte um 1900

Der Roman erschien 1917, während des Ersten Weltkriegs. Daraus folgt aber nicht, dass die Handlung selbst ein Kriegsroman ist.

Die Literatur der Moderne ist vielfältig. Dazu gehören verschiedene, teils gleichzeitig auftretende Strömungen: Symbolismus, Impressionismus, Neuromantik, Wiener Moderne und Expressionismus. Später wird auch die Neue Sachlichkeit wichtig.

Wichtig: Diese Namen bezeichnen nicht alle denselben Stil. Auch ist Der Fall Deruga nicht automatisch ein Werk jeder dieser Strömungen. Begründe eine Einordnung immer mit Textstellen.

Titelblatt der Zeitschrift Ver Sacrum, gestaltet von Alfred Roller, 1898, gemeinfrei. Ein Beispiel für die Kunst um 1900, keine Illustration des Romans.

Video: Literaturepochen im Überblick – musstewissen Deutsch. Nutze das Video, um Epochen zu unterscheiden.

Video: Die literarische Moderne von 1890 bis 1920 – OberPrima. Notiere zwei Merkmale und prüfe anschließend, ob Du sie im Roman belegen kannst.

Video: Wien um die Jahrhundertwende – Loescher Editore. Es zeigt einen historischen Vergleichsraum, nicht den Schauplatz des Romans.


Animation: Veränderungen in der Zeit

Animation zur politischen und territorialen Entwicklung Deutschlands seit 1867. Urheber: Exec, CC BY 3.0.

Denkfrage: Weshalb darfst Du die politischen Veränderungen der Zeit nicht einfach mit der Handlung des Romans gleichsetzen?


Gestufte Hilfen


Hilfe für Klasse 9–10

Stufe 1: Finden. Suche in Kapitel I eine Aussage über Derugas Aussehen oder Verhalten.

Stufe 2: Verstehen. Erkläre mit einfachen Worten, welches Urteil die sprechende Person fällt.

Stufe 3: Prüfen. Sage, ob die Person etwas beweist oder nur vermutet.


Hilfe für Klasse 11–13

Stufe 1: Vergleichen. Stelle die Aussagen aus Kapitel I und XI gegenüber.

Stufe 2: Deuten. Untersuche, wie Sprache und mögliche Interessen den Eindruck der Leser beeinflussen.

Stufe 3: Bewerten. Unterscheide rechtliche Schuld, moralische Verantwortung und persönliche Motive. Begründe Deine Position mit mindestens zwei nachprüfbaren Textstellen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb Der Fall Deruga? (Ricarda Huch) (!Franz Kafka) (!Arthur Schnitzler) (!Thomas Mann)




Wann erschien die ursprüngliche Buchausgabe? (1917) (!1890) (!1939) (!1955)




In welcher Sprache wurde der Roman ursprünglich geschrieben? (Deutsch) (!Italienisch) (!Französisch) (!Englisch)




Welchen Beruf hat Deruga? (Arzt) (!Richter) (!Lehrer) (!Polizist)




Wie heißt die verstorbene geschiedene Ehefrau? (Mingo Swieter) (!Martha Bernburger) (!Anna Fein) (!Ricarda Truschkowitz)




In welcher Stadt findet der Prozess statt? (München) (!Wien) (!Zürich) (!Hamburg)




Welches Gift wird bei der Untersuchung festgestellt? (Curare) (!Arsen) (!Nikotin) (!Alkohol)




Was zeigt die Eröffnung des Romans? (Vorurteile über einen Angeklagten) (!Das sichere Ende des Prozesses) (!Eine genaue Kriegschronik) (!Ein Gespräch der Autorin mit Lesern)




Was ist ein Textbeleg? (Eine nachprüfbare Stelle aus dem Werk) (!Eine frei erfundene Aussage) (!Eine Vermutung ohne Begründung) (!Ein beliebiges Bild)




Welche Aussage zur literarischen Moderne ist richtig? (Es gab verschiedene Strömungen nebeneinander) (!Alle Werke hatten genau denselben Stil) (!Alle modernen Romane spielten in Wien) (!Die Moderne begann erst nach 1950)





Memory

Finde die sechs passenden Begriffspaare.

Curare Im Roman nachgewiesenes Gift
Testament Regelung eines Nachlasses
Geschworene Mitwirkende an der Schuldentscheidung
Dialog Gespräch zwischen Figuren
Vorurteil Urteil ohne sichere Prüfung
Originalfassung Text in seiner historischen Gestalt





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Rolle in der Handlung
Deruga Angeklagter Arzt
Swieter Verstorbene frühere Ehefrau
Fein Verteidiger
Zeunemann Vorsitzender des Gerichts
Truschkowitz Verwandte der Verstorbenen





Kreuzworträtsel

Deruga Wie heißt der angeklagte Arzt mit Nachnamen?
Huch Wie lautet der Nachname der Autorin?
Swieter Welchen Nachnamen trägt die Verstorbene nach der Scheidung?
Curare Welches Gift wird bei der Untersuchung nachgewiesen?
Fein Wie heißt der Verteidiger mit Nachnamen?
Moderne Wie heißt der vielfältige literarische Epochenzusammenhang um 1900?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige die Sätze zum Roman.
Der Roman erschien im Jahr

.
Ricarda Huch schrieb den Roman ursprünglich auf

.
Der angeklagte Mann arbeitet als

.
Die verstorbene Frau trägt den Nachnamen

.
Die Gerichtsverhandlung spielt in

.
Bei der Untersuchung wird das Gift

festgestellt.
Der Roman verwendet viele Gespräche oder

.
Die heutige Schreibweise von „daß“ lautet

.
Ein Verdacht ist noch kein sicherer

.
Eine Interpretation muss durch den

begründet werden.




Offene Aufgaben


Leicht – Klasse 9–10

  1. Figurenkarte: Gestalte eine Figurenkarte zu Deruga. Nenne seinen Beruf, seine Lage vor Gericht und zwei Eigenschaften, die Du aus Kapitel I erschließt. Belege eine Eigenschaft mit einer echten Textstelle. Nutze bei Bedarf die Hilfen zum Finden und Prüfen.


Standard – Klasse 9–13

  1. Gerichtsszene: Schreibe und spiele mit anderen eine kurze Gerichtsszene. Nutzt die Figuren aus dem Roman. Kennzeichnet jede zusätzliche, selbst erfundene Äußerung als eigene Gestaltung. Erläutert danach, welche Aussagen durch den Originaltext gesichert sind.


Schwer – Klasse 11–13

  1. Deutender Kommentar: Schreibe einen Kommentar von ungefähr 400 Wörtern zur Frage, ob rechtliche Schuld und moralische Verantwortung dasselbe sind. Vergleiche zwei Textstellen aus verschiedenen Kapiteln. Untersuche außerdem, wie Perspektive, Sprache und die Vielfalt der Moderne Deine Deutung beeinflussen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Vorurteil: Beschreibe eine heutige Situation, in der das Aussehen einer Person zu einem vorschnellen Urteil führt. Vergleiche dies mit Kapitel I.
  2. Perspektive: Erkläre, wie zwei Personen denselben Vorgang unterschiedlich schildern können. Zeige das an einer Zeugenaussage aus dem Roman.
  3. Ethik: Unterscheide anhand eines Fallbeispiels eine Entscheidung des Gerichts von einer moralischen Bewertung.
  4. Sprache: Vergleiche die historische und die heutige Schreibung einer Textstelle. Erkläre, welche Veränderungen eine Bearbeitung sind.
  5. Literaturepoche: Begründe mit einem Beispiel, warum man die Moderne nicht als einheitlichen Stil beschreiben sollte.
  6. Quellenkritik: Prüfe, ob ein historisches Bild, eine Romanfigur und eine Aussage im Sachtext jeweils dieselbe Art von Beleg liefern.


Lernnachweis

Zeige in Deinem Lernnachweis, dass Du selbstständig und beleggestützt arbeiten kannst.

  1. Inhalt: Beschreibe den zentralen Konflikt des Romans.
  2. Figuren: Erkläre die Interessen und Sichtweisen von mindestens zwei Figuren.
  3. Textarbeit: Verwende mindestens zwei überprüfbare Originalstellen mit Kapitelangabe.
  4. Analyse: Untersuche ein sprachliches Mittel und eine Besonderheit des Aufbaus.
  5. Kontext: Erkläre die Vielfalt der literarischen Moderne ohne pauschale Stilzuordnung.
  6. Urteil: Unterscheide ausdrücklich Textaussage, eigene Deutung und moralische Bewertung.
  7. Quellen: Gib Deine benutzte Buchausgabe und die Herkunft weiterer Quellen an.

Bewertung: Entscheidend sind verständliche Erklärungen, korrekte Textbelege und eine begründete eigene Position.


OERs zum Thema

Wikipedia-Überblick zum Roman:

Weiterlesen:

  1. Ricarda Huch: Der Fall Deruga – digitaler Originaltext
  2. Wikipedia: Der Fall Deruga
  3. Deutsches Historisches Museum: Ricarda Huch
  4. Vorhandene MOOCwiki-Buchausgabe


Quellen, Medien und Lizenzen

Textquelle: Ricarda Huch, Der Fall Deruga, Ullstein, Berlin/Wien 1917. Textwiedergabe bei Project Gutenberg. Die angeführten Originalzitate stammen aus Kapitel I und Kapitel XI.

Wikimedia Commons – Bild, Audio und Animation:

  1. Ricarda-Huch.jpg: Wanda von Debschitz-Kunowski, historisches Porträt, Public Domain.
  2. Ricarda Huch 1946.jpg: Abraham Pisarek / Deutsche Fotothek, CC BY-SA 3.0 DE.
  3. De-Ricarda Huch.ogg: Jeuwre, Namensaussprache, CC BY-SA 4.0.
  4. Münchner Justizplatz: Detroit Publishing Company / Library of Congress, Public Domain.
  5. Karte München und Vororte um 1910: Maximilian Dörrbecker, CC BY-SA 2.0.
  6. Ver Sacrum 1898: Alfred Roller, Public Domain.
  7. Animation der deutschen Staatsentwicklung: Exec, CC BY 3.0.

YouTube-Videos: „Literaturepochen im Überblick“ von musstewissen Deutsch, „Epoche 1890–1920 Moderne“ von OberPrima und „Deutsch – Wien um die Jahrhundertwende“ von Loescher Editore. Die Videos werden nur eingebettet. Ihre YouTube-Nutzungsbedingungen sind nicht automatisch freie Commons-Lizenzen.

Lizenzhinweis: Die Medien sind unverändert eingebunden. Urheber, Quellen und jeweilige Lizenzen sind genannt. Historische und später entstandene Bilder werden ausdrücklich unterschieden.


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