Weltliteratur verstehen - An die Freunde Lessings - Moses Mendelssohn
Weltliteratur verstehen - An die Freunde Lessings - Moses Mendelssohn
Zielgruppe: Klasse 11–13 Fächer: Deutsch, Philosophie, Ethik, Geschichte Leitfrage: Wie verteidigt man einen verstorbenen Freund, ohne eine philosophische Streitfrage zu vereinfachen?
Einleitung
Moses Mendelssohn (1729–1786) war ein wichtiger Denker der Aufklärung. Seine Streitschrift An die Freunde Lessings erschien 1786, nach seinem Tod.
Der Anlass: Friedrich Heinrich Jacobi behauptete, der verstorbene Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing habe die Philosophie von Baruch de Spinoza vertreten. Mendelssohn prüft diese Behauptung. Zugleich verteidigt er Lessings Andenken, die Vernunft und einen fairen Umgang mit anderen Meinungen.
Wichtig: Dies ist keine Erzählung mit erfundenen Figuren, sondern eine philosophische Streitschrift.
Vorhandene Buchseite: Buch – An die Freunde Lessings – Moses Mendelssohn. Dieser Kurs ergänzt die Buchseite; er ersetzt sie nicht.

Moses Mendelssohn. Historisches Porträt aus einer Veröffentlichung von 1854; Künstler unbekannt. Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Die Menschen und der Streit
Vier Namen, eine Debatte
Mendelssohn: Er verteidigt seinen Freund und prüft Jacobis Bericht.
Lessing: Der Schriftsteller starb 1781. Er kann sich 1786 nicht mehr selbst äußern.
Jacobi: Er veröffentlichte 1785 einen Briefwechsel über Spinozas Lehre und berichtete über Lessings angebliche Haltung.
Spinoza: Der Philosoph des 17. Jahrhunderts entwickelte eine Lehre über Gott, Natur und die Ordnung der Welt. Im 18. Jahrhundert wurde darüber heftig gestritten.

Gotthold Ephraim Lessing. Kupferstich von Johann David Schleuen, 1770. Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg; Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Friedrich Heinrich Jacobi. Gemälde von Johann Peter von Langer, 1801; Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Baruch de Spinoza. Unbekannter Maler, um 1665; Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Hörimpuls: Wie spricht man „Spinoza“ aus?
Aussprache auf Deutsch; Aufnahme von Jeuwre, 2026, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Dies ist keine historische Tonaufnahme.
Aufklärung und Empfindsamkeit
Die Aufklärung betont Vernunft, Prüfung von Aussagen und Toleranz. Der Pantheismusstreit zeigt, wie umstritten das Verhältnis von Vernunft, Religion und Glauben war.
Die Empfindsamkeit betont unter anderem persönliche Gefühle und Freundschaft. Beides begegnet hier: Mendelssohn argumentiert mit Gründen, spricht aber auch als Freund Lessings. Deshalb ist die Schrift ein guter Vergleichstext für zwei Strömungen des 18. Jahrhunderts.
Video: Literatur der Aufklärung – musstewissen Deutsch (funk). Achte auf die Bedeutung der Vernunft.
Video: Die Empfindsamkeit – Litera Theo. Welche Rolle spielen Gefühle?

Moritz Daniel Oppenheim: Lessing und Lavater zu Gast bei Moses Mendelssohn, 1856. Das Bild ist ein späteres Geschichtsbild und kein unmittelbarer Beleg für ein einzelnes Gespräch. Historisches Gemälde gemeinfrei laut Wikimedia Commons; die Museumssammlung nennt zusätzliche Bedingungen für kommerzielle Reproduktionsnutzung.
Originaltext lesen und verstehen
Die historische Ausgabe
Originalsprache: Deutsch. Eine Übersetzung ins Deutsche ist daher nicht nötig. Die Ausgabe von 1786 verwendet historische Rechtschreibung und Frakturschrift. Eine heutige Umschreibung kann das Verständnis erleichtern, ist aber kein Originalzitat.
Quellen: Bayerische Staatsbibliothek: Ausgabe von 1786 · Digitalisat auf Wikimedia Commons · Lesbarer Text mit historischen Seiten. Für genaue Zitate ist das Faksimile maßgeblich; digitale Texterkennungen können Fehler enthalten.
Mini-Vergleich: Das historische Wort „sey“ entspricht dem heutigen „sei“. Beim Zitieren bleibt „sey“ unverändert. In einer eigenen Inhaltsangabe darfst Du „sei“ schreiben.
Drei überprüfbare Textstellen
Textstelle 1 – Die Behauptung
Original, Druckseite 1: „Lessing sey wirklich und in der That ein Spinozist gewesen.“
Wer spricht hier? Mendelssohn gibt Jacobis Behauptung wieder. Der Satz ist kein unabhängiger Beweis für Lessings tatsächliche Überzeugung.
Deutung: Mendelssohn will prüfen, ob Jacobis Darstellung zuverlässig ist.
Textstelle 2 – Die Freundschaft
Original, Druckseite 6: „Was haben die spekulativen Lehrsätze mit dem Menschen gemein?“
Deutung: Mendelssohn unterscheidet zwischen philosophischen Lehren und dem Wert eines Menschen. Selbst ein Meinungsunterschied muss Freundschaft und Achtung nicht zerstören.
Textstelle 3 – Die Religion
Original, Druckseite 7: „einen geläuterten Spinozismus giebt“
Deutung: Mendelssohn hält eine bestimmte, neu ausgelegte Form von Spinozas Philosophie für vereinbar mit wichtigen praktischen Fragen von Religion und Moral. Er verurteilt nicht jede mögliche Nähe zu Spinoza.
Merke: Die drei markierten Deutungen sind Erklärungen dieses Kurses. Sie gehören nicht zum Wortlaut von 1786.
Video: Spinoza – Die Suche nach der Wahrheit. Nutze es zum Einstieg, aber nicht als Ersatz für die historische Quelle.
Sprache, Aufbau und Argumentation
Aufbau: Auf den emotional geprägten Vorbericht des Herausgebers Johann Jakob Engel folgen der Haupttext An die Freunde Lessings und die Erinnerungen an Herrn Jacobi.
Sprache: Mendelssohn verwendet Fragen, Gegenargumente und Begriffe aus Philosophie und Religion. Die rhetorische Frage auf Seite 6 regt zum Nachdenken an.
Argumentation: Jacobi erhebt eine Behauptung. Mendelssohn untersucht ihre Grundlage, erinnert an Lessing und widerspricht vorschnellen Urteilen. Es geht nicht darum, jede Verbindung Lessings zu Spinoza auszuschließen.
Arbeitsregel: Unterscheide immer Aussage im Text, berichtete Fremdaussage und eigene Interpretation.
Hörvergleich: Ein Text von Lessing, nicht von Mendelssohn.
Lessing: „Ankündigung“, gelesen von Dirk für LibriVox. Wikimedia Commons, gemeinfrei. Frage: Wie unterscheidet sich ein vorgelesener Lessing-Text von Mendelssohns schriftlicher Argumentation?
Bücher als öffentliche Debatte
Gedruckte Bücher und Briefe konnten im 18. Jahrhundert eine größere Öffentlichkeit erreichen. Mendelssohns Schrift ist Teil dieses Austauschs.

Animation einer Handdruckpresse aus dem 19. Jahrhundert. Sie veranschaulicht Drucktechnik, zeigt aber ausdrücklich nicht die Presse der Ausgabe von 1786. Rhododendrites, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wann erschien Mendelssohns Streitschrift? (1786) (!1686) (!1815) (!1900)
Welche Textsorte liegt vor? (Eine philosophische Streitschrift) (!Ein historischer Roman) (!Eine Komödie) (!Ein Märchen)
Wer berichtete öffentlich über Lessings angebliche Nähe zu Spinoza? (Friedrich Heinrich Jacobi) (!Johann Wolfgang von Goethe) (!Immanuel Kant) (!Friedrich Schiller)
Wie ist Mendelssohns Aussage auf Druckseite 1 einzuordnen? (Als Wiedergabe einer Behauptung Jacobis) (!Als unterschriebenes Bekenntnis Lessings) (!Als Äußerung Spinozas) (!Als Bericht eines modernen Historikers)
Was betont Mendelssohn in der Frage auf Druckseite 6? (Philosophische Ansichten und menschlicher Charakter sind zu unterscheiden) (!Freundschaften sind grundsätzlich unmöglich) (!Philosophie ist immer bedeutungslos) (!Jede Meinung eines Freundes muss übernommen werden)
Welchen Gedanken verbindet Mendelssohn mit einem geläuterten Spinozismus? (Eine Vereinbarkeit mit praktischen Fragen von Religion und Moral) (!Ein Verbot jeder religiösen Handlung) (!Die Abschaffung aller Gespräche) (!Den Verzicht auf philosophische Fragen)
Welche Fähigkeit steht im Mittelpunkt der Aufklärung? (Prüfung von Aussagen durch Vernunft) (!Blinder Gehorsam) (!Ablehnung jedes Arguments) (!Verzicht auf Bildung)
In welcher Sprache wurde die Schrift ursprünglich verfasst? (Deutsch) (!Französisch) (!Englisch) (!Italienisch)
Was kann die Empfindsamkeit zum Verständnis dieser Schrift beitragen? (Die Bedeutung von Freundschaft und Gefühlen) (!Den Nachweis einer erfundenen Handlung) (!Eine Pflicht zum Reimen) (!Die Entstehung des modernen Films)
Warum muss man das Gemälde von 1856 kritisch betrachten? (Es entstand lange nach der dargestellten Zeit) (!Es ist eine Tonaufnahme) (!Es stammt von Lessing selbst) (!Es beweist alle Einzelheiten des Gesprächs)
Memory
Ordne Person oder Fachbegriff der passenden Erklärung zu.
| Mendelssohn | Verfasser der Verteidigungsschrift |
| Lessing | Verstorbener Freund des Autors |
| Jacobi | Verfasser der umstrittenen Darstellung |
| Spinoza | Philosoph des Gott-Natur-Verhältnisses |
| Quellenkritik | Prüfung von Herkunft und Zuverlässigkeit |
Drag and Drop
Ordne jeder Tätigkeit den passenden Fachbegriff zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Originalzitat | Wortgetreue Übernahme aus einer Quelle |
| Paraphrase | Wiedergabe mit eigenen Worten |
| Argument | Begründung für eine Aussage |
| Rhetorische Frage | Frage als sprachliches Mittel |
| Quellenkritik | Prüfung der Glaubwürdigkeit |
Kreuzworträtsel
| Mendelssohn | Welcher Philosoph schrieb An die Freunde Lessings? |
| Lessing | Welcher Schriftsteller wird in der Streitschrift verteidigt? |
| Jacobi | Welcher Denker löste den hier behandelten Streit mit aus? |
| Spinoza | Welcher Philosoph steht im Zentrum des Pantheismusstreits? |
| Vernunft | Welche menschliche Fähigkeit ist für die Aufklärung besonders wichtig? |
| Freundschaft | Welche persönliche Beziehung prägt Mendelssohns Haltung zu Lessing? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Bearbeite eine Aufgabe auf Deinem Niveau oder steigere Dich von leicht bis schwer. Nutze die historische Textausgabe.
Leicht
- Argumentkarte: Gestalte eine übersichtliche Karte mit Mendelssohn, Lessing, Jacobi und Spinoza. Verbinde die Namen durch beschriftete Pfeile. Füge einen geprüften Beleg von Druckseite 1 oder 6 hinzu.
Standard
- Quellenvergleich: Stelle das unveränderte Zitat von Druckseite 6 einer eigenen Umschreibung gegenüber. Erkläre auf etwa einer halben Seite, wie Mendelssohn Freundschaft und philosophische Meinungsverschiedenheiten verbindet.
Schwer
- Streitgespräch mit Quellenprüfung: Schreibe einen sachlichen Dialog zwischen einer verteidigenden und einer kritisch prüfenden Position. Jede Seite muss ihre Aussagen mit dem Originaltext begründen. Kennzeichne erfundene Gesprächsanteile klar und unterscheide gesicherte Fakten von Deutungen.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Begriffe: Eine Behauptung ist noch kein Beweis. Achte darauf, wer etwas über wen sagt.
Hilfe 2 – Methode: Markiere im Original erst die Aussage, dann die Begründung und danach Mendelssohns Bewertung. Notiere die Druckseite.
Hilfe 3 – Satzanfänge: „Auf Druckseite ... berichtet Mendelssohn zunächst ...“ / „Die Formulierung lässt sich so deuten: ...“ / „Dafür spricht der Text, weil ...“


Lernkontrolle
- Quellenkritik: Erkläre an Druckseite 1, warum ein berichtetes Gespräch nicht automatisch eine bewiesene Überzeugung ist.
- Argumentationsanalyse: Zeige an Druckseite 6, wie Mendelssohn zwischen Lehre und Charakter unterscheidet.
- Religionsphilosophie: Erläutere, warum die Rede vom geläuterten Spinozismus die Streitfrage komplizierter macht.
- Literaturepochen: Begründe mit je einem Merkmal, warum Aufklärung und Empfindsamkeit zur Untersuchung dieser Schrift beitragen.
- Medienkompetenz: Vergleiche den Quellenwert der Ausgabe von 1786 mit dem Gemälde von 1856 und einem heutigen Erklärvideo.
Lernnachweis
Für einen gelungenen Lernnachweis zeigst Du:
- Texttreue: mindestens zwei kurze, unveränderte Zitate mit korrekter Druckseite.
- Verstehen: eine sachlich richtige Darstellung von Jacobis Behauptung und Mendelssohns Antwort.
- Analyse: eine Untersuchung von Sprache, Argumentation und Aufbau.
- Historischer Kontext: eine verständliche Verbindung zu Aufklärung, Empfindsamkeit und Pantheismusstreit.
- Eigenständigkeit: eine klar gekennzeichnete Interpretation und eine begründete eigene Stellungnahme.
- Quellenarbeit: eine Unterscheidung zwischen historischer Quelle, späterem Bild und modernem Erklärmaterial.
OERs zum Thema
Historische Quellen und weiterführende Informationen:
Originalausgabe von 1786 – Bayerische Staatsbibliothek
Historisches Buchdigitalisat – Wikimedia Commons, gemeinfrei
Textansicht mit Original und Seitenübersicht – mögliche OCR-Fehler anhand des Scans prüfen.
Wikipedia – Pantheismusstreit:
Medienquellen, Lizenzen und Namensnennung
Die eingebundenen historischen Porträts, das Gemälde und das Originalbuch stammen aus Wikimedia Commons. Die jeweilige Dateiseite enthält die vollständigen Lizenz- und Herkunftsangaben.
- Mendelssohn-Porträt: Künstler unbekannt; Veröffentlichung 1854; gemeinfrei.
- Lessing-Porträt: Johann David Schleuen, 1770; gemeinfrei.
- Jacobi-Porträt: Johann Peter von Langer, 1801; gemeinfrei.
- Spinoza-Porträt: unbekannter Künstler, um 1665; Herzog August Bibliothek; gemeinfrei.
- Historienbild: Moritz Daniel Oppenheim, 1856; gemeinfreies historisches Werk laut Wikimedia Commons; zusätzliche Museumshinweise zur Bildnutzung beachten.
- Ausspracheaufnahme: Jeuwre, 2026; CC BY-SA 4.0.
- Lessing-Hörtext: LibriVox, Sprecher Dirk; gemeinfrei.
- Druckanimation: Rhododendrites, 2015; CC BY-SA 4.0.
YouTube: Die drei Videos sind externe Lernangebote. Eine freie Nachnutzungslizenz wurde nicht vorausgesetzt; sie werden lediglich über ihre Plattform eingebettet. Sie sind keine Primärquellen zur Streitschrift.
Hinweis zur Quellenkritik: Die kurzen historischen Zitate sind mit Druckseiten versehen. Erklärungen, Aufgaben und Dialogvorschläge dieses Kurses sind keine Bestandteile des Originaltextes.
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