Stoffwechsel - Chemie


Stoffwechsel - Chemie
Stoffwechsel - Chemie
Einleitung
Der Stoffwechsel oder Metabolismus umfasst alle chemischen Umwandlungen in einem Lebewesen. Stoffe werden aufgenommen, zerlegt, umgebaut, gespeichert und ausgeschieden. Dabei arbeiten viele Reaktionen als geordnetes Netzwerk zusammen.[1]
Aus chemischer Sicht stehen besonders chemische Reaktionen, Enzyme, Redoxreaktionen, Energieübertragung und das Molekül ATP im Mittelpunkt. Du lernst, wie Zellen Stoffe abbauen, neue Stoffe aufbauen und Reaktionen steuern.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Stoffwechsel: Aufbauende und abbauende Stoffwechselwege unterscheiden.
- Enzym: Die Wirkung eines Biokatalysators mithilfe der Aktivierungsenergie erklären.
- ATP: Die Kopplung energieabgebender und energieverbrauchender Reaktionen beschreiben.
- Zellatmung: Die Stoff- und Energieumwandlung bei der Oxidation von Glucose chemisch deuten.
- Redoxreaktion: Elektronenübertragungen im Stoffwechsel erkennen.
Grundlagen des Stoffwechsels
Aufbau und Abbau
Stoffwechselwege bestehen aus vielen aufeinanderfolgenden, meist enzymatisch katalysierten Reaktionen. Das Produkt einer Reaktion wird dabei häufig zum Ausgangsstoff der nächsten Reaktion.
| Bereich | Bedeutung | Beispiel | Energie |
|---|---|---|---|
| Katabolismus | Abbau größerer Moleküle | Glucose wird bei der Zellatmung oxidiert | Energie wird frei und teilweise in ATP gespeichert |
| Anabolismus | Aufbau größerer Moleküle | Aminosäuren werden zu Proteinen verknüpft | Energie wird benötigt |
| Amphibolischer Weg | Dient sowohl Abbau als auch Aufbau | Citratzyklus | Liefert Energie und Zwischenprodukte |
Abbau und Aufbau sind gekoppelt. Ein abbauender Weg kann ATP und kleinere Bausteine liefern, die ein aufbauender Weg benötigt.
Stoff- und Energieumwandlung
Lebewesen erzeugen Energie nicht aus dem Nichts. Sie wandeln Energieformen um. Chemische Energie kann beispielsweise in Bewegung, Wärme oder elektrische Signale überführt werden.
Eine Reaktion, bei der freie Energie abgegeben wird, heißt exergonisch. Eine Reaktion, die freie Energie benötigt, heißt endergonisch. In Zellen werden beide Reaktionstypen häufig über ATP gekoppelt.
Enzyme als Biokatalysatoren
Enzyme beschleunigen Stoffwechselreaktionen, indem sie einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie ermöglichen. Sie verändern weder die Gesamtenergiebilanz noch die Lage des chemischen Gleichgewichts. Nach der Reaktion liegen sie wieder unverändert vor.

Ein Substrat bindet an das aktive Zentrum eines Enzyms. Es entsteht kurzzeitig ein Enzym-Substrat-Komplex. Anschließend werden Produkte freigesetzt.
| Einfluss | Wirkung auf die Enzymaktivität |
|---|---|
| Temperatur | Die Reaktionsgeschwindigkeit steigt zunächst; zu hohe Temperaturen können das Enzym denaturieren |
| pH-Wert | Jedes Enzym besitzt einen günstigen pH-Bereich |
| Substratkonzentration | Die Geschwindigkeit steigt bis zur Sättigung der aktiven Zentren |
| Hemmstoff | Die Aktivität kann verringert oder vollständig blockiert werden |
Regulation von Stoffwechselwegen
Zellen müssen Reaktionen ihrem Bedarf anpassen. Ein wichtiges Prinzip ist die Endprodukthemmung: Ist genügend Endprodukt vorhanden, hemmt es ein Enzym am Anfang des Stoffwechselwegs. Dadurch werden Ausgangsstoffe und Energie gespart.
Weitere Formen der Regulation sind die Veränderung der Enzymmenge, die reversible Phosphorylierung, die Bindung regulatorischer Moleküle und die räumliche Trennung von Reaktionen in Zellkompartimenten.
ATP als Energieüberträger
ATP besteht aus Adenin, Ribose und drei Phosphatgruppen. Bei der Hydrolyse wird eine Phosphatgruppe abgespalten:
Dabei wird freie Energie abgegeben. Diese Energie kann mit einer endergonischen Reaktion gekoppelt werden. ATP ist deshalb ein kurzfristiger, universell nutzbarer Energieüberträger und kein langfristiger Energiespeicher.


ATP wird unter anderem benötigt für Muskelarbeit, aktiven Stofftransport, Biosynthesen und die Bewegung von Zellbestandteilen.
Redoxreaktionen im Stoffwechsel
Bei einer Oxidation werden Elektronen abgegeben, bei einer Reduktion werden Elektronen aufgenommen. Beide Teilreaktionen laufen gekoppelt ab.
Im Stoffwechsel übertragen Coenzyme Elektronen und häufig auch Protonen. Ein wichtiges Redoxpaar ist:
NADH transportiert energiereiche Elektronen zur Atmungskette. Dort werden die Elektronen schrittweise auf Sauerstoff übertragen. Sauerstoff wird schließlich zu Wasser reduziert.
Zellatmung als Beispiel
Bei der aeroben Zellatmung wird Glucose schrittweise oxidiert. Die vereinfachte Gesamtgleichung lautet:
Die Reaktion ist stark exergonisch. Ein Teil der frei werdenden Energie wird in ATP überführt; ein anderer Teil wird als Wärme abgegeben.[2]

Glykolyse
Die Glykolyse findet im Cytosol statt. Ein Glucosemolekül mit sechs Kohlenstoffatomen wird in zwei Pyruvatmoleküle mit jeweils drei Kohlenstoffatomen umgewandelt.
Die vereinfachte Bilanz umfasst:
- Zwei Moleküle Pyruvat.
- Einen Nettogewinn von zwei ATP.
- Zwei Moleküle NADH.
Molekularer Sauerstoff wird in der Glykolyse nicht direkt benötigt. Die Reaktionsfolge besteht aus zehn enzymatisch katalysierten Schritten.[3]
Pyruvatoxidation und Citratzyklus
Bei Eukaryoten wird Pyruvat in die Mitochondrien transportiert und zu Acetyl-CoA umgewandelt. Dabei entstehen Kohlenstoffdioxid und NADH.
Acetyl-CoA tritt in den Citratzyklus ein. Der Zyklus liefert Kohlenstoffdioxid, NADH, FADH2, etwas ATP beziehungsweise GTP und Zwischenprodukte für Aufbauprozesse.
Atmungskette und oxidative Phosphorylierung
Die Atmungskette befindet sich bei Eukaryoten in der inneren Mitochondrienmembran. NADH und FADH2 geben Elektronen ab. Die frei werdende Energie wird genutzt, um Protonen in den Intermembranraum zu transportieren.
Der Protonengradient treibt die ATP-Synthase an. Sie verbindet ADP und anorganisches Phosphat zu ATP. Sauerstoff ist der endgültige Elektronenakzeptor und wird zu Wasser reduziert.

Der größte Teil des ATP der aeroben Zellatmung entsteht durch oxidative Phosphorylierung. Die genaue ATP-Ausbeute ist abhängig vom Zelltyp und von Transportwegen; häufig werden ungefähr 30 bis 32 ATP pro Glucose angegeben.
Stoffwechsel ohne Sauerstoff
Fehlt Sauerstoff, kann die Atmungskette nicht wie bei der aeroben Zellatmung arbeiten. Durch Gärung wird NADH wieder zu NAD+ oxidiert. Dadurch kann die Glykolyse weiterlaufen.
Bei der Milchsäuregärung wird Pyruvat zu Lactat reduziert. Bei der alkoholischen Gärung entstehen Ethanol und Kohlenstoffdioxid. Der Energiegewinn bleibt auf den Nettogewinn der Glykolyse beschränkt.
Fotosynthese und Stoffkreislauf
Die Fotosynthese speichert Lichtenergie in chemischen Verbindungen. Vereinfacht gilt:
Fotosynthese und Zellatmung sind stofflich eng verbunden, aber keine einfache Umkehrung desselben Reaktionswegs. Sie besitzen unterschiedliche Teilschritte, Enzyme und Energieumwandlungen.
Stoffwechselwege im Überblick
| Stoffwechselweg | Hauptfunktion | Ort bei Eukaryoten | Wichtige Produkte |
|---|---|---|---|
| Glykolyse | Abbau von Glucose | Cytosol | Pyruvat, ATP, NADH |
| Pyruvatoxidation | Bildung von Acetyl-CoA | Mitochondrienmatrix | Acetyl-CoA, CO2, NADH |
| Citratzyklus | Oxidation der Acetylgruppe | Mitochondrienmatrix | CO2, NADH, FADH2 |
| Atmungskette | Aufbau eines Protonengradienten | Innere Mitochondrienmembran | Protonengradient, Wasser |
| Oxidative Phosphorylierung | ATP-Synthese | Innere Mitochondrienmembran | ATP |
| Gärung | Regeneration von NAD+ | Cytosol | Lactat oder Ethanol |
Schulversuche und Modelle
Hefegärung untersuchen
Mische lauwarmes Wasser, Hefe und Glucose in einer Flasche und befestige einen Luftballon am Flaschenhals. Das bei der alkoholischen Gärung entstehende Kohlenstoffdioxid bläht den Ballon auf.
Vergleiche Ansätze mit unterschiedlicher Temperatur oder Zuckerkonzentration. Verändere immer nur eine Größe. Formuliere vorher eine Hypothese und dokumentiere die Gasentwicklung.
Enzymwirkung mit Catalase beobachten
Kartoffel- oder Hefezellen enthalten das Enzym Catalase. Es zerlegt verdünnte Wasserstoffperoxid-Lösung:
Der entstehende Sauerstoff bildet sichtbare Gasblasen. Vergleiche rohe, gekochte und gekühlte Proben. Trage Schutzbrille, verwende nur schulgeeignete verdünnte Lösungen und befolge die Anweisungen der Lehrkraft.
Merksätze
- Stoffwechsel: Stoffwechsel ist ein Netzwerk chemischer Reaktionen.
- Katabolismus: Abbauwege setzen Energie frei und liefern kleinere Moleküle.
- Anabolismus: Aufbauwege benötigen Energie und Bausteine.
- Enzym: Enzyme senken die Aktivierungsenergie.
- ATP: ATP koppelt energieabgebende und energieverbrauchende Prozesse.
- Redoxreaktion: NADH und FADH2 übertragen Elektronen.
- Zellatmung: Glucose wird schrittweise zu Kohlenstoffdioxid oxidiert.
- Atmungskette: Ein Protonengradient treibt die ATP-Synthase an.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was umfasst der Stoffwechsel? (Alle chemischen Umwandlungen in einem Lebewesen) (!Nur die Verdauung im Magen) (!Nur den Transport von Sauerstoff) (!Nur die Bewegung der Muskeln)
Wie wirkt ein Enzym auf die Aktivierungsenergie? (Es senkt die Aktivierungsenergie) (!Es erhöht die Aktivierungsenergie) (!Es erzeugt Aktivierungsenergie) (!Es beseitigt die Energiebilanz)
Welcher Begriff bezeichnet einen abbauenden Stoffwechselweg? (Katabolismus) (!Anabolismus) (!Osmose) (!Diffusion)
Welche Hauptfunktion besitzt ATP? (Es überträgt kurzfristig chemische Energie) (!Es speichert die Erbinformation) (!Es transportiert Sauerstoff im Blut) (!Es bildet die Zellwand)
Wo findet die Glykolyse statt? (Im Cytosol) (!Im Zellkern) (!Im Golgi-Apparat) (!Im Intermembranraum)
Welches Endprodukt entsteht bei der Glykolyse aus Glucose? (Pyruvat) (!Sauerstoff) (!Stärke) (!Ammoniak)
Welches Molekül ist der endgültige Elektronenakzeptor der aeroben Atmungskette? (Sauerstoff) (!Glucose) (!ATP) (!Kohlenstoffdioxid)
Was transportiert NADH im Stoffwechsel? (Energiereiche Elektronen) (!Lichtquanten) (!Erbinformation) (!Aminosäureketten)
Welche Aussage zur Gärung ist richtig? (Sie regeneriert NAD plus für die Glykolyse) (!Sie erzeugt Sauerstoff) (!Sie findet nur in Mitochondrien statt) (!Sie liefert mehr ATP als die aerobe Zellatmung)
Was treibt die ATP-Synthase bei der Zellatmung an? (Ein Protonengradient) (!Ein Natriumkristall) (!Ein Lichtstrahl im Zellkern) (!Eine DNA-Verdopplung)
Memory
| Katabolismus | Abbau energiereicher Stoffe |
| Anabolismus | Aufbau körpereigener Stoffe |
| Enzym | Biokatalysator |
| ATP | Kurzfristiger Energieüberträger |
| NADH | Elektronenträger |
| Glykolyse | Glucoseabbau im Cytosol |
| Citratzyklus | Oxidation von Acetylgruppen |
| Atmungskette | Aufbau eines Protonengradienten |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Katabolismus | Abbauender Stoffwechsel |
| Anabolismus | Aufbauender Stoffwechsel |
| Enzym | Senkung der Aktivierungsenergie |
| ATP | Kopplung von Energieumsätzen |
| NADH | Transport von Elektronen |
| Glykolyse | Bildung von Pyruvat |
| Sauerstoff | Endgültiger Elektronenakzeptor |
Kreuzworträtsel
| Metabolismus | Wie lautet der Fachbegriff für Stoffwechsel? |
| Enzym | Welcher Biokatalysator beschleunigt Reaktionen? |
| Glucose | Welcher Einfachzucker wird bei der Zellatmung abgebaut? |
| Pyruvat | Welches Produkt entsteht am Ende der Glykolyse? |
| Mitochondrium | In welchem Zellorganell laufen Citratzyklus und Atmungskette ab? |
| Oxidation | Wie heißt die Abgabe von Elektronen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffskarte Stoffwechsel: Gestalte eine Karte mit den Begriffen Stoffwechsel, Katabolismus, Anabolismus, Enzym und ATP.
- Reaktionsgleichung Zellatmung: Zeichne Teilchenmodelle für die Ausgangsstoffe und Produkte der Gesamtgleichung.
- Enzymmodell: Baue aus Alltagsmaterialien ein Modell von Enzym, Substrat und aktivem Zentrum.
- Medienanalyse Stoffwechsel: Wähle eine Abbildung dieses aiMOOCs und erkläre in einem kurzen Audiobeitrag, was sie zeigt.
Standard
- Hefegärung: Plane einen Vergleichsversuch zur Wirkung der Temperatur auf Hefe und werte die Gasentwicklung aus.
- Catalase-Versuch: Untersuche unter Aufsicht den Einfluss von Erhitzen auf die Catalaseaktivität und erkläre das Ergebnis.
- Energieflussdiagramm: Stelle dar, wie Energie aus Glucose über NADH und einen Protonengradienten in ATP überführt wird.
- Stoffwechsel-Interview: Befrage eine Fachkraft aus Chemie, Biologie, Medizin oder Ernährung zu einem Stoffwechselthema.
Schwer
- Stoffwechselweg analysieren: Recherchiere einen Stoffwechselweg und kennzeichne Edukte, Produkte, Enzyme, Redoxschritte und Energieumsätze.
- Hemmstoff-Fallstudie: Erkläre an einem ungefährlichen, wissenschaftlich dokumentierten Beispiel, wie ein Hemmstoff einen Stoffwechselweg beeinflusst.
- Modellkritik Zellatmung: Vergleiche zwei Darstellungen der Zellatmung und bewerte Vereinfachungen, Stärken und mögliche Fehlvorstellungen.
- Erklärvideo Stoffwechsel: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Video, das die chemische Kopplung einer exergonischen und einer endergonischen Reaktion erklärt.


Lernkontrolle
- Energie und Stoffwechsel: Erkläre, weshalb eine Zelle trotz exergonischer Glucoseoxidation ATP als Zwischenstufe benötigt.
- Enzym und Temperatur: Deute eine Messkurve, bei der die Reaktionsgeschwindigkeit zunächst steigt und nach einem Maximum stark abnimmt.
- Gärung und Zellatmung: Vergleiche beide Wege hinsichtlich Elektronenübertragung, ATP-Ausbeute und Bedeutung von Sauerstoff.
- Kompartimentierung: Begründe, weshalb Glykolyse, Citratzyklus und Atmungskette an unterschiedlichen Orten der Zelle ablaufen.
- Redoxkopplung: Erkläre die Rolle des Redoxpaares NAD plus und NADH zwischen Citratzyklus und Atmungskette.
- Transferaufgabe Enzymhemmung: Entwickle eine begründete Hypothese dazu, wie die Hemmung eines Enzyms am Anfang eines Stoffwechselwegs spätere Produkte beeinflusst.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- Stoffwechsel als Netzwerk chemischer Reaktionen erklären kannst.
- Katabolismus und Anabolismus sicher unterscheidest.
- Enzymwirkung mit der Aktivierungsenergie begründest.
- ATP als Kopplungsglied zwischen Energieabgabe und Energiebedarf beschreibst.
- Oxidation, Reduktion sowie die Rolle von NADH anwendest.
- Die Schritte der Zellatmung räumlich und stofflich zuordnest.
- Versuchsergebnisse zu Enzymen oder Gärung auswertest.
- Modelle kritisch beurteilst und auf neue Situationen überträgst.
Quellen und Vertiefung
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
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