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Reformmodelle der Europäischen Union kriterienorientiert vergleichen - Gemeinschaftskunde 11-13

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Reformmodelle der Europäischen Union kriterienorientiert vergleichen - Gemeinschaftskunde 11-13

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Reformmodelle der Europäischen Union kriterienorientiert vergleichen - Gemeinschaftskunde 11-13

Kurzbeschreibung: Demokratische Legitimation, Handlungsfähigkeit, Subsidiarität und Interessen verschiedener Akteure anhand belegter Reformmodelle abwägen.

Zielgruppe: Gemeinschaftskunde, gymnasiale Oberstufe, Klassen 11–13

Niveau: Basis und Vertiefung

Zeitstand der Sachinformationen: 17. Oktober 2026

Leitfrage: Wie kann die Europäische Union demokratisch, handlungsfähig und bürgernah bleiben – auch bei einer möglichen Erweiterung?


Einleitung

Die Europäische Union hat 27 Mitgliedstaaten. Sie müssen bei vielen Entscheidungen unterschiedliche Interessen verbinden. Einige wünschen schnellere Entscheidungen. Andere wollen nationale Mitsprache besonders schützen.

Du vergleichst drei belegte Reformansätze mit dem geltenden System. Am Ende entwickelst Du ein begründetes eigenes Urteil. Es gibt keine vorgegebene politische Antwort.

Wichtig: Reformvorschläge sind nicht automatisch geltendes Recht. Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte aus Artikel 2 EUV bilden den verbindlichen Rahmen jeder Bewertung.

Karte mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Europa

Material M1: EU-Mitgliedstaaten. Karte von Rob984, Aktualisierung durch Hogweard 2020. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Namensnennung: Rob984, Bearbeitung Hogweard. Keine weitere inhaltliche Bearbeitung.

Leitfrage: Warum könnten kleine und große Mitgliedstaaten unterschiedliche Vorstellungen von fairen Abstimmungsregeln haben? Die Karte zeigt geografische Verhältnisse, aber keine politischen Positionen.


Lernziele und Lernweg

Basis – Klassen 11/12:

  1. EU-Institutionen: Du beschreibst Aufgaben und Entscheidungswege.
  2. Subsidiaritätsprinzip: Du erklärst die vier Vergleichskriterien.
  3. EU-Reform: Du ordnest belegte Vorschläge den passenden Modellen zu.

Vertiefung – Klassen 12/13:

  1. Quellenkritik: Du prüfst Herkunft, Interessen und Grenzen politischer Quellen.
  2. Politische Urteilsbildung: Du vergleichst Reformwirkungen mit selbst begründeten Gewichtungen.
  3. Europarecht: Du beachtest Vertragsänderungen und rechtliche Umsetzbarkeit.

Vier Arbeitsschritte:

Operator Was Du tust
Beschreibung Du nennst überprüfbare Informationen ohne Bewertung.
Analyse Du erklärst Ursachen, Wirkungen, Interessen und mögliche Zielkonflikte.
Sachurteil Du beurteilst mit Fakten, wie wirksam und rechtlich umsetzbar ein Modell ist.
Werturteil Du bewertest, welches Modell Du für gerecht und demokratisch angemessen hältst, und begründest Deine Maßstäbe.


Die EU verstehen


Wer entscheidet in der EU?

Halbkreisförmiger Plenarsaal des Europäischen Parlaments während einer Sitzung in Straßburg 2014

Material M2: Plenarsitzung des Europäischen Parlaments, 2014. Foto: DAVID ILIFF. Commons-Dateiseite. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Namensnennung: Photo by DAVID ILIFF. Keine inhaltliche Bearbeitung.

Das Europäische Parlament wird direkt gewählt. Bei den meisten EU-Gesetzen entscheidet es gemeinsam mit dem Rat der Europäischen Union.

Schaubild zum Aufbau des Rates der Europäischen Union mit Ministerrat und vorbereitenden Ebenen

Material M3: Ratsstruktur, Bezugsstand 2020. Schaubild: Glide08, auf Grundlage von Arkhandar; Erstellung 2024. Commons-Dateiseite. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Namensnennung: Glide08 nach Arkhandar. Keine weitere Bearbeitung.

Im Rat der EU verhandeln Fachministerinnen und Fachminister der Mitgliedstaaten. Im Europäischen Rat legen dagegen die Staats- und Regierungschefs die allgemeinen politischen Leitlinien fest. Er beschließt normalerweise keine EU-Gesetze.

Innenansicht des Europa-Gebäudes in Brüssel als Sitz des Europäischen Rates und des Rates der EU

Material M4: Europa-Gebäude, Brüssel, 2024. Foto: FrDr. Commons-Dateiseite. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Namensnennung: FrDr. Keine inhaltliche Bearbeitung.

Wort-Bild-Hilfe: Parlament = direkt gewählte Bürgervertretung. Rat der EU = Vertretung der nationalen Regierungen durch Fachminister. Europäischer Rat = politische Führungsspitzen der Staaten.

Bildauftrag: Ordne M2, M3 und M4 den Institutionen zu. Erkläre dann, warum ein Foto eines Gebäudes keine Aussage über demokratische Legitimation beweist.


Wer schlägt EU-Gesetze vor?

Berlaymont-Gebäude in Brüssel als Sitz der Europäischen Kommission

Material M5: Berlaymont-Gebäude, 2006. Foto: Nuno Nogueira. Commons-Dateiseite. Lizenz: CC BY-SA 2.5. Namensnennung: Nuno Nogueira. Keine inhaltliche Bearbeitung.

Die Europäische Kommission besitzt im Regelfall das formelle Initiativrecht. Sie schlägt EU-Rechtsakte vor. Parlament und Rat können im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren beraten, ändern und gemeinsam beschließen. Das Parlament kann die Kommission außerdem auffordern, Vorschläge vorzulegen.

Flussdiagramm des ordentlichen EU-Gesetzgebungsverfahrens mit Kommission, Parlament, Rat und mehreren Lesungen

Material M6: Ordentliches Gesetzgebungsverfahren, 2010. Schaubild: Ssolbergj. Commons-Dateiseite. Lizenzwahl: CC BY-SA 3.0. Namensnennung: Ssolbergj. Keine inhaltliche Bearbeitung.

Wort-Bild-Hilfe: Initiativrecht = das Recht, einen förmlichen Gesetzesvorschlag einzubringen. Mitgesetzgeber = ein Organ, das über den vorgeschlagenen Rechtsakt mitentscheidet.

Materialprüfung: Folge den Pfeilen in M6. Vergleiche das ältere private Schaubild mit der offiziellen EU-Erklärung. Welche Institution beginnt das Verfahren, welche entscheiden? Welche Sonderverfahren zeigt das Schaubild nicht?


Abstimmung: Mehrheit oder Einstimmigkeit?

Im Rat gilt für viele EU-Rechtsakte die qualifizierte Mehrheit. Bei einem üblichen Kommissionsvorschlag sind grundsätzlich beide Bedingungen erforderlich:

  1. Mindestens 55 Prozent der Mitgliedstaaten stimmen zu, derzeit 15 von 27.
  2. Diese Staaten vertreten mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung.

Für eine Sperrminorität sind grundsätzlich mindestens vier Ratsmitglieder erforderlich. Sonderregeln gelten in bestimmten Fällen.

Bei sensiblen Fragen, besonders in weiten Teilen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, ist dagegen Einstimmigkeit vorgesehen. Eine Gegenstimme kann einen solchen Beschluss verhindern. Eine Enthaltung verhindert Einstimmigkeit nicht.

Offizielle Regel: Rat der EU – qualifizierte Mehrheit, überprüft am 23. Februar 2026.

Übung: In einem vereinfachten fiktiven Fall stimmen 16 von 27 Staaten zu. Sie vertreten zusammen 64 Prozent der Bevölkerung. Reicht das? Begründe anhand beider Bedingungen.

Rückmeldung: Nein. Die Zahl der zustimmenden Staaten reicht, der Bevölkerungsanteil aber nicht. Das Beispiel verwendet fiktive Stimmenanteile.


Kriterien für den Reformvergleich

Kriterium Prüffrage Möglicher Zielkonflikt
Demokratische Legitimation Wer entscheidet und wer kann die Entscheidenden kontrollieren? Direkte Bürgervertretung und Mitsprache der Staaten
Handlungsfähigkeit Kann die EU rechtzeitig wirksame Beschlüsse fassen? Schnelligkeit und Schutz vor Überstimmung
Subsidiarität Auf welcher Ebene lässt sich ein Problem am besten lösen? EU-weite Regel und regionale Eigenständigkeit
Interessen der Akteure Wer gewinnt Einfluss, wer verliert ihn? Gemeinsames Interesse und unterschiedliche nationale Interessen

Subsidiarität nach Artikel 5 EUV bedeutet: In nicht ausschließlich der EU zugewiesenen Bereichen darf die EU nur handeln, wenn die Mitgliedstaaten das Ziel nicht ausreichend erreichen können und es auf EU-Ebene besser erreicht werden kann. Die EU muss außerdem verhältnismäßig handeln.

Die nationalen Parlamente können begründete Einwände gegen die Subsidiarität eines Gesetzgebungsvorschlags erheben. Erreichen sie bestimmte Schwellenwerte, muss die Kommission ihren Entwurf prüfen. Ein solches Prüfverfahren führt aber nicht automatisch zum Rückzug.

Quellen: EU-Vertrag und Kommission – Subsidiaritätskontrolle.


Drei belegte Reformansätze


Modell A: Parlamentarische Vertragsreform von 2023

Am 22. November 2023 nahm das Europäische Parlament Vorschläge zur Änderung der EU-Verträge an. Dazu gehören ein vollständigeres Gesetzesinitiativrecht des Parlaments, stärkere parlamentarische Mitentscheidung und mehr Mehrheitsentscheidungen im Rat.

Ziel: demokratische Kontrolle und Handlungsfähigkeit stärken.

Möglicher Vorteil: Mehr parlamentarische Mitentscheidung kann die unmittelbare demokratische Legitimation erhöhen.

Mögliches Problem: Mehr Entscheidungen auf EU-Ebene können Fragen nach nationaler Mitsprache und Subsidiarität verschärfen.

Rechtsstatus: Ein belegter Reformvorschlag, keine bereits geltende Vertragsänderung.

Quelle: Europäisches Parlament, Pressemitteilung vom 22.11.2023


Modell B: Erweiterungsvorbereitung der Kommission 2026

Am 6. Oktober 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission neue Vorschläge zur Vorbereitung einer größeren EU.

Sie setzt unter anderem auf die stärkere Nutzung vorhandener Vertragsmöglichkeiten, um Entscheidungen in bestimmten Bereichen von Einstimmigkeit auf qualifizierte Mehrheit umzustellen. Genannt wird beispielsweise die Eröffnung von Verhandlungsclustern im Erweiterungsprozess. Außerdem schlägt sie stärkere Schutzmechanismen für EU-Grundwerte vor.

Ziel: Beschlüsse erleichtern und die EU auf neue Mitglieder vorbereiten.

Möglicher Vorteil: Weniger Blockademöglichkeiten können bestimmte Verfahren beschleunigen.

Mögliches Problem: Staaten könnten bei wichtigen Entscheidungen überstimmt werden. Die konkrete Rechtsgrundlage muss für jeden Bereich geprüft werden.

Rechtsstatus: Reformorientierungen und Vorschläge. Keine allgemeine Abschaffung der Einstimmigkeit.

Quelle: Europäische Kommission, 06.10.2026


Modell C: Verstärkte Zusammenarbeit

Die Verstärkte Zusammenarbeit nach Artikel 20 EUV ist bereits ein Instrument des EU-Rechts. Mindestens neun Mitgliedstaaten können unter rechtlichen Voraussetzungen enger zusammenarbeiten, wenn die Union insgesamt ein Ziel nicht innerhalb angemessener Zeit erreicht.

Ziel: unterschiedlichen Integrationsgeschwindigkeiten Raum geben.

Möglicher Vorteil: Einige Staaten können vorangehen, ohne alle anderen zur Teilnahme zu verpflichten.

Mögliches Problem: Unterschiedliche Beteiligung kann die EU komplexer machen. Nicht alle Interessen sind gleich eingebunden.

Rechtsstatus: Bestehendes Vertragsinstrument, aber kein Freibrief. Es erweitert keine EU-Zuständigkeiten, ist grundsätzlich für weitere Staaten offen und unterliegt Genehmigungs- und Schutzregeln.

Quelle: EUR-Lex – Verstärkte Zusammenarbeit

Europakarte mit mehreren Farben zur unterschiedlichen Teilnahme europäischer Staaten am Schengenraum

Material M7: Schengenraum, Kartenfassung vom 31.12.2024. Ursprüngliche Karte Mfloryan, bearbeitet von Nablicus. Commons-Dateiseite. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Namensnennung: Mfloryan und Nablicus. Keine weitere Bearbeitung.

Wichtige Materialgrenze: Der Schengenraum zeigt unterschiedliche Formen europäischer Teilnahme. Er ist aber kein Nachweis dafür, dass das konkrete Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit nach Artikel 20 EUV verwendet wurde. Die Karte ist zudem eine zeitgebundene Momentaufnahme.

Leitfrage: Was zeigt die Karte über unterschiedliche Beteiligung? Welche Schlussfolgerung über die Rechtsgrundlage wäre unzulässig?


Die Modelle kriterienorientiert vergleichen

Ansatz Demokratische Legitimation Handlungsfähigkeit Subsidiarität und Interessen Rechtliche Grenze
A: Parlamentsreform 2023 Mehr Rechte für das direkt gewählte Parlament möglich Mehrheitsentscheidungen könnten Blockaden verringern Mitgliedstaaten könnten Einfluss verlieren; Zuständigkeiten müssen geprüft werden Wesentliche Änderungen verlangen Vertragsrevision
B: Kommissionsansatz 2026 Demokratische Kontrolle muss je nach Reformmaßnahme gesichert werden Schnellere Entscheidungen in bestimmten Bereichen möglich Interessen überstimmter Staaten bleiben relevant Anwendung nur im jeweiligen rechtlich zulässigen Verfahren
C: Verstärkte Zusammenarbeit EU-Organe bleiben beteiligt; demokratische Kontrolle hängt vom konkreten Bereich ab Teilnehmende Staaten können leichter vorangehen Unterschiede zwischen teilnehmenden und nicht teilnehmenden Staaten Mindestens neun Staaten; keine neuen EU-Kompetenzen
Geltendes System als Vergleich Direkte und indirekte demokratische Legitimation Mehrheit in vielen Bereichen, Einstimmigkeit in sensiblen Fällen Geteilte Zuständigkeiten und nationale Mitwirkung EU-Verträge bestimmen Verfahren und Kompetenzen

Merke: Diese Angaben sind begründete Wirkungserwartungen, keine gemessenen Erfolge. Ein Reformmodell darf nicht nur nach seinem versprochenen Ziel beurteilt werden.


Quellen untersuchen und kritisch prüfen

Die folgenden kurzen Quellenausschnitte sind authentisch. Zitat, Analyse und eigenes Urteil müssen getrennt werden.


Quelle Q1: Rechtsmaßstab

EU-Vertrag, Artikel 5 Absatz 3:

„[...] auf Unionsebene besser zu verwirklichen sind.“

Vollständiger Vertragstext, amtliche Rechtsquelle

Einordnung: Das Zitat ist ein verkürzter Ausschnitt. Der gesamte Artikel verlangt zusätzlich, dass Mitgliedstaaten das betreffende Ziel nicht ausreichend verwirklichen können. Ein kurzer Ausschnitt ersetzt also keine vollständige rechtliche Prüfung.

Basis: Erkläre den Grundsatz in eigenen Worten.

Vertiefung: Prüfe, welche Angaben man für eine echte Subsidiaritätsprüfung benötigt.


Quelle Q2: Politisches Reformziel

Europäisches Parlament, 22.11.2023:

„Ein echtes Zweikammersystem soll geschaffen und die Verringerung von Blockaden im Rat angestrebt werden“.

Quelle im Zusammenhang

Beschreibung: Das Parlament benennt ein politisches Ziel.

Quellenkritik: Das Europäische Parlament ist selbst ein beteiligter Akteur. Seine Reformforderungen sind eine wichtige Primärquelle, aber kein neutraler Beweis für die Wirksamkeit des Modells.

Vertiefung: Welche Gegenargumente könnten Mitgliedstaaten vorbringen?


Quelle Q3: Reformorientierung 2026

Europäische Kommission, 06.10.2026, englisches Original:

„moving from unanimity to qualified majority voting in key areas“

Deutsche Arbeitsübersetzung: In wichtigen Bereichen von Einstimmigkeit zu qualifizierter Mehrheit übergehen.

Quelle im Zusammenhang

Beschreibung: Die Kommission schlägt eine Veränderung ausgewählter Entscheidungsverfahren vor.

Quellenkritik: Die Kommission begründet den Vorschlag mit Erweiterungsfähigkeit. Ob eine Änderung rechtlich zulässig, politisch durchsetzbar oder tatsächlich schneller ist, muss getrennt geprüft werden.

Vertiefung: Welche Bedeutung hat die Formulierung „in key areas“ für eine sachgerechte Interpretation?


Quellenvergleich: Drei Prüffragen

  1. Quellenanalyse: Welche Quelle enthält eine geltende Rechtsnorm und welche eine politische Forderung?
  2. Interessenanalyse: Welche institutionellen Interessen können die Aussagen beeinflussen?
  3. Quellenkritik: Welche zusätzlichen Belege brauchst Du, um die erwarteten Wirkungen zu beurteilen?

Rückmeldung: Q1 ist eine Rechtsquelle, Q2 und Q3 dokumentieren politische Reformpositionen. Alle drei sind für ihre jeweilige Aussage relevant; keine beweist allein, dass ein Reformmodell insgesamt überlegen ist.


Videos als ergänzendes Lernmaterial


Video 1: Wie funktioniert die EU?

Quelle: phoenix, „Europa: Wie funktioniert die EU?“, veröffentlicht am 17.04.2019. Direktlink. Historisches Erklärvideo; aktuelle Regeln mit den EU-Quellen abgleichen.

Textalternative: Das Parlament vertritt Bürgerinnen und Bürger, der Rat die Regierungen. Die Kommission schlägt im Regelfall Gesetze vor. Der Europäische Rat legt politische Leitlinien fest. Der Gerichtshof sichert die Anwendung des EU-Rechts.

Auftrag: Suche zwei Aussagen zur demokratischen Legitimation. Welche davon belegen eine bestehende Institution und welche sind bereits Bewertungen?


Video 2: Der Rat der EU

Quelle: Ciceroni, „The Council (of the European Union) explained“, 15.01.2017, englisch. Direktlink. Die dargestellten Regeln anhand aktueller offizieller Quellen überprüfen.

Deutsche Textalternative: Der Rat der EU besteht aus nationalen Regierungsvertretungen. Je nach Politikfeld nehmen die zuständigen Ministerinnen und Minister teil. Der Rat stimmt nach vertraglich festgelegten Verfahren ab und entscheidet in vielen Bereichen gemeinsam mit dem Parlament.

Auftrag: Unterscheide die Beschreibung des Rates von der Bewertung seiner demokratischen Legitimation.

Die Textalternativen ermöglichen die Bearbeitung ohne Ton oder Video. Verfügbare Untertitel können auf YouTube zusätzlich aktiviert werden.


Fallbeispiel: Die fiktive Union von morgen

Die folgenden Akteure und Angaben sind fiktiv. Sie dienen der Analyse und behaupten keine realen politischen Positionen.

In der EU wird ein neuer gemeinsamer Standard zum Schutz grenzüberschreitender Flüsse diskutiert.

Vier fiktive Rollen:

  1. Mitgliedstaat: Regierungschefin Elena aus einem kleineren Staat möchte nationale Mitentscheidung sichern.
  2. Europäisches Parlament: Abgeordneter Milan möchte eine gut kontrollierbare und transparente Entscheidung.
  3. Region: Regionalpolitikerin Nora möchte lokale Besonderheiten schützen.
  4. Europäische Kommission: Referent Karim möchte eine rechtzeitige, gemeinsame Regelung erreichen.

Basisfrage: Welchem Kriterium gibt jede Rolle möglicherweise besonderes Gewicht?

Vertiefungsfrage: Prüfe zuerst, ob die EU für die konkrete Maßnahme zuständig wäre und welche Rechtsgrundlage einschlägig sein könnte. Wäre eine EU-weite Regel gegenüber nationalen Einzelregelungen besser begründet? Welcher Reformansatz verändert den Entscheidungsweg überhaupt?

Hinweis: Interessen sind hier Modellannahmen und keine Tatsachen über bestimmte reale Gruppen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches EU-Organ legt im Regelfall förmliche Vorschläge für neue EU-Rechtsakte vor? (Die Europäische Kommission) (!Der Europäische Gerichtshof) (!Der Europäische Rechnungshof) (!Der Europäische Rat)




Welche beiden Organe beschließen EU-Rechtsakte im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren gemeinsam? (Europäisches Parlament und Rat der EU) (!Europäischer Rat und Gerichtshof) (!Kommission und Rechnungshof) (!Europäische Zentralbank und Europäischer Rat)




Was verlangt die übliche doppelte Mehrheit im Rat bei 27 EU-Staaten? (Mindestens 15 Staaten und mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung) (!Mindestens 15 Staaten ohne Bevölkerungsbedingung) (!Mindestens 65 Prozent der Staaten ohne Bevölkerungsbedingung) (!Zustimmung sämtlicher Mitgliedstaaten)




Welcher EU-Vertragsartikel enthält das Subsidiaritätsprinzip? (Artikel 5 EUV) (!Artikel 50 EUV) (!Artikel 49 EUV) (!Artikel 2 AEUV)




Wo spielt Einstimmigkeit im Rat weiterhin eine wichtige Rolle? (In vielen Fragen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik) (!Bei sämtlichen gewöhnlichen Umweltgesetzen) (!Bei jeder Entscheidung des Europäischen Parlaments) (!Bei jeder gewöhnlichen Binnenmarktregel)




Welche Forderung gehört zu den Reformvorschlägen des Europäischen Parlaments von 2023? (Ein vollwertiges Gesetzesinitiativrecht des Parlaments) (!Abschaffung aller nationalen Parlamente) (!Abschaffung des Europäischen Gerichtshofs) (!Automatische Auflösung des Ministerrates)




Was kennzeichnet die Erweiterungsreformen der Kommission vom Oktober 2026? (Stärkere Nutzung rechtlich vorgesehener Handlungsmöglichkeiten) (!Bereits erfolgte Abschaffung aller Vetorechte) (!Automatische Verabschiedung einer neuen EU-Verfassung) (!Abschaffung des europäischen Gesetzgebungsverfahrens)




Wie viele Mitgliedstaaten müssen für eine verstärkte Zusammenarbeit nach Artikel 20 EUV mindestens teilnehmen? (Neun) (!Drei) (!Sechs) (!Siebenundzwanzig)




Was ist für das Inkrafttreten einer ordentlichen EU-Vertragsänderung erforderlich? (Ratifikation durch alle Mitgliedstaaten nach ihren Verfassungsvorschriften) (!Allein die Zustimmung der Kommissionspräsidentin) (!Nur eine Abstimmung im Europäischen Parlament) (!Eine einfache Mehrheit der europäischen Gerichte)




Welche Aussage ist ein Werturteil? (Die EU sollte nationale Vetorechte stärker schützen als schnelle Entscheidungen) (!Die EU hat 27 Mitgliedstaaten) (!Das Europäische Parlament ist direkt gewählt) (!Die Kommission veröffentlichte im Oktober 2026 Reformvorschläge)





Rückmeldung zum Quiz

Lies die Erläuterungen nach Deiner Bearbeitung.

  1. Die Kommission besitzt im Regelfall das Initiativrecht. Es bestehen vertraglich geregelte Ausnahmen.
  2. Im ordentlichen Verfahren müssen Parlament und Rat zu einem gemeinsamen Gesetzestext kommen.
  3. Beide Mehrheitsschwellen müssen gleichzeitig erreicht sein; Sonderfälle sind möglich.
  4. Artikel 5 EUV schützt unter anderem die Subsidiarität.
  5. Einstimmigkeit ist für bestimmte sensible Materien vorgesehen, nicht für die gesamte EU-Gesetzgebung.
  6. Das Parlament verlangte 2023 ein vollwertiges Initiativrecht; dies war eine Reformforderung.
  7. Die Kommission stellte 2026 neue Ansätze vor, keine bereits vollständig beschlossene Neuregelung.
  8. Die verstärkte Zusammenarbeit erfordert mindestens neun Mitgliedstaaten und weitere Bedingungen.
  9. Vertragsänderungen unterliegen anspruchsvollen rechtlichen Verfahren.
  10. Ein Werturteil verwendet einen normativen Maßstab, der begründet werden muss.


Memory

Ordne jeden Fachbegriff der richtigen Erklärung zu.

Europäische Kommission Schlägt im Regelfall EU-Rechtsakte vor
Europäisches Parlament Direkt gewählte Bürgervertretung
Rat der Europäischen Union Vertretung nationaler Fachminister
Subsidiaritätsprinzip Prüfung der geeigneten Handlungsebene
Qualifizierte Mehrheit Abstimmung nach doppelter Mehrheit
Artikel 48 EUV Vertragsänderungsverfahren
Verstärkte Zusammenarbeit Engere Integration von mindestens neun Staaten





Drag and Drop

Ordne Fachbegriffe und Erklärungen einander zu.

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung
Demokratische Legitimation Rückbindung politischer Macht an Wahlen und Kontrolle
Handlungsfähigkeit Fähigkeit zu wirksamen und rechtzeitigen Entscheidungen
Subsidiarität Prüfung, welche politische Ebene ausreichend handeln kann
Europäischer Rat Politisches Führungsgremium der Staats- und Regierungschefs
Verhältnismäßigkeit Angemessenheit der Mittel im Verhältnis zum Ziel
Initiativrecht Befugnis zur förmlichen Einbringung eines Gesetzesvorschlags





Kreuzworträtsel

Kommission Welches Organ legt im Regelfall neue EU-Gesetzgebungsvorschläge vor?
Parlament Welche direkt gewählte EU-Institution ist Mitgesetzgeber?
Subsidiaritaet Welcher Grundsatz verlangt die Prüfung der geeigneten politischen Ebene?
Einstimmigkeit Wie heißt eine Abstimmungsregel, bei der keine Gegenstimme zulässig ist?
Konvent Welches Gremium kann Entwürfe für eine Änderung der EU-Verträge vorbereiten?
Minister Welche Regierungsmitglieder beraten und entscheiden im Rat der EU?





LearningApps

Die Einbettung öffnet eine Suche nach vorhandenen Lernanwendungen. Sie ist kein Nachweis für eine bestimmte geprüfte Anwendung.


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die direkt gewählte Bürgervertretung der EU heißt Europäisches

.
Die Regierungen der Mitgliedstaaten sind im Rat der Europäischen

vertreten.
Die EU-Institution, die normalerweise neue Gesetze vorschlägt, heißt

.
Die doppelte Mehrheit berücksichtigt Mitgliedstaaten und die

.
Eine Gegenstimme kann bei vorgeschriebener

einen Beschluss verhindern.
Die geeignete Handlungsebene wird mithilfe des Prinzips der

geprüft.
Die Verhältnismäßigkeit fordert angemessene

.
Das Europäische Parlament verlangte im Jahr 2023 ein vollwertiges

.
Die Europäische Kommission veröffentlichte im Oktober 2026 Vorschläge zur Vorbereitung der EU-

.
Die engere Zusammenarbeit von mindestens neun Mitgliedstaaten heißt verstärkte

.
Eine ordentliche Änderung der EU-Verträge verlangt die

durch alle Mitgliedstaaten.
Eine begründete normative Bewertung heißt

.



Rückmeldung: Bei der Lösung solltest Du auch den sachlichen Zusammenhang erklären können. Begriffe allein ersetzen kein politisches Urteil.


Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildbeschreibung: Beschreibe drei erkennbare Merkmale von M2. Notiere eine politische Frage, die das Bild allein nicht beantworten kann.
  2. Institutionen der Europäischen Union: Ordne M3, M4 und M5 passenden Organen zu. Verfasse zu jedem Organ einen korrekten Satz.
  3. Fachbegriffe: Erstelle einen kurzen schriftlichen Wortschatz mit den Begriffen Legitimation, Veto, Subsidiarität und Initiativrecht.
  4. Tatsachen und Meinungen: Markiere in Q1 bis Q3 eine Rechtsaussage, eine Reformforderung und eine mögliche politische Bewertung.


Standard

  1. Politikvergleich: Erstelle eine Tabelle zu A, B und C mit je einem möglichen Vorteil und einer Grenze.
  2. Mehrheitsentscheidung: Berechne für den fiktiven Fall mit 16 zustimmenden Staaten und 64 Prozent Bevölkerungsanteil das Ergebnis. Erläutere die Regel.
  3. Subsidiaritätsprüfung: Untersuche den fiktiven Fall eines grenzüberschreitenden Flusses. Begründe eine mögliche Zuständigkeit und benenne fehlende Informationen.
  4. Perspektivenwechsel: Verfasse zwei kurze Positionspapiere für die fiktiven Rollen Elena und Milan. Verwende nachvollziehbare, unterschiedliche Kriterien.


Schwer

  1. Vertragsrevision: Erkläre anhand von Artikel 48 EUV, warum ein Vorschlag zur Stärkung des Parlaments nicht unmittelbar geltendes Recht wird.
  2. Quellenkritik: Vergleiche die Aussagen von Parlament 2023 und Kommission 2026. Untersuche jeweils Interessen, Reichweite und fehlende Wirkungsbelege.
  3. Kriteriengeleitete Entscheidung: Entwickle eine gewichtete Bewertungsmatrix für drei Reformansätze. Begründe die Gewichtung und prüfe, ob eine andere Gewichtung das Ergebnis verändert.
  4. Erörterung: Erörtere offen, ob stärkere Mehrheitsentscheidungen oder nationale Vetorechte in ausgewählten Politikbereichen vorzuziehen sind. Berücksichtige Gegenargumente, Grundrechte, rechtliche Grenzen und einen begründeten Schluss.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

Bearbeite mindestens fünf Transferaufgaben. Eine politische Meinung allein reicht nicht; entscheidend sind tragfähige Belege und Begründungen.

  1. Demokratische Legitimation: Beurteile, ob ein stärkeres Initiativrecht des Parlaments die demokratische Legitimation zwangsläufig erhöht oder welche zusätzlichen Bedingungen wichtig wären.
  2. Handlungsfähigkeit: Untersuche an einem fiktiven gemeinsamen Krisenbeschluss, wann Einstimmigkeit zur Blockade führen kann und wann sie einen wichtigen Interessenausgleich sichert.
  3. Subsidiaritätsprinzip: Entscheide für ein erfundenes Problem mit grenzüberschreitenden Umweltfolgen, welche Ebene handeln sollte. Nenne mindestens zwei fehlende Informationen.
  4. Europäische Integration: Vergleiche eine Vertragsreform mit verstärkter Zusammenarbeit. Erkläre, welche Unterschiede hinsichtlich politischer Reichweite und rechtlicher Umsetzung bestehen.
  5. Quellenbewertung: Prüfe die Aussage „Mehr Mehrheitsentscheidungen machen die EU immer demokratischer“. Trenne Tatsachen, Wirkungsvermutungen und Werturteile.
  6. Politische Interessen: Entwickle einen Kompromiss zwischen einer fiktiven nationalen Regierung, dem Parlament und einer Region. Erläutere dessen Schwächen.


Bewertungskriterien für Sach- und Werturteile

Kriterium Jeweils 0–2 Punkte
Sachliche Richtigkeit EU-Institutionen, Rechtsstatus und Abstimmungsregeln korrekt
Kriterienorientierung Mindestens drei Kriterien erkennbar und gegeneinander abgewogen
Perspektiven Unterschiedliche Akteure und Zielkonflikte fair berücksichtigt
Quellenkritik Herkunft, Aktualität, Interessen und Aussagegrenzen geprüft
Urteilsbildung Sachurteil und Werturteil getrennt; Grundrechte beachtet; Schluss begründet

Punkteschlüssel: 0 = nicht erkennbar; 1 = teilweise erfüllt; 2 = überzeugend und mit Belegen erfüllt. Maximal 10 Punkte.

Bewertungsgrundsatz: Nicht die gewählte politische Position entscheidet über die Bewertung, sondern die Qualität der Analyse, die Belege, die Abwägung und die Achtung demokratischer Grundwerte.


Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis erstellst Du eine kurze schriftliche Reformbewertung mit:

  1. Einer fachlich korrekten Darstellung des geltenden EU-Entscheidungssystems.
  2. Einem Vergleich von mindestens zwei belegten Reformansätzen.
  3. Einer Anwendung der Kriterien Legitimation, Handlungsfähigkeit, Subsidiarität und Akteursinteressen.
  4. Einer Quellenkritik mit nachvollziehbaren Belegen und benannten Grenzen.
  5. Einem eigenständigen Sachurteil sowie einem getrennt formulierten Werturteil.
  6. Einem Gegenargument und einer begründeten Schlussfolgerung, die Menschenwürde und Grundrechte achtet.

Umfang: Richtwert 400–600 Wörter für die Basis; 700–1000 Wörter für die Vertiefung. Die Kriterien gelten für jede politisch vertretbare, rechtlich und sachlich begründete Position.




OERs zum Thema

Wikipedia – Grundlagen der Europäischen Union:

Offizielle Quellen zur fachlichen Prüfung:

  1. EUR-Lex: Vertrag über die Europäische Union, besonders Artikel 2, 5, 20 und 48.
  2. Rat der EU: Qualifizierte Mehrheit, überprüft 2026.
  3. Europäische Union: Wie wird EU-Politik beschlossen?
  4. Europäisches Parlament: Vorschläge zur Vertragsänderung, 2023.
  5. Europäische Kommission: Preparing for a wider European Union, 2026.
  6. EUR-Lex: Verstärkte Zusammenarbeit.
  7. Europäische Kommission: Subsidiaritätskontrolle.

Medien und Rechte: Alle sieben eingebundenen Bilder und Schaubilder stammen aus nachgeprüften Wikimedia-Commons-Dateiseiten. Urheberschaft, Lizenz samt Link, Namensnennung, Materialstand und Alternativtexte stehen unmittelbar an den Medien. Die Abbildungen sind weder amtliche Rechtsquellen noch automatische Nachweise für die politischen Wirkungen eines Reformmodells. Videos stammen von den jeweils angegebenen YouTube-Kanälen und besitzen eigene Textalternativen.

Hinweis zur Offenheit: Die Commons-Lizenzen gelten jeweils für die bezeichneten Medien. Auch frei auffindbare Texte und Videos besitzen eigene Nutzungsbedingungen. Eine Quellenangabe ersetzt keine Lizenzprüfung bei weiterer Verbreitung.



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