Römische Porträtkunst - Kunst


Römische Porträtkunst - Kunst
Römische Porträtkunst - Kunst
Einleitung
Die römische Porträtkunst zeigt Menschen nicht nur so, wie sie aussahen. Sie vermittelt auch Macht, Alter, Erfahrung, Familie und gesellschaftliche Rollen. In diesem aiMOOC lernst Du, römische Porträts zu beschreiben, zu vergleichen und ihre Wirkung zu deuten.
Zielgruppe: Schule, besonders Sekundarstufe I und Kunstunterricht der Klassen 7 bis 10.

Was ist ein römisches Porträt?
Ein Porträt stellt eine bestimmte Person oder einen erkennbaren Personentyp dar. Römische Porträts erscheinen als Büste, Kopf, Statue, Relief, Münzbild oder gemaltes Bildnis.
Viele Werke bestehen aus Marmor oder Bronze. Antike Marmorskulpturen waren häufig farbig gefasst. Heute ist diese Bemalung meist verloren.
Funktionen
- Erinnerungskultur: Porträts hielten das Andenken an Verstorbene und Vorfahren wach.
- Repräsentation: Kleidung, Frisur und Haltung zeigten Rang und gesellschaftliche Rolle.
- Herrscherbild: Kaiserporträts verbreiteten ein politisch gewünschtes Bild des Herrschers.
- Identität: Einzelne Gesichtszüge verbanden persönliche Merkmale mit zeittypischen Idealen.

Zwischen Wirklichkeit und Ideal
Römische Porträts bewegen sich zwischen zwei Polen: wirklichkeitsnaher Charakterisierung und Idealisierung.
Verismus
Der Verismus betont Falten, eingefallene Wangen, harte Gesichtszüge und sichtbare Altersspuren. Besonders in der späten Römischen Republik konnten solche Merkmale Erfahrung, Pflichtbewusstsein und Würde ausdrücken.

Beobachtungsfrage: Welche Linien, Flächen und Formen lassen das Gesicht alt, streng oder erfahren wirken?
Idealisierung
Bei der Idealisierung erscheint eine Person jünger, ruhiger, schöner oder übermenschlich. Das Porträt des Augustus verbindet erkennbare Merkmale mit einem zeitlos jugendlichen Herrscherbild.

Beobachtungsfrage: Wie erzeugen glatte Haut, geordnete Haare und ein ruhiger Blick den Eindruck von Kontrolle?
Porträts als politische Bilder
Kaiserporträts waren Teil öffentlicher Kommunikation. Ein festgelegter Porträttypus konnte in vielen Werkstätten kopiert und im Römischen Reich verbreitet werden. So blieb der Herrscher auch an weit entfernten Orten sichtbar.
- Augustus: jugendlich, ruhig und idealisiert
- Vespasian: kräftige, stärker individualisierte Gesichtszüge
- Hadrian: Bart, Locken und Bezug auf griechische Bildung
- Caracalla: angespannter Blick, Kopfdrehung und militärische Entschlossenheit


Frauenporträts und Mode
Bei römischen Frauenporträts sind kunstvolle Frisuren, Schmuck und Kleidung wichtige Zeichen. Haartrachten konnten Mode, sozialen Rang und die Nähe zum Kaiserhaus ausdrücken. Trotzdem zeigen viele Bildnisse individuelle Merkmale.

Bildvergleich: Vergleiche die Frisur mit heutigen Modebildern. Welche Botschaft wird durch Styling vermittelt?
So analysierst Du ein Porträt
- Beschreibung: Material, Größe, Blickrichtung, Haltung, Frisur, Kleidung und Zustand benennen.
- Formanalyse: Linien, Flächen, Licht, Schatten, Oberfläche und Kopfdrehung untersuchen.
- Ausdruck: ruhig, streng, würdevoll, jung, erfahren oder angespannt begründet zuordnen.
- Deutung: Vermuten, welches Bild von der Person vermittelt werden soll.
- Kontext: Auftraggeber, Aufstellungsort, Zeit und politische Funktion berücksichtigen.
Merksatz
Ein römisches Porträt zeigt nicht einfach ein Gesicht. Es gestaltet eine öffentliche oder private Identität.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet der Verismus in der römischen Porträtkunst? (Die betonte Darstellung von Alter und individuellen Gesichtszügen) (!Die vollständige Abstraktion des menschlichen Gesichts) (!Die ausschließliche Darstellung von Göttern) (!Die farblose Bemalung von Tempelwänden)
Welche Wirkung erzeugen viele Augustusporträts? (Jugendliche Ruhe und überzeitliche Herrschaft) (!Zufällige Alltagskomik) (!Körperliche Erschöpfung ohne politische Aussage) (!Vollständige Anonymität)
Welche Aufgabe hatten Kaiserporträts häufig? (Sie verbreiteten ein gewünschtes Herrscherbild) (!Sie dienten nur als private Zeichenübungen) (!Sie ersetzten alle schriftlichen Gesetze) (!Sie wurden ausschließlich in Gräbern verborgen)
Was ist eine Büste? (Eine Darstellung von Kopf und Oberkörper) (!Eine Landschaft in Vogelperspektive) (!Ein vollständig bemaltes Wohnhaus) (!Eine antike Theatermaske aus Stoff)
Warum sind Frisuren bei römischen Frauenporträts wichtig? (Sie können Mode, Rang und Zeitgeschmack anzeigen) (!Sie verdecken immer die Identität) (!Sie zeigen ausschließlich religiöse Verbote) (!Sie bestehen grundsätzlich aus Metall)
Welches Merkmal ist für viele Bildnisse Hadrians typisch? (Ein Bart als Teil seines Herrscherbildes) (!Eine moderne Brille) (!Ein mittelalterlicher Kronreif) (!Ein vollständig verhülltes Gesicht)
Wie wirkt Caracalla in seinem bekannten Porträttyp häufig? (Angespannt und entschlossen) (!Schlafend und unbekümmert) (!Kindlich verspielt) (!Völlig ausdruckslos)
Aus welchem Material bestehen viele erhaltene römische Porträts? (Marmor) (!Kunststoff) (!Pappe) (!Gummi)
Was bedeutet Idealisierung im Porträt? (Eine Person wird nach einem gewünschten Ideal gestaltet) (!Das Werk wird absichtlich unsichtbar gemacht) (!Jede Ähnlichkeit wird durch Schrift ersetzt) (!Das Material bleibt grundsätzlich unbearbeitet)
Welcher Schritt gehört zu einer begründeten Bildanalyse? (Beobachtungen mit einer Deutung verbinden) (!Nur den Namen des Kaisers auswendig nennen) (!Das Werk ohne Betrachtung bewerten) (!Ausschließlich die Größe schätzen)
Memory
| Verismus | betonte Alters- und Lebensspuren |
| Idealisierung | Gestaltung nach einem gewünschten Ideal |
| Büste | Kopf mit oberem Körperabschnitt |
| Porträttypus | wiederholbares Bildschema |
| Grabrelief | Erinnerung an Verstorbene |
| Münzbild | weit verbreitetes Herrscherzeichen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Veristische Bürgerbildnisse | Römische Republik |
| Jugendliche Herrscheridealisierung | Prinzipat des Augustus |
| Aufwendige Hochfrisuren | Flavische Dynastie |
| Bart und griechischer Bildungsbezug | Hadrianische Zeit |
| Angespannte Mimik und energische Wendung | Soldatenkaiserzeit |
Kreuzworträtsel
| Verismus | Wie heißt die Stilrichtung mit stark betonten Alters- und Lebensspuren? |
| Augustus | Welcher erste römische Kaiser wurde oft zeitlos jugendlich dargestellt? |
| Büste | Wie heißt eine Darstellung aus Kopf und oberem Körperabschnitt? |
| Marmor | Welcher Stein wurde häufig für römische Porträts verwendet? |
| Hadrian | Welcher Kaiser ließ sich regelmäßig mit Bart darstellen? |
| Caracalla | Welcher Kaiser erscheint häufig mit angespannter Mimik und gedrehtem Kopf? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Gesichtsmerkmale: Markiere auf einer Abbildung fünf Merkmale, die Alter, Jugend, Ruhe oder Anspannung zeigen.
- Porträtvergleich: Vergleiche ein veristisches Männerporträt mit einem Augustusporträt in einer Tabelle.
- Mimikstudie: Zeichne drei kleine Gesichter mit den Wirkungen ruhig, streng und entschlossen.
- Museumsschild: Verfasse ein Schild mit höchstens 60 Wörtern zu einem Porträt aus diesem Kurs.
Standard
- Bildanalyse: Schreibe eine gegliederte Analyse zu Material, Form, Ausdruck, Funktion und Wirkung.
- Herrscherbild: Gestalte ein modernes Wahlplakat und erkläre anschließend die Gemeinsamkeiten mit einem Kaiserporträt.
- Frisur und Identität: Untersuche, wie Frisuren in Antike und Gegenwart Zugehörigkeit oder Status vermitteln.
- Münzgestaltung: Entwirf eine Münze mit Porträt, Symbol und kurzer Botschaft für eine erfundene Person.
Schwer
- Propaganda: Diskutiere, wann ein Porträt von Repräsentation zu Propaganda wird, und nutze zwei Beispiele.
- Porträttypologie: Ordne vier Kaiserbildnisse nach sichtbaren Merkmalen und begründe Deine Reihenfolge.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Schulausstellung mit Titel, Raumfolge, Objekttexten und Mitmachstation.
- Erklärvideo: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Video zur Frage, wie Macht durch Gesichter dargestellt wird.


Lernkontrolle
- Unbekanntes Porträt deuten: Du siehst einen Marmorkopf mit tiefen Falten und strengem Mund. Entwickle zwei mögliche Deutungen und erkläre, welche Beobachtungen sie stützen.
- Bildstrategie vergleichen: Vergleiche ein jugendlich idealisiertes Herrscherbild mit einem heutigen offiziellen Pressefoto. Untersuche Auswahl, Inszenierung und Zielgruppe.
- Rekonstruktion: Eine antike Büste war ursprünglich farbig. Beschreibe, wie eine Farbigkeit die heutige Wirkung verändern könnte.
- Kontextwechsel: Erkläre, wie dasselbe Porträt in einem Forum, einem Privathaus und einem Grab jeweils anders verstanden werden kann.
- Urteil bilden: Beurteile die Aussage „Ein realistisches Porträt ist automatisch wahrer als ein idealisiertes Porträt“ mit Argumenten und Beispielen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du:
- die Begriffe Porträt, Büste, Verismus, Idealisierung und Porträttypus sicher anwenden,
- sichtbare Merkmale genau beschreiben,
- Form, Ausdruck und Wirkung miteinander verbinden,
- private Erinnerung und politische Repräsentation unterscheiden,
- ein römisches Porträt selbstständig analysieren und begründet deuten,
- einen Vergleich zu heutigen Medienbildern herstellen.
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