Praxisauftrag und Kompetenzcheck - Geigenbauer - 3. Ausbildungsjahr
Einleitung
Du arbeitest im dritten Ausbildungsjahr im Geigenbau und bearbeitest einen zusammenhängenden, fiktiven Werkstattauftrag vom ersten Kundengespräch bis zur dokumentierten Übergabe. Dein Jahresprojekt verbindet vier Lernfelder des KMK-Rahmenlehrplans: LF 9 Bögen beziehen, LF 10 Instrumente spielfertig machen, LF 11 Instrumente vermarkten und LF 12 Instrumente reparieren. Du untersuchst ein Streichinstrument und seinen Bogen, grenzt Schäden ein, erstellst einen Arbeits- und Kostenplan, leitest begründete Entscheidungen ab, prüfst die Spielbarkeit und erklärst das Ergebnis fachgerecht. Der Kompetenzcheck prüft berufliche Entscheidungen und nicht allgemeine Lernmethoden.
Lernziel: Du kannst einen berufstypischen Auftrag analysieren, planen, nach Freigabe fachlich und sicher bearbeiten, anhand vereinbarter Merkmale prüfen und nachvollziehbar dokumentieren. Bei gefährlichen oder irreversiblen Tätigkeiten arbeitest du ausschließlich unter befugter Fachaufsicht; wenn das nicht möglich ist, verwendest du Fotos, Zeichnungen, einen Übungsbogen ohne Spannung oder eine digitale Simulation. Dieser Kurs ersetzt weder eine Unterweisung noch den betrieblichen Ausbildungsplan, den einschlägigen Landeslehrplan oder Vorgaben der zuständigen Handwerkskammer. Er ist keine amtliche Prüfung oder Zulassung.
Historische Museums-Reparaturwerkstatt: Welche Informationen, Werkzeuge und Prüfschritte benötigt ein heutiger Kundenauftrag? Foto: Thomas Quine, CC BY 2.0; Nachweis im OER-Abschnitt.
Auftrag klären und den Informationsfluss sichern
Vollständige berufliche Handlung
Ein Auftrag beginnt mit Informieren: Beschwerde und Ziel klären, Instrument und Bogen eindeutig erfassen, Zustand ohne Eingriff prüfen und Risiken markieren. Es folgen Planen (Verfahren, Material, Schutzmaßnahmen und Termine), Entscheiden (mit Fachaufsicht und Kundschaft über Umfang, Alternativen und Preis), Ausführen (nur freigegebene Arbeiten), Kontrollieren (Messwerte, Klang, Funktion) und Bewerten (Rückmeldung, Dokumentation, Verbesserung). Ein Auftragsbogen bildet die Schnittstelle zwischen Verkauf, Werkstatt, Materiallager und Qualitätskontrolle. Jede Statusänderung sollte zuordenbar und nachvollziehbar sein.
Eine gute Fehlerbeschreibung trennt Beobachtung, vermutete Ursache und Maßnahme: „A-Saite rutscht beim Stimmen wiederholt zurück“ ist eine Beobachtung; „Wirbel sitzt nicht ausreichend sicher“ ist zunächst eine Hypothese; „Wirbel und Wirbelkasten unter Aufsicht prüfen“ ist die nächste Maßnahme. Wer vor dem Befund bereits Leim, Reibmittel oder Werkzeuge einsetzt, riskiert unnötige Eingriffe. Prüfe, ob die Beschwerde bei Leer- und gegriffenen Saiten, bei unterschiedlichen Bogendrücken oder nur in einer bestimmten Haltung auftritt. Dokumentiere Tests reproduzierbar.
Digitale Auftragsakte und Datenschutz
Ein didaktischer Datensatz enthält eine synthetische Auftragsnummer, Instrumententyp, anonymisierten Zustandsbericht, genehmigte Arbeitsschritte, Materialchargen, Arbeitszeiten, Prüfergebnisse und Übergabeprotokoll. Ein Foto sollte den Defekt und eine neutrale Messskala zeigen, aber keine Gesichter, Klarnamen, Kontaktangaben, Seriennummern mit Personenbezug oder fremde Innenräume. Zugang, Zugriffsrechte, sichere Speicherung und Löschfristen richten sich nach Betriebsregelung und Datenschutzrecht. Die Datenschutz-Grundverordnung fordert unter anderem Datenminimierung. Generative Dienste erhalten keine vertraulichen Betriebs- oder Kundendaten.
Materialfluss: Entnahme dokumentieren, Zustand und Herkunft prüfen, eindeutig zuordnen, Reste sachgerecht lagern oder entsorgen. Informationsfluss: Änderung der Diagnose führt zur Rücksprache, gegebenenfalls zu einer neuen Freigabe und erst danach zur Ausführung. Typischer Fehler: Ein Ersatzteil wird verbucht, aber nicht der konkreten Arbeitsposition zugeordnet; dadurch werden Preis und spätere Reklamation unklar.
Bögen beziehen und sicher prüfen – LF 9
Baugruppen, Material und Fehlerbilder
Beim Geigenbogen bilden Stange, Kopf, Frosch, Beinchen beziehungsweise Schraube und Haarbezug eine funktionelle Einheit. Der Frosch hält das hintere Haarende und gleitet beim Spannen; die Schraube verändert die Haarspannung. Kolophonium erhöht die Reibung zwischen Haar und Saite. Vor einem neuen Bezug werden Stange, Kopf, Frosch, Keile und Gewinde auf Beschädigungen geprüft. Typische Befunde sind verschmutzter oder ungleichmäßiger Bezug, gerissene Haare, seitlich verzogene Haarbahn, festsitzende Schraube oder Risse am Kopf. Ein gerissener Bogenkopf ist kein gewöhnlicher Haarwechsel: Arbeit stoppen und fachliche Reparaturentscheidung einholen.

Bogenbauteile mit englischer Originalbeschriftung; ordne sie Frosch, Schraube und Haarbezug zu. Kbh3rd, CC BY-SA 3.0.
Historischer Bogen als Vergleichsobjekt; Maße und Materialien sind nicht als heutige allgemeingültige Sollwerte zu übernehmen. Metropolitan Museum of Art, CC0.
Arbeitsfolge, Qualität und sichere Alternative
Der Arbeitsplan zur Befundaufnahme lautet: Bogen identifizieren und Sichtzustand protokollieren; trockenes Haarbild und mechanische Funktion ohne Gewalt beurteilen; Risiken und geschützte Werkstoffe bestimmen; passenden Bezug samt Herkunftsnachweis planen; unter Fachaufsicht entlasten, alten Bezug entfernen, neuen Bezug fachgerecht befestigen, gleichmäßig verteilen und Spannung prüfen; Spielprobe und Dokumentation anschließen. Die konkrete Befestigung und Werkzeugführung richten sich nach betrieblicher Unterweisung, Bauart und Material. Scharfe Werkzeuge, gespannte Teile und historische Materialien gehören ausschließlich in fachkundige Hände.
Prüfkriterien: Haarband verläuft bei geeigneter Spannung gleichmäßig, Frosch bewegt sich leichtgängig, Schraube arbeitet ohne Blockieren, die Stange zeigt keinen neuen Schaden, der Bogen spricht auf einem geeigneten Testinstrument an. Die Zahl der Haare ist kein universeller Qualitätswert; geeignete Menge und Stärke hängen vom Bogen ab. Eine häufige Fehlentscheidung ist, asymmetrischen Haarzug durch übermäßiges Spannen kaschieren zu wollen. Sichere Modellalternative: Lege Papierstreifen oder Fäden parallel zwischen zwei unbelastete Halter und prüfe geraden Verlauf, Symmetrie und Dokumentation ohne echte Bogenspannung.
Instrumente spielfertig machen – LF 10
Funktion von Steg, Stimmstock und Saitenführung
Bei der Violine überträgt der Steg die Schwingungen der Saiten auf die Decke und wird nicht festgeklebt. Seine Füße müssen zur Deckenwölbung passen. Der Stimmstock beziehungsweise die „Stimme“ ist ein kleines Holzstück im Inneren, das zwischen Decke und Boden steht und akustische sowie statische Funktionen erfüllt. Die Saitenlage bezeichnet den Abstand der Saite zum Griffbrett an einer definierten Messstelle. Weder Steghöhe noch Saitenlage noch Stimmstockposition dürfen ohne Instrumenten-, Saiten- und Spielerbezug als pauschale „Normwerte“ behandelt werden.
Steg und F-Löcher als Sichtmerkmale; die Fußpassung und die Position werden instrumentenspezifisch geprüft. Pascalou petit, CC BY-SA 3.0.

Blick durch das F-Loch auf die Stimme; Einsetzen und Verstellen ausschließlich durch befugte Fachkräfte. Just plain Bill, gemeinfrei.
Diagnostische Prüfsequenz
Vor einer Klangbeurteilung prüfst du unter Anleitung sichtbare Risse, gelöste Verbindungen, Stegstand, Saitenführung über Sattel und Steg, Gang der Wirbel und Feinstimmer sowie die Befestigung von Kinnhalter und Saitenhalter. Eine instrumentenspezifische Messvorgabe wird im Auftragsbogen als Sollwert mit Quelle hinterlegt. Danach werden die Saiten vorsichtig gestimmt und anhand einer wiederholbaren kurzen Tonfolge auf Ansprache, Scheppern, Nebengeräusche, gleichmäßige Tonerzeugung und Spielbarkeit geprüft. Vergleiche vor und nach dem Eingriff möglichst bei gleichen Raumbedingungen und gleicher Testperson; Tonaufnahmen ohne einheitliche Bedingungen erlauben nur eingeschränkte Aussagen.
Fehleranalyse: Scheppern kann etwa mit Saitenlage, lockeren Teilen oder einem Bauteilkontakt zusammenhängen; die erste Vermutung ist noch keine Diagnose. Wird eine instabile Stegstellung, ein Riss oder ein gefallener Stimmstock festgestellt, erfolgt keine weitere eigenmächtige Spannungserhöhung. Sichere Alternative: Markiere an einem Foto oder 3D-Modell die Prüfstellen; vergleiche zwei simulierte Messreihen und entscheide begründet, ob die Freigabe erteilt werden darf.
Reparaturen planen, ausführen und dokumentieren – LF 12
Erhalten vor Ersetzen
Eine Reparatur beginnt mit einer Schadenskarte: Ort, Ausmaß, Stabilität, vermutete Entstehung, Bildbeleg, mögliche Folgeschäden, reversible Prüfungen, notwendige Fachentscheidung. Unterscheide Wartung (z. B. Funktionsprüfung und Pflege), Reparatur (Funktionsfähigkeit wiederherstellen) und Restaurierung (historische Substanz und Erhaltungsziel besonders berücksichtigen). Nicht jeder sichtbare Lackfehler beeinträchtigt die Spielbarkeit. Unnötige Eingriffe an alten Instrumenten können Wert und Substanz mindern. Materialverträglichkeit, Leimwahl und spätere Reversibilität werden vor einer Freigabe mit einer Fachkraft geklärt.
Bauzustand von Hals und Griffbrett: Passungen sind präzise und Änderungen an Originalteilen oft nicht rückgängig zu machen. Kailesh Morar, über Rculatta, CC BY 2.5.
Risikoanalyse für die Werkstatt
Beim Hobeln, Schneiden, Schleifen, Erwärmen und beim Umgang mit Reinigungs- oder Lackstoffen entstehen Risiken durch scharfe Kanten, Staub, Augenverletzungen, Brand, Hautkontakt und Dämpfe. Für Holzstaub sind Gefährdungsbeurteilung und wirksame Stauberfassung erforderlich; die DGUV Information 209-044 erläutert Schutzprinzipien. Bei Chemikalien gelten Betriebsanweisung und aktuelles Sicherheitsdatenblatt, bei Geräten die Herstelleranleitung und erforderliche Unterweisung. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt technische und organisatorische Maßnahmen, ersetzt sie aber nicht. Das gilt auch beim Wechsel von Saiten unter Spannung und beim Arbeiten mit kleinteiligen Werkstoffen.
Entscheidungsregel: Bei unsicherer Werkstoffherkunft, alter unklarer Vorreparatur, statischem Schaden, Riss in der Decke oder unbekanntem Lack erst eine fachkundige Bewertung und schriftliche Freigabe einholen. Bei einem Modellauftrag kann die Reparaturentscheidung allein anhand anonymisierter Fotos, Skizzen und einer Materialkarte begründet werden. Auf ein wertvolles Kundeninstrument wird nicht zu Übungszwecken eingewirkt.
Instrumente vermarkten und Kunden beraten – LF 11
Bedarfsanalyse und transparentes Angebot
In einem Kundengespräch fragst du nach Spielniveau, bevorzugter Klangcharakteristik, Einsatz, Budget, zeitlicher Verfügbarkeit und Art des Auftrags. Wiederhole den Auftrag in eigenen Worten und trenne zugesicherte Leistung von bloßen Erwartungen: „Wir prüfen und dokumentieren die Spielbarkeit“ ist belastbarer als „Die Geige klingt nach der Reparatur garantiert perfekt“. Bei Verkauf und Vermietung gehören sachliche Zustandsbeschreibung, Zubehör, Pflegehinweise, Freigabe für Probespiel und nachvollziehbare Preise dazu. Fotos und Tonbeispiele dürfen nur unter Beachtung der Nutzungsrechte und des Datenschutzes veröffentlicht werden.
Kalkulationsbegriffe: Materialeinzelkosten sind die direkt zuordenbaren Materialpositionen; Arbeitskosten entstehen aus dokumentierter Zeit und intern beziehungsweise vertraglich verwendetem Stundensatz; weitere betriebliche Kosten wie Gemeinkosten, Transport und Zuschläge sind getrennt einzubeziehen, sofern sie nicht bereits im Satz enthalten sind. Netto- und Bruttopreis dürfen nicht verwechselt werden. Der normale Umsatzsteuersatz beträgt nach § 12 UStG derzeit 19 %; ob er für einen konkreten Betrieb und Umsatz tatsächlich anzuwenden ist, muss geprüft werden. Der Kursfall verwendet ausdrücklich frei gewählte Beispielpreise, keine Marktpreise.
Video: Handwerkskammer Region Stuttgart – Selbstständig im Handwerk: Ein Geigenbauer im Porträt. Diskutiere Kundenberatung, Auftragsportfolio und Qualitätsversprechen. Nur verlinkt/eingebettet, keine offene Videolizenz behauptet.
Video: Die Klangwerkstatt München – Werkstatt-Imagefilm. Achte darauf, wie Neubau, Reparatur, Bogenbezug und Vermietung als Leistungen beschrieben werden. Nur verlinkt/eingebettet, keine offene Videolizenz behauptet.
Nachhaltigkeit, Artenschutz und Digitalisierung
Die Werkstatt wählt langlebige, reparierbare Produkte, reduziert Materialausschuss und dokumentiert Herkunft und Lagerung von Hölzern sowie Naturmaterialien. Besonders bei geschützten Arten und Fernambuk müssen aktuelle Handels- und Nachweispflichten anhand der Informationen des Bundesamts für Naturschutz und der geltenden Vorschriften zum Zeitpunkt des konkreten Vorgangs geprüft werden. Die völkerrechtlich geänderte Fernambuk-Annotation ist seit 5. März 2026 in Kraft; ihr Verhältnis zum aktuellen EU-Vollzug muss getrennt betrachtet werden. Keine ungesicherte Pauschalaussage wie „jeder Bogen darf frei verkauft werden“. Digitale Warenwirtschaft, Messprotokolle und Versionsstände können Transparenz schaffen; Kundenidentitäten gehören nicht in öffentliche Portfolios oder KI-Dienste.
Jahresprojekt: vom Befund zum prüfbaren Ergebnis
Vollständig erläuterter Praxisfall: Auftrag V-03
Synthetischer Auftrag: Eine fiktive Musikerin meldet unzuverlässiges Stimmen, eine verbrauchte Saite, Zweifel am Stegstand und schlecht ansprechende Bogenhaare. Das Instrument ist eine gewöhnliche Übungsvioline ohne Hinweise auf historische oder geschützte Substanz; dies ist eine Fallannahme, keine echte Herkunftsprüfung. Die Werkstatt übernimmt zunächst nur Diagnose und kalkulierte Wartung; Reparaturen an Rissen oder an der Stimme bleiben gesonderter Fachentscheid. Fachaufsicht und Kundenfreigabe liegen für die geplanten Aufgaben im Beispielszenario vor. Die vier Lernfelder sind verbunden: Bogenbefund und Haarbezug, Spielfertigmachen, Reparaturentscheidung und Angebot mit Übergabe.
Arbeitsplan als vollständige Handlung:
| Phase | Tätigkeit | Prüffähiger Nachweis | Sicherheits- und Entscheidungspunkt |
|---|---|---|---|
| Aufnehmen | Beschwerden getrennt von Hypothesen erfassen; anonymisierte Fotos | Befundbogen V-03 und zwei Fotos | Sichtbarer Riss: Stopp und Fachprüfung |
| Planen | Material und Arbeitsschritte zuordnen; Zeitbedarf kalkulieren | Freigabeliste, Materialkarte, Angebot | Saitenspannung und Werkzeuge beurteilen |
| Entscheiden | Alternativen sowie voraussichtliche Kosten erläutern | Fiktive Auftragserteilung mit Leistungsgrenze | Mehrarbeit nur nach Rücksprache |
| Ausführen | Geeignete Saiten und Wirbel funktional prüfen, Stegstellung fachlich beurteilen, Bogen fachgerecht neu beziehen | Zeit- und Materialprotokoll | Eingriffe ausschließlich unter Fachaufsicht |
| Kontrollieren | Erneut stimmen, kurze Tonfolge und Bogenansprache vergleichen, Oberflächen sichtprüfen | Vorher-Nachher-Prüfbogen | Abweichungen führen zur Nachprüfung |
| Auswerten | Ergebnis, Pflegeempfehlung, Restunsicherheit und Übergabe dokumentieren | Übergabeprotokoll und Reflexion | Keine unbelegten Klangversprechen |
Fachrechnen: nachvollziehbare Beispielkalkulation
Die Werkstatt plant 0,50 Stunden für Aufnahme und Diagnose, 0,75 Stunden für die Wirbel- und Saitenprüfung, 0,75 Stunden für das Spielfertigmachen, 1,50 Stunden für den beaufsichtigten Bogenbezug und 0,50 Stunden für Kontrolle und Dokumentation. Summe: 0,50 + 0,75 + 0,75 + 1,50 + 0,50 = 4,00 Stunden. Mit einem fiktiven Netto-Stundensatz von 52,00 € ergeben sich 4,00 × 52,00 € = 208,00 € Arbeitsleistung. Angenommene Einzelmaterialkosten: Saitensatz 34,00 €, Rosshaar 12,00 €, Verbrauchskleinteile 4,00 €, zusammen 50,00 €. Für diesen vereinfachten Schulfall sind Gemeinkosten im Beispielsatz enthalten; besondere Zuschläge oder Transport fallen nicht an. Nettoangebot: 208,00 € + 50,00 € = 258,00 €. Bei angenommenen 19 % Umsatzsteuer: 258,00 € × 0,19 = 49,02 €. Bruttoangebot: 258,00 € + 49,02 € = 307,02 €. Rechne stets mit vollständigen Centbeträgen und benenne den Steuerstatus des Betriebs. Wird die Arbeit um 0,50 Stunden erweitert, ist das eine zusätzliche Netto-Arbeitsposition von 26,00 €; im Beispiel darf sie nicht stillschweigend ausgeführt oder abgerechnet werden, sondern erfordert Klärung und Freigabe.
Ein weiterer Messvergleich dient der Fehleranalyse, ohne falsche Sollwerte vorzugeben: Die fiktive betrieblich freigegebene Dokumentation nennt für eine definierte Prüfstelle 4,0 mm als Einzelfall-Zielwert. Vorher sind 4,6 mm protokolliert; die Abweichung beträgt 4,6 mm − 4,0 mm = 0,6 mm, entsprechend 0,6 ÷ 4,0 × 100 = 15 % über dem Fallziel. Daraus folgt keine automatische Materialabnahme: Erst Ursache, Messmethode, Toleranz, Instrumenttyp und zuständige Fachentscheidung prüfen. Die Werte sind keine allgemeine Norm zur Saitenlage.
Qualitätsraster und Abnahme
Bewerte jedes Kriterium mit 0 = fehlt oder gefährlich, 1 = lückenhaft, 2 = fachlich nachvollziehbar oder 3 = fachlich überzeugend und vollständig belegt. Das Raster ist ein didaktisches Beispiel; betriebliche oder kammerrechtliche Prüfungsmaßstäbe haben Vorrang.
| Kriterium | Erwarteter Nachweis | Punkte |
|---|---|---|
| Auftrags- und Fehleranalyse | Beobachtung, Ursache als Hypothese, Rückfrage und Abgrenzung | 0–3 |
| Arbeits- und Schutzplanung | Freigabe, Werkstoffzuordnung, sichere Reihenfolge und Stoppregel | 0–3 |
| Bogen und Instrument | Fachlich begründeter Bezug und spielfertiger Zustand oder vollständige sichere Simulation | 0–3 |
| Reparaturentscheidung | Substanzerhalt und Eskalation bei unbekannten Schäden | 0–3 |
| Kalkulation und Beratung | Rechenweg, Preisbestandteile, Änderungsfreigabe und kundenverständliche Erklärung | 0–3 |
| Qualitätsprüfung | Reproduzierbarer Vorher-Nachher-Befund und begründete Abnahme | 0–3 |
| Dokumentation, Nachhaltigkeit und Datenschutz | Materialherkunft, anonymisierte Akte, Reflexion und Pflegehinweis | 0–3 |
Höchstens 21 Punkte. Für den Kompetenznachweis dürfen keine sicherheitskritischen Mängel bei Planung oder Ausführung bestehen, auch dann nicht, wenn die übrige Gesamtpunktzahl hoch ist. Als Lernzielindikator empfiehlt sich eine mit der ausbildenden Fachkraft vereinbarte Zielpunktzahl; dies ist keine amtliche Bestehensgrenze. Das prüfbare Arbeitsergebnis ist ein freigegebenes, dokumentiert geprüftes Instrument-Bogen-Paar beziehungsweise ein gleichwertiges Simulationsdossier mit Befund, Arbeitsplan, Messprotokoll, Rechenblatt, Übergabetext und begründeten Entscheidungen.
Sichere Praxisalternative und Reflexion
Wenn keine befugte Aufsicht, keine geeigneten Werkzeuge oder keine geprüften Materialien bereitstehen, bleibt das echte Instrument unangetastet. Verwende stattdessen ein beschriftetes Foto- oder Kartonmodell der Geige, einen unbelasteten Fadenstreifen als Haarbandmodell und vom Ausbildungsteam bereitgestellte synthetische Mess- und Kostendaten. Simuliere die sechs Phasen, berechne das Angebot, markiere Gefahrenstellen, dokumentiere Abbruchentscheidungen und erstelle eine Übergabe für Auftrag V-03. Bewerte abschließend: Welche Annahme wurde bestätigt oder widerlegt? Welche Arbeit wäre angesichts Risiko und Materialwert unvertretbar? Welche Änderung verbessert den Ablauf, ohne den Charakter des Instruments zu verfälschen?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Fachwissen anwenden
Wodurch ist eine dokumentierte Fehleranalyse am Wirbel von einer voreiligen Reparatur zu unterscheiden? (Durch getrennte Beschreibung von Symptom, Ursachenhypothese und freigegebener Prüfung) (!Durch sofortige Anwendung eines beliebigen Reibmittels) (!Durch Austausch aller Wirbel ohne Zustandsaufnahme) (!Durch eine Preiszusage ohne Funktionsprüfung)
Welche Funktion hat der Frosch am üblichen Geigenbogen? (Er hält das hintere Haarende und ermöglicht die Veränderung der Haarspannung) (!Er stützt den Stimmstock im Violinkorpus) (!Er klebt den Steg dauerhaft an die Decke) (!Er ersetzt beim Spielen das Kolophonium)
Welche Feststellung erfordert beim geplanten Bogenbezug zunächst eine gesonderte Fachentscheidung? (Ein sichtbarer Riss am Bogenkopf) (!Gleichmäßig gealterte Bogenhaare) (!Ein unbeschädigter Frosch mit leichtgängiger Schraube) (!Ein dokumentierter Wunsch nach neuem Haarbezug)
Warum ist die Stimmstockposition bei einer spielfertigen Violine besonders sensibel? (Sie beeinflusst Schwingungsübertragung und statische Beanspruchung des Korpus) (!Der Stimmstock dient nur als sichtbare Verzierung) (!Er wird stets von außen festgeschraubt) (!Er legt allein den Verkaufspreis des Instruments fest)
Welche Aussage zur Saitenlage ist fachlich tragfähig? (Sie wird an einer definierten Stelle gemessen und instrumentenspezifisch bewertet) (!Für alle Violinen gilt immer derselbe Millimeterwert) (!Eine hohe Saitenlage beweist allein einen Riss im Boden) (!Die Saitenlage lässt sich ohne Bezug zur Spielbarkeit bewerten)
Was ist bei einer ungeklärten Deckenrissbildung die sichere erste Entscheidung? (Die Arbeit stoppen und Befund sowie Reparaturumfang fachkundig klären) (!Den Riss ohne Rückfrage mit Sekundenkleber füllen) (!Die Saiten stärker spannen und die Probe fortsetzen) (!Den Schaden in der Auftragsakte auslassen)
Wie hoch sind im Modellfall die Netto-Arbeitskosten für vier Stunden zu je 52 Euro? (208 Euro) (!202 Euro) (!258 Euro) (!307 Euro)
Welcher Netto-Gesamtbetrag entsteht aus 208 Euro Arbeit und 50 Euro Einzelmaterial? (258 Euro) (!208 Euro) (!247 Euro) (!307 Euro)
Was ist bei einem Bogen mit möglicherweise geschütztem Fernambukholz vor dem Verkauf nötig? (Die aktuell geltenden Nachweis- und Handelsregeln anhand der Materialherkunft prüfen) (!Artenschutz grundsätzlich ignorieren sobald der Bogen alt ist) (!Eine fehlende Herkunftsdokumentation durch Schätzen ersetzen) (!Jeden Bogen ohne weitere Prüfung als frei handelbar bezeichnen)
Wie wird ein Vorher-Nachher-Klangtest am ehesten aussagekräftig? (Durch vergleichbare Prüfbedingungen und protokollierte Beobachtungen) (!Durch andere Saiten und andere Räume bei jedem Durchlauf) (!Durch alleinige Bewertung der Lautstärke einer beliebigen Handyaufnahme) (!Durch Verzicht auf eine dokumentierte Ausgangsprüfung)
Memory: Fachbegriffe und Funktionen
| Frosch | Bewegliches Bogenbauteil am hinteren Haarende |
| Kolophonium | Harzprodukt zur Erhöhung der Reibung von Bogenhaar und Saite |
| Stimmstock | Innere Verbindung zwischen Decke und Boden mit akustischer Funktion |
| Steg | Auflage und Schwingungsüberträger der Saiten auf die Decke |
| Saitenlage | Abstand zwischen Saite und Griffbrett an einer definierten Messstelle |
| Materialkarte | Dokumentation von Herkunft und Einsatz einzelner Werkstoffe |
Drag-and-drop: Arbeitsphase und Nachweis
| Ordne die Phase der beruflichen Handlung zu. | Nachweis oder Maßnahme |
|---|---|
| Informieren | Beschwerden und Ausgangszustand ohne Eingriff aufnehmen |
| Planen | Arbeitsschritte und Schutzmaßnahmen festlegen |
| Entscheiden | Leistungsumfang und Änderungen freigeben lassen |
| Kontrollieren | Nacharbeit anhand dokumentierter Kriterien prüfen |
| Bewerten | Abweichungen erklären und Verbesserungen festhalten |
Kreuzworträtsel: Werkstatt und Auftrag
| Frosch | Welches Bogenbauteil hält das hintere Ende des Haarbezugs? |
| Steg | Welches Bauteil überträgt die Schwingungen der Saiten auf die Decke? |
| Wirbel | Welches Teil dient zum Einstimmen der Saiten im Wirbelkasten? |
| Stimmstock | Welcher innere Holzstab verbindet Decke und Boden? |
| Kolophonium | Welches Harz verbessert die Reibung zwischen Haar und Saite? |
| Mensur | Wie heißt eine festgelegte bauliche Längenbeziehung am Streichinstrument? |
LearningApps: Fachbegriffe wiederholen
Suche passende fachliche Zuordnungsübungen und überprüfe ihre fachliche Richtigkeit vor der Verwendung. Die Suche ersetzt keine eigens geprüfte Aufgabe.
Lückentext: Vom Befund zur Freigabe
Offene Aufgaben
Leicht
- Bogenbestandteile: Beschrifte an einem nachweislich frei nutzbaren Foto Kopf, Stange, Frosch, Schraube und Haarband und erläutere deren Funktionen in je einem Fachsatz.
- Fehlerprotokoll: Formuliere drei Beobachtungen zur fiktiven Übungsvioline und trenne jede Beobachtung von einer prüfbaren Ursachenhypothese.
- Gefahrenkarte: Markiere auf einer Werkstatt-Skizze je eine Gefahr durch scharfe Werkzeuge, Holzstaub, gespannte Saiten und Lackstoffe und ordne sichere Maßnahmen zu.
- Messblatt: Rechne für den Modellwert 4,6 mm und den ausdrücklich nur im Fall geltenden Zielwert 4,0 mm die absolute Abweichung aus und begründe die notwendige fachliche Freigabe.
Standard
- Annahmegespräch: Verfasse einen sachlichen Dialog für Auftrag V-03 mit drei Rückfragen, einer klaren Leistungsgrenze und einer datensparsamen Auftragsbestätigung.
- Arbeitsfolge: Erstelle eine geordnete Material- und Arbeitsliste für Saitenkontrolle, begutachteten Stegstand und Bogenbezug; markiere alle nur beaufsichtigt zulässigen Schritte.
- Kostenblatt: Rechne das Netto- und Bruttoangebot mit den Fallpreisen vollständig nach und erkläre, wie eine zusätzliche halbe Stunde kostenmäßig und kommunikativ zu behandeln ist.
- Abnahmeprotokoll: Entwirf eine wiederholbare Prüfung für Stimmung, Nebengeräusche, Bogenlauf und Oberflächenzustand mit Ausgangs- und Endbefund.
Schwer
- Fallkonferenz: Vergleiche drei Handlungsoptionen bei einem vermuteten Deckenriss nach Eingriffstiefe, möglicher Reversibilität, Risiko, Substanzerhalt und Zustimmung; entscheide begründet ohne echten Eingriff.
- Materialnachweis: Entwickle eine Prüfliste für die geplante Vermarktung eines älteren Bogens unbekannter Holzart mit aktuellen Nachweispflichten und Abbruchkriterien; nutze die BfN-Quellen statt pauschaler Aussagen.
- Variantenangebot: Erstelle zwei kundenverständliche Angebotsvarianten mit eindeutig ausgewiesenen Positionen, realistischen Risiken, alternativen Materialien und nachvollziehbarer Kalkulation; nutze nur fiktive Daten.
- Jahresprojektdossier: Bearbeite Auftrag V-03 in allen sechs Phasen; liefere Arbeitsplan, Risikoanalyse, Simulation oder beaufsichtigtes Ergebnis, Rechenblatt, Prüfung, Bewertungsraster und begründete Reflexion als zusammenhängendes Portfolio.


Lernkontrolle
- Transferfall Wirbel: Ein Ton fällt wiederholt ab, während die Saite äußerlich unbeschädigt wirkt. Leite mehrere mögliche Ursachen, eine sichere Prüfreihenfolge und ein Kriterium für den Arbeitsstopp ab.
- Transferfall Bogen: Ein Bogen zeigt ungleichmäßige Haare und einen schwer beweglichen Frosch. Plane Untersuchung und Entscheidung, erkläre warum bloßes Nachspannen nicht genügt und beschreibe die harmlose Modellvariante.
- Transferfall Klang: Die Kundschaft meldet nach einer Wartung neue Nebengeräusche. Trenne drei prüfbare Hypothesen und entwickle einen Vorher-Nachher-Vergleich mit Grenzen der Aussagekraft.
- Transferfall Kalkulation: Rechne aus dem Modell-Nettoangebot von 258,00 € ein Bruttoangebot bei angenommener Regelbesteuerung und begründe, warum eine nicht vereinbarte Arbeitsmehrzeit gesondert zu behandeln ist.
- Transferfall Herkunft: Bei einem historischen Bogen ist die Holzart unsicher. Erkläre den Zusammenhang aus Substanzerhalt, Nachweispflichten, Materialfluss und verantwortlicher Verkaufsberatung.
- Transferfall Abnahme: Das Dossier enthält sehr gute Fotos, aber keine dokumentierte fachliche Freigabe für einen kritischen Arbeitsschritt. Bewerte dies mithilfe des Rasters und begründe, warum eine hohe Punktesumme Sicherheit nicht ersetzen kann.
Lernnachweis
Als konkreten fachlichen Lernnachweis reichst du ein vollständig anonymes Dossier zu Auftrag V-03 ein: erstens Befund mit begründeter Fehlerhypothese; zweitens zeitlich und sicherheitstechnisch geordneter Arbeitsplan mit Materialfluss; drittens begründete Entscheidung und dokumentierte Freigabe im Simulationsfall; viertens beaufsichtigtes Arbeitsergebnis oder eine gleichwertige, unbelastete Simulation; fünftens rechnerisch korrektes Angebot; sechstens wiederholbares Qualitätsprotokoll; siebtens kundenverständliche Übergabe und Reflexion. Die Fachkraft beurteilt anhand des 21-Punkte-Rasters, ob Diagnostik, Handwerk, Fachrechnen, Kommunikation und Sicherheit zusammenpassen. Prüfe nicht nur, was gemacht wurde, sondern warum dieser Eingriff erforderlich, vertretbar und kontrollierbar war. Veröffentlichte Beispiele enthalten ausschließlich erfundene Daten und freigegebene Medien.
OER und Wikipedia
Geprüfte fachliche Ausgangsquellen (Abruf Oktober 2026):
- BIBB – Berufsprofil Geigenbauer/Geigenbauerin: Zuständigkeit Handwerk, dreijährige Ausbildung, Tätigkeitsprofil und Verweise auf Ordnungsmittel.
- Geigenbauerausbildungsverordnung – GbAusV: verbindliche Ausbildungsordnung einschließlich Ausbildungsrahmenplan; keine vollständigen Gesetzestexte übernommen.
- Kultusministerkonferenz – Rahmenlehrpläne: Geigenbau mit LF 9 bis LF 12 im dritten Ausbildungsjahr; konkrete Umsetzung im Bundesland und Betrieb prüfen.
- DGUV Information 209-044 – Holzstaub: Gefährdungsbeurteilung und Staubminderung; gültige betriebliche Regelungen ergänzen.
- Bundesamt für Naturschutz – Musikinstrumente und BfN – Fernambuk: aktuelle Arten- und Nachweisfragen, einschließlich der 2026 geänderten CITES-Annotation; EU-Rechtslage für den konkreten Vorgang prüfen.
- § 12 UStG und Datenschutz-Grundverordnung: Kontext für die vereinfachte Modellkalkulation und datensparsame Auftragsbearbeitung.
- Handwerkskammer Region Stuttgart – Videoporträt und Die Klangwerkstatt München – Imagefilm: deutschsprachige Praxisbeispiele zur Vermarktung und zum Dienstleistungsangebot; die Videoinhalte sind nicht als offen lizenziert ausgewiesen.
Verifizierte Wikimedia-Commons-Bilder – Dateiname, Urheber, Lizenznachweis:
| Eingebettete Datei | Commons-Quellseite | Urheber laut Dateiseite | Lizenz und Rechtebeleg |
|---|---|---|---|
| File:Instrument repair workshop, MfM.Uni-Leipzig.jpg | Quelle | Thomas Quine | CC BY 2.0 |
| File:Violin bow parts.jpg | Quelle | Kbh3rd | CC BY-SA 3.0 |
| File:Violin Bow MET 256002.jpg | Quelle | Metropolitan Museum of Art | CC0 1.0 |
| File:Violin bridge fholes.JPG | Quelle | Pascalou petit | CC BY-SA 3.0 |
| File:Violin soundpost.jpg | Quelle | Just plain Bill | Gemeinfrei laut Dateiseite |
| File:A violin scroll and finger board in the making.jpg | Quelle | Kailesh Morar, über Rculatta | CC BY 2.5 |
Bildhinweis: Die sechs Dateien wurden über Commons-Dateiseiten mit Urheber- und Lizenzangaben geprüft; bei Weitergabe oder Bearbeitung die dortigen jeweiligen Bedingungen beachten. Videos sind als Links beziehungsweise Einbettungen fremder Rechteinhaber genutzt, nicht als OER-Dateien zum Kopieren. Materialvorgaben für echte Werkstattarbeiten müssen jeweils aktuell beim Hersteller und im Betrieb geprüft werden.
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