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Paul McCartney - Ebony and Ivory

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Paul McCartney - Ebony and Ivory




Einleitung

Paul McCartney – „Ebony and Ivory“ ist ein 1982 veröffentlichtes Duett von Paul McCartney mit Stevie Wonder. Der Song erschien als Vorab-Single des Albums Tug of War und verbindet eine leicht zugängliche Pop-Komposition mit einer gesellschaftlichen Botschaft: Die schwarzen und weißen Tasten eines Klaviers werden als Bild für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe verwendet. Die Aufnahme wurde von George Martin produziert und gehört zu McCartneys erfolgreichsten Solo-Singles. Sie erreichte sowohl in Großbritannien als auch in den USA Platz 1; in den USA blieb sie sieben Wochen an der Spitze der Billboard Hot 100.[1][2]

Dieser aiMOOC untersucht die Entstehung, den zeitgeschichtlichen Kontext, Stil und Genre, Melodie und Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion, Songform, Textthemen, Bildsprache, Rezeption sowie die Bedeutung des Liedes in McCartneys Werk. Vollständige urheberrechtlich geschützte Liedtexte oder Partituren werden bewusst nicht wiedergegeben. Zitate bleiben sehr kurz; die musikalischen Notenbeispiele mit der MediaWiki-Erweiterung Extension:Score sind selbst erstellte Analyse- und Übungsbeispiele und keine Transkription der geschützten Melodie.

Die Klaviertastatur ist nicht nur Bildmotiv, sondern das zentrale semantische Modell des Songs. Das frei lizenzierte Schaubild oben stammt von Wikimedia Commons und steht unter CC BY 4.0.[3]

Das oben eingebettete Hörbeispiel ist der offizielle 2022-Remaster aus Paul McCartneys offiziellem YouTube-Kanal. Die dortigen Metadaten nennen George Martin als Produzenten sowie Geoff Emerick als Recording- und Mixing-Engineer.[4]


Basisdaten

Merkmal Information
Titel Ebony and Ivory
Interpret Paul McCartney mit Stevie Wonder
Autor Paul McCartney
Produzent George Martin
Erstveröffentlichung der Single 29. März 1982
Album Tug of War
Grundtonart E-Dur
Taktart 4/4
Stil Pop bzw. Soft Rock mit Soul- und Funk-Färbungen, besonders im Mittelteil
Zentrale Aufnahme 28. Februar 1981, AIR Studios, Montserrat
Spätere Overdubs AIR Studios London sowie Strawberry Studios South
Mix Januar 1982, AIR Studios London

Die Datierung der Aufnahmeschritte und die Besetzung werden durch diskografische Quellen und das Songlexikon gestützt.[5][6]


Entstehungsgeschichte

Die Grundidee des Liedes reicht in McCartneys Arbeit bis vor die eigentliche Studioaufnahme zurück. Nach dokumentierten Angaben schrieb er den Song bereits Ende der 1970er Jahre und erprobte ihn später im Umfeld von Wings. Für Tug of War arbeitete McCartney wieder mit George Martin, seinem langjährigen Produzenten aus Beatles-Zeiten. Die Hauptsession für Ebony and Ivory fand am 28. Februar 1981 in den von Martin gegründeten AIR Studios auf der Karibikinsel Montserrat statt.[7]

Montserrat war Anfang der 1980er Jahre ein wichtiger internationaler Aufnahmeort. Die Karte ist gemeinfrei und dient hier zur geografischen Einordnung des Entstehungsortes.[8]

Die Aufnahmearbeit war nicht mit einer einzigen Session abgeschlossen. Nach der Basissession auf Montserrat wurden im März 1981 in London sowie im Oktober 1981 in Strawberry Studios South weitere Overdubs ergänzt; die Abmischung erfolgte im Januar 1982 in London.[5] Damit ist die veröffentlichte Fassung ein gutes Beispiel dafür, wie Popproduktionen dieser Zeit aus Grundaufnahme, Nachbearbeitung und späterem Mix zusammengesetzt wurden.


Die Idee hinter dem Titel

McCartney erklärte, die Anregung sei durch eine Äußerung des Komikers und Musikers Spike Milligan gekommen: Schwarze und weiße Tasten würden zusammen benötigt, um Harmonie zu erzeugen. McCartney übertrug dieses Bild auf menschliches Zusammenleben.[1] Der Gedanke einer Klaviertastatur als Gleichnis für gesellschaftliches Zusammenwirken war allerdings älter als der Song; ähnliche Formulierungen sind bereits aus früheren Jahrzehnten bekannt.[9]

Das zentrale Bild ist bewusst einfach: Kontrast wird nicht aufgehoben, sondern in ein gemeinsames System gebracht. Gerade diese Einfachheit machte den Song zugleich leicht verständlich und später angreifbar für Kritik, die seine Darstellung von Rassismus als zu stark vereinfachend empfand.


Zeitgeschichtlicher Kontext

Der Song erschien 1982, also lange nach den wichtigsten gesetzlichen Erfolgen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre, aber in einer Zeit, in der Rassendiskriminierung und Konflikte um Gleichberechtigung weiterhin gesellschaftliche Realität waren. McCartney selbst äußerte rückblickend, der Song könne vielleicht „zu spät“ gekommen sein, gleichzeitig seien Spannungen und Diskriminierung weiterhin vorhanden gewesen.[6]

Auch die globale politische Lage ist für die spätere Wirkung des Liedes wichtig. Während der Apartheidzeit wurde Ebony and Ivory in Südafrika von der South African Broadcasting Corporation gesperrt, nachdem Stevie Wonder seinen Oscar für I Just Called to Say I Love You Nelson Mandela gewidmet hatte.[10] Dieses spätere Verbot war nicht der Entstehungsgrund des Songs, zeigt aber, wie stark ein ursprünglich allgemein formulierter Song über Zusammenleben in konkrete politische Auseinandersetzungen hineingelesen werden konnte.

Für die Unterrichtsarbeit ist wichtig, zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden:

  1. Die Intention des Songs ist ein universeller Appell für Zusammenleben und Gleichwertigkeit.
  2. Die Kritik richtet sich vor allem darauf, dass strukturelle Ursachen von Rassismus im Text kaum thematisiert werden.


Drei besonders gut belegte Besonderheiten dieser Aufnahme


Besonderheit 1: Das instrumentale Kernteam besteht aus McCartney und Wonder

Für die veröffentlichte Aufnahme sind Paul McCartney und Stevie Wonder nicht nur als Sänger dokumentiert. McCartney spielte unter anderem Bass, Gitarre, Piano, Synthesizer und Percussion; Wonder spielte unter anderem E-Piano, Synthesizer, Schlagzeug und Percussion. Hinzu kommen McCartneys Vocoder und beider Hintergrundgesang.[5]

Das Songlexikon verweist zudem auf McCartneys Erinnerung, George Martin habe die Idee unterstützt, den instrumentalen Kern von den beiden Duettpartnern selbst einspielen zu lassen.[6] Dadurch wird die Botschaft des Stücks in der Produktionsweise gespiegelt: Zwei Musiker teilen sich nicht nur den Text, sondern bauen auch das Klangbild gemeinsam auf.

Paul McCartney 1980, also zeitlich nahe an den Tug of War-Sessions. Das Wikimedia-Commons-Foto steht unter CC BY-SA 3.0 NL.[11]

Stevie Wonder in einer Aufnahme aus dem Jahr 1980. Das Bild steht unter CC BY-SA 4.0.[12]


Besonderheit 2: Die musikalische Symbolik reicht bis in die Tonhöhen hinein

Eine besonders auffällige Beobachtung des Songlexikons betrifft die Verbindung von Text und Melodie: Im Refrain werden beim Wort, das für die dunklen Tasten steht, Töne verwendet, die auf schwarzen Klaviertasten liegen; beim Wort für die hellen Tasten liegen die betreffenden Melodietöne auf weißen Tasten. Mit dem Einsetzen der zweiten Stimme verbinden sich beide Bereiche.[6]

Diese kompositorische Idee ist deshalb bemerkenswert, weil die Botschaft nicht nur gesagt, sondern zugleich musikalisch codiert wird. Für eine Analyse bedeutet das: Text, Melodie und Symbolik sind hier besonders eng gekoppelt.


Besonderheit 3: Das berühmte Musikvideo zeigt eine technisch erzeugte Gemeinsamkeit

Im Musikvideo wirken McCartney und Wonder, als würden sie gemeinsam am Klavier sitzen und auf einer überdimensionierten Tastatur agieren. Tatsächlich wurden ihre Szenen wegen Terminproblemen getrennt aufgenommen und anschließend in der Postproduktion kombiniert.[13]

Die Bildidee ist damit doppelt interessant: Das Video predigt sichtbare Gemeinsamkeit, erzeugt diese Gemeinsamkeit aber mit damaliger Videotechnik. Gerade deshalb eignet es sich hervorragend für eine Medienanalyse: Was sieht man? Was wurde tatsächlich gleichzeitig aufgenommen? Wie verändert dieses Wissen die Wahrnehmung?

Dieses Archivvideo wird in der wissenschaftlich redigierten Songlexikon-Dokumentation als McCartney-Quelle zur Entstehung und zum Video genannt.[6]


Besonderheit 4: Mehrstufige Produktion über mehrere Studios

Die Basissession auf Montserrat, spätere Overdubs in London und Surrey und der abschließende Mix in London zeigen eine mehrstufige Produktionskette.[5] Das ist hörpsychologisch relevant: Auch wenn der Song leicht und unmittelbar wirkt, entstand die veröffentlichte Klanggestalt in einem längeren Studioprozess.

Ein frei verwendbares Beispiel eines Mischpults. Das Bild ist gemeinfrei; es zeigt nicht das konkrete AIR-Studio, veranschaulicht aber die technische Ebene von Mehrspuraufnahme und Mischung.[14]


Stil und Genre

Ebony and Ivory lässt sich vor allem dem Pop und Soft Rock zuordnen. Die Produktion setzt auf klare Melodik, übersichtliche Formteile, einen gut merkbaren Refrain und eine polierte Studioästhetik. Gleichzeitig bringt Stevie Wonders Spielweise Soul- und Funk-Aspekte ein, besonders im bewegteren Mittelteil mit E-Piano, Percussion und stärkerem Groove.[6]

Die stilistische Wirkung entsteht aus einem Spannungsfeld:

  1. Pop-Ballade: ruhiger Grundcharakter, eingängige Gesangslinie, harmonische Verständlichkeit.
  2. Soul-Einfluss: Wonders Timbre, E-Piano und Phrasierung.
  3. Funk-Färbung: rhythmisch dichterer Mittelteil, Percussion und stärkere Synkopierung.
  4. 1980er-Studioklang: Synthesizer, Vocoder und präzise Schichtung der Klangspuren.


Melodie und Harmonik

Das Stück steht in E-Dur und im 4/4-Takt.[6][15] Nach einem kurzen Schlagzeugimpuls folgt ein fanfarenartiges Synthesizer-Intro. Das Songlexikon beschreibt eine Folge verwandter Akkordbereiche, die schließlich in die Grundtonart E-Dur führt.[6]

Die Melodie ist stark auf Singbarkeit und Wiedererkennbarkeit angelegt. Häufige Wiederholungen, begrenzte Intervallsprünge und eine deutliche Zuordnung zu den harmonischen Schwerpunkten helfen dabei, die Kernbotschaft schnell erinnerbar zu machen. Im Bass finden sich nach der Analyse des Songlexikons mehrfach Quintfälle und Quartsprünge, die gut zu McCartneys charakteristischer Bassarbeit passen.[6]


Kurzes Score-Beispiel 1: Tonraum E-Dur

Wichtig: Das folgende Beispiel ist keine Melodie aus dem Song, sondern eine selbst geschaffene Übung, die nur den E-Dur-Tonraum hörbar macht.


\relative c' {
  \key e \major
  \time 4/4
  e4 fis gis a | b a gis fis | e1
}

Du kannst daran untersuchen, welche Töne auf weißen und welche auf schwarzen Klaviertasten liegen.


Kurzes Score-Beispiel 2: Tonika, Mollfarbe und Dominante

Auch dieses Beispiel ist frei erfunden und dient nur dazu, einen für Popmusik typischen Wechsel zwischen Dur-Tonika, Mollakkord und Dominante zu demonstrieren.


\chordmode {
  e1 fis:m7 b:7 e
}

Höre darauf, wie sich Stabilität – Spannung – Rückkehr anfühlen kann. Im Original sind die harmonischen Abläufe komplexer und dürfen nicht mit diesem Übungsbeispiel gleichgesetzt werden.


Rhythmus

Der Grundpuls ist ein moderater 4/4-Takt. Das Schlagzeug hält die Form klar zusammen, während Percussion und Akzentverschiebungen den späteren Formteilen mehr Bewegung geben. Besonders interessant ist, dass der C-Teil laut Songlexikon als gefühlt doppeltes Tempo erscheint.[6] Dadurch verändert sich die Energie, ohne dass der Song seine Grundidentität verliert.


Kurzes Score-Beispiel 3: Selbst erfundene Synkopenübung


\relative c' {
  \time 4/4
  c8 c4 c8 r4 c8 c | c4 r8 c c4 c
}

Dieses Rhythmusmuster stammt nicht aus Ebony and Ivory. Es soll Dir nur zeigen, wie Verschiebungen zwischen Achtel- und Viertelwerten eine Pop-Phrase beweglicher machen können.


Gesang

Der Gesang lebt vom Kontrast zweier sehr erkennbarer Stimmen. McCartney singt vergleichsweise geradlinig und hell, Wonder phrasiert elastischer und bringt stärkere Soul-Färbungen ein. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Kontrast, sondern das Zusammenführen der Stimmen.

In mehreren Passagen wechseln sich Einzelstimmen und gemeinsamer Gesang ab. So entsteht ein musikalisches Wechselspiel aus:

  1. individueller Stimme,
  2. Antwort,
  3. gemeinsamer Phrase,
  4. Background-Gesang.

Die Gesangsanlage unterstützt damit die zentrale Aussage des Songs: Eigenständigkeit und Gemeinsamkeit müssen sich nicht widersprechen.


Instrumentierung

Die belegte Kernbesetzung ist ungewöhnlich kompakt.[5]

Musiker Belegte Funktionen in der Aufnahme
Paul McCartney Lead- und Background-Gesang, Bass, Gitarre, Piano, Synthesizer, Percussion, Vocoder
Stevie Wonder Lead- und Background-Gesang, E-Piano, Synthesizer, Schlagzeug, Percussion
George Martin Produzent, Arrangement
Geoff Emerick Recording- und Mixing-Engineer

Dass Wonder das Schlagzeug spielt und McCartney unter anderem den Bass, ist für die klangliche Identität der Aufnahme wichtig. Es handelt sich nicht um ein bloßes „Gastvokal“-Duett, sondern um eine echte instrumentale Zusammenarbeit.


Arrangement und Produktion

Das Arrangement ist auf klare Kontraste und Wiedererkennung ausgerichtet. Der Synthesizer-Charakter des Intros setzt sofort einen künstlich-feierlichen Rahmen. Danach steht der Refrain ungewöhnlich früh im Zentrum. Später wird das Klangbild durch dichteres Rhythmusmaterial, Handclap-artige Akzente, E-Piano und Funk-Färbung erweitert.[6]

Die Produktion von George Martin hält die Stimmen sehr präsent. Instrumente konkurrieren selten um denselben Vordergrund. Stattdessen werden Schichten funktional verteilt:

  1. Rhythmusgruppe stabilisiert den Puls.
  2. Tasteninstrumente liefern harmonische Farbe.
  3. Synthesizer markieren Übergänge und verleihen dem Stück 1980er-Charakter.
  4. Vocoder und Background-Gesang erweitern die Stimmfarbe.
  5. Im Mittelteil erhöht sich die rhythmische Dichte.

Diese Klarheit ist ein Grund, warum sich der Song gut für Formanalyse eignet.


Songform

Der Song beginnt nicht mit einer langen Strophe, sondern stellt den zentralen Gedanken sehr früh in den Vordergrund. Das Songlexikon beschreibt den Refrain als unmittelbaren Einstieg nach dem kurzen Intro.[6]

Eine sinnvolle Hörgliederung ist:

Abschnitt Hörmerkmal Funktion
Intro kurzer Drum-Impuls und fanfarenartige Synthesizer Erwartung und tonale Hinführung
Refrain Titelmotiv, klare E-Dur-Verankerung zentrale Botschaft wird sofort präsentiert
Überleitung Rückkehr des Synthesizer-Materials verbindet Refrain und Strophe
Strophe stärker erzählender Text, ruhiger Groove Begründung und Ausweitung der Aussage
Refrain Wiederkehr des Kernmotivs Erinnerung und Stabilisierung
C-Teil höhere rhythmische Aktivität, Funk-Farbe, E-Piano Kontrast und Steigerung
Rückkehr erneute Hauptteile formale Geschlossenheit
Outro Wiederholung und Fade-out offene Fortsetzung des Kernmotivs


Textthemen und Bildsprache

Das zentrale Bild ist die Klaviertastatur. Der Text setzt schwarze und weiße Tasten als Metapher für Menschen unterschiedlicher Hautfarbe ein. Ein sehr kurzes, rechtlich zulässiges Zitat lautet: „Ebony and ivory live together in perfect harmony“.[15]

Eine sinngemäße deutsche Inhaltserschließung lautet: Schwarze und weiße Tasten können nur gemeinsam die ganze klangliche Vielfalt des Instruments bilden; daraus entwickelt der Song einen Appell, Unterschiede zwischen Menschen nicht als Grund für Trennung zu behandeln.

Der vollständige Songtext wird hier bewusst nicht wiedergegeben.


Grenzen der Metapher

Für eine vertiefte Analyse solltest Du nicht nur fragen, ob das Bild einprägsam ist, sondern auch, was es ausblendet. Eine Klaviertastatur ist ein geordnetes System, dessen Tasten keine Geschichte, Machtverhältnisse oder sozialen Erfahrungen besitzen. Gesellschaftlicher Rassismus ist dagegen historisch und institutionell komplex.

Deshalb lässt sich die Metapher auf zwei Arten lesen:

  1. Stärke: Sie macht das Ideal von Kooperation sofort verständlich.
  2. Grenze: Sie reduziert ein komplexes gesellschaftliches Problem auf ein einfaches Harmonie-Bild.

Diese Spannung ist zentral für die spätere Rezeption.


Musikvideo und visuelle Symbolik

Das Musikvideo greift Schwarz-Weiß-Kontraste konsequent auf: Kleidung, Klavier, Großtastatur und Bildkomposition machen das Titelmotiv sichtbar. Besonders interessant ist, dass die vermeintlich gemeinsame Performance aus getrennt gedrehten Bildern montiert wurde.[13]

Damit eignet sich das Video für drei Analyseebenen:

  1. Farbdramaturgie: Wie werden Schwarz und Weiß eingesetzt?
  2. Raumillusion: Wie wird räumliche Gemeinsamkeit technisch hergestellt?
  3. Botschaft: Verstärkt die Bildsprache den Song oder vereinfacht sie ihn zusätzlich?


Vergleich verschiedener Fassungen


Studio-Duett 1982

Die bekannteste Fassung ist die von George Martin produzierte Studioaufnahme mit beiden Stimmen und der instrumentalen Arbeit von McCartney und Wonder. Sie zeichnet sich durch eine kontrollierte Balance, klare Studiotrennung und eine stark ausproduzierte Klangoberfläche aus.[5]


McCartney-Soloversion 1982

Auf der britischen 12-Zoll-Single erschien zusätzlich eine Soloversion, in der McCartney den Gesang allein übernimmt. Die zugrunde liegende Produktion enthält weiterhin Wonders instrumentale Beiträge, darunter E-Piano, Synthesizer, Schlagzeug und Percussion.[16]

Der Vergleich ist analytisch besonders ergiebig: Wenn eine der beiden charakteristischen Stimmen fehlt, wirkt die Botschaft weniger als dialogische Begegnung und stärker wie ein Solostatement.


Livefassung 1989/1990

Auf Tripping the Live Fantastic erschien eine Livefassung aus McCartneys Tourband-Kontext, aufgenommen 1989 in Rotterdam. Stevie Wonder ist dort nicht beteiligt; stattdessen übernimmt McCartneys Tourensemble die Live-Realisierung.[17][18]

Hörbar verändert sich dadurch vor allem die Performance-Situation: weniger fein kontrollierte Studioillusion, dafür stärkeres Bandgefühl und Konzertenergie.


Gemeinsame Liveaufführung 2010 im Weißen Haus

Am 2. Juni 2010 traten McCartney und Wonder beim Gershwin-Prize-Konzert im Weißen Haus gemeinsam mit Ebony and Ivory auf.[19][20] Im Unterschied zum 1982er Musikvideo standen sie dabei tatsächlich gemeinsam auf einer Bühne.

Für eine Höranalyse kannst Du vergleichen:

  1. Wie frei phrasiert Wonder live?
  2. Wie verändert sich der Groove ohne die exakt geschichtete Studioproduktion?
  3. Wie wirkt die Botschaft, wenn beide Sänger sichtbar gleichzeitig auftreten?


Rezeption

Kommerziell war die Single außergewöhnlich erfolgreich. In Großbritannien erreichte sie Platz 1 und blieb dort drei Wochen; in den USA stand sie sieben Wochen an der Spitze.[2][1] Bei den Grammy Awards 1983 war die Aufnahme unter anderem für Record of the Year und Best Pop Performance by a Duo or Group with Vocal nominiert; McCartneys Komposition war außerdem für Song of the Year nominiert.[21]

Gleichzeitig entwickelte sich eine deutliche Gegenrezeption. Kritiker und spätere Hörer bemängelten teilweise die starke Vereinfachung des Themas und eine als sentimental oder kitschig empfundene Präsentation.[6] Diese Kritik sollte nicht als objektive „Wahrheit“ über das Lied behandelt werden, sondern als Teil seiner Wirkungsgeschichte.

Die Rezeption ist deshalb besonders spannend: Ein sehr erfolgreicher Song kann zugleich dauerhaft umstritten sein.


Bedeutung im Werk Paul McCartneys

Nach McCartneys offizieller Website war Ebony and Ivory sein erstes Duett mit einem großen externen Star und seine erfolgreichste Single seit der Beatles-Zeit.[1] Der Song steht zugleich am Beginn einer Phase prominenter Duette: Kurz darauf folgten McCartneys Zusammenarbeiten mit Michael Jackson, darunter The Girl Is Mine und Say Say Say.

Auf Tug of War erfüllt das Lied außerdem eine programmatische Funktion. Der Albumtitel beschreibt ein „Tauziehen“, also Spannungen zwischen Gegensätzen. Ebony and Ivory formuliert dazu das Gegenbild: Nicht das Ziehen gegeneinander, sondern ein funktionierendes Zusammenspiel.


Rechtssichere Medien und Quellenarbeit

Für diesen aiMOOC werden möglichst nur Medien genutzt, deren Einbindung rechtlich nachvollziehbar ist:

  1. Bilder stammen aus Wikimedia Commons und sind dort mit freier Lizenz oder als gemeinfrei gekennzeichnet.
  2. YouTube wird nur als eingebettete Plattform verwendet; bevorzugt werden offizielle Künstlerkanäle oder dokumentierte Archivquellen.
  3. Vollständige Lyrics werden nicht vervielfältigt.
  4. Notenbeispiele sind selbst erstellt und bilden die geschützte Melodie nicht nach.
  5. Quellen werden so angegeben, dass Du Aussagen überprüfen kannst.

Dieses Foto steht bei Wikimedia Commons unter CC0 und kann als frei nutzbares Anschauungsbild für Tastenspiel dienen.[22]


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb Ebony and Ivory? (Paul McCartney) (!Stevie Wonder) (!George Martin) (!Geoff Emerick)




Mit wem singt Paul McCartney die bekannte Studiofassung? (Stevie Wonder) (!Michael Jackson) (!Ringo Starr) (!Elton John)




Welche Tonart wird als Grundtonart des Songs angegeben? (E-Dur) (!C-Dur) (!g-Moll) (!B-Dur)




Welche Taktart hat der Song? (Viervierteltakt) (!Dreivierteltakt) (!Fünfvierteltakt) (!Sechsachteltakt)




Wo fand die zentrale Aufnahmesession 1981 statt? (AIR Studios auf Montserrat) (!Abbey Road Studios in London) (!Sun Studio in Memphis) (!Electric Lady Studios in New York)




Wer produzierte die Aufnahme? (George Martin) (!Quincy Jones) (!Phil Spector) (!Brian Eno)




Welches Instrument spielte Stevie Wonder bei der Studioaufnahme unter anderem? (Schlagzeug) (!Violine) (!Trompete) (!Saxofon)




Was symbolisieren die schwarzen und weißen Klaviertasten im Song? (Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe) (!Den Gegensatz zwischen Dur und Moll) (!Den Wechsel von Tag und Nacht) (!Den Unterschied zwischen analoger und digitaler Musik)




Welche Besonderheit gilt für das Musikvideo von 1982? (Die Szenen der beiden Sänger wurden getrennt gefilmt und zusammengesetzt) (!Das Video wurde vollständig live übertragen) (!Es enthält keine Klaviertastatur) (!Es wurde ausschließlich auf Montserrat gedreht)




Welche zusätzliche Fassung erschien auf der britischen 12-Zoll-Single? (Eine Soloversion mit McCartney als alleiniger Sänger) (!Eine Orchesterversion ohne Gesang) (!Eine Reggaeversion von Bob Marley) (!Eine deutschsprachige Fassung)





Memory

Paul McCartney Autor und Duettsänger
Stevie Wonder Duettsänger und Schlagzeuger
George Martin Produzent
Montserrat Ort der zentralen Aufnahmesession
E-Dur Grundtonart
Klaviertastatur Zentrale Metapher
Vocoder Von McCartney eingesetzter Klangeffekt
Fade-out Ausblendendes Ende





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Aufnahmesession Montserrat
Produktion George Martin
Grundtonart E-Dur
Duettpartner Stevie Wonder
Bildmetapher Klaviertastatur





Kreuzworträtsel

Montserrat Auf welcher Karibikinsel fand die zentrale Aufnahmesession statt?
Harmonie Welcher musikalische Begriff wird im Song zugleich gesellschaftlich verwendet?
Synthesizer Welches elektronische Instrument prägt unter anderem das Intro?
Vocoder Welchen elektronischen Stimmeneffekt spielte McCartney ein?
Metapher Wie nennt man ein sprachliches Bild wie die Klaviertastatur für menschliches Zusammenleben?
Wonder Wie lautet der Nachname des Duettpartners?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ebony and Ivory erschien im Jahr

. Der Song wurde von

geschrieben. Sein Duettpartner ist

. Produzent der Aufnahme war

. Die zentrale Aufnahmesession fand auf

statt. Die Grundtonart des Songs ist

. Die Taktart ist ein

. Die schwarzen und weißen Tasten bilden die zentrale

. Das Musikvideo wurde aus getrennt gefilmten Szenen durch

zusammengesetzt. Eine wichtige zusätzliche Veröffentlichung ist die

mit McCartney als alleiniger Sänger.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Studiofassung und notiere fünf Instrumente oder Klangfarben, die Du sicher unterscheiden kannst.
  2. Bildanalyse: Beschreibe, wie Schwarz und Weiß im Musikvideo oder auf frei verfügbaren Bildern als Gestaltungsmittel eingesetzt werden.
  3. Metapher: Erkläre in eigenen Worten, warum eine Klaviertastatur als Bild für Zusammenarbeit funktioniert.
  4. Songform: Markiere beim Hören Intro, Refrain, Strophe, Mittelteil und Outro in einer selbst erstellten Zeitleiste.


Standard

  1. Vergleichendes Hören: Vergleiche Studiofassung und Livefassung. Untersuche Tempoeindruck, Gesang, Instrumentierung und Dynamik.
  2. Produktion: Erstelle ein Schaubild vom Weg der Aufnahme von Montserrat über Overdubs bis zum Mix in London.
  3. Medienkompetenz: Analysiere, wie das 1982er Video den Eindruck erzeugt, McCartney und Wonder seien gleichzeitig am selben Ort.
  4. Textanalyse: Diskutiere die Stärke und die Grenze der Klaviermetapher, ohne den vollständigen Songtext zu zitieren.


Schwer

  1. Musikanalyse: Untersuche, wie Tonart, harmonische Spannung und Instrumentationswechsel die Botschaft des Songs unterstützen.
  2. Zeitgeschichte: Recherchiere, welche gesellschaftlichen Debatten über Rassismus und Gleichberechtigung in den frühen 1980er Jahren relevant waren, und ordne den Song vorsichtig darin ein.
  3. Rezeptionsgeschichte: Stelle positive und kritische Reaktionen auf den Song gegenüber und unterscheide dabei Fakten, Wertungen und spätere Rückblicke.
  4. Eigenkomposition: Schreibe ein acht- bis sechzehntaktiges eigenes Stück, in dem zwei kontrastierende musikalische Elemente am Ende zusammengeführt werden. Verwende keine Melodie aus Ebony and Ivory.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Musik und Bild: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie eine musikalische Eigenschaft in einem Musikvideo visuell dargestellt werden kann. Übertrage das Prinzip anschließend auf Ebony and Ivory.
  2. Produktion und Botschaft: Beurteile, inwiefern die Tatsache, dass McCartney und Wonder einen Großteil der Instrumente selbst spielten, die Aussage des Songs unterstützt.
  3. Metaphernkritik: Entwickle zwei Kriterien, mit denen sich politische oder gesellschaftliche Metaphern in Popsongs auf ihre Aussagekraft und ihre Grenzen prüfen lassen.
  4. Form und Wirkung: Erkläre, warum ein früh einsetzender Refrain für einen Song mit klarer Botschaft wirkungsvoll sein kann.
  5. Versionenvergleich: Zeige, wie sich die Aussage eines Duetts verändert, wenn eine Soloversion daraus wird.
  6. Historische Einordnung: Erkläre, warum spätere politische Reaktionen auf einen Song nicht automatisch seine ursprüngliche Entstehungsabsicht erklären.
  7. Klanggestaltung: Entwirf ein alternatives Arrangement, das dieselbe Grundidee mit heutigen Produktionsmitteln ausdrücken könnte, ohne die Originalmelodie zu kopieren.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Einzelinformationen kennst, sondern musikalische und historische Zusammenhänge erklären kannst.

  1. Du kannst Entstehungszeit, Aufnahmeort, Produzenten und Hauptbeteiligte korrekt benennen.
  2. Du kannst mindestens drei belegte Besonderheiten der konkreten Aufnahme erläutern.
  3. Du kannst Grundtonart, Taktart, Form und wichtige Klangmerkmale fachsprachlich beschreiben.
  4. Du kannst die Rollen von McCartney und Wonder bei Gesang und Instrumenten unterscheiden.
  5. Du kannst die Klaviertastatur als Metapher erklären und ihre Grenzen diskutieren.
  6. Du kannst Studio-, Solo- und Livefassungen anhand hörbarer Merkmale vergleichen.
  7. Du kannst Rezeption und Chart-Erfolg von späterer Kritik unterscheiden.
  8. Du kannst mit Quellen belegen, woher Deine Aussagen stammen.
  9. Du kannst urheberrechtlich geschützte Songs analysieren, ohne vollständige Lyrics oder Partituren zu vervielfältigen.




Quellen und Nachweise

  1. Paul McCartney Official: Ebony and Ivory
  2. Paul McCartney Official: Tug of War
  3. The Paul McCartney Project: Ebony And Ivory
  4. The Paul McCartney Project: Recording session, 28 February 1981
  5. Songlexikon: Ebony and Ivory, Universität Freiburg / Schott / Hochschule Düsseldorf
  6. Official Charts Company: Ebony and Ivory
  7. GRAMMY.com: Paul McCartney
  8. GRAMMY.com: 25th Annual Grammy Awards
  9. Library of Congress: McCartney and Stevie Wonder at the White House
  10. Paul McCartney Official Artist Channel: 2022 Remaster
  11. Wikimedia Commons: Piano keys quick reference
  12. Wikimedia Commons: Stevie Wonder, 1980
  13. Wikimedia Commons: Paul McCartney, 1980


OERs zum Thema

Weitere frei lizenzierte oder offen zugängliche Lernmedien findest Du über Wikimedia Commons, insbesondere zu Klavier, Paul McCartney, Stevie Wonder, Montserrat und Studiotechnik.


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