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Märchen schreiben 1

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Märchen schreiben 1




Einleitung

Ein eigenes Märchen zu schreiben bedeutet, eine fantastische Erzählung so zu gestalten, dass sie typische Merkmale der Textsorte erkennen lässt und zugleich eine eigene Idee entwickelt. Du brauchst dafür nicht nur Fantasie, sondern auch einen klaren Schreibplan, passende Figuren, einen nachvollziehbaren Spannungsbogen und eine Sprache, die zu einem Märchen passt.

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Du aus einer ersten Idee Schritt für Schritt ein vollständiges Märchen entwickelst. Du untersuchst typische Märchenmerkmale, planst Figuren und Konflikte, gestaltest Prüfungen und Zauberelemente, schreibst Einleitung, Hauptteil und Schluss und überarbeitest Deinen Text anschließend gezielt.

Die Brüder Grimm sammelten, bearbeiteten und veröffentlichten zahlreiche Erzählungen in ihren Kinder- und Hausmärchen. Sie haben die Stoffe also nicht einfach alle selbst erfunden. Für Dein eigenes Märchen kannst Du traditionelle Motive aufgreifen, solltest daraus aber eine eigenständige Handlung entwickeln.


Was ist ein Märchen?

Ein Märchen ist eine erzählende Textform, in der wunderbare, fantastische oder übernatürliche Ereignisse selbstverständlich auftreten können. Tiere sprechen, Menschen werden verwandelt, Zaubergegenstände helfen bei schwierigen Aufgaben und Figuren begegnen Wesen wie Hexen, Riesen, Feen, Zwergen oder Drachen.

Bei vielen europäischen Volksmärchen bleiben Ort und Zeit unbestimmt. Formulierungen wie „Es war einmal …“ verlegen die Handlung in eine nicht genau festgelegte Vergangenheit. Die Figuren werden häufig durch ihre Rolle oder eine auffällige Eigenschaft gekennzeichnet, etwa als König, jüngste Tochter, armer Müller, listiger Fuchs oder böse Hexe.

Typische Merkmale sind keine starre Vorschrift. Ein gutes selbst geschriebenes Märchen muss nicht jedes bekannte Märchenmotiv enthalten. Entscheidend ist, dass die gewählten Merkmale zusammenpassen und die Handlung verständlich bleibt.


Volksmärchen und Kunstmärchen

Ein Volksmärchen wurde über längere Zeit mündlich oder schriftlich weitergegeben und lässt sich gewöhnlich nicht auf eine einzige ursprüngliche Autorin oder einen einzigen ursprünglichen Autor zurückführen. Sammlerinnen und Sammler wie die Brüder Grimm hielten solche Stoffe schriftlich fest und bearbeiteten sie.

Ein Kunstmärchen ist dagegen mit einer bekannten Autorin oder einem bekannten Autor verbunden. Es kann typische Märchenmotive verwenden, darf aber ausführlichere Figurenzeichnungen, ungewöhnliche Erzählformen oder ein weniger eindeutiges Ende besitzen. Für eine schulische Schreibaufgabe zum Thema „Märchen schreiben“ orientierst Du Dich häufig besonders an bekannten Merkmalen des Volksmärchens.


Typische Märchenmerkmale

Die folgende Übersicht zeigt wichtige Bausteine. Sie beschreibt typische Möglichkeiten, keine Pflichtliste.

Merkmal Bedeutung beim Schreiben Mögliches Beispiel
Unbestimmte Zeit Die Handlung wird nicht genau historisch datiert. „Vor langer Zeit …“
Unbestimmter Ort Der Schauplatz wirkt allgemein und märchenhaft. „Hinter sieben Bergen lag ein kleines Königreich.“
Zauber und Wunder Übernatürliches wird Teil der Handlung. Ein Ring macht seinen Träger unsichtbar.
Typische Figuren Rollen sind schnell erkennbar. Königstochter, Hexe, armer Junge, hilfreicher Rabe
Gegensatz Interessen oder Eigenschaften stehen deutlich gegeneinander. Hilfsbereitschaft gegen Habgier
Prüfungen Die Hauptfigur muss Aufgaben oder Gefahren bewältigen. Drei verschlossene Tore müssen geöffnet werden.
Helfer Eine Figur oder ein Zaubergegenstand unterstützt die Hauptfigur. Eine sprechende Maus verrät ein Geheimnis.
Wiederholung Ähnliche Situationen treten mehrfach auf und steigern die Spannung. Drei Versuche führen Schritt für Schritt zum Ziel.
Magische Zahlen Besonders die Drei und die Sieben erscheinen in vielen Märchen. Drei Brüder, sieben Berge, drei Wünsche
Formelhaftes Erzählen Anfang oder Ende können mit bekannten Formeln gestaltet werden. „Es war einmal …“


Gut, Böse und Grautöne

Viele traditionelle Märchen arbeiten mit deutlichen Gegensätzen: gerecht und ungerecht, hilfsbereit und egoistisch, arm und reich, mutig und feige. Oft wird gutes Verhalten belohnt und schädliches Verhalten bestraft. Das ist jedoch kein Naturgesetz der Textsorte. Auch Märchen können ambivalente Figuren oder überraschende Enden besitzen.

Wenn Du selbst schreibst, sollte ein Konflikt nicht nur deshalb entstehen, weil eine Figur „böse“ genannt wird. Zeige durch Handlungen, was die Figur will und warum sie der Hauptfigur im Weg steht. Dadurch wird die Geschichte verständlicher und spannender.


Von der Idee zum Schreibplan

Bevor Du losschreibst, lohnt sich ein kurzer Schreibplan. Er verhindert, dass die Handlung nach einem starken Anfang plötzlich stehen bleibt. Plane zuerst das Ziel der Hauptfigur, dann das wichtigste Hindernis und schließlich die Entscheidung, die zum Ende führt.

Baustein Leitfrage Beispielidee
Hauptfigur Wer steht im Mittelpunkt? Eine arme Gärtnerstochter namens Mira
Wunsch oder Notlage Was fehlt oder bedroht die Figur? Der einzige Brunnen des Dorfes versiegt.
Auftrag Was muss erreicht werden? Mira soll die Quelle hinter dem Nebelberg finden.
Gegner Wer oder was verhindert das Ziel? Ein Zauberer hält das Quellwasser gefangen.
Helfer Wer unterstützt die Hauptfigur? Ein verletzter Rabe kennt den Weg.
Zaubergegenstand Welches magische Mittel spielt eine Rolle? Ein Schlüssel aus Mondglas
Prüfungen Welche Hindernisse müssen überwunden werden? Ein Dornenwald, ein Rätsel und ein scheinbar leeres Tor
Wendepunkt Welche Entscheidung verändert alles? Mira gibt den Schlüssel ab, um den Raben zu retten.
Lösung Wie wird das Problem gelöst? Ihre Hilfsbereitschaft bricht den Zauber.
Schluss Welche Folgen hat die Lösung? Das Wasser kehrt zurück und Mira wird zur Hüterin der Quelle.


Figuren gestalten

Märchenfiguren werden häufig knapper beschrieben als Figuren in einem modernen Roman. Trotzdem brauchen sie eine erkennbare Funktion in der Handlung. Frage deshalb nicht nur: „Wie sieht die Figur aus?“, sondern vor allem: „Was will sie? Was tut sie? Was hindert sie? Was lernt oder entscheidet sie?“


Die Hauptfigur

Die Hauptfigur braucht ein Ziel. Sie kann etwas suchen, jemanden retten, einen Fluch brechen, eine Aufgabe erfüllen oder aus einer Notlage entkommen. Ihr Ziel gibt der Handlung eine Richtung.

Eine interessante Hauptfigur trifft Entscheidungen. Wenn alle Lösungen nur zufällig vom Himmel fallen, wirkt die Geschichte schnell beliebig. Ein magischer Helfer darf unterstützen, aber die Hauptfigur sollte selbst etwas beitragen: Mut zeigen, ein Rätsel lösen, ein Versprechen halten oder eine Versuchung zurückweisen.


Gegner und Hindernisse

Ein Gegner kann eine Hexe, ein Riese, ein neidischer Bruder oder auch eine mächtige Herrscherin sein. Ein Hindernis muss aber nicht immer eine Person sein. Ein verwunschener Wald, ein unerfüllbares Rätsel, ein Verbot oder eine eigene Schwäche kann ebenfalls den Fortgang erschweren.

Gute Hindernisse hängen mit dem Ziel zusammen. Wenn die Hauptfigur eine verschwundene Quelle finden soll, passen ein verschlossener Berg, ein falscher Wegweiser oder ein Hüter des Wassers besser als ein völlig unverbundenes Ereignis.


Helfer und Zaubergegenstände

Helfer treten in Märchen oft dann auf, wenn die Hauptfigur zuvor eine bestimmte Haltung gezeigt hat. Wer einem Tier hilft, Nahrung teilt oder ein Versprechen hält, erhält später Unterstützung. Dadurch kann die Hilfe mit dem Verhalten der Figur verbunden werden.

Zaubergegenstände sollten klare Regeln besitzen. Ein Ring, der jede beliebige Schwierigkeit ohne Grenze lösen kann, nimmt der Handlung Spannung. Interessanter ist ein Gegenstand, der nur dreimal wirkt, nur bei Mondlicht funktioniert oder nur eingesetzt werden kann, wenn die Figur auf einen eigenen Vorteil verzichtet.


Aufbau eines Märchens

Ein Märchen kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Für das eigene Schreiben hilft jedoch ein einfaches Grundmodell aus Einleitung, Auslöser, Prüfungen, Höhepunkt und Schluss.


Einleitung

Die Einleitung stellt die Ausgangslage vor. Du führst die Hauptfigur und den wichtigsten Schauplatz ein. Dabei musst Du noch nicht alle Informationen nennen. Oft reichen wenige Sätze.

Beispiel: „Es war einmal ein armes Mädchen, das mit seinem Vater am Rand eines großen Waldes lebte. Eines Morgens blieb der Brunnen des Dorfes trocken, obwohl es die ganze Nacht geregnet hatte.“

Schon hier entsteht eine Frage: Warum ist der Brunnen trocken?


Auslöser und Auftrag

Nun beginnt das eigentliche Problem. Die Hauptfigur erhält einen Auftrag, erkennt eine Gefahr oder fasst einen Entschluss. Dieser Moment setzt die Handlung in Bewegung.

Beispiel: „Die älteste Frau des Dorfes erzählte von einer Quelle hinter dem Nebelberg. Wer sie finde, könne das Wasser zurückbringen. Noch am selben Abend machte sich das Mädchen auf den Weg.“


Prüfungen und Steigerung

Im Hauptteil werden die Hindernisse schwieriger. Wiederholungen können dabei helfen. Drei Prüfungen sind ein verbreitetes Muster, weil sich eine klare Steigerung aufbauen lässt.

Die erste Prüfung kann zeigen, wie die Aufgabe funktioniert. Die zweite verschärft den Konflikt. Die dritte zwingt die Hauptfigur zu einer besonders wichtigen Entscheidung. Vermeide dabei bloße Wiederholung: Jede Prüfung sollte etwas Neues verlangen.


Höhepunkt und Wendepunkt

Der Höhepunkt ist die entscheidende Situation. Hier steht besonders viel auf dem Spiel. Die Hauptfigur muss handeln, wählen oder eine Erkenntnis nutzen. Ein guter Höhepunkt ergibt sich aus dem, was vorher vorbereitet wurde.

Wenn zu Beginn erwähnt wurde, dass Mira niemals ein gegebenes Versprechen bricht, kann genau diese Eigenschaft am Ende entscheidend werden. So wirkt die Lösung vorbereitet statt zufällig.


Schluss

Am Ende werden die wichtigsten Folgen gezeigt. Das ursprüngliche Problem sollte beantwortet sein: Der Fluch ist gebrochen, die vermisste Person gerettet, das Rätsel gelöst oder die Gefahr überwunden.

Eine traditionelle Schlussformel kann den Märchenton verstärken. Du kannst aber auch eine eigene, passende Formulierung erfinden. Wichtig ist, dass das Ende zur Handlung passt.


Spannung erzeugen

Spannung entsteht nicht nur durch Gefahr. Sie entsteht vor allem durch offene Fragen: Wird die Hauptfigur ihr Ziel erreichen? Kann sie dem Gegner vertrauen? Wozu dient der Zaubergegenstand? Welche Folge hat ein gebrochenes Versprechen?

Ein wirkungsvoller Spannungsbogen wechselt zwischen Hoffnung und Schwierigkeit. Nach einem kleinen Erfolg darf eine neue Herausforderung folgen. Kurz vor der Lösung kann die Lage besonders aussichtslos wirken, solange die spätere Lösung nachvollziehbar vorbereitet wurde.

Weniger spannend Spannender
„Dann kam eine Hexe. Danach fand er sofort den Schatz.“ „Die Hexe versprach ihm den Weg zum Schatz, verlangte dafür aber seinen einzigen Schutzzauber.“
„Sie hatte einen Zauberstab und gewann.“ „Der Stab konnte nur einmal wirken. Sie musste entscheiden, ob sie sich selbst oder ihren Bruder rettete.“
„Plötzlich erschien jemand und löste alles.“ „Der Rabe, dem sie am Anfang geholfen hatte, kehrte zurück und zeigte ihr die verborgene Tür.“


Märchensprache

Märchensprache muss nicht altmodisch oder künstlich sein. Wichtiger ist, dass sie zur Geschichte passt und gut verständlich bleibt. Viele deutschsprachige Märchen werden im Präteritum erzählt. Die direkte Rede kann Figuren lebendiger machen und wichtige Konflikte unmittelbar zeigen.

Typische Formeln wie „Es war einmal“, „vor langer Zeit“, „eines Tages“ oder „und wenn sie nicht gestorben sind …“ können den Märchencharakter unterstützen. Verwende solche Formeln gezielt und nicht in jedem zweiten Satz.

Aussagekräftige Verben verbessern den Text. Statt „ging“ können je nach Situation „schlich“, „eilte“, „stolperte“ oder „wanderte“ passen. Statt jede Figur ständig mit Adjektiven zu beschreiben, kannst Du Eigenschaften durch Handlungen zeigen.


Direkte Rede sinnvoll einsetzen

Direkte Rede ist besonders nützlich, wenn eine Figur einen Auftrag erhält, ein Rätsel lösen muss, ein Versprechen gibt oder einem Gegner widerspricht.

Beispiel: „Gib mir den Schlüssel“, zischte der Zauberer, „und ich lasse den Raben frei.“

Darauf kann die Hauptfigur reagieren: „Den Schlüssel sollst du haben“, sagte Mira, „aber zuerst löst du den Bann.“

So entsteht ein unmittelbarer Konflikt. Achte auf passende Zeichensetzung bei der wörtlichen Rede.


Logik in einer fantastischen Welt

Ein Märchen darf unmögliche Dinge enthalten. Trotzdem braucht es eine innere Logik. Wenn ein Zauberspiegel nur bei Sonnenaufgang antwortet, sollte er nicht später ohne Erklärung mitten in der Nacht sprechen. Wenn ein Schloss nur durch drei Aufgaben geöffnet werden kann, sollte die Hauptfigur nicht plötzlich durch ein Fenster hineingehen, sofern das nicht bewusst vorbereitet ist.

Fantastische Regeln machen die Geschichte glaubwürdig in ihrer eigenen Welt. Lege deshalb bei wichtigen Zaubern fest, was sie können, wann sie wirken und welche Grenzen sie haben.


Ein Beispiel vom Plan zur Szene

Aus dem Schreibplan „Mira und der Schlüssel aus Mondglas“ kann eine Szene entstehen:

„Am dritten Abend erreichte Mira das Tor im Nebelberg. Kein Schloss war zu sehen, kein Griff und keine Fuge. Nur drei runde Vertiefungen lagen im schwarzen Stein. Da erinnerte sie sich an die Worte des Raben: ‚Nicht alles, was verschlossen ist, braucht einen Schlüssel.‘ Mira legte zuerst eine Feder in die linke Vertiefung. Nichts geschah. In die zweite legte sie den Mondglasschlüssel. Wieder blieb der Berg stumm. Erst als sie ihre letzte Brotrinde in die dritte Mulde legte, begann der Stein zu leuchten. Hinter ihr krächzte der Rabe: ‚Das Tor prüft nicht deinen Besitz. Es prüft, was du bereit bist zu teilen.‘“

Die Szene enthält ein Hindernis, eine frühere Vorbereitung, einen Helfer und ein märchenhaftes Element. Gleichzeitig löst sich das Problem nicht völlig zufällig. Miras Handeln ist für den Fortgang entscheidend.


Überarbeiten statt nur Abschreiben

Der erste Entwurf muss noch nicht perfekt sein. Überarbeiten bedeutet, den Text gezielt zu verbessern. Lies Dein Märchen zuerst als ganze Geschichte und prüfe die Handlung. Erst danach lohnt sich der Blick auf einzelne Formulierungen, Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Prüffrage Darauf achtest Du
Ist das Ziel klar? Man versteht, was die Hauptfigur erreichen will.
Hängen die Ereignisse zusammen? Prüfungen, Helfer und Zauberelemente gehören zur Handlung.
Steigert sich die Spannung? Die Schwierigkeiten werden bedeutsamer.
Ist der Höhepunkt vorbereitet? Die Lösung greift frühere Informationen oder Entscheidungen auf.
Sind Märchenmerkmale erkennbar? Fantastische Elemente und typische Strukturen werden sinnvoll genutzt.
Bleiben die Regeln gleich? Zauber und Gegenstände funktionieren nicht plötzlich anders.
Passt die Sprache? Zeitform, Wortwahl und direkte Rede sind verständlich und stimmig.
Ist der Schluss vollständig? Die wichtigste Frage der Handlung wird beantwortet.


Schreibstrategie in sieben Schritten

  1. Ideensammlung: Entscheide Dich für Hauptfigur, Wunsch oder Notlage, Gegenspieler und ein besonderes Märchenelement.
  2. Schreibplan: Lege Anfang, Auftrag, Prüfungen, Höhepunkt und Lösung fest.
  3. Märchenanfang: Führe Figur und Ausgangslage knapp ein und eröffne eine interessante Frage.
  4. Hauptteil: Lass die Hauptfigur Hindernisse bewältigen und steigere die Schwierigkeiten.
  5. Höhepunkt: Führe die wichtigsten Konflikte in einer entscheidenden Situation zusammen.
  6. Märchenschluss: Löse das zentrale Problem und zeige die Folgen.
  7. Textüberarbeitung: Prüfe Zusammenhang, Märchenmerkmale, Sprache, Rechtschreibung und Zeichensetzung.


Häufige Probleme beim Märchenschreiben

Ein verbreitetes Problem ist die Ereigniskette ohne Zusammenhang. Dann passiert sehr viel, aber nichts baut aufeinander auf. Verbinde Ereignisse deshalb durch Ursachen und Folgen.

Ein weiteres Problem ist der allmächtige Zauber. Wenn ein Gegenstand jede Schwierigkeit jederzeit löst, muss die Hauptfigur kaum noch handeln. Begrenze die magischen Möglichkeiten.

Auch ein zufälliges Ende schwächt die Geschichte. Wenn erst im letzten Satz eine neue Figur erscheint und alle Probleme löst, fehlt eine Vorbereitung. Baue Helfer, Hinweise oder Regeln früher ein.

Zu viele Märchenmerkmale können ebenfalls stören. Drei Zauberspiegel, sieben Riesen, zwölf Feen, vier Flüche und fünf sprechende Tiere machen eine Geschichte nicht automatisch besser. Wähle wenige Elemente, die für Deine Handlung eine Funktion besitzen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Eigenschaft ist für viele Volksmärchen typisch? (Ort und Zeit bleiben häufig unbestimmt) (!Die Handlung spielt immer in einer genau genannten Stadt) (!Alle Figuren besitzen eine ausführliche Biografie) (!Es dürfen keine übernatürlichen Ereignisse vorkommen)




Was sollte ein Schreibplan vor dem Schreiben klären? (Ziel, Hindernisse und Lösung der Handlung) (!Nur die Anzahl der Wörter) (!Nur die Überschrift des Märchens) (!Nur die Rechtschreibung schwieriger Wörter)




Welche Funktion hat eine Prüfung im Märchen besonders häufig? (Sie erschwert den Weg der Hauptfigur zu ihrem Ziel) (!Sie beendet die Geschichte vor dem Konflikt) (!Sie ersetzt jede Figurenentscheidung) (!Sie nennt den genauen historischen Zeitpunkt)




Warum sollte ein Zaubergegenstand klare Regeln besitzen? (Damit die Handlung trotz Magie nachvollziehbar bleibt) (!Damit jede Aufgabe sofort gelöst wird) (!Damit keine Hauptfigur mehr benötigt wird) (!Damit das Märchen wie ein Sachtext klingt)




Welche Zahl erscheint in vielen Märchen besonders häufig als Strukturprinzip? (Drei) (!Zweiundvierzig) (!Achtundzwanzig) (!Hundertelf)




Was kennzeichnet einen guten Höhepunkt? (Eine entscheidende Situation führt den zentralen Konflikt zusammen) (!Alle neuen Figuren werden gleichzeitig vorgestellt) (!Die Ausgangslage wird unverändert wiederholt) (!Die Überschrift wird innerhalb der Handlung erklärt)




Wie kann direkte Rede ein Märchen verbessern? (Sie kann Konflikte und Figuren unmittelbar zeigen) (!Sie macht einen Schluss grundsätzlich überflüssig) (!Sie verhindert jede Spannung) (!Sie ersetzt den gesamten Erzählertext)




Was unterscheidet ein Kunstmärchen typischerweise vom Volksmärchen? (Die Autorin oder der Autor ist bekannt) (!Es enthält niemals fantastische Elemente) (!Es besteht ausschließlich aus Dialogen) (!Es darf keinen Konflikt enthalten)




Was ist bei der Überarbeitung zuerst besonders sinnvoll? (Den Zusammenhang der gesamten Handlung prüfen) (!Jedes Verb durch dasselbe Wort ersetzen) (!Alle Zauberelemente entfernen) (!Nur die Länge der Überschrift verändern)




Welche Lösung wirkt in einem Märchen besonders überzeugend? (Eine Lösung, die durch frühere Hinweise und Entscheidungen vorbereitet ist) (!Eine völlig neue Zauberfigur im letzten Satz ohne Vorbereitung) (!Ein Abbruch mitten im Höhepunkt) (!Eine Lösung ohne Bezug zum ursprünglichen Problem)





Memory

Anfangsformel Es war einmal
Hauptfigur Trägt den zentralen Konflikt
Zaubergegenstand Magisches Hilfsmittel mit besonderer Wirkung
Prüfung Schwieriges Hindernis auf dem Weg zum Ziel
Helfer Unterstützt die handelnde Figur
Höhepunkt Entscheidende Situation der Handlung
Schlussformel Formelhaftes Ende eines Märchens





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Aufgabe im Handlungsaufbau
Einleitung Figuren und Ausgangslage vorstellen
Auslöser Problem oder Auftrag in Gang setzen
Prüfungsfolge Schwierigkeiten steigern
Höhepunkt Zentrale Entscheidung herbeiführen
Schluss Problem lösen und Folgen zeigen




...


Kreuzworträtsel

Zauber Welches Element macht in vielen Märchen Übernatürliches möglich?
Helfer Wie heißt eine Figur, die die Hauptfigur unterstützt?
Präteritum Welche Zeitform wird in vielen deutschsprachigen Märchenerzählungen verwendet?
Dreizahl Wie heißt das häufige Strukturprinzip mit drei Aufgaben oder drei Versuchen?
Widersacher Wie kann man eine Figur nennen, die dem Ziel der Hauptfigur entgegenarbeitet?
Schlussformel Wie heißt eine wiederkehrende feste Wendung am Ende eines Märchens?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Ein Märchen kann fantastische und

Ereignisse enthalten. Viele Volksmärchen beginnen mit einer unbestimmten

. Die handelnde Hauptfigur verfolgt gewöhnlich ein bestimmtes

. Auf dem Weg dorthin muss sie häufig eine oder mehrere

bestehen. Eine unterstützende Figur wird als

bezeichnet. Ein magischer Gegenstand sollte nachvollziehbare

besitzen. Wiederholungen können den Handlungsverlauf strukturieren und die

steigern. Die entscheidende Situation der Geschichte wird als

bezeichnet. Viele deutschsprachige Märchen werden im

erzählt. Beim Überarbeiten solltest Du besonders den Zusammenhang der

prüfen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Märchenfigur: Erfinde eine Hauptfigur und beschreibe in fünf Sätzen, was sie sich wünscht, wovor sie Angst hat und welche Stärke ihr später helfen könnte.
  2. Zaubergegenstand: Gestalte eine Karte für einen magischen Gegenstand mit Name, Wirkung, Grenze und einer möglichen Gefahr beim Einsatz.
  3. Märchenanfang: Schreibe drei verschiedene Anfänge für dieselbe Märchenidee und entscheide anschließend, welcher Anfang am meisten Neugier erzeugt.
  4. Märchenillustration: Zeichne oder gestalte digital einen Schauplatz für ein eigenes Märchen und notiere fünf Einzelheiten, die später in der Handlung wichtig werden können.


Standard

  1. Schreibplan: Entwickle einen vollständigen Schreibplan mit Ausgangslage, Ziel, Gegner, Helfer, drei Prüfungen, Höhepunkt und Schluss.
  2. Direkte Rede: Schreibe eine Dialogszene, in der die Hauptfigur mit einer rätselhaften Helferfigur verhandelt, ohne dass sofort klar ist, ob sie vertrauenswürdig ist.
  3. Spannungsbogen: Plane drei Prüfungen so, dass jede schwieriger ist als die vorherige und jeweils eine andere Fähigkeit der Hauptfigur verlangt.
  4. Textüberarbeitung: Tausche Deinen Märchenentwurf mit einer Partnerin oder einem Partner und gib Rückmeldung zu Zusammenhang, Spannung, Märchenmerkmalen und Sprache. Überarbeite danach mindestens drei Stellen.


Schwer

  1. Perspektivwechsel: Schreibe eine zentrale Szene zuerst aus Sicht der Hauptfigur und anschließend aus Sicht des Gegenspielers. Vergleiche, wie sich Wirkung und Sympathie verändern.
  2. Märchenadaption: Übertrage ein bekanntes Märchenmotiv in eine neue Umgebung, ohne einfach die ursprüngliche Handlung nachzuerzählen. Begründe, welche Motive Du erhalten und welche Du verändert hast.
  3. Hörspiel: Produziere in einer Kleingruppe ein kurzes Märchen-Hörspiel mit Erzählerstimme, Dialogen und selbst erzeugten Geräuschen. Erstellt vorher ein Skript und eine Aufgabenverteilung.
  4. Märchenprojekt: Recherchiere in Bibliothek, Museum, Archiv oder seriösen Online-Angeboten verschiedene Fassungen eines Märchens. Entwickle daraus ein eigenes Märchen und dokumentiere, welche traditionellen Motive Dich inspiriert haben.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Märchenmerkmale anwenden: Du erhältst die Idee „Ein Kind findet eine Tür, die nur bei Regen sichtbar ist“. Entwickle daraus einen Märchenplan mit mindestens drei begründeten Märchenmerkmalen. Erkläre jeweils, welche Funktion das Merkmal in Deiner Handlung übernimmt.
  2. Handlungslogik prüfen: In einem Entwurf kann ein Zauberschlüssel zunächst nur einmal benutzt werden, öffnet am Ende aber ohne Erklärung drei weitere Türen. Beschreibe zwei unterschiedliche Möglichkeiten, diesen Widerspruch sinnvoll zu überarbeiten.
  3. Spannung gestalten: Entwirf zu einer Hauptfigur drei Prüfungen mit steigender Schwierigkeit. Begründe, wodurch die Steigerung entsteht und warum die letzte Prüfung zum Höhepunkt führen kann.
  4. Figurenentscheidung bewerten: Eine Heldin kann entweder ihren Zaubergegenstand behalten oder ihn opfern, um einem früheren Gegner zu helfen. Erkläre, wie beide Entscheidungen zu unterschiedlichen Märchenenden führen könnten.
  5. Volksmärchen und Kunstmärchen vergleichen: Entwickle zwei kurze Konzepte zum gleichen Motiv. Das erste soll sich stark an typischen Volksmärchenstrukturen orientieren, das zweite darf psychologisch komplexer und offener gestaltet sein. Erläutere die Unterschiede.
  6. Überarbeitung begründen: Wähle einen selbst geschriebenen Märchenabschnitt, überarbeite ihn inhaltlich und sprachlich und markiere mindestens drei Änderungen. Erkläre, warum die neue Fassung jeweils besser funktioniert.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen können, dass Du die Textsorte nicht nur erkennst, sondern bewusst gestaltest.

  1. Märchenmerkmale: Du kannst typische Merkmale erklären und gezielt einsetzen, ohne daraus eine starre Pflichtliste zu machen.
  2. Schreibplanung: Du kannst eine Handlung mit Ausgangslage, Ziel, Hindernissen, Höhepunkt und Lösung planen.
  3. Figurengestaltung: Du kannst Hauptfigur, Gegenspieler und Helfer so gestalten, dass ihre Funktionen für die Handlung verständlich sind.
  4. Fantastische Regeln: Du kannst Zauber und magische Gegenstände mit nachvollziehbaren Möglichkeiten und Grenzen einsetzen.
  5. Spannungsbogen: Du kannst Prüfungen steigern und eine entscheidende Situation vorbereiten.
  6. Märchensprache: Du kannst eine passende Erzählzeit, treffende Verben, direkte Rede und typische Formulierungen sinnvoll verwenden.
  7. Textkohärenz: Du kannst Ursachen und Folgen verbinden und zufällige oder widersprüchliche Lösungen vermeiden.
  8. Textüberarbeitung: Du kannst Rückmeldungen nutzen, Änderungen begründen und einen Entwurf inhaltlich sowie sprachlich verbessern.
  9. Reflexion: Du kannst erläutern, warum Du bestimmte Märchenmotive, Figuren oder Erzählentscheidungen gewählt hast.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Beim Märchenschreiben verbindest Du literarisches Wissen mit kreativem Schreiben, Grammatik, Sprachgestaltung und Überarbeitung. Besonders wichtig sind das Verständnis von Erzählstrukturen, die bewusste Gestaltung von Figuren und Konflikten sowie die Fähigkeit, einen Text adressatengerecht zu planen und zu überarbeiten.


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