Märchen schreiben


Märchen schreiben
Einleitung
Märchen schreiben bedeutet, eine Erzählung zu gestalten, in der Alltägliches und Wunderbares selbstverständlich nebeneinanderstehen. Ein Märchen führt Dich in eine Welt, in der Zauber, sprechende Tiere, geheimnisvolle Wälder, verwunschene Orte, Prüfungen und klare Gegensätze eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben eines Märchens lernst Du, eine Handlung bewusst aufzubauen, Figuren mit Aufgaben zu entwickeln, Spannung zu erzeugen und eine sprachlich passende Märchenatmosphäre zu schaffen.
In diesem aiMOOC lernst Du, wie Du ein eigenes Märchen planst, schreibst, überarbeitest und präsentierst. Du untersuchst typische Märchenmerkmale, sammelst eigene Ideen, baust eine klare Handlung auf und arbeitest mit Anfangsformeln, Schlussformeln, Symbolen, Zahlensymbolik, Magie und Moral. Am Ende kannst Du ein eigenes Märchen schreiben, das zugleich fantasievoll, verständlich und gut strukturiert ist.

Was ist ein Märchen?
Ein Märchen ist eine kurze bis mittellange Erzählung, in der wunderbare Ereignisse als selbstverständlich erscheinen. Anders als in einer realistischen Geschichte muss im Märchen nicht erklärt werden, warum ein Drache sprechen kann, weshalb ein Baum Ratschläge gibt oder wie ein unscheinbarer Ring plötzlich Wünsche erfüllt. Das Wunderbare gehört zur erzählten Welt.
Viele bekannte Märchen wurden über lange Zeit mündlich weitererzählt, bevor sie gesammelt und aufgeschrieben wurden. Solche Texte nennt man Volksmärchen. Die Brüder Grimm sammelten im 19. Jahrhundert viele deutschsprachige Märchen und veröffentlichten sie in den Kinder- und Hausmärchen. Daneben gibt es Kunstmärchen, die von bestimmten Autorinnen oder Autoren erfunden und literarisch gestaltet wurden. Beim eigenen Märchenschreiben darfst Du Dich an typischen Volksmärchen orientieren, kannst aber auch moderne Ideen einbauen.

Märchenwelt und Wirklichkeit
Die Welt eines Märchens ist oft unbestimmt. Häufig weißt Du nicht genau, in welchem Land, in welcher Stadt oder in welchem Jahr die Geschichte spielt. Formeln wie Es war einmal oder Vor langer, langer Zeit lösen die Handlung von einer konkreten historischen Wirklichkeit. Dadurch wird das Märchen allgemeiner: Es erzählt nicht nur von einer einzelnen Person, sondern von Erfahrungen, die viele Menschen verstehen können, zum Beispiel Angst, Mut, Neid, Hoffnung, Gerechtigkeit, Verlust, Treue oder Vertrauen.
Typisch ist auch, dass Märchen klare Gegensätze zeigen. Figuren können arm oder reich, gut oder böse, klug oder töricht, hilfsbereit oder grausam erscheinen. Diese Gegensätze machen die Handlung leicht verständlich und verstärken die Wirkung der Entscheidungen. Wenn Du ein Märchen schreibst, solltest Du solche Gegensätze bewusst einsetzen, aber nicht gedankenlos wiederholen. Ein modernes Märchen kann auch zeigen, dass Figuren sich verändern und dazulernen.
Volksmärchen und Kunstmärchen
Ein Volksmärchen hat meist keine einzelne bekannte Autorin oder keinen einzelnen bekannten Autor. Es wurde überliefert, verändert und in unterschiedlichen Fassungen weitererzählt. Deshalb wirken viele Volksmärchen schlicht, formelhaft und konzentriert. Sie haben oft eine klare Handlung, wenige Beschreibungen und wiederkehrende Motive.
Ein Kunstmärchen stammt dagegen von einer bekannten Person. Es kann sprachlich ausgefeilter, psychologisch genauer und inhaltlich komplexer sein. Kunstmärchen können Märchenmotive aufnehmen, aber auch brechen. Wenn Du selbst ein Märchen schreibst, verfasst Du im Grunde ein eigenes Kunstmärchen, auch wenn Du Dich an klassischen Volksmärchen orientierst.
Typische Merkmale eines Märchens
Beim Märchenschreiben hilft Dir eine sichere Kenntnis der Märchenmerkmale. Nicht jedes Märchen enthält alle Merkmale, aber viele greifen mehrere davon auf. Wichtig ist, dass Du die Merkmale nicht nur aufzählst, sondern erzählerisch nutzt.
- Anfangsformel: Ein Märchen beginnt häufig mit einer Formel wie Es war einmal.
- Unbestimmtheit: Ort und Zeit bleiben oft ungenau, damit die Geschichte zeitlos wirkt.
- Magische Figur: Hexen, Feen, Zauberer, Riesen, Zwerge, Drachen oder sprechende Tiere können auftreten.
- Prüfung: Die Hauptfigur muss eine Aufgabe lösen, eine Gefahr bestehen oder eine Entscheidung treffen.
- Zahlensymbolik: Zahlen wie drei, sieben oder zwölf erscheinen häufig und geben der Handlung Struktur.
- Wiederholung: Handlungen, Sprüche oder Aufgaben wiederholen sich und steigern die Spannung.
- Gegensatz: Gut und Böse, Arm und Reich oder Schwach und Mächtig stehen einander gegenüber.
- Belohnung: Hilfsbereitschaft, Mut oder Treue werden oft belohnt.
- Bestrafung: Grausamkeit, Hochmut oder Habgier haben häufig Folgen.
- Schlussformel: Viele Märchen enden mit einer Formel, die den Abschluss deutlich macht.
Märchentypische Sprache
Die Sprache eines Märchens ist oft klar, anschaulich und einprägsam. Sie verwendet einfache Satzstrukturen, starke Bilder und wiederkehrende Formeln. Statt lange psychologische Erklärungen zu geben, zeigt das Märchen die Eigenschaften der Figuren durch Handlungen. Eine Figur ist mutig, weil sie in den dunklen Wald geht. Eine Figur ist hilfsbereit, weil sie ein verletztes Tier versorgt. Eine Figur ist habgierig, weil sie trotz Warnung immer mehr Gold verlangt.
Für Dein eigenes Märchen kannst Du eine bildhafte Sprache nutzen. Beschreibe nicht alles bis ins kleinste Detail, sondern wähle wenige starke Bilder: ein Schloss aus schwarzem Glas, ein Brunnen, der bei Mondlicht singt, ein Mantel aus Nebel, eine Tür ohne Griff oder einen Apfel, der nur der Wahrheit gehorcht. Solche Bilder bleiben im Gedächtnis.
Märchenhafte Formeln und Sprüche
Formeln geben Deinem Märchen einen vertrauten Klang. Sie können am Anfang, am Ende oder mitten in der Handlung stehen. Typisch sind Einleitungsformeln, Zaubersprüche, Warnungen, Rätselverse und Schlussformeln. Ein guter Spruch sollte kurz, rhythmisch und bedeutungsvoll sein.
Beispiele für eigene Formeln sind: Es war einmal hinter sieben Hügeln, Wer das Herz nicht öffnet, findet den Schlüssel nicht oder Dreimal klopfe, dreimal frag, dann erscheint der helle Tag. Solche Sätze helfen, die Märchenwelt glaubwürdig zu machen.
Aufbau eines eigenen Märchens
Ein Märchen braucht eine klare Dramaturgie. Die Handlung soll so aufgebaut sein, dass die Lesenden verstehen, wer etwas will, welches Problem entsteht, welche Prüfungen folgen und wie die Geschichte endet. Ein einfacher Aufbau hilft Dir beim Planen.
Ausgangssituation
Am Anfang stellst Du die Hauptfigur und ihre Welt vor. Die Hauptfigur kann ein Kind, eine junge Frau, ein armer Hirte, eine Müllerstochter, ein verstoßener Königssohn, ein sprechender Fuchs oder eine andere Figur sein. Wichtig ist, dass die Figur einen Mangel, Wunsch oder Konflikt hat. Vielleicht fehlt ihr Mut. Vielleicht ist ihr Dorf verflucht. Vielleicht sucht sie ein Heilmittel. Vielleicht wurde ihr ein Versprechen gegeben.
Eine gute Ausgangssituation beantwortet drei Fragen: Wer steht im Mittelpunkt? Was fehlt oder bedroht die Figur? Warum muss sich etwas ändern?
Auslöser und Auftrag
Danach geschieht etwas, das die Handlung in Bewegung setzt. Die Hauptfigur erhält einen Auftrag, begegnet einer geheimnisvollen Person, findet einen magischen Gegenstand oder muss ihre vertraute Umgebung verlassen. Dieser Auslöser ist wichtig, weil er aus einer ruhigen Anfangslage ein Abenteuer macht.
Ein Auftrag kann lauten: Finde die goldene Feder des Nachtvogels. Bringe Wasser aus dem Brunnen der Wahrheit. Befreie die verwunschene Schwester. Löse das Rätsel der schweigenden Stadt. Bewahre ein Versprechen, auch wenn es schwer wird.
Weg und Prüfungen
Im Hauptteil besteht die Figur Prüfungen. Häufig sind es drei Aufgaben oder drei Begegnungen. Bei jeder Prüfung zeigt die Figur eine Eigenschaft: Mut, Geduld, Klugheit, Barmherzigkeit oder Treue. Dabei sollte die Hauptfigur nicht einfach nur Glück haben. Sie soll Entscheidungen treffen, aus Fehlern lernen und Hilfe annehmen.
Märchenhafte Helferinnen und Helfer können auftreten, wenn die Hauptfigur zuvor selbst hilfsbereit war. Ein Vogel zeigt den Weg, ein alter Mann gibt einen Rat, ein Fisch schenkt eine Schuppe, eine Katze bewacht eine Tür oder ein unscheinbarer Stein verwandelt sich in einen Schlüssel. So entsteht ein Zusammenhang zwischen Verhalten und späterer Hilfe.
Höhepunkt und Lösung
Der Höhepunkt ist die schwierigste Stelle der Geschichte. Hier muss die Hauptfigur die wichtigste Prüfung bestehen. Vielleicht steht sie der Gegenspielerin gegenüber, muss ein Rätsel lösen, eine Versuchung ablehnen oder eine mutige Entscheidung treffen. Danach folgt die Lösung. Der Fluch wird gebrochen, die Wahrheit kommt ans Licht, das Reich wird gerettet oder die Figur findet ihren eigenen Weg.
Ein gutes Märchenende wirkt gerecht, aber nicht beliebig. Die Lösung sollte aus dem vorherigen Handeln entstehen. Wer vorher freundlich war, erhält Hilfe. Wer gelernt hat, ehrlich zu sein, kann das entscheidende Rätsel lösen. Wer Gier überwindet, findet den wahren Schatz.
Schluss und Moral
Viele Märchen enden glücklich, aber nicht jedes Ende muss oberflächlich fröhlich sein. Entscheidend ist, dass die Geschichte eine erkennbare Ordnung findet. Am Ende kann eine Belohnung stehen, eine Versöhnung, eine Befreiung oder eine Erkenntnis. Die Moral sollte nicht wie ein belehrender Merksatz angeklebt wirken. Besser ist es, wenn die Handlung selbst zeigt, welche Haltung wertvoll ist.
Figuren im Märchen
Figuren im Märchen sind oft klar gezeichnet. Sie müssen nicht so ausführlich beschrieben werden wie Figuren in einem Roman, aber sie brauchen eine erkennbare Funktion in der Handlung. Du solltest wissen, welche Aufgabe jede Figur erfüllt.
Hauptfigur
Die Hauptfigur trägt die Handlung. Sie erlebt den Mangel, erhält den Auftrag, besteht die Prüfungen und verändert die Situation. Eine gute Hauptfigur muss nicht vollkommen sein. Sie kann ängstlich, ungeduldig oder unsicher beginnen. Entscheidend ist, dass sie im Verlauf der Geschichte handelt und eine innere oder äußere Entwicklung durchläuft.
Gegenspieler und Hindernisse
Der Gegenspieler oder das Hindernis erzeugt Spannung. Das kann eine böse Königin, ein neidischer Bruder, eine Hexe, ein Drache, ein Fluch, ein Verbot oder eine innere Schwäche sein. Ein gutes Hindernis macht die Aufgabe schwer, aber nicht unlösbar. Dadurch wird die Leistung der Hauptfigur sichtbar.
Helferfiguren
Helferfiguren sind typisch für Märchen. Sie erscheinen oft unscheinbar und prüfen die Haltung der Hauptfigur. Wer freundlich zu einem alten Menschen, einem Tier oder einem scheinbar wertlosen Gegenstand ist, erhält später Unterstützung. Diese Struktur zeigt, dass gutes Handeln Folgen hat.
Magische Gegenstände
Ein Magischer Gegenstand kann die Handlung prägen: ein Schlüssel, ein Ring, ein Spiegel, ein Kamm, ein Mantel, ein Apfel, ein Buch, ein Schwert oder eine Feder. Der Gegenstand sollte nicht zufällig alles lösen. Er wirkt besser, wenn er an eine Bedingung gebunden ist. Zum Beispiel öffnet der Schlüssel nur Türen für ehrliche Menschen oder der Spiegel zeigt nicht das Gesicht, sondern die Absicht.
Planung: Von der Idee zum Märchen
Bevor Du losschreibst, lohnt sich eine kurze Planung. Sie verhindert, dass Dein Märchen nur aus einzelnen Einfällen besteht. Eine einfache Märchenplanung kann aus sechs Entscheidungen bestehen.
- Thema: Worum soll es im Kern gehen, zum Beispiel Mut, Vertrauen, Gerechtigkeit oder Selbstständigkeit?
- Hauptfigur: Wer erlebt die Geschichte und was fehlt dieser Figur?
- Märchenwelt: Wo beginnt die Handlung, etwa im Dorf, im Wald, im Schloss, am Meer oder in einer verwunschenen Stadt?
- Auftrag: Welche Aufgabe muss gelöst werden?
- Prüfung: Welche Hindernisse machen den Weg spannend?
- Lösung: Wie wird das Problem durch Handeln, Einsicht oder Hilfe gelöst?
Ideen finden
Du kannst eine Märchenidee entwickeln, indem Du Gegensätze kombinierst. Verbinde zum Beispiel ein armes Mädchen mit einem goldenen Schloss, einen ängstlichen Prinzen mit einem mutigen Vogel, eine schweigende Stadt mit einem sprechenden Brunnen oder einen gierigen König mit einem unsichtbaren Schatz. Aus solchen Gegensätzen entsteht Spannung.
Auch Fragen helfen beim Finden einer Idee: Was wäre, wenn ein Wald nur Menschen hineinlässt, die die Wahrheit sagen? Was wäre, wenn ein Drache nicht kämpfen, sondern lesen lernen wollte? Was wäre, wenn eine Prinzessin keinen Prinzen sucht, sondern den Namen des Windes? Was wäre, wenn ein armer Junge ein Brot teilt und dafür den Weg aus einem Zauberlabyrinth findet?
Märchenbauplan
Ein nützlicher Bauplan lautet: Anfangsformel, Hauptfigur, Mangel, Auftrag, drei Prüfungen, magische Hilfe, Höhepunkt, Lösung, Schlussformel. Dieser Bauplan ist kein starres Gesetz. Du kannst ihn verändern, aber er hilft Dir, eine vollständige Handlung zu schreiben.
Schreibwerkstatt: Märchen verfassen
Beim Schreiben solltest Du zuerst einen flüssigen Entwurf erstellen. Achte in der ersten Fassung vor allem auf die Handlung. Die genaue Sprache kannst Du später überarbeiten. Beginne mit einer passenden Formel, führe die Hauptfigur knapp ein und zeige rasch, welches Problem entsteht.
Spannend erzählen
Spannung entsteht, wenn die Lesenden wissen möchten, wie die Hauptfigur die nächste Prüfung besteht. Stelle Hindernisse so dar, dass sie schwieriger werden. Die erste Prüfung kann eine Mutprobe sein, die zweite eine Klugheitsprobe und die dritte eine Herzensprobe. Wiederholungen dürfen vorkommen, aber jede Wiederholung sollte eine Steigerung enthalten.
Dialoge im Märchen
Dialoge können ein Märchen lebendig machen. Sie sollten kurz und bedeutungsvoll sein. Eine Hexe kann eine Warnung aussprechen, ein Tier kann ein Rätsel stellen, eine alte Frau kann einen Rat geben. Vermeide sehr moderne Alltagssprache, wenn Du einen klassischen Märchenton erreichen möchtest. Statt Hey, was geht? passt eher: Wohin des Weges, Kind?
Beschreiben ohne zu überladen
Märchen beschreiben oft sparsam. Du musst nicht jedes Kleidungsstück, jeden Baum und jedes Zimmer ausführlich erklären. Wähle wenige Details, die Atmosphäre schaffen. Ein Schloss kann aus kaltem Silber sein, ein Wald so still, dass man den Schnee fallen hörte, ein See dunkel wie ein geschlossener Spiegel. Solche Bilder wirken stärker als lange Beschreibungen.
Überarbeiten
Nach dem Schreiben prüfst Du Dein Märchen. Hat es eine klare Hauptfigur? Gibt es einen erkennbaren Mangel oder Auftrag? Steigern sich die Prüfungen? Wird die magische Hilfe vorbereitet? Passt die Lösung zur Handlung? Klingen Anfang und Ende märchenhaft? Sind Wiederholungen sinnvoll eingesetzt? Wenn Du diese Fragen beantwortest, kannst Du Deinen Text gezielt verbessern.
Video: Märchenmerkmale und Aufbau
Das folgende Lernvideo erklärt zentrale Merkmale und den Aufbau von Märchen. Nutze es, um Deinen eigenen Text mit typischen Märchenmerkmalen zu vergleichen.
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Checkliste für Dein eigenes Märchen
Nutze diese Checkliste, bevor Du Dein Märchen abgibst oder veröffentlichst.
- Anfang: Beginnt Dein Märchen mit einer passenden Formel oder einer märchenhaften Situation?
- Hauptfigur: Ist klar, wer im Mittelpunkt steht?
- Konflikt: Gibt es ein Problem, einen Mangel, einen Wunsch oder einen Auftrag?
- Magie: Kommt etwas Wunderbares vor, das zur Geschichte passt?
- Prüfung: Muss die Hauptfigur Hindernisse überwinden?
- Steigerung: Werden die Aufgaben im Verlauf spannender oder schwieriger?
- Hilfe: Gibt es Helferfiguren oder magische Gegenstände, die sinnvoll vorbereitet sind?
- Sprache: Klingt der Text märchenhaft, anschaulich und verständlich?
- Schluss: Wird die Geschichte überzeugend gelöst?
- Überarbeitung: Hast Du Rechtschreibung, Zeichensetzung und Ausdruck geprüft?
Beispiel: Mini-Märchen als Modell
Es war einmal ein Kind, das in einem Dorf am Rand eines schweigenden Waldes lebte. Jeden Morgen hörte es am Brunnen eine Stimme, doch niemand glaubte ihm. Eines Tages fiel der Eimer in die Tiefe, und aus dem Wasser stieg ein silberner Frosch. Er sprach: Wer den verlorenen Klang finden will, muss dreimal geben, ohne Lohn zu verlangen.
Da teilte das Kind sein Brot mit einem hungrigen Raben, schenkte seinen Schal einer frierenden Alten und trug einen verletzten Hasen bis zur Lichtung. Jedes Mal erhielt es etwas Kleines zurück: eine schwarze Feder, einen gläsernen Knopf und ein goldenes Haar. Als es die drei Dinge in den Brunnen warf, begann das Wasser zu singen. Der Wald öffnete seine Wege, und das Dorf hörte zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder die Vögel. Da wussten alle, dass nicht der größte Schatz den Zauber bricht, sondern ein Herz, das geben kann. Und wenn der Brunnen noch klingt, dann klingt er bis heute.
Dieses Mini-Märchen zeigt, wie Anfangsformel, magische Figur, Dreizahl, Prüfungen, Belohnung, Moral und Schlussformel zusammenwirken können.
Häufige Fehler beim Märchenschreiben
Ein häufiger Fehler besteht darin, Märchenmerkmale nur zufällig einzubauen. Ein Drache, ein Schloss und ein Zauberstab machen noch kein gutes Märchen, wenn die Handlung unklar bleibt. Auch ein plötzliches Ende ohne Vorbereitung wirkt schwach. Wenn ein magischer Gegenstand die Lösung bringt, sollte er vorher eingeführt werden.
Ein weiterer Fehler ist eine zu moderne Sprache, die nicht zur gewählten Märchenatmosphäre passt. Natürlich darf ein modernes Märchen heutige Themen aufnehmen, aber der Stil sollte bewusst gewählt sein. Außerdem solltest Du vermeiden, nur bekannte Märchen nachzuerzählen. Besser ist es, vertraute Elemente neu zu kombinieren.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Anfangsformel ist besonders typisch für ein klassisches Märchen? (Es war einmal) (!Gestern um 15 Uhr) (!In der Berliner Hauptstraße) (!Laut Polizeibericht)
Was ist ein häufiges Merkmal von Märchenfiguren? (Sie sind oft klar als gut oder böse erkennbar) (!Sie werden immer mit vollständigem Lebenslauf vorgestellt) (!Sie handeln ausschließlich nach wissenschaftlichen Regeln) (!Sie dürfen keine Entscheidungen treffen)
Welche Zahl kommt in vielen Märchen besonders häufig vor? (Drei) (!Zweiundvierzig) (!Neunzehn) (!Null)
Welche Aufgabe hat ein magischer Gegenstand in einem Märchen am besten? (Er unterstützt die Handlung unter einer sinnvollen Bedingung) (!Er löst ohne Vorbereitung jedes Problem) (!Er ersetzt alle Figuren) (!Er verhindert jede Spannung)
Was macht eine Prüfung im Märchen spannend? (Die Hauptfigur muss eine wichtige Entscheidung treffen) (!Die Handlung bleibt stehen) (!Alle Probleme verschwinden sofort) (!Der Schluss wird am Anfang erklärt)
Was unterscheidet ein Kunstmärchen von einem Volksmärchen? (Die Autorin oder der Autor ist meist bekannt) (!Es darf keine Fantasie enthalten) (!Es besteht immer nur aus einem Satz) (!Es wurde nie aufgeschrieben)
Welche Figur kann im Märchen eine Helferfigur sein? (Ein sprechender Fuchs) (!Eine Fußnote) (!Eine Seitenzahl) (!Ein Wörterbuchverzeichnis)
Was ist für die Märchensprache typisch? (Sie ist oft anschaulich und formelhaft) (!Sie ist immer amtlich und sachlich) (!Sie besteht nur aus Fremdwörtern) (!Sie verzichtet vollständig auf Bilder)
Warum bleiben Ort und Zeit im Märchen oft unbestimmt? (Damit die Geschichte zeitlos und allgemein wirkt) (!Damit niemand die Handlung versteht) (!Damit keine Figuren auftreten können) (!Damit das Ende unmöglich wird)
Was sollte ein gutes Märchenende leisten? (Es sollte die Handlung überzeugend lösen) (!Es sollte alle Fragen absichtlich vergessen) (!Es sollte mitten im Satz abbrechen) (!Es sollte die Hauptfigur aus der Geschichte entfernen)
Memory
| Anfangsformel | Eröffnet die Märchenwelt |
| Dreizahl | Strukturiert Prüfungen |
| Helferfigur | Unterstützt die Hauptfigur |
| Zauberspruch | Löst magische Wirkung aus |
| Gegenspieler | Erzeugt Konflikt |
| Schlussformel | Beendet die Erzählung |
| Magischer Gegenstand | Verbindet Wunder und Handlung |
| Moral | Zeigt die Bedeutung der Geschichte |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Anfangsformel | Einstieg in die Märchenwelt |
| Hauptfigur | Trägerin oder Träger der Handlung |
| Prüfung | Schwierige Aufgabe auf dem Weg |
| Helferfigur | Unterstützung nach gutem Handeln |
| Höhepunkt | Entscheidende schwierigste Stelle |
| Schlussformel | Abrundung des Märchens |
Kreuzworträtsel
| Maerchen | Wie nennt man eine wunderbare Erzählung mit Zauber und Prüfungen? |
| Formel | Wie nennt man einen wiederkehrenden festen Satz am Anfang oder Ende? |
| Heldin | Wie nennt man eine weibliche Hauptfigur, die die Handlung trägt? |
| Zauber | Wie heißt die wunderbare Kraft, durch die Unmögliches möglich wird? |
| Pruefung | Wie nennt man eine schwierige Aufgabe, die bestanden werden muss? |
| Wendung | Wie nennt man eine überraschende Veränderung im Verlauf der Handlung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Märchenanfang: Schreibe fünf verschiedene Anfangsformeln für ein eigenes Märchen und wähle die stimmungsvollste aus.
- Figurenkarte: Erstelle eine Figurenkarte für eine Hauptfigur mit Wunsch, Angst, Stärke und Schwäche.
- Magischer Gegenstand: Erfinde einen magischen Gegenstand und beschreibe, welche Bedingung für seine Wirkung gelten soll.
- Märchenort: Zeichne oder beschreibe einen märchenhaften Ort, an dem Dein Märchen beginnen könnte.
Standard
- Märchenbauplan: Plane ein Märchen mit Anfang, Auftrag, drei Prüfungen, Höhepunkt und Schluss.
- Dialog: Schreibe einen kurzen Dialog zwischen Deiner Hauptfigur und einer geheimnisvollen Helferfigur.
- Perspektive: Erzähle eine bekannte Märchenszene aus der Sicht einer Nebenfigur neu.
- Überarbeitung: Tausche Deinen Märchenentwurf mit einer anderen Person und gib Rückmeldung zu Spannung, Sprache und Märchenmerkmalen.
Schwer
- Kunstmärchen: Schreibe ein eigenes Kunstmärchen, das klassische Märchenmerkmale nutzt und zugleich ein modernes Thema behandelt.
- Märchenanalyse: Vergleiche zwei bekannte Märchen und untersuche, wie Prüfungen, Helferfiguren und Moral gestaltet sind.
- Märchenfilm: Entwickle ein kurzes Storyboard für eine Verfilmung Deines Märchens mit mindestens sechs Szenen.
- Märchensammlung: Führe ein Interview mit einer älteren Person über ein Märchen aus ihrer Kindheit und vergleiche es mit einer schriftlichen Fassung.

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Lernkontrolle
- Transfer Märchenmerkmale: Erkläre an einem selbst gewählten Textausschnitt, welche Märchenmerkmale erfüllt sind und welche bewusst fehlen.
- Märchen überarbeiten: Überarbeite einen nüchternen Erzählanfang so, dass daraus ein märchenhafter Anfang mit Atmosphäre entsteht.
- Figurenentwicklung: Entwickle eine Hauptfigur, die am Anfang eine Schwäche hat und diese im Verlauf dreier Prüfungen überwindet.
- Moral deuten: Zeige an Deinem eigenen Märchen, welche Haltung oder Einsicht durch die Handlung vermittelt wird, ohne sie direkt als Belehrung zu formulieren.
- Vergleich Volksmärchen Kunstmärchen: Vergleiche ein klassisches Volksmärchen mit einem modernen selbst geschriebenen Märchen und erkläre Unterschiede in Sprache, Figuren und Ende.
- Märchenpräsentation: Präsentiere Dein Märchen mündlich und begründe anschließend, welche erzählerischen Entscheidungen Du getroffen hast.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du ein eigenes Märchen und reichst zusätzlich eine kurze Reflexion ein. Dein Märchen soll eine erkennbare Hauptfigur, einen klaren Konflikt, mindestens zwei Prüfungen, ein wunderbares Element und einen überzeugenden Schluss enthalten. In der Reflexion erklärst Du, welche Märchenmerkmale Du verwendet hast, wie Du Spannung aufgebaut hast und an welcher Stelle Du Deinen Text nach der ersten Fassung verbessert hast.
Bewertungsraster
- Aufbau: Die Handlung ist verständlich gegliedert und führt von einer Ausgangssituation über Prüfungen zu einer Lösung.
- Märchenmerkmale: Typische Merkmale wie Formel, Magie, Helferfigur, Prüfung oder Zahlensymbolik werden sinnvoll eingesetzt.
- Sprache: Der Text klingt anschaulich, passend und weitgehend sicher formuliert.
- Kreativität: Die Geschichte zeigt eigene Ideen und kombiniert Märchenelemente nicht nur nach Schema.
- Überarbeitung: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Ausdruck und innere Logik wurden erkennbar geprüft.
OERs zum Thema
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