Literatur verstehen - Ohne Inschrift - Karl Emil Franzos
Einleitung
Ohne Inschrift ist eine ernste Erzählung von Karl Emil Franzos. Sie erschien 1876 in der Zeitschrift Die Gartenlaube und gehört später zum Erzählband Die Juden von Barnow (1877). Sie handelt von Vorurteilen, Zugehörigkeit, Gewissen und den Folgen von Ausgrenzung. Du untersuchst dabei auch, wer die Geschichte erzählt und welche Sichtweisen der Text selbst kritisiert.
Zielgruppe: Klasse 9/10 mit Hilfen oder Klasse 11–13 zur vertieften Analyse. Lesezeit: in Abschnitten; du entscheidest, ob du schwierige Stellen gemeinsam liest. Hinweis: Die Erzählung schildert Gewalt, religiöse Verfolgung und den Tod von Kindern. Sprich respektvoll über die dargestellten Menschen und unterscheide die literarische Darstellung von Aussagen über heutiges jüdisches Leben.
Volltext in der vorhandenen MOOCwiki-Ausgabe: Buch – Ohne Inschrift – Franzos, Karl Emil. Diese Buchseite wird nur verlinkt, nicht als neue Buchseite angelegt. Historischer Originaldruck: Wikisource: Ohne Inschrift, Die Gartenlaube (1876), Hefte 46 und 47, Seiten 772–774 und 786–789. Lies die Geschichte dort vollständig. Die Fragen weiter unten nennen genau die Textabschnitte, die du brauchst. Vergleiche die Schreibweise deiner MOOCwiki-Ausgabe gegebenenfalls mit dem Originaldruck; beide Fassungen dürfen in der Orthografie voneinander abweichen.
Lernziele: Du kannst Handlung und Rahmenhandlung erklären, Lea und Ruben mit Textbelegen charakterisieren, den Erzählstandpunkt prüfen, sprachliche Mittel deuten, historische Regeln kritisch einordnen und den Text mit anderen Erzähltraditionen des 19. Jahrhunderts vergleichen.

Karl Emil Franzos in einem Holzstich von 1878. Autor unbekannt; Wikimedia Commons, gemeinfrei. Bildnachweis und Lizenz unten.
Werk, Ausgabe und historischer Kontext
Autor, Veröffentlichung und Originalsprache
Karl Emil Franzos (1848–1904) war ein deutschsprachiger Schriftsteller und Journalist. Er schrieb häufig über die Regionen Ostgalizien, Bukowina und Podolien und über Menschen an gesellschaftlichen Grenzen. Ohne Inschrift ist ursprünglich auf Deutsch erschienen. Eine deutsche Übersetzung aus einer anderen Sprache ist für den Erstdruck daher nicht erforderlich. Historische Wörter wie „Heimath“, „todt“ oder „Ueber-“ stammen aus älterer Rechtschreibung. Du darfst sie in einer eigenen Erklärung modern schreiben, aber nicht innerhalb eines als Originalzitat markierten Belegs unbemerkt ändern.
Die Druckvorlage ist eine Quelle für die Literaturgeschichte. Sie ist keine neutrale historische Zeugenaussage über alle jüdischen Gemeinden. Eine spätere Edition, etwa in TextGrid, kann einen anderen Editionsstand bieten. Schreibe beim Zitieren immer auf, welche Fassung du benutzt hast.

Originalseite 773 aus dem Jahr 1876. Vergleiche Schriftbild, Zeilenfall und Schreibweise mit dem digitalen Volltext. Scan: Wikimedia Commons, gemeinfrei.
Realismus und das lange 19. Jahrhundert
Der literarische Realismus stellt Menschen in ihren sozialen Beziehungen dar. Oft geht es um Alltag, Lebensbedingungen, Konflikte und genaue Beobachtungen. Viele Werke verbinden diese Wirklichkeit mit kunstvoller Sprache: Man spricht auch von poetischem Realismus. Franzos beschreibt konkrete Orte und Lebensformen. Zugleich kommentiert sein Ich-Erzähler das Geschehen deutlich. Das ist keine streng wertfreie Darstellung.
Im 19. Jahrhundert veränderten Industrialisierung, Bildung, Politik und Recht das Leben. Das war regional sehr verschieden. Besonders wichtig ist die Spannung zwischen religiöser Gemeinderegel, persönlicher Entscheidung und staatlichem Gericht, die der Erzähler in Ohne Inschrift zeigt. Vergleiche dieses literarische Modell mit historischen Quellen. Verallgemeinere es nicht zu einer Aussage über das Judentum.
Begriffe: Eine Rahmenhandlung umgibt eine weitere Erzählung. Ein Ich-Erzähler spricht als Figur oder Beobachter. Ironie zeigt eine Lücke zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten. Ein Symbol ist ein Gegenstand oder Zeichen mit zusätzlicher Bedeutung.
Externer Lernfilm: „Die Literatur im Realismus“, musstewissen Deutsch/funk, veröffentlicht 2018. YouTube-Standardbedingungen, keine OER-Lizenz nachgewiesen; nur über den offiziellen Player ansehen, nicht herunterladen.
Inhalt verstehen
Rahmen: Besuch auf dem Friedhof
Ein Ich-Erzähler besucht einen jüdischen Friedhof in der Landschaft um die fiktive Stadt Barnow. Der Ort ist ruhig. Zugleich erzählen Gräber von Armut, Gewalt und Streit. Einige Steine tragen keinen Namen. Der Erzähler will verstehen, wie es dazu kam. Er erinnert sich zunächst an frühere Fälle, etwa an einen armen ehemaligen Soldaten und an den Schuster Chaim Lippiner. Die Reaktion der Gemeinschaft auf deren Verhalten wird kritisch dargestellt.
Leseauftrag – Anfang, Originaldruck S. 772–774: Unterstreiche Beschreibungen von Natur und Friedhof in zwei Farben. Markiere danach die Sätze, in denen der Erzähler bewertet. Erkläre, warum ein friedlicher Ort zugleich von Unrecht erzählen kann.
Textbeleg – S. 773: „Wer weiß die Wahrheit?“ Mit dieser Frage wird Chaims Zweifeln deutlich. Welche Antwort gibt die Umgebung auf seinen Wunsch, selbst zu suchen?

Vergleichsbild: jüdische Grabsteine in Brody, Westukraine, Aufnahme 2004 von Roman Zacharij; vom Urheber gemeinfrei freigegeben. Das Bild zeigt ausdrücklich nicht den fiktiven Friedhof Barnow.
Die Geschichte von Lea und Ruben
Auf dem Friedhof sieht der Erzähler das namenlose Grab einer Frau. Die Männer Reb Abraham und Reb Nathan nennen ihm den Namen: Lea. In der von ihnen erzählten Geschichte ist Lea selbstbewusst. Sie heiratet Ruben. Gegen eine in ihrer erzählten Umgebung streng geforderte Haarregel möchte sie ihr eigenes Haar behalten. Ruben hält zu ihr. Nach mehreren schmerzlichen Verlusten wird ihr Haar öffentlich sichtbar. Es folgen Anfeindung und Ausgrenzung.
Ruben widersetzt sich dem Druck der örtlichen religiösen Autoritäten. Er sucht Schutz bei einem staatlichen Gericht. Der Schutz bleibt begrenzt. Später dringen Unbekannte in das Haus ein und schneiden Lea gewaltsam die Haare ab. Lea und ihr neugeborenes Kind sterben kurz darauf. Wer die Tat veranlasst hat, bleibt im Text unbewiesen. Der Erzähler schildert einen Verdacht, aber ausdrücklich keine gesicherte Täterschaft.
Leseauftrag – S. 786–789: Notiere fünf Stationen in zeitlicher Reihenfolge: Gespräch am Grab, Leas Heirat, öffentliche Entdeckung, Rubens Widerstand, Gewalttat. Ergänze zu jeder Station einen Fundort im Originaldruck und eine offene Frage.
Textbeleg – S. 789: „Du behältst Dein Haar.“ Wer spricht hier zu wem? Prüfe, wie sich dieselbe Entscheidung für Lea anfangs und später auswirkt. Kann eine gut gemeinte Haltung selbst problematisch werden?

Originalseite 789: Schluss der Erzählung in der Druckfassung von 1876; mechanischer Scan einer gemeinfreien Vorlage, Wikimedia Commons.
Figuren und Konflikte
Lea möchte in einer wichtigen Frage selbst entscheiden. Ihre Entwicklung ist nicht auf ein einziges Gefühl festgelegt: Stolz, Liebe, Angst und Trauer treten nebeneinander. Ruben schützt Lea vor Angriffen, widersetzt sich aber später auch ihrem Wunsch, die Haare aus Sorge abzuschneiden. Er ist damit keine einfache Heldenfigur. Reb Abraham und Reb Nathan vertreten im Gespräch eine strenge Sicht auf die angebliche Schuld der Toten. Der Rabbi erscheint im Bericht als Vertreter örtlicher Macht. Der Ich-Erzähler fragt nach und stellt sich mit seiner Deutung gegen die Verurteilung Leas.
Arbeitsauftrag: Zeichne vier Figurenkarten. Trenne auf jeder Karte strikt: Was tut die Figur? Was sagt eine andere Figur über sie? Was ist meine Interpretation? Trage zu jeder Aussage den genauen Fundort in deiner Ausgabe ein.
Sprache, Aufbau und Perspektive
Die Erzählung beginnt langsam, mit Licht und Landschaft. Dann zeigen einzelne Grabsteine die Geschichten hinter dem scheinbaren Frieden. Die Geschichte um Lea wird rückblickend erzählt. Die Frage nach dem namenlosen Grab baut Spannung auf. Der Schluss kehrt zum Grab zurück: Das ist eine Rahmenkonstruktion.
Licht und Dunkel bilden einen starken Gegensatz. Die Frisur und der Grabstein werden zu Zeichen für persönliche Freiheit, soziale Kontrolle und Erinnerung. Die Erzählerstimme nutzt Mitgefühl, Ironie und Anklage. Zugleich macht sie selbst pauschale und zeitgebundene Aussagen, etwa über jüdische Menschen und Frauen. Diese Formulierungen solltest du kritisch untersuchen statt übernehmen.
Textbeleg – Schluss auf S. 789: „Die Lebenden schweigen, und die Steine sind stumm.“ Lies die Stelle im Zusammenhang. Erkläre, wessen Schweigen der Erzähler meint und warum er es selbst durch Erzählen zu durchbrechen versucht.
Quellenkritik und Deutung
Was wir wissen und was wir nicht wissen
Originaltext: Er steht in einer konkreten Publikation von 1876. Erzählerbehauptung: Der Ich-Erzähler erklärt manche geschilderten Ereignisse ausdrücklich für wahr. Historischer Befund: Eine solche Behauptung beweist noch nicht, dass alle Figuren und Einzelheiten außerhalb der Erzählung nachweisbar sind. Deutung: Wir lesen den Friedhof als Zeichen sozialer Erinnerung. Deutungen brauchen Belege und dürfen nicht als Zitate ausgegeben werden.
Der Umgang mit Glauben, Geschlecht und Schuld ist historisch sensibel. Unterscheide die im Werk dargestellte lokale Gruppe von jüdischer Glaubenspraxis insgesamt. Bezeichne die abwertenden Verallgemeinerungen des Textes als Perspektive der historischen Erzählerstimme. Vergleiche sie mit jüdischen Stimmen und heutiger Forschung; verurteile niemals heutige Menschen für Handlungen literarischer Figuren.
Quellenübung: Teile ein Blatt in drei Spalten: Wörtlicher Befund – Erzählerwertung – Eigene Frage. Verwende die Passagen zur Haarregel, zum Gericht und zur Frage nach der Täterschaft. Trage Ungewissheit als Ungewissheit ein.

Grabsteindetail aus Brody, fotografiert 2004 von Roman Zacharij, gemeinfrei. Vergleiche sichtbare Inschriften mit der literarischen Bedeutung fehlender Namen; keine Abbildung von Leas Grab.
Hören und sehen: heutige Erinnerungskultur
Die folgenden Medien stammen nicht aus der Zeit der Geschichte. Sie helfen bei der Frage, wie Menschen heute religiöse Rituale und Friedhöfe dokumentieren. Ein Audio-Beispiel einer Jom-Kippur-Feier aus dem Jahr 2004 stammt aus Jerusalem und ist keine Aufnahme der Gebete von 1876.
Audio: Avinu Malkeinu, Aufnahme der Hebräischen Union College/Jewish Institute of Religion-Gemeinschaft 2004. Quelle: National Library of Israel; Mitwirkende siehe Lizenznachweis; CC BY-SA 3.0.
Video auf Wikimedia Commons: Jüdischer Friedhof Fürfeld (AK-Bino, 2021, CC BY-SA 4.0). Vergleiche die heutige dokumentarische Aufnahme mit der literarischen Beschreibung eines anderen Friedhofs.
Hörauftrag: Welche Stimmung erzeugt die Musik bei dir? Welche Informationen liefert die Tonaufnahme tatsächlich? Welche Behauptungen über Leas Leben lassen sich damit nicht belegen?
Bildauftrag: Beschreibe drei sichtbare Merkmale des heutigen Friedhofsfilms ohne Vermutungen. Vergleiche erst danach mit den Worten des Erzählers.
Literatur im weltweiten Vergleich
Im 19. Jahrhundert gab es viele Wege, gesellschaftliche Wirklichkeit zu erzählen. Gottfried Keller zeigte Konflikte im schweizerischen Umfeld, Theodor Fontane gesellschaftliche Erwartungen in Preußen. In Frankreich beschrieb Gustave Flaubert das bürgerliche Leben kritisch. George Eliot erzählte in England von sozialen Beziehungen und moralischen Entscheidungen. Fjodor Michailowitsch Dostojewski untersuchte in Russland Schuld und Gewissen. Diese Werke gehören nicht alle zur selben nationalen Schule oder Form.
Abenteuerliteratur als Vergleich: Jules Verne erzählte von Reisen, Technik und Entdeckungen. Mark Twain verband Abenteuer mit gesellschaftlicher Kritik. Vergleiche genau: Treiben äußere Ereignisse eine Reisegeschichte an, oder liegt der Konflikt hauptsächlich in Regeln, Figurenentscheidungen und sozialer Macht? Abenteuertraditionen und Realismen entwickelten sich national unterschiedlich und oft gleichzeitig.
Vergleichsauftrag: Wähle Romeo und Julia auf dem Dorfe von Keller, Effi Briest von Fontane oder Huckleberry Finn von Twain. Benenne je eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied zu Leas Konflikt. Arbeite mit je einer belegten Textstelle beider Werke, nicht nur mit Inhaltsangaben.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz: Prüfe dein Wissen
Wo erschien die Erzählung im Jahr 1876 zuerst? (In der Zeitschrift Die Gartenlaube) (!In einer Tageszeitung des Jahres 1905) (!In einem französischen Roman) (!In einem Theaterprogramm)
In welcher Sprache wurde Ohne Inschrift zuerst veröffentlicht? (Deutsch) (!Englisch) (!Französisch) (!Russisch)
An welchem Ort beginnt die Rahmenhandlung? (Auf einem jüdischen Friedhof) (!Im Gerichtssaal) (!Auf einem Passagierschiff) (!In einer Fabrik)
Welche Frage gehört zu Chaim Lippiners Haltung? (Wer weiß die Wahrheit?) (!Wann fährt der Zug?) (!Wo liegt der Schatz?) (!Wem gehört das Schiff?)
Was macht das Grab Leas auffällig? (Sein Stein trägt keine Inschrift) (!Es liegt mitten in einem Palast) (!Es ist mit einem Königswappen verziert) (!Es steht in einer Kathedrale)
Wie heißt Leas Ehemann? (Ruben) (!Chaim) (!Nathan) (!Abraham)
Was wird bei Lea öffentlich entdeckt? (Dass sie ihr eigenes Haar behalten hat) (!Dass sie ein Buch gestohlen hat) (!Dass sie nach Amerika geflohen ist) (!Dass sie das Gericht leitet)
Warum wendet sich Ruben an ein staatliches Gericht? (Er sucht Schutz vor der Ausgrenzung) (!Er möchte ein Schiff kaufen) (!Er soll Bürgermeister werden) (!Er verlangt einen Literaturpreis)
Was ist laut Erzähler über die Hintergründe der Gewalttat sicher? (Die Täterschaft bleibt ungeklärt) (!Ruben gesteht die Tat) (!Der Bezirksrichter bestätigt den Täter) (!Lea hat die Tat erfunden)
Welche Aussage ist methodisch richtig? (Erzählermeinung und historische Tatsache sind zu unterscheiden) (!Jede Erzählermeinung beweist ein geschichtliches Ereignis) (!Ein Symbol ist immer eine amtliche Quelle) (!Ein Film über heutige Friedhöfe zeigt Barnow 1876)
Memory-Spiel
| Rahmenhandlung | Erzählung um den Besuch auf dem Friedhof |
| Lea | Frau, deren Grabstein ohne Namen bleibt |
| Ruben | Ehemann, der gegen die Ausgrenzung vorgeht |
| Realismus | Literarische Gestaltung sozialer Wirklichkeit |
| Quelle | Überlieferter Text mit bestimmter Herkunft |
| Erzähler | Stimme, die das Geschehen deutet |
Drag and Drop: Begriffe zuordnen
| Ordne Begriff und Erklärung einander zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Rahmenhandlung | Friedhofsbesuch, der eine weitere Erzählung eröffnet |
| Binnenerzählung | Leas Lebensgeschichte im Gespräch mit den Greisen |
| Symbol | Sichtbares Zeichen mit zusätzlicher Bedeutung |
| Quellenkritik | Prüfung von Herkunft und Aussagekraft |
| Ironie | Unterschied zwischen wörtlicher Aussage und gemeintem Sinn |
Kreuzworträtsel
| Franzos | Nachname des Autors dieser Erzählung |
| Barnow | Name der fiktiven Stadt der Handlung |
| Ruben | Vorname von Leas Ehemann |
| Friedhof | Dort beginnt die Rahmenhandlung |
| Realismus | Literaturepoche mit Nähe zur gesellschaftlichen Wirklichkeit |
| Erzähler | Bezeichnung für die Stimme, die die Geschichte berichtet |
LearningApps
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Leseprotokoll: Lies S. 772–773 in der Originalfassung. Notiere drei Beobachtungen zum Friedhof und finde für jede den genauen Fundort. Hilfe 1: Suche Naturwörter. Hilfe 2: Trenne Beschreibung von Bewertung.
- Figurenkarte: Notiere zu Lea und Ruben je zwei Handlungen aus S. 787–789. Schreibe daneben, was du erst daraus schließt. Hilfe: Kennzeichne Befund und Vermutung verschieden.
- Wortschatz: Suche im Original fünf alte Schreibweisen. Schreibe heutige Varianten daneben, ohne die Quellzitate zu verändern. Hilfe: Achte auf th und ue.
- Bilder lesen: Vergleiche den historischen Druckscan mit der modernen Grabsteinaufnahme. Formuliere zwei Beobachtungen, eine offene Frage und einen Hinweis auf den unterschiedlichen Aufnahmeort.
Standard
- Wendepunkt: Erkläre anhand einer genauen Stelle auf S. 788, warum Leas verborgenes Haar im Konflikt wichtig wird. Hilfe: Vorher – Entdeckung – Folge.
- Dialoganalyse: Analysiere das Gespräch des Erzählers mit Reb Abraham und Reb Nathan auf S. 786. Wer behauptet etwas? Wer fragt? Wie wird Schuld verteilt? Belege deine Antwort.
- Höranalyse: Höre den verlinkten Gebetsmitschnitt von 2004. Notiere Wahrnehmungen und Grenzen dieser Quelle. Vergleiche sie mit der fiktionalen Szene des Fastentags, ohne beide Zeiten gleichzusetzen.
- Historischer Kommentar: Erstelle ein kurzes Infoblatt zu Realismus und gesellschaftlicher Kritik. Nutze zusätzlich zwei seriöse Nachschlagewerke; trenne Werkdeutung und gesicherte Daten.
Schwer
- Perspektivenwechsel: Schreibe Leas Entscheidung in 180 bis 250 Wörtern aus ihrer möglichen Sicht. Kennzeichne den Text deutlich als fiktive Neugestaltung und erkläre mit zwei Originalstellen, worauf du dich stützt.
- Urteil und Unsicherheit: Untersuche S. 789: Was ist über den Überfall nach der Darstellung geschehen, und was bleibt lediglich Verdacht? Formuliere eine überprüfbare These samt Einwand.
- Intertextueller Vergleich: Vergleiche eine selbst gewählte belegte Stelle von Franzos mit einer aus Keller, Fontane, Eliot oder Twain. Prüfe realistische Erzähltechnik und unterschiedliche nationale oder soziale Bedingungen.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine digitale Ausstellung ohne neue oder generierte Medien: Originaldruck, autorisiertes Commons-Bild, heutiges Erinnerungsmedium, Quellenetiketten und eigene sachliche Kommentare. Kläre Rechte und historische Unterschiede.


Lernkontrolle
- Begründetes Urteil: Ist der Erzähler ein neutraler Beobachter? Belege eine einfühlsame und eine pauschalisierende Passage und begründe dein Urteil.
- Figurenkonflikt: Erkläre, worin Rubens mutiges Verhalten besteht und warum sein späteres Beharren trotzdem kritisch zu betrachten ist.
- Zeichenanalyse: Deute Haar, Inschrift und Grabstein mit jeweils einer passenden, belegten Textstelle. Trenne wörtliche Bedeutung und Symbolik.
- Beweissicherheit: Prüfe die Darstellung des Überfalls. Unterscheide Ereignis, Verdacht, Erzählerwissen und eigene Vermutung.
- Literaturvergleich: Stelle eine Gemeinsamkeit und einen begründeten Unterschied zwischen dieser sozialen Erzählung und einem Abenteuertext des 19. Jahrhunderts dar.
- Quellenvergleich: Vergleiche die Originaldruckseiten von 1876 mit der im Buchbereich vorhandenen Ausgabe. Gib an, ob du orthografische oder editorische Unterschiede feststellen kannst.
Lernnachweis
Du kannst dein Lernen mit einem Portfolio zeigen: einer Fundstellenliste (Seitenangabe, unverändertes Zitat, eigene Auslegung), einer Figurenübersicht, einem kurzen Konflikttext, einer Quellenprüfung und einem Vergleich zu einer weiteren Erzählung. Für die höheren Klassenstufen gehört eine begründete Gegenposition dazu. Bewerte Aussagen danach, ob sie aus dem Wortlaut folgen, möglich erscheinen oder durch die Quelle nicht belegbar sind.
Drei zusätzliche Abschlussaufgaben mit steigender Hilfe: (1) Beschreibe in fünf Sätzen, weshalb der Friedhof zum Ausgangspunkt des Erzählens wird. (2) Erkläre mit zwei Belegen, wie Lea und Ruben unterschiedliche Formen von Selbstbestimmung zeigen. (3) Prüfe schriftlich, ob und wie der Text religiöse Macht kritisiert, ohne daraus ein pauschales Urteil über jüdisches Leben abzuleiten. Nutze für alle Aufgaben die vorhandene Buchseite und kennzeichne deine eigene Deutung.
OER und Wikipedia
Text und bibliografische Quellen:
- MOOCwiki-Buchseite mit der vorhandenen Ausgabe und Volltextzugang – der Kurs erstellt keine zweite Buchseite.
- Wikisource: Originaltext von 1876 – Die Gartenlaube, Heft 46 und 47, S. 772–774, 786–789, historischer Druck mit originaler Schreibweise; Jahrgangsnachweis.
- TextGrid: Edition von Ohne Inschrift – bibliografische Alternativüberlieferung; Editionsstand und Schreibweise bei jeder Entnahme prüfen.
- Wikipedia: Karl Emil Franzos – Überblick zu Autor und Werken.
- Wikipedia: Realismus in der Literatur – Epochenorientierung, nicht Ersatz für Textbelege.
- Lernort Geschichte: Jüdische Friedhöfe – heutiger Bildungszugang zur Grabkultur. Keine Gleichsetzung heutiger Praxis mit der geschilderten Figurengemeinschaft.
Geprüfte Commons-Medien mit Herkunft, Urheber und Nutzungsrechten:
| Medium | Fundstelle | Urheber und Zeitpunkt | Lizenz oder Status |
|---|---|---|---|
| Karl Emil Franzos 1878.jpg | Commons-Original | Unbekannter Künstler, Holzstich 1878 | Gemeinfrei |
| Die Gartenlaube (1876) 773.jpg | Commons-Original | Die Gartenlaube / Scan von GerWsUpload, 1876 | Gemeinfrei |
| Die Gartenlaube (1876) 789.jpg | Commons-Original | Die Gartenlaube / Scan von GerWsUpload, 1876 | Gemeinfrei |
| Brody Jewish Cemetery (15).jpg | Commons-Original | Roman Zacharij, Aufnahme 2004 | Vom Urheber gemeinfrei freigegeben |
| Brody Jewish Cemetery (54).jpg | Commons-Original | Roman Zacharij, Aufnahme 2004 | Vom Urheber gemeinfrei freigegeben |
| The National Library of Israel - Avinu Malkeinu 1785184 avinu.ogg | Commons-Audio | National Library of Israel, Max Janowski; Jennifer Strauss-Klein und Chor, Leitung Jay Shir, Klavier Gregory Shifrin, 2004 | CC BY-SA 3.0 |
| Jüdischer Friedhof Fürfeld ( Video ).webm | Commons-Video | AK-Bino, Aufnahme 2021 | CC BY-SA 4.0 |
| YouTube-Lernvideo Realismus | Originalplayer | musstewissen Deutsch / funk, 2018 | YouTube-Nutzungsbedingungen, keine freie Lizenz belegt; unverändert als Drittanbieterplayer |
Medienhinweis: Alle genannten Medien sind fremde bestehende Werke; es wurden keine Bilder, Audios oder Animationen neu erstellt. Die Commons-Videos sind dokumentarische Aufnahmen, keine Darstellungen der literarischen Handlung. Quelle, Urheber, Jahr und Lizenz bei einer Weiterverwendung angeben. Der Einsatz von Drittanbieter-Playern kann eigenen Bedingungen unterliegen.
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