Lebensraum

Lebensraum
Einleitung
Ein Lebensraum ist ein Bereich, in dem Lebewesen die Bedingungen finden, die sie zum Leben benötigen. Dazu gehören zum Beispiel Wasser, Licht, Nahrung, geeignete Temperaturen, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Lebensräume können sehr klein sein, etwa eine Baumhöhle, oder riesig, etwa ein Ozean.
Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Lernende der Klassen 7–9. Du lernst die wichtigsten ökologischen Fachbegriffe kennen, vergleichst verschiedene Lebensräume und untersuchst, wie Lebewesen mit ihrer Umwelt zusammenhängen.

Ein Teich zeigt besonders gut, dass ein Lebensraum aus vielen miteinander verbundenen Teilen besteht: Wasser, Boden, Licht und Temperatur wirken zusammen mit Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen.
Was bedeutet Lebensraum in der Ökologie?
Im Alltag wird das Wort Lebensraum recht allgemein verwendet. In der Ökologie werden genauere Fachbegriffe unterschieden.
Habitat bezeichnet meist den für eine bestimmte Art typischen Aufenthalts- und Lebensbereich. Eine Baumhöhle kann zum Beispiel ein Habitat für Fledermäuse sein.
Ein Biotop ist ein räumlich abgrenzbarer Lebensraum mit seinen Umweltbedingungen. Die dort lebenden Organismen bilden die Biozönose, also die Lebensgemeinschaft.
Biotop und Biozönose bilden zusammen ein Ökosystem.

Ein Wald ist nicht nur eine Ansammlung von Bäumen. Boden, Feuchtigkeit, Licht, Temperatur, Pilze, Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen beeinflussen sich gegenseitig.
Abiotische und biotische Faktoren
Abiotische Faktoren stammen aus der unbelebten Umwelt. Dazu gehören unter anderem Licht, Wasser, Temperatur, Wind, Boden und Salzgehalt.
Biotische Faktoren entstehen durch Lebewesen. Dazu zählen Nahrung, Konkurrenz, Fressfeinde, Parasiten, Krankheitserreger und Partnerschaften zwischen Arten.
Ob eine Art an einem Ort dauerhaft leben kann, hängt davon ab, ob diese Faktoren zu ihren Ansprüchen passen.
Beispiele für Lebensräume
Wald
In einem Wald entstehen viele unterschiedliche Teilhabitate. Baumkronen, Baumhöhlen, Totholz, Sträucher, Laubschicht und Boden bieten verschiedenen Arten Nahrung und Schutz. Ein Specht nutzt andere Bereiche und Ressourcen als ein Regenwurm, obwohl beide im selben Wald leben.
Teich und See
Gewässer besitzen verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Licht-, Sauerstoff- und Temperaturbedingungen. Am Ufer wachsen andere Pflanzen als im tieferen Wasser. Viele Amphibien benötigen sowohl Gewässer als auch Landlebensräume.
Wüste
Wüsten sind durch sehr geringe Niederschläge geprägt. Viele Arten besitzen besondere Merkmale, mit denen sie Wasser sparen, Hitze vermeiden oder kurze Regenzeiten nutzen können.

Korallenriff
Korallenriffe bieten auf engem Raum viele Verstecke, Nahrungsquellen und unterschiedliche Mikrohabitate. Korallen schaffen dabei selbst räumliche Strukturen, die von zahlreichen anderen Arten genutzt werden.

Stadt
Auch Städte sind Lebensräume. Parks, Gärten, Mauerritzen, Dächer, Friedhöfe und Gewässer können Habitate für Pflanzen und Tiere sein. Gleichzeitig verändern Verkehr, Beleuchtung, Versiegelung und menschliche Nutzung die Lebensbedingungen.
Nahrungsbeziehungen im Lebensraum
Arten eines Lebensraums sind durch Nahrungsketten und Nahrungsnetze miteinander verbunden. Pflanzen und Algen bilden durch Fotosynthese organische Stoffe. Pflanzenfresser nutzen diese Biomasse, Fleischfresser ernähren sich von anderen Tieren und Destruenten bauen abgestorbenes Material ab.

Ein Nahrungsnetz zeigt, dass eine Art meist nicht nur mit einer einzigen anderen Art verbunden ist. Veränderungen bei einer Population können deshalb Auswirkungen auf weitere Teile des Ökosystems haben.
Anpassung und ökologische Nische
Arten besitzen Merkmale, die sich im Verlauf der Evolution entwickelt haben und das Leben unter bestimmten Bedingungen ermöglichen. Beispiele sind dichtes Fell in kalten Regionen, wasserspeichernde Gewebe bei manchen Wüstenpflanzen oder stromlinienförmige Körperformen bei vielen Wassertieren.
Die ökologische Nische ist nicht einfach ein Ort. Sie beschreibt die Gesamtheit der Ansprüche einer Art an Umweltbedingungen und Ressourcen sowie ihre Beziehungen zu anderen Lebewesen.
Ein Habitat beantwortet vereinfacht die Frage: Wo lebt eine Art? Die ökologische Nische beschreibt genauer: Unter welchen Bedingungen und auf welche Weise kann sie dort leben?
Gefährdung von Lebensräumen
Lebensräume können sich durch natürliche Prozesse und durch menschliche Eingriffe verändern. Besonders bedeutsam sind unter anderem Flächenverbrauch, Entwaldung, intensive Landnutzung, Gewässerveränderungen, Schadstoffe und der Klimawandel.
Ein großes Problem ist die Fragmentierung. Dabei wird ein zusammenhängender Lebensraum durch Straßen, Siedlungen oder andere Nutzungen in kleinere Flächen geteilt. Populationen können dadurch voneinander getrennt werden.

Schutz und Vernetzung
Naturschutz versucht nicht nur einzelne Arten, sondern auch ihre Lebensräume zu erhalten. Schutzgebiete, naturnahe Gewässer, Hecken, Blühflächen und der Erhalt alter Bäume können wichtige Beiträge leisten.
Ein Biotopverbund verbindet getrennte Lebensräume. Grünbrücken oder andere ökologische Korridore können manchen Tierarten helfen, Verkehrswege sicherer zu überwinden und zwischen geeigneten Gebieten zu wandern.

Der Begriff Lebensraum in Geschichte und Politik
Das Wort Lebensraum besitzt neben der ökologischen auch eine historische politische Bedeutung. Im Nationalsozialismus wurde die Forderung nach „Lebensraum im Osten“ zu einem zentralen Bestandteil der rassistischen Expansionsideologie. Sie war mit der Eroberung osteuropäischer Gebiete, Vertreibung, Zwangsarbeit, Ausbeutung und massenhafter Gewalt verbunden. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt den Angriff auf die Sowjetunion als Vernichtungskrieg, der unter anderem der Schaffung dieses sogenannten „Lebensraums“ dienen sollte. Bundeszentrale für politische Bildung
Das Deutsche Historische Museum ordnet den Begriff „Lebensraum im Osten“ als einen Zentralbegriff der nationalsozialistischen Expansionsideologie ein. Deutsches Historisches Museum
Diese politische Verwendung ist von der heutigen biologisch-ökologischen Fachverwendung des Begriffs zu unterscheiden.
Merksätze
- Habitat: Lebensbereich einer bestimmten Art.
- Biotop: Räumlich abgrenzbarer Lebensraum mit seinen Umweltbedingungen.
- Biozönose: Lebensgemeinschaft verschiedener Organismen.
- Ökosystem: Zusammenspiel von Biotop und Biozönose.
- Umweltfaktor: Ein abiotischer oder biotischer Einfluss auf Lebewesen.
- Biotopverbund: Verbindung geeigneter Lebensräume, damit Arten wandern und sich ausbreiten können.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet ein Habitat in der Ökologie meist? (Den typischen Lebensbereich einer bestimmten Art) (!Die Gesamtheit aller Ökosysteme der Erde) (!Nur die unbelebten Bestandteile eines Gebietes) (!Ausschließlich ein Naturschutzgebiet)
Welcher Umweltfaktor ist abiotisch? (Temperatur) (!Konkurrenz) (!Fressfeind) (!Parasit)
Welches Beispiel ist ein biotischer Faktor? (Konkurrenz zwischen zwei Arten) (!Lichtstärke) (!Bodenfeuchtigkeit) (!Lufttemperatur)
Was bilden Biotop und Biozönose gemeinsam? (Ein Ökosystem) (!Eine Population) (!Eine Klimazone) (!Eine Nahrungspyramide)
Welche Aussage über die ökologische Nische ist richtig? (Sie beschreibt Ansprüche und Beziehungen einer Art) (!Sie ist immer identisch mit einem bestimmten Ort) (!Sie bezeichnet ausschließlich das Nest eines Tieres) (!Sie besteht nur aus der Nahrung einer Art)
Was zeigt ein Nahrungsnetz? (Mehrere miteinander verbundene Nahrungsbeziehungen) (!Nur die Temperatur eines Lebensraums) (!Die Grenzen eines Staates) (!Nur eine einzelne Pflanzenart)
Was bedeutet Fragmentierung eines Lebensraums? (Ein zusammenhängender Lebensraum wird in Teilflächen getrennt) (!Ein Gewässer wird tiefer) (!Eine Art vermehrt sich besonders schnell) (!Ein Wald erhält mehr Niederschlag)
Wozu kann eine Grünbrücke beitragen? (Sie kann getrennte Lebensräume miteinander verbinden) (!Sie erhöht den Salzgehalt eines Sees) (!Sie verhindert jede Veränderung eines Ökosystems) (!Sie ersetzt die Nahrungskette)
Welche Eigenschaft ist für viele Wüstenlebensräume typisch? (Geringe Niederschläge) (!Dauerhaft gefrorener Boden) (!Sehr hoher Jahresniederschlag) (!Ständige Überflutung)
Welche historische Bedeutung hatte der Begriff Lebensraum im Nationalsozialismus? (Er wurde als Begriff einer rassistischen Expansionsideologie verwendet) (!Er bezeichnete nur den Schutz von Nationalparks) (!Er war ausschließlich ein biologischer Fachbegriff) (!Er bezeichnete nur städtische Grünflächen)
Memory
| Habitat | Lebensbereich einer Art |
| Biotop | Räumlich abgrenzbarer Lebensraum |
| Biozönose | Lebensgemeinschaft verschiedener Organismen |
| Ökosystem | Zusammenspiel von Lebensraum und Lebensgemeinschaft |
| Abiotischer Faktor | Einfluss der unbelebten Umwelt |
| Biotischer Faktor | Einfluss durch andere Lebewesen |
| Fragmentierung | Zerschneidung eines zusammenhängenden Lebensraums |
| Biotopverbund | Verbindung getrennter Lebensräume |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Licht | Abiotischer Faktor |
| Konkurrenz | Biotischer Faktor |
| Habitat | Art |
| Biotop | Lebensgemeinschaft |
| Grünbrücke | Biotopverbund |
Kreuzworträtsel
| Habitat | Wie heißt der typische Lebensbereich einer Art? |
| Biotop | Wie heißt ein räumlich abgrenzbarer Lebensraum einer Lebensgemeinschaft? |
| Biozönose | Wie heißt die Gemeinschaft verschiedener Lebewesen in einem Biotop? |
| Temperatur | Welcher abiotische Faktor beschreibt Wärme und Kälte? |
| Korridor | Wie nennt man einen verbindenden Bereich zwischen getrennten Lebensräumen? |
| Nahrung | Welche Ressource liefert Organismen Energie und Baustoffe? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lebensraumtagebuch: Beobachte an drei Tagen denselben kleinen Lebensraum und notiere sichtbare Tiere, Pflanzen und Veränderungen.
- Umweltfaktoren entdecken: Fotografiere oder zeichne einen Lebensraum und kennzeichne mindestens drei biotische und drei abiotische Faktoren.
- Habitat-Steckbrief: Wähle eine heimische Tierart und beschreibe, welche Nahrung, Verstecke und Umweltbedingungen sie benötigt.
- Lebensräume vergleichen: Vergleiche Wald und Teich in einer selbst gestalteten Tabelle.
Standard
- Nahrungsnetz gestalten: Erstelle ein Nahrungsnetz für einen selbst gewählten Lebensraum mit mindestens sechs Organismen.
- Stadt als Lebensraum: Untersuche in Deiner Umgebung, welche Orte für Tiere und Pflanzen besonders geeignet oder ungeeignet erscheinen, und begründe Deine Einschätzung.
- Biotopkartierung: Zeichne eine einfache Karte eines Schulgeländes, Parks oder Gartens und markiere verschiedene Teilhabitate.
- Arteninterview: Führe ein Interview mit einer Person aus Naturschutz, Gartenbau, Forstwirtschaft oder Landwirtschaft über Veränderungen lokaler Lebensräume.
Schwer
- Fragmentierungsanalyse: Untersuche anhand einer Karte, wo Straßen oder Siedlungen natürliche Flächen trennen, und entwickle Vorschläge zur besseren Vernetzung.
- Lebensraum-Film: Produziere ein kurzes Erklärvideo über einen Lebensraum und erläutere darin abiotische Faktoren, Arten und Wechselwirkungen.
- Ökologische Nische untersuchen: Vergleiche zwei Arten, die im selben Lebensraum vorkommen, und erkläre, wodurch sich ihre ökologischen Nischen unterscheiden.
- Begriffsgeschichte Lebensraum: Recherchiere die ökologische und die historische politische Verwendung des Begriffs Lebensraum und stelle die Unterschiede mit zuverlässigen Quellen sachlich gegenüber.


Lernkontrolle
- Lebensraumwechsel: Erkläre, welche Folgen es für eine Amphibienart haben kann, wenn ihr Laichgewässer erhalten bleibt, die umliegenden Landlebensräume aber verschwinden.
- Umweltfaktoren im Wandel: Beschreibe, wie eine längere Trockenperiode gleichzeitig abiotische Faktoren, Pflanzen und Tiere eines Teiches beeinflussen kann.
- Nahrungsnetz und Störung: Entwickle ein Beispiel dafür, wie der starke Rückgang einer Art mehrere weitere Arten eines Nahrungsnetzes beeinflussen könnte.
- Fragmentierung bewerten: Vergleiche zwei gleich große Waldflächen: eine zusammenhängende Fläche und mehrere voneinander getrennte Teilflächen. Erkläre mögliche Unterschiede für Tierpopulationen.
- Städtischer Naturschutz: Plane drei Veränderungen auf einem Schulhof, durch die mehr geeignete Lebensräume entstehen könnten, und begründe jede Maßnahme.
- Fachbegriffe anwenden: Beschreibe einen selbst gewählten Lebensraum mit den Begriffen Habitat, Biotop, Biozönose, abiotischer Faktor und biotischer Faktor.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- Lebensraum und Habitat sinnvoll erklären und an Beispielen anwenden kannst.
- Biotop, Biozönose und Ökosystem voneinander unterscheiden kannst.
- abiotische und biotische Faktoren erkennst und ihre Wirkung beschreibst.
- Nahrungsbeziehungen in einem Nahrungsnetz erklären kannst.
- die ökologische Nische vom räumlichen Lebensort unterscheiden kannst.
- Ursachen und mögliche Folgen von Lebensraumverlust und Fragmentierung erklären kannst.
- Maßnahmen wie Schutzgebiete, Biotopverbund und Grünbrücken begründet einordnen kannst.
- die ökologische und die historische politische Bedeutung des Begriffs Lebensraum klar auseinanderhalten kannst.
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