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Kim Carnes - Bette Davis Eyes

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Kim Carnes - Bette Davis Eyes




Kim Carnes – Bette Davis Eyes

Bette Davis Eyes ist ein besonders geeignetes Beispiel dafür, wie stark ein Arrangement, eine Musikproduktion und eine charakteristische Stimme die Wirkung eines bereits existierenden Songs verändern können. Das Stück wurde von Jackie DeShannon und Donna Weiss geschrieben und zuerst in den 1970er Jahren von DeShannon aufgenommen. Weltweit bekannt wurde jedoch vor allem die 1981 veröffentlichte Aufnahme von Kim Carnes auf dem Album Mistaken Identity.

Dieser aiMOOC untersucht deshalb nicht nur den Song als Komposition, sondern vor allem genau die Aufnahme von Kim Carnes aus dem Jahr 1981. Du beschäftigst Dich mit Entstehung und zeitgeschichtlichem Kontext, Stil und Genre, Melodie und Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion, Songform, Textthemen, Bildsprache, Rezeption und der Bedeutung des Titels in Carnes’ Karriere.

Urheberrechtlich geschützte Songtexte werden hier nicht vollständig wiedergegeben. Zur Textanalyse erscheinen nur sehr kurze Zitate. Die Notenbeispiele mit der MediaWiki-Erweiterung Extension:Score sind selbst geschaffene didaktische Modelle und weder Transkriptionen der Originalmelodie noch eine vollständige Partitur.


Lernziele

Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du die 1981er Aufnahme klanglich und historisch einordnen, Produktionsentscheidungen beschreiben, hörbare Unterschiede zu anderen Fassungen benennen, Textbilder interpretieren, Quellen kritisch vergleichen und eigene musikalische Analysemodelle entwickeln.


Der Song in Kürze

Bette Davis Eyes wurde von Jackie DeShannon und Donna Weiss in den 1970er Jahren geschrieben. DeShannons eigene Fassung erschien auf dem Album New Arrangement. Die Version von Kim Carnes wurde von Val Garay produziert und im Studio Record One in Los Angeles aufgenommen. Sie erschien 1981 als Single und wurde zu einem internationalen Erfolg.[1][2]

Die Aufnahme wird häufig den Bereichen New Wave, Pop-Rock, Softrock und syntheseorientierter Popmusik zugeordnet. Diese Begriffe widersprechen sich nicht zwingend: Das Stück verbindet eine klassische Popsong-Struktur mit einem für die frühe 1980er-Jahre auffälligen Synthesizerklang, einem trockenen Rock-Schlagzeug und Carnes’ rauer Stimme.

Das oben eingebettete Video stammt vom offiziellen Künstlerkanal von Kim Carnes und zeigt das offizielle Musikvideo zur Aufnahme.[3]


Wer war Bette Davis?

Bette Davis war eine der prägenden US-amerikanischen Filmschauspielerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Leinwandpräsenz wurde häufig mit einer besonders intensiven Mimik und einem markanten Blick verbunden. Der Song benutzt ihren Namen daher nicht bloß als biografische Referenz, sondern als kulturelles Zeichen für Glamour, Selbstbewusstsein, Distanz, Kontrolle und eine schwer zu durchschauende Persönlichkeit.

Das Foto von Bette Davis wurde 1934 von Elmer Fryer aufgenommen. Fryer starb 1944; Wikimedia Commons kennzeichnet das Bild als gemeinfrei in Staaten mit einer Schutzfrist von höchstens 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.[4]


Entstehungsgeschichte

Donna Weiss brachte Jackie DeShannon umfangreiches Textmaterial. DeShannon bearbeitete den Text und entwickelte die Musik weiter. Ihre eigene veröffentlichte Version klingt deutlich anders als die spätere Fassung von Carnes: Sie ist stärker von Klavier, Soul-, Country- und R&B-Anklängen geprägt; hinzu kommen unter anderem Pedal-Steel-Gitarre und Bläserfarben.[5][6]

Für Kim Carnes war zunächst nicht der Song selbst das Problem, sondern dessen damalige musikalische Verpackung. Produzent Val Garay erinnerte sich, dass das Demo einen stark klavierzentrierten, fast „Beer-Barrel-Polka“-artigen Charakter gehabt habe. Entscheidend wurde der Moment, in dem Keyboarder Bill Cuomo auf einem Prophet-5 einen neuen Synthesizer-Riff entwickelte. Dadurch erhielt der Song jene dunklere, reduzierte und modernere Klanggestalt, die die 1981er Aufnahme prägt.[1]


Zeitgeschichtlicher Kontext

Die Aufnahme entstand an der Schwelle von den 1970er- zu den 1980er-Jahren. Analoge Synthesizer wurden in der Popmusik immer stärker zu tragenden Klangquellen, während prägnante Schlagzeugsounds, eng mikrofonierte Drums und elektronische Percussion den Studioklang veränderten. Die Veröffentlichung fiel außerdem in eine Phase, in der Musikvideos rasch an Bedeutung gewannen. MTV startete in den USA im August 1981; die Grammy-Organisation beschreibt diese Zeit rückblickend als Phase eines deutlichen Wandels hin zu stärker visuell vermittelter Popmusik.[7]

Eine zeitgeschichtlich eindrückliche Erinnerung stammt von Produzent Garay: Nach seiner Darstellung probte die Band Bette Davis Eyes in jener Nacht, in der die Nachricht von der Ermordung John Lennons am 8. Dezember 1980 bekannt wurde. Diese Erinnerung belegt nicht den musikalischen Stil des Songs, zeigt aber, in welcher konkreten historischen Situation die Aufnahmen vorbereitet wurden.[1]


Mindestens drei Besonderheiten genau dieser Aufnahme

Die 1981er Aufnahme besitzt mehrere gut belegte Produktionsmerkmale, die sie klar von der ursprünglichen Fassung unterscheiden.

  1. Prophet-5 als klanglicher Wendepunkt: Bill Cuomo entwickelte auf dem Sequential Circuits Prophet-5 das markante Synthesizer-Motiv, das für Carnes’ Fassung zentral wurde. Garay bezeichnete Cuomo ausdrücklich als wichtigen Architekten des neuen Arrangements.[1]
  2. Live eingespielt, ohne spätere Overdubs: Garay berichtet, die komplette Aufnahme einschließlich Gesang, akustischem Schlagzeug, Percussion und elektronischem Synare sei live im Studio eingespielt worden; spätere Overdubs habe es nicht gegeben.[1]
  3. Der Rohmix wurde zum Master: Garay fertigte unmittelbar nach der Aufnahme einen Rough Mix an. Spätere Versuche, diesen Mix zu übertreffen, überzeugten ihn nicht, sodass die ursprüngliche Mischung verwendet wurde.[1]
  4. Synare als gezielter Akzent: Schlagzeuger Craig Krampf setzte eine elektronische Synare ein. Garay war dem Instrument zunächst skeptisch gegenüber, fand seinen Einsatz im Refrain dann aber wirkungsvoll.[1]
  5. Ungewöhnlich unmittelbare Gesangsaufnahme: Carnes sang laut Garay über ein Neumann-U-67-Röhrenmikrofon. Ihre Stimme wurde damit nicht als weich polierter Popgesang inszeniert, sondern blieb körnig, präsent und sehr nah.[1]
  6. Synthesizer nicht nur direkt aufgenommen: Garay ließ Synthesizersignale zusätzlich über einen Verstärker und ein Mikrofon aufnehmen, weil ihm ein ausschließlich direktes Signal zu hart und homogen erschien.[1]

Gerade die Kombination dieser Entscheidungen ist wichtig: Die Aufnahme klingt elektronisch modern, behält aber zugleich die Energie einer gemeinsam spielenden Band.


Quellenkritik: Welcher Take war es?

Bei einer vertieften Recherche stößt Du auf einen interessanten Widerspruch. Val Garay sagte 2003, es habe ungefähr drei Takes gegeben und verwendet worden sei vermutlich Take eins. Kim Carnes erinnerte sich in einem später veröffentlichten Interview dagegen daran, die veröffentlichte Fassung sei der zweite Take gewesen. Beide Aussagen stimmen jedoch in zwei Kernpunkten überein: Die Band spielte live, und die frühe Rough-Mix-Fassung erwies sich als klanglich kaum zu übertreffen.[1][8]

Für historische Musikanalyse ist diese Abweichung lehrreich: Erinnerungen von Beteiligten sind wichtige Primärzeugnisse, aber nicht automatisch in jedem Detail identisch. Gute Quellenarbeit benennt solche Unterschiede, statt sie zu verdecken.


Instrumentierung

Die von Garay für die Aufnahme genannte Studiobesetzung umfasste unter anderem Bill Cuomo an den Keyboards, Waddy Wachtel und Craig Hull an Gitarren, Bryan Garofalo am Bass, Craig Krampf am Schlagzeug und M. L. Benoit an der Percussion.[1]

Der Klang wird jedoch nicht durch eine gleichberechtigte Demonstration aller Instrumente bestimmt. Das Arrangement arbeitet vielmehr mit Rollen:

  1. Der Prophet-5 liefert ein sofort wiedererkennbares Motiv und eine gläsern-dunkle Synthesizerfarbe.
  2. Das Schlagzeug erzeugt einen trockenen, festen Puls und wirkt durch enge Mikrofonierung sehr direkt.
  3. Die Synare setzt elektronische Akzente und verknüpft Rock-Schlagzeug mit frühem 1980er-Electronic-Pop.
  4. Bass und Gitarren verdichten den Groove, ohne den Synthesizer zu verdrängen.
  5. Die Stimme bleibt im Zentrum und trägt einen großen Teil der Spannung durch ihre raue Klangfarbe.

Das Foto zeigt einen Sequential Circuits Prophet-5. Die Datei wurde vom Rechteinhaber gemeinfrei zur Verfügung gestellt.[9]


Produktion und Studiotechnik

Produzent und Toningenieur Val Garay nahm den Song in seinem Studio Record One auf. Er beschreibt ein API-basiertes Regie-Setup und 24-Spur-3M-Bandmaschinen. Für das akustische Schlagzeug wurden mehrere Mikrofone in enger Positionierung eingesetzt. Dadurch entstand ein „hot and bright“ wirkender Drumsound mit wenig räumlicher Distanz.[1]

Carnes sang über ein Neumann U 67. Dieses klassische Röhrenmikrofon ist für seine detailreiche, zugleich nicht übermäßig harte Abbildung bekannt. Entscheidend ist jedoch: Der charakteristische Gesangssound entsteht nicht allein durch das Mikrofon. Er ist das Ergebnis aus Stimme, Mikrofon, Vorverstärkung, Aufnahmeraum, Pegel, Interpretation und Mischung.

Die Commons-Datei zeigt ein Neumann-U-67-Mikrofon und steht unter CC BY-SA 3.0 RS.[10]


Stil und Genre

Die Aufnahme lässt sich nicht sinnvoll auf ein einziges Genre reduzieren. New Wave passt wegen der kantigen Synthesizerästhetik, der reduzierten Texturen und der kühlen, modernen Oberfläche. Pop-Rock beschreibt dagegen die Bandbasis aus Schlagzeug, Bass, Gitarren, Keyboards und Gesang. Softrock verweist auf die zugängliche Songstruktur und die melodische Orientierung. Der Begriff Synth-Rock unterstreicht schließlich, wie stark der elektronische Klang die Identität der Aufnahme prägt.

Gerade diese Mischform war 1981 wirksam: Der Titel war poppig genug für ein großes Radiopublikum, klang aber zugleich moderner und eigensinniger als viele weich produzierte Adult-Contemporary-Aufnahmen derselben Zeit.


Tempo, Takt und Rhythmus

Mehrere musiktheoretische Datenbanken analysieren die Aufnahme mit ungefähr 116 bis 117 Schlägen pro Minute im 4/4-Takt.[11]

Der Groove wirkt dennoch nicht hektisch. Gründe dafür sind die gleichmäßige Pulsorganisation, die wiederkehrenden Begleitfiguren und die relativ große klangliche Transparenz. Das Schlagzeug setzt klare metrische Orientierung, während Synare und Synthesizer einzelne Stellen schärfer markieren.

Das folgende Score-Beispiel ist kein Rhythmus aus dem Song, sondern ein selbst geschaffenes Übungsmodell für einen geradlinigen 4/4-Puls bei ähnlichem Tempo:


\relative c' {
  \tempo 4 = 116
  \time 4/4
  c8 c r8 c8 c4 r4 |
  c8 c c8 r8 c4 c4 |
}

Höraufgabe: Klopfe beim Original zunächst nur die Viertelpulse. Achte danach auf Stellen, an denen elektronische Percussion oder Akzente den gleichmäßigen Puls auffälliger machen.


Harmonik

Die Aufnahme wird häufig in F-Dur analysiert. Hooktheory nennt F-Dur, etwa 117 BPM und 4/4-Takt.[11] In Transkriptionen tauchen besonders häufig die Akkordbereiche B-Dur beziehungsweise B♭, d-Moll und C-Dur auf. Funktional betrachtet entsprechen diese in F-Dur ungefähr den Stufen IV – vi – V. Die wiederholte Bewegung durch diese Bereiche erzeugt einen kreisenden, nicht ständig nach klassischer Kadenzauflösung strebenden Eindruck.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Harmonik und Arrangement: Dass ein Akkordwechsel relativ einfach ist, bedeutet nicht, dass die Aufnahme simpel klingt. Synthesizerfarbe, Basslage, Stimmführung, Rhythmus und Produktionsästhetik können einen harmonisch überschaubaren Ablauf stark individualisieren.

Das folgende Beispiel ist wiederum selbst komponiert und dient nur dazu, die Idee eines wiederkehrenden Pop-Loops zu üben. Es ist nicht aus Bette Davis Eyes transkribiert:


\chordmode {
  f1
  bes1
  d1:m
  c1
}


Melodie

Die Gesangsmelodie lebt weniger von großen virtuosen Sprüngen als von prägnanter Phrasierung, Wiederholung und der Spannung zwischen relativ knappen Motiven und einer markanten Stimmfarbe. In den Strophen entsteht stellenweise eine sprechnahe Wirkung. Im Refrain wird die Linie stärker zugespitzt und wiedererkennbarer.

Musikalisch interessant ist die Wechselwirkung zwischen Melodie und Begleitung: Die Stimme liegt nicht einfach bequem „auf“ den Akkorden, sondern erzeugt durch Durchgangstöne, Vorhalte und rhythmische Platzierung Reibung. Hooktheory beschreibt für seine Transkription einen relativ hohen Anteil melodischer Spannung gegenüber den Begleitakkorden.[11]

Dieses kurze Score-Beispiel zeigt nur ein selbst erfundenes Konturmodell für das Prinzip „enge Bewegung – kurzer Anstieg – Rückkehr“:


\relative c' {
  \time 4/4
  c4 d4 e2 |
  d4 c4 g'2 |
}


Gesang

Kim Carnes’ Stimme ist eines der deutlichsten Erkennungsmerkmale der Aufnahme. Ihr Timbre ist rau, heiser und körnig. Diese Eigenschaften werden nicht versteckt, sondern zum ästhetischen Zentrum gemacht. Die Stimme vermittelt dadurch gleichzeitig Nähe, Müdigkeit, Coolness und Spannung.

Der Gesang arbeitet außerdem stark mit Kontrasten: Manche Zeilen sind beinahe beiläufig phrasiert, andere wirken schneidend oder drängend. Gerade weil die Begleitung relativ kontrolliert bleibt, erscheinen kleine Veränderungen in Artikulation und Dynamik besonders bedeutend.

Für Deine Analyse solltest Du zwischen drei Ebenen unterscheiden:

  1. Stimmfarbe: rau, luftig, körnig, teilweise gepresst wirkend.
  2. Phrasierung: eher sprechnah als belcantistisch, mit gezielten Akzenten.
  3. Produktion: nah aufgenommen, präsent gemischt und nicht durch üppige Chorschichten verdeckt.


Arrangement

Das Arrangement beruht auf einer auffälligen Mischung aus Wiederholung und Verdichtung. Der Synthesizer schafft früh ein starkes Wiedererkennungssignal. Die Strophen lassen der Stimme vergleichsweise viel Raum. Im Refrain wird die Textur dichter, das Schlagzeug wirkt energischer und die elektronische Percussion erhält mehr Gewicht.

Die Songform folgt einer populären Strophe-Refrain-Logik mit instrumentalen Übergängen und wiederkehrenden Hook-Abschnitten. Der Wiedererkennungswert entsteht nicht nur durch den Refraintext, sondern ebenso durch den instrumentalen Riff. Dadurch besitzt die Aufnahme zwei eng miteinander verzahnte „Hooks“: eine sprachlich-vokale und eine klanglich-instrumentale.


Textthemen und Bildsprache

Der Text zeichnet keine realistische Biografie von Bette Davis. Stattdessen konstruiert er eine stilisierte Frauenfigur, deren Attraktivität und Macht über kulturelle Bilder des klassischen Hollywoods beschrieben werden.

Zwei kurze Originalzitate genügen, um das Verfahren zu erkennen: „Her hair is Harlow gold“ und „She's got Bette Davis eyes“. Zusammen umfassen diese Zitate nur einen sehr kleinen Ausschnitt des geschützten Textes.

Die erste Formulierung verweist auf Jean Harlow, die zweite auf Bette Davis. Hinzu kommt im vollständigen Song eine weitere Hollywood-Referenz auf Greta Garbo. Die Figur wird damit nicht über psychologische Innenansichten erklärt, sondern über einen Montageeffekt aus Starbildern.

Sinngemäße Inhaltserschließung: Beschrieben wird eine charismatische, selbstbewusste und schwer kontrollierbare Frau. Sie zieht andere Menschen an, verunsichert sie, steuert Nähe und Distanz und bleibt dabei selbst schwer lesbar. Die Bildsprache verbindet Glamour mit Gefahr, Eleganz mit Macht und Begehren mit Kontrollverlust.

Die „Augen“ funktionieren dabei als Metapher für Blickmacht. Wer schaut, wird nicht nur gesehen, sondern kann selbst Kontrolle ausüben. Dadurch lässt sich der Song auch als Spiel mit dem klassischen Motiv des männlichen Blicks lesen: Die besungene Frau ist zwar Objekt der Beschreibung, zugleich aber diejenige, die andere beobachtet, prüft, reizt und manipuliert.


Hollywood-Referenzen

Die Star-Namen verknüpfen mehrere Epochen populärer Bildkultur. Jean Harlow steht für den blond inszenierten Glamour des frühen Hollywoods. Greta Garbo wurde zum Symbol einer distanzierten, geheimnisvollen Starpersona. Bette Davis war berühmt für starke, oft ambivalente Figuren und eine intensive Leinwandpräsenz.

Der Song baut daraus keine filmhistorisch exakte Collage, sondern ein kulturelles Kürzel: Wer die Namen kennt, hört nicht nur eine Beschreibung, sondern ruft ein Archiv von Filmgesichtern, Rollenbildern und Glamourbildern auf.


Musikvideo

Das offizielle Musikvideo wurde von Russell Mulcahy inszeniert.[2] Es verbindet Performancebilder mit stilisierten, leicht surrealen Szenen. Damit wird die im Song angelegte Mischung aus Begehren, Distanz und theatralischer Inszenierung visuell verstärkt.

Achte beim Ansehen auf drei Fragen: Wie oft blickt Carnes direkt in die Kamera? Welche Rolle spielen Schatten, Kostüme und Gruppenbewegungen? Und wie wird die Idee des „Blicks“ filmisch umgesetzt?


Vergleich mit Jackie DeShannons Originalfassung

Der Vergleich der 1970er-Jahre-Fassung mit Carnes’ Version zeigt beispielhaft, dass ein Cover nicht einfach nur denselben Song mit einer anderen Stimme wiedergibt.

Jackie DeShannon:

  1. stärker klaviergetrieben
  2. deutlichere Country-, Soul- und R&B-Färbung
  3. Pedal-Steel- und Bläserfarben
  4. bewegter, leichter und weniger düster wirkendes Arrangement

Kim Carnes:

  1. reduzierter, syntheseorientierter Grundklang
  2. markanter Prophet-5-Riff
  3. trockeneres und direkteres Schlagzeug
  4. rauere, stark fokussierte Leadstimme
  5. elektronische Synare-Akzente
  6. insgesamt dunklere, kühlere und stärker von früher 1980er-Studiotechnik geprägte Klangästhetik

Damit verändert sich die Wahrnehmung derselben Komposition erheblich. Die ältere Fassung wirkt stärker wie ein Song aus einem Band- und Songwriter-Kontext der 1970er. Carnes’ Version macht aus dem Material einen modernen, rätselhaften Poptrack mit hoher klanglicher Wiedererkennbarkeit.


Vergleich mit einer späteren Akustik-Livefassung

2015 sang Kim Carnes den Titel gemeinsam mit Billy Panda im Country Music Hall of Fame and Museum. Der offizielle Künstlerkanal veröffentlichte diese Aufnahme später als „Acoustic Live“.[12]

Im Vergleich zur Studioversion von 1981 fällt auf, wie stark die Identität des Hits an Produktion und Instrumentalfarbe gebunden ist. In der Akustikfassung fehlt der Prophet-5 als dominanter Hookträger; auch Synare und dichter Studiogroove treten zurück. Dadurch rücken Text, Harmonie und die gealterte Stimme stärker in den Vordergrund. Das Stück wirkt intimer und stärker wie ein Singer-Songwriter-Song.

Höraufgabe: Vergleiche jeweils die ersten etwa 30 Sekunden der 1981er Studioaufnahme, der DeShannon-Fassung und der Akustik-Liveversion. Notiere zu jeder Fassung fünf Adjektive und begründe sie mit konkreten Klangmerkmalen.


Rezeption

Bette Davis Eyes wurde 1981 zu einem der größten internationalen Hits von Kim Carnes. In den USA stand die Single insgesamt neun Wochen auf Platz eins der Billboard Hot 100 und war dort der wichtigste Jahreschart-Hit 1981.[2]

Bei den 24. Grammy Awards erhielt die Aufnahme Record of the Year. Außerdem gewann der Song Song of the Year; dieser Preis ging an die Songwriterinnen Jackie DeShannon und Donna Weiss.[13][14]

Diese Unterscheidung ist musikwissenschaftlich wichtig: Record of the Year würdigt die konkrete Aufnahme und damit unter anderem Interpretation und Produktion, während Song of the Year die Komposition und den Songwriting-Anteil auszeichnet.


Reaktion von Bette Davis

Bette Davis war zum Zeitpunkt des Erfolgs bereits eine etablierte Filmlegende. Nach zeitgenössischen Berichten schrieb sie Kim Carnes sowie Donna Weiss und Jackie DeShannon dankbare Briefe. Sie freute sich darüber, durch den Song einer jüngeren Generation wieder stärker bekannt geworden zu sein. Nach den Grammy-Erfolgen schickte sie den Beteiligten außerdem Rosen.[2]

Damit entstand eine interessante Rückkopplung: Ein Popsong griff das Image eines Filmstars auf, der Erfolg des Songs erneuerte wiederum die öffentliche Wahrnehmung dieses Filmstars.


Bedeutung im Werk von Kim Carnes

Carnes war vor 1981 keineswegs eine Anfängerin. Sie hatte bereits als Songwriterin gearbeitet, eigene Alben veröffentlicht und mit Kenny Rogers einen großen Duetterfolg erzielt. Bette Davis Eyes wurde jedoch zu ihrer mit Abstand bekanntesten Aufnahme und prägte ihre öffentliche Wahrnehmung langfristig.[1]

Die Recording Academy beschreibt den Titel rückblickend als derart dominanten Signature-Hit, dass er viele andere Arbeiten von Carnes überstrahlte.[15] Das ist ein typisches Phänomen der Popgeschichte: Ein einzelner Welthit kann eine Karriere erweitern, zugleich aber die Wahrnehmung eines umfangreicheren Werks stark verengen.


Höranalyse: Schritt für Schritt

  1. Höre zuerst nur auf den Synthesizer. Wann erscheint das zentrale Motiv und wann verschwindet es?
  2. Höre danach nur auf das Schlagzeug. Welche Schläge wirken besonders trocken, hell oder elektronisch?
  3. Konzentriere Dich auf die Stimme. Wo klingt sie weich, wo rau, wo beinahe gesprochen?
  4. Verfolge die Dynamik. Wird der Refrain vor allem lauter oder vor allem dichter?
  5. Achte auf Stereo und Raum. Welche Instrumente wirken nah, welche weiter hinten?
  6. Vergleiche die Studioaufnahme mit der Akustikfassung. Welche musikalischen Merkmale bleiben ohne den bekannten Studioklang erhalten?
  7. Vergleiche anschließend mit DeShannons Fassung. Entscheide nicht nur, welche Version Dir besser gefällt, sondern formuliere, welche Produktionsentscheidungen die Bedeutung des Songs verändern.


Kurze selbst erstellte Analysebeispiele mit Extension:Score

Die folgenden Beispiele dienen ausschließlich dem Unterricht. Sie bilden weder die Originalmelodie noch eine vollständige Begleitstimme des Songs ab.


Beispiel 1: Stabiler Pop-Puls


\relative c' {
  \tempo 4 = 116
  \time 4/4
  c4 c8 c8 r4 c4 |
  c4 r8 c8 c4 c4 |
}

Dieses Modell zeigt, wie aus wenigen rhythmischen Ereignissen ein stabiler 4/4-Groove entstehen kann. Experimentiere damit, einzelne Achtelnoten durch Pausen zu ersetzen.


Beispiel 2: Harmonie als Loop


\chordmode {
  c1
  f1
  a1:m
  g1
}

Das Beispiel ist ein frei erfundener I–IV–vi–V-Loop in C-Dur. Übertrage das Prinzip auf andere Tonarten und untersuche, wie die gleiche Akkordfunktion durch verschiedene Instrumentierung unterschiedlich wirkt.


Beispiel 3: Melodische Kontur


\relative c' {
  \time 4/4
  e4 e4 f4 g4 |
  a2 g4 e4 |
}

Auch dieses Motiv ist frei erfunden. Nutze es, um zu unterscheiden zwischen Tonhöhenverlauf und Stimmfarbe: Spiele die gleiche Linie auf Klavier, Synthesizer und mit Deiner Stimme.


Medien- und Quellenkompetenz

Bei populärer Musik ist die Quellenlage oft gemischt. Interviews liefern wertvolle Erinnerungen, können aber in Details voneinander abweichen. Chartdaten sollten möglichst über etablierte Chartarchive oder seriöse Sekundärquellen überprüft werden. Produktionsdetails sind besonders glaubwürdig, wenn sie von beteiligten Produzenten, Musikerinnen oder Toningenieuren stammen und mit weiteren Quellen übereinstimmen.

Auch Medienrechte müssen unterschieden werden:

  1. Wikimedia-Commons-Dateien können gemeinfrei oder frei lizenziert sein; die konkrete Lizenz steht auf der jeweiligen Dateiseite.
  2. Offizielle YouTube-Einbettungen zeigen urheberrechtlich geschützte Inhalte über die Plattform, ohne dass der aiMOOC selbst eine Kopie der Audiodatei verbreitet.
  3. Songtexte bleiben urheberrechtlich geschützt. Deshalb werden hier nur sehr kurze Zitate verwendet.
  4. Vollständige kommerzielle Notenausgaben werden nicht reproduziert. Die Score-Beispiele sind eigenständige Unterrichtsmodelle.


Quellen und Mediennachweise

  1. Blair Jackson: „Classic Tracks: Kim Carnes’ ‘Bette Davis Eyes’“, Mix, 2003, aktualisiert 2026. Zentrale Quelle zu Aufnahme, Besetzung, Prophet-5, Synare, Live-Take, Mikrofonierung und Rough Mix.
  2. Recording Academy / Grammy.com: Daten zu den 24. Grammy Awards sowie zu Record of the Year und Song of the Year 1982.
  3. Wikipedia: „Bette Davis Eyes“ in englischer und deutscher Fassung, insbesondere für Veröffentlichung, Rezeptionsgeschichte und Überblick.
  4. Kim Carnes Official Artist Channel: offizielles Musikvideo und offizielle Akustik-Livefassung.
  5. Jackie DeShannon - Topic / Legacy Recordings: offizielle Streamingfassung der ursprünglichen Aufnahme.
  6. Wikimedia Commons: gemeinfreie beziehungsweise frei lizenzierte Medien zu Bette Davis, Prophet-5 und Neumann U 67.
  7. Hooktheory: musiktheoretische Sekundäranalyse zu Tonart, Takt und Tempo.
  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Blair Jackson: „Classic Tracks: Kim Carnes’ ‘Bette Davis Eyes’“, Mix, 1. September 2003, aktualisiert 28. Mai 2026, https://www.mixonline.com/recording/classic-tracks-kim-carnes-bette-davis-eyes
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Wikipedia: „Bette Davis Eyes“, https://en.wikipedia.org/wiki/Bette_Davis_Eyes
  3. Kim Carnes Official Artist Channel: „Kim Carnes - Bette Davis Eyes“, offizielles Musikvideo, YouTube, https://www.youtube.com/watch?v=EPOIS5taqA8
  4. Wikimedia Commons: „File:Bette Davis by Elmer Fryer.jpg“, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bette_Davis_by_Elmer_Fryer.jpg
  5. Jackie DeShannon - Topic: „Bette Davis Eyes“, YouTube / Legacy Recordings, https://www.youtube.com/watch?v=L3ig6yJZE_E
  6. Matthew Greenwald: „Bette Davis Eyes - Jackie DeShannon“, AllMusic.
  7. Recording Academy: „24th Annual Grammy Awards“, https://www.grammy.com/awards/24th-annual-grammy-awards/
  8. Kim Carnes Interview: „creative process“, wiedergegeben im Kim-Carnes-Blog, 2019.
  9. Wikimedia Commons: „File:SCI Prophet 5.jpg“, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:SCI_Prophet_5.jpg
  10. Wikimedia Commons: „File:Microphone Neumann U-67 (1953).jpg“, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Microphone_Neumann_U-67_(1953).jpg
  11. 11,0 11,1 11,2 Hooktheory: „Bette Davis Eyes Chords and Melody“, Analyse der Kim-Carnes-Aufnahme, https://www.hooktheory.com/theorytab/view/kim-carnes/bette-davis-eyes
  12. Kim Carnes Official Artist Channel: „Kim Carnes - Bette Davis Eyes (Acoustic Live)“, aufgenommen 9. Mai 2015, veröffentlicht auf YouTube 2023, https://www.youtube.com/watch?v=Ufp1_FrRid8
  13. Recording Academy: „Record Of The Year 1982“, https://www.grammy.com/awards/categories/record-of-the-year/1982/
  14. Recording Academy: „Song Of The Year 1982“, https://www.grammy.com/awards/categories/song-of-the-year/1982/
  15. Recording Academy: „Kim Carnes Bats Her Bette Davis Eyes“, Grammy.com.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer schrieb Bette Davis Eyes? (Jackie DeShannon und Donna Weiss) (!Kim Carnes und Val Garay) (!Bill Cuomo und Craig Krampf) (!Bette Davis und Greta Garbo)




Welches Instrument prägte den neuen Signature-Riff der 1981er Aufnahme? (Prophet-5) (!Mellotron) (!Hammondorgel) (!Clavinet)




Wer produzierte die Aufnahme von Kim Carnes? (Val Garay) (!Quincy Jones) (!George Martin) (!Trevor Horn)




Welche Besonderheit berichtete Val Garay über die Studioaufnahme? (Sie wurde live ohne spätere Overdubs eingespielt) (!Sie entstand ausschließlich aus Samples) (!Der Gesang wurde Jahre später ergänzt) (!Alle Instrumente wurden einzeln zu Hause aufgenommen)




Welche elektronische Percussion ist für die Aufnahme belegt? (Synare) (!TR-808) (!Simmons SDS-V) (!LinnDrum)




In welchem Jahr wurde Kim Carnes Version zum Welthit? (1981) (!1971) (!1975) (!1989)




Was zeichnet den Gesang von Kim Carnes besonders aus? (Eine raue und körnige Stimmfarbe) (!Ein opernhafter Koloratursopran) (!Durchgehend geflüsterter Gesang) (!Mehrstimmiger A-cappella-Chor)




Welche Aussage beschreibt den Unterschied zu Jackie DeShannons Fassung am besten? (Carnes Version ist stärker syntheseorientiert und klanglich reduzierter) (!Carnes Version verzichtet vollständig auf Schlagzeug) (!DeShannons Version ist ein reines Synthesizerinstrumental) (!Beide Aufnahmen verwenden dasselbe Arrangement)




Welche Grammy-Kategorie bezog sich besonders auf die konkrete Aufnahme? (Record of the Year) (!Best New Artist) (!Best Spoken Word Album) (!Best Opera Recording)




Warum werden im aiMOOC nur sehr kurze Textzitate verwendet? (Weil der vollständige Songtext urheberrechtlich geschützt ist) (!Weil der Song keinen vollständigen Text besitzt) (!Weil die Aufnahme instrumental ist) (!Weil Bette Davis den Text selbst schrieb)





Memory

Prophet-5 Synthesizer-Riff
Val Garay Produzent
Craig Krampf Schlagzeug
Neumann U 67 Gesangsmikrofon
Jackie DeShannon Mitautorin
Donna Weiss Mitautorin
Synare Elektronische Percussion





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Prophet-5 Klangprägender Synthesizer
Rough Mix Frühe Mischung wurde zur veröffentlichten Fassung
Live-Take Band und Gesang gemeinsam eingespielt
Synare Elektronischer Schlagzeugakzent
Bette Davis Filmstar als zentrale kulturelle Referenz





Kreuzworträtsel

Prophet Welcher Synthesizer-Typ prägte den charakteristischen Riff?
Garay Wie lautet der Nachname des Produzenten?
Cuomo Wie lautet der Nachname des Keyboarders, der den neuen Riff entwickelte?
Synare Wie heißt das elektronische Percussioninstrument der Aufnahme?
Fryer Wie lautet der Nachname des Fotografen des eingebetteten Bette-Davis-Porträts?
Carnes Wie lautet der Nachname der Sängerin der berühmten 1981er Aufnahme?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der Song wurde von Jackie DeShannon und Donna

geschrieben.
Die weltbekannte Aufnahme von Kim Carnes erschien

.
Produzent der Aufnahme war Val

.
Bill Cuomo entwickelte den markanten Riff auf einem

.
Die Band spielte die Aufnahme weitgehend als gemeinsamen

ein.
Spätere zusätzliche Instrumentalspuren waren laut Garay nicht als

nötig.
Im Refrain wurde eine elektronische

eingesetzt.
Carnes sang über ein Neumann

.
Die Aufnahme wird häufig dem Umfeld von New

zugeordnet.
Eine zentrale Bildreferenz des Textes ist der Filmstar Bette

.
Die ursprüngliche Fassung stammt von Jackie

.
Bei den Grammy Awards erhielt die Aufnahme unter anderem Record of the

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Studioaufnahme und notiere fünf Klangmerkmale, die Du eindeutig wahrnehmen kannst.
  2. Instrumentenkunde: Erstelle eine Infokarte zum Prophet-5 mit Bild, Bauzeitraum und drei klanglichen Eigenschaften.
  3. Textbild: Gestalte eine Wortwolke zu Glamour, Blick, Kontrolle, Distanz und Verführung, ohne geschützte Lyrics zu übernehmen.
  4. Versionenvergleich: Beschreibe in etwa 150 Wörtern den auffälligsten Unterschied zwischen Jackie DeShannons Fassung und Kim Carnes’ Version.


Standard

  1. Arrangementanalyse: Zeichne eine Formkarte der 1981er Aufnahme mit Intro, Strophen, Refrains und instrumentalen Übergängen.
  2. Produktion: Erstelle ein Schaubild des Studiosignals von Stimme über Mikrofon und Vorverstärkung bis zur Bandmaschine und Mischung.
  3. Musikvideoanalyse: Untersuche, wie Blick, Schatten, Kostüme und Kamera die Textidee des Songs visuell erweitern.
  4. Quellenvergleich: Vergleiche die Aussagen von Val Garay und Kim Carnes zur Take-Nummer und formuliere eine quellenkritische Schlussfolgerung.


Schwer

  1. Re-Arrangement: Entwirf eine eigene rechtssichere Neuinterpretation mit selbst komponiertem Riff, ohne die geschützte Melodie zu kopieren. Begründe Instrumentierung und Produktionsästhetik.
  2. Popgeschichte: Ordne die Aufnahme in die Entwicklung von analogem Synthesizer-Pop zwischen späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren ein und vergleiche sie mit zwei weiteren Songs.
  3. Genderanalyse: Untersuche, wie der Text weibliche Macht, Begehren und Blickregime darstellt. Beziehe mindestens zwei unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten ein.
  4. Audioproduktion: Produziere einen eigenen 60-sekündigen Track mit trockenem Schlagzeug, analog wirkendem Synthesizer und rauer Leadstimme. Dokumentiere, welche Entscheidungen von der Analyse inspiriert wurden, ohne Originalmelodie oder Lyrics zu übernehmen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Klang und Bedeutung: Erkläre, wie der Wechsel vom klavier- und countrygeprägten DeShannon-Arrangement zur syntheseorientierten Carnes-Fassung die Wirkung der Textfigur verändert.
  2. Produktion und Interpretation: Begründe, warum ein Live-Take ohne Overdubs dennoch hochgradig produziert klingen kann.
  3. Technik und Ästhetik: Analysiere, welche Wirkung die Kombination aus akustischem Schlagzeug, Synare und Prophet-5 auf die stilistische Einordnung hat.
  4. Quellenkritik: Zwei Beteiligte erinnern sich unterschiedlich an die Nummer des verwendeten Takes. Entwickle eine Methode, wie Du mit diesem Widerspruch in einer wissenschaftlichen Arbeit umgehen würdest.
  5. Transfer: Wähle einen bekannten Popsong, dessen Coverfassung stärker bekannt ist als das Original. Vergleiche Arrangement, Produktion und kulturelle Wirkung mit dem Fall Bette Davis Eyes.
  6. Medienanalyse: Erkläre, wie das offizielle Musikvideo das Thema des Sehens und Gesehenwerdens aufgreift, ohne lediglich den Songtext nachzuerzählen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du nicht nur Fakten kennst, sondern musikalische Zusammenhänge erklären kannst. Wichtig sind:

  1. sichere Unterscheidung zwischen Songkomposition und konkreter Aufnahme
  2. Einordnung der Fassung von 1981 in Pop, New Wave, Softrock und Synth-Rock
  3. Erklärung der Funktion von Prophet-5, Synare, Schlagzeug, Gitarren, Bass und Leadgesang
  4. Beschreibung der dokumentierten Live-Aufnahmepraxis und des Rough Mix
  5. Analyse von Tempo, Takt, Harmonik, melodischer Kontur und Songform
  6. Interpretation der Hollywood-Bildsprache und der Figur Bette Davis
  7. begründeter Vergleich mit Jackie DeShannons Originalfassung und einer späteren Livefassung
  8. Unterscheidung von Record of the Year und Song of the Year
  9. kritischer Umgang mit widersprüchlichen Erinnerungsquellen
  10. rechtssicherer Umgang mit Songtexten, Noten, Videos und frei lizenzierten Bildern




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