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Johann Bernhard Basedow - Pädagoge

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Johann Bernhard Basedow - Pädagoge




Johann Bernhard Basedow - Pädagoge

Studienfach: Pädagogik

Johann Bernhard Basedow (1724–1790) gehört zu den einflussreichsten Vertretern der Pädagogik der Aufklärung. Er verband eine umfassende Kritik an der zeitgenössischen „Pauk- und Wortschule“ mit einem Programm, das Anschauung, Selbsttätigkeit, Spiel, körperliche Bewegung, lebenspraktisches Wissen und religiöse Toleranz stärker in den Mittelpunkt von Erziehung und Unterricht rückte. Mit dem 1774 eröffneten Philanthropinum Dessau versuchte er, seine Vorstellungen institutionell zu erproben. Sein ebenfalls 1774 erschienenes, reich bebildertes Elementarwerk wurde zu einem Schlüsseltext des Philanthropismus und zu einem wichtigen Dokument der europäischen Bildungsgeschichte.

Dieser aiMOOC richtet sich besonders an Studierende der Erziehungswissenschaft, der Pädagogik, der Lehramtsausbildung und der Historischen Bildungsforschung. Du untersuchst Basedows Werk nicht nur biografisch, sondern auch systematisch: Welche Vorstellung vom Kind liegt seiner Pädagogik zugrunde? Wie verknüpft er Menschenfreundschaft, Nützlichkeit und gesellschaftliche Ordnung? Inwiefern sind seine Methoden modern, und wo zeigen sich Grenzen, Widersprüche oder zeitgebundene Ausschlüsse?


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du Basedows Lebensweg historisch einordnen, zentrale Begriffe des Philanthropismus erläutern, das Elementarwerk als pädagogisches Medienprojekt analysieren, das Philanthropinum Dessau als Schulversuch beurteilen und Basedows Bedeutung für aktuelle Debatten über handlungsorientierten Unterricht, Medienpädagogik, Lehrerbildung, Körpererziehung und Bildungsgerechtigkeit kritisch diskutieren.


Einleitung

Die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts machte Erziehung zu einem zentralen gesellschaftlichen Reformfeld. Die Vorstellung, dass Menschen durch vernünftige Erziehung verbessert und Gesellschaften dadurch schrittweise verändert werden könnten, verlieh der Pädagogik eine neue öffentliche Bedeutung. Schule sollte nicht mehr nur überliefertes Wissen, konfessionelle Lehre und sprachliche Formen weitergeben. Sie sollte Menschen dazu befähigen, urteilsfähig, nützlich, gesund, moralisch und gesellschaftlich handlungsfähig zu werden.

Basedow radikalisierte diesen pädagogischen Reformoptimismus. Er wandte sich gegen Unterricht, der hauptsächlich auf Auswendiglernen, lateinische Gelehrsamkeit, Furcht und körperliche Züchtigung setzte. Stattdessen verlangte er einen anschaulichen, spielerischen, altersangemessenen und lebensnahen Unterricht. Seine Pädagogik war zugleich menschenfreundlich und zweckorientiert: Bildung sollte zur persönlichen Glückseligkeit beitragen, aber auch zur „Brauchbarkeit“ des Menschen in der bestehenden Gesellschaft.

Das Video ordnet Basedows Reformprojekt in die Geschichte der Aufklärung und der Stadt Dessau ein. Achte beim Ansehen darauf, wie der Zusammenhang zwischen politischer Reform, Stadtentwicklung und Schulgründung dargestellt wird.


Historischer Kontext: Pädagogik im Zeitalter der Aufklärung

Die Pädagogik der Aufklärung entwickelte sich in einer Epoche, in der ständische Ordnung, konfessionelle Bindung und absolutistische Herrschaft weiterhin prägend waren. Gleichzeitig verbreiteten sich Ideen von Vernunft, Naturrecht, Toleranz, Öffentlichkeit und gesellschaftlichem Fortschritt. Bildung wurde zunehmend als gestaltbare Aufgabe verstanden.

Für Basedow waren besonders vier Entwicklungen wichtig:

  1. Aufklärung: Der Mensch sollte lernen, selbstständig zu urteilen und vernünftige Gründe zu prüfen.
  2. Empirismus: Erkenntnis sollte stärker von Erfahrung, Wahrnehmung und Beobachtung ausgehen.
  3. Naturgemäße Erziehung: Erziehung sollte Entwicklungsbedingungen und Fähigkeiten des Kindes berücksichtigen.
  4. Gesellschaftliche Nützlichkeit: Bildung sollte auf konkrete Tätigkeiten, Berufe und bürgerliches Leben vorbereiten.

Der Philanthropismus entstand aus dieser Verbindung von Menschenfreundschaft, Vernunftorientierung, Naturbezug und praktischer Brauchbarkeit. Der Begriff leitet sich von griechisch phílos für Freund und ánthropos für Mensch ab. Philanthropische Pädagogik zielte auf die Verbesserung des Einzelnen und zugleich auf die Reform der Gesellschaft.


Biografie und pädagogische Entwicklung

Johann Bernhard Basedow wurde am 11. September 1724 in Hamburg geboren und starb am 25. Juli 1790 in Magdeburg. Ältere Darstellungen nennen gelegentlich 1723 als Geburtsjahr; die neuere biografische Forschung und die Neue Deutsche Biographie führen 1724 an. Diese Abweichung zeigt, warum auch scheinbar einfache biografische Daten quellenkritisch geprüft werden müssen.

Basedow besuchte das Johanneum und das Akademische Gymnasium in Hamburg. 1746 begann er in Leipzig ein Studium der evangelischen Theologie. Er beschäftigte sich zugleich intensiv mit Philosophie und mit rationalistischen Denkansätzen. Ab 1749 arbeitete er als Hauslehrer auf Gut Borghorst. Dort entwickelte er im Unterricht eines adligen Kindes Methoden, die Gespräch, Spiel, anschauliche Beispiele und körperliche Aktivität verbanden. 1752 erwarb er in Kiel den Magistergrad.

1753 erhielt Basedow eine Professur für Moral und Beredsamkeit an der Ritterakademie in Sorø. Später lehrte er dort auch Theologie. Seine rationalistischen und konfessionskritischen Positionen führten zu Konflikten. 1761 wechselte er an das Christianeum in Altona. Auch dort geriet er mit orthodoxen Theologen in Auseinandersetzungen. Seit dem Ende der 1760er-Jahre konzentrierte er sich immer stärker auf die Reform von Erziehung, Unterricht und Lehrerbildung.

1771 berief ihn Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau nach Dessau. 1774 veröffentlichte Basedow sein Elementarwerk und eröffnete gemeinsam mit Christian Heinrich Wolke das Philanthropinum Dessau. Bereits 1776 zog er sich aus der unmittelbaren Leitung zurück. Konflikte im Kollegium, organisatorische Probleme und Basedows schwieriger Führungsstil belasteten das Institut. Die Schule bestand dennoch bis 1793 und wirkte weit über ihre kurze Existenz hinaus.

Das Porträt eignet sich als Quelle zur Geschichte pädagogischer Autorität. Untersuche Haltung, Kleidung, Blickrichtung und Darstellungsform. Welche Eigenschaften eines Gelehrten oder Reformers werden bildlich inszeniert?


Zeitleiste

Jahr Station Pädagogische Bedeutung
1724 Geburt in Hamburg Sozialisation in einer städtischen, konfessionell geprägten Bildungswelt
1746 Studienbeginn in Leipzig Begegnung mit Theologie, Philosophie und Rationalismus
1749 Tätigkeit als Hauslehrer auf Gut Borghorst Erprobung spielerischer, dialogischer und körperbezogener Lehrformen
1752 Magistergrad in Kiel Akademische Anerkennung seiner frühen pädagogischen Überlegungen
1753 Professur in Sorø Verbindung von Moralphilosophie, Rhetorik, Theologie und Unterricht
1761 Wechsel nach Altona Zuspitzung theologischer Konflikte und Hinwendung zur Bildungsreform
1768 Veröffentlichung der Vorstellung an Menschenfreunde Öffentliches Reformprogramm und Werbung für ein Elementarbuch
1771 Berufung nach Dessau Politische Förderung eines pädagogischen Reformprojekts
1774 Veröffentlichung des Elementarwerks Verbindung von Text, Bild, Gespräch und Realienwissen
1774 Eröffnung des Philanthropinums Institutionelle Erprobung philanthropischer Pädagogik
1776 Rückzug aus der Leitung Sichtbarwerden organisatorischer und persönlicher Konflikte
1790 Tod in Magdeburg Beginn einer wechselvollen Wirkungsgeschichte


Geistige Einflüsse und eigenständiges Profil

Basedows Pädagogik entstand nicht isoliert. Sie setzte sich mit älteren und zeitgenössischen Entwürfen auseinander.

  1. Johann Amos Comenius: Dessen Orbis sensualium pictus hatte bereits gezeigt, wie Bilder und Wörter in einem enzyklopädischen Lehrwerk verbunden werden können.
  2. John Locke: Basedow übernahm die Betonung von Erfahrung, Gewöhnung, körperlicher Erziehung und spielerischem Lernen.
  3. Jean-Jacques Rousseau: Dessen Émile oder Über die Erziehung stärkte die Kritik an künstlichen Lernformen und die Forderung nach einer an der Entwicklung des Kindes orientierten Erziehung.
  4. Christian Wolff und der Rationalismus: Vernünftige Ordnung, begründetes Wissen und systematische Vermittlung prägten Basedows Denken.
  5. Pietismus und religiöse Reformdebatten: Auch in der Abgrenzung von konfessioneller Orthodoxie blieb die Frage nach Moral, Gewissen und religiöser Erziehung zentral.

Basedow übernahm diese Ansätze nicht unverändert. Im Unterschied zu Rousseaus weitgehend individualisiertem Erziehungsmodell entwarf er ein öffentliches, institutionelles und gesellschaftlich nützliches Bildungsprogramm. Er wollte nicht nur ein einzelnes Kind erziehen, sondern Lehrbücher, Schulen, Lehrerbildung und Öffentlichkeit gleichzeitig reformieren.


Menschenbild und Erziehungsziele

Basedows Anthropologie verbindet Bildsamkeit, Natur, Vernunft und gesellschaftliche Zwecksetzung. Kinder gelten als entwicklungsfähige Menschen mit eigenen Kräften und Interessen. Diese Anlagen sollen nicht durch Angst und mechanisches Lernen unterdrückt, sondern durch geeignete Lernumgebungen angeregt und gelenkt werden.

Zentrale Erziehungsziele sind:

  1. Glückseligkeit: Erziehung soll zu einem gelingenden, vernünftig geführten Leben beitragen.
  2. Selbstständigkeit: Lernende sollen beobachten, fragen, urteilen und handeln können.
  3. Menschenfreundschaft: Moralische Bildung soll Rücksicht, Toleranz und Gemeinsinn fördern.
  4. Brauchbarkeit: Wissen und Können sollen im bürgerlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben anwendbar sein.
  5. Gesundheit: Körperpflege, Bewegung, angemessene Kleidung und Abhärtung werden als Erziehungsaufgaben verstanden.
  6. Sittlichkeit: Vernunft, Gewissen und eingeübte Verhaltensformen sollen moralisches Handeln stabilisieren.

Diese Ziele stehen in einem Spannungsverhältnis. Das Kind wird stärker als lernendes Subjekt berücksichtigt, zugleich soll es für eine vorgegebene gesellschaftliche Ordnung geformt werden. Moderne Begriffe wie Autonomie oder Partizipation dürfen deshalb nicht unkritisch auf Basedow übertragen werden.


Didaktische Grundprinzipien


Anschauung statt bloßer Wörter

Basedow kritisierte Unterricht, bei dem Lernende Begriffe reproduzieren, ohne die bezeichneten Gegenstände oder Zusammenhänge zu verstehen. Bilder, Dinge, Modelle, Situationen und Beobachtungen sollten Ausgangspunkte des Lernens sein. Anschauung bedeutete jedoch nicht bloßes Betrachten. Lehrende sollten durch Fragen, Vergleiche und Gespräche das Denken anregen.

Die Darstellung „Anfang des menschlichen Verstandes“ kann als didaktisches Programm gelesen werden: Lernen beginnt bei Wahrnehmung, Benennung, Vergleich und sprachlicher Ordnung. Analysiere, welche Tätigkeiten den Figuren zugeordnet werden und wie Wissen bildlich hierarchisiert wird.


Lernen durch Gespräch und Fragen

Das Lehrgespräch sollte Kinder nicht nur zu vorgegebenen Antworten führen. Es sollte ihre Aufmerksamkeit lenken, Begriffe klären, Urteile provozieren und vorhandene Erfahrungen aufnehmen. Diese dialogische Struktur macht Basedows Ansatz anschlussfähig an heutige Debatten über Scaffolding, Sokratisches Gespräch und kognitive Aktivierung. Dennoch blieb die Lehrperson Autorität und bestimmte Ziel, Inhalt und Richtung des Gesprächs.


Spiel, Freude und Motivation

Lernen sollte möglichst mit Neugier, Bewegung und Erfolgserlebnissen verbunden sein. Spiel war für Basedow kein zweckfreier Gegenpol zum Lernen, sondern ein didaktisches Mittel. Dadurch konnte Unterricht motivierend gestaltet werden. Zugleich zeigt sich eine instrumentelle Seite: Das Spiel sollte Lernziele effizienter erreichbar machen.


Selbsttätigkeit und Lebensnähe

Kinder sollten nicht nur zuhören, sondern sprechen, zeigen, ordnen, messen, zeichnen, handeln und körperlich üben. Lebensnahe Inhalte umfassten Naturkunde, Geografie, Muttersprache, moderne Fremdsprachen, Rechnen, Handwerk und praktische Verrichtungen. Dieses Prinzip lässt sich mit handlungsorientiertem Unterricht vergleichen, darf aber nicht mit heutigen offenen Lernformen gleichgesetzt werden.


Körper, Bewegung und Gesundheit

Körperliche Erziehung war ein fester Bestandteil des Programms. Bewegung, Spiele, zweckmäßige Kleidung und Abhärtung sollten Gesundheit, Geschicklichkeit und Charakter fördern. Basedow und die Philanthropen trugen dazu bei, dass Leibeserziehung als legitimer Bildungsbereich wahrgenommen wurde. Körpererziehung war dabei nicht wertneutral: Sie verband Gesundheitsvorsorge mit Disziplin, Leistungsfähigkeit und moralischer Formung.

Nutze die Kupfertafel als Quelle für eine historische Analyse von Körperbildern. Welche Bewegungsformen, Rollen und Ordnungen werden sichtbar? Welche Vorstellungen von einem „nützlichen“ und „gebildeten“ Körper lassen sich erschließen?


Religiöse Toleranz und moralische Erziehung

Basedow kritisierte konfessionellen Dogmatismus und trat für eine vernunftorientierte, überkonfessionelle religiöse Grundbildung ein. Moral sollte nicht ausschließlich durch kirchliche Autorität begründet werden. Dieser Ansatz förderte Toleranz, führte aber zu heftigen Konflikten mit orthodoxen Theologen. Er markiert einen wichtigen Schritt in Richtung einer relativen Verselbstständigung pädagogischer Argumentation von konfessioneller Kontrolle.


Geschlechtliche Aufklärung

Basedow forderte Erwachsene auf, Fragen von Kindern zu Körper, Zeugung und Geburt wahrheitsgemäß und kindgerecht zu beantworten. Damit wandte er sich gegen Tabuisierung. Seine geschlechtliche Unterweisung blieb jedoch in die moralischen, medizinischen und geschlechterbezogenen Normen des 18. Jahrhunderts eingebunden. Für eine heutige Bewertung sind deshalb sowohl der aufklärerische Impuls als auch die historischen Begrenzungen zu berücksichtigen.


Das Elementarwerk

Das 1774 erschienene Elementarwerk trägt den programmatischen Untertitel Ein geordneter Vorrath aller nöthigen Erkenntniß zum Unterrichte der Jugend, von Anfang, bis ins academische Alter. Es war enzyklopädisch angelegt und sollte Eltern, Lehrenden und Lernenden einen umfassenden Vorrat an Wissen und methodischen Anregungen bieten.

Das Werk behandelte unter anderem Erziehung, Sprache, Logik, Religion, Moral, Naturkunde, Geschichte, Geografie, Tätigkeiten und gesellschaftliche Stände. Es war kein Schulbuch im heutigen Sinn mit einer linearen Folge standardisierter Lektionen. Vielmehr bildete es ein Medienensemble aus Texten, Kupferstichen, Erläuterungen und Gesprächsanlässen.

Die historische Buchseite verweist auf die enge Verbindung von Publikation, pädagogischer Öffentlichkeit und Reformbewegung. Basedows Projekt war auf Subskriptionen, Spenden, Drucktechnik, Verlage und internationale Aufmerksamkeit angewiesen. Bildungsreform war damit auch ein Kommunikations- und Finanzierungsprojekt.


Bild und Text als didaktische Einheit

Die Kupfertafeln des Künstlers Daniel Chodowiecki waren nicht bloß Illustrationen. Sie strukturierten Wahrnehmung, lieferten Gesprächsanlässe und verbanden abstrakte Begriffe mit Szenen, Dingen und Handlungen. Lehrende sollten Lernende durch Fragen dazu bringen, Einzelheiten zu erkennen, Beziehungen zu benennen und moralische oder sachliche Schlüsse zu ziehen.

Bei der Analyse einer Tafel solltest Du zwischen mindestens vier Ebenen unterscheiden:

  1. Denotation: Was ist unmittelbar zu sehen?
  2. Komposition: Wie werden Blick, Raum und Aufmerksamkeit gelenkt?
  3. Didaktische Funktion: Welche Begriffe, Kenntnisse oder Urteile sollen entwickelt werden?
  4. Normative Ordnung: Welche Vorstellungen von Familie, Arbeit, Geschlecht, Stand oder Moral werden vorausgesetzt?


Das Elementarwerk als frühes Bildungsmedium

Aus heutiger Sicht lässt sich das Elementarwerk als frühes multimediales Lernsystem beschreiben. Diese Bezeichnung ist nur dann sinnvoll, wenn die historische Differenz gewahrt bleibt. Das Werk kombinierte mehrere Zeichensysteme und Nutzungssituationen: Lesen, Betrachten, Zeigen, Erzählen, Fragen, Wiederholen und Diskutieren.

Der Vergleich mit digitalen Lernmedien eröffnet produktive Fragen: Wer kontrolliert die Auswahl der Bilder? Welche Perspektiven gelten als normal? Wie werden Lernwege gesteuert? Welche Rolle spielt die Lehrperson? Basedows Werk zeigt, dass Medieninnovation allein noch keine pädagogische Emanzipation garantiert. Entscheidend sind Ziele, Auswahl, Interaktion und Machtverhältnisse.

Die Animation zu Daniel Chodowiecki kann genutzt werden, um die Rolle des Illustrators im Verhältnis zum Autor zu untersuchen. Prüfe, ob die Bilder nur Basedows Vorgaben ausführen oder eigene visuelle Deutungen erzeugen.


Das Methodenbuch

Das Methodenbuch für Väter und Mütter der Familien und Völker erschien erstmals 1770. Es richtete sich ausdrücklich nicht nur an professionelle Lehrer. Eltern und weitere Erziehungsverantwortliche sollten pädagogisch handeln lernen. Damit weitete Basedow den Adressatenkreis pädagogischer Literatur aus und verstand Erziehung als öffentliche Aufgabe.

Das Methodenbuch erläutert Grundsätze der Erziehung, des Unterrichts und des Schulwesens. Es zeigt, dass Basedow nicht nur neue Inhalte, sondern auch eine neue pädagogische Haltung fördern wollte: beobachten, erklären, motivieren, Übung sinnvoll gestalten und Strafe begrenzen. Zugleich beansprucht der Text, Familien und ganze „Völker“ nach einem vernünftigen Plan zu erziehen. Dieser umfassende Gestaltungsanspruch muss machtkritisch gelesen werden.


Das Philanthropinum Dessau

Das Philanthropinum Dessau wurde am 27. Dezember 1774 eröffnet. Basedow bezeichnete es als „Schule der Menschenfreundschaft und guter Kenntnisse“. Das Institut sollte zugleich Schule, Internat, Modellanstalt und Ort der Lehrerbildung sein. Es erprobte neue Unterrichtsgegenstände, Methoden, Tagesordnungen, Kleidungsformen und körperliche Übungen.

Das Palais Dietrich wurde später zum Standort des historischen Philanthropinums. Gebäude sind pädagogische Quellen: Raumaufteilung, Internatsstruktur und gemeinsame Lebensführung beeinflussen, wie Nähe, Kontrolle, Gemeinschaft und Unterricht organisiert werden.


Curriculum und Schulalltag

Zum Curriculum gehörten Muttersprache, moderne Fremdsprachen, Mathematik, Naturkunde, Geografie, Geschichte, Religion und Moral, Zeichnen, Handarbeit sowie körperliche Übungen. Latein verlor seine traditionelle Vorrangstellung. Unterricht sollte verständlich, anschaulich und praktisch sein.

Das Internatsleben erweiterte den pädagogischen Zugriff über die Unterrichtsstunde hinaus. Lehrende und Schüler lebten eng zusammen. Charakterbildung sollte durch Tagesordnung, Vorbild, Gemeinschaft, Beobachtung und Gewöhnung erfolgen. Hier zeigt sich eine grundlegende Ambivalenz moderner Pädagogik: Je stärker Erziehung das ganze Leben gestalten will, desto größer kann auch die Reichweite pädagogischer Kontrolle werden.


Kollegium und pädagogisches Netzwerk

Neben Basedow wirkten am Philanthropinum unter anderem Christian Heinrich Wolke, Joachim Heinrich Campe, Ernst Christian Trapp und Christian Gotthilf Salzmann. Das Institut war deshalb kein Werk einer einzelnen Person, sondern ein Knotenpunkt eines pädagogischen Netzwerks. Besucher, Briefe, Rezensionen, Spendenaufrufe, Prüfungen und Publikationen machten die Schule europaweit bekannt.

Ernst Christian Trapp wurde 1779 der erste Professor für Pädagogik an einer deutschen Universität. Auch wenn seine Professur nicht direkt im Philanthropinum angesiedelt war, zeigt seine Karriere die wachsende Tendenz, Pädagogik als eigenständiges Wissens- und Forschungsfeld zu institutionalisieren.


Öffentliche Prüfungen und pädagogische Evidenz

Öffentliche Prüfungen sollten zeigen, dass die neuen Methoden funktionierten. Solche Veranstaltungen waren Lernkontrolle, Werbung und Legitimation zugleich. Für die historische Bildungsforschung stellen sich deshalb Fragen nach der Aussagekraft: Zeigten die Prüfungen alltägliche Lernprozesse oder sorgfältig vorbereitete Demonstrationen? Wer entschied, was als Erfolg galt? Welche Erwartungen hatten Förderer und Besucher?

Diese Fragen sind auch für heutige Schulversuche, Modellprojekte und Evaluationen relevant. Pädagogische Innovation braucht Nachweise, doch Nachweise entstehen nie unabhängig von Interessen, Kriterien und Inszenierungen.


Krisen, Konflikte und Schließung

Basedow zog sich bereits 1776 aus der Leitung zurück. Zeitgenössische und spätere Berichte nennen Konflikte über Leitung, Finanzen, Zusammenarbeit und überzogene Erfolgserwartungen. Das Philanthropinum bestand unter wechselnder Leitung bis 1793. Seine Schließung erklärt sich nicht aus einem einzigen Grund, sondern aus einem Zusammenspiel von personellen Spannungen, instabiler Finanzierung, organisatorischen Problemen und sinkenden Schülerzahlen.

Die kurze Dauer des Instituts widerlegt nicht automatisch seine pädagogische Wirkung. Schulgeschichtlicher Einfluss kann auch durch Texte, ausgebildete Lehrkräfte, Nachfolgeeinrichtungen, öffentliche Debatten und symbolische Vorbildfunktion entstehen.


Systematische Analyse von Basedows Pädagogik


Fortschrittliche Impulse

Basedows Reformprogramm enthält mehrere Impulse, die für die Entwicklung moderner Pädagogik bedeutsam wurden:

  1. Kindgemäßheit: Unterricht soll Fähigkeiten, Interessen und Entwicklungsstand berücksichtigen.
  2. Anschaulichkeit: Begriffe sollen an Wahrnehmung und Erfahrung gebunden werden.
  3. Aktivierung: Lernende sollen sprechen, handeln, beobachten und üben.
  4. Lebensweltorientierung: Bildungsinhalte sollen einen Bezug zu Alltag und gesellschaftlicher Praxis haben.
  5. Körperbildung: Bewegung und Gesundheit gehören zur Bildung.
  6. Lehrerbildung: Gute Methoden müssen gelernt, reflektiert und öffentlich diskutiert werden.
  7. Religiöse Toleranz: Schule soll nicht vollständig von konfessioneller Engführung bestimmt sein.
  8. Pädagogische Öffentlichkeit: Erziehung wird zum Gegenstand gesellschaftlicher Verantwortung.


Ambivalenzen und Grenzen

Eine wissenschaftliche Würdigung darf Basedow weder als modernen Pädagogen feiern noch als bloß autoritären Erzieher abtun. Seine Pädagogik ist von produktiven Widersprüchen geprägt.

Kindorientierung und Steuerung: Basedow nimmt Interessen und Fähigkeiten des Kindes ernster als viele traditionelle Schulformen. Trotzdem bleibt das Ziel der Entwicklung weitgehend von Erwachsenen festgelegt.

Menschenfreundschaft und Nützlichkeit: Das Wohl des Kindes soll gefördert werden. Gleichzeitig wird Bildung an gesellschaftlicher Brauchbarkeit gemessen.

Gemeinsame Bildung und ständische Ordnung: Das Philanthropinum formulierte einen weitreichenden Anspruch auf Menschenbildung. In der Praxis blieb Bildung nach Herkunft, Vermögen, Geschlecht und späterer gesellschaftlicher Funktion ungleich strukturiert. Besonders die institutionelle Ausbildung richtete sich überwiegend an Jungen aus privilegierten Familien.

Toleranz und Normierung: Religiöse Toleranz erweitert den Denkraum. Moralische, körperliche und soziale Normen werden jedoch weiterhin intensiv vermittelt und überwacht.

Spiel und Instrumentalisierung: Spiel steigert Freude und Aktivität, wird aber häufig einem vorab bestimmten Lernzweck untergeordnet.

Öffentlichkeit und Inszenierung: Öffentliche Prüfungen schaffen Transparenz und Aufmerksamkeit, können Lernerfolg aber zugleich werbewirksam inszenieren.


Machtkritische Perspektive

Mit Begriffen von Michel Foucault, Norbert Elias oder der kritischen Historischen Bildungsforschung lässt sich fragen, wie moderne Pädagogik Freiheit und Disziplin gleichzeitig erzeugt. Basedow ersetzt äußeren Zwang teilweise durch Motivation, Selbstbeobachtung, Gewöhnung und pädagogisch gestaltete Umwelten. Das kann humaner sein als offene Gewalt, erweitert aber möglicherweise die Reichweite der Erziehung.

Eine machtanalytische Interpretation sollte nicht behaupten, Basedow habe bereits moderne Disziplinarinstitutionen vollständig vorweggenommen. Sie untersucht vielmehr, wie Wissen, Körper, Zeit, Raum und Verhalten im Philanthropinum geordnet wurden.


Geschlechtergeschichtliche Perspektive

Basedows Sprache erhebt häufig einen allgemeinen Anspruch auf „Menschenbildung“. Historisch war dieser Universalismus jedoch begrenzt. Die institutionelle Praxis des Philanthropinums konzentrierte sich auf männliche Schüler. Weibliche Bildung erschien vor allem im Kontext von Familie, Mutterschaft und häuslicher Erziehung. Eine geschlechtergeschichtliche Analyse fragt deshalb, wer im Begriff „Mensch“ tatsächlich mitgedacht wurde und welche Rollen durch Bilder, Texte und Lehrpläne stabilisiert wurden.


Sozialgeschichtliche Perspektive

Die philanthropische Pädagogik wollte Unterschiede zwischen Arm und Reich pädagogisch überbrücken, hielt aber an ständisch differenzierten Lebenswegen fest. Handarbeit konnte als Aufwertung praktischer Tätigkeit gelten, zugleich wurden akademische und manuelle Bildungsanteile sozial unterschiedlich gewichtet. Der Anspruch gemeinsamer Menschenbildung stand damit neben einer Vorbereitung auf ungleiche gesellschaftliche Positionen.


Medienkritische Perspektive

Die Bilder des Elementarwerks machen Weltwissen sichtbar, wählen aber zugleich aus, was als normal, nützlich und wissenswert gilt. Sie ordnen Menschen, Tätigkeiten, Geschlechter, Körper, Natur und Gesellschaft. Medienkritik fragt deshalb nicht nur, ob ein Bild anschaulich ist, sondern auch, welche Perspektive es privilegiert und welche Lebensformen unsichtbar bleiben.

Bearbeite die Tafel wie ein historisches Datenset: Erfasse dargestellte Personen, Gegenstände, Tätigkeiten, Räume und Blickbeziehungen. Formuliere danach eine Hypothese über die pädagogische Botschaft und prüfe, welche Elemente Deine Hypothese stützen oder widerlegen.


Wirkungsgeschichte

Das Philanthropinum wurde zum Vorbild für weitere philanthropische Schulen. Christian Gotthilf Salzmann gründete 1784 die Erziehungsanstalt Schnepfenthal. Joachim Heinrich Campe wirkte als Pädagoge, Verleger und Kinderbuchautor. Johann Christoph Friedrich GutsMuths entwickelte die körperliche Erziehung weiter. Der Philanthropismus beeinflusste Schulreform, Kinderliteratur, Realienunterricht, moderne Sprachen und Lehrerbildung.

Im 19. Jahrhundert wurde Basedows Wirkung teilweise von der stärkeren Rezeption Pestalozzis, Humboldts und Herbarts überlagert. Im 20. Jahrhundert wurde der Philanthropismus sowohl als Vorläufer der Reformpädagogik gewürdigt als auch wegen seiner disziplinierenden und utilitaristischen Elemente kritisiert.

Denkmäler zeigen nicht unmittelbar, „wie Basedow wirklich war“. Sie dokumentieren spätere Erinnerungskulturen. Untersuche, welche Rolle Haltung, Sockel, Standort und Inschrift bei der Heroisierung eines Pädagogen spielen.


Bedeutung für die Entstehung der Pädagogik als Disziplin

Basedow war kein Erziehungswissenschaftler im heutigen Sinn. Dennoch trug sein Wirken zur Ausdifferenzierung pädagogischen Wissens bei. Er formulierte allgemeine Grundsätze, entwickelte Methoden, entwarf Lehrmittel, gründete eine Versuchsschule, warb öffentlich um Unterstützung und forderte die Ausbildung von Lehrenden. Dadurch verband er Theorie, Praxis, Institution und Öffentlichkeit.

Für die Disziplingeschichte ist entscheidend, dass pädagogische Fragen zunehmend als eigenständige Probleme behandelt wurden: Wie lernen Kinder? Welche Inhalte sind grundlegend? Wie lässt sich Unterricht verbessern? Wie kann pädagogischer Erfolg beobachtet werden? Wer darf über Erziehung entscheiden?


Aktualitätsbezüge

Basedows Pädagogik bietet keine fertigen Lösungen für heutige Bildung. Sie eröffnet jedoch Vergleichs- und Reflexionsräume.


Anschauliches und multimodales Lernen

Digitale Lernplattformen verbinden Text, Bild, Ton, Animation und Interaktion. Basedows Elementarwerk erinnert daran, dass Multimodalität didaktisch gestaltet werden muss. Medien können Beobachtung und Gespräch fördern, aber auch Stereotype, Auslassungen und vorgegebene Deutungen verstärken.


Projekt- und Handlungsorientierung

Praktische Tätigkeiten, körperliche Übungen und Realienwissen lassen sich mit Projektunterricht und handlungsorientiertem Lernen vergleichen. Der Vergleich sollte auf Unterschiede achten: Heutige Konzepte betonen häufig Mitbestimmung, Problemlösen und offene Ergebnisse stärker als Basedows zielgerichtete Übungen.


Motivation und Gamification

Basedows Verbindung von Spiel und Lernen berührt aktuelle Diskussionen über Gamification. Die zentrale Frage lautet damals wie heute: Unterstützt das Spiel selbstbestimmtes Lernen und vertieftes Verständnis, oder dient es nur dazu, vorgegebene Leistungen attraktiver zu verpacken?


Bildung und gesellschaftliche Nützlichkeit

Die Spannung zwischen allgemeiner Bildung und beruflicher Verwertbarkeit ist weiterhin aktuell. Basedow hilft zu erkennen, dass Forderungen nach „Praxisnähe“ nie neutral sind. Sie beruhen auf Vorstellungen darüber, welche Fähigkeiten eine Gesellschaft benötigt und welche Lebensformen als wertvoll gelten.


Bildungsgerechtigkeit

Der philanthropische Universalismus versprach Menschenbildung, blieb aber sozial und geschlechtlich begrenzt. Für heutige Debatten ist daraus zu lernen, dass allgemeine Bildungsansprüche an Zugängen, Ressourcen, Beteiligung und tatsächlichen Bildungschancen geprüft werden müssen.


Methodischer Zugang für das Pädagogikstudium


Quellenkritik

Eine historische Quelle beantwortet Fragen nicht von selbst. Du solltest mindestens folgende Schritte unterscheiden:

  1. Quellenart: Handelt es sich um Lehrbuch, Programmschrift, Brief, Bild, Prüfungsbericht, Erinnerung oder spätere Biografie?
  2. Autorenschaft: Wer spricht, mit welcher Funktion und welchem Interesse?
  3. Adressaten: Für wen wurde die Quelle verfasst oder gestaltet?
  4. Entstehungskontext: Welche Konflikte, Förderstrukturen und Erwartungen waren wirksam?
  5. Aussagegrenze: Was kann die Quelle belegen, und was bleibt offen?
  6. Vergleich: Welche weiteren Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen der Darstellung?


Normative und deskriptive Aussagen unterscheiden

Programmschriften beschreiben häufig, wie Schule sein soll, nicht wie sie tatsächlich war. Wenn Basedow humane, spielerische und anschauliche Erziehung fordert, ist damit noch nicht bewiesen, dass der Alltag des Philanthropinums diesen Idealen entsprach. Für eine belastbare Rekonstruktion müssen Programmatik, institutionelle Akten, Berichte von Beteiligten und materielle Quellen miteinander verglichen werden.


Gegenwartsbezug ohne Anachronismus

Ein Anachronismus entsteht, wenn heutige Begriffe und Wertmaßstäbe unbemerkt auf die Vergangenheit übertragen werden. Du darfst Basedow mit heutigen Konzepten vergleichen, solltest aber Unterschiede benennen. Er war weder ein Vertreter heutiger demokratischer Partizipation noch ein Medienpädagoge im gegenwärtigen Sinn. Der Vergleich ist dann wissenschaftlich produktiv, wenn er historische Besonderheiten sichtbar macht.


Begriffe im Überblick

Begriff Bedeutung im Kontext Basedows
Philanthropismus Pädagogische Reformbewegung der Aufklärung mit den Leitideen Menschenfreundschaft, Vernunft, Natürlichkeit und Nützlichkeit
Bildsamkeit Annahme, dass menschliche Fähigkeiten durch Erziehung entwickelt werden können
Anschauung Lernen an wahrnehmbaren Gegenständen, Bildern, Handlungen und Situationen
Selbsttätigkeit Aktive Beteiligung der Lernenden durch Beobachten, Sprechen, Ordnen und Handeln
Realienunterricht Unterricht über Natur, Gesellschaft, Geografie, Geschichte und praktische Lebensbereiche
Elementarwerk Enzyklopädisches, bebildertes Lehr- und Gesprächswerk von 1774
Philanthropinum Dessau Reformschule und Modellanstalt von 1774 bis 1793
Nützlichkeit Ausrichtung von Bildung auf praktische und gesellschaftliche Brauchbarkeit
Glückseligkeit Aufklärerisches Ziel eines vernünftig, moralisch und gelingend geführten Lebens
Leibeserziehung Systematische körperliche Übung als Bestandteil allgemeiner Bildung


Mediengalerie und Quellenarbeit

Vergleiche dieses Porträt mit der Bleistiftzeichnung am Anfang des Kurses. Welche Unterschiede ergeben sich durch Technik, Perspektive und Zweck der Darstellung?

Eine Signatur kann als Ego-Dokument gelesen werden. Untersuche Linienführung, Lesbarkeit und repräsentative Funktion. Überlege, welche Grenzen psychologisierende Deutungen einer Handschrift haben.

Der Gedenkstein verbindet Biografie, Ort und Erinnerung. Entwickle Kriterien, mit denen Du historische Gedenkorte pädagogisch erschließen kannst.

Das fremdsprachige Video kann als Übung zur fachlichen Medienkritik dienen. Identifiziere anhand der visuellen Struktur zentrale Stationen und prüfe anschließend mit deutschsprachigen Fachquellen, welche Aussagen zuverlässig sind.


Literatur und digitale Quellen

  1. Johann Bernhard Basedow: Das Methodenbuch für Väter und Mütter der Familien und Völker. Altona und Bremen 1770.
  2. Johann Bernhard Basedow: Das Basedowische Elementarwerk. Leipzig 1774.
  3. Jürgen Overhoff: Johann Bernhard Basedow (1724–1790). Aufklärer, Pädagoge, Menschenfreund. Eine Biografie. Göttingen 2020.
  4. Hanno Schmitt: Vernunft und Menschlichkeit. Studien zur philanthropischen Erziehungsbewegung. Bad Heilbrunn 2007.
  5. Heinz-Elmar Tenorth: Geschichte der Erziehung. Einführung in die Grundzüge ihrer neuzeitlichen Entwicklung. Weinheim und München 2010.
  6. Robert B. Louden: Johann Bernhard Basedow and the Transformation of Modern Education. London 2021.
  7. GEI-Digital: Digitalisat des Basedowischen Elementarwerks.
  8. Deutsches Historisches Museum: Digitale Materialien zu Basedows Elementarwerk.
  9. Wikimedia Commons: Freie Porträts, Kupfertafeln und Erinnerungsorte zu Basedow.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Epoche wirkte Johann Bernhard Basedow? (Aufklärung) (!Romantik) (!Renaissance) (!Industrialisierung)




Wie hieß die von Basedow mitbegründete Reformschule in Dessau? (Philanthropinum) (!Johanneum) (!Pädagogium) (!Humanistikum)




Welches Hauptwerk veröffentlichte Basedow im Jahr 1774? (Elementarwerk) (!Emile) (!Orbis pictus) (!Leviathan)




Wer gestaltete zahlreiche Kupfertafeln für das Elementarwerk? (Daniel Chodowiecki) (!Johann Wolfgang Goethe) (!Immanuel Kant) (!Johann Heinrich Pestalozzi)




Welches Prinzip kennzeichnet Basedows Unterricht besonders? (Anschauung) (!Reines Auswendiglernen) (!Vorrang der Körperstrafe) (!Ausschließlicher Lateinunterricht)




Welches Ziel verband der Philanthropismus mit Erziehung? (Glückseligkeit und gesellschaftliche Brauchbarkeit) (!Rückkehr zur mittelalterlichen Ständeordnung) (!Verzicht auf moralische Bildung) (!Ausschluss praktischer Kenntnisse)




Welche Tätigkeit gehörte zum Programm des Philanthropinums? (Körperliche Übung) (!Ausschließliches Abschreiben) (!Verbot moderner Sprachen) (!Verzicht auf Naturkunde)




Warum sind Programmschriften quellenkritisch zu lesen? (Sie beschreiben oft Ziele statt tatsächlicher Praxis) (!Sie enthalten grundsätzlich keine historischen Informationen) (!Sie wurden immer anonym verfasst) (!Sie bestehen nur aus Bildern)




Welche Spannung prägt Basedows Pädagogik? (Kindorientierung und gesellschaftliche Steuerung) (!Naturwissenschaft und vollständige Wissensablehnung) (!Schulpflicht und völliger Unterrichtsverzicht) (!Toleranz und Verbot jeder Moral)




Was zeigt die kurze Existenz des Philanthropinums nicht automatisch? (Dass sein pädagogischer Einfluss gering war) (!Dass es in Dessau lag) (!Dass es im achtzehnten Jahrhundert bestand) (!Dass Basedow an seiner Gründung beteiligt war)





Memory

Elementarwerk Bebildertes Lehr- und Gesprächswerk
Philanthropinum Reformschule in Dessau
Chodowiecki Gestalter der Kupfertafeln
Anschauung Lernen an Bildern und Gegenständen
Glückseligkeit Ziel eines gelingenden Lebens
Selbsttätigkeit Aktives Handeln der Lernenden
Trapp Früher Professor der Pädagogik





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Aufklärung Historischer Deutungsrahmen
Philanthropismus Pädagogische Reformbewegung
Elementarwerk Bildgestütztes Lehrmedium
Philanthropinum Institutioneller Schulversuch
Anschauung Didaktisches Grundprinzip




...


Kreuzworträtsel

Basedow Welcher Pädagoge gründete die Dessauer Reformschule?
Dessau In welcher Stadt entstand das Philanthropinum?
Vernunft Welche Fähigkeit war ein Leitbegriff der Aufklärung?
Anschauung Welches Prinzip verbindet Lernen mit Wahrnehmung?
Chodowiecki Wer schuf die bekannten Kupfertafeln?
Toleranz Welches religiöse Leitmotiv vertrat Basedow?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Johann Bernhard Basedow war ein Pädagoge der

. Seine Reformbewegung wird als

bezeichnet. Im Jahr 1774 veröffentlichte er das

. Die Kupfertafeln gestaltete vor allem Daniel

. Basedow gründete in Dessau das

. Ein wichtiges Unterrichtsprinzip war die

. Lernende sollten durch eigenes Handeln zur

angeregt werden. Körperliche Übungen gehörten zur allgemeinen

. Das Ziel der Glückseligkeit verband Basedow mit gesellschaftlicher

. Historische Programmschriften müssen von der tatsächlichen

unterschieden werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz mit den Begriffen Aufklärung, Philanthropismus, Anschauung, Selbsttätigkeit, Nützlichkeit und Glückseligkeit.
  2. Bildanalyse: Wähle eine Kupfertafel aus dem Kurs und beschreibe zuerst nur das Sichtbare, bevor Du eine pädagogische Deutung formulierst.
  3. Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit acht Stationen aus Basedows Leben und ergänze zu jeder Station eine pädagogische Bedeutung.
  4. Erklärvideo: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo zur Frage, warum das Elementarwerk mehr als ein gewöhnliches Schulbuch war.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche eine Passage aus dem Methodenbuch mit einer Kupfertafel des Elementarwerks und untersuche, wie Text und Bild das Lernen steuern.
  2. Unterrichtsentwurf: Entwickle eine 45-minütige Unterrichtsstunde nach den Prinzipien Anschauung, Gespräch und Selbsttätigkeit und begründe jede Phase.
  3. Podcast: Produziere eine Podcastfolge als Streitgespräch zwischen Basedow und Rousseau über Natur, Gesellschaft und schulische Erziehung.
  4. Exkursion: Plane eine pädagogische Exkursion zum historischen Philanthropinum oder zu einem digitalen Sammlungsbestand und formuliere Beobachtungsaufträge.


Schwer

  1. Forschungsessay: Analysiere die Spannung zwischen Menschenfreundschaft und gesellschaftlicher Brauchbarkeit mit mindestens drei wissenschaftlichen Quellen.
  2. Diskursanalyse: Untersuche, wie Begriffe wie Natur, Vernunft, Kind und Nützlichkeit in einer ausgewählten Primärquelle verwendet werden.
  3. Medienprojekt: Entwickle eine digitale Neuinterpretation einer Elementarwerk-Tafel und dokumentiere transparent, welche historischen Normen Du beibehältst, veränderst oder kritisierst.
  4. Evaluation: Entwirf ein Forschungsdesign, mit dem die behauptete Wirksamkeit einer historischen Reformschule untersucht werden könnte, und diskutiere die Grenzen nachträglicher Evaluation.




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Lernkontrolle

  1. Transfer auf digitale Bildung: Beurteile, welche Chancen und Risiken Basedows bildgestütztes Lernen für heutige digitale Lernplattformen sichtbar macht. Entwickle Kriterien für eine didaktisch und machtkritisch reflektierte Medienwahl.
  2. Fallanalyse Schulreform: Eine Schule führt projektorientierten Unterricht, Bewegungspausen und öffentliche Präsentationen ein. Analysiere Gemeinsamkeiten mit dem Philanthropinum und benenne mindestens drei historische Unterschiede.
  3. Normative Spannung: Entwickle eine begründete Position zur Frage, ob Bildung gesellschaftlich nützlich sein soll. Beziehe Basedows Konzept der Brauchbarkeit und einen aktuellen Bildungsbegriff ein.
  4. Quellenkritische Rekonstruktion: Du findest eine begeisterte Werbeschrift und einen kritischen Brief über dieselbe Schule. Entwirf ein Verfahren, mit dem Du aus beiden Quellen eine belastbare historische Interpretation entwickelst.
  5. Bildungsgerechtigkeit: Prüfe den universalistischen Anspruch der „Menschenbildung“ am Zugang zum Philanthropinum. Übertrage Deine Kriterien auf eine gegenwärtige Bildungsinstitution.
  6. Professionalisierung: Erörtere, inwiefern Basedows Verbindung von Methodenlehre, Modellschule, Öffentlichkeit und Lehrerbildung zur Professionalisierung pädagogischen Handelns beitrug.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du

  1. Basedows Biografie sicher in die Pädagogik der Aufklärung einordnen kannst,
  2. zentrale Begriffe des Philanthropismus fachlich präzise verwendest,
  3. das Elementarwerk als Verbindung von Text, Bild und Lehrgespräch analysierst,
  4. Programmatik und tatsächliche Schulpraxis quellenkritisch unterscheidest,
  5. Fortschrittspotenziale und historische Grenzen differenziert beurteilst,
  6. soziale, geschlechtliche, mediale und machtförmige Dimensionen einbeziehst,
  7. einen begründeten Transfer zu gegenwärtigen Bildungsfragen leistest,
  8. Primärquellen und Forschungsliteratur korrekt zitierst,
  9. Deine Argumentation nachvollziehbar strukturierst,
  10. Gegenpositionen fair darstellst und abwägst.

Ein möglicher Lernnachweis ist ein wissenschaftlicher Essay, eine kommentierte Quellenanalyse, ein digitales Ausstellungsprojekt oder ein forschungsorientierter Unterrichtsentwurf. Entscheidend sind fachliche Genauigkeit, Quellenkritik, selbstständige Argumentation und reflektierter Gegenwartsbezug.




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Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

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  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
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Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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The Monkey DanceaiMOOCs

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