Grundlagen der Bildhauerei - Kunst


Grundlagen der Bildhauerei - Kunst
Grundlagen der Bildhauerei - Kunst
Einleitung
Bildhauerei gestaltet Körper, Volumen und Räume. Du arbeitest nicht nur mit Höhe und Breite, sondern auch mit Tiefe, Oberfläche, Gewicht, Licht und verschiedenen Ansichten. In diesem aiMOOC lernst Du wichtige Begriffe, Materialien, Werkzeuge und Arbeitsweisen kennen. Außerdem planst, gestaltest und beurteilst Du eigene dreidimensionale Kunstwerke.

Lernziele
Du kannst nach diesem Kurs:
- Bildhauerei als dreidimensionale Kunstform erklären.
- Skulptur, Plastik, Relief und Objektkunst unterscheiden.
- additive, subtraktive und konstruktive Verfahren zuordnen.
- Material, Werkzeug und Technik begründet auswählen.
- ein eigenes Werk planen, herstellen, präsentieren und reflektieren.
- grundlegende Sicherheitsregeln im Werkraum anwenden.
Grundbegriffe
Bildhauerei
Bildhauerei ist die Gestaltung dreidimensionaler Formen. Ein Werk kann frei im Raum stehen, an eine Fläche gebunden sein oder aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden. Entscheidend sind Volumen, Masse, Oberfläche, Raum, Proportion und Ansicht.

Skulptur und Plastik
Im engeren kunsthistorischen Sinn unterscheiden sich die Begriffe:
- Skulptur: Form entsteht durch Wegnehmen von Material, etwa beim Behauen von Stein oder Schnitzen von Holz.
- Plastik: Form entsteht durch Hinzufügen und Modellieren, etwa mit Ton, Wachs oder Gips.
- Im heutigen Sprachgebrauch wird Skulptur oft allgemein für dreidimensionale Kunstwerke verwendet.
Relief
Ein Relief bleibt mit einer Grundfläche verbunden. Beim Flachrelief ragen die Formen nur wenig hervor. Beim Hochrelief treten sie stärker aus dem Hintergrund heraus.

Freistehende Skulptur
Eine freistehende Skulptur kann von mehreren Seiten betrachtet werden. Jede neue Ansicht verändert die Wirkung von Silhouette, Licht, Schatten und Raum.

Arbeitsweisen
Subtraktives Verfahren
Beim subtraktiven Verfahren wird Material entfernt. Typische Techniken sind Steinbildhauerei, Schnitzen, Sägen, Raspeln, Feilen und Schleifen. Entferntes Material kann meist nicht wieder angesetzt werden. Deshalb sind Planung und vorsichtiges Arbeiten wichtig.

Additives Verfahren
Beim additiven Verfahren wird Material hinzugefügt, aufgebaut oder modelliert. Geeignet sind Ton, Wachs, Modelliermasse, Papier, Draht und Gips. Weiche Materialien erlauben Korrekturen.

Konstruktives Verfahren
Beim konstruktiven Verfahren werden einzelne Teile verbunden. Mögliche Verbindungen sind Stecken, Knoten, Kleben, Schrauben, Nähen oder Drahten. Solche Werke können aus Karton, Holzresten, Metall, Fundstücken oder Recyclingmaterial bestehen.
Abformen und Gießen
Beim Abformen wird eine Negativform von einem Modell hergestellt. In diese Form kann anschließend Gips, Wachs, Kunstharz oder Metall gegossen werden. Ein Modell ermöglicht mehrere Abgüsse. In der Schule dürfen Gießverfahren nur mit geeigneten, ungefährlichen Materialien und unter Anleitung durchgeführt werden.

Materialien und Werkzeuge
Materialien
| Material | Geeignete Arbeitsweise | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Ton | Modellieren, Aufbauen, Eindrücken | weich, formbar, unmittelbar |
| Gips | Gießen, Auftragen, Schnitzen | hell, glatt oder rau |
| Holz | Sägen, Schnitzen, Schleifen | warm, faserig, natürlich |
| Stein | Behauen, Raspeln, Schleifen | fest, schwer, dauerhaft |
| Draht | Biegen, Wickeln, Verbinden | linear, offen, leicht |
| Papier | Falten, Rollen, Kleben, Schichten | leicht, vielseitig, kostengünstig |
| Recyclingmaterial | Montieren, Kombinieren, Umdeuten | überraschend, alltagsnah, nachhaltig |
Werkzeuge
Zu den häufigen Werkzeugen gehören Modellierholz, Drahtschlinge, Spachtel, Messer, Raspel, Feile, Schleifpapier, Säge, Hammer und Meißel. Das Werkzeug muss zum Material passen. Schneidende und schlagende Werkzeuge werden nur nach Einweisung verwendet.

Sicherheit im Werkraum
- Trage bei Bedarf Schutzbrille, Schürze und feste Schuhe.
- Prüfe Werkzeug und Arbeitsplatz vor Beginn.
- Schneide und schnitze immer vom Körper weg.
- Fixiere Werkstücke sicher.
- Vermeide Staub und reinige den Platz fachgerecht.
- Beachte die Anweisungen der Lehrkraft.
Gestaltungsmittel
Volumen, Masse und Raum
Volumen bezeichnet den Raum, den ein Körper einnimmt. Masse beschreibt seine körperliche und optische Schwere. Hohlräume, Öffnungen und Zwischenräume gehören als Negativraum zur Gestaltung.
Oberfläche und Struktur
Eine Oberfläche kann glatt, rau, glänzend, matt, geritzt, poliert oder sichtbar bearbeitet sein. Sie beeinflusst, wie Licht reflektiert wird und wie ein Werk wirkt. Werkzeugspuren können entfernt oder bewusst gezeigt werden.
Proportion und Maßstab
Proportion beschreibt Größenverhältnisse innerhalb eines Werkes. Der Maßstab bestimmt, ob ein Objekt klein, lebensgroß oder übergroß erscheint. Veränderungen können Ruhe, Spannung, Humor oder Bedrohlichkeit erzeugen.
Statik und Bewegung
Eine Form wirkt statisch, wenn sie stabil, geschlossen und ruhig erscheint. Diagonalen, Drehungen, offene Formen und ungleich verteiltes Gewicht können Bewegung und Spannung vermitteln.
Licht, Schatten und Ansicht
Erhebungen werfen Schatten, Vertiefungen bleiben dunkel und Kanten gliedern die Form. Deshalb muss eine Skulptur aus mehreren Blickrichtungen und bei unterschiedlichem Licht geprüft werden.
Von der Idee zum Werk
Arbeitsprozess
- Ideenfindung: Thema, Wirkung und Material festlegen.
- Skizze: Ansichten und Proportionen zeichnen.
- Bozzetto: ein kleines dreidimensionales Modell herstellen.
- Konstruktion: bei Bedarf eine tragende Armatur bauen.
- Formgebung: Volumen aufbauen, entfernen oder verbinden.
- Oberfläche: Strukturen, Kanten und Übergänge gestalten.
- Präsentation: Standort, Sockel, Licht und Blickhöhe wählen.
- Reflexion: Wirkung, Entscheidungen und Verbesserungen beschreiben.
Die Armatur
Eine Armatur ist ein inneres Gerüst. Sie stabilisiert weiche oder schwere Materialien. Draht, Holzstäbe oder Karton können dafür verwendet werden. Die Armatur darf die endgültige Form nicht ungewollt bestimmen oder sichtbar werden, außer dies gehört zur Gestaltungsidee.
Präsentation
Eine Skulptur wirkt auf dem Boden anders als auf einem Sockel. Auch Wandabstand, Licht, Umgebung und Blickhöhe verändern die Wahrnehmung. Die Präsentation ist deshalb Teil der künstlerischen Arbeit.
Kunstwerke untersuchen
Fünf Schritte der Werkbetrachtung
- Beschreibung: Was ist ohne Deutung zu sehen?
- Materialanalyse: Welche Materialien und Werkzeuge wurden verwendet?
- Formanalyse: Wie wirken Volumen, Oberfläche, Proportion und Raum?
- Deutung: Welche Aussage oder Stimmung könnte das Werk vermitteln?
- Urteil: Wie überzeugend passen Gestaltung und Aussage zusammen?

Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wodurch entsteht eine Skulptur im engeren kunsthistorischen Sinn? (Durch das Entfernen von Material) (!Durch das ausschließliche Mischen von Farben) (!Durch das Aufnehmen einer Fotografie) (!Durch das Drucken einer Zeichnung)
Welches Material eignet sich besonders zum additiven Modellieren? (Ton) (!Granitplatte) (!Glasscheibe) (!Fotopapier)
Was kennzeichnet ein Relief? (Es bleibt mit einer Grundfläche verbunden) (!Es besteht immer aus Holz) (!Es kann nur von unten betrachtet werden) (!Es besitzt keine Oberfläche)
Was ist eine Armatur? (Ein tragendes inneres Gerüst) (!Eine abschließende Farbschicht) (!Ein Sockel im Museum) (!Ein Werkzeug zum Fotografieren)
Welche Tätigkeit gehört zu einem subtraktiven Verfahren? (Schnitzen) (!Aufbauen) (!Ankleben) (!Gießen)
Welche Tätigkeit gehört zu einem konstruktiven Verfahren? (Verbinden einzelner Teile) (!Mischen von Wasserfarben) (!Zeichnen mit Kohle) (!Belichten von Fotopapier)
Was bezeichnet der Negativraum? (Leerräume und Öffnungen innerhalb oder zwischen Formen) (!Die Farbe eines Sockels) (!Das Gewicht eines Werkzeugs) (!Die Unterschrift der Künstlerin)
Wodurch kann eine Skulptur besonders bewegt wirken? (Durch Diagonalen und Drehungen) (!Durch eine vollständig verdeckte Form) (!Durch fehlende Ansichten) (!Durch einen leeren Werktitel)
Was sollte vor dem Schnitzen beachtet werden? (Das Werkzeug wird vom Körper weggeführt) (!Das Werkstück wird in der Hand bewegt) (!Die Schneide wird mit den Fingern geprüft) (!Der Arbeitsplatz bleibt unaufgeräumt)
Welcher Schritt folgt sinnvoll auf die erste Idee? (Eine Skizze oder ein kleines Modell) (!Die sofortige Entsorgung des Materials) (!Die Bewertung ohne Werk) (!Das Verbergen aller Ansichten)
Memory
| Subtraktiv | Material entfernen |
| Additiv | Material hinzufügen |
| Relief | Form mit Grundfläche |
| Armatur | Inneres Gerüst |
| Patina | Gestaltete Oberflächenwirkung |
| Bozzetto | Kleiner dreidimensionaler Entwurf |
| Negativraum | Leere zwischen Formen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Skizze | Idee in Ansichten festhalten |
| Bozzetto | Form im kleinen Modell erproben |
| Armatur | Weiches Material stabilisieren |
| Modellierung | Volumen aufbauen und verändern |
| Präsentation | Wirkung am gewählten Ort prüfen |
Kreuzworträtsel
| Skulptur | Wie heißt ein Werk, das traditionell durch Entfernen von Material entsteht? |
| Modellieren | Wie nennt man das Formen eines weichen Materials? |
| Relief | Welche plastische Form bleibt mit einer Grundfläche verbunden? |
| Volumen | Welcher Begriff bezeichnet den Raum, den ein Körper einnimmt? |
| Armatur | Wie heißt das tragende Gerüst im Inneren einer Plastik? |
| Patina | Wie heißt eine bewusst erzeugte oder entstandene Oberflächenwirkung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Materialsammlung: Sammle fünf ungefährliche Werkstoffe aus Alltag und Natur und ordne ihnen mögliche Bearbeitungstechniken zu.
- Tastskulptur: Forme mit geschlossenen Augen eine kleine Plastik aus Modelliermasse und beschreibe anschließend ihre Oberfläche.
- Relief: Gestalte ein Flachrelief aus Pappe, Schnur und Papier zu einem selbst gewählten Symbol.
- Ansichten: Fotografiere ein kleines Objekt aus vier Blickrichtungen und vergleiche die unterschiedlichen Silhouetten.
Standard
- Bozzetto: Entwickle drei Skizzen und ein kleines Modell für eine Skulptur zum Thema Bewegung.
- Drahtfigur: Baue eine stabile Drahtfigur und untersuche, wie Linien einen Körper im Raum andeuten.
- Recyclingkunst: Konstruiere aus Verpackungen ein Tierwesen und verwandle die ursprüngliche Funktion der Materialien.
- Werkbetrachtung: Wähle eine Skulptur im öffentlichen Raum und analysiere Material, Oberfläche, Maßstab, Standort und Wirkung.
Schwer
- Skulpturenserie: Gestalte drei zusammengehörige Kleinplastiken, die denselben Begriff unterschiedlich ausdrücken.
- Raumintervention: Plane eine temporäre Installation für einen Ort in der Schule und begründe Material, Größe und Position.
- Künstlerisches Experiment: Stelle dieselbe Grundform einmal additiv und einmal subtraktiv her und vergleiche die Arbeitsprozesse.
- Ausstellungskonzept: Kuratiere eine kleine Klassenausstellung mit Titel, Sockeln, Lichtplan, Werktexten und begründeter Anordnung.


Lernkontrolle
- Material und Wirkung: Vergleiche eine Form aus Ton mit derselben Form aus Draht. Erkläre, wie Material und Technik die Wirkung verändern.
- Standortwechsel: Beschreibe, wie eine kleine Skulptur auf dem Boden, auf Augenhöhe und über Kopfhöhe jeweils anders wirkt.
- Verfahrenswahl: Entwickle für das Thema Zerbrechlichkeit zwei Werkideen und begründe, welche Materialien und Verfahren besonders geeignet sind.
- Form und Aussage: Erkläre anhand eines eigenen Beispiels, wie Oberfläche, Proportion und Negativraum gemeinsam eine Stimmung erzeugen.
- Fehleranalyse: Eine hohe Tonfigur kippt während der Arbeit um. Untersuche mögliche Ursachen und entwickle mehrere Lösungen.
- Kunsturteil: Beurteile, ob sichtbare Werkzeugspuren ein Mangel oder ein bewusstes Gestaltungsmittel sein können. Begründe Deine Position.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- eine verständliche Idee und eine passende Materialwahl.
- Skizzen oder ein Bozzetto zur Planung.
- die sichere und fachgerechte Verwendung der Werkzeuge.
- die bewusste Gestaltung von Volumen, Oberfläche, Proportion und Raum.
- eine passende Präsentation des fertigen Werkes.
- eine schriftliche oder mündliche Reflexion über Prozess, Wirkung und Verbesserungsmöglichkeiten.
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