Gotische Kathedralen - Kunst


Gotische Kathedralen - Kunst
Gotische Kathedralen - Kunst
Einleitung
Gotische Kathedralen verbinden Architektur, Skulptur, Glasmalerei und Symbolik. Ihre hohen Räume, Spitzbögen und farbigen Fenster sollten beeindrucken, Orientierung geben und den Kirchenraum mit Licht füllen. In diesem aiMOOC lernst Du, die wichtigsten Formen zu erkennen, ihre technische Funktion zu erklären und ihre Wirkung im Fach Kunst zu untersuchen.

Bildimpuls: Welche Linien, Formen und Größenverhältnisse lassen das Gebäude besonders hoch erscheinen?
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du:
- Kathedrale und große Kirche unterscheiden.
- Spitzbogen, Kreuzrippengewölbe, Strebewerk, Maßwerk und Rosette erkennen.
- das Zusammenspiel von Konstruktion, Licht und Raumwirkung erklären.
- eine gotische Kathedrale mit Fachbegriffen beschreiben und deuten.
- eigene Entwürfe und Modelle zur gotischen Formensprache gestalten.
Was ist eine gotische Kathedrale?
Eine Kathedrale ist die Kirche eines Bischofs und enthält dessen Sitz, die Kathedra. Nicht jede große Kirche ist deshalb eine Kathedrale. Die Gotik entstand im 12. Jahrhundert im Raum um Paris und verbreitete sich in vielen Regionen Europas. Beginn, Dauer und Aussehen unterschieden sich je nach Ort.

Ein früher Ausgangspunkt: Saint-Denis
Der ab 1140 umgestaltete Chor der Abteikirche Saint-Denis gilt als wichtiger Ausgangspunkt der gotischen Architektur. Spitzbögen, Rippengewölbe und große Fenster wurden dort zu einem neuen Raumeindruck verbunden.

Vom Mauerbau zum gegliederten Tragsystem
Die gotische Bauweise konzentriert Lasten stärker auf Pfeiler, Rippen und das äußere Strebewerk. Dadurch können Wandflächen weiter geöffnet und größere Fenster eingesetzt werden.
| Merkmal | Romanik | Gotik |
|---|---|---|
| Bogen | häufig Rundbogen | häufig Spitzbogen |
| Wand | eher massiv und geschlossen | stärker gegliedert und durchfenstert |
| Raumwirkung | eher schwer und kompakt | eher hoch, rhythmisch und lichtreich |
| Gewölbe | häufig Tonnen- oder Kreuzgratgewölbe | häufig Kreuzrippengewölbe |
Zentrale Bauteile
Spitzbogen
Der Spitzbogen läuft oben spitz zusammen. Seine Form kann an unterschiedliche Breiten und Höhen angepasst werden. In Reihen angeordnet verstärkt er den Eindruck von Höhe und Richtung.
Kreuzrippengewölbe
Beim Kreuzrippengewölbe tragen steinerne Rippen die Gewölbefelder. Die Last wird gezielt zu Pfeilern und Diensten geführt. Das erzeugt ein sichtbares Liniennetz an der Decke.

Strebewerk
Das Strebewerk besteht aus Strebebögen und Strebepfeilern. Es leitet seitliche Kräfte aus Gewölbe und Dach nach außen in den Boden. So können die Hochschiffwände dünner und stärker durchfenstert werden.

Bildauftrag: Verfolge mit dem Finger eine gedachte Kraftlinie vom Dach über einen Strebebogen bis zum Pfeiler.
Maßwerk, Rosette und Glasmalerei
Maßwerk ist die steinerne Gliederung gotischer Fenster. Eine große runde Fensterform heißt Rosette. Farbige Glasfenster erzählen Geschichten, zeigen Figuren und verändern das Licht im Raum.


Raum, Licht und Wirkung
Die Architektur lenkt den Blick entlang des Langhauses und nach oben. Wiederholte Pfeiler, Bögen und Gewölberippen erzeugen einen Rhythmus. Das farbige Licht kann den Raum feierlich, geheimnisvoll oder entrückt wirken lassen. In der mittelalterlichen Bildwelt verwies Licht häufig auf das Göttliche.

Merksatz: Technik und Gestaltung gehören zusammen: Das Tragsystem ermöglicht große Fenster, und die Fenster prägen die Raumwirkung.
Grundriss und Wege
Viele Kathedralen besitzen einen kreuzförmigen Grundriss. Wichtige Bereiche sind Langhaus, Seitenschiff, Querhaus, Vierung, Chor, Chorumgang und Kapellen. Der Grundriss ordnet Bewegung, Blickrichtungen und liturgische Handlungen.

Fassade, Portale und Skulptur
Die Westfassade bildet häufig die repräsentative Eingangsseite. Portale sind durch Archivolten, Säulenfiguren und ein Tympanon gegliedert. Die Skulpturen dienten nicht nur als Schmuck: Sie vermittelten religiöse Erzählungen, Ordnungen und Vorbilder.

Bildimpuls: Wo endet die tragende Architektur, und wo beginnt der Schmuck? Oft lässt sich beides nicht klar trennen.
Bedeutende Beispiele
Chartres
Die Kathedrale von Chartres wurde nach einem Brand von 1194 weitgehend neu errichtet. Sie ist besonders für ihre Skulpturen und den großen Bestand mittelalterlicher Glasfenster bekannt.
Amiens
Die Kathedrale von Amiens zeigt die klare Gliederung der Hochgotik. Schlanke Pfeiler, ein hohes Mittelschiff und wiederholte Bogenformen schaffen einen stark gerichteten Innenraum.
Notre-Dame de Paris
Notre-Dame de Paris verbindet eine klar geordnete Westfassade mit großen Rosetten und einem sichtbaren Strebewerk an Chor und Langhaus.
Kölner Dom
Der Kölner Dom wurde 1248 begonnen. Nach langer Unterbrechung wurde er im 19. Jahrhundert nach mittelalterlichen Planideen vollendet. Seine Doppelturmfassade ist ein bekanntes Beispiel gotischer Vertikalität.

Gotische Kathedralen als Zusammenspiel der Künste
Eine Kathedrale lässt sich als Verbindung vieler Künste betrachten:
- Architektur formt Raum, Bewegung und Maßstab.
- Skulptur gestaltet Portale, Fassaden und Innenräume.
- Glasmalerei verbindet Bild, Farbe und Licht.
- Kunsthandwerk prägt Altäre, Reliquiare, Chorgestühl und Geräte.
- Musik nutzt die besondere Akustik des großen Raumes.
Methode der Kunstbetrachtung
Untersuche eine Kathedrale in vier Schritten:
- Beschreiben: Nenne sichtbare Formen, Materialien, Farben und Raumteile.
- Analysieren: Untersuche Linien, Proportionen, Wiederholungen, Licht und Blickführung.
- Deuten: Erkläre mögliche religiöse, politische oder gesellschaftliche Bedeutungen.
- Bewerten: Begründe Deine Wirkungseinschätzung mit Beobachtungen.
Erhaltung und Denkmalpflege
Gotische Kathedralen sind historische Bauwerke und zugleich genutzte Orte. Stein, Glas, Metall und Holz reagieren unterschiedlich auf Feuchtigkeit, Luftschadstoffe, Feuer und Alterung. Denkmalpflege versucht, Schäden zu sichern und Eingriffe nachvollziehbar zu machen. Dabei muss entschieden werden, was erhalten, ergänzt oder sichtbar als neu gekennzeichnet wird.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was macht eine Kirche zur Kathedrale? (Sie ist der Sitz eines Bischofs) (!Sie besitzt immer zwei Türme) (!Sie wurde ausschließlich im Mittelalter gebaut) (!Sie ist größer als jede andere Kirche)
Welche Kombination ist typisch für gotische Kathedralen? (Spitzbogen, Kreuzrippengewölbe und Strebewerk) (!Rundbogen, Flachdach und Betonstützen) (!Kuppel, Säulenordnung und Dreiecksgiebel) (!Fachwerk, Walmdach und Erker)
Welche Aufgabe hat das Strebewerk? (Es leitet seitliche Kräfte nach außen ab) (!Es färbt das Licht im Innenraum) (!Es dient ausschließlich als Treppe) (!Es verschließt die Fenster)
Was ist eine Rosette? (Ein großes rundes Maßwerkfenster) (!Ein kleiner Glockenturm) (!Ein steinerner Altar) (!Ein unterirdischer Raum)
Welche Wirkung unterstützt die Wiederholung von Pfeilern und Bögen? (Rhythmus und Blickführung) (!Völlige Formlosigkeit) (!Akustische Stille) (!Waagerechte Schwere ohne Richtung)
Was bezeichnet das Tympanon? (Das Bildfeld über einem Portal) (!Den Sitz des Bischofs) (!Den höchsten Turmhelm) (!Den Fußboden des Chors)
Wofür ist die Kathedrale von Chartres besonders bekannt? (Für ihren Bestand mittelalterlicher Glasfenster) (!Für eine antike Marmorkuppel) (!Für moderne Stahlfassaden) (!Für buddhistische Wandmalereien)
Welches Gestaltungsmittel betont die Höhe einer gotischen Kathedrale? (Senkrechte Linien und aufstrebende Formen) (!Nur breite waagerechte Flächen) (!Niedrige Decken ohne Gliederung) (!Fensterlose Rundbauten)
Was sollte bei einer Kunstbetrachtung zuerst geschehen? (Die sichtbaren Merkmale genau beschreiben) (!Sofort ein Werturteil fällen) (!Alle Fachbegriffe vermeiden) (!Nur die Baukosten schätzen)
Warum konnten gotische Hochschiffwände größere Fenster erhalten? (Weil Rippen, Pfeiler und Strebewerk Lasten gezielt ableiteten) (!Weil Glas schwerer als Stein ist) (!Weil Dächer keine Kräfte ausüben) (!Weil auf tragende Bauteile verzichtet wurde)
Memory
| Spitzbogen | spitz zulaufende Bogenform |
| Kreuzrippengewölbe | Rippen tragen Gewölbefelder |
| Strebewerk | äußere Ableitung seitlicher Kräfte |
| Rosette | rundes großes Fenster |
| Maßwerk | steinerne Fenstergliederung |
| Tympanon | Bildfeld über dem Portal |
| Kathedra | Sitz des Bischofs |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Funktion oder Bedeutung |
|---|---|
| Spitzbogen | lenkt den Blick nach oben und überspannt Öffnungen |
| Strebebogen | überträgt seitliche Kräfte auf einen äußeren Pfeiler |
| Gewölberippe | sammelt Lasten des Gewölbes an bestimmten Punkten |
| Rosette | verbindet Kreisform, Maßwerk und farbiges Licht |
| Tympanon | trägt ein Bildprogramm über dem Eingang |
| Kathedra | kennzeichnet die Kirche als Bischofssitz |
Kreuzworträtsel
| Kathedra | Wie heißt der Sitz des Bischofs? |
| Rosette | Wie heißt ein großes rundes gotisches Fenster? |
| Maßwerk | Wie heißt die steinerne Gliederung eines Fensters? |
| Tympanon | Wie heißt das Bildfeld über einem Portal? |
| Strebewerk | Wie heißt das äußere System zur Ableitung seitlicher Kräfte? |
| Langhaus | Wie heißt der längs gerichtete Hauptraum einer Kirche? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Formensuche: Suche auf einem Kathedralfoto fünf Spitzbögen und markiere sie in einer Kopie.
- Fensterentwurf: Zeichne eine eigene Rosette mit Zirkel, Lineal und mindestens zwei wiederholten Formen.
- Lichtbeobachtung: Beschreibe in sechs Sätzen, wie farbiges Licht die Stimmung eines Innenraums verändert.
- Begriffskarte: Gestalte eine übersichtliche Karte mit sechs Fachbegriffen und kleinen Symbolzeichnungen.
Standard
- Architekturvergleich: Vergleiche eine romanische und eine gotische Kirche anhand von Wand, Bogen, Fenster und Raumwirkung.
- Audioguide: Produziere einen zweiminütigen Audioguide zu einem ausgewählten Kathedralfoto.
- Papiermodell: Baue aus Papier einen Spitzbogen, einen Strebebogen und eine Fensterwand zu einem kleinen Modell zusammen.
- Bildanalyse: Untersuche eine Fassade nach der Methode Beschreiben, Analysieren, Deuten und Bewerten.
Schwer
- Statikexperiment: Entwickle ein Modell, das zeigt, wie ein äußerer Stützpunkt seitlichen Schub auffangen kann, und dokumentiere die Grenzen des Modells.
- Digitale Ausstellung: Kuratiere eine Präsentation mit fünf frei lizenzierten Bildern und kurzen, selbst formulierten Bildtexten.
- Denkmalpflege-Fallstudie: Erarbeite einen Vorschlag für den Umgang mit einer beschädigten historischen Rosette und begründe jede Maßnahme.
- Stadtraum-Debatte: Diskutiere, wie Neubauten in der Umgebung einer Kathedrale deren Wirkung verändern können, und entwickle Gestaltungsregeln.


Lernkontrolle
- Konstruktion und Licht: Erkläre an einer Skizze, wie Kreuzrippengewölbe, Pfeiler, Strebewerk und Fenster zusammenwirken.
- Vergleich ohne Beschriftung: Ordne zwei unbekannte Kirchenfotos Romanik oder Gotik zu und begründe Deine Entscheidung ausschließlich mit sichtbaren Merkmalen.
- Raumwirkung übertragen: Entwirf für eine Schulbibliothek drei Gestaltungsideen, die Höhe, Rhythmus oder farbiges Licht nutzen, ohne eine Kirche zu kopieren.
- Restaurierungsentscheidung: Bewerte, ob eine fehlende Skulptur originalgetreu ergänzt, modern ersetzt oder als Lücke belassen werden sollte.
- Bildprogramm deuten: Entwickle für ein heutiges Schulportal ein Bildprogramm nach dem Prinzip eines gotischen Tympanons und erkläre Deine Auswahl.
- Modellkritik: Prüfe ein Kathedralmodell auf konstruktive Plausibilität und benenne mindestens zwei Vereinfachungen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis ist wichtig, dass Du:
- zentrale Bauteile sicher erkennst und mit ihrer Funktion verbindest.
- die Begriffe Kirche, Dom und Kathedrale sinnvoll unterscheidest.
- Konstruktion, Licht, Bildkunst und Raumwirkung als Zusammenhang erklärst.
- eine Kunstbetrachtung mit Beobachtungen belegst.
- bei Medien freie Lizenzen und Quellen beachtest.
- eine eigene Gestaltungsidee entwickelst und reflektierst.
OERs zum Thema
Wikimedia Commons bietet frei lizenzierte Bildsammlungen zu gotischer Architektur, Kathedralen, Glasfenstern und Strebewerken.
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