Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied 1


Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied 1
Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied

Beim Schmieden werden Metalle durch Druckkräfte umgeformt. Im handwerklichen Bereich geschieht dies häufig mit Hammer, Amboss, Schmiedezange und einer Schmiedeesse; in Werkstätten kommen außerdem kraftbetriebene Schmiedehämmer, Pressen, Schleifmaschinen und weitere Arbeitsmittel zum Einsatz. Dabei treffen hohe Temperaturen, große Kräfte, Funkenflug, Lärm, Rauchgase und schwere Werkstücke aufeinander. Sicherheit entsteht deshalb nicht durch einzelne Schutzmittel, sondern durch eine geplante Gefährdungsbeurteilung, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, eine verständliche Betriebsanweisung, Unterweisung und korrekt ausgewählte persönliche Schutzausrüstung.
Dieser Lernkurs richtet sich an Auszubildende im Metallbauerhandwerk, besonders an Lernende der Fachrichtung Metallgestaltung. Die traditionelle Bezeichnung Schmied wird weiterhin verwendet; der heutige handwerkliche Ausbildungsberuf heißt in Deutschland Metallbauer beziehungsweise Metallbauerin, in der Fachrichtung Metallgestaltung.
Wichtig: Dieser aiMOOC ergänzt die betriebliche Unterweisung, ersetzt sie aber nicht. Maßgeblich sind immer die aktuelle Gefährdungsbeurteilung, die Betriebsanweisung, die Herstellerangaben, die Anweisungen der ausbildenden oder aufsichtführenden Person und die im Betrieb geltenden Regelungen.
Lernziele
Nach der Bearbeitung kannst Du typische Gefährdungen beim manuellen und maschinellen Schmieden systematisch erkennen, Risiken begründet einschätzen und geeignete Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip auswählen. Du kannst außerdem Arbeitsmittel vor dem Einsatz prüfen, eine sichere Arbeitsfolge beschreiben, auf Störungen angemessen reagieren und Besonderheiten des Jugend- und Ausbildungsschutzes erklären.
Fachlicher Input
Schmieden als Arbeitsverfahren

Schmieden ist ein Fertigungsverfahren der Umformtechnik. Das Werkstück wird durch Druck- oder Schlagkräfte plastisch verformt. Beim Freiformschmieden ist die endgültige Form nicht vollständig im Werkzeug enthalten; beim Gesenkschmieden wird das Werkstück in formgebenden Gesenken umgeformt. Im Metallbauerhandwerk stehen häufig das handwerkliche Freiformschmieden, das Biegen, Stauchen, Strecken, Lochen, Spalten und Verdrehen im Mittelpunkt.
Die Gefährdung hängt nicht nur vom Verfahren ab. Entscheidend sind auch Werkstückgröße, Temperatur, Werkzeugzustand, Energie des Hammers, Arbeitsumgebung, Lüftung, Dauer der Exposition, Qualifikation und Zusammenarbeit. Ein kleiner Fehler kann durch die hohe gespeicherte Energie eines Werkstücks oder einer Maschine schwere Folgen haben.
Gefährdungsbeurteilung und STOP-Prinzip
Vor Beginn einer Tätigkeit werden die Gefährdungen ermittelt, bewertet und geeignete Maßnahmen festgelegt. Danach wird geprüft, ob die Maßnahmen wirksam sind. Bei neuen Werkstücken, geänderten Verfahren, neuen Maschinen, Unfällen, Beinaheunfällen oder erkennbaren Mängeln muss die Beurteilung überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
Das STOP-Prinzip beschreibt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen:
- Substitution: Ein gefährlicher Stoff, ein Verfahren oder ein Arbeitsmittel wird durch eine weniger gefährliche Lösung ersetzt.
- Technische Maßnahmen: Gefahren werden durch sichere Konstruktion, Schutzhauben, Absaugung, Abschirmung, Verriegelungen, sichere Steuerungen oder Hebehilfen begrenzt.
- Organisatorische Maßnahmen: Arbeitsbereiche werden getrennt, Zuständigkeiten und Handzeichen festgelegt, Zugänge beschränkt, Prüfungen geplant und Arbeitszeiten begrenzt.
- Persönliche Maßnahmen: Geeignete persönliche Schutzausrüstung wird getragen und richtig verwendet.
Persönliche Schutzausrüstung ist wichtig, aber sie ist nicht die erste und einzige Maßnahme. Eine Schutzbrille kann zum Beispiel keine ungesicherte Quetschstelle an einem Schmiedehammer beseitigen.
Überblick über typische Gefährdungen
| Gefährdungsbereich | Typische Ursache | Mögliche Folgen | Beispiele für Schutzmaßnahmen |
|---|---|---|---|
| Thermische Gefährdung | Glühendes Metall, offene Flamme, heiße Zangen, Gesenke und Ablagen | Verbrennungen, Entzündung von Kleidung oder Material | Sichere Heißablage, geeignete Zangen, Abstand, trockene geeignete Schutzausrüstung |
| Mechanische Gefährdung | Hammerschläge, Quetschstellen, schadhafte Werkzeuge, wegfliegende Teile | Prellungen, Schnittverletzungen, Frakturen, schwere Handverletzungen | Sichere Werkzeuge, Schutzabstände, Schutzeinrichtungen, Hände aus dem Gefahrenbereich |
| Augengefährdung | Funken, Zunder, Schlacke, Splitter | Fremdkörper, Hornhautverletzungen, bleibende Augenschäden | Augenschutz, bei Bedarf Gesichtsschutz, Abschirmung und Abstand |
| Lärm und Vibration | Handhammer, Lufthammer, Federhammer, Gesenkschlag, Gebläse | Gehörschäden, Ermüdung, Hand-Arm-Belastung | Lärmminderung an der Quelle, Raumakustik, Expositionsbegrenzung, Gehörschutz |
| Gefahrstoffe und Rauchgase | Kohlefeuer, Verbrennungsprodukte, Stäube, Zunder, Reinigungsarbeiten | Reizung und Erkrankung der Atemwege, Vergiftungsgefahr | Wirksamer Rauchabzug, Raumlüftung, emissionsarme Brennstoffe, staubarme Reinigung |
| Brand und Explosion | Funkenflug, Brenngas, heiße Werkstücke, brennbare Stoffe | Entstehungsbrand, Verpuffung, Explosion | Brennbares entfernen, Gaswege prüfen, Feuerlöscheinrichtungen, Notfallplan |
| Elektrische Gefährdung | Beschädigte Leitungen, ungeprüfte Maschinen, feuchte Umgebung | Stromschlag, Brand | Sichtprüfung, wiederkehrende Prüfung, Mängel melden, nur befugte Instandsetzung |
| Ergonomische Belastung | Schwere Werkstücke, ungünstige Körperhaltung, häufige Schläge | Rücken-, Schulter- und Gelenkbeschwerden | Hebehilfen, passende Arbeitshöhe, Arbeitswechsel, geeignete Schlagtechnik |
| Stolpern und Stürzen | Zangen, Kabel, Schrott, Zunder oder Werkstücke im Verkehrsweg | Sturz in den Heiß- oder Maschinenbereich | Ordnung, freie Verkehrswege, rutschhemmender Boden, festgelegte Ablagen |
Schmiedeesse, Feuer und heiße Werkstücke

An der Schmiedeesse bestehen Brand-, Verbrennungs- und Atemgefahren. Rauchgase müssen an der Entstehungsstelle möglichst vollständig erfasst werden. Vor dem Anfeuern wird geprüft, ob der Rauchabzug funktioniert und die erforderliche Raumlüftung vorhanden ist. Brennbare Gegenstände dürfen nicht im Funken- und Wärmeeinwirkungsbereich liegen. Löschmittel und betriebliche Alarmwege müssen bekannt und zugänglich sein.
Frische Schmiedekohle wird kontrolliert seitlich an die Glut herangeführt, damit unnötige Rauchentwicklung vermieden wird. Beim Befüllen, Reinigen und Entleeren können Stäube entstehen. Dafür sind das betriebliche Reinigungsverfahren und die festgelegte Atemschutzmaßnahme zu beachten. Druckluft darf nicht verwendet werden, wenn dadurch Stäube unkontrolliert aufgewirbelt werden.
Ein Werkstück kann noch gefährlich heiß sein, obwohl es nicht mehr sichtbar glüht. Heiße Teile werden deshalb ausschließlich auf einer gekennzeichneten Heißablage abgelegt. Andere Personen müssen erkennen können, dass das Werkstück nicht berührt werden darf. Zangen und Werkstücke werden so abgelegt, dass sie nicht herunterfallen oder Verkehrswege blockieren.
Beobachte im Video nicht nur die Schmiedetechnik. Prüfe kritisch, welche Gefährdungen auftreten, welche Schutzmaßnahmen erkennbar sind und welche betriebliche Unterweisung zusätzlich erforderlich wäre.
Handwerkzeuge sicher benutzen
Hammer, Zange, Setzwerkzeug, Meißel und Durchschlag müssen zur Aufgabe und zur Werkstückgröße passen. Vor dem Einsatz werden sie auf sichtbare Schäden geprüft. Lose Hammerköpfe, gerissene Stiele, aufgepilzte Schlagköpfe, scharfe Grate, verformte Zangen oder beschädigte Hilfswerkzeuge werden nicht weiterverwendet. Reparaturen erfolgen nur fachgerecht.
Beim Schmieden mit Zuschlägerin oder Zuschläger müssen Rollen, Schlagfolge, Handzeichen und Abbruchsignal vor Beginn eindeutig vereinbart sein. Die führende Person positioniert das Werkstück und gibt die Signale. Niemand steht in der möglichen Flugrichtung von Zunder, Splittern oder Werkzeugteilen. Der Schlagraum wird freigehalten.
Das Bild eignet sich für eine Gefährdungsanalyse: Achte auf Standposition, Kommunikationsbedarf, Schlagraum, Gehörschutz, Augenschutz, Kleidung und mögliche Zuschauerbereiche. Eine historische oder dokumentarische Darstellung ist nicht automatisch ein Vorbild für heutige Arbeitsschutzmaßnahmen.
Kraftbetriebene Schmiedehämmer und Pressen
An Feder-, Luft- und anderen kraftbetriebenen Schmiedehämmern bestehen besonders schwere Quetsch- und Einzugsgefahren. Schutzeinrichtungen, überdeckte Fußschalter, Not-Halt-Einrichtungen, Hauptschalter, Werkzeugbefestigungen und elektrische Ausrüstung müssen vorhanden, funktionsfähig und entsprechend der Gefährdungsbeurteilung geprüft sein. Schutzeinrichtungen dürfen nicht umgangen, manipuliert oder unwirksam gemacht werden.
Beim Rüsten, Gesenkwechsel, Lösen festsitzender Werkstücke, Beheben von Störungen und bei Instandhaltungsarbeiten wird die Maschine stillgesetzt und gegen unerwartetes Anlaufen gesichert. Vorhandene mechanische Hochhalteeinrichtungen oder Hammerbärsicherungen werden benutzt. Ein bloßes Betätigen des Not-Halt-Tasters ersetzt keine sichere Energietrennung.
Beim Arbeiten gelten insbesondere diese Grundsätze:
- Werkstücke werden mit geeigneten Schmiedezangen oder vorgesehenen Hilfswerkzeugen gehalten.
- Hände und Körperteile bleiben außerhalb des Werkzeug- und Quetschbereichs.
- Unbeabsichtigtes Betätigen des Fußschalters wird durch sichere Fußstellung verhindert.
- Beschädigte Gesenke, lockere Befestigungen, ungewöhnliche Geräusche oder Fehlfunktionen werden sofort gemeldet.
- Gleichzeitiges Arbeiten mehrerer Personen an einer Maschine ist nur zulässig, wenn das Schutz- und Bedienkonzept dies ausdrücklich vorsieht; bei üblichen Schmiedehämmern mit nur einem Bedienelement arbeitet eine Person.
- Zuschauer und unbeteiligte Personen bleiben außerhalb des festgelegten Sicherheitsbereichs.
Lärm und Hand-Arm-Vibrationen
Schmiedeschläge erzeugen impulsartigen Lärm. Dieser kann das Gehör dauerhaft schädigen und zusätzlich Kommunikation, Konzentration und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Lärm wird zuerst technisch gemindert, zum Beispiel durch lärmarme Verfahren, schwingungsentkoppelte Aufstellung, Instandhaltung, Kapselung oder raumakustische Maßnahmen. Danach folgen organisatorische Maßnahmen wie räumliche Trennung und Begrenzung der Expositionszeit. Wo erforderlich, wird geeigneter Gehörschutz bereitgestellt und getragen.
Vibrationen können über Hammer, Zange oder Werkstück auf Hände und Arme übertragen werden. Geeignete Zangen, ein sicherer Griff, instand gehaltene Arbeitsmittel, eine passende Arbeitstechnik und ein sinnvoller Tätigkeitswechsel verringern die Belastung. Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen oder auffällige Durchblutungsstörungen werden frühzeitig gemeldet.

Rauchgase, Kohlenmonoxid, Stäube und Lüftung
Bei unvollständiger Verbrennung kann unter anderem Kohlenmonoxid entstehen. Dieses Gas ist nicht zuverlässig mit den menschlichen Sinnen wahrnehmbar. Eine wirksame Erfassung der Rauchgase und ausreichende Lüftung sind deshalb unverzichtbar. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Benommenheit oder ungewöhnliche Müdigkeit in der Werkstatt sind Warnzeichen: Arbeit sofort einstellen, gefährdeten Bereich verlassen, andere warnen und betriebliche Notfallmaßnahmen auslösen.
Staub entsteht beispielsweise beim Umgang mit Kohle, Asche, Schlacke und bei Reinigungsarbeiten. Staubarme Verfahren, Absaugung und geeignete Reinigungsmethoden haben Vorrang. Atemschutz wird nur passend zur Gefährdungsbeurteilung verwendet; Auswahl, Dichtsitz, Tragezeit und Unterweisung müssen stimmen.
Gasschmiedeöfen und Flüssiggas
Gasschmiedeöfen dürfen nur entsprechend Herstellerangaben, Betriebsanweisung und Unterweisung betrieben werden. Vor dem Zünden werden Gasversorgung, Schläuche, Armaturen, Absperreinrichtungen, Brenner und Ofenzustand kontrolliert. Undichte Stellen dürfen niemals mit offener Flamme gesucht werden. Bei Gasgeruch oder Verdacht auf Leckage wird die Gaszufuhr – nur wenn dies gefahrlos möglich ist – geschlossen, Zündquellen werden vermieden, Personen werden gewarnt und der Bereich wird nach betrieblichem Verfahren gesichert und gelüftet.
Gasflaschen werden gegen Umfallen gesichert, vor unzulässiger Erwärmung geschützt und nur mit geeigneten Einrichtungen transportiert. Lagerung, Anschluss und Flaschenwechsel erfolgen durch unterwiesene Personen. Die Ofenauskleidung kann je nach Bauart gesundheitsgefährdende Faserstäube freisetzen; beschädigte Auskleidungen werden nicht eigenmächtig bearbeitet, sondern nach Herstellerangaben und Betriebsanweisung behandelt.
Persönliche Schutzausrüstung
-
Augenschutz benutzen
-
Gehörschutz benutzen
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Fußschutz benutzen
-
Handschutz benutzen
Die Auswahl der persönlichen Schutzausrüstung folgt der Gefährdungsbeurteilung. Typisch sind geeigneter Augen- oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, eine Schmiedeschürze und körperbedeckende Arbeitskleidung, die nicht leicht schmilzt oder sich entzündet. Kleidung liegt eng genug an, damit sie nicht hängen bleibt; lange Haare werden gesichert und Schmuck wird abgelegt.
Trockene, geeignete Lederhandschuhe können an der Esse gegen heiße Gegenstände und Funken schützen. Sie sind jedoch nicht automatisch bei jeder Metallarbeit zulässig. An rotierenden Maschinen oder anderen Einzugsstellen können Handschuhe die Einzugsgefahr erhöhen. Du hältst Dich deshalb immer an die tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung.
Augenschutz muss auch seitlich wirksam sein, wenn Zunder oder Splitter seitlich eintreten können. Ein Gesichtsschutz ergänzt bei erhöhter Gefahr den Augenschutz; die erforderliche Kombination ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Gehörschutz muss zur Lärmsituation passen und korrekt sitzen. Sicherheitsschuhe müssen für die auftretenden mechanischen und thermischen Gefährdungen geeignet sein.
Ordnung, Ergonomie und Materialtransport
Ein sicherer Schmiedeplatz besitzt klar getrennte Bereiche für kaltes Material, heiße Werkstücke, Werkzeuge, Ausschuss und Verkehrswege. Kabel und Schläuche werden so geführt, dass niemand darüber stolpert und sie nicht durch Hitze, scharfe Kanten oder Fahrzeuge beschädigt werden. Zunder und Metallreste werden regelmäßig mit einem geeigneten Verfahren entfernt.
Schwere oder lange Werkstücke werden mit Hebehilfen, geeigneten Greifmitteln oder im abgestimmten Team bewegt. Vor dem gemeinsamen Heben oder Drehen werden Richtung, Kommandos und Ablageort festgelegt. Eine ergonomische Arbeitshöhe, ein stabiler Stand, körpernahe Lastführung und Tätigkeitswechsel helfen, Überlastungen zu vermeiden.
Sicherer Arbeitsablauf
| Vor der Arbeit | Während der Arbeit | Nach der Arbeit |
|---|---|---|
| Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Arbeitsauftrag kennen | Arbeitsbereich beobachten und Sicherheitsabstände einhalten | Feuer oder Ofen nach Betriebsanweisung außer Betrieb nehmen |
| Esse, Rauchabzug, Maschine und Notfalleinrichtungen prüfen | Heiße Werkstücke nur mit geeigneten Werkzeugen bewegen | Gas- und Energiezufuhr sicher schließen beziehungsweise trennen |
| Hammer, Zangen, Gesenke und Hilfswerkzeuge sichtprüfen | Mängel, Störungen und ungewöhnliche Geräusche sofort melden | Heiße Teile auf der Heißablage belassen und kennzeichnen |
| Brennbare Stoffe entfernen und Ablagen vorbereiten | Schutzvorrichtungen nicht umgehen und Hände aus Gefahrstellen halten | Arbeitsplatz reinigen, Werkzeuge prüfen und sicher ablegen |
| Passende persönliche Schutzausrüstung anlegen | Nur vereinbarte Signale und Arbeitsfolgen verwenden | Schäden, Beinaheunfälle und Verbrauch von Löschmitteln dokumentieren |
Verhalten bei Störung, Brand oder Unfall
Bei einer Störung gilt: Nicht improvisieren. Bewegung stoppen, Energiezufuhr nach dem festgelegten Verfahren sichern, Gefahrenbereich absperren und die zuständige Person informieren. Festsitzende Werkstücke werden nur nach Betriebsanweisung und mit vorgesehenen Hilfsmitteln gelöst.
Bei einem Brand werden Personen gewarnt und der betriebliche Alarm ausgelöst. Ein Löschversuch erfolgt nur, wenn er ohne Eigengefährdung möglich ist und ein geeigneter Feuerlöscher vorhanden ist. Flucht- und Rettungswege bleiben frei. Bei Gasgeruch werden Zündquellen vermieden und keine elektrischen Schalter betätigt, wenn dadurch ein Funke entstehen könnte.
Bei Verletzungen wird die Arbeit sofort beendet, die Maschine gesichert und Erste Hilfe veranlasst. Heiße, anhaftende Kleidung wird nicht gewaltsam entfernt. Schwere oder großflächige Verbrennungen, Augenverletzungen, Quetschungen, Bewusstseinsstörungen oder Verdacht auf Rauchgasvergiftung erfordern unverzüglich professionelle medizinische Hilfe über den betrieblichen Notruf beziehungsweise den Notruf 112. Unfälle und Beinaheunfälle werden ausgewertet, damit Ursachen beseitigt und Schutzmaßnahmen verbessert werden.
Besonderheiten für Auszubildende und Jugendliche
Auszubildende dürfen nur Tätigkeiten ausführen, für die sie unterwiesen sind und die dem Ausbildungszweck dienen. Bei gefährlichen Arbeiten ist eine geeignete Aufsicht besonders wichtig. Jugendliche dürfen mit gefährlichen Arbeiten grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Ausnahmen sind nur unter den gesetzlichen Voraussetzungen möglich, insbesondere wenn die Tätigkeit zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist und der Schutz durch fachkundige Aufsicht gewährleistet wird.
Für Schmiedepressen und Schmiedehämmer gelten besonders strenge Beschäftigungsbeschränkungen. Nach den branchenspezifischen DGUV-Hinweisen sollen Jugendliche dort grundsätzlich nicht eingesetzt werden; eine Ausnahme kommt nur für Jugendliche über 16 Jahre in Betracht, wenn dies für das Ausbildungsziel erforderlich und eine aufsichtführende Person vorhanden ist. Bedienung, Wartung und Einrichten solcher Maschinen sind grundsätzlich Aufgaben volljähriger, ausreichend unterwiesener, zuverlässiger und entsprechend beauftragter Personen.
Praxisfall: Gefährdungen erkennen
Ein Auszubildender soll einen Vierkantstab in der Kohleesse erwärmen und anschließend am Lufthammer strecken. Neben der Esse steht ein Karton mit Putzlappen. Der Rauchabzug läuft hörbar, aber Rauch zieht in den Raum. Die Schmiedezange ist an der Maulöffnung verformt. Auf dem Boden liegen Zunder und ein Verlängerungskabel. Am Lufthammer fehlt die Kennzeichnung des Heißablagebereichs. Eine zweite Person möchte gleichzeitig das Werkstück drehen.
Eine fachgerechte Beurteilung erkennt mehrere voneinander unabhängige Gefährdungen: Brandlast am Feuer, unzureichende Erfassung der Rauchgase, mangelhaftes Haltewerkzeug, Stolpergefahr, fehlende Organisation heißer Werkstücke und unklare Mehrpersonenbedienung. Die Arbeit darf erst beginnen, wenn die Mängel beseitigt, die Zuständigkeiten geklärt und die Schutzmaßnahmen wirksam sind. Das Beispiel zeigt: Viele Unfälle entstehen nicht durch eine einzige Ursache, sondern durch das Zusammentreffen mehrerer Abweichungen.
Fachliche Grundlagen und weiterführende Informationen
- DGUV: Themenfeld Manuelles Schmieden
- BGHM Arbeitsschutz Kompakt 118: Schmiedeessen
- BGHM Arbeitsschutz Kompakt 129: Schmiedehammer
- DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-089: Schmiedepressen und Schmiedehämmer
- DGUV FBHM-106: Sicherer Betrieb von Gasschmiedeöfen
- DGUV Regel 109-607: Branche Metallbau
- Arbeitsschutzgesetz
- Betriebssicherheitsverordnung
- Jugendarbeitsschutzgesetz
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Maßnahme steht am Anfang einer sicheren Arbeitsplanung? (Die Gefährdungen systematisch ermitteln und beurteilen) (!Nur die persönliche Schutzausrüstung auswählen) (!Zuerst das Werkstück erwärmen) (!Die Maschine probeweise ohne Prüfung starten)
Wovor schützt geeigneter Augenschutz beim Schmieden besonders? (Vor Zunder, Funken und Splittern) (!Vor Kohlenmonoxid) (!Vor Hand-Arm-Vibrationen) (!Vor schwerem Heben)
Welche Aufgabe hat ein wirksamer Rauchabzug an der Schmiedeesse? (Rauchgase möglichst an der Entstehungsstelle erfassen) (!Das Werkstück automatisch abkühlen) (!Den Schmiedehammer leiser machen) (!Die Zange gegen Herunterfallen sichern)
Wie gehst Du mit einer verformten oder gerissenen Schmiedezange um? (Du nimmst sie aus dem Gebrauch und meldest den Mangel) (!Du benutzt sie nur für kleine Werkstücke) (!Du kühlst sie ab und arbeitest weiter) (!Du hältst sie mit beiden Händen fester)
Welche Regel gilt am kraftbetriebenen Schmiedehammer? (Hände und Körperteile bleiben außerhalb des Werkzeugbereichs) (!Der Fußschalter wird dauerhaft gedrückt gehalten) (!Schutzeinrichtungen dürfen bei Einzelstücken entfernt werden) (!Zwei Personen bedienen gleichzeitig denselben Fußschalter)
Was bedeutet die Reihenfolge des STOP-Prinzips? (Substitution und technische Maßnahmen haben Vorrang vor persönlichem Schutz) (!Persönliche Schutzausrüstung ersetzt jede technische Maßnahme) (!Organisatorische Maßnahmen sind immer unnötig) (!Unterweisung darf erst nach einem Unfall stattfinden)
Wo wird ein nicht mehr sichtbar glühendes, aber noch heißes Werkstück abgelegt? (Auf der festgelegten und gekennzeichneten Heißablage) (!Im normalen Materiallager) (!Auf dem nächsten freien Verkehrsweg) (!Unter dem Amboss)
Was ist bei Gasgeruch richtig? (Arbeit stoppen, Zündquellen vermeiden und den betrieblichen Notfallweg auslösen) (!Die Leckstelle mit einer Flamme suchen) (!Den Ofen erneut zünden) (!Den Geruch durch Druckluft verteilen)
Wann kann eine gefährliche Schmiedetätigkeit für Jugendliche ausnahmsweise zulässig sein? (Wenn sie für das Ausbildungsziel erforderlich ist und fachkundige Aufsicht den Schutz gewährleistet) (!Wenn der Jugendliche freiwillig länger arbeitet) (!Wenn keine persönliche Schutzausrüstung vorhanden ist) (!Wenn die Maschine besonders alt ist)
Was ist bei einer Maschinenstörung die richtige Grundregel? (Nicht improvisieren, sondern stillsetzen, sichern und die zuständige Person informieren) (!Die Schutzeinrichtung überbrücken) (!Das festsitzende Werkstück mit der Hand lösen) (!Die Maschine mit höherer Leistung weiterbetreiben)
Memory
| Zunder | Oxidschicht, die sich beim Schmieden lösen und wegfliegen kann |
| Schmiedezange | Werkzeug zum sicheren Halten heißer Werkstücke |
| Rauchabzug | Einrichtung zur Erfassung von Rauchgasen an der Esse |
| Hammerbär | Bewegter Teil eines Schmiedehammers, der Schlagenergie überträgt |
| Heißablage | Gekennzeichneter Platz für heiße Werkstücke |
| Gehörschutz | Persönliche Schutzausrüstung gegen schädliche Lärmeinwirkung |
| Betriebsanweisung | Verständliche betriebliche Vorgabe für sicheres Arbeiten |
| Gefährdungsbeurteilung | Systematisches Ermitteln und Bewerten von Gefährdungen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Rauchabzug | Rauchgase an der Schmiedeesse |
| Heißablage | Noch heiße Werkstücke ohne sichtbares Glühen |
| Schmiedezange | Sicheres Halten des erwärmten Werkstücks |
| Gehörschutz | Verbleibende Lärmeinwirkung nach technischen Maßnahmen |
| Hammerbärsicherung | Schutz bei Rüst- und Instandhaltungsarbeiten am Schmiedehammer |
Ordne anschließend jeder Maßnahme die Stufe technisch, organisatorisch oder persönlich zu.
Kreuzworträtsel
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht, die beim Schmieden vom Werkstück abplatzen kann? |
| Amboss | Auf welchem Grundwerkzeug wird beim Freiformschmieden häufig gearbeitet? |
| Schmiedezange | Welches Werkzeug hält ein heißes Werkstück auf Abstand zu den Händen? |
| Rauchabzug | Welche Einrichtung erfasst Verbrennungsprodukte über der Esse? |
| Gehörschutz | Welche Schutzausrüstung schützt vor verbleibender Lärmeinwirkung? |
| Heißablage | Wie heißt der gekennzeichnete Platz für noch heiße Werkstücke? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Gefährdungsfoto: Suche in einem freigegebenen Werkstattfoto mindestens acht mögliche Gefährdungen und markiere sie mit kurzen Begründungen.
- Schutzausrüstung: Erstelle vier Lernkarten zu Augen-, Gehör-, Hand- und Fußschutz und notiere jeweils Schutzwirkung und Einsatzgrenzen.
- Sicherer Schmiedeplatz: Zeichne einen Grundriss mit Esse, Amboss, Heißablage, Werkzeugablage, Verkehrsweg, Feuerlöscher und Rauchabzug.
- Fachwortliste Schmieden: Erstelle ein bebildertes Glossar mit zwölf Fachbegriffen aus diesem Lernkurs.
Standard
- Werkzeugprüfung: Entwickle eine Checkliste zur Sichtprüfung von Hammer, Zangen, Setzwerkzeugen und Meißeln und erprobe sie unter Aufsicht.
- Unterweisungsvideo: Produziere ein zweiminütiges Video zur sicheren Ablage heißer Werkstücke, ohne reale Gefahrensituationen nachzustellen.
- Beinaheunfallanalyse: Beschreibe einen erfundenen Beinaheunfall mit wegfliegendem Zunder und leite technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen ab.
- Lärmminderungsplan: Untersuche einen Schmiedearbeitsplatz und entwickle Vorschläge, die zuerst an der Lärmquelle ansetzen.
Schwer
- Gefährdungsbeurteilung Schmieden: Erstelle für das Erwärmen und Strecken eines Vierkantstabs eine vollständige Gefährdungsbeurteilung mit Wirksamkeitskontrolle.
- Sicherheitskonzept Gasschmiedeofen: Entwirf ein Konzept für Aufstellung, Betrieb, Flaschenwechsel, Störung und Außerbetriebnahme eines Gasschmiedeofens.
- Maschinensicherheit Schmiedehammer: Analysiere einen bereitgestellten Maschinenplan und begründe die erforderlichen Schutzeinrichtungen für Betrieb, Rüsten und Störungsbeseitigung.
- Ausbildungsunterweisung: Plane eine 15-minütige Unterweisung für neue Auszubildende mit Lernziel, Demonstration, Verständnisprüfung und Dokumentation.


Lernkontrolle
- Transferfall Rauch in der Werkstatt: Während des Schmiedens zieht Rauch trotz laufendem Gebläse in den Raum. Analysiere mögliche Ursachen, ordne die Maßnahmen nach dem STOP-Prinzip und begründe, wann die Arbeit wieder aufgenommen werden darf.
- Transferfall Schmiedehammer: Ein Werkstück sitzt im Gesenk fest. Entwickle eine sichere Handlungsfolge vom ersten Erkennen der Störung bis zur Freigabe der Maschine.
- Schutzmaßnahmen vergleichen: Vergleiche Gehörschutz mit einer lärmmindernden Einhausung. Erkläre Wirkung, Grenzen und Rangfolge beider Maßnahmen.
- Jugendlicher Auszubildender: Beurteile, unter welchen Bedingungen ein 17-jähriger Auszubildender an einem kraftbetriebenen Schmiedehammer lernen darf und welche Aufsicht erforderlich ist.
- Mehrfachgefährdung: Ein langes, heißes Werkstück wird von zwei Personen bewegt. Entwickle Regeln für Kommunikation, Körperhaltung, Haltewerkzeuge, Ablage und Abbruchsignal.
- Wirksamkeitskontrolle: Nach einer neuen Absauganlage klagen Beschäftigte weiterhin über Rauch. Plane, wie die Wirksamkeit geprüft und die Gefährdungsbeurteilung angepasst wird.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du Gefährdungen nicht nur aufzählen, sondern in einem Arbeitsablauf erkennen, bewerten und mit wirksamen Maßnahmen verknüpfen kannst. Geeignet ist ein Portfolio aus einer selbst erstellten Gefährdungsbeurteilung, einer kurzen Betriebsanweisung, einer dokumentierten Werkzeugprüfung und einer Reflexion zu einem Praxisfall. In einer praktischen Demonstration unter sicheren Ausbildungsbedingungen kannst Du zusätzlich zeigen, wie Du den Arbeitsplatz vorbereitest, ein heißes Werkstück kennzeichnest, Arbeitsmittel prüfst, Signale vereinbarst und auf eine simulierte Störung reagierst.
Bewertet werden die korrekte Fachsprache, die Beachtung der Maßnahmenhierarchie, die Nachvollziehbarkeit der Risikoeinschätzung, die Umsetzbarkeit der Maßnahmen und die Fähigkeit, Restrisiken zu benennen.
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