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Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied

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Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied




Gefährdungen im Metallbauerhandwerk erkennen - Schmied

Das Schmieden ist ein Fertigungsverfahren der Umformtechnik, bei dem Metalle durch Druckkräfte geformt werden. Im heutigen Handwerk begegnet Dir das Schmieden besonders in der Ausbildung zum Metallbauer beziehungsweise zur Metallbauerin der Fachrichtung Metallgestaltung. Dabei arbeitest Du unter anderem mit Schmiedeesse, Amboss, Schmiedehammer, Schmiedezange, Schleifmaschinen und Schweißgeräten.

Die Arbeit verbindet hohe Temperaturen, große Kräfte, Funkenflug, Lärm und körperliche Belastungen. Sicherheit entsteht deshalb nicht allein durch das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung. Entscheidend ist, dass Du Gefährdungen systematisch erkennst, Risiken beurteilst, Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip auswählst und die Wirksamkeit dieser Maßnahmen kontrollierst.

Dieser Lernkurs richtet sich an Auszubildende im Metallbauerhandwerk. Er unterstützt Dich dabei, typische Gefährdungen im Schmiedebereich fachlich richtig zu benennen und sicheres Verhalten aus betrieblichen Unterweisungen, Betriebsanweisungen und Gefährdungsbeurteilungen abzuleiten. Praktische Arbeiten dürfen nur nach Unterweisung, betrieblicher Freigabe und entsprechend Deinem Ausbildungsstand durchgeführt werden.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Gefährdung: typische Gefährdungsfaktoren beim Schmieden, Schleifen und Schweißen erkennen und fachsprachlich beschreiben.
  2. Risiko: die mögliche Schadensschwere und die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Gefährdung einschätzen.
  3. STOP-Prinzip: Schutzmaßnahmen in der richtigen Rangfolge auswählen.
  4. Arbeitsmittel: Schmiedeesse, Amboss, Schmiedehammer, Handwerkzeuge und Maschinen vor der Benutzung kontrollieren.
  5. Persönliche Schutzausrüstung: geeignete PSA tätigkeitsbezogen auswählen und ihre Grenzen erklären.
  6. Notfallmanagement: bei Brand, Verbrennung, Augenverletzung, Quetschung oder Rauchgasexposition angemessen reagieren.


Gefährdungen fachlich beurteilen


Gefahr, Gefährdung und Risiko

Die Begriffe werden im Arbeitsschutz voneinander unterschieden. Eine Gefahr beschreibt eine mögliche schädigende Wirkung, beispielsweise die Hitze eines glühenden Werkstücks. Eine Gefährdung liegt vor, wenn eine Person mit dieser Gefahr in Kontakt kommen kann. Das Risiko ergibt sich aus dem Zusammenwirken von möglicher Schadensschwere und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Ein Beispiel: Ein glühender Vierkantstahl besitzt eine hohe thermische Energie. Liegt er unmarkiert auf einem Arbeitstisch, können andere Personen ihn für kalt halten. Dadurch entsteht eine konkrete Verbrennungsgefährdung. Das Risiko wird durch sichere Ablageplätze, Kennzeichnung, abgesperrte Arbeitsbereiche, geeignete Werkzeuge und tätigkeitsbezogene PSA vermindert.


Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Instrument des betrieblichen Arbeitsschutzes. Der Betrieb ermittelt dabei die Gefährdungen einer Tätigkeit, beurteilt die Risiken, legt Schutzmaßnahmen fest, dokumentiert die Ergebnisse und kontrolliert die Wirksamkeit. Auszubildende wirken mit, indem sie Beobachtungen melden, Betriebsanweisungen beachten und unsichere Zustände sofort ansprechen.

Ein sinnvoller Ablauf besteht aus folgenden Schritten:

  1. Arbeitsbereich: Tätigkeit, Arbeitsmittel, Werkstoffe und beteiligte Personen festlegen.
  2. Gefährdungsermittlung: mechanische, thermische, elektrische, chemische, physikalische und ergonomische Gefährdungen erfassen.
  3. Risikobeurteilung: mögliche Folgen und Eintrittswahrscheinlichkeit bewerten.
  4. Schutzmaßnahmen: Maßnahmen nach dem STOP-Prinzip auswählen.
  5. Umsetzung: Verantwortlichkeiten, Termine und notwendige Unterweisungen festlegen.
  6. Wirksamkeitskontrolle: prüfen, ob die Gefährdung tatsächlich ausreichend vermindert wurde.
  7. Fortschreibung: die Beurteilung nach Änderungen, Unfällen, Beinaheunfällen oder neuen Erkenntnissen aktualisieren.


Das STOP-Prinzip

Das STOP-Prinzip legt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen fest. Persönliche Schutzausrüstung steht dabei erst an letzter Stelle.

Rang Maßnahmenart Beispiel aus der Schmiede
S Substitution Ein emissionsärmeres Verfahren, einen geeigneteren Brennstoff oder ein weniger gefährliches Arbeitsmittel auswählen.
T Technische Maßnahme Rauchgasabsaugung, Schutzeinrichtung, Einhausung, sichere Werkzeugaufnahme oder lärmmindernde Technik einsetzen.
O Organisatorische Maßnahme Arbeitsbereich sperren, Arbeitsabläufe abstimmen, Wartung planen, Unterweisungen durchführen und heiße Teile eindeutig ablegen.
P Persönliche Maßnahme Schutzbrille, Gesichtsschutz, Gehörschutz, Schmiedeschürze, Sicherheitsschuhe oder geeignete Schutzhandschuhe verwenden.


Typische Gefährdungen im Schmiedebereich


Thermische Gefährdungen und Brandgefahr

Glühende Werkstücke, heiße Werkzeuge, Funken, Schlacke und Zunder können schwere Verbrennungen verursachen. Auch ein bereits dunkel erscheinendes Werkstück kann noch gefährlich heiß sein. Heiße Teile werden deshalb nur mit geeigneten Schmiedezangen oder vorgesehenen Hilfsmitteln bewegt und ausschließlich an festgelegten Stellen abgelegt.

An der Schmiedeesse besteht zusätzlich Brandgefahr. Brennbare Stoffe, ölgetränkte Lappen, Verpackungen, Holzreste und ungeschützte Leitungen gehören nicht in den Funkenflugbereich. Rauchabzug, Feuerlöscheinrichtungen, Löschtrog und Fluchtwege müssen vor Arbeitsbeginn kontrolliert werden. Nach Arbeitsende ist sicherzustellen, dass das Schmiedefeuer ordnungsgemäß gelöscht beziehungsweise die Feuerstelle nach Betriebsanweisung gesichert wurde.


Rauchgase, Stäube und Schweißrauche

Beim Betrieb einer kohle- oder gasbeheizten Schmiedeesse entstehen Verbrennungsprodukte. Eine wirksame Erfassung und Ableitung der Rauchgase ist deshalb unverzichtbar. Vor dem Anheizen werden Ventilation, Rauchabzug und gegebenenfalls die Stellung der Kaminklappe geprüft. Starke Rauchentwicklung kann auf eine unzureichende Verbrennung, eine ungeeignete Brennstoffzufuhr oder eine mangelhafte Absaugung hinweisen.

Beim Befüllen, Entaschen und Reinigen können Stäube freigesetzt werden. Staubende Arbeiten sind möglichst zu vermeiden oder technisch zu erfassen. Erforderlicher Atemschutz wird anhand der Gefährdungsbeurteilung festgelegt. Beim Schweißen entstehen Schweißrauche, die möglichst direkt an der Entstehungsstelle abgesaugt werden müssen. Allgemeine Hallenlüftung ersetzt eine notwendige Punktabsaugung nicht.


Funken, Zunder und wegfliegende Teile

Beim Schmieden löst sich Zunder von der Werkstückoberfläche. Hammerschläge können Zunder, Schlacke, Metallspäne oder beschädigte Werkzeugteile beschleunigen. Dadurch sind besonders Augen und Gesicht gefährdet. Eine geeignete Schutzbrille ist grundlegender Schutz; bei erhöhtem Splitter- oder Funkenflug kann zusätzlich ein Gesichtsschutz erforderlich sein.

Hammerbahnen, Finnen, Meißel, Setzhämmer, Durchschläge und Zangen werden vor der Benutzung auf Risse, Ausbrüche, scharfe Grate und festen Sitz geprüft. Aufgestauchte Schlagköpfe dürfen nicht weiterverwendet werden, weil sich Teile ablösen können.


Quetsch-, Schlag- und Einzugsgefährdungen

Beim kraftbetriebenen Schmiedehammer entstehen hohe Kräfte. Hände und Finger dürfen sich niemals im Wirkbereich des Obergesenks befinden. Werkstücke werden mit einer geeigneten Schmiedezange gehalten. Fußhebel, Not-Halt-Einrichtung, Hauptschalter und Gesenke müssen funktionsfähig sein. Gesenkwechsel, Störungsbeseitigung und Reinigungsarbeiten erfolgen nur bei sicher stillgesetzter und gegen Wiedereinschalten gesicherter Maschine.

Das gleichzeitige Arbeiten mehrerer Personen an einem kraftbetriebenen Schmiedehammer ist besonders kritisch. Die Bedienverantwortung muss eindeutig geregelt sein. Bei einem Bedienelement darf nur die dafür bestimmte Person den Hammer auslösen.


Gefährdungen beim Arbeiten am Amboss

Der Amboss muss standsicher befestigt sein. Ein kippender oder wandernder Amboss gefährdet die arbeitende Person und alle Personen in der Umgebung. Die Arbeitshöhe wird an Tätigkeit, Werkzeug und Körpergröße angepasst. Eine ungeeignete Höhe führt zu Fehlhaltungen, unkontrollierten Hammerschlägen und Belastungen von Rücken, Schulter, Ellenbogen und Handgelenk.

Bei gemeinsamer Arbeit von Schmied und Zuschläger werden Kommandos, Blickkontakt und Arbeitsrhythmus vor Beginn abgesprochen. Ein Schlag erfolgt nur, wenn Werkstück und Hilfswerkzeug sicher geführt werden. Unbeteiligte Personen halten einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein.


Lärm und Vibrationen

Hammerschläge auf Amboss und Werkstück erzeugen hohe Schallpegel. Hinzu kommen Schmiedehämmer, Gebläse, Absaugungen, Schleifmaschinen und andere Arbeitsmittel. Lärm kann das Gehör dauerhaft schädigen und erschwert die Verständigung. Technische Lärmminderung, räumliche Trennung, lärmarme Arbeitsmittel und organisatorische Maßnahmen haben Vorrang vor dem Gehörschutz.

Hand-Arm-Vibrationen können beim Halten von Werkstücken und Werkzeugen auftreten. Eine passende Schmiedezange, intakte Werkzeuge, begrenzte Expositionszeiten und gut organisierte Arbeitsabläufe vermindern die Belastung. Beschwerden wie Taubheitsgefühl, Kribbeln oder anhaltende Schmerzen werden frühzeitig gemeldet.


Gefährdungen beim Schleifen und Trennen

Beim Arbeiten mit Winkelschleifer, Schleifbock oder Bandschleifmaschine entstehen Funken, Schleifstaub, Lärm und hohe Umfangsgeschwindigkeiten. Eine beschädigte oder ungeeignete Schleifscheibe kann bersten. Vor der Benutzung werden Scheibe, zulässige Drehzahl, Schutzhaube, Spannvorrichtung, Anschlussleitung und Schalter kontrolliert. Das Werkstück muss sicher gespannt oder zuverlässig geführt werden.

Die Schutzhaube darf nicht entfernt oder unzulässig verstellt werden. Der Funkenflug wird von brennbaren Stoffen und anderen Personen weggerichtet. Das Gerät wird sicher mit beiden Händen geführt, sofern Bauart und Betriebsanweisung dies vorsehen. Erst nach vollständigem Stillstand wird es abgelegt.


Gefährdungen beim Schweißen und Brennschneiden

Beim Lichtbogenschweißen treten Schweißrauche, Funken, heiße Metallpartikel, elektrische Gefährdungen und intensive optische Strahlung auf. Ultraviolette Strahlung kann Augen und ungeschützte Haut schädigen. Schweißerschutzschild oder Schweißhelm müssen eine geeignete Schutzstufe besitzen. Benachbarte Arbeitsplätze und Verkehrswege werden durch geeignete Schweißschutzwände abgeschirmt.

Vor Heißarbeiten wird der Bereich auf Brandlasten, verdeckte Hohlräume, Behälter, Beschichtungen und andere besondere Gefährdungen geprüft. Die Absaugung wird an der Entstehungsstelle positioniert. Schläuche, Leitungen, Masseanschluss, Elektrodenhalter und Brenner werden kontrolliert. Schweißarbeiten dürfen nur von unterwiesenen und dafür beauftragten Personen durchgeführt werden.


Elektrische Gefährdungen und Gasversorgung

Beschädigte Anschlussleitungen, ungeeignete Verlängerungen, feuchte Arbeitsbereiche oder unsachgemäße Reparaturen können zu elektrischem Schlag und Brand führen. Elektrische Betriebsmittel werden vor der Benutzung sichtgeprüft. Defekte Geräte werden außer Betrieb genommen, gekennzeichnet und einer befähigten Person gemeldet. Eigenmächtige Reparaturen sind unzulässig.

Bei gasbeheizten Schmiedeöfen und beim Brennschneiden müssen Brenner, Schläuche, Druckminderer, Anschlüsse und Absperreinrichtungen zum verwendeten Gas passen und dicht sein. Gasflaschen werden gegen Umfallen gesichert und vor schädlicher Erwärmung geschützt. Bei Gasgeruch wird die Anlage nicht gezündet; die Gaszufuhr wird nach Betriebsanweisung gesperrt und der Bereich gesichert.


Ergonomische und organisatorische Belastungen

Schwere Werkstücke, ungünstige Greifhöhen, wiederholte Hammerschläge und langes Arbeiten in gebeugter Haltung belasten den Bewegungsapparat. Hebezeuge, Transporthilfen, geeignete Zangen, angepasste Arbeitshöhen und sinnvoll geplante Arbeitsfolgen reduzieren diese Belastungen.

Zeitdruck, unklare Kommandos, mangelnde Erfahrung und Ablenkung erhöhen das Unfallrisiko. Auszubildende dürfen Unsicherheiten ansprechen und Arbeit unterbrechen, wenn eine unmittelbar gefährliche Situation besteht. Eine gute Sicherheitskultur erkennt Beinaheunfälle als Lernchance und nicht als Anlass, Gefahren zu verschweigen.


Sicherer Arbeitsablauf


Vor Arbeitsbeginn

Vor Arbeitsbeginn führst Du einen kurzen Sicherheitscheck durch. Du prüfst, ob Du unterwiesen bist, die Betriebsanweisung kennst und die vorgesehene PSA vollständig und funktionsfähig ist. Danach kontrollierst Du Arbeitsbereich, Beleuchtung, Verkehrswege, Brandschutz, Absaugung, Werkzeuge und Maschinen.

Prüffrage Sicheres Kriterium
Ist der Arbeitsplatz aufgeräumt? Wege, Fluchtwege und Bewegungsflächen sind frei; Stolperstellen und Brandlasten sind beseitigt.
Ist die Schmiedeesse betriebsbereit? Rauchabzug, Luftzufuhr, Feuerstelle und Löscheinrichtungen sind kontrolliert.
Ist der Amboss sicher? Er steht fest, ist unbeschädigt und besitzt eine geeignete Arbeitshöhe.
Sind Hammer und Zange geeignet? Griffe sitzen fest; Werkzeugköpfe, Bahnen und Zangen weisen keine gefährlichen Schäden auf.
Ist der Schmiedehammer sicher? Schutzeinrichtungen, Bedienelemente, Not-Halt und Gesenke sind funktionsfähig.
Ist die PSA passend? Schutzbrille, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, Schmiedeschürze und weitere vorgeschriebene PSA sind verfügbar.


Während der Arbeit

Du hältst den Arbeitsbereich frei und beobachtest Veränderungen. Heiße Werkstücke werden kontrolliert geführt und eindeutig abgelegt. Beim manuellen Schmieden achtest Du auf sicheren Stand, ausreichenden Abstand und eine kontrollierte Schlagbewegung. Bei Teamarbeit sind Kommandos und Rollen eindeutig.

Ungewöhnliche Geräusche, starke Rauchentwicklung, lockere Werkzeuge, beschädigte Schutzeinrichtungen oder Störungen sind Warnzeichen. Die Arbeit wird sicher unterbrochen. Störungen werden nicht bei laufender Maschine oder unter gespeicherter Energie beseitigt.


Nach Arbeitsende

Nach Arbeitsende werden Feuerstelle, Gaszufuhr, elektrische Geräte und Maschinen nach Betriebsanweisung abgeschaltet. Werkstücke bleiben so lange im gekennzeichneten Heißbereich, bis keine Verbrennungsgefahr mehr besteht. Schlacke, Zunder und Schleifstaub werden mit geeigneten Verfahren beseitigt. Druckluft ist zur Körperreinigung und zum unkontrollierten Abblasen von Staub ungeeignet.

Mängel, verbrauchte PSA, ungewöhnliche Ereignisse und Beinaheunfälle werden gemeldet. Der Arbeitsplatz wird so übergeben, dass die nächste Person keine verdeckte Gefährdung vorfindet.


Persönliche Schutzausrüstung

Die notwendige Persönliche Schutzausrüstung ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und der Betriebsanweisung. Typisch sind Schutzbrille, gegebenenfalls Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, körperbedeckende schwer entflammbare Arbeitskleidung und Schmiedeschürze.

Trockene Lederhandschuhe können beim Umgang mit heißen Werkstücken, Funken und Zunder geeignet sein. Handschuhe sind jedoch nicht an jedem Arbeitsmittel zulässig. An Maschinen mit Einzugs- oder Erfassungsgefahr können Handschuhe die Gefahr erhöhen. Deshalb gilt immer die tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung. Ein Gesichtsschutz ersetzt nicht automatisch die erforderliche Schutzbrille, und PSA ersetzt keine technischen Schutzmaßnahmen.


Verhalten bei Störungen und Notfällen

Bei einem Notfall gilt: Eigenschutz beachten, gefährliche Bewegung stoppen, Energiezufuhr sicher unterbrechen, andere Personen warnen und Hilfe organisieren. Not-Halt-Einrichtungen werden nur benutzt, wenn die Situation dies erfordert. Danach darf eine Maschine nicht ohne Klärung und Freigabe wieder in Betrieb genommen werden.

Bei schweren Verbrennungen, Augenverletzungen, Quetschungen, Rauchgasinhalation oder Bewusstseinsstörungen werden betriebliche Ersthelfende und der Rettungsdienst alarmiert. Fremdkörper werden nicht eigenmächtig aus dem Auge entfernt. Festhaftende Kleidung wird bei Verbrennungen nicht abgerissen. Brandbekämpfung erfolgt nur, wenn sie ohne Eigengefährdung möglich ist und der Fluchtweg frei bleibt.


Praxisbeispiel: Sicherheitscheck an der Schmiedeesse

Du sollst einen Vierkantstahl erwärmen und am Amboss ausschmieden. Vor dem Anheizen stellst Du fest, dass ein Karton neben der Esse steht, der Rauchabzug ausgeschaltet ist und die Schutzbrille Kratzer im Sichtfeld besitzt. Außerdem liegt ein bereits erwärmtes Werkstück ohne Kennzeichnung auf einer Werkbank.

Die Gefährdungen sind Brandentstehung, Rauchgasexposition, eingeschränkte Sicht und Verbrennung durch ein unerkannt heißes Werkstück. Die Arbeit darf in diesem Zustand nicht beginnen. Der Karton wird aus dem Gefahrenbereich entfernt, der Rauchabzug geprüft und eingeschaltet, die beschädigte Schutzbrille ersetzt und das heiße Werkstück an einem festgelegten Ort sicher abgelegt beziehungsweise gekennzeichnet. Erst danach wird die Tätigkeit freigegeben.


Fachquellen und Vertiefung

  1. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 118 – Schmiedeessen
  2. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 129 – Schmiedehammer
  3. BGHM Arbeitsschutz Kompakt 140 – Ambosse
  4. BGHM Musterbetrieb Schlosserei und Metallbau
  5. DGUV Regel 109-607 – Branche Metallbau
  6. BGHM – Sicheres Schweißen
  7. BAuA – Gefährdungen durch optische Strahlung beim Schweißen


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Maßnahmenart steht im STOP-Prinzip vor der persönlichen Schutzausrüstung? (Organisatorische Maßnahme) (!Persönliche Maßnahme) (!Private Maßnahme) (!Provisorische Maßnahme)




Welche Hauptgefährdung besteht im Wirkbereich eines kraftbetriebenen Schmiedehammers? (Quetschgefährdung) (!Unterkühlung) (!Sonnenbrand) (!Wassermangel)




Wozu dient der Rauchabzug an der Schmiedeesse? (Er erfasst und leitet Rauchgase ab) (!Er kühlt den Amboss) (!Er schärft den Schmiedehammer) (!Er erhöht das Werkstückgewicht)




Womit wird ein heißes Werkstück am sichersten gehalten? (Mit einer geeigneten Schmiedezange) (!Mit bloßen Händen) (!Mit einem losen Draht) (!Mit einem Reinigungstuch)




Welche Körperregion ist durch wegfliegenden Zunder besonders gefährdet? (Die Augen) (!Die Fußsohlen) (!Die Haare unter dem Helm) (!Die Kniekehlen)




Was ist vor dem Anheizen einer Schmiedeesse zu kontrollieren? (Die Funktion des Rauchabzugs) (!Die Farbe der Pausenraumwand) (!Die Anzahl der Bürostühle) (!Die Lautstärke des Telefons)




Welche Schutzmaßnahme hat Vorrang vor Gehörschutz? (Technische Lärmminderung) (!Lauteres Sprechen) (!Schnelleres Arbeiten) (!Öffnen der Werkzeugkiste)




Welche Strahlung kann beim Lichtbogenschweißen Augen und Haut schädigen? (Ultraviolette Strahlung) (!Radiowellen) (!Mikrowellen aus der Küche) (!Schallwellen)




Warum muss die Arbeitshöhe des Ambosses angepasst sein? (Sie vermindert Fehlhaltungen und unkontrollierte Schläge) (!Sie verändert die Stahllegierung) (!Sie ersetzt den Gehörschutz) (!Sie löscht das Schmiedefeuer)




Was gehört zu einem sicheren Arbeitsende? (Heiße Werkstücke sicher ablegen und die Feuerstelle kontrollieren) (!Heiße Werkstücke unmarkiert liegen lassen) (!Schutzeinrichtungen entfernen) (!Mängel verschweigen)





Memory

Schmiedeesse Rauchgasabzug
Amboss Ergonomische Arbeitshöhe
Schmiedezange Sicherer Werkstückhalt
Schmiedehammer Quetschbereich
Zunder Augenverletzung
Gehörschutz Lärmeinwirkung
STOP-Prinzip Maßnahmenhierarchie
Betriebsanweisung Verhaltensregeln





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Schutzmaßnahme
Funken und Zunder Schutzbrille
Schmiedelärm Gehörschutz
Rauchgase Wirksame Absaugung
Quetschstelle Hände fernhalten
Heißes Werkstück Schmiedezange






Kreuzworträtsel

Absaugung Welche technische Einrichtung erfasst Rauchgase oder Schweißrauche?
Zunder Wie heißt die beim Erhitzen entstehende Oxidschicht auf Stahl?
Amboss Auf welchem schweren Werkzeug wird ein Schmiedestück bearbeitet?
Gehörschutz Welche PSA schützt vor schädigendem Lärm?
Schmiedezange Welches Werkzeug hält ein heißes Werkstück sicher?
Unterweisung Wie heißt die betriebliche Vermittlung sicherheitsgerechten Verhaltens?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Beim Schmieden wird Metall durch

in eine gewünschte Form gebracht.
Die systematische Ermittlung betrieblicher Gefährdungen erfolgt in der

.
Schutzmaßnahmen werden nach dem

ausgewählt.
Rauchgase an der Schmiedeesse werden durch einen wirksamen

erfasst.
Ein heißes Werkstück wird mit einer geeigneten

gehalten.
Wegfliegender Zunder gefährdet besonders die

.
Am kraftbetriebenen Schmiedehammer besteht eine hohe

.
Die richtige Ambosslage vermindert körperliche

.
Lärmmindernde Technik besitzt Vorrang vor dem persönlichen

.
Beim Lichtbogenschweißen schützt ein geeigneter Helm vor optischer

.
Brennbare Stoffe müssen aus dem Bereich des

entfernt werden.
Festgestellte Mängel werden gemeldet und das Arbeitsmittel wird bei Gefahr

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Sicherheitszeichen: Fotografiere oder skizziere fünf Sicherheitszeichen aus Deiner Ausbildungswerkstatt und erkläre ihre Bedeutung.
  2. Persönliche Schutzausrüstung: Erstelle eine bebilderte Übersicht der beim Schmieden verwendeten PSA und ordne jedem Teil die passende Gefährdung zu.
  3. Arbeitsplatzbeobachtung: Beobachte einen vorbereiteten Schmiedearbeitsplatz und notiere sichtbare sichere sowie unsichere Zustände.
  4. Fachwortschatz Metallbau: Erstelle Karteikarten zu zehn Fachbegriffen wie Zunder, Schmiedezange, Gesenk, Rauchabzug und Quetschstelle.


Standard

  1. Gefährdungsbeurteilung: Erstelle für das Erwärmen und Ausschmieden eines Vierkantstahls eine vereinfachte Gefährdungsbeurteilung.
  2. STOP-Prinzip: Entwickle zu fünf Gefährdungen jeweils eine technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahme.
  3. Unterweisung: Verfasse eine kurze Unterweisung für Auszubildende zum sicheren Arbeiten am Amboss.
  4. Beinaheunfall: Analysiere einen erfundenen Beinaheunfall mit einem unmarkiert abgelegten heißen Werkstück und leite Verbesserungen ab.


Schwer

  1. Sicherheitskonzept: Plane einen vollständigen sicheren Arbeitsbereich für Schmiedeesse, Amboss und kraftbetriebenen Schmiedehammer.
  2. Lärmschutz: Untersuche die Lärmquellen einer Metallwerkstatt und entwickle Maßnahmen nach der Rangfolge des STOP-Prinzips.
  3. Videoprojekt: Produziere ein Unterweisungsvideo mit Sicherheitscheck vor, während und nach einer Schmiedearbeit.
  4. Experteninterview: Befrage eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, eine Ausbilderin oder einen Ausbilder zu typischen Unfallursachen im Metallbau und werte das Gespräch aus.




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Lernkontrolle

  1. Gefährdungsanalyse: In einer Schmiede ist die Absaugung ausgefallen, während ein dringender Auftrag fertiggestellt werden soll. Begründe, wie Du handelst, und ordne Deine Maßnahmen dem STOP-Prinzip zu.
  2. Unfallursachenanalyse: Ein Hammerkopf löst sich beim Zuschlagen. Rekonstruiere mögliche technische, organisatorische und persönliche Ursachen und entwickle Präventionsmaßnahmen.
  3. Arbeitsplatzgestaltung: Vergleiche zwei Ambossarbeitsplätze mit unterschiedlicher Höhe und erkläre die Auswirkungen auf Ergonomie, Schlagkontrolle und Unfallrisiko.
  4. Schweißarbeitsplatz: Plane Schutzmaßnahmen für Schweißarbeiten in einer Werkstatt, in der gleichzeitig andere Auszubildende arbeiten und Verkehrswege vorbeiführen.
  5. Maschinensicherheit: Bewerte die Aussage: „Eine Schutzbrille reicht aus, um an einem Schmiedehammer sicher zu arbeiten.“ Begründe Deine Antwort mit mehreren Maßnahmenebenen.
  6. Sicherheitskultur: Entwickle ein betriebliches Verfahren, mit dem Auszubildende Beinaheunfälle melden können, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. typische mechanische, thermische, elektrische, chemische, physikalische und ergonomische Gefährdungen erkennst.
  2. Gefahr, Gefährdung und Risiko fachlich voneinander unterscheidest.
  3. eine einfache Gefährdungsbeurteilung nachvollziehbar aufbaust.
  4. Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip begründet priorisierst.
  5. einen Sicherheitscheck an Schmiedeesse, Amboss, Werkzeugen und Maschinen beschreibst.
  6. tätigkeitsbezogene PSA auswählst und ihre Grenzen erläuterst.
  7. das sichere Verhalten bei Störungen, Bränden und Verletzungen darstellst.
  8. Erkenntnisse auf neue Arbeitssituationen im Metallbauerhandwerk überträgst.




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