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Gedicht - Totentanz - Baudelaire, Charles

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Totentanz

Baudelaire, Charles

Von ihrer Schönheit stolz wie Lebende durchdrungen, · 60 Verse. Mit Quell- und Lesefassung, zitiergestütztem Lesequiz und offenen Schreibaufgaben.

GedichtKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von Baudelaire, Charles; Kontextbild zur Autorschaft.
Porträt · Baudelaire, Charles · Gustave Courbet · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Wolf von Kalckreuth

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht kritisch einordnen. Die Stufenzuordnung ist eine Orientierung; Auswahl und Begleitung richten sich nach der Lerngruppe.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 1 von 1

Totentanz

1
Totentanz.
Vorlage S. 105
2
An Ernest Christophe.
Vorlage S. 105
3
Von ihrer Schönheit stolz wie Lebende durchdrungen,
Vorlage S. 105
4
Prunkt sie mit Taschentuch, mit Handschuh und mit Strauss;
Vorlage S. 105
5
In kühner Lässigkeit zeigt sie sich ungezwungen –
Vorlage S. 105
6
Wie eine magere Kokette sieht sie aus.
Vorlage S. 105
7
Hat je auf einem Ball man schlankren Wuchs gesehen?
Vorlage S. 105
8
Du schaust ihr grelles Kleid, an weiten Falten reich,
Vorlage S. 105
9
Auf einen Knochenfuß in Wellen niedergehen,
Vorlage S. 105
10
Von buntem Schuh geschmückt, der zieren Blumen gleich.
Vorlage S. 105
11
Ihr magres Schlüsselbein umschmiegen leichte Spitzen,
Vorlage S. 105
12
Gleich einem üppgen Bach, der sich am Felsen reibt,
Vorlage S. 105
13
Und sittsam bergen sie vor possenhaften Witzen
Vorlage S. 105
14
Den unheilvollen Reiz, der tief verborgen bleibt.
Vorlage S. 105
15
Die hohlen Augen sind erloschen und verwittert,
Vorlage S. 105
16
Es nickt der Blumenschmuck vom Schädel grauenvoll,
Vorlage S. 105
17
Der schwank sich wiegend auf den dünnen Wirbeln zittert –
Vorlage S. 105
18
O Zauber eines Nichts, das aufgeputzt und toll!
Vorlage S. 105
19
Gar manche möchten dich ein nächtig Zerrbild nennen,
Vorlage S. 105
20
Die von der Trunkenheit des Fleisches nur gewusst,
Vorlage S. 105
21
Die nicht der menschlichen Gebeine Feinheit kennen:
Vorlage S. 105
22
Du mächtiges Skelett stillst meine höchste Lust!
Vorlage S. 105
23
Kommst du zu stören mit erschreckender Grimasse
Vorlage S. 106
24
Das Fest des Lebens, als ob lüsterne Begehr,
Vorlage S. 106
25
Leichtgläubge, dein Gebein im Grab nicht ruhen lasse,
Vorlage S. 106
26
Zum wilden Taumeltanz des Freudensabbats her?
Vorlage S. 106
27
Beim Sang der Geigen, bei der Kerzen lichtem Prangen
Vorlage S. 106
28
Hoffst zu verscheuchen du der finstren Träume Not?
Vorlage S. 106
29
Willst du vom wilden Strom der Orgien erlangen,
Vorlage S. 106
30
Dass er die Hölle kühlt, die dir im Herzen loht?
Vorlage S. 106
31
Unausgeschöpfter Quell von Wahn und Seltsamkeiten,
Vorlage S. 106
32
Nach dem der Menschheit Schmerz seit alter Zeit geforscht,
Vorlage S. 106
33
Ich sehe durchs Gewand, geschürzt an deinen Seiten,
Vorlage S. 106
34
Die gierge Schlange, die dir das Gebein zermorscht.
Vorlage S. 106
35
Zwar fürchte wahrlich ich, dass deine Reize scheitern,
Vorlage S. 106
36
Und dass kein Preis dich krönt, der würdig deiner Mühn;
Vorlage S. 106
37
Wen dieser Sterblichen wird solcher Spott erheitern?
Vorlage S. 106
38
Das Graun kann Starke nur mit seiner Lust durchglühn.
Vorlage S. 106
39
Der Augen Höhlung, drin des Grabes Schauer nachtet,
Vorlage S. 106
40
Enthaucht den Schwindel, und es wird kein Tänzer sein,
Vorlage S. 106
41
Der ohne Ekel und Beklemmung je betrachtet
Vorlage S. 106
42
Das Lächeln, das uns grinst aus deiner Zähne Reihn.
Vorlage S. 106
43
Doch welches Menschen Arm umfing nicht schon Skelette?
Vorlage S. 107
44
Wer hat sich nicht genährt vom Graun der Grabeswelt?
Vorlage S. 107
45
Was kümmert uns Geruch, Gewandung und Toilette!
Vorlage S. 107
46
Der, der sich ekelt, zeigt, dass er für schön sich hält.
Vorlage S. 107
47
Du Tänzrin, nasenlos! Sieghafte Dirne! Winke
Vorlage S. 107
48
Und sprich zur Tänzerschar, die sich erschrocken ziert!
Vorlage S. 107
49
Ihr Hübschen! Trotz der Kunst des Puders und der Schminke
Vorlage S. 107
50
Riecht ihr nach Grabesdunst! Skelette parfümiert!
Vorlage S. 107
51
Ihr Gecken welker Schmach! Ihr Dandys falschen Glanzes
Vorlage S. 107
52
Grauhaarger Stutzerschwarm! Gefirnißtes Gebein!
Vorlage S. 107
53
Die Welterschütterung des grimmen Totentanzes
Vorlage S. 107
54
Reißt euch in dunkles Land, das niemand sah, hinein.
Vorlage S. 107
55
Am kalten Seinestrand, am Glutgestad des Ganges
Vorlage S. 107
56
Spreizt tanzend sich die Schar der Menschen und sieht nicht,
Vorlage S. 107
57
Dass klaffend durchs Gewölb gleichwie ein dunkles, banges
Vorlage S. 107
58
Sturmwetter, dräuend des Gerichts Posaune bricht.
Vorlage S. 107
59
In deiner Welt bestaunt der Tod dich allenthalben,
Vorlage S. 107
60
Wie, sterbliches Geschlecht, er deinen Krampf verlacht,
Vorlage S. 107
61
Und oft, indem gleich dir er prunkt mit duftgen Salben,
Vorlage S. 107
62
Eint seinen grimmen Hohn er deines Wahnsinns Nacht!
Vorlage S. 107

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Auf einen Knochenfuß in Wellen niedergehen, Von …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Was bedeutet »allenthalben« in diesem Ausschnitt? »In deiner Welt bestaunt der Tod dich allenthalben, Wie, sterbliches Geschlecht, er deinen Krampf verlacht, Und oft, indem gleich dir er prunkt mit duftgen Salben, Eint seinen grimmen Hohn er deines Wahnsinns Nacht!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Hoffst zu […] du der finstren Träume Not?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Was kümmert uns Geruch, Gewandung und Toilette!« B: »Hat je auf einem Ball man schlankren Wuchs gesehen?« C: »Willst du vom wilden Strom der Orgien erlangen, Dass er die Hölle kühlt, die dir im Herzen loht?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Doch welches Menschen Arm …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

8. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Das Lächeln, das uns …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

9. Was bedeutet »allenthalben« in diesem Ausschnitt? »In deiner Welt bestaunt der Tod dich allenthalben,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Von ihrer […] stolz wie Lebende durchdrungen,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Beschreibe die Sprechsituation. Was erfährst du über Stimme, angesprochene Person und Umgebung? Belege zwei Beobachtungen mit kurzen Zitaten.

Impulse zur Selbstprüfung

Unterscheide die lyrische Stimme von der biografischen Person. Wo der Text keine eindeutige Angabe macht, formuliere eine begründete Vermutung.

Textstelle nachlesen ↗

2. Untersuche zwei sprachliche Bilder, Wiederholungen oder Klangwirkungen. Welche Wirkung ist an den jeweiligen Stellen plausibel?

Impulse zur Selbstprüfung

Nenne jeweils Vers oder Absatz und Wortlaut; Deutungen können sich unterscheiden, müssen aber zum Text passen.

Textstelle nachlesen ↗

3. Formuliere eine Deutungshypothese und eine mögliche Gegenlesart. Welche Stelle stützt oder begrenzt deine Deutung?

Impulse zur Selbstprüfung

Trenne Textbeobachtung und Interpretation. Eine begründete Gegenlesart ist kein automatisch falsches Ergebnis.

Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Wähle zwei Wörter aus dem Gedicht. Schreibe damit vier eigene Verse. Du kannst mit „Ich sehe …“ oder „Ich höre …“ beginnen. Reime sind freiwillig.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Zwei Wörter aus der Vorlage werden aufgegriffen.
  • Eigene Verse und übernommene Zitate sind unterscheidbar.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Schreibe eine eigene Strophe aus einer anderen Perspektive. Übernimm ein sprachliches Bild und verändere es bewusst. Erkläre anschließend kurz, was sich an der Wirkung ändert.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die neue Perspektive ist erkennbar.
  • Ein genauer Textbeleg begründet die Gestaltung.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Entwirf ein Antwortgedicht mit einer Gegenposition oder einer heutigen Situation. Begründe zwei sprachliche Entscheidungen mit kurzen Zitaten aus der Vorlage. Unterscheide eigene Deutung und belegbare Beobachtung.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Kennzeichne den neuen Text als eigene Bearbeitung; belege deine Entscheidungen mit dem Gedicht.

  • Die Antwort setzt sich mit konkreten Stellen auseinander.
  • Zwei korrekt gekennzeichnete Zitate stützen die Begründung.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autorenschaft und Übersetzung nach dokumentierten Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. Quellenedition mit Namensnennung übernommen.

Totentanz

Baudelaire, Charles: Blumen des Bösen. Übers. v. Wolf v. Kalckreuth, Leipzig: Insel-Verlag, 1907. Baudelaire, Charles 105- Leipzig

TextGrid, www.editura.de; Digitale Bibliothek. Die historischen Texte und Übersetzungen bleiben unverändert in der Quellfassung.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Originaltext gemeinfrei in Deutschland; annotierte TextGrid-Ausgabe CC BY 3.0 DE Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.