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Totentanz - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse

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Totentanz - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse

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Totentanz - Baudelaire, Charles - Gedichtanalyse

Kurzbeschreibung: „Von ihrer Schönheit stolz wie Lebende durchdrungen“ – eine elegant gekleidete Tote tanzt mit den Lebenden. Du untersuchst 60 Verse über Schönheit, Angst und Vergänglichkeit. Deutsch, Klasse 9–10; Vertiefung für Klasse 11–13.

Charles Baudelaire. Foto: Nadar; Wikimedia Commons, gemeinfrei.


Textgrundlage: Vier Dinge unterscheiden

  1. Quellfassung: Das französische Original heißt Danse macabre. Lies es in der historischen Ausgabe von 1868 auf Wikisource. Es erschien bereits 1859 in einer Zeitschrift und 1861 in Les Fleurs du mal.
  2. Übersetzung: Die deutsche Übertragung Totentanz stammt von Wolf von Kalckreuth (1907). Historische deutsche Textfassung bei TextGrid (15 Strophen zu vier Versen).
  3. Lesefassung: Lies die bereits vorhandene Seite Gedicht - Totentanz - Baudelaire, Charles. Der Gedichttext wird hier nicht erneut abgedruckt.
  4. Interpretation: Dieser Kurs bietet begründete Deutungen. Sie sind nicht Teil des Gedichttextes.

Wichtig für Zitate: Alle deutschen Verszitate unten folgen Wolf von Kalckreuths TextGrid-Fassung von 1907. Die Zählung läuft von Vers 1 bis Vers 60, ohne Widmung. Ältere Schreibweisen bleiben in Zitaten erhalten. Vergleiche Abweichungen mit der verlinkten Lesefassung.


Einordnung: Internationale Moderne

Charles Baudelaire (1821–1867) schrieb im 19. Jahrhundert. Er gilt als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne und des Symbolismus. In seinen Gedichten stehen Schönes und Hässliches oft nebeneinander. Totentanz gehört zu den Tableaux parisiens (Pariser Bildern) der Blumen des Bösen.

Hans Holbein d. J.: „Der Totentanz – Die Gräfin“, um 1526. Wikimedia Commons, gemeinfrei/CC0.

Das ältere Motiv des Totentanzes zeigt: Vor dem Tod sind alle Menschen gleich. Baudelaire macht daraus eine rätselhafte Ballszene. Bildfrage: Wie verändert sich dieses alte Motiv im modernen Gedicht?

Vertiefung: France Culture über Baudelaire und Les Fleurs du mal (französisch; YouTube).


Gedichtanalyse mit Versbelegen


Lyrisches Sprechen

Zuerst wird die Frauengestalt beschrieben: „Wie eine magere Kokette sieht sie aus.“ (V. 4). Später spricht eine Stimme sie direkt an. Mit „Du mächtiges Skelett stillst meine höchste Lust!“ (V. 20) zeigt sie sogar Faszination. Das lyrische Ich ist eine Stimme im Gedicht, nicht automatisch der Autor selbst.


Form und Klang

Das Gedicht hat 15 vierzeilige Strophen, also 60 Verse. In der deutschen TextGrid-Fassung überwiegt der Kreuzreim ABAB; schon „durchdrungen“ und „ungezwungen“ (V. 1 und 3) reimen sich. Das französische Original ist in Alexandrinern gestaltet. Die deutsche Übersetzung muss seinen Rhythmus nicht Silbe für Silbe kopieren. Die „Geigen“ (V. 25) rufen die Musik des Balls auf; lange Verse und wechselnde Pausen lassen die Szene bewegt wirken.


Bilder und Sprache

„Die hohlen Augen sind erloschen und verwittert“ (V. 13): Die Kleidung wirkt schön, der Körper ist schon tot. „Das Lächeln, das uns grinst aus deiner Zähne Reihn“ (V. 40) verwandelt ein freundliches Zeichen in etwas Bedrohliches. Schönheit und Schrecken bilden einen Gegensatz. Das Skelett ist eine Allegorie: eine sichtbare Figur steht für die Macht des Todes.

Hans Baldung: „Tod und Mädchen“, um 1518–1520. Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Bewegtes Skelett: Animation von Nevit Dilmen; CC BY-SA 3.0. Vergleiche die Wirkung von Bewegung und Stillstand.


Drei mögliche Deutungen

  1. Vergänglichkeit: Der schöne Schein vergeht. Die Totenfigur erinnert an Vanitas und Memento mori.
  2. Kritik am Äußeren: „Riecht ihr nach Grabesdunst! Skelette parfümiert!“ (V. 48) macht sich über die Eitelkeit der Lebenden lustig.
  3. Angst und Anziehung: Die sprechende Stimme fürchtet den Tod nicht nur, sondern ist zugleich von ihm angezogen (vgl. V. 20 und 40).

„Am kalten Seinestrand, am Glutgestad des Ganges“ (V. 53) weitet den Blick: Die Botschaft betrifft Menschen überall. Deutungen sind Vorschläge: Du begründest sie mit Versstellen.

Hans Holbein d. J.: „Der Totentanz – Der Edelmann“, um 1526. Wikimedia Commons, gemeinfrei/CC0.


Hören und vergleichen

Musik: Camille Saint-Saëns, Danse macabre (1874); digitale Einspielung Kevin MacLeod, CC BY 3.0 US.

Musik zum Totentanzmotiv: Philharmonia Orchestra / Charles Dutoit (YouTube).

Achtung: Das Musikstück von Saint-Saëns ist nicht die Vertonung dieses Baudelaire-Gedichts. Vergleiche nur, wie Gedicht und Musik das Motiv des Totentanzes gestalten.

Kurzer französischer Lernfilm: „Les Fleurs du Mal“, Un Cours de 5 Minutes (YouTube).


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Lies zuerst die Lesefassung. Die Verse in den Fragen beziehen sich auf die oben verlinkte Übersetzung von 1907.

Was verrät „Wie eine magere Kokette sieht sie aus“ (V. 4) über die Figur? (Sie wirkt wie eine eitle Frau) (!Sie ist ein kleines Kind) (!Sie ist der Erzähler eines Romans) (!Sie hält eine Rede vor Gericht)




Wer wird mit „Du mächtiges Skelett“ (V. 20) angeredet? (Die dargestellte Totengestalt) (!Der Dichter selbst) (!Ein König auf dem Thron) (!Ein Musiker mit Geige)




Was zeigt „stillst meine höchste Lust“ (V. 20)? (Faszination der sprechenden Stimme) (!Völlige Gleichgültigkeit) (!Freude an einer Hochzeit) (!Wut auf einen Lehrer)




Wozu gehören die „Geigen“ (V. 25)? (Zur Musik einer Ballszene) (!Zu einer Schlacht) (!Zu einem Gottesdienst) (!Zu einer Schulstunde)




Welche Wirkung haben die „hohlen Augen“ (V. 13)? (Sie machen die Nähe des Todes sichtbar) (!Sie beweisen die Jugend der Figur) (!Sie beschreiben einen schönen Garten) (!Sie zeigen ein fröhliches Kind)




Wie wirkt das „Lächeln“ der Zähne (V. 40)? (Unheimlich und bedrohlich) (!Beruhigend und freundlich) (!Völlig unsichtbar) (!Wie ein Naturgeräusch)




Was wird in „Skelette parfümiert“ (V. 48) kritisiert? (Äußerer Schmuck verdeckt die Sterblichkeit nicht) (!Parfüm ist im Gedicht ein Heilmittel) (!Tanzen macht Menschen unsterblich) (!Nur Reiche können sterben)




Warum nennt Vers 53 die Seine und den Ganges? (Der Tod betrifft Menschen überall) (!Nur Menschen in Paris sind sterblich) (!Die Figur fährt mit einem Schiff) (!Die Flüsse sind die Hauptfiguren)




Welches Reimschema zeigt die erste Strophe der deutschen Fassung? (Kreuzreim ABAB) (!Paarreim AABB) (!Umarmender Reim ABBA) (!Durchgehend reimlos)




Welche Aussage trennt Quelle und Interpretation richtig? (Ein Verszitat stammt aus dem Text und eine Deutung wird begründet) (!Jede Deutung ist ein wörtliches Zitat) (!Eine Übersetzung ist immer der französische Originaltext) (!Das Musikstück ist die Quellfassung des Gedichts)





Memory

Kreuzreim Abwechselnde Endreime
Allegorie Anschauliches Sinnbild
Vanitas Vergänglichkeit irdischer Dinge
lyrisches Ich Stimme im Gedicht
Kokette Auf Wirkung bedachte Figur
Totentanz Erinnerung an allgemeine Sterblichkeit





Drag and Drop

Ordne den richtigen Begriff zu. Beleg oder Beschreibung
Lyrisches Sprechen Die Figur wird direkt angeredet
Form Vierzeilige Strophen mit Kreuzreim
Bildsprache Das Skelett verkörpert den Tod
Klang Die Geigen erinnern an einen Ball
Deutung Äußerer Glanz schützt nicht vor Sterblichkeit





Kreuzworträtsel

Baudelaire Wie heißt der französische Dichter mit Nachnamen?
Kalckreuth Wie heißt der Übersetzer der deutschen Textfassung mit Nachnamen?
Skelett Welche Knochenfigur steht im Mittelpunkt?
Geigen Welche Instrumente erklingen laut Vers fünfundzwanzig?
Kokette Mit welcher Figur wird die Tänzerin in Vers vier verglichen?
Vanitas Welcher Fachbegriff bezeichnet die Vergänglichkeit?





LearningApps

Suche nach vorhandenen Übungen. Die Ergebnisse stammen von Dritten und sind nicht automatisch überprüft.


Lückentext

Vervollständige die Sätze.
Der französische Titel lautet Danse

.
Die deutsche Fassung von 1907 übersetzte Wolf von

.
Das Gedicht besitzt fünfzehn

.
Die Strophen haben jeweils vier

.
Die deutsche Fassung verwendet meist einen

.
Das Bild des Skeletts ist eine

des Todes.
Eine sprechende Instanz im Gedicht nennt man lyrisches

.
Die beiden Flüsse Seine und Ganges zeigen die weltweite

des Themas.
Die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit heißt auch

.
Eine Interpretation muss man mit Zitaten

.



Offene Aufgaben


Leicht: Ein Bild lesen

  1. Bildanalyse: Vergleiche ein Holbein-Bild mit den Versen 1–8. Schreibe fünf einfache Sätze über Kleidung, Körper und Wirkung. Hilfe 1: Beschreibe zuerst nur, was Du siehst. Hilfe 2: Suche im Text die Wörter „Kokette“ und „Knochenfuß“.


Standard: Einen Analyseabsatz schreiben

  1. Gedichtanalyse: Erkläre an Vers 20 und Vers 40, wie Anziehung und Schrecken zusammenkommen. Schreibe etwa 120 Wörter mit beiden Versbelegen. Hilfe 1: Beginne mit „Die sprechende Stimme ...“. Hilfe 2: Baue jeden Beleg nach dem Muster Beobachtung – Zitat – Wirkung ein.


Schwer: Zwei Fassungen vergleichen

  1. Übersetzung: Vergleiche die französischen Verse 1–4 mit Kalckreuths deutschen Versen 1–4. Untersuche Bild, Reim und mögliche Bedeutungsverschiebungen. Formuliere eine eigene Deutung von 180–250 Wörtern. Hilfe 1: Markiere im Original Wörter für Kleidung und Körper. Hilfe 2: Begründe, was die Übersetzung betont oder verändert.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Textbeleg: Belege eine Aussage über Schönheit und Tod mit zwei Versen und erkläre den Zusammenhang.
  2. Perspektive: Erkläre, warum das lyrische Ich nicht einfach mit Baudelaire gleichgesetzt werden darf.
  3. Reimschema: Zeige am Anfang des Gedichts, wie die regelmäßige Form zum unheimlichen Inhalt passt.
  4. Medienvergleich: Vergleiche die Wirkung eines Totentanzbildes mit einer Passage des Gedichts, ohne die Werke gleichzusetzen.
  5. Transfer: Übertrage die Kritik an „Skelette[n] parfümiert“ auf heutige Inszenierungen von Schönheit. Trenne Textaussage und Deine Meinung.


Lernnachweis

Du kannst den französischen Originaltext, die deutsche Übersetzung, die Lesefassung und Deine Interpretation unterscheiden. Du kannst Aufbau, Sprechsituation, Reim, Klang und Bildsprache beschreiben. Du begründest mindestens zwei Deutungen mit korrekt nummerierten Verszitaten und schreibst einen kurzen, gegliederten Analyseabsatz.


Quellen und Mediennachweise

Text: Baudelaire, Danse macabre, französische Ausgabe 1868, Wikisource (gemeinfrei); deutsche Textfassung Totentanz, Übersetzung Wolf von Kalckreuth, Leipzig 1907, TextGrid (historischer gemeinfreier Text; TextGrid-Annotationen: CC BY 3.0 DE, Namensnennung TextGrid); Bibliothèque nationale de France: Les Fleurs du mal. Nicht verwechseln: Für den Gedichttext gilt hier Kalckreuth, nicht die Übertragung Walter Benjamins.

Wikimedia Commons:

  1. Porträt Baudelaire – Nadar, gemeinfrei.
  2. „Die Gräfin“ – Hans Holbein d. J., Cleveland Museum of Art, gemeinfrei; Reproduktion CC0.
  3. „Der Edelmann“ – Hans Holbein d. J., Cleveland Museum of Art, gemeinfrei; Reproduktion CC0.
  4. „Tod und Mädchen“ – Hans Baldung, gemeinfrei.
  5. Skelettanimation – Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0, unverändert.
  6. Musikaufnahme – Saint-Saëns, digital eingespielt von Kevin MacLeod, CC BY 3.0 US, unverändert.

YouTube: Eingebettet, nicht als freie Dateien übernommen: France Culture, Comment Charles Baudelaire a écrit Les Fleurs du Mal (2021); Philharmonia Orchestra / Charles Dutoit, Saint-Saëns: Danse macabre (YouTube-Veröffentlichung 2018); Un Cours de 5 Minutes, Les FLEURS du MAL (2021). Rechte und Namensnennung bleiben bei den jeweiligen Kanälen.


OERs zum Thema

Frei lesbare historische Übersetzung bei TextGrid · Bestehende Gedichtseite · Bestehender Kurs zum Gedichtverstehen · Bestehender Kurs zum Interpretationsaufsatz.

Wikipedia bietet Hintergrundwissen, nicht die Quellfassung dieses Gedichts.


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