Fountain von Marcel Duchamp - Kunst
Einleitung
Fountain von Marcel Duchamp - Kunst
Fach: Kunst | Klassen: 7–13 | Epoche: Moderne Kunst / Dadaismus | Werk: Fountain (1917), spätere autorisierte Fassungen
Leitfrage: Was verändert sich, wenn ein Alltagsgegenstand als Kunst ausgestellt wird?
Ein gewöhnliches Urinal wird zum Kunstwerk: 1917 wurde Fountain unter dem Namen „R. Mutt“ für eine Kunstausstellung in New York eingereicht. Das Werk wurde nicht ausgestellt. Trotzdem veränderte es die Diskussion darüber, was Kunst sein kann.
In diesem aiMOOC untersuchst Du Form, Material, Anordnung und Wirkung. Du unterscheidest zwischen Beobachtung, historisch belegten Fakten und Deutung.
Wichtig: Das ursprüngliche Objekt von 1917 ist verschollen. Das erste Video zeigt eine von Duchamp autorisierte Fassung aus dem Jahr 1964 im San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA), nicht das Original von 1917.
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Das Kunstwerk im Video
Smarthistory: Marcel Duchamp, Fountain (1917/1964)
Medienangabe: Smarthistory, Dr. Beth Harris und Dr. Steven Zucker; Aufnahme am SFMOMA, autorisierte Fassung von 1964. Originalquelle mit Transkript
Einstiegsimpulse:
- Sehen: Was erkennst Du in den ersten Sekunden?
- Wirkung: Was überrascht Dich daran, dass dieser Gegenstand im Museum steht?
- Kunstbegriff: Muss ein Künstler jeden Gegenstand selbst herstellen?
G: Beschreibe drei sichtbare Eigenschaften. M: Erkläre die Veränderung der Funktion. E: Prüfe, welche Rolle die Idee des Künstlers spielt.
Das Kunstwerk betrachten
Beobachtung: Was ist zu sehen?

Fotografie von David Shankbone, Tate Modern, 2004. Gezeigt ist eine spätere Fassung von Fountain, nicht das verschollene Original von 1917.
Form: Du erkennst eine helle, gebogene Keramikform mit einer großen Öffnung. Rundungen, eine glatte Oberfläche und mehrere Öffnungen im Inneren sind sichtbar.
Material: Das Werk besteht aus glasierter Keramik beziehungsweise Porzellan. Die dunkle Aufschrift bildet einen Kontrast zur hellen Oberfläche.
Technik: Beim ursprünglichen Ready-made war die Auswahl eines bereits hergestellten Gegenstands entscheidend. Die autorisierte Edition von 1964 wurde dagegen eigens nach dem früheren Werk gefertigt.
Komposition: Der Gegenstand liegt anders als in seiner üblichen Gebrauchslage. Durch seine Drehung und Präsentation auf einem Sockel wird er von mehreren Seiten zum Betrachtungsobjekt.
Wirkung: Das Werk kann komisch, irritierend, provozierend oder nachdenklich wirken. Das sind mögliche Reaktionen, keine beweisbaren Eigenschaften des Objekts.
Historisches Bild: Das Werk von 1917

Historische Fotografie von Alfred Stieglitz, 1917. Sie dokumentiert das heute verschollene Objekt. Das Bild entstand nach der Ablehnung bei der Ausstellung, nicht als Aufnahme eines dort ausgestellten Werks.
Achte auf drei Details:
- Signatur: Auf dem Objekt steht „R. Mutt 1917“.
- Sockel: Der Gegenstand wird wie eine Skulptur präsentiert.
- Fotografie: Die Beleuchtung, der Bildausschnitt und der Hintergrund beeinflussen, wie Du das Werk wahrnimmst.
Bildvergleich: Vergleiche das Foto von 1917 mit der Aufnahme der späteren Tate-Fassung. Suche Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Unterschiedliche Fotos zeigen nicht automatisch Unterschiede am Objekt.
Die Drehung verändert den Blick

Schematische Vergleichsgrafik von Coldcreation, 2018: übliche Gebrauchslage und um etwa 90 Grad gedrehte Präsentation. Die Grafik ist eine nachträgliche Erklärung und kein Dokument von 1917.
Ein Urinal wird normalerweise an einer Wand verwendet. Bei Fountain verliert es durch Drehung, Titel und Präsentation weitgehend seine gewöhnliche Funktion.
Vergleich: Was verändert sich, wenn Du eine Tasse, einen Stuhl oder einen anderen Gegenstand anders herum aufstellst und ihm einen neuen Namen gibst?

Commons-Animation eines rotierenden Würfels von GergMelon, 2024. Sie zeigt allgemein, wie ein Wechsel des Blickwinkels unsere Wahrnehmung verändert. Sie ist keine Animation von Fountain.
Vergleich mit einem anderen Alltagsgegenstand

Fotografie eines Urinals, das als Türstopper verwendet wird, aufgenommen 2024. Dieses Objekt ist nicht Duchamps Fountain.
Vergleichsfrage: Wann ist ein ungewöhnlich verwendeter Alltagsgegenstand praktisch, wann eine Gestaltungsidee und wann ein Kunstwerk?
G: Nenne einen Unterschied. M: Vergleiche Funktion und Aufstellung. E: Diskutiere die Bedeutung von Absicht, Ausstellung und Publikum.
Historische Fakten und Einordnung
Was ist gesichert?
1917: Unter dem Namen „R. Mutt“ wurde ein mit dieser Signatur versehenes Urinal bei der Society of Independent Artists in New York eingereicht. Die Veranstaltung war als Ausstellung ohne Auswahljury angekündigt. Das Objekt wurde dennoch abgelehnt beziehungsweise nicht ausgestellt.
Fotodokument: Alfred Stieglitz fotografierte das Objekt 1917. Seine Aufnahme erschien in der Zeitschrift The Blind Man, Ausgabe 2.
Original: Das damals eingereichte Objekt ist verschollen. Sein späterer Verbleib ist nicht sicher dokumentiert.
Spätere Fassungen: Duchamp genehmigte weitere Ausführungen. 1964 entstand in Mailand eine autorisierte Edition bei der Galleria Schwarz. Das SFMOMA besitzt die Edition 1/8, Tate die Edition 2/8.
Einordnung: Fountain gehört zur Moderne Kunst und steht in engem Zusammenhang mit Dadaismus und dem Ready-made. Es wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt für spätere Konzeptkunst.
Quellen: SFMOMA – Werkdatensatz | Philadelphia Museum of Art – Fountain Scandal | Cabinet – Fassungen von Fountain
Eine Quelle aus dem Jahr 1917

Historische Dokumentseite aus The Blind Man, Mai 1917, Seite 5. Dies ist ein Scan einer gedruckten Quelle, kein zeitgenössisches Museumsfoto.
Der Text The Richard Mutt Case verteidigte die Entscheidung, einen gewöhnlichen Gegenstand auszuwählen und in einen neuen Zusammenhang zu stellen.
Quellenfrage: Warum kann die Auswahl eines Gegenstands eine künstlerische Entscheidung sein, obwohl er nicht von Hand hergestellt wurde?
Was ist bei der Zuschreibung unsicher?
Fountain wird in führenden Museumskatalogen Marcel Duchamp zugeschrieben. Einige Forschende haben jedoch eine mögliche Beteiligung oder Urheberschaft der Künstlerin Elsa von Freytag-Loringhoven diskutiert. Ein Brief Duchamps von 1917 über eine nicht namentlich genannte Freundin spielt in der Diskussion eine Rolle.
Wichtig: Die alternative Zuschreibung ist umstritten und nicht gesichert. Behauptungen darüber dürfen nicht als bewiesene historische Fakten wiedergegeben werden.
Vertiefung E: Unterscheide zwischen dem, was ein zeitgenössischer Brief tatsächlich aussagt, und dem, was spätere Forschende daraus schließen. Berücksichtige dabei auch die Aussagen der Museen.
Deutung: Wann wird ein Gegenstand zur Kunst?
Das Ready-made
Ein Ready-made ist ein bereits hergestellter Gegenstand, der ausgewählt und in einen künstlerischen Zusammenhang gebracht wird.
Bei Fountain verändert sich weniger das Material als vielmehr die Bedeutung.
- Auswahl: Ein Alltagsgegenstand wird zum Gegenstand künstlerischer Aufmerksamkeit.
- Titel: „Fountain“, auf Deutsch „Brunnen“, steht in einem überraschenden Verhältnis zum ursprünglichen Zweck.
- Kontext: Im Museum betrachten Menschen den Gegenstand anders als in einem Sanitärraum.
Begründete Deutung: Fountain stellt die Frage, ob die Idee, Auswahl und Präsentation eines Gegenstands selbst künstlerische Leistungen sein können.
Gegenposition: Man kann einwenden, dass die handwerkliche Herstellung, die Formgestaltung oder die Eigenständigkeit des Werkes zu kurz kommen.
Beide Positionen lassen sich diskutieren. Entscheidend ist, Beobachtungen und Gründe anzugeben.
Der Titel als Gedankenexperiment
Hörvergleich: Ein wirklicher Brunnen
Wikimedia-Commons-Tonaufnahme eines Brunnens von Secretlondon, 2010. Das ist keine Tonaufnahme von Duchamps Kunstwerk.
Impuls: Höre das Wassergeräusch. Welche Erwartungen weckt das Wort „Brunnen“? Warum kann der Titel Fountain überraschend oder ironisch wirken?
Museum, Publikum und Provokation
Tate: 3 Minute Wonder – Marcel Duchamp, Fountain
Offizielles Tate-Video von 2010. Es zeigt eine spätere Fassung in einem ungewohnten Umfeld. Keine Aufnahme der Ereignisse von 1917.
Arbeitsfrage: Wie verändert sich die Reaktion der Menschen, wenn das Kunstwerk wieder an einem Ort erscheint, der an seine ursprüngliche Funktion erinnert?
Vertiefung für die Oberstufe: Prüfe, ob der Museumsraum Kunst lediglich präsentiert oder ihre Bedeutung mit hervorbringt.
Kunst oder Scherz?
The Art Assignment / PBS Digital Studios: Art or Prank?
Bildungsvideo von The Art Assignment, 2017. Es vergleicht Kunst und Streiche im Museum. Gezeigte andere Objekte sind Vergleichsbeispiele, keine Fassungen von Fountain.
Diskussion: Reicht es aus, einen Gegenstand in einem Museum zu platzieren? Welche Bedeutung haben Absicht, Konzept und öffentliche Reaktion?
Interaktive Bildbetrachtung
Bilddetektive: Beobachten – Vergleichen – Begründen
Klicke auf das historische Foto oder die spätere Museumsaufnahme, um Details zu vergrößern. Verwende für Deine Antworten die Bilder und das erste Video.
Station A – Form: Suche Rundungen, Öffnungen und glatte Flächen. Benenne mindestens zwei sichtbare Eigenschaften.
Station B – Schrift: Suche die Aufschrift und erkläre, weshalb sie mehr als eine Herstellerangabe sein könnte.
Station C – Präsentation: Vergleiche die Drehung und den Sockel mit der normalen Verwendung eines Urinals.
Station D – Bildquellen: Unterscheide die Aufnahme von 1917 und die späteren Museumsfotos.
| Ordne die passende Beobachtung oder Aussage zu. | Bilddetail beziehungsweise Bildquelle |
|---|---|
| Helle gebogene Keramik | Sichtbare Form und Materialwirkung |
| R. Mutt 1917 | Beschriftung des Gegenstands |
| Gedrehte Lage | Veränderung der üblichen Funktion |
| Stieglitz-Fotografie | Historischer Bildbeleg von 1917 |
| Tate-Aufnahme | Foto einer späteren Museumsfassung |
Rückmeldung: Sichtbare Merkmale kannst Du beschreiben. Die historischen Aussagen über Entstehung, Datierung und Urheberschaft benötigten zusätzliche Quellen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
1. Welcher Alltagsgegenstand bildet den Ausgangspunkt von Fountain? (Urinal) (!Waschmaschine) (!Gießkanne) (!Badewanne)
Feedback: Es handelt sich um ein Urinal, das in einem neuen Zusammenhang gezeigt wurde.
2. Welches Material ist für die Fassung von 1964 am SFMOMA dokumentiert? (Glasierte Keramik) (!Massives Gold) (!Geschnitztes Holz) (!Gewebter Stoff)
Feedback: Der Museumsdatensatz nennt Keramik, Glasur und Farbe.
3. Welche Aufschrift ist mit dem ursprünglichen Werk verbunden? (R. Mutt 1917) (!Pablo Picasso 1917) (!Andy Warhol 1964) (!Claude Monet 1917)
Feedback: „R. Mutt 1917“ ist auf der historischen Fotografie erkennbar.
4. Was bezeichnet ein Ready-made? (Einen ausgewählten Alltagsgegenstand im Kunstzusammenhang) (!Ein ausschließlich mit Ölfarbe gemaltes Bild) (!Eine aus Marmor gemeißelte Statue) (!Ein zufällig beschädigtes Foto)
Feedback: Die künstlerische Entscheidung liegt unter anderem in der Auswahl und Präsentation.
5. Was geschah 1917 mit Fountain bei der Ausstellung der Independent Artists? (Es wurde nicht zur Ausstellung zugelassen) (!Es erhielt den ersten Preis) (!Es wurde als Wandgemälde gezeigt) (!Es wurde im Museum hergestellt)
Feedback: Die Ablehnung löste eine Diskussion über die Offenheit der Ausstellung aus.
6. Was ist über das Original von 1917 bekannt? (Es ist verschollen) (!Es befindet sich nachweislich im SFMOMA) (!Es ist das Exemplar der Tate von 1964) (!Es wurde erst 1970 hergestellt)
Feedback: Heute sind historische Dokumente und spätere Fassungen erhalten.
7. Was zeigt das Smarthistory-Video im SFMOMA? (Eine autorisierte Fassung von 1964) (!Das ursprüngliche Objekt von 1917) (!Eine Skulptur aus der Antike) (!Eine nicht gekennzeichnete Schülerarbeit)
Feedback: Die Datierung 1917/1964 unterscheidet die ursprüngliche Idee von der späteren Ausführung.
8. Welcher Fotograf dokumentierte Fountain 1917? (Alfred Stieglitz) (!Ansel Adams) (!Robert Capa) (!August Sander)
Feedback: Stieglitz' Aufnahme ist eine wichtige historische Quelle für das verschollene Objekt.
9. Welche Frage steht im Zentrum der Deutung von Fountain? (Kann ein ausgewählter Alltagsgegenstand Kunst sein) (!Müssen Kunstwerke immer aus Bronze bestehen) (!Sind alle Museen gleich groß) (!Ist jede Skulptur ein Naturstein)
Feedback: Das Werk verschiebt die Diskussion von der handwerklichen Herstellung zur künstlerischen Idee.
10. Welche Aussage zur Urheberschaft ist quellenkritisch richtig? (Die übliche Zuschreibung lautet Duchamp und alternative Zuschreibungen sind umstritten) (!Die Urheberschaft von Elsa von Freytag-Loringhoven ist zweifelsfrei bewiesen) (!Alfred Stieglitz fertigte das Urinal als Skulptur an) (!Die Ausstellung von 1917 bestätigt eine eindeutige andere Urheberschaft)
Feedback: Historische Belege, Museumskataloge und umstrittene Hypothesen müssen unterschieden werden.
Memory
Ordne jedem Begriff die passende Erklärung zu.
| Ready-made | Ausgewählter Alltagsgegenstand als Kunst |
| Alfred Stieglitz | Historischer Fotograf |
| R. Mutt | Verwendetes Pseudonym |
| Porzellan | Keramischer Werkstoff |
| Dadaismus | Künstlerische Bewegung der Moderne |
| Replik | Spätere Nachbildung |
| Sockel | Präsentationsfläche einer Skulptur |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Glasur | Oberflächenbehandlung |
| Rundung | Sichtbare Form |
| Signatur | Schrift am Objekt |
| Readymade | Künstlerische Auswahl |
| Ausstellung | Neuer Präsentationskontext |
Kreuzworträtsel
| Urinal | Welcher Sanitärgegenstand bildet die Grundlage von Fountain? |
| Duchamp | Welchem Künstler wird Fountain üblicherweise zugeschrieben? |
| Stieglitz | Wie lautet der Nachname des Fotografen der Aufnahme von 1917? |
| Porzellan | Welcher keramische Werkstoff ist mit Fountain verbunden? |
| Dada | Wie heißt die künstlerische Bewegung, mit der Fountain verbunden wird? |
| Replik | Wie nennt man eine spätere Nachbildung eines Kunstwerks? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Drei gestufte Projektaufträge: G, M und E.
Wähle die zu Deinem Lernstand passende Stufe. Jede Stufe enthält vier kleine, offene Arbeitsschritte. Die Projekte können als Text, Zeichnung, Präsentation oder Video dokumentiert werden.
Leicht – G (Grundniveau, insbesondere Klasse 7–8)
Projekt G: Werde Bilddetektiv!
- Bildbeschreibung: Beschreibe Fountain in fünf einfachen Sätzen. Verwende die Wörter Form, Farbe, Material und Öffnung.
- Skizze: Zeichne die Umrisse des Gegenstands ab und markiere zwei auffällige Details. Nutze ein vorhandenes Bild als Vorlage und nenne die Quelle.
- Bildvergleich: Vergleiche ein gewöhnliches Urinal mit Fountain. Formuliere zwei Gemeinsamkeiten und einen Unterschied.
- Eigene Meinung: Schreibe drei Sätze zur Frage „Ist das für mich Kunst?“ und nenne einen Grund.
Standard – M (mittleres Niveau, insbesondere Klasse 9–10)
Projekt M: Ein Gegenstand bekommt eine neue Bedeutung.
- Ready-made: Wähle einen ungefährlichen Alltagsgegenstand und entwickle ein Konzept, wie Du ihn als Kunst präsentieren würdest. Beschreibe es in Text oder Skizze.
- Titelgebung: Gib Deinem Gegenstand zwei unterschiedliche Titel und erkläre, wie sie die Wahrnehmung verändern.
- Museumsbeschriftung: Verfasse ein kurzes Museumslabel mit Material, Funktion, Titel und begründeter Deutung.
- Interview: Frage zwei Personen, ob Dein Vorschlag Kunst ist. Vergleiche ihre Argumente mit Deiner eigenen Sicht.
Schwer – E (erweitertes Niveau, insbesondere Klasse 11–13)
Projekt E: Ist die Idee wichtiger als der Gegenstand?
- Quellenkritik: Vergleiche die historische Fotografie von 1917 mit einer autorisierten Fassung von 1964 und erläutere ihre unterschiedlichen Aussagewerte.
- Kunsttheorie: Formuliere eine begründete Position zur Frage, ob Auswahl und Kontext allein ein Kunstwerk begründen können.
- Autorschaft: Recherchiere die Debatte um Duchamp und Elsa von Freytag-Loringhoven. Trenne dokumentierte Aussagen von Hypothesen.
- Kuratorisches Konzept: Plane eine kleine Ausstellung, die Fountain mit zwei gewöhnlichen Gegenständen vergleicht. Erkläre, wie Raum, Titel und Publikum die Bedeutung beeinflussen.


Lernkontrolle
Hier geht es um Zusammenhänge, nicht nur um auswendig gelernte Fakten.
- Kontextwechsel: Erkläre an einem selbst gewählten Gegenstand, warum dieselbe Sache im Alltag und in einer Ausstellung unterschiedlich wahrgenommen werden kann.
- Bildanalyse: Vergleiche zwei Darstellungen von Fountain und begründe, welche Aussagen Du allein aus den Bildern ableiten kannst.
- Argumentation: Ein Mitschüler sagt „Das ist keine Kunst, weil Duchamp das Urinal nicht selbst hergestellt hat.“ Antworte mit zwei begründeten Argumenten.
- Original und Replik: Erkläre, warum das Verschwinden des Originals von 1917 die Bedeutung der autorisierten Fassung von 1964 nicht vollständig aufhebt, aber Fragen nach Echtheit und Originalität aufwirft.
- Quellenkritik: Erkläre den Unterschied zwischen einer gesicherten historischen Tatsache, einer plausiblen Interpretation und einer unbewiesenen Zuschreibung.
- Transfer: Entwickle Kriterien, mit denen Du ein heutiges Ready-made beurteilen würdest, ohne nur nach Schönheit oder Materialwert zu entscheiden.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du Folgendes zeigen können:
- Werkbeschreibung: Du beschreibst sichtbare Formen, Material, Signatur und Präsentation präzise.
- Werkgeschichte: Du unterscheidest die Einreichung von 1917, die verschollene Originalfassung und die autorisierten späteren Fassungen.
- Bildkompetenz: Du erkennst den Unterschied zwischen einem historischen Bildbeleg, einer späteren Fotografie und einer erklärenden Grafik.
- Kunstverständnis: Du erklärst Ready-made, Kontextwechsel und die Leitfrage in eigenen Worten.
- Argumentation: Du formulierst eine eigene Deutung und begründest sie mit Beobachtungen und historischen Informationen.
- Quellenkompetenz: Du kennzeichnest die Debatte über alternative Zuschreibungen als umstritten und bewertest die Zuverlässigkeit Deiner Belege.
Bewertungskriterien: Genauigkeit der Beschreibung, nachvollziehbare Begründungen, bewusster Umgang mit Quellen und altersangemessene Eigenständigkeit.
OERs zum Thema
Wikipedia: Fountain (Duchamp)
Vertiefende Quellen:
- SFMOMA – Fountain, 1917/1964: Museumsinformationen und Materialangaben.
- Smarthistory – Fountain: Werkbetrachtung mit englischem Video-Transkript.
- Philadelphia Museum of Art: Historischer Hintergrund zur Einreichung 1917.
- Cabinet: Übersicht über die unterschiedlichen Fassungen.
- Smarthistory – Dada readymades: Vertiefung zum Begriff Ready-made.
Mediennachweis und Urheberrechte
Medienprüfung: Bilder und Audiodateien stammen aus Wikimedia Commons. Die Videos werden über den YouTube-Player der jeweiligen Bildungs- beziehungsweise Museumsanbieter eingebunden; sie werden nicht kopiert oder neu hochgeladen. Die Verfügbarkeit der Einbettung hängt von den Einstellungen des Videoanbieters ab.
| Medium | Quelle und Urheber | Lizenz und Hinweis |
|---|---|---|
| Fotografie Fountain, 1917 | Wikimedia Commons; Alfred Stieglitz, 1917 | Commons kennzeichnet die Veröffentlichung als gemeinfrei in den USA. Die Rechte am fotografierten Kunstwerk und die Rechtslage außerhalb der USA müssen gesondert beurteilt werden. |
| Fountain in Tate Modern | Wikimedia Commons; Foto David Shankbone, 2004 | Fotografie: CC BY 2.5. Commons kennzeichnet die abgebildete Objektform als nicht urheberrechtsschutzfähig; daraus folgt keine allgemeine Freigabe sämtlicher Duchamp-Werke. |
| Rotationsgrafik | Wikimedia Commons; Coldcreation, 2018 | CC BY-SA 4.0. Schematische Interpretation, keine Originalaufnahme. |
| Gewöhnliches Urinal als Türstopper | Wikimedia Commons; An undesired fidelity, Aufnahme 2024 | CC BY-SA 4.0. Vergleichsobjekt, kein Duchamp-Original. |
| Rotierender Würfel | Wikimedia Commons; GergMelon, 2024 | CC BY 4.0. Allgemeine Animation der räumlichen Drehung. |
| Brunnengeräusch | Wikimedia Commons; Secretlondon, 2010 | CC BY-SA 3.0. Klangvergleich, keine Aufnahme des Kunstwerks. |
| The Richard Mutt Case | Wikimedia Commons; The Blind Man, 1917 | Commons: gemeinfreier Scan nach US-Recht. Die Rechte an einzelnen historischen Textbeiträgen können in anderen Ländern abweichen. |
| Smarthistory-Video | Smarthistory; Beth Harris und Steven Zucker | Offizieller Bildungskanal; Einbettung über YouTube. Gezeigt wird die SFMOMA-Fassung von 1964. |
| Tate-Video | Tate; Tate Media und Mike Figgis | Offizieller Museumskanal; Einbettung über YouTube. |
| Art or Prank? | The Art Assignment / PBS Digital Studios | Bildungsvideo; Einbettung über YouTube. |
Wichtige rechtliche Unterscheidung: Eine freie Fotolizenz bedeutet nicht automatisch, dass das abgebildete Kunstwerk gemeinfrei ist. Marcel Duchamp starb 1968; nach der allgemeinen deutschen Schutzfrist können Rechte an urheberrechtlich geschützten Werken bis Ende 2038 bestehen. Alfred Stieglitz starb bereits 1946, weshalb die Schutzdauer seiner eigenen Fotografie gesondert zu beurteilen ist. Für Veröffentlichungen und Nachnutzungen außerhalb des von Commons ausgewiesenen Rechtsraums ist eine eigene Rechteprüfung nötig.
Bildlegenden: Historische Aufnahme, autorisierte Replik, nachträgliche Grafik, Vergleichsobjekt und Ausschnitt dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Eine Vergrößerung oder ein Ausschnitt ist keine neue historische Originalquelle.
Verknüpfte Lernbereiche
Lernpaket: 100 Kunstwerke - Eine Reise durch die Kunst
Präsentation: Kunst-Welt – Zurück zu Werk 083
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