Erklärung
Einleitung
Zielgruppe: Deutsch, Klassen 5 bis 7. In diesem aiMOOC lernst du, was eine Erklärung ist, wie du sie aufbaust und wie du prüfst, ob andere dich verstehen. Du übst an Beispielen aus dem Alltag und aus den Naturwissenschaften. Eine Erklärung macht etwas verständlich: Sie beantwortet eine Frage, zeigt Zusammenhänge und gibt passende Gründe oder Beispiele.

Deine Leitfrage: Wie erkläre ich einen Vorgang oder Sachverhalt so, dass eine andere Person ihn versteht?
Was eine Erklärung leistet
Erklären heißt verständlich machen
Wenn du etwas erklärst, beschreibst du nicht nur, was passiert. Du zeigst auch, wie etwas abläuft oder warum es dazu kommt. Eine Erklärung richtet sich an jemanden: An eine jüngere Person erklärst du anders als an jemanden, der das Thema bereits kennt.
Vergleiche drei Sätze:
- Beobachtung: Die Pfütze ist kleiner geworden.
- Behauptung: Die Pfütze verschwindet immer sehr schnell.
- Erklärung: Ein Teil des Wassers verdunstet. Dabei geht flüssiges Wasser in die Luft als Wasserdampf über. Wärme und bewegte Luft können diesen Vorgang beschleunigen.
Die letzte Aussage nennt einen Zusammenhang. Sie beantwortet die Frage: Warum wird die Pfütze kleiner? Nicht jede Behauptung ist schon eine Erklärung. Eine gute Erklärung ist sachlich, überprüfbar und für die Zielgruppe verständlich.
Wichtige Arten von Erklärfragen
Was ist das? fragt nach einer Bedeutung oder Eigenschaft. Wie funktioniert das? fragt nach einem Ablauf. Warum geschieht das? fragt nach einer Ursache. Häufig brauchst du mehrere dieser Fragen. Beim Wasserkreislauf kannst du zuerst den Begriff nennen, dann den Ablauf zeigen und schließlich die Rolle der Sonnenwärme erklären.
Von der Leitfrage zum verständlichen Aufbau
Zuerst planen, dann schreiben
Beginne mit einer genauen Leitfrage, zum Beispiel: „Warum entsteht Regen?“ Sammle passende Informationen aus verlässlichen Quellen. Prüfe, welche Wörter du erklären musst und welche Schritte für die Antwort wirklich wichtig sind. Sortiere deine Informationen logisch.
Eine schriftliche Erklärung kann aus drei Teilen bestehen:
- Einleitung: Nenne das Thema und die Leitfrage. Knüpfe an etwas Bekanntes an.
- Hauptteil: Erkläre Begriffe, Abläufe und Ursachen in sinnvoller Reihenfolge. Verwende Beispiele.
- Schluss: Fasse die Antwort auf die Leitfrage in ein bis zwei Sätzen zusammen.
Merke: Bei einer Ursache-Wirkungs-Erklärung ist die logische Verbindung entscheidend. Bei einer Anleitung steht dagegen im Mittelpunkt, was jemand tun soll. Eine Vorgangsbeschreibung und eine Erklärung können sich überschneiden, haben aber nicht immer dasselbe Ziel.
Beispielfrage: Warum regnet es?
Im Hauptteil könntest du erklären: Die Sonne erwärmt Wasser an der Erdoberfläche. Ein Teil des Wassers verdunstet. In kühlerer Luft kann Wasserdampf zu winzigen Wassertröpfchen kondensieren. So entstehen Wolken. Wachsen Tröpfchen oder Eiskristalle ausreichend, fallen sie als Niederschlag. Wichtig sind die Ursachen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Schritten.

Arbeitsimpuls: Formuliere drei zusammenhängende Sätze zu diesem Bild. Benutze mindestens einmal „weil“ oder „deshalb“.
Genau, sachlich und passend formulieren
Wörter, die Zusammenhänge zeigen
Gute Erklärungen verwenden klare Sätze und genaue Verben. Häufig passt das Präsens, weil allgemeine Abläufe erklärt werden. Verbindungswörter helfen:
- Ursache: weil, da, denn
- Folge: deshalb, darum, sodass
- Reihenfolge: zuerst, anschließend, danach, schließlich
- Beispiel: zum Beispiel, etwa
Weniger verständlich: „Das Wasser geht hoch, dann passiert was mit Wolken.“
Verständlicher: „Die Sonne erwärmt das Wasser. Ein Teil verdunstet. Kühlt der Wasserdampf ab, kann er zu kleinen Tröpfchen kondensieren.“
Fachbegriffe erklären und Beispiele nutzen
Ein Fachbegriff ist hilfreich, wenn er genau ist. Er braucht aber oft eine kurze Erläuterung. „Kondensation“ bedeutet hier: Wasserdampf wird wieder zu flüssigem Wasser. Ein Vergleich oder eine Skizze kann das Verständnis erleichtern. Vermeide unpassende Vergleiche und zu viele neue Begriffe auf einmal.
Prüfe deine Wörter mit der Frage: Würde eine Person aus meiner Zielgruppe verstehen, was ich meine? Wenn nicht, erkläre den Begriff, ergänze ein Beispiel oder vereinfache den Satz, ohne den Inhalt zu verfälschen.
Erklärungen prüfen und verbessern
Eine Checkliste für deinen Text
Lies deine Erklärung noch einmal mit diesen Fragen:
- Ist die Leitfrage klar und wird sie beantwortet?
- Sind die Informationen richtig und die Quellen geeignet?
- Ist die Reihenfolge logisch?
- Werden wichtige Ursachen und Folgen deutlich?
- Sind Fachbegriffe und Beispiele verständlich?
- Gibt es eine kurze Zusammenfassung?
Hole Rückmeldung ein: Bitte eine andere Person, dir den Inhalt in eigenen Worten zu erklären. Wenn sie etwas missversteht, überarbeite die betreffende Stelle. Eine Erklärung ist gelungen, wenn nicht nur der Schreibende, sondern auch die Lesenden die Zusammenhänge nachvollziehen können.
Vom Bild zur Erklärung
Betrachte nun eine Animation mit Ton. Notiere, welche Informationen du aus den Bildern erhältst und welche zusätzlichen Informationen der gesprochene Text gibt. Halte danach eine eigene mündliche Erklärung in ungefähr 45 Sekunden. Nenne zuerst die Leitfrage, dann die wichtigsten Zusammenhänge und zum Schluss die Antwort.
Datei:Der natürliche Wasserkreislauf.webm
Medienkritik: Ein Film kann anschaulich sein und trotzdem etwas verkürzen. Vergleiche die Aussagen mit einer zweiten zuverlässigen Quelle. Frage dich auch, welche Informationen im Film fehlen.
Erklären mit Bild, Ton und Video
Bilder und Sprache sollen zusammenarbeiten
Eine Infografik, eine Zeichnung oder ein Erklärvideo kann schwierige Sachverhalte verdeutlichen. Ein Bild soll eine Information zeigen, die du im Text erklärst. Ein gesprochenes Beispiel kann die Bedeutung eines Fachbegriffs verständlicher machen. Zu viel Text auf einer Folie oder ablenkende Geräusche erschweren dagegen das Verstehen.
Wenn du ein eigenes Erklärvideo planst, schreibe zuerst eine Leitfrage und ein kurzes Skript. Plane dann Bilder, Ton und die Reihenfolge der Szenen. Ein Storyboard hält fest, was das Publikum in jeder Szene sieht und hört. Verwende fremde Bilder, Musik und Filmteile nur mit passenden Nutzungsrechten.
Beobachtungsauftrag: Achte beim Video von Andreas Kalt darauf, wie ein Lernvideo vorbereitet wird und welche Rolle verständliche Sprache und Visualisierung spielen.
Ein Beispiel analysieren
Das folgende kindgerechte Video zeigt eine Erklärung des Wasserkreislaufs. Beantworte beim Anschauen: Welche Leitfrage steht im Mittelpunkt? Welche Fachbegriffe werden erklärt? Welches Bild hilft dir besonders? Würdest du noch eine Information ergänzen?
Vergleichsaufgabe: Erkläre denselben Inhalt einmal in drei Sätzen für eine fünfte Klasse und einmal mit zwei zusätzlichen Fachbegriffen für eine ältere Lerngruppe. Achte in beiden Fassungen auf Richtigkeit.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste dein Wissen
Was ist das wichtigste Ziel einer Erklärung? (Einen Zusammenhang verständlich machen) (!Die Leser möglichst lange unterhalten) (!Eine Meinung ohne Gründe wiederholen) (!Nur einzelne Wörter aufzählen)
Wozu dient die Leitfrage? (Sie gibt der Erklärung eine klare Richtung) (!Sie ersetzt die gesamte Recherche) (!Sie muss erst nach dem Schluss erscheinen) (!Sie enthält immer schon alle Antworten)
Welche Frage sucht besonders nach einer Ursache? (Warum passiert das) (!Welche Farbe hat es) (!Wie heißt die Überschrift) (!Wer hat den Text abgeschrieben)
Was gehört normalerweise in den Hauptteil? (Geordnete Zusammenhänge und passende Beispiele) (!Nur der Name der schreibenden Person) (!Ausschließlich eine Begrüßung) (!Ein unverbundener Wortvorrat)
Welches Wort kündigt oft eine Folge an? (Deshalb) (!Gestern) (!Vielleicht) (!Außerdem)
Wie gehst du mit einem unbekannten Fachbegriff um? (Du erklärst ihn verständlich) (!Du lässt ihn ohne Zusammenhang stehen) (!Du verwendest möglichst viele weitere Fremdwörter) (!Du ersetzt jede Erklärung durch eine Abkürzung)
Welche Aussage erklärt eine kleiner werdende Pfütze? (Ein Teil des Wassers verdunstet durch die Umgebungsbedingungen) (!Die Pfütze ist heute kleiner) (!Ich finde die Pfütze schön) (!Pfützen kommen oft vor)
Woran erkennst du eine zuverlässigere Erklärung? (Sie nutzt überprüfbare Informationen und passende Quellen) (!Sie verzichtet immer auf Quellen) (!Sie verwendet besonders schwierige Wörter) (!Sie widerspricht absichtlich jeder Beobachtung)
Welche Aufgabe hat ein Bild in einer Erklärung? (Es veranschaulicht einen wichtigen Inhalt) (!Es muss den Text vollständig ersetzen) (!Es soll möglichst stark ablenken) (!Es darf nie zum Inhalt passen)
Warum ist eine Rückmeldung hilfreich? (Sie zeigt mögliche Verständnisprobleme) (!Sie macht jede Überarbeitung unnötig) (!Sie beweist automatisch die Richtigkeit aller Aussagen) (!Sie ersetzt die Leitfrage)
Memory-Spiel
Ordne die Begriffe den passenden Erklärungen zu.
| Leitfrage | Zentrale Frage, die der Text beantworten soll |
| Ursache | Grund dafür, dass etwas geschieht |
| Folge | Ergebnis eines vorhergehenden Vorgangs |
| Fachbegriff | Genaues Wort aus einem bestimmten Wissensgebiet |
| Beispiel | Konkreter Fall, der etwas anschaulich macht |
| Zielgruppe | Menschen, für die die Erklärung gedacht ist |
Drag and Drop
Ordne jeden Ausdruck seiner Funktion in einer Erklärung zu.
| Ausdruck | Funktion |
|---|---|
| weil | Einen Grund nennen |
| deshalb | Eine Folge ausdrücken |
| zuerst | Den Beginn einer Abfolge markieren |
| zum Beispiel | Etwas konkret verdeutlichen |
| abschließend | Eine Zusammenfassung einleiten |
Kreuzworträtsel
Finde die sechs Wörter rund um eine gute Erklärung.
| Leitfrage | Welche Frage steuert den Inhalt des Textes? |
| Ursache | Wie heißt der Grund für ein Geschehen? |
| Beispiel | Wie nennt man einen konkreten Fall zur Veranschaulichung? |
| Reihenfolge | Was muss bei einem Ablauf logisch geordnet sein? |
| Fachbegriff | Wie heißt ein genaues Wort aus einem Wissensgebiet? |
| Zielgruppe | Für welche Menschen passt du deine Sprache an? |
LearningApps
Hier findest du weitere Übungen zum Suchen und Ausprobieren. Prüfe bei fremden Lernangeboten, ob sie wirklich zu unserem Thema passen.
Lückentext
Ergänze die wichtigen Begriffe.
Offene Aufgaben
Leicht
- Leitfrage: Formuliere zu einem vertrauten Gegenstand drei Fragen mit was, wie und warum. Wähle die beste Leitfrage für eine kurze Erklärung.
- Wasserkreislauf: Erkläre mit dem Schaubild in drei bis fünf Sätzen, warum eine Pfütze bei warmem Wetter kleiner werden kann.
- Fachbegriff: Wähle zwei Begriffe aus diesem Kurs und erkläre sie einer Person ohne Vorwissen in einfachen Worten.
- Satzverknüpfung: Verbinde vier kurze Sätze mit weil, deshalb, danach oder zum Beispiel so, dass ein verständlicher Text entsteht.
Standard
- Sachtext: Schreibe eine Erklärung mit Einleitung, Hauptteil und Schluss zur Frage, warum morgens manchmal Tau auf Gras liegt. Nutze überprüfbare Quellen.
- Schaubild: Untersuche die beiden Grafiken aus diesem Kurs. Beschreibe, wie Pfeile, Symbole und Beschriftungen die Erklärung unterstützen.
- Interview: Bitte eine erwachsene Person, dir einen vertrauten Vorgang zu erklären. Notiere unklare Stellen und formuliere zwei hilfreiche Nachfragen.
- Schreibkonferenz: Tausche deine Erklärung mit einer anderen lernenden Person aus. Gib Rückmeldung zu Leitfrage, Aufbau, Verständlichkeit und Beispiel.
Schwer
- Quellenkritik: Vergleiche zwei Erklärungen desselben Phänomens aus verschiedenen Quellen. Prüfe Aussagen, Belege, Auslassungen und Verständlichkeit.
- Erklärvideo: Plane in einem Storyboard ein Erklärvideo mit höchstens fünf Szenen. Formuliere einen kurzen Sprechtext und prüfe alle Medienrechte.
- Adressatenorientierung: Schreibe zu einem Sachthema zwei Erklärungen für unterschiedliche Altersgruppen. Begründe deine Wortwahl und Beispiele.
- Medienkompetenz: Analysiere ein frei zugängliches Erklärvideo anhand einer selbst erstellten Checkliste zu Richtigkeit, Aufbau, Ton, Bildern und Quellen.


Lernkontrolle
- Erklären: Warum ist der Satz „Die Pfütze ist kleiner“ noch keine ausreichende Erklärung? Ergänze eine Ursache und einen Zusammenhang.
- Textaufbau: Ordne die Sätze einer ungeordneten Erklärung zu Einleitung, Hauptteil und Schluss und begründe die Reihenfolge.
- Satzverknüpfung: Überarbeite einen Text, der nur „und dann“ verwendet. Begründe, warum deine neuen Verknüpfungen genauer sind.
- Quellenkritik: Eine Internetseite behauptet ohne Beleg, Wolken bestünden nur aus unsichtbarem Wasserdampf. Wie prüfst und korrigierst du die Aussage?
- Zielgruppe: Erkläre „Kondensation“ einmal für eine jüngere Person und einmal für eine Fachklasse. Vergleiche beide Formulierungen.
- Medienanalyse: Beurteile, ob ein Schaubild und ein gesprochenes Video denselben Vorgang gleich verständlich erklären. Nenne Vor- und Nachteile.
Lernnachweis
Erstelle eine eigene sachlich richtige Erklärung zu einer Leitfrage aus dem Alltag oder einem Schulfach. Zeige, dass du die Informationen selbst geordnet und verstanden hast. Als Lernnachweis gibst du ab:
- Einen Erklärungstext mit Einleitung, Hauptteil und Schluss sowie mindestens einer nachvollziehbaren Ursache-Wirkungs-Verbindung.
- Eine passende Skizze oder ein eigenes, rechtmäßig nutzbares Medium mit Quellenangabe.
- Eine kurze Liste der verwendeten Quellen und einen Hinweis, wie du wichtige Aussagen geprüft hast.
- Eine überarbeitete Textfassung mit gut erkennbaren Verbesserungen.
- Drei Sätze darüber, welches Feedback dir geholfen hat und was du beim nächsten Erklären anders machst.
Kriterien: sachliche Richtigkeit, klare Leitfrage, logischer Aufbau, verständliche Fachsprache, passende Beispiele, transparente Quellen und bewusste Überarbeitung.
OER und Wikipedia
Wissen nachschlagen:
- Erklärung – Wikipedia: Unterschiede zwischen dem Verständlichmachen, dem Begründen und einer offiziellen Erklärung.
- Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Material zu Aufsatzformen und Schreibprozessen.
- ISB Bayern: Erklärvideo und Vorgangsbeschreibung als Lernprodukt.
- Bildungsserver Berlin-Brandenburg: Hinweise und Videoempfehlungen zu Erklärvideos.
Wikimedia-Commons-Medien und Rechte:
- Flowchart de.svg: genaue Commons-Dateiquelle, Urheber Erik Streb, CC BY-SA 3.0, unverändert eingebunden.
- Wasserkreislauf.png: genaue Commons-Dateiquelle, ursprünglicher Upload Joooo, CC BY-SA 3.0 beziehungsweise auf der Dateiseite genannte GFDL-Lizenz, unverändert eingebunden.
- Der natürliche Wasserkreislauf.webm: genaue Commons-Dateiquelle, 3sat/nano und Spiegel TV mit weiteren auf Commons genannten Mitwirkenden, CC BY 4.0, unverändert eingebundene Animation mit Ton und Untertiteln.
YouTube-Videos:
- Erklärvideos erstellen – Andreas Kalt: empfohlen vom Bildungsserver Berlin-Brandenburg, nur als Plattformvideo eingebettet, keine freie Weiterverwendung der Videodatei behauptet.
- Was ist der Wasserkreislauf? – Marko's Erklärvideos: ein Beispiel für kindgerechtes Erklären, nur eingebettet, keine freie Weiterverwendung der Videodatei behauptet.
Weiterführender Wikipedia-Artikel:
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
Schulfach+


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