Entwürfe von Bögen erstellen - Bogenmacher - LF 2
Einleitung
Du entwirfst einen Bogen für ein Streichinstrument, keinen Sportbogen. Im KMK-Lernfeld 2 des ersten Ausbildungsjahres (Zeitrichtwert: 60 Unterrichtsstunden) klärst du Kundenwünsche, vergleichst Muster und historische Bauweisen, planst Entwürfe, fertigst Modellskizzen und technische Zeichnungen auch mit CAD an, erstellst Stücklisten und bewertest technische, zeitliche und wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Du präsentierst dein Ergebnis, prüfst Kritik und verbesserst den Entwurf. Ein überprüfbares Lernprodukt ist ein Entwurfspaket – kein ohne Anleitung selbst gebauter Bogen.
Du arbeitest ausschließlich mit erfundenen Aufträgen und freigegebenen Vorlagen. Für einen realen Ausbildungsablauf gelten betrieblicher Ausbildungsplan, zuständige Handwerkskammer und jeweiliger Landeslehrplan. Dieser aiMOOC ist keine amtliche Anerkennung, Prüfung oder Prüfungszulassung.
Auftrag, Bauteile und historische Vorbilder analysieren
Kundenwünsche in Prüfkriterien übersetzen
Ein Wunsch wie „ein kontrollierbarer Geigenbogen für regelmäßige Ensembleproben“ ist noch kein bemaßter Auftrag. Erfrage Instrumententyp, Spielstil, Funktion, Handhabung, Gestaltungswunsch, Wartbarkeit, Materialherkunft, Zeitrahmen und Budget – bei Lernaufträgen ohne echte personenbezogene Daten. Trenne Wunsch, Annahme und prüfbares Kriterium. „Gut zu greifen“ kann etwa zur Forderung nach einer dokumentierten Griffzonen-Variante und einer späteren fachlich begleiteten Beurteilung an einem Vergleichsmodell werden. Komfort lässt sich nicht allein aus einer Zeichnung beweisen.
| Auftragsmerkmal | Entwurfsentscheidung | Nachweis |
|---|---|---|
| Moderne Geigenliteratur | Passende Modellfamilie recherchieren | Quellenvergleich von zwei Vorbildern |
| Kontrollierbares Griffgefühl | Griffzone und Balance als Zielkonflikt planen | Detailzeichnung und Erprobungskonzept |
| Gute Wartbarkeit | Austauschbare Bauteile berücksichtigen | Funktions- und Wartungsskizze |
| Nachvollziehbare Herkunft | Herkunftsunterlagen anfordern | Material- und Rechtscheck |
| Budgetgrenze | Mengen und Zeitaufwand kalkulieren | Stückliste und Rechenblatt |
Funktionen von Stange, Frosch, Kopf und Haaren
Die Bogenstange führt den Bogen und reagiert elastisch auf Belastung. Der Kopf nimmt den vorderen Haarbezug auf; die Kopfplatte schützt die Spitze. Der Frosch hält den Haarbezug am Griffende. Bei vielen modernen Streichbögen verändert eine Spanneinrichtung aus Schraube und Beinchen die Stellung des Frosches und damit die Haarspannung. Bewicklung und Daumenleder beeinflussen Griffgefühl, Schutz und die Gewichtsverteilung. Die mit geeignetem Kolophonium präparierten Rosshaare übertragen beim Streichen Bewegungsenergie auf die Saite. Historische Konstruktionen können sich im Detail unterscheiden.

Abbildung: Geigenbogenteile; die englischen Beschriftungen in dein deutsches Fachwortverzeichnis übertragen. Foto/Grafik Kbh3rd, Commons und Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Abbildung: Frosch und Anschluss eines Geigenbogens; Lage von Beschlägen und Griffzone untersuchen. Foto Pjt56, Commons und Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Stilmerkmale vergleichen und Vorlagen kritisch verwenden
Barocke Bogenformen und moderne Bogenformen können sich bei Kopf, Frosch, Krümmung, Länge und Handhabung unterscheiden; es gibt nicht eine einzige verbindliche Form für jede Epoche. François Xavier Tourte ist eine bedeutende historische Bezugsperson bei der Entwicklung des modernen Streichbogens. Wähle zwei konkret nachgewiesene Referenzobjekte und beschreibe mindestens drei sichtbare Unterschiede. Schließe nicht von der bloßen Silhouette auf den Klang oder die Qualität.

Abbildung: Kopf einer modernen Nachbildung eines historischen Bogentyps nach dem 18. Jahrhundert. Foto David Schou, Commons und Lizenz: CC BY-SA 4.0.

Abbildung: Französischer Violinbogen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Metropolitan Museum of Art. Commons, Metropolitan Museum of Art, CC0 1.0.
Häufiger Fehler: Formdetails aus einem Bild unverändert kopieren, ohne Epoche, Herkunft, Urheberrecht und mögliche Designrechte zu prüfen. Verbesserung: Quelle, Beobachtung, eigene Entscheidung und verbleibende Unsicherheit getrennt notieren.
Funktionsanforderungen, Ergonomie und Werkstoffe abwägen
Zusammenspiel der Konstruktionsmerkmale
Bogenlänge, Stangenprofil, Krümmungsverlauf, Gewichtsverteilung, Kopfgestalt, Haarführung und Froschform beeinflussen sich gegenseitig. Elastizität bezeichnet die reversible Verformung unter Belastung, Steifigkeit den Widerstand gegen diese Verformung. Ein besonders steifer oder schwerer Bogen ist keineswegs grundsätzlich besser. Du prüfst die Eignung immer in Bezug auf Instrument, Musikstil, Spielweise und Handhabung. Schwerpunkt und Form sind Entwurfsgrößen, aber kein Ersatz für eine fachliche Spielprüfung.
Die Ergonomie bezieht sich auf die menschliche Handhabung: Griffhaltung, Daumenauflage, Balance und Erreichbarkeit des Spannmechanismus. Nutze einen geeigneten, von der Fachkraft freigegebenen Referenzbogen und beschreibe, was du wahrnehmen und dokumentieren kannst. Übertrage keine Maße eines Geigenbogens auf einen Cello- oder Kontrabassbogen, ohne konstruktive und spieltechnische Unterschiede zu prüfen.

Abbildung: Kopf und Kopfplatte im Detail; ein Beispiel für die Betrachtung von Kontur, Schutzschicht und Übergängen. Foto Pjt56, Commons und Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Werkstoffe technisch, wirtschaftlich und ökologisch bewerten
Die Bauweise kann unter anderem Holzarten wie Fernambuk/Pernambuk (Paubrasilia echinata), andere geeignete Hölzer und bei bestimmten Konzepten Faserverbundwerkstoffe berücksichtigen. Hinzu kommen Froschmaterial, Metallbeschläge, Griffmaterial und Haare. Vergleiche Festigkeit, Elastizität, Masse, Bearbeitbarkeit, Reparaturmöglichkeiten, Preis, Ressourcenverbrauch und rechtmäßig belegbare Herkunft. Materialeigenschaften sind immer werkstoff- und geometrieabhängig; Materialalternativen sind nicht automatisch gleichwertig.
Aktueller Artenschutzbezug: Laut Bundesamt für Naturschutz trat die Änderung der CITES-Annotation zu Fernambuk völkerrechtlich am 5. März 2026 in Kraft; die auf der amtlichen Informationsseite beschriebene EU-Umsetzung ist vor einer konkreten Entscheidung erneut zu überprüfen. Gewerbliche Rückverfolgbarkeit und der Nachweis des legalen Erwerbs sind für Rohstoff und fertigen Bogen relevant. Historisch verwendete geschützte Tiermaterialien dürfen nicht einfach neu eingeplant werden. Dies ist keine pauschale Material- oder Ausfuhrgenehmigung. BfN: Fernambuk und BfN: Musikinstrumente.
| Prüfkriterium | Leitfrage | Entwurfsnachweis |
|---|---|---|
| Funktion | Welches Spielziel wird unterstützt? | begründete Variantenentscheidung |
| Ergonomie | Wo befinden sich Griff- und Bedienelemente? | gekennzeichnete Detailansicht |
| Herstellbarkeit | Passen Konzept und Verfahren zur Werkstatt? | Rücksprache mit Ausbildenden |
| Nachhaltigkeit | Sind Herkunft und Alternativen geklärt? | Werkstoffvergleich mit Risiken |
| Kosten | Welche Mengen und Zeiten werden angenommen? | Stückliste und Rechenblatt |
Fachmedien als Anschauung, nicht als Herstellungsfreigabe
Video 1: Berufsporträt „Bogenmacherin Maren Wieding“ von Franken Fernsehen, verlinkt in der Filmdatenbank der Aktion Modernes Handwerk. Notiere, welche Kunden- und Werkstattperspektiven vorkommen.
Video 2: „Aufbau und Haltung des Geigenbogens“ mit Max Eisinger bei Eureka Instruments, demonstriert mit einem Carbonbogen. Vergleiche seinen Aufbau mit deinen Materialvarianten.
Prüfhinweis: Die Herausgeberseiten und Links der beiden deutschsprachigen Videos wurden überprüft; die vollständige Sichtung und die direkte Abspielbarkeit der YouTube-Player waren beim Abruf nicht unabhängig überprüfbar. Deshalb gelten diese externen Medien nicht als freigegebene OER. Als weitere geprüfte redaktionelle Quelle steht der deutschsprachige WDR-Beitrag „Geigenbögen“ mit Untertiteln und Gebärdensprache zur Verfügung.
Modellskizzen, technische Zeichnungen und CAD erstellen
Eine Entwurfsidee in drei Darstellungsformen
Die Modellskizze dient zur Formfindung. Mit einfachen Linien, Maßhinweisen und Erläuterungen stellst du mehrere Lösungsvarianten dar. Die technische Zeichnung vermittelt prüfbare Maße, Ansichten, Materialhinweise und Bezüge. Das CAD-Modell beschreibt geometrische Zusammenhänge digital und erleichtert Überarbeitung und Variantenvergleich. Eine glänzende Bildschirmdarstellung ist kein Ersatz für funktionale Angaben.
Für den didaktischen Geigenbogen-Entwurf sind eine Seitenansicht zur Gesamtkontur, eine Draufsicht zur Breite und eine Kopf- bzw. Froschdetailansicht sinnvoll. Definiere eindeutige Bezugslinien, Messpunkte, Nennmaße, Maßeinheiten und notwendige Zeichnungsstände. Unterscheide Nennmaß, Messwert und vereinbarte Prüfabweichung. Zeichne keine angeblich allgemein geltenden Fertigungstoleranzen ab, die der Betrieb nicht bestätigt hat.
Normen für den fachlichen Abgleich: DIN Media kennzeichnet die DIN EN ISO 128-1:2022-02 zu Darstellungsgrundlagen und die DIN EN ISO 129-1:2022-02 zu Maß- und Toleranzangaben als aktuelle Regelwerke. Maßgeblich bleibt die im Betrieb vereinbarte, tatsächlich gültige Ausgabe. Hier wird kein geschützter Normtext wiedergegeben. DIN Media 128-1, DIN Media 129-1.
Maßstab rechnen und Ausdruck kontrollieren
Bei 1:2 ist die gezeichnete Länge halb so groß wie der Gegenstand. Beispiel: Für eine fiktive Modelllänge von 742 mm gilt 742 mm ÷ 2 = 371 mm auf dem Papier. Bei 2:1 wird eine reale 14-mm-Detailkontur mit 14 mm × 2 = 28 mm dargestellt. Die Beschriftung von Hauptansicht und Detail muss den jeweiligen Maßstab nennen.
Achtung CAD: Konstruiere das digitale Modell in realen Einheiten, also bei unserem Beispiel mit 742 mm. Nur die Ausgabe auf Papier wird mit 1:2 skaliert. Wird die Druckfunktion „An Seite anpassen“ unbemerkt eingeschaltet, kann eine korrekt angelegte Datei dennoch einen falschen Ausdruck ergeben. Eine auf Papier abgelesene Länge von 370 mm bei 1:2 entspricht 740 mm Modelllänge und weicht damit um 2 mm vom angenommenen Sollwert ab. Das ist keine allgemein gültige Fertigungstoleranz.
Prüfaufgabe vor Abgabe: Drucke einen 40-mm-Teststrich bei Maßstab 1:2; auf Papier muss er 20 mm lang sein. Kontrolliere erst danach die große Bogenansicht. Markiere Messmittel, Messwert, Maßstabsangabe und Prüfergebnis.
Digitale Dokumentation und typische Fehler
Trenne Arbeitsdateien, freigegebene Referenzbilder, Rechenblatt, Druck-PDF und Prüfprotokoll. Versioniere etwa Entwurf_A_v01 und Entwurf_B_v02 mit Datum und Änderungsgrund. Sichere CAD-Dateien gemäß dem betrieblichen Verfahren, entferne unnötige persönliche Metadaten und teile keine vertraulichen Kunden- oder Betriebsdaten. Häufige Fehler sind fehlende Einheiten, widersprüchliche Ansichten, ungeprüfte Maßketten, unzulässige Vorlagenkopien und unkontrollierte Druckskalierung. Lass zuerst die Zeichnung nachvollziehbar werden und danach die Eignung fachlich prüfen.
Arbeitsplan, Stückliste, Sicherheit und Recht
Die Planung vor der Fertigung
Plane die Tätigkeit als Folge aus Auftrag klären – Quellen prüfen – Varianten skizzieren – Maße festlegen – CAD und Stückliste erstellen – prüfen – präsentieren – verbessern. Ergänze notwendige Hilfsmittel, Zeitbedarf, Zuständigkeiten und Qualitätskriterien. Im Lernfeld 2 geht es um den Entwurf. Nicht Bestandteil einer unbeaufsichtigten Selbstlernübung sind Fräsen, Bohren, erhitztes Biegen, Umgang mit gefährlichen Stoffen oder Probeläufe an Maschinen.
Sicherheitsprinzip: Praktische Arbeiten mit scharfen Werkzeugen, Maschinen, Holzstaub oder chemischen Mitteln erfolgen ausschließlich nach betrieblicher Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und unter der erforderlichen befugten Aufsicht. Beachte Herstellerangaben, Arbeitsschutz- und Entsorgungsregeln sowie Schutzmaßnahmen gegen Holzstaub. Die DGUV Information 209-205 „Absaugen von Holzstaub und -spänen“ (Ausgabe 2025-11) ist eine geprüfte Fachquelle. Als sichere Alternative dienen Kartonkonturen, digitale Modelle oder freigegebene Demonstrationsobjekte. DGUV-Publikation.
Stückliste und wirtschaftliche Prüfung
In der Stückliste erfassst du Benennung, Anzahl, Einheit, Werkstoffannahme, Herkunft und fiktiven Einzelansatz. Multipliziere Anzahl und Einzelansatz und addiere anschließend die Positionen. Die Entwurfsarbeitszeit wird getrennt aus Stunden und internem Stundensatz kalkuliert. Eine Unterrichtskalkulation ist ohne zusätzliche Angaben zu Herstellungszeit, Gemeinkosten, Risiko und Steuerrecht kein Verkaufspreis.
| Arbeitsergebnis | Mindestinhalt | Prüfmethode |
|---|---|---|
| Auftragsblatt | Kundenwunsch, Annahmen, Kriterien | Zweitprüfung auf Eindeutigkeit |
| Variantenblatt | zwei eigenständige Formideen | Vor- und Nachteile vergleichen |
| Zeichnung | Ansichten, Einheiten und Maße | Maßkontrolle |
| Stückliste | Position, Menge und Kosten | Summen nachrechnen |
| Prüfprotokoll | Abweichungen, Revision und offene Freigaben | Fachgespräch |
Musterschutz, Designrecht und Urheberrecht
Ein fotografiertes Objekt darf als historische Quelle diskutiert werden; daraus folgt nicht automatisch das Recht zur gewerblichen Übernahme seiner aktuellen geschützten Gestaltung oder eines fremden Bauplans. Nach dem DPMA sind Neuheit und Eigenart Voraussetzungen für eingetragenen Designschutz. Sie werden bei der Eintragung nicht vollständig materiell geprüft. Vor kommerzieller Nutzung sind gegebenenfalls Designregister, Bildlizenzen, Urheberrechte und weitere Rechte zu kontrollieren; Rechtsfragen werden im Betrieb fachkundig geklärt. Der Begriff Musterschutz wird mit dem heutigen Designrecht verbunden. DPMA – Schutzvoraussetzungen.
Praxisfall: Ein vollständiges Entwurfspaket entwickeln
Fiktiver Auftrag: Für eine erfundene Musikschule soll ein Entwurf für einen modernen Geigenbogen entstehen, der in Ensembleproben gut handhabbar, reparierbar und in der Materialherkunft nachvollziehbar ist. Die Gesamtlänge von 742 mm ist eine frei gewählte didaktische Modellannahme, kein amtliches Standardmaß. Es wird nichts hergestellt oder bestellt; die Ausbildenden müssten alle tatsächlichen Spezifikationen fachlich prüfen.
Fünfstufiger Arbeitsplan
| Schritt | Zeit | Produkt | Prüfkriterium |
|---|---|---|---|
| A: Auftrag und Ziele klären | 0,75 h | Auftragsmatrix | Spielziel, Werkstoff- und Kostenfragen benannt |
| B: Vorbilder und Varianten | 1,25 h | zwei Skizzen | Quelle und Unterschiede nachvollziehbar |
| C: Zeichnung und CAD | 1,50 h | Datei und PDF | Bemaßung, Maßstab, Version vorhanden |
| D: Stückliste und Kosten | 0,50 h | Rechenblatt | Ansatz und Summe richtig |
| E: Prüfung und Präsentation | 0,75 h | Prüfbogen mit Revision | Feedback dokumentiert |
| Summe | 4,75 h | Entwurfspaket | fünf Nachweise vorhanden |
Maßrechnung: 742 mm Modelllänge bei 1:2 ergeben 371 mm auf Papier. Für ein 14-mm-Detail bei 2:1 ergeben sich 28 mm auf Papier. Das CAD-Nennmaß bleibt 742 mm beziehungsweise 14 mm. Eine digitale Modelländerung darf nicht mit einer bloßen Druckskalierung verwechselt werden.
Durchgerechnete Übungsstückliste
Diese Materialbezeichnungen und frei erfundenen Kostenansätze dienen der Rechenübung, nicht der aktuellen Beschaffung oder Werkstofffreigabe. Materialalternativen brauchen rechtliche und fachliche Prüfung.
| Bauteil | Menge | Ansatz je Einheit | Betrag |
|---|---|---|---|
| Stangenrohling mit zu klärender Herkunft | 1 Stück | 43,00 € | 43,00 € |
| Frosch-Baugruppe | 1 Stück | 26,00 € | 26,00 € |
| Spannmechanik | 1 Satz | 7,00 € | 7,00 € |
| Kopfplattenmaterial, rechtlich geprüft | 1 Stück | 5,00 € | 5,00 € |
| Bewicklung | 1 Satz | 4,00 € | 4,00 € |
| Haarmaterial | 1 Bündel | 9,00 € | 9,00 € |
| Daumenleder | 1 Stück | 6,00 € | 6,00 € |
| Materialsumme | 100,00 € |
Rechnung: 43 + 26 + 7 + 5 + 4 + 9 + 6 = 100 €. Eine hier willkürlich angenommene Reserve von 8 % ergibt 100 € × 0,08 = 8 €. Der angenommene interne Entwurfsstundensatz beträgt 38 €/h: 4,75 h × 38 €/h = 180,50 €. Somit ergibt sich 100 € + 8 € + 180,50 € = 288,50 € als didaktischer interner Gesamtplanwert vor tatsächlicher Herstellung. Nicht eingerechnet sind etwa reale Produktionszeit, Gemeinkosten, Abgaben oder ein Verkaufspreis.
Variantenentscheidung: Variante A nutzt einen stark historisierenden Kopf, dessen Werkstattumsetzung noch ungeklärt ist. Variante B besitzt eine einfacher zu dokumentierende moderne Kopfkontur aus einer eigenen freigegebenen Skizze. Du bevorzugst vorläufig B wegen der aktuell besseren Planbarkeit und notierst ausdrücklich, dass Spielverhalten und Materialwahl noch fachlich geprüft werden müssen.
Messprüfung und Bewertungsraster
Beim Ausdruck in 1:2 werden versehentlich 370 statt 371 mm gemessen. Tatsächlich entspricht das 740 statt 742 mm Modelllänge: 2 mm Modellabweichung. Nur für die didaktische Papierkontrolle ist ±0,5 mm auf dem Blatt vereinbart. Zulässig wären 370,5 bis 371,5 mm; die Messung von 370 mm fällt durch. Untersuche CAD-Einheiten, Druckmaßstab und Papierausgabe; drucke erneut und dokumentiere Messwert und Revision. Diese Grenze ist keine allgemeine Fertigungstoleranz.
| Bewertungsaspekt | Punkte maximal | Nachweis |
|---|---|---|
| Kundenanforderungen und Prüfkriterien | 15 | Auftragsmatrix |
| Historische und musikalische Vorbilder | 10 | Quellen- und Variantenblatt |
| Ergonomie und Funktion | 15 | begründete Merkmale |
| Skizze, Zeichnung und CAD-Konsistenz | 20 | bemaßter, geprüfter Ausdruck |
| Stückliste und Berechnung | 15 | kontrolliertes Rechenblatt |
| Machbarkeit, Artenschutz, Nachhaltigkeit | 10 | Risikoliste mit Freigabevorbehalten |
| Sicherheit und Datenschutz | 5 | dokumentierte Schutzmaßnahmen |
| Revision und Präsentation | 10 | Feedback- und Änderungsprotokoll |
| Gesamt | 100 | nachprüfbares Paket |
Beispiel einer lernförderlichen Rückmeldung: „Deine Materialbeträge stimmen; es fehlt noch die Herkunftsklärung. Der Ausdruck unterschreitet den vereinbarten Kontrollbereich; prüfe die Skalierung und lege die korrigierte Version daneben.“ Solche Rückmeldungen verbinden Beobachtung, Auswirkung und nächsten Arbeitsschritt.
Entwurfsqualität und verantwortliche Präsentation sichern
Prüfen, reflektieren und verbessern
Vergleiche Anforderungen und Entwurf systematisch. Ist jede funktional wichtige Größe erkennbar? Stimmen alle Maßstäbe? Sind Quellen eindeutig, Kostenannahmen offen und offene Freigaben markiert? Lass zwei Lernende anhand des Bewertungsrasters konstruktives Feedback geben und protokolliere mindestens eine nachvollziehbare Revision. Präsentiere in drei Minuten Problem, Variante, Entscheidung, Kalkulation und Unsicherheiten. Eine attraktive CAD-Ansicht allein beweist weder gutes Spielverhalten noch eine sichere reale Fertigung.
Ressourcen, Daten und Arbeitsschutz dauerhaft mitdenken
Verwende Kartonschablonen wieder, drucke nur notwendige Ausgaben und nutze digitale Varianten, um unnötigen Materialverbrauch zu vermeiden. Prüfe aber auch die Grenzen digitaler Simulationen. Führe Versionskontrolle und Backups nach betrieblichen Regeln. Veröffentliche niemals vertrauliche Betriebszeichnungen, identifizierende Kundendaten oder sensible Lernstände. Für staubende, schneidende oder erhitzende Fertigungsschritte gilt immer die jeweilige betriebliche Unterweisung und erforderliche befugte Aufsicht.
Lernerfolg: Du kannst einen fiktiven Auftrag eigenständig bis zu einer schlüssigen, technisch prüfbaren, dokumentierten und verbesserten Entwurfsentscheidung führen – ohne eine Fertigungsfreigabe vorzutäuschen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Fachwissen anwenden
Wähle die fachlich angemessene Antwort. Für eine Begründung nutze die Fachkapitel und deine Skizzen; eine offene Quizlösungsliste folgt nicht.
Was ist ein überprüfbares Ergebnis der Auftragsanalyse? (Eine Matrix mit Kundenwünschen und dazugehörigen Prüfkriterien) (!Eine Skizze ohne Angaben zu Instrument und Stil) (!Ein unverbindlicher Preis ohne Stückliste) (!Ein aus einem fremden Foto kopierter Bogen)
Welches Teil wird bei vielen modernen Streichbögen durch die Spanneinrichtung verschoben? (Der Frosch) (!Die Kopfplatte) (!Der Steg des Instruments) (!Der Saitenhalter)
Welche Aussage über historische Bogenformen trifft zu? (Sie werden anhand konkreter Quellen und musikalischer Aufgaben verglichen) (!Alle Barockbögen haben identische Proportionen) (!Jede historische Form erfüllt automatisch heutige Spielanforderungen) (!Historische Bilder ersetzen die Quellenprüfung)
Wie lang wird die Zeichnung für ein Objekt von 742 Millimetern bei Maßstab 1 zu 2? (371 Millimeter) (!1484 Millimeter) (!742 Millimeter) (!185,5 Millimeter)
Welche Information gehört zu einer technischen Zeichnung? (Eindeutige Maße mit Einheiten und Bezug) (!Nur dekorative Schatten) (!Nur eine Hintergrundfarbe) (!Nur ein hübscher Dateiname)
Warum wird die Werkstoffwahl begründet? (Weil Funktion, Herkunft, Zulässigkeit und Aufwand zusammenwirken) (!Weil alle Hölzer die gleichen Eigenschaften haben) (!Weil ein niedriger Preis jede Herkunftsprüfung ersetzt) (!Weil eine CAD-Farbe die Materialeigenschaft festlegt)
Wie groß ist eine Reserve von acht Prozent bei hundert Euro Materialwert? (Acht Euro) (!Achtzig Euro) (!Achtzig Cent) (!Achtzehn Euro)
Wie lässt sich die Spielbarkeit eines fertigen Bogens fachlich beurteilen? (Durch eine geeignete beaufsichtigte praktische Prüfung) (!Allein durch eine fotorealistische CAD-Ansicht) (!Allein durch den Materialpreis) (!Allein durch eine hohe Auflösung der Fotos)
Was ist vor einer gewerblichen Übernahme einer Gestaltung erforderlich? (Eine Prüfung möglicher Designrechte und Nutzungsrechte) (!Die Annahme, dass jedes sichtbare Internetbild frei kopierbar ist) (!Das Entfernen fremder Urheberangaben) (!Das Vertrauen darauf, dass jede Registrierung Neuheit beweist)
Welche Entwurfsübung kommt ohne gefährliche Werkstattarbeit aus? (Der Vergleich sicherer Kartonkonturen oder CAD-Modelle) (!Das Erhitzen einer unbekannten Bogenstange ohne Einweisung) (!Das Fräsen eines Frosches ohne Aufsicht) (!Das Abblasen von Holzstaub mit Druckluft)
Memory: Fachbegriff und Bedeutung
Verbinde sechs unterschiedliche Begriffe mit ihrer Funktion.
| Auftragsmatrix | Kundenwunsch mit Prüfkriterium verknüpfen |
| Bogenfrosch | Griffnahes Bauteil zum Halten und Spannen des Haarbezugs |
| Bezugslinie | Ausgangslinie für eindeutige Maße |
| Stückliste | Liste geplanter Bauteile und Mengen |
| CAD | Rechnergestütztes Zeichnen und Konstruieren |
| Revision | Dokumentierte Überarbeitung eines Entwurfsstandes |
Drag and Drop: Dokumente zuordnen
Ordne die passenden Begriffe ihren Beschreibungen zu.
| Begriff | Zugehöriges Ergebnis |
|---|---|
| Variantenblatt | Mehrere Formideen werden gegenübergestellt |
| Prüfprotokoll | Messungen, Abweichungen und Rückmeldungen werden festgehalten |
| Detailansicht | Ein kleiner Funktionsbereich wird vergrößert gezeichnet |
| Herkunftsnachweis | Legaler Erwerb eines Werkstoffs wird belegbar gemacht |
| Arbeitsplan | Schritte, Zeitansätze und Prüfpunkte werden festgelegt |
Kreuzworträtsel: Fachvokabular
Trage die sechs einwortigen Fachbegriffe ein.
| Frosch | Welches griffnahe Teil hält den Haarbezug am hinteren Bogenende? |
| Stange | Welches längliche Hauptteil bestimmt die Form und Biegsamkeit? |
| Kopfplatte | Welches Teil schützt die äußerste Bogenspitze? |
| Maßstab | Wie heißt das Größenverhältnis von Zeichnung und Modell? |
| Stückliste | Wie heißt das Verzeichnis geplanter Teile und Mengen? |
| Ergonomie | Welcher Begriff beschreibt menschengerechte Handhabung? |
LearningApps
Suche nach passenden Aufgaben zu Bogenentwürfen und prüfe fremde Angebote fachlich vor der Nutzung.
Lückentext: Entwurfsprozess verstehen
Offene Aufgaben
Leicht
- Kundenanforderungen: Formuliere für einen frei erfundenen Geigenbogenauftrag fünf Bedürfnisse und jeweils ein überprüfbares Kriterium; begründe eine noch offene Frage.
- Bogenbauteile: Zeichne eine beschriftete Bogenumrissskizze mit sieben Bauteilen und erläutere ihre Funktion in eigenen Worten.
- Musikgeschichte: Vergleiche zwei belegte Bilder älterer und jüngerer Bogenformen hinsichtlich dreier sichtbarer Merkmale; nenne die jeweilige Bildquelle.
- Maßstab: Berechne 720 mm bei 1:2 sowie ein 18-mm-Detail bei 2:1 und kontrolliere deine Zeichnungsmaße am Papier.
Standard
- Ergonomie: Entwirf eine Checkliste für Griffzone, Balance und Bedienelemente; erkläre, was erst durch angeleitete Spielprüfung beurteilt werden kann.
- Technische Zeichnung: Fertige eine Seitenansicht mit bemaßtem Kopfdetail, Bezugslinie, Einheit, Version und korrekt gekennzeichneten Maßstäben an.
- Stückliste: Übertrage die sieben fiktiven Posten des Praxisfalls in eine eigene Tabelle, verändere einen Ansatz und prüfe die neue Gesamtsumme.
- Designrecht: Untersuche eine öffentlich zugängliche historische Vorlage hinsichtlich Bildlizenz und möglicher Gestaltungsrechte; dokumentiere die sichere schulische Nutzung.
Schwer
- CAD: Erstelle zwei digitale Bogenkonturen für denselben fiktiven Auftrag und entscheide dich mithilfe einer transparenten Kriterienmatrix.
- Nachhaltigkeit: Vergleiche zwei Materialkonzepte anhand von Spielzweck, ökologischen Kriterien, Herkunftsnachweisen, Kosten und offenen Rechtsfragen.
- Qualitätssicherung: Definiere fünf prüfbare Abnahmekriterien, organisiere ein Peer-Feedback und dokumentiere mindestens zwei begründete Revisionen.
- Präsentation: Erstelle einen dreiminütigen Vortrag oder ein kurzes eigenes Erklärvideo zu deinem Entwurf, der Rechnung, den Risiken und den nächsten fachlichen Prüfungen – ohne reale Kundendaten.


Lernkontrolle
- Auftragsanalyse: Entscheide bei einem unvollständigen fiktiven Briefing, welche Rückfrage vorrangig ist, und begründe die fachliche Folge.
- Streichinstrument: Erläutere anhand dokumentierter Bauformen, warum die gleiche äußere Silhouette nicht automatisch identische Spielbarkeit bedeutet.
- Technische Zeichnung: Berechne die Modellabweichung, wenn ein Druck bei 1:2 nur 370 statt 371 mm misst, und beschreibe die Korrekturkontrolle.
- Kostenrechnung: Erkläre, wie sich 4,75 Stunden bei 38 Euro je Stunde berechnen, und grenze die interne Entwurfsplanung vom Verkaufspreis ab.
- Artenschutz: Begründe, warum eine rechnerisch günstige Stangenmaterialwahl ohne geklärte Herkunft nicht freigegeben werden darf.
- Projektplanung: Entwickle bei einem Konflikt zwischen historischem Vorbild, Ergonomie und Arbeitsaufwand zwei Varianten und begründe die Wahl anhand nachprüfbarer Kriterien.
Lernnachweis
Konkretes Abschlussprodukt: ein vollständiges, anonymes Entwurfspaket zu einem erfundenen Auftrag. Es enthält: (1) Auftrag und fünf Prüfkriterien, (2) zwei quellenkritisch kommentierte Varianten, (3) Modellskizze und technische Zeichnung mit Maßstab, Einheit, Bezug und Detail, (4) eine CAD-Datei oder betreute digitale Simulation und ein PDF, (5) eine mindestens siebenteilige Stückliste mit nachvollziehbarer Rechnung, (6) eine Übersicht von Materialherkunft, Rechten, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Datenschutz, (7) einen Arbeitsplan mit Zeiten, (8) eine dokumentierte Maßprüfung und begründete Revision, (9) eine verständliche Kurzpräsentation.
Bewertung: das 100-Punkte-Raster des Praxisfalls verwenden; fehlende Kriterien mit konkreten nächsten Verbesserungsschritten kommentieren. Die fachliche Beurteilung richtet sich nach Ausbildungsbetrieb, zuständiger Kammer und Landeslehrplan; der Kurs führt weder zur amtlichen Anerkennung noch zur Prüfungszulassung.
OER und Wikipedia
Geprüfte Quellen für fachliche und rechtliche Aussagen:
- KMK-Rahmenlehrplan Bogenmacher, Lernfeld 2, PDF-Seite 9 – Beschluss 26.03.2015; sinngemäße Kompetenzaufbereitung, kein übernommener Volltext.
- BIBB-Berufsprofil und aktuelle Zuordnung der Ausbildungsordnung.
- Bogenmacherausbildungsverordnung, Rechtszugang.
- BfN: Fernambuk und CITES und BfN: geschützte Materialien.
- DPMA: Designrecht.
- DGUV Information 209-205, Ausgabe 2025-11.
- DIN EN ISO 128-1:2022-02 und DIN EN ISO 129-1:2022-02, bibliografisch geprüft; die Normtexte selbst sind hier nicht abgedruckt.
Wikipedia als ergänzende OER-Orientierung: Bogen (Streichinstrument). Aussagen sind mit Primärquellen und tatsächlichem Werkstattwissen abzugleichen.
Verwendete Commons-Bilder, Urheber und Lizenznachweise:
| Genaue Datei | Quelle | Urheber / Institution | Lizenz und Rechte |
|---|---|---|---|
| File:Violin bow parts.jpg | Commons | Kbh3rd | CC BY-SA 3.0 |
| File:ViolinBowFrog-pjt.jpg | Commons | Pjt56 | CC BY-SA 4.0 |
| File:Baroque bow XVIII century made by Jean-Luc Tauziède, 2014 - Head.jpg | Commons | David Schou | CC BY-SA 4.0 |
| File:Violin Bow MET 256002.jpg | Commons | Metropolitan Museum of Art | CC0 1.0 |
| File:ViolinBowTip-pjt.jpg | Commons | Pjt56 | CC BY-SA 4.0 |
Bei Bearbeitungen, Weiterverwendung und Nachdrucken die jeweilige Lizenz prüfen und nötige Änderungen kennzeichnen. Andere Quellen und eingebettete Videos sind nicht automatisch OER.
Externe Fachvideos und geprüfte Quellzuordnung:
- Berufsporträt Bogenmacherin Maren Wieding, Quelle Franken Fernsehen; verlinkende Seite der Aktion Modernes Handwerk; externe Einbettung ohne verifizierte OER-Lizenz.
- Aufbau und Haltung des Geigenbogens, Max Eisinger; Herausgeberseite Eureka Instruments; externe Einbettung ohne verifizierte OER-Lizenz.
- WDR-Sachfilm Geigenbögen, deutsch mit UT und DGS; keine OER-Freigabe unterstellt.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC Projekte
Schulfach+


aiMOOCs


aiMOOC Projekte


MOOCwiki · Deutsch
Nach dem Lernen ist vor dem Lernen
Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.
Zur MOOCwiki-HauptseiteMediathek
Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...
Keine passenden Inhalte gefunden. Bitte ändere Suche oder Filter.
NEWSLernweltNOAH fragenInhalt melden · Hinweise zu Fehlern, Quellen, Medienrechten oder Dubletten