DFB-Pokal 1972–1973
Einleitung
Mediathek-Vorschaubild: Die Grafik zeigt die dokumentierten Startaufstellungen des Endspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Sie wurde 2016 erstellt und rekonstruiert die personelle Ordnung des Finales. Beobachtungsauftrag: Ordne Torhüter, Abwehr, Mittelfeld und Angriff beider Mannschaften zu. Welche Räume könnten die Spielmacher Günter Netzer und Wolfgang Overath nach ihren Einwechslungen beziehungsweise Positionswechseln beeinflussen?
Der DFB-Pokal 1972–1973, häufig als Saison 1972/73 geschrieben, war die westdeutsche Pokalausgabe, deren Spiele vom 9. Dezember 1972 bis zum 23. Juni 1973 stattfanden. Der Gedankenstrich im Kurstitel bezeichnet den Zeitraum über zwei Kalenderjahre; die Schrägstrich-Schreibweise ist im Fußball üblich. Sieger wurde Borussia Mönchengladbach durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen den 1. FC Köln im Düsseldorfer Rheinstadion.
Dieser aiMOOC bietet drei Zugänge: Beim Einstieg lernst Du Wettbewerb, Modus und Zeitleiste kennen. Im Bereich Standard untersuchst Du Schlüsselspiele und prägende Personen. In der anspruchsvollen Analyse vergleichst Du Spielideen, Quellen und taktische Deutungen. Ergebnisse und Zahlen wurden mit dem DFB-Datencenter sowie einer zweiten Ergebnisquelle, der RSSSF-Pokalchronik, abgeglichen.
Wettbewerb, Name und historische Einordnung
Offizieller Name und frühere Bezeichnung
Der Wettbewerb wird heute allgemein DFB-Pokal genannt. In Regelwerken verwendet der Deutsche Fußball-Bund auch die Bezeichnung DFB-Vereinspokal. Historisch ist eine klare Trennung wichtig: Die erste deutsche Pokal-Vereinspokalmeisterschaft begann 1935 während der nationalsozialistischen Diktatur. Der damalige Wettbewerb wurde im allgemeinen Sprachgebrauch Tschammer-Pokal genannt, nach dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten. Diese Bezeichnung gehört in den politischen Kontext des NS-Sports und darf nicht unkritisch als bloßer Traditionsname übernommen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bundesdeutsche Vereinspokal neu aufgebaut; die Ausgabe 1972/73 gehört zum DFB-Wettbewerb der Bundesrepublik Deutschland und ist nicht mit dem FDGB-Pokal der DDR zu vermischen.
DFB zur Wettbewerbsgeschichte und DFB-Chronik dienen hier als Ausgangspunkte. Quellenkritisch ist zu beachten, dass ältere Texte die Begriffe DFB-Pokal, Vereinspokal und Tschammer-Pokal nicht immer gleich genau voneinander trennen.

Beobachtungsauftrag: Beschreibe Form und Materialwirkung der Trophäe. Warum ist ein modernes Foto der Trophäe eine geeignete Kontextquelle, aber kein Beleg für den Ablauf des Finales 1973?
Stellung der Saison 1972/73
Die Pokalsaison lag in einer Phase, in der der DFB mit Hin- und Rückspielen experimentierte. Dadurch unterschied sich der Wettbewerb deutlich vom heutigen Modus mit nur einem Spiel pro Runde. Borussia Mönchengladbach wurde in der Bundesliga-Saison 1972/73 Fünfter, der 1. FC Köln Zweiter. Der Pokal bot beiden Mannschaften deshalb eine eigene Titelchance. Titelverteidiger war der FC Schalke 04; Gladbach schaltete Schalke im Achtelfinale aus.
Für Borussia war der Erfolg zugleich ein Abschiedsmoment: Günter Netzer wechselte danach zu Real Madrid. Für Köln blieb das Endspiel eine besonders schmerzhafte Niederlage, obwohl die Mannschaft einen starken Pokalweg und eine erfolgreiche Bundesligasaison gespielt hatte. Das Finale wurde später vor allem wegen Netzers ungewöhnlicher Einwechslung erinnert. Eine gute historische Analyse darf dennoch die Leistungen der übrigen Spieler, den gehaltenen Strafstoß, die beiden Treffer der regulären Spielzeit und die Spielideen beider Teams nicht ausblenden.
Modus, Teilnehmer und Zeitleiste
Der damalige Modus
An der ersten Hauptrunde nahmen 32 Mannschaften teil. Von der ersten Runde bis einschließlich Halbfinale wurden die Duelle in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Entscheidend war die Summe der Tore aus beiden Spielen; Auswärtstore erhielten keinen Sonderwert. Wenn nach dem Rückspiel Gleichstand bestand, konnte die Entscheidung in der Verlängerung fallen. Das Finale war dagegen ein einziges Spiel an einem neutral angesetzten Ort.
Aus dem Aufbau ergibt sich ein Rechenbeispiel: 16 Erstrundenduelle mit je zwei Spielen ergeben 32 Partien. Danach folgen 8 Achtelfinalduelle mit 16 Partien, 4 Viertelfinalduelle mit 8 Partien und 2 Halbfinalduelle mit 4 Partien. Zusammen mit dem Finale ergibt das 32 + 16 + 8 + 4 + 1 = 61 Spiele. Diese Zahl ist aus dem dokumentierten Rundenaufbau berechnet.
Der Modus begünstigte im Durchschnitt die stärkere Mannschaft, weil eine Überraschung aus dem Hinspiel im Rückspiel korrigiert werden konnte. Genau das zeigen mehrere Duelle dieser Saison.
Die 32 Teilnehmer
Die Teilnehmer der ersten Runde waren:
- FK Pirmasens, Rot-Weiß Oberhausen, Freiburger FC und Borussia Mönchengladbach
- HSV Barmbek-Uhlenhorst, FC Bayern München, SpVgg Bayreuth und 1. FC Kaiserslautern
- Preußen Münster, MSV Duisburg, Fortuna Köln und 1. FC Köln
- Wuppertaler SV, Fortuna Düsseldorf, Südwest Ludwigshafen und FC Schalke 04
- Wormatia Worms, VfL Bochum, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt
- Rot-Weiss Essen, Hamburger SV, Wacker 04 Berlin und Werder Bremen
- Stuttgarter Kickers, Eintracht Braunschweig, VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart
- OSV Hannover, Hertha BSC, FC St. Pauli und Kickers Offenbach
Die Liste zeigt eine Mischung aus Bundesligisten und unterklassigen Vereinen. Sie verdeutlicht zugleich, dass die Pokallandschaft der frühen 1970er Jahre anders organisiert war als der heutige 64er-Wettbewerb.
Verständliche Zeitleiste
| Datum beziehungsweise Zeitraum | Runde und Schlüsselereignis |
|---|---|
| 9. bis 20. Dezember 1972 | Erste Runde mit Hin- und Rückspielen; Gladbach dreht ein 1:3 beim Freiburger FC durch ein 7:1 im Rückspiel. Der 1. FC Köln verliert zunächst 1:2 bei Fortuna Köln und gewinnt das Rückspiel 4:0 nach Verlängerung. |
| 2. bis 14. März 1973 | Achtelfinale; Gladbach setzt sich gegen Titelverteidiger Schalke 04 mit 2:0 und 1:1 durch. Köln erreicht gegen den Hamburger SV nach 2:2 und 4:1 das Viertelfinale. |
| 14. bis 19. April 1973 | Viertelfinale; Gladbach gewinnt gegen Kaiserslautern 2:1 und 3:1. Köln schlägt Eintracht Braunschweig 5:0 und 3:2. |
| 1. bis 15. Mai 1973 | Halbfinale; Gladbach bezwingt Werder Bremen 3:1 und 4:2. Köln setzt sich gegen Kickers Offenbach mit 5:0 und 1:1 durch. |
| 23. Juni 1973 | Finale im Rheinstadion Düsseldorf; Borussia Mönchengladbach gewinnt 2:1 nach Verlängerung gegen den 1. FC Köln. |

Beobachtungsauftrag: Untersuche Tribünennähe, Laufbahn und Sichtachsen. Welche Auswirkungen kann ein großes Stadion mit Laufbahn auf Atmosphäre, Coaching und Wahrnehmung eines Spiels haben? Beachte: Die Aufnahme entstand 1997 und ist nur ein Kontextbild zum späteren Zustand des Austragungsortes.
Der Weg der Finalisten
Borussia Mönchengladbach
Gladbach begann mit einer Warnung: Das Hinspiel beim Freiburger FC ging 1:3 verloren. Im Rückspiel gewann die Mannschaft jedoch 7:1 und zog mit insgesamt 8:4 weiter. Das Beispiel zeigt die Wirkung des damaligen Modus. Eine einzelne Niederlage bedeutete nicht das Ausscheiden; über 180 Minuten konnten Qualität, Kaderbreite und taktische Anpassungen stärker wirken.
Im Achtelfinale folgte der Titelverteidiger Schalke 04. Gladbach gewann auswärts 2:0 und erreichte zu Hause ein 1:1. Im Viertelfinale gelangen gegen Kaiserslautern zwei Siege, 2:1 und 3:1. Im Halbfinale gewann Gladbach bei Werder Bremen 3:1 und zu Hause 4:2. Damit lautete die Gesamtbilanz des Halbfinals 7:3.
Analysebeispiel 1 – ein Rückstand über zwei Spiele: Nach dem 1:3 in Freiburg musste Gladbach im Rückspiel mindestens zwei Tore mehr erzielen als Freiburg, um die Gesamttordifferenz auszugleichen. Das 7:1 brachte einen Rückspielvorsprung von sechs Toren. Aus minus zwei Toren nach dem Hinspiel wurde deshalb ein Gesamtsieg mit vier Toren Vorsprung: 8:4. Das Beispiel erklärt, warum im damaligen Modus die Spielplanung stets beide Begegnungen berücksichtigen musste.
FC Köln
Auch Köln musste bereits in der ersten Runde reagieren. Fortuna Köln gewann das Hinspiel 2:1. Im Rückspiel setzte sich der 1. FC Köln 4:0 nach Verlängerung durch. Im Achtelfinale folgte gegen den Hamburger SV ein 2:2 auswärts und ein 4:1 zu Hause. Im Viertelfinale war das 5:0 bei Eintracht Braunschweig eine frühe Vorentscheidung; das Rückspiel gewann Köln 3:2. Im Halbfinale schlug Köln Kickers Offenbach zunächst 5:0 und kontrollierte das Rückspiel mit einem 1:1. Das Gesamtergebnis lautete 6:1.
Analysebeispiel 2 – Hinspielvorsprung verwalten: Nach einem 5:0 im ersten Halbfinale musste Köln im Rückspiel nicht ständig höchstes Risiko eingehen. Ein kontrolliertes 1:1 reichte. Für die Analyse bedeutet das: Ein einzelnes Rückspielergebnis darf nicht ohne den Gesamtstand bewertet werden. Was in einem Ligaspiel wie ein Remis wirkt, kann in einem Pokalduell eine sehr erfolgreiche Risikosteuerung sein.
Vergleich der Wege
Beide Finalisten hatten in der ersten Runde Probleme, steigerten sich aber deutlich. Gladbach setzte sich im Achtelfinale gegen den Titelverteidiger durch; Köln dominierte Viertel- und Halbfinale mit hohen Gesamtergebnissen. Der Weg zeigt zwei unterschiedliche Erzählungen: Gladbach bewies Wendefähigkeit, Köln entwickelte früh Kontrolle. Diese Beobachtung erklärt, weshalb das Finale nicht nur als Auftritt eines einzelnen Stars verstanden werden sollte.
Finale in Düsseldorf: Verlauf und prägende Personen
Rahmen und Aufstellungen
Das Finale fand am 23. Juni 1973 im Rheinstadion Düsseldorf vor 69.600 Zuschauenden statt. Schiedsrichter war Kurt Tschenscher. Borussia Mönchengladbach begann mit Wolfgang Kleff, Heinz Michallik, Berti Vogts, Klaus-Dieter Sieloff, Rainer Bonhof, Dietmar Danner, Herbert Wimmer, Christian Kulik, Henning Jensen, Bernd Rupp und Jupp Heynckes. Der 1. FC Köln trat mit Gerhard Welz, Herbert Hein, Herbert Neumann, Wolfgang Weber, Bernhard Cullmann, Heinz Simmet, Jürgen Glowacz, Heinz Flohe, Jupp Kapellmann, Wolfgang Overath und Hannes Löhr an.
Günter Netzer saß zunächst auf der Bank. In der Verlängerung ersetzte er Christian Kulik. Bei Köln waren Rainer Gebauer und Harald Konopka bereits in der 71. Minute für Jürgen Glowacz und Wolfgang Overath gekommen. Deshalb ist die oft erzählte Gegenüberstellung Netzer gegen Overath im entscheidenden Moment nur eingeschränkt richtig: Als Netzer auf den Platz kam, war Overath bereits ausgewechselt.

Beobachtungsauftrag: Welche Rollen haben Kapitän, Abwehrorganisator und Trainer in einer Drucksituation? Formuliere zwei Hypothesen, die Du anschließend mit Videoausschnitten prüfst.
Tore und Wendepunkte
Herbert Wimmer brachte Gladbach in der 24. Minute mit 1:0 in Führung. Herbert Neumann glich in der 40. Minute für Köln aus. In der 58. Minute hielt Kölns Torhüter Gerhard Welz einen Strafstoß von Jupp Heynckes. Nach 90 Minuten stand es 1:1, sodass die Verlängerung folgte.
Zu Beginn der Verlängerung kam Netzer für Kulik. In der 94. Minute erzielte er nach einem Zusammenspiel mit Rainer Bonhof das 2:1. Der Treffer blieb das Siegtor. Die populäre Formulierung von der Selbsteinwechslung beschreibt, dass Netzer nach eigener Darstellung und späteren Erinnerungen die Initiative ergriff und Trainer Hennes Weisweiler ankündigte, nun zu spielen. Historisch sauber ist dabei: Die Einwechslung wurde regelgerecht vollzogen; ungewöhnlich war die eigenmächtige Initiative und die angespannte Beziehung zwischen Spieler und Trainer.
Video 1: DFB, veröffentlicht am 29. April 2020, Rückblick auf das Pokalfinale 1973. Beobachtungsauftrag: Notiere bei drei Szenen jeweils Ausgangsposition, Passrichtung, Tempoänderung und Abschluss. Trenne Beobachtung von späterer Legendenbildung.
Video 2: Borussia Mönchengladbach, veröffentlicht am 23. Juni 2023 zum 50. Jahrestag. Beobachtungsauftrag: Vergleiche Auswahl, Schnitt und Kommentar mit dem DFB-Video. Welche Perspektive ist vereinsnah, welche verbandsnah, und welche Informationen stimmen überein?
Prägende Personen
Günter Netzer war der spektakuläre Schlusspunkt des Finales, aber nicht dessen alleiniger Erklärungsfaktor. Herbert Wimmer erzielte das 1:0 und verband Laufarbeit mit Spielaufbau. Rainer Bonhof war an der entscheidenden Kombination beteiligt. Wolfgang Kleff und Gerhard Welz prägten das Spiel als Torhüter; Welz hielt den Strafstoß von Heynckes. Herbert Neumann erzielte Kölns Ausgleich. Hennes Weisweiler und Kölns Trainer Rudi Schlott mussten Personal, Belastung und Risiko über 120 Minuten steuern.

Beobachtungsauftrag: Beschreibe, welche Informationen ein späteres Porträt über eine Person vermitteln kann und welche nicht. Warum braucht man für Spielhandlungen zusätzlich Ergebnislisten, Filmaufnahmen und zeitnahe Berichte?
Beobachtungsauftrag: Erkläre, weshalb Overaths Bedeutung für Köln nicht allein an seiner Auswechslung im Finale gemessen werden darf. Beziehe Führungsrolle, Spielaufbau und Saisonleistung ein.
Spielideen und ausgearbeitete Analysen
Vorsicht bei taktischen Rückprojektionen
Für Spiele von 1973 existieren weniger vollständige Positions- und Laufdaten als im heutigen Profifußball. Deshalb muss eine taktische Analyse zwischen belegten Aufstellungen, sichtbaren Szenen und begründeten Deutungen unterscheiden. Die Aufstellungsgrafik legt eine viergliedrige Abwehr und offensive Dreierreihen nahe. Bewegungen konnten jedoch stark variieren. Begriffe wie Pressing, Halbraum oder Restverteidigung helfen beim heutigen Erklären, dürfen aber nicht so verwendet werden, als hätten damalige Trainer exakt mit heutiger Datensprache gearbeitet.
Gladbachs Spielidee
Gladbach stand für hohes Tempo, direkte Vorwärtsaktionen und technisch starke Kombinationen. Berti Vogts gab der Defensive Aggressivität, Bonhof brachte Dynamik, Wimmer verband Räume, und die Angreifer Jensen, Rupp und Heynckes beschäftigten Kölns letzte Linie. Mit Netzer kam in der Verlängerung ein Passgeber hinzu, der aus dem Mittelfeld heraus Rhythmus und Tiefe verändern konnte.
Analysebeispiel 3 – das 2:1 als Dreischritt:
- Ausgangslage: Köln muss nach 90 intensiven Minuten seine Abstände halten; Gladbach bringt einen frischen Spielmacher.
- Verbindung: Netzer und Bonhof kombinieren, wodurch sich Passgeber und nachrückender Spieler gegenseitig Raum öffnen.
- Abschluss: Netzer schließt früh und kraftvoll ab. Der Moment zeigt, wie ein personeller Wechsel nicht nur einen Namen, sondern eine neue Passoption und ein anderes Tempo erzeugt.
Die Lösung ist nicht: Netzer gewinnt allein. Die bessere Deutung lautet: Seine individuelle Qualität wirkt in einer bereits vorhandenen Mannschaftsstruktur und in Verbindung mit Bonhof.
Kölns Spielidee
Köln verfügte mit Overath, Flohe und Simmet über technisch starke Mittelfeldspieler. Die Mannschaft konnte Ballbesitzphasen aufbauen, über Löhr und weitere Offensivkräfte Tiefe suchen und nach Ballverlusten kompakt reagieren. Der Ausgleich durch Neumann und der gehaltene Strafstoß zeigten, dass Köln sowohl in Standardsituationen als auch in Druckphasen wirksam blieb.
Analysebeispiel 4 – der gehaltene Strafstoß:
- Beobachtung: Welz pariert in der 58. Minute gegen Heynckes.
- Spielwirkung: Köln bleibt beim Stand von 1:1 im Spiel; Gladbach verliert eine große Chance zur erneuten Führung.
- Quellenkritik: Weil das spätere Siegtor Netzers berühmter wurde, kann die Parade in Rückblicken untergehen. Für eine vollständige Analyse ist sie ein zentraler Wendepunkt.
- Transfer: Bei der Bewertung eines Spiels sollten nicht nur Tore, sondern auch verhinderte Tore und Entscheidungen unter Druck berücksichtigt werden.
Zahlenanalyse ohne Scheingenauigkeit
Gladbach erzielte auf dem Weg zum Titel in den dokumentierten Spielen 25 Tore und kassierte 11. Köln erzielte in seinem Pokalweg einschließlich Finale 26 Tore und kassierte 10. Diese Summen ergeben sich aus den im DFB-Datencenter aufgeführten Hin- und Rückspielen einschließlich Finale. Sie beschreiben die Turnierleistung, ersetzen aber keine Spielanalyse: Gegnerstärke, Spielstand, Heimrecht und der damalige Modus beeinflussten die Zahlen.
Analysebeispiel 5 – Torverhältnisse vergleichen: Gladbachs Differenz beträgt plus 14, Kölns plus 16. Köln kassierte ein Gegentor weniger, Gladbach musste häufiger offene Spiele bewältigen. Daraus darf man nicht automatisch schließen, Köln sei im Finale Favorit gewesen. Eine belastbare Prognose müsste zusätzlich Form, Verletzungen, direkte Duelle und taktische Passungen prüfen.
Mediathek und Quellenkritik
Die Mediathek beginnt mit der Aufstellungsgrafik aus der Einleitung. Sie ist das Vorschaubild, weil sie unmittelbar zur Saison und zum Endspiel gehört. Jedes Medium ist datiert und erhält einen Beobachtungsauftrag.
| Medium | Datierung und Funktion | Beobachtungsauftrag | Urheberschaft und Lizenz |
|---|---|---|---|
| Aufstellungen des Finales | Erstellt am 9. Juni 2016; Rekonstruktion des Finales vom 23. Juni 1973 | Prüfe Namen und Grundordnung mit dem DFB-Spielbericht. Markiere, was belegt und was grafisch interpretiert ist. | Secret Agent Julio, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 4.0 |
| Aufnahme 1997; späteres Kontextbild des Finalortes | Unterscheide sichtbare Stadionmerkmale von Aussagen über das Spiel 1973. | Lokomotive74, Commons-Dateiseite, CC BY 3.0 | |
| Upload beziehungsweise Aufnahme von 2006; Objekt- und Symbolquelle | Erkläre, warum die Trophäe für Wettbewerbskontinuität steht, aber kein Beweis für eine konkrete Siegerehrung ist. | OAlexander, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 3.0 und GFDL | |
| Aufnahme 1970; zeitnaher Personenkontext | Beschreibe Körpersprache, ohne daraus unbelegte Aussagen über das Finale abzuleiten. | Pelz, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 3.0 | |
| Aufnahme 1979; späteres Porträt | Vergleiche Bildquelle und Spielquelle: Welche Fragen kann nur das Video beantworten? | Friedrich Magnussen, Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 3.0 DE | |
| Wolfgang Overath 1974 | Aufnahme 7. Juli 1974; Kontext zur Person | Formuliere eine Bildunterschrift, die Datum und Abstand zum Pokalfinale offenlegt. | Bert Verhoeff für Anefo, Nationaal Archief, Commons-Dateiseite, CC0 |
| DFB-Video pAO85qDyIew | Veröffentlicht 29. April 2020; offizieller Verbandsrückblick | Erstelle ein Szenenprotokoll und prüfe Treffer, Strafstoß und Einwechslung. | DFB-Kanal, YouTube-Seite, Plattform-Embedding; Rechte beim Anbieter |
| Borussia-Video UO8J8D5qK5I | Veröffentlicht 23. Juni 2023; Vereinsrückblick zum 50. Jahrestag | Vergleiche Erzählperspektive und Bildauswahl mit dem DFB-Video. | Borussia Mönchengladbach, YouTube-Seite, Plattform-Embedding; Rechte beim Anbieter |
Quellenregel: Ein Medienfund zählt nur, wenn Dateiname oder Video-ID, Urheber beziehungsweise Kanal, Datierung, inhaltliche Relevanz und Rechtehinweis geprüft sind. Suchtreffer oder bloße URLs ersetzen keine Einbettung. Nicht lizenzierte oder in ihrer Herkunft unklare Bilder werden nicht verwendet.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wie endete das Finale nach Verlängerung? (Borussia Mönchengladbach gewann zwei zu eins) (!Der erste FC Köln gewann zwei zu eins) (!Das Spiel endete eins zu eins) (!Borussia Mönchengladbach gewann drei zu null)
Wo fand das Endspiel statt? (Im Rheinstadion Düsseldorf) (!Im Olympiastadion Berlin) (!Im Müngersdorfer Stadion Köln) (!Im Bökelbergstadion Mönchengladbach)
Welcher Modus galt bis zum Halbfinale? (Hin und Rückspiel) (!Nur ein Spiel) (!Gruppenphase) (!Best of three)
Wer erzielte das Siegtor im Finale? (Günter Netzer) (!Wolfgang Overath) (!Jupp Heynckes) (!Hannes Löhr)
Wer hielt im Finale einen Strafstoß? (Gerhard Welz) (!Wolfgang Kleff) (!Kurt Tschenscher) (!Rainer Bonhof)
Wer erzielte Gladbachs erstes Finaltor? (Herbert Wimmer) (!Herbert Neumann) (!Heinz Flohe) (!Berti Vogts)
Gegen wen spielte Gladbach im Halbfinale? (Werder Bremen) (!Kickers Offenbach) (!Eintracht Braunschweig) (!Hamburger SV)
Wie viele Mannschaften starteten in der ersten Runde? (Zweiunddreißig) (!Vierundsechzig) (!Sechzehn) (!Achtzehn)
Welche Aussage zur Auswärtstorregel trifft zu? (Auswärtstore hatten keinen Sonderwert) (!Auswärtstore zählten doppelt) (!Nur Auswärtstore entschieden) (!Die Regel galt nur im Finale)
Welche Quelle ist für Spielresultate zuerst zu prüfen? (Das DFB Datencenter) (!Ein ungenannter Bildpost) (!Eine private Erinnerung ohne Beleg) (!Eine erfundene Statistik)
Memory-Spiel
| Rheinstadion | Austragungsort des Endspiels |
| Günter Netzer | Schütze des Siegtors |
| Gerhard Welz | Torhüter mit gehaltenem Strafstoß |
| Herbert Wimmer | Schütze des ersten Finaltors |
| Herbert Neumann | Schütze des Kölner Ausgleichs |
| Hennes Weisweiler | Trainer von Borussia Mönchengladbach |
| Rudi Schlott | Trainer des ersten FC Köln |
Drag and Drop
| Ordne die passenden Aussagen zu. | Turnierstation |
|---|---|
| Erste Runde | Gladbach dreht das Duell gegen Freiburg |
| Achtelfinale | Gladbach schaltet Titelverteidiger Schalke aus |
| Viertelfinale | Köln gewinnt deutlich gegen Braunschweig |
| Halbfinale | Gladbach setzt sich gegen Werder Bremen durch |
| Finale | Netzer erzielt das Tor in der Verlängerung |
Kreuzworträtsel
| Rheinstadion | Wie hieß der Austragungsort des Endspiels? |
| Netzer | Wer erzielte das Siegtor? |
| Wimmer | Wer traf zuerst für Gladbach? |
| Neumann | Wer erzielte den Kölner Ausgleich? |
| Verlängerung | In welchem Spielabschnitt fiel das Siegtor? |
| Rückspiel | Wie heißt die zweite Partie eines Duells mit zwei Begegnungen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zeitleiste DFB-Pokal 1972/73: Gestalte eine Zeitleiste mit fünf Stationen und ergänze zu jeder Station Datum, Gegner und Ergebnis.
- Teilnehmerkarte: Ordne mindestens zwölf Teilnehmer ihren damaligen Heimatorten zu und markiere die beiden Finalisten.
- Finale in fünf Bildern: Erstelle ein Storyboard mit fünf gezeichneten Szenen vom 1:0 bis zum Siegtor und kennzeichne fiktive Darstellungen ausdrücklich.
- Mediencheck: Wähle ein eingebettetes Medium aus und notiere Dateiname oder Video-ID, Datum, Urheber, Lizenz und Beobachtungswert.
Standard
- Hin und Rückspiel: Erkläre an Freiburg gegen Gladbach, wie sich das Gesamtergebnis 8:4 zusammensetzt, und vergleiche den Modus mit dem heutigen Pokal.
- Szenenprotokoll: Analysiere fünf Minuten eines offiziellen Videos mit Zeitmarken, Ballbesitzwechseln, Pässen, Raumgewinn und Abschluss.
- Personenporträt 1973: Verfasse ein quellenbasiertes Porträt zu Wimmer, Welz, Neumann, Bonhof oder Kulik, ohne Netzer in den Mittelpunkt zu stellen.
- Zeitzeugeninterview prüfen: Entwickle acht Fragen für ein fiktives Interview und trenne mögliche Erinnerung, überprüfbare Tatsache und spätere Deutung.
Schwer
- Taktiktafel Finale 1973: Rekonstruiere zwei mögliche Grundordnungen aus Aufstellungsgrafik und Video und markiere jede Unsicherheit.
- Quellenvergleich Pokalfinale: Vergleiche DFB, Borussia, Kicker und eine Ergebnisdatenbank hinsichtlich Auswahl, Sprache, Perspektive und überprüfbarer Fakten.
- Modussimulation: Übertrage die Viertelfinalergebnisse in ein fiktives Einspielsystem und begründe, welche Mannschaften dadurch anders hätten planen müssen.
- Podcast Pokalgeschichte: Produziere einen achtminütigen Podcast, der NS-Vorgeschichte, Wettbewerb 1972/73, Finale und Quellenkritik sachlich verbindet.


Lernkontrolle
- Modusanalyse: Erkläre, wie Hin- und Rückspiele die Wahrscheinlichkeit einer Überraschung beeinflussen, und belege Deine Aussage mit zwei Duellen aus der Saison.
- Finalanalyse: Ordne die Treffer, den gehaltenen Strafstoß und die Einwechslungen chronologisch und erkläre ihre jeweilige Spielwirkung.
- Quellenkritische Prüfung: Bewerte eine spätere Jubiläumsdarstellung anhand von Urheberschaft, zeitlichem Abstand, Auswahl und Gegenquelle.
- Taktischer Transfer: Übertrage die Erkenntnisse aus Netzers Einwechslung auf eine heutige Spielsituation und nenne Gemeinsamkeiten sowie Grenzen des Vergleichs.
- Rechenaufgabe Pokalweg: Berechne aus den Einzelresultaten die Gesamtergebnisse von Gladbachs ersten vier Runden und kontrolliere sie mit dem DFB-Datencenter.
- Begriffsprüfung: Unterscheide DFB-Pokal, DFB-Vereinspokal, Tschammer-Pokal und FDGB-Pokal historisch und politisch korrekt.
- Urteilsaufgabe: Beurteile die Aussage Das Finale wurde nur von Netzer entschieden und entwickle ein begründetes Gegen- oder Teilurteil mit mindestens vier Belegen.
Lernnachweis
Ein überzeugender Lernnachweis zeigt:
- Wissen: Du nennst Zeitraum, Modus, Teilnehmerzahl, Finalort, Finalisten, Ergebnis und zentrale Spielereignisse korrekt.
- Fachmethode: Du berechnest Gesamtergebnisse aus Hin- und Rückspiel und erklärst die Wirkung des Modus.
- Analyse: Du unterscheidest individuelle Aktion, Mannschaftsstruktur, Spielstand und taktischen Kontext.
- Quellenkompetenz: Du prüfst offizielle Archive mit mindestens einer zweiten belastbaren Quelle und kennzeichnest spätere Kontextbilder.
- Medienkompetenz: Du verwendest nur verifizierte Einbettungen und dokumentierst Urheber, Lizenz, Datum und Beobachtungsauftrag.
- Produkt: Du erstellst beispielsweise eine Taktiktafel, ein Szenenprotokoll, einen Podcast oder eine quellenkritische Ausstellung.
- Transfer: Du vergleichst den historischen Zwei-Spiele-Modus mit heutigen Pokalformaten, ohne Unterschiede zu verwischen.
Als vollständiger Lernnachweis eignet sich ein Portfolio mit Zeitleiste, zwei Spielanalysen, Quellenvergleich, Medienprotokoll und abschließendem Sachurteil. Lösungen müssen nachvollziehbar aus Quellen und Beobachtungen hervorgehen.
OER und Wikipedia
Geprüfte Sachquellen:
- DFB-Datencenter: Spielplan 1972/73
- DFB-Datencenter: Finale
- DFB: bisherige Sieger
- RSSSF: DFB Cup History 1970–1980
- Borussia Mönchengladbach: 50 Jahre Finale 1973
- Kicker: Spielbericht zum Finale
OER-Mediennachweise:
- Aufstellungsgrafik, Secret Agent Julio, CC BY-SA 4.0
- Altes Rheinstadion, Lokomotive74, CC BY 3.0
- DFB-Pokal-Trophäe, OAlexander, CC BY-SA 3.0 und GFDL
- Vogts und Weisweiler, Pelz, CC BY-SA 3.0
- Günter Netzer 1979, Friedrich Magnussen, CC BY-SA 3.0 DE
- Wolfgang Overath 1974, Bert Verhoeff für Anefo, CC0
Hinweis zur Nutzung: Die YouTube-Videos werden über die offizielle Einbettungsfunktion gezeigt. Sie sind keine automatisch freien OER-Dateien; Rechte und Verfügbarkeit verbleiben bei den jeweiligen Kanälen. Die Commons-Dateien stehen unter den auf ihren Dateiseiten genannten freien Lizenzen.
Verknüpfte Lernbereiche
Der Kurs verbindet Sport, Geschichte, Mathematik, Politische Bildung, Deutschunterricht und Medienbildung. In Mathematik stehen Summen, Tordifferenzen und Turnierbäume im Mittelpunkt. Im Deutschunterricht werden Berichte, Kommentare und Legendenbildung verglichen. Geschichte und Politische Bildung untersuchen die belastete Vorgeschichte des früheren Tschammer-Pokals. Medienbildung prüft Bildrechte, Videoperspektiven und Quellenqualität. Trainerteams können die Szenen für Wechselentscheidungen, Belastungssteuerung und Spielphasenanalyse nutzen.
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