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D9 G - Rede aus Sicht einer Romanfigur

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D9 G - Rede aus Sicht einer Romanfigur




D9 G - Rede aus Sicht einer Romanfigur


Einleitung

Eine Rede aus Sicht einer Romanfigur ist eine besondere Schreib- und Sprechaufgabe. Du schreibst und hältst die Rede nicht als Du selbst, sondern versetzt Dich in eine Figur aus einem Roman. Dabei reicht es nicht, einfach in der Ich-Form zu schreiben. Deine Rede soll so wirken, als könnte die Figur sie in ihrer Situation wirklich halten.

Dafür musst Du fünf Dinge genau beachten: Anlass, Publikum, Position, Argumentation und Figurenperspektive. Diese fünf Bereiche bilden den roten Faden dieses aiMOOCs.

Eine glaubwürdige Figurenrede verbindet Textverständnis, Argumentation, Rhetorik, Schreiben und Sprechen. Du musst also zeigen, dass Du die Figur kennst, ihre Lage verstehst, passende Argumente entwickelst und die Rede so formulierst, dass sie zu den Zuhörenden passt.


Das Lernziel

Nach diesem aiMOOC kannst Du eine Rede aus Sicht einer Romanfigur planen, schreiben, überarbeiten und wirkungsvoll vortragen. Du kannst dabei:

  1. Anlass: erklären, warum die Figur gerade jetzt spricht.
  2. Publikum: berücksichtigen, zu wem die Figur spricht.
  3. Position: deutlich machen, was die Figur will oder fordert.
  4. Argumentation: passende Argumente aufbauen und mit Romanwissen stützen.
  5. Figurenperspektive: Gedanken, Wissen, Sprache und Beziehungen der Figur glaubwürdig darstellen.
  6. Vortrag: Stimme, Pausen, Blickkontakt und Körpersprache bewusst einsetzen.


Was ist eine Rede aus Sicht einer Romanfigur?

Bei dieser Aufgabe erhältst Du normalerweise einen Roman oder einen Romanausschnitt und eine Situation. Eine Figur soll in dieser Situation vor bestimmten Menschen sprechen. Deine Aufgabe besteht darin, eine passende Rede zu verfassen.

Beispiel: Eine Figur wurde von ihrer Gruppe ausgeschlossen. Später erhält sie die Möglichkeit, vor der Gruppe zu sprechen. Sie möchte erklären, wie sie die Situation erlebt hat, Vorwürfe zurückweisen und eine Veränderung fordern.

Eine gute Rede beantwortet deshalb nicht nur die Frage Was sagt die Figur?, sondern auch:

  1. Warum spricht die Figur gerade jetzt?
  2. Zu wem spricht sie?
  3. Was möchte sie erreichen?
  4. Welche Argumente kann sie aus ihrer Sicht verwenden?
  5. Was weiß die Figur überhaupt?
  6. Wie würde diese Figur sprechen?
  7. Welche Gefühle darf man erkennen, ohne die Figur zu verfälschen?

Der Roman bleibt Deine wichtigste Grundlage. Er liefert Informationen über die Figur, ihre Beziehungen, Erlebnisse, Ziele, Ängste und Konflikte. Eine gelungene Figurenrede erfindet deshalb nicht beliebig Neues, sondern entwickelt eine mögliche Rede aus dem, was der Text über die Figur erkennen lässt.


Der Fünf-Fragen-Check

Nutze vor dem Schreiben diese fünf Fragen:

  1. Anlass: Warum hält die Figur diese Rede genau jetzt?
  2. Publikum: Wer hört zu und welches Verhältnis hat die Figur zu diesen Personen?
  3. Position: Was will die Figur erreichen?
  4. Argumentation: Welche Gründe sprechen aus Sicht der Figur für ihre Position?
  5. Figurenperspektive: Was weiß, denkt, fühlt und sagt diese Figur glaubwürdig?

Wenn Du diese Fragen beantworten kannst, hast Du eine gute Grundlage für Deine Rede.


Anlass: Warum wird gesprochen?

Der Redeanlass ist die Situation, die eine Rede nötig oder sinnvoll macht. Er bestimmt, worüber gesprochen wird und warum die Figur überhaupt das Wort ergreift.

Mögliche Anlässe sind zum Beispiel ein Streit, eine Entscheidung, eine Versammlung, ein Abschied, eine Anschuldigung, ein Konflikt, eine Bitte, eine Rechtfertigung oder ein bevorstehendes Ereignis.

Der Anlass beeinflusst auch den Ton. Nach einem heftigen Streit kann eine Rede aufgewühlt oder entschlossen klingen. Vor einer wichtigen Abstimmung kann sie besonders überzeugend und zielgerichtet sein. Bei einer Entschuldigung braucht die Figur dagegen andere Formulierungen als bei einer Anklage.

Merksatz: Eine Rede beginnt nicht irgendwo im Roman. Sie entsteht aus einer konkreten Situation.


Publikum: Zu wem spricht die Figur?

Eine Rede hat immer ein Publikum. Wer zuhört, verändert die Sprache und die Argumente.

Stell Dir vor, dieselbe Figur möchte erklären, warum sie eine Regel gebrochen hat. Vor ihrer besten Freundin würde sie wahrscheinlich anders sprechen als vor einer Lehrkraft, einem Gericht, ihrer Familie oder einer feindlich eingestellten Gruppe.

Prüfe deshalb:

  1. Welche Personen hören zu?
  2. Was wissen diese Personen bereits?
  3. Sind sie freundlich, kritisch, wütend oder unentschlossen?
  4. Welche Beziehung hat die Figur zu ihnen?
  5. Welche Argumente könnten gerade dieses Publikum überzeugen?
  6. Welche Anrede passt?

Beispiel: Eine Figur spricht zu Menschen, die ihr misstrauen. Dann reicht es nicht zu sagen: „Ihr müsst mir glauben.“ Sie muss Gründe nennen, Zweifel ernst nehmen und möglichst auf Erfahrungen eingehen, die das Publikum kennt.


Position: Was will die Figur?

Die Position ist der Standpunkt der Figur. Sie zeigt, wofür oder wogegen die Figur spricht.

Eine Position kann als klare Aussage formuliert werden:

Ich will, dass ...

Ich fordere, dass ...

Ich bin überzeugt, dass ...

Wir dürfen nicht länger ...

Ihr solltet ...

Eine Rede wird unklar, wenn die Position ständig wechselt. Deshalb solltest Du vor dem Schreiben einen einzigen Hauptsatz formulieren:

Meine Figur will erreichen, dass ...

Dieser Satz muss nicht genau so in der fertigen Rede stehen. Er hilft Dir aber beim Planen.


Argumentation: Wie überzeugt die Figur?

Eine Argumentation besteht nicht nur aus Meinungen. Ein starkes Argument verbindet mehrere Schritte.

Ein einfacher Aufbau für Klasse 9 ist:

Behauptung – Begründung – Romanbezug – Wirkung

Behauptung: Die Figur nennt einen wichtigen Gedanken.

Begründung: Sie erklärt, warum dieser Gedanke überzeugt.

Romanbezug: Sie verweist auf ein Erlebnis, einen Konflikt oder eine Beobachtung aus dem Roman.

Wirkung: Sie zeigt, was daraus folgen soll.

Beispiel:

Behauptung: „Wir dürfen ihn nicht einfach ausschließen.“

Begründung: „Denn niemand von uns kennt alle Gründe für sein Verhalten.“

Romanbezug: „Als ich selbst damals beschuldigt wurde, hat auch niemand nach meiner Sicht gefragt.“

Wirkung: „Deshalb fordere ich, dass wir ihn zuerst anhören.“

So entsteht aus einer bloßen Meinung ein nachvollziehbares Argument.

Das Video behandelt den Aufbau von Argumentationen. Übertrage die Grundidee auf die Figurenrede: Deine Argumente müssen zur Position passen, verständlich begründet sein und auf die Redesituation zugeschnitten werden.


Gegenargumente aufgreifen

Eine Figur wirkt oft überzeugender, wenn sie mögliche Einwände kennt.

Ein einfacher Aufbau lautet:

Einwand nennen – Einwand ernst nehmen – Antwort geben

Beispiel:

„Ihr könnt mir vorwerfen, dass ich zu lange geschwiegen habe. Das stimmt. Aber ich hatte damals Angst, dass mir niemand glaubt. Heute schweige ich nicht mehr.“

Dadurch wirkt die Figur nicht allwissend oder fehlerlos. Sie zeigt, dass sie mit Kritik umgehen kann.


Glaubwürdige Figurenperspektive

Die Figurenperspektive ist der wichtigste Unterschied zwischen einer normalen Rede und einer Rede aus Sicht einer Romanfigur.

Du musst Dich fragen: Was kann diese Figur in diesem Moment wirklich wissen, denken, fühlen und sagen?

Eine glaubwürdige Figurenperspektive achtet auf fünf Bereiche.


Wissen der Figur

Die Figur darf nur Dinge sicher wissen, die sie bis zu diesem Zeitpunkt erfahren haben kann.

Wenn ein Geheimnis erst später im Roman enthüllt wird, darf eine Figur es in einer früheren Szene nicht plötzlich kennen.

Prüffrage: Woher weiß die Figur das?


Gefühle der Figur

Gefühle dürfen aus dem Roman erschlossen werden. Sie sollten aber zur Situation und zur Figur passen.

Eine zurückhaltende Figur kann wütend sein, zeigt diese Wut vielleicht aber anders als eine sehr impulsive Figur.

Prüffrage: Passt dieses Gefühl zu dem, was die Figur erlebt hat?


Ziele der Figur

Jede Rede verfolgt ein Ziel. Die Figur kann Zustimmung gewinnen, sich verteidigen, andere warnen, jemanden überzeugen, um Hilfe bitten oder eine Veränderung verlangen.

Prüffrage: Warum sagt die Figur genau das?


Beziehungen der Figur

Menschen sprechen mit Freunden anders als mit Gegnern. Beziehungen aus dem Roman müssen deshalb in der Rede hörbar werden.

Prüffrage: Wie steht die Figur zu ihrem Publikum?


Sprache der Figur

Du musst die Sprache des Romans nicht nachahmen. Aber Deine Wortwahl soll zur Figur passen.

Eine jugendliche Figur aus der Gegenwart spricht meist anders als eine erwachsene Figur in einem historischen Roman. Vermeide deshalb Wörter oder Vorstellungen, die nicht in die Welt der Figur passen.

Prüffrage: Würde diese Figur so sprechen?


Autor, Erzähler und Figur nicht verwechseln

Beim Schreiben einer Figurenrede musst Du drei Ebenen unterscheiden:

  1. Autor oder Autorin: hat den Roman geschrieben.
  2. Erzähler oder Erzählerin: vermittelt die Handlung im Roman.
  3. Romanfigur: handelt innerhalb der erzählten Welt.

Wenn Du eine Figurenrede schreibst, sprichst Du aus der Sicht der Figur. Du erklärst also nicht von außen, was der Roman „zeigen will“. Du verwendest nur Gedanken, Erfahrungen und Wertungen, die zur Figur passen.

Unpassend wäre zum Beispiel:

„Der Autor möchte mit meiner Figur zeigen, dass die Gesellschaft ungerecht ist.“

Passender aus Figurenperspektive wäre:

„Ihr entscheidet über mich, obwohl keiner von euch gefragt hat, was wirklich passiert ist.“


Vom Roman zur Rede: Textstellen nutzen

Bevor Du eine Rede formulierst, solltest Du wichtige Informationen aus dem Roman sammeln.

Eine einfache Planungstabelle kann so aussehen:

Frage Notiz Romanbezug
Was ist passiert? Kurze Zusammenfassung des Konflikts Szene oder Kapitel
Was will die Figur? Ziel der Rede Verhalten und Aussagen der Figur
Was spricht für ihre Position? Zwei bis drei Argumente Erlebnisse oder Beobachtungen
Was könnte das Publikum einwenden? Gegenargument Konflikt oder Vorwurf
Wie fühlt sich die Figur? Zum Beispiel verletzt, entschlossen oder unsicher Textsignale

Du musst in der Rede nicht ständig Kapitelnummern nennen. Deine Aussagen sollen aber erkennbar aus dem Roman entwickelt sein.


Eine Rede sinnvoll aufbauen

Für eine Figurenrede auf G-Niveau kannst Du diesen klaren Aufbau verwenden:

  1. Anrede: Sprich das Publikum passend an.
  2. Einstieg: Nenne den Anlass oder beginne mit einem Satz, der Aufmerksamkeit erzeugt.
  3. Position: Mach deutlich, was die Figur will.
  4. Argument 1: Begründe die Position und stelle einen Romanbezug her.
  5. Argument 2: Ergänze einen weiteren wichtigen Grund.
  6. Gegenargument: Greife einen möglichen Einwand auf und antworte darauf.
  7. Appell: Sage klar, was das Publikum tun, denken oder entscheiden soll.
  8. Schluss: Beende die Rede mit einem einprägsamen Satz.


Beispiel für einen Redeplan

Situation: Eine Romanfigur soll vor ihrer Gruppe sprechen. Sie wurde ausgeschlossen und fordert, wieder angehört zu werden.

Teil Inhalt
Anlass Die Gruppe will ohne die Figur eine endgültige Entscheidung treffen.
Publikum Mitglieder der Gruppe, einige ablehnend, einige unsicher.
Position Die Gruppe soll die Entscheidung verschieben und die Figur anhören.
Argument 1 Die bisherigen Vorwürfe beruhen nur auf einer Seite.
Argument 2 Die Gruppe hat früher selbst gefordert, fair zu entscheiden.
Gegenargument Die Figur hat geschwiegen und wirkt deshalb verdächtig.
Antwort Das Schweigen entstand aus Angst und erklärt nicht automatisch Schuld.
Appell Erst zuhören, dann entscheiden.


Beispiel für einen kurzen Redeausschnitt

„Ihr habt beschlossen, heute über mich zu entscheiden. Aber bevor ihr das tut, hört mir wenigstens einmal zu. Ich weiß, dass mein Schweigen euch misstrauisch gemacht hat. Doch ich habe nicht geschwiegen, weil mir alles egal war. Ich habe geschwiegen, weil ich Angst hatte. Ihr sagt immer, dass wir niemanden vorschnell verurteilen sollen. Dann beweist jetzt, dass diese Regel auch für mich gilt. Ich verlange nicht, dass ihr mir sofort glaubt. Ich verlange nur, dass ihr meine Seite anhört.“

Der Ausschnitt zeigt mehrere wichtige Elemente: einen klaren Anlass, ein direkt angesprochenes Publikum, eine Position, ein Gegenargument, eine Begründung und einen Appell.


Schreibtraining: Von der Idee zum Entwurf

Schreibe nicht sofort die ganze Rede. Arbeite in mehreren Schritten.


Schritt 1: Figur sichern

Notiere fünf Informationen über die Figur:

  1. ein wichtiges Ziel
  2. eine wichtige Beziehung
  3. eine Stärke
  4. eine Schwäche
  5. ein Erlebnis, das für die Rede wichtig ist


Schritt 2: Redesituation klären

Vervollständige diese Sätze:

Ich spreche, weil ...

Ich spreche zu ...

Mein Publikum denkt wahrscheinlich ...

Ich will erreichen, dass ...


Schritt 3: Argumente bauen

Formuliere für jedes Argument vier kurze Bausteine:

Meine Behauptung ist ...

Das begründe ich mit ...

Im Roman zeigt sich das daran, dass ...

Deshalb soll mein Publikum ...


Schritt 4: Perspektive prüfen

Markiere in Deinem Entwurf Stellen, an denen Du:

  1. Wissen der Figur verwendest.
  2. Gefühle der Figur zeigst.
  3. Beziehungen zum Publikum erkennen lässt.
  4. ein konkretes Ereignis aus dem Roman aufgreifst.
  5. sprachlich besonders deutlich die Figur sprechen lässt.

Fehlt ein Bereich ganz, überarbeite den Text.


Schritt 5: Rede laut lesen

Eine Rede ist zum Sprechen gedacht. Lies Deinen Text deshalb laut vor. Sätze, die auf dem Papier funktionieren, können beim Sprechen zu lang oder kompliziert sein.

Kürze besonders lange Sätze. Setze Pausen. Prüfe, ob wichtige Aussagen verständlich sind.


Sprechtraining: Die Rede vortragen

Beim Vortrag zählen nicht nur die Wörter. Stimme und Körpersprache helfen dem Publikum, die Figur zu verstehen.

Achte auf:

  1. Lautstärke: Sprich so, dass alle Dich hören.
  2. Tempo: Sprich nicht zu schnell.
  3. Pausen: Nach wichtigen Sätzen kann eine kurze Pause wirken.
  4. Betonung: Hebe Schlüsselwörter hervor.
  5. Blickkontakt: Schau immer wieder zum Publikum.
  6. Körperhaltung: Steh möglichst sicher und offen.
  7. Gestik: Verwende Gesten sparsam und passend.
  8. Figurenhaltung: Überlege, wie selbstsicher, wütend, verängstigt oder entschlossen die Figur in dieser Situation auftritt.

Beobachte beim Video besonders, welche Hinweise zum verständlichen Vortragen gegeben werden. Übertrage sie anschließend auf Deine Figurenrede.


Sprechtechnik: Bedeutung durch Betonung

Sprich den Satz „Ihr habt mir nie zugehört.“ mehrmals laut.

Betone jedes Mal ein anderes Wort:

Ihr habt mir nie zugehört.

Ihr habt mir nie zugehört.

Ihr habt mir nie zugehört.

Ihr habt mir nie zugehört.

Ihr habt mir nie zugehört.

Die Bedeutung verändert sich durch die Betonung. Überlege deshalb bei Deiner Figurenrede, welche Wörter besonders wichtig sind.


Sprechtraining zu zweit

Person A hält 30 Sekunden lang einen Ausschnitt der Rede.

Person B hört nur auf einen Bereich: Lautstärke, Tempo, Pausen, Blickkontakt oder Glaubwürdigkeit der Figur.

Danach gibt Person B eine Rückmeldung mit zwei Sätzen:

Das wirkt schon überzeugend, weil ...

Noch glaubwürdiger würde die Figur wirken, wenn ...

Anschließend werden die Rollen getauscht.


Publikum bewusst ansprechen

Eine Rede wird stärker, wenn das Publikum nicht nur „anwesend“ ist, sondern angesprochen wird.

Mögliche Mittel sind:

Direkte Anrede: „Ihr kennt mich seit Jahren.“

Rhetorische Frage: „Würdet ihr an meiner Stelle einfach schweigen?“

Wiederholung: „Ich will gehört werden. Ich will fair behandelt werden.“

Appell: „Gebt mir die Möglichkeit, meine Sicht zu erklären.“

Gemeinsamer Bezug: „Wir haben immer gesagt, dass Zusammenhalt für uns wichtig ist.“

Verwende solche Mittel gezielt. Eine Rede wird nicht besser, wenn in jedem Satz eine rhetorische Frage steht.


Sprachliche Hilfen für Deine Rede

Für einen klaren Einstieg:

Heute spreche ich zu euch, weil ...

Ihr wisst, was geschehen ist. Aber ...

Bevor ihr entscheidet, müsst ihr ...

Für eine Position:

Ich bin überzeugt, dass ...

Ich fordere deshalb ...

Für mich steht fest ...

Für Begründungen:

Das ist wichtig, weil ...

Ein Grund dafür ist ...

Ihr habt selbst erlebt, dass ...

Für Gegenargumente:

Vielleicht denkt ihr ...

Ihr könnt mir vorwerfen, dass ...

Ich verstehe diesen Einwand, aber ...

Für einen Appell:

Deshalb bitte ich euch ...

Trefft eure Entscheidung erst, wenn ...

Gebt uns die Chance ...


Typische Fehler und wie Du sie vermeidest

Typischer Fehler Bessere Lösung
Die Figur weiß Dinge aus späteren Kapiteln. Prüfe den Wissensstand der Figur zum Zeitpunkt der Rede.
Die Rede erzählt nur die Handlung nach. Formuliere eine klare Position und nutze Ereignisse als Argumente.
Die Figur spricht wie ein neutraler Erzähler. Zeige Gefühle, Beziehungen und eigene Interessen der Figur.
Die Argumente passen nicht zum Publikum. Überlege, was gerade diese Zuhörenden überzeugen könnte.
Die Rede besteht nur aus Vorwürfen. Begründe Vorwürfe und formuliere ein Ziel oder einen Appell.
Der Text klingt schriftlich und kompliziert. Lies laut und kürze zu lange Sätze.
Der Vortrag wird abgelesen. Nutze Stichwortkarten und übe Blickkontakt.


Die Glaubwürdigkeitsprobe

Bevor Du Deine Rede abgibst oder hältst, prüfe jeden wichtigen Absatz mit diesen Fragen:

  1. Wissensprobe: Kann die Figur das wissen?
  2. Motivprobe: Hat die Figur einen Grund, das zu sagen?
  3. Beziehungsprobe: Passt die Aussage zum Verhältnis zum Publikum?
  4. Sprachprobe: Passt die Wortwahl zur Figur und zur Romanwelt?
  5. Argumentprobe: Unterstützt der Absatz wirklich die Position?
  6. Publikumsprobe: Kann das Publikum verstehen, warum diese Aussage wichtig ist?

Wenn Du bei einer Frage unsicher bist, suche erneut im Roman nach passenden Textstellen.


Schreibkonferenz

Eine Schreibkonferenz hilft beim Überarbeiten. Arbeitet zu zweit oder in einer kleinen Gruppe. Eine Person liest ihre Rede vor, die anderen prüfen den Text.

Verwendet dabei diese Reihenfolge:

  1. Ist Anlass und Publikum klar?
  2. Ist die Position eindeutig?
  3. Gibt es mindestens zwei nachvollziehbare Argumente?
  4. Gibt es passende Bezüge zum Roman?
  5. Klingt die Rede nach der Figur?
  6. Gibt es einen klaren Appell?
  7. Welche Stelle ist beim Hören besonders stark?
  8. Welche Stelle sollte noch überarbeitet werden?


Eine mögliche Bewertungsübersicht

Die folgende Übersicht kann Dir beim Üben helfen. Sie ist ein Lernraster und keine allgemein verbindliche Notentabelle.

Bereich Das sollte erkennbar sein
Anlass und Publikum Die Redesituation ist klar und die Zuhörenden werden passend angesprochen.
Position Das Ziel der Figur wird deutlich.
Argumentation Die Argumente sind verständlich begründet und sinnvoll geordnet.
Romanbezug Ereignisse, Beziehungen und Konflikte des Romans werden passend genutzt.
Figurenperspektive Wissen, Gefühle, Ziele und Sprache wirken glaubwürdig.
Aufbau Einstieg, Hauptteil, Gegenargument, Appell und Schluss sind nachvollziehbar.
Sprache Die Sätze sind verständlich, passend und gut sprechbar.
Vortrag Stimme, Tempo, Pausen, Blickkontakt und Körpersprache unterstützen die Rede.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt den Anlass einer Figurenrede am besten? (Die konkrete Situation, in der die Figur einen Grund zum Sprechen hat) (!Die Länge des Romans) (!Die Anzahl der Kapitel) (!Die Biografie der Autorin oder des Autors)




Warum ist das Publikum für die Planung der Rede wichtig? (Weil Sprache und Argumente zu den Zuhörenden passen müssen) (!Weil jede Rede genau gleich aufgebaut sein muss) (!Weil das Publikum die Handlung des Romans verändert) (!Weil nur das Publikum die Figur beschreiben darf)




Was ist die Position einer Romanfigur in einer Rede? (Der Standpunkt oder das Ziel, das sie vertritt) (!Der Ort, an dem der Roman gedruckt wurde) (!Die Erzählzeit des gesamten Romans) (!Die Seitenzahl der wichtigsten Szene)




Welche Reihenfolge hilft beim Aufbau eines Arguments? (Behauptung Begründung Romanbezug Wirkung) (!Anrede Titel Seitenzahl Schluss) (!Gefühl Kapitelüberschrift Autor Verlag) (!Frage Überschrift Fußnote Inhaltsverzeichnis)




Was macht eine Figurenperspektive glaubwürdig? (Die Rede passt zum Wissen den Zielen und Beziehungen der Figur) (!Die Figur kennt alle Geheimnisse des Romans) (!Die Figur spricht immer besonders kompliziert) (!Die Figur verwendet nur sachliche Formulierungen)




Welche Frage prüft den Wissensstand der Figur? (Woher kann die Figur das in diesem Moment wissen) (!Wie viele Seiten hat der Roman) (!Welche Farbe hat das Buchcover) (!Wie schnell wurde der Roman geschrieben)




Warum kann ein Gegenargument eine Rede verbessern? (Weil die Figur einen Einwand aufgreifen und beantworten kann) (!Weil dadurch keine eigene Position mehr nötig ist) (!Weil Gegenargumente immer am Anfang stehen müssen) (!Weil damit der Roman zusammengefasst wird)




Was ist ein Appell in einer Rede? (Eine Aufforderung an das Publikum) (!Eine Beschreibung des Buchcovers) (!Eine Erklärung der Erzählform) (!Eine Liste aller Romanfiguren)




Warum sollte eine fertige Rede laut gelesen werden? (Weil man dabei schwer sprechbare oder zu lange Sätze erkennen kann) (!Weil eine Rede niemals überarbeitet werden darf) (!Weil dadurch neue Romanfiguren entstehen) (!Weil nur lautes Lesen als Romanbeleg gilt)




Was ist beim Vortrag einer Figurenrede besonders sinnvoll? (Stimme Pausen Blickkontakt und Körpersprache passend einzusetzen) (!Den gesamten Text ohne Pause möglichst schnell vorzulesen) (!Das Publikum während der ganzen Rede nicht anzusehen) (!Jeden Satz mit derselben Betonung zu sprechen)





Memory

Anlass Grund für die Rede
Publikum Zuhörende der Rede
Position Standpunkt der Figur
Argument begründeter Gedanke
Romanbezug Verbindung zu einem Ereignis des Textes
Appell Aufforderung am Schluss





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Anlass Grund für das Sprechen
Publikum angesprochene Zuhörende
Position Ziel oder Standpunkt
Argumentation Gründe für die Position
Figurenperspektive glaubwürdige Sicht der Romanfigur






Kreuzworträtsel

Publikum Wer hört einer Rede zu?
Position Wie nennt man den vertretenen Standpunkt?
Argument Wie heißt ein begründeter Gedanke zur Unterstützung einer Position?
Perspektive Wie nennt man die Sichtweise einer Figur?
Anlass Wie heißt der Grund für das Halten einer Rede?
Appell Wie nennt man eine Aufforderung an das Publikum?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Der konkrete Grund für eine Rede heißt

. Die Menschen, an die sich die Rede richtet, bilden das

. Der zentrale Standpunkt der Figur heißt

. Ein überzeugender Gedanke sollte nicht nur behauptet, sondern auch

werden. Ein Ereignis aus dem Roman kann als

dienen. Eine Figur darf nur Wissen verwenden, das sie in der Situation glaubwürdig

kann. Die Sprache der Rede soll zur Figur und zur

passen. Ein möglicher Einwand kann als

aufgegriffen werden. Eine direkte Aufforderung an die Zuhörenden nennt man

. Beim Vortrag können bewusste Pausen die

wichtiger Aussagen verstärken.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurensteckbrief: Wähle eine Romanfigur aus Eurer aktuellen Lektüre und notiere fünf Informationen, die für eine mögliche Rede wichtig wären. Formuliere anschließend zwei Sätze in der Ich-Perspektive dieser Figur.
  2. Redeanlass: Erfinde drei unterschiedliche Redeanlässe für dieselbe Figur. Schreibe jeweils in einem Satz auf, warum die Figur sprechen muss.
  3. Publikumsanalyse: Lass dieselbe Figur einmal zu einer befreundeten und einmal zu einer feindlich eingestellten Person sprechen. Schreibe für beide Situationen eine passende Anrede und zwei Sätze.
  4. Betonung: Wähle einen wichtigen Satz Deiner Figur und sprich ihn dreimal mit unterschiedlicher Betonung. Erkläre anschließend mündlich, wie sich die Wirkung verändert.


Standard

  1. Argumentationskette: Formuliere für eine Position Deiner Figur zwei vollständige Argumente nach dem Muster Behauptung Begründung Romanbezug Wirkung.
  2. Gegenargument: Schreibe einen möglichen Vorwurf des Publikums auf. Formuliere danach eine Antwort, mit der Deine Figur den Einwand ernst nimmt und trotzdem ihre Position verteidigt.
  3. Redeentwurf: Verfasse eine Rede von etwa zwei Minuten aus Sicht einer Romanfigur. Baue Anlass, Position, zwei Argumente, einen Romanbezug und einen Appell ein.
  4. Sprechfeedback: Trage Deinen Redeentwurf einer Partnerperson vor. Lass Dir Rückmeldung zu Tempo, Lautstärke, Blickkontakt und Glaubwürdigkeit der Figurenperspektive geben und überarbeite danach mindestens drei Stellen.


Schwer

  1. Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe Konfliktrede aus Sicht zweier gegnerischer Romanfiguren. Achte darauf, dass beide Reden nachvollziehbare, aber unterschiedliche Argumente enthalten.
  2. Publikumswechsel: Schreibe einen zentralen Abschnitt Deiner Rede zweimal: einmal für ein unterstützendes Publikum und einmal für ein skeptisches Publikum. Begründe anschließend, warum Du Sprache und Argumentation verändert hast.
  3. Rededuell: Arbeitet zu zweit. Jede Person vertritt eine andere Romanfigur. Bereitet je eine zweiminütige Rede und eine einminütige Erwiderung vor. Führt danach ein Rededuell durch und wertet aus, welche Argumente besonders glaubwürdig waren.
  4. Videoanalyse: Nimm Deine Figurenrede als Video auf. Sieh die Aufnahme ohne Ton und danach nur mit Ton an. Untersuche getrennt Körpersprache und Stimme, überarbeite Deinen Vortrag und nimm eine zweite Version auf.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Redesituation analysieren: Du erhältst eine neue Situation zu einer bekannten Romanfigur. Erkläre, wie Anlass und Publikum die Position, Wortwahl und Auswahl der Argumente verändern.
  2. Argumente gewichten: Entwickle drei mögliche Argumente für eine Figur. Entscheide, welches Argument für das konkrete Publikum am stärksten ist, und begründe Deine Entscheidung.
  3. Perspektivfehler erkennen: Untersuche einen kurzen Figurenrede-Entwurf, in dem die Figur Wissen verwendet, das sie noch nicht haben kann. Erkläre den Fehler und formuliere die Stelle glaubwürdig neu.
  4. Gegenposition berücksichtigen: Formuliere einen Einwand gegen die Position einer Figur und eine passende Antwort. Zeige, warum diese Antwort zur Beziehung zwischen Figur und Publikum passt.
  5. Rede überarbeiten: Überarbeite einen absichtlich schwachen Redeabschnitt, der nur Handlung nacherzählt. Verwandle ihn in einen argumentierenden Abschnitt mit Position, Begründung und Romanbezug.
  6. Sprechwirkung untersuchen: Halte denselben Redeabschnitt einmal ruhig und einmal sehr aufgebracht. Vergleiche die Wirkung und entscheide, welche Variante besser zur Figur und zur Situation passt.
  7. Transfer: Übertrage den Fünf-Fragen-Check auf eine Figur aus einem anderen Roman, Film oder Theaterstück. Zeige, welche Informationen Du brauchst, bevor Du eine glaubwürdige Rede schreiben kannst.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur eine Rede abgibst, sondern zeigen kannst, wie Du sie geplant, begründet und überarbeitet hast.

  1. Planung: Anlass, Publikum, Position und Ziel der Figur sind klar festgelegt.
  2. Textgrundlage: Aussagen und Argumente lassen sich sinnvoll aus dem Roman ableiten.
  3. Figurenperspektive: Wissen, Gefühle, Ziele, Beziehungen und Sprache passen zur Figur.
  4. Argumentation: Mindestens zwei tragfähige Argumente werden verständlich begründet.
  5. Gegenargument: Ein möglicher Einwand wird sinnvoll aufgenommen und beantwortet.
  6. Redeaufbau: Einstieg, Hauptteil, Appell und Schluss sind klar erkennbar.
  7. Adressatenbezug: Die Rede spricht das konkrete Publikum passend an.
  8. Sprachgestaltung: Wortwahl und Satzbau sind verständlich, wirkungsvoll und gut sprechbar.
  9. Überarbeitung: Rückmeldungen oder eigene Prüfkriterien führen zu erkennbaren Verbesserungen.
  10. Vortrag: Lautstärke, Tempo, Pausen, Betonung, Blickkontakt und Körpersprache unterstützen die Aussage.
  11. Reflexion: Du kannst erklären, warum Deine Rede zur Figur, zum Anlass und zum Publikum passt.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Die Rede aus Sicht einer Romanfigur verbindet literarisches Textverstehen mit argumentierendem Schreiben und mündlichem Sprechen. Besonders wichtig sind Figurenanalyse, Perspektivübernahme, Adressatenbezug, Argumentationsaufbau, rhetorische Gestaltung und Vortrag.


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