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D9 G - Gedichte

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D9 G - Gedichte




D9 G - Gedichte


Einleitung

Gedichte begegnen Dir nicht nur im Deutschunterricht. Auch Songtexte, Rap, Poetry Slam, Sprüche, Werbeslogans und kurze Texte in sozialen Medien arbeiten oft mit Klang, Rhythmus, Wiederholungen und Bildern. Gedichte gehören zur literarischen Gattung der Lyrik. Sie können Gefühle ausdrücken, Situationen beschreiben, Geschichten andeuten, Fragen stellen oder eine bestimmte Stimmung erzeugen.

In diesem aiMOOC lernst Du Schritt für Schritt, wie Du ein Gedicht untersuchst. Auf dem G-Niveau der Klasse 9 geht es vor allem darum, Beobachtungen verständlich zu erklären und mit passenden Stellen aus dem Gedicht zu begründen. Du musst nicht jedes Gedicht vollständig entschlüsseln. Wichtig ist, dass Du genau liest, Wirkung beschreibst und einfache Fachbegriffe richtig verwendest.

Am Ende solltest Du vor allem diese Fragen beantworten können:

  1. Aufbau: Aus wie vielen Strophen und Versen besteht das Gedicht?
  2. Thema: Worum geht es?
  3. Lyrisches Ich oder Sprecher: Wer spricht im Gedicht?
  4. Stimmung: Welche Gefühle und Atmosphäre entstehen?
  5. Reim und Klang: Gibt es Reime, Wiederholungen oder einen auffälligen Rhythmus?
  6. Sprachliche Bilder: Welche Bilder erzeugt die Sprache?
  7. Wirkung: Wie wirken Form und Sprache zusammen?


Ein Gedicht zuerst hören

Gedichte sind für das Sprechen und Hören besonders geeignet. Betonung, Tempo, Lautstärke und Pausen können die Wirkung stark verändern. Höre deshalb ein Gedicht möglichst auch einmal laut.

Dieses Hörbeispiel enthält eine Rezitation von Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“. Achte beim Hören zunächst nicht auf Fachbegriffe. Frage Dich nur: Wirkt die Stimme ruhig, angespannt, traurig, kraftvoll oder bedrückend? Welche Wörter bleiben Dir im Gedächtnis?


Was ist ein Gedicht?

Ein Gedicht ist ein literarischer Text, der meist in Versen geschrieben ist. Mehrere Verse können zu Strophen zusammengefasst sein. Gedichte sind oft kürzer als Erzählungen, können aber besonders verdichtet sein. Das bedeutet: Wenige Wörter können viele Gedanken, Gefühle und Bilder auslösen.

Nicht alle Gedichte reimen sich. Nicht alle Gedichte haben einen regelmäßigen Rhythmus. Nicht alle Gedichte haben ein lyrisches Ich. Deshalb solltest Du nie nur prüfen, ob ein Text Reime besitzt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Form, Inhalt, Sprache und Wirkung.

Ein kurzes Beispiel:

Am Fenster hängt der Abend schwer,
die Straße rauscht, mein Zimmer schweigt.
Ein Licht geht an, ich atme mehr,
bis sich die dunkle Stunde neigt.

An diesem Beispiel kannst Du bereits wichtige Merkmale erkennen. Der Text hat vier Verse. Die Wörter „schwer“ und „mehr“ reimen sich, ebenso „schweigt“ und „neigt“. Weil sich der erste mit dem dritten und der zweite mit dem vierten Vers reimt, liegt ein Kreuzreim vor. Das Wort „ich“ zeigt außerdem, dass ein lyrisches Ich spricht. Die Stimmung beginnt eher bedrückt und wird zum Ende hin etwas heller.


Gedichte sehen anders aus als Fließtext

Ein Gedicht ist meist schon auf den ersten Blick erkennbar. Die Zeilen enden nicht einfach dort, wo am Seitenrand kein Platz mehr ist. Ein Vers endet dort, wo der Text bewusst eine neue Zeile beginnt. Dieser Zeilenbau kann den Rhythmus und die Bedeutung beeinflussen.

Die Abbildung zeigt eine Handschrift zu Friedrich Hölderlins Gedicht „Der Rhein“. Sie macht sichtbar, dass Gedichte nicht nur aus fertigen Druckzeilen bestehen: Dichterinnen und Dichter arbeiten an Wörtern, Zeilen, Anordnungen und Formulierungen.


Aufbau eines Gedichts


Titel

Der Titel kann einen ersten Hinweis auf das Thema geben. Manchmal nennt er einen Ort, eine Person, einen Gegenstand oder ein Gefühl. Manchmal bleibt er rätselhaft. Lies den Titel deshalb am Anfang und am Ende Deiner Untersuchung noch einmal. Nach dem Lesen des Gedichts kann er eine neue Bedeutung bekommen.


Vers

Ein Vers ist eine einzelne Gedichtzeile. Wenn ein Gedicht neun Zeilen besitzt, hat es neun Verse.

Beispiel:

Der Wind zieht durch die Straßen.

Dieser eine Satz kann ein Vers sein. Ein Vers muss aber nicht mit einem vollständigen Satz enden.


Strophe

Eine Strophe besteht aus mehreren Versen, die als Gruppe zusammenstehen. Zwischen zwei Strophen steht meistens eine Leerzeile. Strophen kann man mit Absätzen in einem Sachtext vergleichen.

Beim Untersuchen schreibst Du zum Beispiel:

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen.

Diese einfache Beobachtung ist wichtig, weil ein Wechsel der Strophe oft auch einen Wechsel des Gedankens, der Situation oder der Stimmung markiert.


Zeilensprung oder Enjambement

Wenn ein Satz am Ende eines Verses noch nicht beendet ist und im nächsten Vers weitergeht, spricht man von einem Zeilensprung oder Enjambement.

Beispiel:

Ich gehe durch die leere
Straße bis zum Tor.

Der Satz läuft über die Versgrenze hinweg. Dadurch kann der Text fließender, schneller oder unruhiger wirken.


Satzende und Pause

Endet ein Satz genau mit dem Vers, entsteht häufig eine deutlichere Pause. Viele kurze Sätze können abgehackt, entschieden oder angespannt wirken. Lange Sätze über mehrere Verse können dagegen fließend, ruhig oder drängend wirken. Die Wirkung hängt immer vom gesamten Gedicht ab.


Thema und Inhalt

Das Thema beantwortet die Frage: Worum geht es im Kern? Der Inhalt beschreibt genauer, was im Gedicht passiert oder dargestellt wird.

Beispiel:

Ein Gedicht beschreibt eine Person, die nachts allein durch eine Stadt geht und an einen Freund denkt.

Der Inhalt ist die nächtliche Situation. Das Thema könnte Einsamkeit, Freundschaft, Sehnsucht oder Erinnerung sein. Welches Thema am besten passt, musst Du mit dem Text begründen.

Formuliere das Thema möglichst kurz:

Das Gedicht handelt von der Sehnsucht nach Nähe.

Oder:

Im Mittelpunkt steht das Gefühl, in einer schwierigen Situation eingeschlossen zu sein.

Vermeide sehr allgemeine Aussagen wie „Es geht um das Leben“. Solche Aussagen sind meist zu ungenau.


So findest Du das Thema

Lies das Gedicht mindestens zweimal. Markiere Wörter, die mehrfach vorkommen oder zu einem gemeinsamen Bereich gehören. Frage Dich dann: Welche Situation wird dargestellt? Welche Gefühle sind wichtig? Verändert sich etwas? Gibt es einen Gegensatz?

Wenn zum Beispiel Wörter wie „Tür“, „Gitter“, „Mauer“, „eng“ und „kein Weg“ vorkommen, könnte das Thema Gefangensein oder Unfreiheit sein.


Lyrisches Ich und Sprecher

Eine besonders wichtige Regel lautet:

Die Person, die ein Gedicht geschrieben hat, ist nicht automatisch die Person, die im Gedicht spricht.

Der reale Mensch heißt Autorin oder Autor. Die Stimme im Gedicht nennt man Sprecher, Sprecherin oder Sprecherinstanz. Wenn diese Stimme mit „ich“, „mir“, „mich“, „mein“ oder „wir“ spricht, wird im Schulunterricht häufig vom lyrischen Ich gesprochen.

Beispiel:

Ich warte hier im Regen.

Hier spricht ein lyrisches Ich.

Beispiel:

Über den Dächern zieht der Regen.

Hier kommt kein „Ich“ vor. Trotzdem wird etwas aus einer bestimmten sprachlichen Perspektive dargestellt. Dann ist der Begriff Sprecher oder Sprecherinstanz genauer.


Autor und lyrisches Ich nicht verwechseln

Wenn ein Gedicht sagt „Ich bin traurig“, darfst Du nicht automatisch schreiben: „Der Autor ist traurig.“ Du weißt nur, dass die Stimme im Gedicht Traurigkeit ausdrückt.

Besser ist:

Das lyrische Ich wirkt traurig.

Oder:

Der Sprecher beschreibt eine bedrückende Situation.


Was kannst Du über den Sprecher herausfinden?

Frage Dich:

  1. Spricht jemand als „ich“ oder „wir“?
  2. Wird eine andere Person direkt mit „du“ angesprochen?
  3. Beobachtet der Sprecher eher von außen?
  4. Werden Gedanken oder Gefühle genannt?
  5. Verändert sich die Haltung im Verlauf des Gedichts?

Diese Fragen helfen Dir, die Perspektive zu verstehen.


Stimmung und Atmosphäre

Die Stimmung beschreibt, wie ein Gedicht auf Dich wirkt und welche Gefühle es vermittelt. Typische Stimmungen sind zum Beispiel ruhig, fröhlich, hoffnungsvoll, traurig, düster, unheimlich, angespannt, wütend, sehnsüchtig oder feierlich.

Wichtig ist: Eine Stimmung ist nicht nur Deine persönliche Meinung. Du solltest sie am Text erklären.

Statt:

Das Gedicht ist traurig.

besser:

Das Gedicht wirkt traurig, weil Wörter wie „leer“, „still“ und „verloren“ eine bedrückende Atmosphäre erzeugen.


Stimmungswechsel

Viele Gedichte verändern ihre Stimmung. Ein Gedicht kann zum Beispiel ruhig beginnen, dann bedrohlich werden und am Ende hoffnungsvoll wirken. Solche Veränderungen sind besonders wichtig.

Achte auf Signalwörter wie „doch“, „aber“, „plötzlich“, „nun“, „endlich“ oder „trotzdem“. Auch eine neue Strophe kann einen Stimmungswechsel anzeigen.


Reim und Klang

Reime können ein Gedicht einprägsam und klangvoll machen. Sie können aber auch Gegensätze oder zusammengehörige Gedanken miteinander verbinden.

Das Video führt in Verse, Strophen und verschiedene Reimschemata ein. Für Dein Grundwissen sind besonders Paarreim, Kreuzreim und umarmender Reim wichtig.


Endreim

Beim Endreim klingen die Wörter am Ende verschiedener Verse ähnlich.

Beispiel:

Ich sehe über das Meer.
Der Himmel wird so schwer.

„Meer“ und „schwer“ bilden einen Reim.


Reimschema bestimmen

Für das Reimschema vergibst Du Buchstaben. Wörter, die sich reimen, erhalten denselben Buchstaben.

Paarreim: aabb

... Nacht (a)
... erwacht (a)
... Wind (b)
... Kind (b)

Beim Paarreim reimen sich jeweils zwei direkt aufeinanderfolgende Verse.

Kreuzreim: abab

... Nacht (a)
... Wind (b)
... erwacht (a)
... Kind (b)

Beim Kreuzreim wechseln sich zwei Reime ab.

Umarmender Reim: abba

... Nacht (a)
... Wind (b)
... Kind (b)
... erwacht (a)

Beim umarmenden Reim umschließen die äußeren Reime die inneren.


Gedichte ohne Reim

Ein Gedicht muss sich nicht reimen. Moderne Gedichte arbeiten häufig mit freien Versen. Dann können Wiederholungen, Satzbau, Wortwahl, Rhythmus und Zeilenumbrüche besonders wichtig sein.


Rhythmus und Metrum

Der Rhythmus entsteht beim Sprechen durch betonte und unbetonte Silben, Pausen und Satzmelodie. Ein regelmäßiges Muster nennt man Versmaß oder Metrum.

Auf G-Niveau solltest Du vor allem verstehen, dass ein regelmäßiger Rhythmus eine Wirkung erzeugen kann. Du musst nicht bei jedem Gedicht unbedingt ein Versmaß bestimmen.

Zwei häufige Grundmuster sind:

  1. Jambus: unbetont – betont, zum Beispiel „verSTEHN“
  2. Trochäus: betont – unbetont, zum Beispiel „SONne“

Ein schneller oder gleichmäßiger Rhythmus kann Bewegung erzeugen. Ein stockender Rhythmus kann Unsicherheit oder Spannung verstärken. Entscheidend ist wieder die Verbindung mit Inhalt und Stimmung.


Rhythmus hörbar machen

Lies einen Vers laut. Klatsche oder tippe bei deutlich betonten Silben. Lies denselben Vers danach bewusst langsam und dann schnell. Du wirst merken, wie stark das Sprechtempo die Wirkung verändert.


Sprachliche Bilder und Stilmittel

Gedichte sagen vieles nicht direkt. Sie arbeiten mit Bildern und besonderen Formulierungen. Auf G-Niveau solltest Du einige grundlegende Stilmittel erkennen und ihre Wirkung einfach erklären können.


Vergleich

Ein Vergleich verbindet zwei Bereiche häufig mit „wie“ oder „als“.

Beispiel:

Die Straße glänzt wie ein Spiegel.

Wirkung: Du kannst Dir die nasse oder helle Straße bildlich vorstellen.


Metapher

Eine Metapher ist ein sprachliches Bild ohne ausdrückliches „wie“.

Beispiel:

Ein Meer aus Lichtern liegt vor mir.

Gemeint ist kein echtes Meer. Viele Lichter werden bildhaft als Meer vorgestellt.


Personifikation

Bei einer Personifikation erhält etwas Nichtmenschliches menschliche Eigenschaften.

Beispiel:

Der Morgen lächelt.

Ein Morgen kann nicht wirklich lächeln. Die Formulierung kann eine freundliche, positive Stimmung erzeugen.


Wiederholung

Eine Wiederholung hebt Wörter, Sätze oder Satzteile hervor.

Beispiel:

Warte, warte, geh noch nicht.

Das wiederholte Wort „warte“ verstärkt die Dringlichkeit.


Alliteration

Bei einer Alliteration beginnen mehrere nahe Wörter mit demselben Laut.

Beispiel:

Wind und Wolken wandern.

Die ähnlichen Anfangslaute machen die Formulierung klangvoll und auffällig.


Gegensatz

Ein Gegensatz stellt unterschiedliche oder entgegengesetzte Begriffe nebeneinander, zum Beispiel „hell und dunkel“, „Nähe und Ferne“ oder „Freude und Schmerz“. Gegensätze können einen Konflikt oder eine Veränderung verdeutlichen.


Beispiel: Ein kurzes Gedicht untersuchen

Wir betrachten noch einmal das erfundene Beispiel:

Am Fenster hängt der Abend schwer,
die Straße rauscht, mein Zimmer schweigt.
Ein Licht geht an, ich atme mehr,
bis sich die dunkle Stunde neigt.

Aufbau: Das Gedicht besteht aus einer Strophe mit vier Versen.

Thema: Eine mögliche Deutung ist der Übergang von bedrückender Einsamkeit zu vorsichtiger Erleichterung.

Sprecher: Durch „mein“ und „ich“ ist ein lyrisches Ich erkennbar.

Stimmung: Wörter wie „schwer“, „schweigt“ und „dunkle“ wirken zunächst bedrückend. „Ein Licht geht an“ und „ich atme mehr“ deuten eine Aufhellung an.

Reim: „schwer – mehr“ und „schweigt – neigt“ ergeben das Reimschema abab, also einen Kreuzreim.

Sprachliche Bilder: „Der Abend hängt schwer“ ist bildhaft. Der Abend kann nicht wirklich hängen. Dadurch wird das Gefühl von Belastung verstärkt.

Wirkung: Form, Wortwahl und Bildsprache unterstützen die Entwicklung von Dunkelheit zu vorsichtiger Hoffnung.

So kann eine einfache, aber vollständige Gedichtuntersuchung aussehen.


Gedichte lesen: eine einfache Strategie

Du kannst bei fast jedem Gedicht in fünf Schritten vorgehen.

  1. Erster Eindruck: Lies das Gedicht einmal vollständig und notiere Deine erste Stimmung.
  2. Unbekannte Wörter: Kläre Wörter, die Du nicht verstehst.
  3. Aufbau: Zähle Strophen und Verse und prüfe Reime oder auffällige Zeilensprünge.
  4. Inhalt und Sprecher: Fasse jede Strophe kurz zusammen und bestimme, wer spricht.
  5. Sprache und Wirkung: Markiere auffällige Wörter und Stilmittel und erkläre, was sie bewirken.


Markierhilfe

Du kannst mit verschiedenen Farben arbeiten. Markiere zum Beispiel Wörter zur Stimmung in einer Farbe, Wörter zum Thema in einer zweiten Farbe und sprachliche Bilder in einer dritten Farbe. So erkennst Du schneller Zusammenhänge.


Eine Gedichtanalyse schreiben

Eine einfache schriftliche Gedichtanalyse besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss.


Einleitung der Gedichtanalyse

In die Einleitung gehören normalerweise Autorin oder Autor, Titel, Textsorte und Thema.

Beispiel:

Das Gedicht „...“ von ... handelt von ... .

Wenn das Entstehungsjahr bekannt und für die Aufgabe wichtig ist, kannst Du es ergänzen.


Hauptteil der Gedichtanalyse

Im Hauptteil erklärst Du Deine Beobachtungen. Eine sinnvolle Reihenfolge ist:

  1. Aufbau und Form
  2. Inhalt der Strophen
  3. Sprecher oder lyrisches Ich
  4. Stimmung und mögliche Veränderungen
  5. auffällige Sprache und Stilmittel
  6. Wirkung von Reim, Rhythmus und Wortwahl

Verknüpfe Beobachtung und Wirkung.

Schwach:

Es gibt eine Metapher.

Besser:

Die Metapher „...“ erzeugt ein Bild von ... und verstärkt dadurch die Stimmung von ... .


Belege verwenden

Eine Aussage über ein Gedicht solltest Du mit einer Textstelle belegen. Dafür reicht oft ein kurzes Wort oder eine kurze Wortgruppe.

Beispiel:

Die Stimmung wirkt bedrückend. Das zeigen Wörter wie „leer“ und „kalt“.

Du musst nicht ständig lange Verse abschreiben. Kurze, passende Belege sind meist besser.


Schluss der Gedichtanalyse

Im Schluss fasst Du die wichtigste Wirkung zusammen. Du kannst auch erklären, welche Entwicklung das Gedicht zeigt oder warum die Form gut zum Thema passt.

Beispiel:

Insgesamt zeigt das Gedicht, wie sich Unsicherheit langsam in Hoffnung verwandelt. Die Gegensätze zwischen Dunkelheit und Licht unterstützen diese Entwicklung.


Hörbeispiele: Gedichte klingen unterschiedlich

Beim Vortragen eines Gedichts gestaltest Du Bedeutung mit. Eine Pause kann ein Wort hervorheben. Ein langsames Tempo kann Traurigkeit verstärken. Eine laute Stimme kann Wut oder Entschlossenheit ausdrücken.


Hörbeispiel 1: Der Panther

Höre auf Tempo, Pausen und Betonungen. Überlege danach: Wie wird das Gefühl von Begrenzung hörbar? Welche Wörter werden besonders betont?


Hörbeispiel 2: Der Panther in einer anderen Rezitation

Vergleiche beide Vorträge. Obwohl der Gedichttext derselbe ist, kann die Wirkung unterschiedlich sein. Notiere zwei Unterschiede beim Sprechtempo, bei der Lautstärke oder bei Pausen.


Hörbeispiel 3: Heidenröslein

In diesem Video wird Goethes „Heidenröslein“ rezitiert und erklärt. Achte besonders auf die wiederkehrenden Verse. Wiederholungen können ein Gedicht einprägsam machen und einzelne Aussagen hervorheben.


Hörbeispiel 4: Gedicht und Vertonung vergleichen

Hier wird das „Heidenröslein“ musikalisch verarbeitet. Vergleiche die Wirkung einer gesprochenen Rezitation mit der Vertonung. Musik kann Stimmung, Tempo und Betonung stark verändern.


Hörbeispiel 5: Willkommen und Abschied

Goethes Gedicht „Willkommen und Abschied“ eignet sich gut, um Stimmungswechsel zu beobachten. Beim Hören kannst Du darauf achten, wie sich Bewegung, Freude und Abschied sprachlich und stimmlich unterscheiden.


Beispiel für Naturlyrik: Eduard Mörike

In Naturlyrik werden Naturerscheinungen häufig nicht nur beschrieben. Sie können zugleich eine Stimmung ausdrücken. Eduard Mörikes Gedicht „Er ist's“ verbindet die Wahrnehmung des Frühlings mit Erwartung und Freude. Wörter aus den Bereichen Farbe, Duft, Klang und Bewegung sprechen verschiedene Sinne an.

Achte bei Naturgedichten deshalb auf zwei Ebenen:

  1. Was wird in der Natur beobachtet?
  2. Welche Stimmung entsteht dadurch?


Beispiel für Natur und Sehnsucht: Joseph von Eichendorff

In vielen Gedichten von Joseph von Eichendorff spielen Natur, Nacht, Ferne und Sehnsucht eine große Rolle. Bei einem Gedicht wie „Mondnacht“ solltest Du nicht nur aufzählen, welche Naturbilder vorkommen. Frage zusätzlich, welche Gefühle mit diesen Bildern verbunden werden.

Eine Formulierung für eine Analyse könnte lauten:

Die ruhigen Naturbilder erzeugen eine friedliche und zugleich sehnsüchtige Stimmung.

Wichtig ist immer, diese Aussage mit Wörtern oder Bildern aus dem Gedicht zu belegen.


Gedichtformen

Gedichte können sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Es gibt traditionelle Formen mit festen Regeln und freie Formen ohne regelmäßigen Reim oder feste Strophenlänge.

Für den Einstieg genügt es, einige Formen zu kennen:

  1. Lied: häufig strophisch, klangvoll und gut singbar
  2. Ballade: verbindet lyrische, erzählende und oft dramatische Elemente
  3. Sonett: Gedichtform mit vierzehn Versen und festem Aufbau
  4. Haiku: kurze Gedichtform aus der japanischen Tradition
  5. Freie Verse: Gedicht ohne festes Reimschema oder regelmäßiges Metrum

Du musst die Gedichtform nur dann benennen, wenn Du sie sicher erkennst oder die Aufgabe danach fragt.


Häufige Fehler vermeiden

Einige Fehler kommen bei Gedichtanalysen besonders oft vor.

  1. Autor und Sprecher: Setze Autorin oder Autor nicht automatisch mit dem lyrischen Ich gleich.
  2. Stilmittel: Nenne ein Stilmittel nicht nur, sondern erkläre seine Wirkung.
  3. Thema: Formuliere nicht zu allgemein.
  4. Inhaltsangabe: Erzähle nicht nur nach, sondern untersuche auch Form und Sprache.
  5. Belege: Begründe Aussagen mit passenden Textstellen.
  6. Reim: Behaupte nicht, jedes Gedicht müsse sich reimen.
  7. Deutung: Eine Deutung ist überzeugend, wenn sie zum Text passt und begründet wird.


Merksätze

Vers = eine Gedichtzeile.

Strophe = Gruppe von Versen.

Thema = zentrale Frage oder zentraler Gegenstand des Gedichts.

Sprecher = Stimme, die im Gedicht spricht.

Lyrisches Ich = Sprecherstimme, die als „ich“ oder ähnlich auftritt.

Stimmung = Atmosphäre und Gefühlswirkung des Gedichts.

Reimschema = Ordnung der Reime am Versende.

Metapher = sprachliches Bild.

Personifikation = etwas Nichtmenschliches erhält menschliche Eigenschaften.

Analyse = Beobachtung + Beleg + Wirkung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie nennt man eine einzelne Zeile in einem Gedicht? (Vers) (!Strophe) (!Kapitel) (!Absatz)




Was ist eine Strophe? (Eine Gruppe von Versen) (!Der Titel des Gedichts) (!Ein einzelnes Reimwort) (!Die Unterschrift des Autors)




Was beschreibt das Thema eines Gedichts? (Worum es im Kern geht) (!Wie viele Buchstaben der Titel hat) (!Wo das Gedicht gedruckt wurde) (!Wie lang der Autor lebte)




Wer ist das lyrische Ich? (Die Stimme im Gedicht die als Ich spricht) (!Immer die reale Autorin oder der reale Autor) (!Die Person die das Gedicht abschreibt) (!Die Person die das Buch verkauft)




Welches Reimschema hat ein Kreuzreim? (abab) (!aabb) (!abba) (!aaaa)




Was ist eine Metapher? (Ein sprachliches Bild) (!Eine Strophenzahl) (!Ein Satzzeichen) (!Eine Überschrift)




Was passiert bei einer Personifikation? (Etwas Nichtmenschliches erhält menschliche Eigenschaften) (!Zwei Verse werden vertauscht) (!Jeder Vers erhält eine Zahl) (!Ein Gedicht wird ohne Titel geschrieben)




Was solltest Du bei einer Aussage zur Stimmung tun? (Sie mit Wörtern oder Textstellen begründen) (!Nur Deine persönliche Meinung nennen) (!Den Autor mit dem Sprecher gleichsetzen) (!Nur die Zahl der Verse angeben)




Was ist ein Enjambement? (Ein Satz läuft über das Versende hinaus) (!Zwei Wörter haben denselben Anfangsbuchstaben) (!Alle Verse enden mit einem Punkt) (!Ein Gedicht besitzt keinen Titel)




Welche Formel hilft bei einer guten Gedichtanalyse? (Beobachtung Beleg Wirkung) (!Titel Länge Seitenzahl) (!Autor Geburtsort Wohnort) (!Reim Farbe Schriftgröße)





Memory

Vers einzelne Gedichtzeile
Strophe Gruppe von Versen
Kreuzreim Reimschema abab
Metapher sprachliches Bild
Personifikation Vermenschlichung
Enjambement Zeilensprung
Sprecher Stimme im Gedicht
Stimmung Atmosphäre des Textes





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Vers einzelne Gedichtzeile
Strophe Gruppe mehrerer Verse
Paarreim Reimfolge aabb
Kreuzreim Reimfolge abab
Metapher sprachliches Bild
Personifikation menschliche Eigenschaft für etwas Nichtmenschliches






Kreuzworträtsel

Strophe Wie heißt eine Gruppe von Versen?
Sprecher Wie nennt man die Stimme die im Gedicht spricht?
Metapher Wie heißt ein sprachliches Bild ohne ausdrückliches wie?
Stimmung Wie nennt man die gefühlte Atmosphäre eines Gedichts?
Kreuzreim Wie heißt das Reimschema abab?
Vergleich Welches Stilmittel verwendet häufig das Wort wie?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Gedicht gehört zur literarischen Gattung der

. Eine einzelne Gedichtzeile heißt

. Mehrere zusammengehörige Verse bilden eine

. Die zentrale Frage oder der zentrale Gegenstand eines Gedichts wird als

bezeichnet. Die Stimme die im Gedicht spricht nennt man

. Tritt diese Stimme ausdrücklich als Ich auf spricht man häufig vom

. Die gefühlte Atmosphäre eines Gedichts heißt

. Beim Reimschema abab handelt es sich um einen

. Ein sprachliches Bild ohne ausdrückliches Vergleichswort kann eine

sein. Wenn etwas Nichtmenschliches menschliche Eigenschaften bekommt liegt eine

vor. Läuft ein Satz über das Ende eines Verses hinaus nennt man dies

. Bei einer guten Analyse verbindest Du eine Beobachtung mit einem Textbeleg und erklärst die

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Stimmungssammlung: Suche in einem kurzen Gedicht fünf Wörter, die eine Stimmung erzeugen. Schreibe daneben jeweils ein passendes Gefühlswort.
  2. Strophen und Verse markieren: Wähle ein Gedicht aus Deinem Schulbuch und nummeriere Strophen und Verse. Erkläre anschließend den Aufbau in zwei Sätzen.
  3. Vorleseprobe: Lies ein kurzes Gedicht zweimal laut vor. Lies es zuerst langsam und ruhig, danach schnell und aufgeregt. Beschreibe, wie sich die Wirkung verändert.
  4. Bild zum Gedicht: Gestalte ein Bild oder eine Collage zu einem Gedicht. Verwende Farben und Motive, die zur Stimmung passen, und begründe drei Entscheidungen.


Standard

  1. Sprecherprofil: Untersuche ein Gedicht und beschreibe die Sprecherstimme. Notiere, was sie wahrnimmt, fühlt oder denkt und welche Wörter Deine Aussagen belegen.
  2. Reimdetektiv: Suche ein Gedicht mit Endreimen. Markiere die Reimwörter, bestimme das Reimschema und erkläre, ob der Klang eher ruhig, schnell oder einprägsam wirkt.
  3. Gedicht als Audio: Nimm eine eigene Rezitation eines gemeinfreien Gedichts auf. Plane Betonungen und Pausen und schreibe danach eine kurze Begründung für Deine Gestaltung.
  4. Stimmungswechsel: Finde in einem Gedicht eine Stelle, an der sich die Stimmung verändert. Erstelle eine Vorher-Nachher-Tabelle mit Wörtern, Bildern und Wirkung.


Schwer

  1. Rezitationen vergleichen: Vergleiche zwei verschiedene Hörfassungen desselben Gedichts. Untersuche Tempo, Betonung, Lautstärke, Pausen und Wirkung und verfasse ein begründetes Urteil.
  2. Eigenes Gedicht: Schreibe ein Gedicht mit mindestens zwei Strophen, einem erkennbaren Sprecher und einem geplanten Stimmungswechsel. Verwende mindestens zwei sprachliche Bilder.
  3. Gedicht und Songtext: Vergleiche ein gemeinfreies Gedicht mit einem selbst gewählten Songtext, ohne längere Textstellen zu kopieren. Untersuche Sprecher, Thema, Wiederholung, Rhythmus und Stimmung.
  4. Gedichtvideo: Produziere ein kurzes Video zu einem gemeinfreien Gedicht. Verbinde eigene Bilder, passende Geräusche oder Musik und eine Rezitation. Begründe anschließend, wie Deine Gestaltung die Stimmung unterstützt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Deutung mit Belegen: Du erhältst ein unbekanntes kurzes Gedicht. Formuliere das Thema in einem Satz und begründe Deine Entscheidung mit mindestens zwei Textbelegen.
  2. Sprecher und Autor unterscheiden: Erkläre an einem unbekannten Gedicht, warum man die Sprecherstimme nicht automatisch mit der Autorin oder dem Autor gleichsetzen darf.
  3. Stimmung untersuchen: Beschreibe die Stimmung am Anfang und am Ende eines Gedichts. Zeige anhand der Wortwahl, ob und wie sie sich verändert.
  4. Form und Wirkung verbinden: Untersuche Strophenbau, Zeilenumbrüche oder Reime eines Gedichts und erkläre, welche Wirkung mindestens ein formales Merkmal erzeugt.
  5. Sprachbilder deuten: Wähle zwei sprachliche Bilder aus einem Gedicht. Erkläre jeweils in eigenen Worten, was sie bedeuten und wie sie zum Thema beitragen.
  6. Rezitation planen: Markiere in einem Gedicht Stellen für Pausen und Betonungen. Begründe, wie Deine Sprechweise die Stimmung und Aussage verständlich machen soll.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu D9 G - Gedichte ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe auswendig kennst, sondern sie an einem Gedicht anwenden kannst.

  1. Du erkennst Vers und Strophe und kannst den Aufbau beschreiben.
  2. Du formulierst das Thema eines Gedichts verständlich und passend.
  3. Du unterscheidest Autor und Sprecher beziehungsweise Lyrisches Ich.
  4. Du beschreibst die Stimmung und belegst Deine Aussage mit Wörtern oder Textstellen.
  5. Du erkennst einfache Reimschemata wie Paarreim, Kreuzreim und umarmenden Reim.
  6. Du kennst grundlegende Stilmittel wie Vergleich, Metapher, Personifikation, Wiederholung und Alliteration.
  7. Du erklärst nicht nur, welches Mittel vorkommt, sondern auch seine Wirkung.
  8. Du erkennst einen Zeilensprung und kannst eine mögliche Wirkung beschreiben.
  9. Du kannst ein Gedicht sinnvoll und hörbar gestalten.
  10. Du verknüpfst in einer Analyse Beobachtung, Textbeleg und Wirkung.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


Weiterführende Verbindungen

Gedichte lassen sich mit mehreren Lernbereichen verbinden. Beim Vorlesen trainierst Du Sprechgestaltung und Betonung. Beim kreativen Schreiben entwickelst Du eigene sprachliche Bilder. Im Musikunterricht kannst Du untersuchen, wie Gedichte vertont werden. Im Kunstunterricht kannst Du Stimmungen und Motive bildlich gestalten. Bei Poetry Slam und Rap wird besonders deutlich, wie Sprache, Rhythmus, Stimme und Vortrag zusammenwirken.


Medien zum Wiederholen und Vertiefen

Reimschema und Grundaufbau

Gedichtformen

Rezitation und Analyse: Heidenröslein

Rezitation: Willkommen und Abschied

Rezitation und Deutung: Der Panther


Mini-Checkliste für Klassenarbeiten

Bevor Du eine Gedichtanalyse abgibst, prüfe:

  1. Habe ich das Thema klar genannt?
  2. Habe ich den Sprecher oder das lyrische Ich beschrieben?
  3. Habe ich Strophen und Verse untersucht?
  4. Habe ich die Stimmung mit Textbelegen erklärt?
  5. Habe ich Reime oder auffällige Zeilenumbrüche beachtet?
  6. Habe ich mindestens einige sprachliche Mittel erklärt?
  7. Habe ich immer auch die Wirkung beschrieben?
  8. Habe ich Autor und Sprecher nicht verwechselt?
  9. Habe ich verständliche Sätze geschrieben?
  10. Habe ich am Ende die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst?


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