Zum Inhalt springen

D9 G - Figuren untersuchen und beschreiben

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

D9 G - Figuren untersuchen und beschreiben




D9 G - Figuren untersuchen und beschreiben


Einleitung

Wenn Du eine Geschichte liest, lernst Du Figuren nicht nur durch ihren Namen oder ihr Aussehen kennen. Du erfährst etwas über sie durch das, was sie tun, sagen, denken und fühlen. Auch die Reaktionen anderer Figuren geben Hinweise. Beim Untersuchen einer Figur sammelst Du deshalb zuerst konkrete Textinformationen und deutest sie erst danach.

In diesem aiMOOC trainierst Du auf G-Niveau in Klasse 9, Figuren verständlich und textnah zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen sechs Bereiche: Eigenschaften, Verhalten, Gefühle, Motive, Beziehungen und Veränderungen. Du arbeitest mit vielen kurzen Prosatexten. Die Texte sind eigens für diesen Kurs formuliert, damit Du einzelne Hinweise genau untersuchen kannst.

Eine gute Figurenbeschreibung erfindet nichts. Sie verbindet eine Aussage über die Figur mit einer passenden Stelle oder Information aus dem Text. Aus „Nora ist hilfsbereit“ wird zum Beispiel eine überzeugende Aussage, wenn Du ergänzt: „Das erkennt man daran, dass sie dem neuen Schüler ihren Platz zeigt und ihm ihre Notizen leiht.“

Das Bild kann Dich daran erinnern, dass Menschen über Haltung, Blick und Gesten wirken. In einem Prosatext stehen Dir jedoch nur die Informationen zur Verfügung, die der Text vermittelt. Deshalb gilt beim Lesen: Beobachtung zuerst, Deutung danach.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du eine Figur mit einfachen Fachbegriffen untersuchen. Du kannst Textinformationen zu Eigenschaften, Verhalten, Gefühlen, Motiven und Beziehungen sammeln. Du kannst erklären, wie sich eine Figur verändert. Außerdem kannst Du zwischen einer Textinformation und Deiner Deutung unterscheiden und kurze Belege passend in eigene Sätze einbauen.


Grundregel: Textinformation vor Deutung

Eine Textinformation ist etwas, das im Text ausdrücklich steht oder klar beschrieben wird. Eine Deutung erklärt, was diese Information über die Figur zeigen könnte. Deine Deutung muss zum Text passen.

Beispiel: „Emil schiebt sein Pausenbrot zu Samira, obwohl er selbst noch nichts gegessen hat.“ Die Textinformation lautet: Emil gibt Samira sein Brot. Eine mögliche Deutung lautet: Emil wirkt fürsorglich oder großzügig. Für eine gute Antwort verbindest Du beides: „Emil wirkt fürsorglich, weil er Samira sein Pausenbrot gibt, obwohl er selbst noch nichts gegessen hat.“

Ein nützlicher Dreischritt ist: Aussage – Textinformation – Erklärung. Du nennst zuerst eine Eigenschaft oder Beobachtung. Dann verweist Du auf eine konkrete Textinformation. Zum Schluss erklärst Du, warum diese Information zu Deiner Aussage passt.


Direkte und indirekte Charakterisierung

Bei der direkten Charakterisierung nennt der Text eine Eigenschaft ausdrücklich. Beispiel: „Mina war geduldig.“ Hier musst Du die Eigenschaft nicht erst erschließen.

Bei der indirekten Charakterisierung zeigt der Text Verhalten, Sprache, Gedanken oder Reaktionen. Daraus leitest Du vorsichtig eine Eigenschaft ab. Beispiel: „Mina erklärte ihrem Bruder die Aufgabe zum dritten Mal, ohne die Stimme zu heben.“ Daraus kannst Du schließen, dass Mina geduldig wirkt.

In literarischen Texten kommen direkte und indirekte Charakterisierung häufig zusammen vor. Auch Aussagen anderer Figuren können eine Figur beschreiben, müssen aber geprüft werden: Eine andere Figur kann sich irren, übertreiben oder voreingenommen sein.

Das Video führt in die Charakterisierung literarischer Figuren ein. Achte beim Anschauen besonders darauf, welche Informationen aus einem Text für eine Charakterisierung verwendet werden können.


Eigenschaften untersuchen

Eigenschaften beschreiben, wie eine Figur häufig oder in einer bestimmten Situation wirkt. Geeignete Wörter sind zum Beispiel geduldig, unsicher, mutig, rücksichtsvoll, misstrauisch, ehrgeizig oder zuverlässig. Vermeide vorschnelle Etiketten. Eine einzelne Handlung kann verschiedene Gründe haben.


Prosatext 1: Aylin vor der Präsentation

Aylin steht vor der Klassentür und liest ihre Karteikarten noch einmal. Als Ben fragt, ob sie nervös sei, sagt sie: „Ein bisschen.“ Dann atmet sie tief ein, geht nach vorn und beginnt ihren Vortrag. Als der Beamer ausfällt, erklärt sie die Grafik ohne Bild weiter.

Untersuchung: Aylin wirkt zunächst nervös. Das zeigt ihre Antwort auf Bens Frage und das erneute Lesen der Karteikarten. Gleichzeitig wirkt sie handlungsfähig und ausdauernd, weil sie trotz des technischen Problems weiterredet. Wichtig ist: „nervös“ und „mutig“ schließen sich nicht aus.


Prosatext 2: Timo im Gruppenraum

Timo sieht, dass drei Gruppenmitglieder schon schreiben. Er legt sein Handy weg und fragt: „Was fehlt noch?“ Niemand antwortet sofort. Timo liest die Aufgabenstellung und beginnt, die Ergebnisse auf einem Blatt zu ordnen.

Untersuchung: Timo übernimmt selbstständig eine Aufgabe. Die Textinformation „Er liest die Aufgabenstellung und beginnt zu ordnen“ kann die Eigenschaft eigeninitiativ stützen. Ob er immer so handelt, wissen wir aber nicht.


Satzstarter für Eigenschaften

Du kannst schreiben: „Die Figur wirkt ... , weil ...“ oder „Die Eigenschaft ... zeigt sich daran, dass ...“. Wenn der Text nicht eindeutig ist, helfen Formulierungen wie „wirkt“, „scheint“ oder „könnte darauf hindeuten“.


Verhalten untersuchen

Beim Verhalten beschreibst Du zuerst möglichst genau, was die Figur tut oder sagt. Danach erklärst Du die Wirkung oder Bedeutung. „Sie ist gemein“ ist schon eine Deutung. „Sie lacht über den Fehler ihres Mitschülers und zeigt anderen sein falsches Ergebnis“ beschreibt zunächst konkreter, was passiert.


Prosatext 3: Malik im Bus

Der Bus ist voll. Malik sitzt am Fenster und bemerkt eine ältere Person, die sich an einer Stange festhält. Er steht auf, zeigt auf seinen Sitz und sagt: „Sie können hier sitzen.“ Danach stellt er sich neben seine Freunde.

Untersuchung: Maliks Verhalten ist rücksichtsvoll. Der konkrete Hinweis ist, dass er seinen Sitzplatz anbietet. Eine gute Figurenbeschreibung nennt beides.


Prosatext 4: Ronja nach dem Streit

Ronja wirft die Tür nicht zu. Sie bleibt im Flur stehen, zählt leise bis fünf und geht dann zurück in die Küche. „Ich war eben unfair“, sagt sie zu ihrer Schwester. „Ich möchte das noch einmal erklären.“

Untersuchung: Ronja unterbricht die Eskalation und entschuldigt sich. Das kann auf Selbstkontrolle und die Bereitschaft hinweisen, Verantwortung zu übernehmen. Die Deutung stützt sich auf ihr beobachtbares Verhalten.

Körpersprache kann Hinweise geben, aber sie ist nicht automatisch eindeutig. Auch in einer Erzählung solltest Du eine einzelne Geste nicht isoliert deuten. Prüfe immer den Zusammenhang.


Gefühle erschließen

Gefühle können im Text direkt genannt werden: „Luca hatte Angst.“ Oft werden sie aber indirekt sichtbar, zum Beispiel durch Gedanken, Körperreaktionen, Sprache oder Handlungen. Dann formulierst Du vorsichtig: „Luca wirkt angespannt“ oder „Das könnte auf Angst hindeuten.“

Das Bild zeigt schematisch verschiedene mimische Bewegungen. Für die Figurenanalyse dient es nur als Anregung für genaues Beobachten. Ein Gesichtsausdruck allein beweist kein bestimmtes Gefühl.


Prosatext 5: Nele wartet

Nele schaut zum dritten Mal auf ihr Handy. Die Nachricht ist immer noch nicht beantwortet. Sie tippt einen neuen Satz, löscht ihn und steckt das Handy in die Tasche. Zwei Minuten später nimmt sie es wieder heraus.

Untersuchung: Der Text nennt Neles Gefühl nicht direkt. Das wiederholte Nachsehen und das Schreiben und Löschen können auf Unruhe, Unsicherheit oder Sorge hindeuten. Welche Deutung am besten passt, hängt vom weiteren Zusammenhang ab.


Prosatext 6: Farid nach dem Tor

Als der Ball ins Netz geht, reißt Farid beide Arme hoch. Er läuft zu seiner Mannschaft und ruft: „Endlich!“ Wenig später sitzt er auf der Bank und lächelt noch immer.

Untersuchung: Farid wirkt erleichtert und erfreut. Der Ausruf „Endlich!“ deutet zusätzlich darauf hin, dass ihm das Tor wichtig war und er zuvor auf diesen Erfolg gewartet hatte.

Ein Gefühlsrad kann Dir helfen, einen genaueren Gefühlsbegriff zu finden. Nutze solche Wörter aber nur, wenn sie zu den Textinformationen passen. Deine Aufgabe ist nicht, möglichst komplizierte Gefühlswörter zu verwenden, sondern nachvollziehbar zu deuten.


Motive erkennen

Ein Motiv ist ein Beweggrund für eine Handlung. Die Frage lautet: Warum handelt die Figur so? Ein Motiv kann ausdrücklich genannt werden. Es kann aber auch aus mehreren Textinformationen erschlossen werden.


Prosatext 7: Jana sagt ab

Jana erhält eine Einladung zur Geburtstagsfeier. Sie schreibt: „Danke, aber ich komme heute nicht.“ Danach öffnet sie ihren Kalender. Am nächsten Morgen schreibt sie eine Mathematikarbeit, und auf ihrem Schreibtisch liegen noch drei unbearbeitete Übungsblätter.

Untersuchung: Jana sagt die Feier vermutlich nicht ab, weil sie die anderen nicht mag. Die Informationen zur Mathematikarbeit und zu den Übungsblättern sprechen dafür, dass sie lernen möchte. Das Motiv ist also wahrscheinlich die Vorbereitung auf die Arbeit.


Prosatext 8: Leo schweigt

Im Klassenrat fragt die Lehrerin, wer den kaputten Bilderrahmen gesehen hat. Leo blickt kurz zu Noah und sagt nichts. In der Pause flüstert Noah: „Danke, dass du mich nicht verraten hast.“ Leo antwortet: „Du musst es selbst sagen.“

Untersuchung: Leos Schweigen kann zunächst wie Schutz für Noah wirken. Seine spätere Aussage zeigt aber genauer, was er möchte: Noah soll selbst Verantwortung übernehmen. Ein Motiv wird oft erst verständlich, wenn Du mehrere Textstellen miteinander verbindest.


Vorsicht bei Motiven

Motive sind besonders leicht zu erfinden. Schreibe deshalb nicht „Sie will beliebt sein“, wenn der Text dafür keinen Hinweis gibt. Besser ist: „Ihr Motiv könnte sein, ..., denn ...“. Je genauer Dein Beleg, desto überzeugender Deine Deutung.


Beziehungen untersuchen

Figuren stehen selten allein. Beziehungen erkennst Du daran, wie Figuren miteinander sprechen, wie sie sich behandeln, was sie voneinander erwarten und wie sie aufeinander reagieren. Eine Beziehung kann freundlich, angespannt, vertrauensvoll, abhängig, distanziert oder wechselhaft sein.

Auch ein Bild kann dazu anregen, Nähe, Abstand, Blickrichtung und Haltung zu beobachten. Bei einem Prosatext musst Du solche Beobachtungen jedoch aus sprachlichen Informationen gewinnen.


Prosatext 9: Mira und Kian

Kian schiebt Mira sein Heft zu. „Du kannst meine Notizen nehmen“, sagt er. Mira schüttelt den Kopf: „Nur wenn ich dir morgen beim Vokabellernen helfe.“ Kian grinst und antwortet: „Abgemacht.“

Untersuchung: Beide unterstützen sich gegenseitig. Das deutet auf eine kooperative und ausgeglichene Beziehung hin. Wichtig ist, dass nicht nur Kians Hilfe betrachtet wird, sondern auch Miras Gegenangebot.


Prosatext 10: Selin und ihre Mutter

„Um neun bist du zu Hause“, sagt Selins Mutter. Selin zieht die Jacke an und antwortet: „Alle anderen dürfen bis zehn.“ Ihre Mutter bleibt bei neun Uhr. Selin sagt nichts mehr, aber sie schließt die Tür sehr langsam und vermeidet den Blickkontakt.

Untersuchung: Zwischen Selin und ihrer Mutter besteht in dieser Situation ein Konflikt über eine Regel. Die Mutter setzt eine Grenze, Selin ist offenbar unzufrieden. Ob ihre Beziehung insgesamt schlecht ist, lässt sich aus dieser kurzen Szene nicht ableiten.


Veränderungen erkennen

Eine Figur kann sich im Verlauf einer Geschichte verändern. Du vergleichst dafür mindestens zwei Zeitpunkte: Wie ist die Figur am Anfang? Was erlebt sie? Wie handelt oder denkt sie später? Eine Veränderung muss mit Textinformationen aus beiden Phasen belegt werden.


Prosatext 11: Deniz am Anfang

In der ersten Probe steht Deniz ganz hinten. Wenn die Theaterleiterin eine Frage stellt, blickt er auf den Boden. Als ihm eine kleine Rolle angeboten wird, sagt er: „Lieber nicht. Ich kann das bestimmt nicht.“


Prosatext 12: Deniz drei Wochen später

Bei der Generalprobe fehlt ein Mitschüler. Deniz hebt die Hand: „Ich kann seine zwei Sätze übernehmen.“ Auf der Bühne spricht er laut und wartet nach seinem letzten Satz ruhig auf den Einsatz der nächsten Person.

Untersuchung: Deniz verändert sich. Am Anfang wirkt er unsicher und traut sich wenig zu. Später meldet er sich freiwillig und spricht sicherer. Die Veränderung lässt sich mit zwei konkreten Textinformationen zeigen: zuerst seine ablehnende Aussage, später sein freiwilliges Übernehmen der Sätze.


Prosatext 13: Leni und der neue Schüler

Am Montag setzt sich Leni in der Pause weit weg von Pavel. Als er sie nach dem Raum für Chemie fragt, antwortet sie knapp: „Oben.“ Am Donnerstag wartet sie nach dem Unterricht auf ihn und zeigt ihm den Weg zur AG. Dabei fragt sie: „Hast du dich schon ein bisschen eingelebt?“

Untersuchung: Lenis Verhalten wird offener und zugewandter. Am Montag hält sie Abstand und antwortet knapp. Am Donnerstag wartet sie auf Pavel, hilft ihm und beginnt ein persönlicheres Gespräch. Die Veränderung ist also direkt an ihrem Verhalten erkennbar.


Mehrere Bereiche verbinden

Eine starke Figurenanalyse betrachtet nicht nur eine einzelne Eigenschaft. Eigenschaften, Verhalten, Gefühle, Motive und Beziehungen hängen zusammen. Eine Figur kann zum Beispiel aus Sorge schweigen, aus Loyalität helfen oder sich nach einem Konflikt verändern.


Prosatext 14: Sam vor dem Wettkampf

Sam bindet seine Schuhe zweimal neu. Als seine Freundin Eda sagt: „Du schaffst das“, nickt er nur. Kurz vor dem Start will ein jüngerer Läufer aufgeben. Sam bleibt stehen und sagt: „Komm, wir gehen zusammen bis zur Linie.“ Dadurch startet Sam selbst einige Sekunden später.

Untersuchung: Sams Verhalten zeigt zwei Seiten. Das erneute Binden der Schuhe und seine knappe Reaktion können auf Anspannung hindeuten. Gleichzeitig hilft er dem jüngeren Läufer, obwohl das seinen eigenen Start verzögert. Daraus lässt sich Rücksichtnahme ableiten. Sein mögliches Motiv ist, den anderen Läufer zu unterstützen.


Prosatext 15: Eda nach dem Wettkampf

Eda wartet im Ziel. „Du hättest eine bessere Zeit geschafft“, sagt sie. Sam zuckt mit den Schultern. Eda reicht ihm die Wasserflasche und ergänzt: „Aber ich fand gut, dass du gewartet hast.“ Sam lächelt und sagt: „Nächstes Mal laufe ich wieder auf Zeit.“

Untersuchung: Eda bewertet Sams Entscheidung zunächst aus Sicht der Leistung, erkennt danach aber seine Hilfe an. Zwischen beiden wirkt die Beziehung offen, weil Eda Kritik und Anerkennung äußert und Sam ruhig reagiert. Sams letzter Satz zeigt außerdem, dass er seine Entscheidung als Ausnahme betrachtet.


Schritt-für-Schritt-Methode

Für kurze Figurenaufgaben kannst Du mit fünf Schritten arbeiten. Lies zuerst die Aufgabenfrage genau. Markiere danach konkrete Textinformationen zur Figur. Ordne die Hinweise einem Bereich zu, zum Beispiel Verhalten oder Gefühle. Formuliere dann eine passende Deutung. Verbinde zuletzt Deutung und Textinformation in einem vollständigen Satz.

Ein Beispiel lautet: „Nele wirkt unruhig, weil sie wiederholt auf ihr Handy schaut und eine Nachricht schreibt und wieder löscht.“ Dieser Satz enthält eine Deutung und konkrete Informationen aus dem Text.


Belege verwenden

Ein Beleg muss nicht immer ein langes wörtliches Zitat sein. Auf G-Niveau reicht oft ein genauer Textverweis in eigenen Worten. Wenn Du zitierst, wähle nur die Wörter, die Deine Aussage wirklich stützen.

Schwach wäre: „Jana ist fleißig.“ Besser ist: „Jana wirkt zielorientiert, weil sie vor der Mathematikarbeit zu Hause bleibt und noch mehrere Übungsblätter bearbeiten will.“ Hier wird deutlich, worauf sich die Aussage stützt.


Was Du vermeiden solltest

Eine Figurenuntersuchung wird ungenau, wenn Du nur die Handlung nacherzählst. Sie wird auch ungenau, wenn Du Eigenschaften ohne Beleg auflistest. Vermeide außerdem absolute Aussagen wie „Er ist immer feige“, wenn nur eine einzelne Situation beschrieben ist.

Achte darauf, Figur und Autor nicht zu verwechseln. Eine Aussage einer Figur ist nicht automatisch die Meinung der Autorin oder des Autors. Auch ein Erzähler kann Informationen unterschiedlich präsentieren.


Sprachhilfe für Deine Figurenbeschreibung

Für Eigenschaften kannst Du schreiben: „Die Figur wirkt ...“ oder „Sie zeigt sich als ...“. Für Verhalten passt: „In dieser Situation handelt sie ..., indem sie ...“. Für Gefühle eignet sich: „Die Reaktion deutet darauf hin, dass ...“. Für Motive kannst Du formulieren: „Ein möglicher Beweggrund ist ..., denn ...“. Für Beziehungen passt: „Das Verhältnis zwischen ... und ... wirkt ..., weil ...“. Für Veränderungen hilft: „Zu Beginn ..., später dagegen ...“.


Mini-Schreibplan

Eine kurze Figurenbeschreibung kann mit einem Einleitungssatz beginnen: „Im Prosatext steht die Figur ... im Mittelpunkt.“ Danach folgen zwei oder drei Absätze zu wichtigen Merkmalen. Jeder Absatz verbindet eine Aussage mit mindestens einer Textinformation. Am Ende kannst Du die wichtigsten Ergebnisse knapp zusammenfassen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist bei einer Figurenuntersuchung besonders wichtig? (Eine Aussage mit konkreten Textinformationen zu stützen) (!Möglichst viele Eigenschaften ohne Beleg zu nennen) (!Nur die Handlung nachzuerzählen) (!Die eigene Meinung an die Stelle des Textes zu setzen)




Welche Formulierung ist eine vorsichtige Deutung? (Das Verhalten könnte auf Unsicherheit hindeuten) (!Die Figur ist ohne Zweifel immer unsicher) (!Der Autor ist genau wie die Figur) (!Jede Geste hat nur eine Bedeutung)




Was beschreibt ein Motiv einer Figur? (Den Beweggrund für eine Handlung) (!Nur das Aussehen der Figur) (!Die Länge des Prosatextes) (!Die Zeitform des Erzählers)




Woran kann man eine Beziehung zwischen Figuren untersuchen? (An ihrem Umgang und ihren Reaktionen aufeinander) (!Nur an ihren Namen) (!Nur an der Anzahl ihrer Sätze) (!An der Seitenzahl des Textes)




Wann liegt eine direkte Charakterisierung vor? (Wenn eine Eigenschaft ausdrücklich genannt wird) (!Wenn man eine Eigenschaft nur aus einer Handlung erschließt) (!Wenn zwei Figuren denselben Raum betreten) (!Wenn der Text besonders kurz ist)




Was brauchst Du, um eine Veränderung einer Figur zu zeigen? (Textinformationen aus mindestens zwei verschiedenen Phasen) (!Nur eine Eigenschaft aus dem Schluss) (!Nur die Überschrift der Geschichte) (!Eine Vermutung ohne Textbeleg)




Welche Aussage trennt Beobachtung und Deutung sinnvoll? (Er gibt seinen Sitzplatz ab und wirkt dadurch rücksichtsvoll) (!Er ist rücksichtsvoll weil ich ihn mag) (!Er ist sicher immer rücksichtsvoll) (!Er gibt seinen Sitzplatz ab und deshalb ist jede andere Deutung falsch)




Was kann auf ein Gefühl einer Figur hinweisen? (Gedanken Sprache Körperreaktionen und Handlungen) (!Nur der Name der Figur) (!Nur die Länge eines Kapitels) (!Nur die Schriftgröße)




Warum sollte man Aussagen anderer Figuren prüfen? (Sie können sich irren oder voreingenommen sein) (!Sie sind immer objektiv) (!Sie ersetzen jede Textanalyse) (!Sie beschreiben nur das Wetter)




Welche Reihenfolge hilft beim textnahen Arbeiten? (Beobachten deuten belegen) (!Erfinden behaupten wiederholen) (!Bewerten überspringen abschreiben) (!Raten verallgemeinern beenden)





Memory

Eigenschaft Wie eine Figur wirkt
Verhalten Was eine Figur tut
Gefühl Innerer Zustand einer Figur
Motiv Beweggrund einer Handlung
Beziehung Verhältnis zwischen Figuren
Veränderung Entwicklung im Verlauf





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Textinformation Konkret im Text erkennbarer Hinweis
Deutung Erklärung der Bedeutung eines Hinweises
Direkte Charakterisierung Eigenschaft wird ausdrücklich genannt
Indirekte Charakterisierung Eigenschaft wird aus Hinweisen erschlossen
Figurenentwicklung Vergleich zwischen früherem und späterem Verhalten






Kreuzworträtsel

Verhalten Was tut oder sagt eine Figur in einer Situation?
Gefühle Welcher Bereich beschreibt innere emotionale Zustände?
Motive Wie nennt man die Beweggründe für Handlungen?
Beziehung Wie heißt das Verhältnis zwischen zwei Figuren?
Deutung Wie nennt man die begründete Erklärung einer Textinformation?
Entwicklung Welches Wort bezeichnet eine Veränderung über den Verlauf?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Bei einer Figurenuntersuchung sammelst Du zuerst konkrete

.
Eine Aussage über eine Figur sollte durch einen passenden

gestützt werden.
Wenn eine Eigenschaft ausdrücklich genannt wird, spricht man von direkter

.
Wenn Du aus einer Handlung eine Eigenschaft ableitest, ist das eine

.
Das beobachtbare Tun und Sprechen einer Figur gehört zum Bereich

.
Ein innerer emotionaler Zustand wird als

bezeichnet.
Der Beweggrund einer Handlung heißt

.
Das Verhältnis zwischen zwei Figuren nennt man

.
Für eine Veränderung vergleichst Du Informationen aus mindestens zwei

.
Wörter wie wirkt und könnte helfen bei einer vorsichtigen

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Eigenschaften markieren: Lies Prosatext 1 noch einmal. Notiere zwei Eigenschaften von Aylin und schreibe zu jeder Eigenschaft eine konkrete Textinformation.
  2. Verhalten beschreiben: Schreibe zu Prosatext 3 zwei Sätze, die nur Maliks Verhalten beschreiben. Ergänze danach einen dritten Satz mit Deiner Deutung.
  3. Gefühlswörter finden: Wähle für Nele aus Prosatext 5 drei mögliche Gefühlswörter. Entscheide Dich anschließend für das passendste Wort und begründe Deine Wahl mit dem Text.
  4. Beleg-Satz bauen: Formuliere zu Ronja aus Prosatext 4 einen Satz nach dem Muster „Ronja wirkt ..., weil ...“.


Standard

  1. Motiv erklären: Untersuche Prosatext 7. Erkläre Janas wahrscheinliches Motiv und nenne zwei Textinformationen, die Deine Deutung stützen.
  2. Beziehung untersuchen: Beschreibe die Beziehung zwischen Mira und Kian in Prosatext 9. Zeige mit zwei Hinweisen, warum Du zu Deinem Ergebnis kommst.
  3. Veränderung vergleichen: Erstelle eine Vorher-Nachher-Tabelle zu Deniz aus Prosatext 11 und 12. Formuliere danach einen zusammenhängenden Absatz über seine Entwicklung.
  4. Hinweise unterscheiden: Suche in drei Prosatexten je eine direkte oder indirekte Information über eine Figur. Erkläre, woran Du die Art der Charakterisierung erkennst.


Schwer

  1. Mehrere Deutungen prüfen: Entwickle zu Neles Verhalten in Prosatext 5 zwei unterschiedliche Deutungen. Prüfe, welche davon stärker durch den Text gestützt wird.
  2. Figuren vergleichen: Vergleiche Sam aus Prosatext 14 mit Malik aus Prosatext 3. Arbeite eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied heraus und belege beides.
  3. Eigene Szene schreiben: Schreibe einen Prosatext mit 120 bis 180 Wörtern, in dem eine Figur sich verändert. Nenne die Veränderung nicht direkt, sondern zeige sie durch Verhalten und Sprache.
  4. Figureninterview gestalten: Entwirf ein fiktives Interview mit einer Figur aus diesem aiMOOC. Jede Antwort soll zu den vorhandenen Textinformationen passen. Markiere anschließend, welche Antworten sicher belegt und welche nur vorsichtige Deutungen sind.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Vom Hinweis zur Deutung: Erkläre an Prosatext 8, warum Leos Schweigen allein noch kein eindeutiges Motiv beweist. Beziehe seine spätere Aussage in Deine Erklärung ein.
  2. Beziehung und Situation: Zeige an Prosatext 10, warum ein einzelner Konflikt nicht ausreicht, um die gesamte Beziehung zwischen Selin und ihrer Mutter als schlecht zu bezeichnen.
  3. Entwicklung begründen: Vergleiche Deniz am Anfang und drei Wochen später. Erkläre, welche Erfahrung oder Übung seine Entwicklung ermöglicht haben könnte, und kennzeichne klar, was Textinformation und was Vermutung ist.
  4. Eigenschaften prüfen: Entscheide, ob die Eigenschaft „hilfsbereit“ bei Sam ausreichend belegt ist. Begründe Deine Entscheidung mit mindestens zwei Informationen aus Prosatext 14.
  5. Alternative Motive: Nenne für Janas Absage ein alternatives denkbares Motiv. Erkläre anschließend, warum das Motiv „Lernen für die Mathematikarbeit“ durch den gegebenen Text besser gestützt wird.
  6. Gesamturteil schreiben: Wähle eine Figur aus den Prosatexten und schreibe einen Absatz, der mindestens drei Bereiche verbindet, zum Beispiel Eigenschaft, Gefühl und Motiv. Jede Deutung muss an eine Textinformation gebunden sein.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du konkrete Informationen über eine Figur im Text findest und nicht nur nacherzählst. Du solltest Eigenschaften, Verhalten, Gefühle, Motive und Beziehungen unterscheiden können. Außerdem solltest Du eine Veränderung über mehrere Textstellen hinweg beschreiben können.

Besonders wichtig ist die Verbindung von Aussage und Beleg. Eine Deutung muss nachvollziehbar sein. Wenn der Text mehrere Deutungen zulässt, solltest Du vorsichtig formulieren und erklären, welche Textinformation Deine Sicht stützt.

Ein überzeugender Lernnachweis zeigt auch, dass Du direkte und indirekte Charakterisierung unterscheiden kannst. Du solltest mit passenden Satzstartern arbeiten, Textinformationen in eigenen Worten wiedergeben und kurze Zitate nur gezielt verwenden.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel Charakterisierung bietet eine fachliche Vertiefung. Passend sind außerdem die Themen Literarische Figur, Figur (Fiktion), Erzähltheorie, Kurzgeschichte, Erzählperspektive und Textanalyse.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...