D9 G - Erzähler und Perspektive erkennen

D9 G - Erzähler und Perspektive erkennen
Einleitung
Wenn Du eine Geschichte liest, bekommst Du das Geschehen nie einfach „direkt“ zu sehen. Immer wird es Dir auf eine bestimmte Weise erzählt. Vielleicht berichtet eine Figur selbst mit „ich“. Vielleicht erfährst Du nur, was eine bestimmte Figur wahrnimmt und denkt. Vielleicht weiß die erzählende Stimme sogar mehr als alle Figuren. Oder der Text wirkt fast wie eine Kamera, die nur zeigt, was von außen beobachtbar ist.
Genau darum geht es in diesem aiMOOC: Du lernst, grundlegende Erzählperspektiven zu erkennen und zu erklären, warum die Perspektive für das Textverständnis wichtig ist. Der Kurs ist für die Klasse 9 auf G-Niveau gestaltet. Die Beispiele sind bewusst kurz und leicht zugänglich.

Beim Lesen kannst Du Dir immer zwei Fragen stellen:
- Wer erzählt?: Ist der Erzähler selbst eine Figur oder erzählt eine Stimme außerhalb der Handlung?
- Was kann der Erzähler wissen und zeigen?: Gedanken einer Figur, Gedanken mehrerer Figuren oder nur äußerlich Beobachtbares?
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du
- Ich-Erzählung, personales Erzählen, auktoriales Erzählen und neutrales Erzählen unterscheiden.
- sprachliche Hinweise auf eine Erzählperspektive finden.
- erklären, welche Informationen Leserinnen und Leser durch eine Perspektive erhalten oder nicht erhalten.
- beschreiben, wie eine Perspektive Nähe, Distanz, Spannung und Beurteilung von Figuren beeinflusst.
- einfache Prosatexte untersuchen und Deine Entscheidung mit Textstellen begründen.
- erkennen, dass ein Text nicht immer vollständig in nur eine Schublade passt.
Wer erzählt eigentlich?
Der Erzähler ist nicht automatisch der Autor oder die Autorin. Der Autor schreibt den Text. Der Erzähler ist die erzählende Stimme innerhalb des Textes.
Ein Beispiel:
„Ich drückte die Klinke langsam herunter. Hinter der Tür war es still.“
Das Wort „ich“ bedeutet nicht, dass die Autorin oder der Autor diese Situation selbst erlebt hat. Im Text spricht eine erfundene Erzählerfigur.

Bei einer mündlichen Geschichte sieht man die erzählende Person. In einem Prosatext ist die Erzählerstimme nur durch die Sprache erkennbar. Deshalb musst Du auf Hinweise im Text achten.
Erzähler und Autor nicht verwechseln
Autor oder Autorin: reale Person, die den Text geschrieben hat.
Erzähler: Stimme oder Figur, die innerhalb des Textes erzählt.
Merksatz: Der Autor erfindet den Erzähler. Der Erzähler erzählt die Geschichte.
Erzählperspektive einfach erklärt
Die Erzählperspektive bestimmt, aus welchem Blickwinkel ein Geschehen vermittelt wird. Du kannst sie Dir wie eine Kombination aus Kamera und Gedankenleser vorstellen.
Eine Kamera kann zeigen, wer den Raum betritt, wer lacht und wer die Tür schließt. Sie kann aber nicht automatisch wissen, was eine Person denkt. Manche Erzähler dürfen genau das: Sie geben Einblick in die Innenwelt einer Figur.
Für die Schule arbeiten wir hier mit vier grundlegenden Formen:
- Ich-Erzähler: Eine Figur erzählt selbst mit „ich“.
- Personaler Erzähler: Das Geschehen wird nah an einer Figur gezeigt.
- Auktorialer Erzähler: Die Erzählerstimme weiß mehr als einzelne Figuren und kann kommentieren.
- Neutraler Erzähler: Es wird vor allem äußerlich Beobachtbares gezeigt.
Diese Einteilung ist eine hilfreiche Vereinfachung für die Textanalyse. In der Literaturwissenschaft gibt es genauere Modelle und Mischformen.
Die vier grundlegenden Erzählperspektiven
Ich-Erzähler
Beim Ich-Erzähler erzählt eine Figur aus der eigenen Sicht. Typische Wörter sind „ich“, „mir“, „mich“, „mein“ oder „wir“.
Beispiel 1:
Ich hörte Schritte hinter mir. Sofort ging ich schneller. Ich wollte mich nicht umdrehen.
Du erfährst direkt, was die erzählende Figur hört, tut und will. Was die Person hinter ihr denkt, weißt Du nicht.
Wirkung: Häufig entsteht große Nähe zur erzählenden Figur. Du erlebst das Geschehen aus ihrem begrenzten Blickwinkel.
Achtung: Ein „ich“ in einer direkten Rede macht noch keinen Ich-Erzähler.
Beispiel:
Lina sah Ben an. „Ich komme später“, sagte sie.
Hier sagt Lina zwar „ich“, aber die Erzählerstimme erzählt nicht als Ich-Figur.
Personaler Erzähler
Beim personalen Erzählen wird meistens in der dritten Person erzählt, also mit „er“ oder „sie“. Trotzdem bleibt die Wahrnehmung eng an einer bestimmten Figur.
Beispiel 2:
Mila hörte Schritte hinter sich. Ihr Herz schlug schneller. Warum war der Weg heute so leer? Sie wagte es nicht, sich umzudrehen.
Du erfährst Milas Wahrnehmung und ihre Gedanken. Über die Person hinter ihr weißt Du nur das, was Mila selbst erkennen kann.
Wirkung: Der Leser ist einer Figur besonders nah. Dadurch können Spannung und Mitgefühl entstehen.
Merksatz: Personal bedeutet nicht einfach „er“ oder „sie“. Entscheidend ist, wessen Wahrnehmung und Gedanken gezeigt werden.
Auktorialer Erzähler
Ein auktorialer Erzähler steht deutlich über dem Geschehen. Er kann mehr wissen als die Figuren, mehrere Gedanken kennen, zukünftige Ereignisse andeuten oder das Verhalten von Figuren kommentieren.
Beispiel 3:
Mila hörte Schritte hinter sich und bekam Angst. Sie konnte nicht wissen, dass ihr Bruder Tom nur ihren verlorenen Schlüssel bringen wollte. Tom wiederum wunderte sich, warum Mila plötzlich schneller lief.
Die Erzählerstimme kennt Milas Angst und Toms Gedanken. Außerdem weiß sie etwas, das Mila noch nicht weiß.
Wirkung: Du bekommst einen größeren Überblick. Manchmal weißt Du als Leser mehr als die Figuren. Das kann Spannung oder auch Humor erzeugen.
Typische Hinweise sind Kommentare, Vorausdeutungen, Überblick über mehrere Figuren oder Wissen über verschiedene Zeiten und Orte.
Neutraler Erzähler
Beim neutralen Erzählen wirkt die Erzählerstimme stark zurückgenommen. Der Text zeigt hauptsächlich, was äußerlich beobachtbar oder hörbar ist.
Beispiel 4:
Mila beschleunigte ihre Schritte. Hinter ihr lief ein Junge. Mila drehte den Kopf nicht um. Der Junge hob einen Schlüssel hoch und rief ihren Namen.
Wir sehen Handlungen und hören Rufe. Direkte Gedanken werden nicht mitgeteilt.
Wirkung: Der Leser muss stärker selbst deuten, was Figuren fühlen oder beabsichtigen.
Merksatz: Neutral heißt nicht, dass der Text wirklich völlig objektiv ist. Im Schulgebrauch meint der Begriff vor allem: keine oder kaum direkte Innensicht.
Eine Szene – vier Perspektiven
Vergleiche nun dieselbe Situation. Eine Schülerin kommt zu spät zu einer Klassenarbeit.
Version A: Ich-Erzähler
Ich riss die Tür auf. Alle sahen mich an. Mir wurde heiß. Hoffentlich hatte Frau Yilmaz noch nicht die Aufgaben ausgeteilt.
Du weißt, was die Ich-Figur wahrnimmt und hofft.
Version B: personaler Erzähler
Nora riss die Tür auf. Alle sahen sie an. Ihr wurde heiß. Hoffentlich hatte Frau Yilmaz noch nicht die Aufgaben ausgeteilt.
Die dritte Person wird benutzt, aber Du bleibst nah an Nora.
Version C: auktorialer Erzähler
Nora riss die Tür auf und glaubte, die Arbeit habe schon begonnen. Dabei hatte Frau Yilmaz die Blätter noch nicht einmal verteilt. Leon am Fenster war sogar froh über die kurze Unterbrechung.
Die Erzählerstimme kennt Noras Gedanken, den tatsächlichen Stand der Situation und Leons Gefühl.
Version D: neutraler Erzähler
Nora öffnete die Tür. Die Klasse drehte sich zu ihr. Frau Yilmaz stand mit einem Stapel Blätter am Pult. Nora blieb einen Moment in der Tür stehen.
Es werden nur sichtbare Vorgänge beschrieben. Noras Gedanken bleiben offen.
Was bedeutet die Perspektive für das Textverständnis?
Die Erzählperspektive ist nicht nur ein Fachbegriff. Sie bestimmt, wie Du eine Geschichte verstehst.
Wissen
Frage Dich: Was weiß ich als Leser?
Beim Ich-Erzähler und beim personalen Erzähler ist das Wissen oft begrenzt. Beim auktorialen Erzähler kann der Leser mehr wissen als eine Figur.
Beispiel:
Kian schob den Zettel in seine Tasche. Er bemerkte nicht, dass Aylin ihn dabei beobachtete.
Die Erzählerstimme weiß mehr als Kian. Du erwartest deshalb vielleicht einen späteren Konflikt.
Nähe und Distanz
Wenn Du Gedanken und Gefühle einer Figur kennst, entsteht häufig mehr Nähe.
Nah:
Samira biss sich auf die Lippe. Bitte nicht wieder eine schlechte Note, dachte sie.
Distanziert:
Samira bekam das Blatt zurück. Sie sah darauf, faltete es zusammen und steckte es in ihre Tasche.
Im zweiten Beispiel musst Du ihre Gefühle selbst erschließen.
Spannung
Begrenztes Wissen kann Spannung erzeugen.
Beispiel:
Jonas hörte ein Geräusch im Keller. Er konnte nicht sehen, was hinter der Tür war.
Du weißt genauso wenig wie Jonas. Dadurch kannst Du seine Unsicherheit miterleben.
Ein auktorialer Erzähler kann Spannung anders erzeugen:
Jonas öffnete die Kellertür. Er ahnte nicht, dass hinter dem Regal bereits jemand wartete.
Nun weißt Du mehr als Jonas.
Bewertung von Figuren
Ein Erzähler kann beeinflussen, wie Du Figuren beurteilst.
Beispiel mit Kommentar:
Timo hielt seinen Plan für genial. Tatsächlich war er so schlecht vorbereitet, dass jeder andere sofort die Schwachstelle erkannt hätte.
Die Erzählerstimme bewertet Timos Plan. Das lenkt Deine Wahrnehmung.
Vertrauen und begrenzte Sicht
Ein Ich-Erzähler erzählt nur aus seiner eigenen Sicht. Diese Sicht muss nicht vollständig sein.
Beispiel:
Natürlich war Lea wütend auf mich. Warum sonst sollte sie nicht antworten?
Die Figur deutet Leas Verhalten. Aber sie weiß nicht sicher, warum Lea schweigt. Für Dein Textverständnis ist wichtig, zwischen Beobachtung und Vermutung zu unterscheiden.
So erkennst Du die Perspektive
Gehe in vier Schritten vor:
- Form prüfen: Wird mit „ich“ oder überwiegend mit „er/sie“ erzählt?
- Innensicht prüfen: Wessen Gedanken oder Gefühle werden direkt gezeigt?
- Wissensumfang prüfen: Weiß die Erzählerstimme mehr als eine Figur?
- Kommentare prüfen: Bewertet oder erklärt der Erzähler das Geschehen?
Wichtig: Ein einzelnes Wort reicht oft nicht als Beweis. Begründe Deine Entscheidung mit mehreren Merkmalen.
Typische Signalfragen
| Frage | Mögliche Bedeutung |
|---|---|
| Erzählt eine Figur selbst mit „ich“? | Hinweis auf einen Ich-Erzähler |
| Kenne ich nur die Gedanken einer Figur? | Hinweis auf personales Erzählen |
| Kenne ich Gedanken mehrerer Figuren? | Hinweis auf auktoriales Erzählen |
| Weiß der Erzähler etwas über Zukunft oder Vergangenheit, das Figuren nicht wissen? | Hinweis auf auktoriales Erzählen |
| Werden nur sichtbare Handlungen und hörbare Äußerungen gezeigt? | Hinweis auf neutrales Erzählen |
| Bewertet oder kommentiert die Erzählerstimme? | Hinweis auf auktoriales Erzählen |
Leicht zugängliche Prosabeispiele
Die folgenden Beispiele sind neu für diesen aiMOOC formuliert. Versuche jeweils zuerst selbst, die Perspektive zu bestimmen.
Beispiel 1: Der Bus
Ich rannte zur Haltestelle. Der Bus stand schon da. Als sich die Türen schlossen, wusste ich: Das wird knapp.
Lösung: Ich-Erzähler. Die Figur erzählt selbst und nennt ihre eigene Wahrnehmung.
Beispiel 2: Das Handy
Emir griff in seine Jackentasche. Leer. Noch einmal suchte er. Sein Handy war weg. Panik stieg in ihm auf.
Lösung: Personaler Erzähler. Der Text bleibt nah bei Emir und nennt sein inneres Erleben.
Beispiel 3: Der Schlüssel
Emma suchte seit zehn Minuten nach ihrem Schlüssel. Sie wusste nicht, dass ihr Vater ihn am Morgen auf den Küchentisch gelegt hatte.
Lösung: Auktorialer Erzähler. Die Erzählerstimme weiß etwas, das Emma nicht weiß.
Beispiel 4: Auf dem Schulhof
Mert stellte seinen Rucksack auf die Bank. Jana kam näher. Sie sagte nichts. Mert schob den Rucksack zur Seite. Jana setzte sich.
Lösung: Neutraler Erzähler. Nur Handlungen und äußerlich Wahrnehmbares werden gezeigt.
Beispiel 5: Vor dem Referat
Alina sah auf ihre Karteikarten. Bestimmt würde sie gleich alles vergessen. Die anderen wirkten so ruhig.
Lösung: Personaler Erzähler. Du kennst Alinas Gedanken, aber nicht die Gedanken der anderen.
Beispiel 6: Der falsche Verdacht
Ich war sicher, dass Deniz meinen Stift genommen hatte. Später fand ich ihn unter meinem Heft.
Lösung: Ich-Erzähler. Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass die Sicht einer Ich-Figur falsch sein kann.
Beispiel 7: Zwei Gedanken
Luis hoffte, dass niemand seinen Fehler bemerkt hatte. Frau Berger hatte ihn längst gesehen, wollte ihn aber erst nach der Stunde darauf ansprechen.
Lösung: Auktorialer Erzähler. Die Gedanken und Absichten mehrerer Figuren sind zugänglich.
Beispiel 8: Die Nachricht
Das Display leuchtete auf. Nila las die Nachricht. Ihre Hand blieb über dem Bildschirm stehen. Dann legte sie das Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch.
Lösung: Neutraler Erzähler. Gefühle werden nicht direkt genannt. Du musst aus Nilas Verhalten Schlüsse ziehen.
Beispiel 9: Der erste Schultag
Ich kannte hier niemanden. Als ich den Raum betrat, redeten alle durcheinander. Ich setzte mich ganz hinten hin und hoffte, nicht angesprochen zu werden.
Lösung: Ich-Erzähler. Die erzählende Figur berichtet von ihrem eigenen Erleben.
Beispiel 10: Das Fahrrad
Noah betrachtete den platten Reifen. Das durfte doch nicht wahr sein. In zwanzig Minuten begann das Training.
Lösung: Personaler Erzähler. Der Ausruf gehört zu Noahs Wahrnehmung und Gedankenwelt.
Vorsicht vor typischen Fehlern
Fehler 1: „Er“ bedeutet immer personal.
Nein. Auch ein auktorialer oder neutraler Erzähler kann „er“ oder „sie“ verwenden.
Fehler 2: „Ich“ in direkter Rede bedeutet Ich-Erzähler.
Nein. Figuren können in jedem Erzähltext „ich“ sagen.
Fehler 3: Wer Gefühle nennt, ist automatisch auktorial.
Nein. Ein personaler Erzähler kann die Gefühle einer einzelnen Figur sehr genau zeigen.
Fehler 4: Auktorial bedeutet nur allwissend.
Der Wissensvorsprung ist wichtig. Zusätzlich kann ein auktorialer Erzähler kommentieren, bewerten, vorausdeuten oder Zusammenhänge erklären.
Fehler 5: Jeder Text hat durchgehend genau eine Perspektive.
Viele Texte haben eine dominante Perspektive, können aber Perspektivwechsel oder Mischformen enthalten.
Perspektivwechsel
Manchmal wechselt ein Text die Perspektive.
Beispiel:
Leonie stand vor der Sporthalle und wartete. Warum kam Ben nicht?
Zur gleichen Zeit saß Ben im Bus und starrte auf die rote Umleitungsanzeige. Er hoffte, Leonie würde noch warten.
Zuerst erlebst Du die Situation aus Leonies Sicht, danach aus Bens Sicht. Ein solcher Wechsel kann dazu führen, dass Du beide Figuren besser verstehst.
Erzählperspektive und Missverständnisse
Perspektiven können zeigen, dass zwei Figuren dieselbe Situation unterschiedlich verstehen.
Beispiel:
Mara dachte, Finn ignoriere sie absichtlich.
Finn hatte Mara gar nicht gesehen. Ohne Brille konnte er die andere Straßenseite kaum erkennen.
Der Leser erkennt: Maras Deutung ist nachvollziehbar, aber falsch. Das hilft Dir, zwischen Wahrnehmung, Deutung und Wirklichkeit innerhalb der Geschichte zu unterscheiden.

Ein zweites Erklärvideo
Das folgende Video wiederholt wichtige Grundbegriffe zu Erzähler, Ich- und Er-Erzählung sowie auktorialem, personalem und neutralem Erzählen.
Mini-Training: Begründe mit Belegen
Bei einer Klassenarbeit reicht es nicht, nur „personal“ oder „auktorial“ zu schreiben. Eine gute Antwort besteht aus Behauptung + Beleg + Erklärung.
Beispielantwort:
Der Ausschnitt ist personal erzählt. Man erfährt direkt, dass Alina glaubt, ihr Referat zu vergessen. Die Gedanken der anderen Figuren werden nicht gezeigt. Deshalb bleibt die Perspektive an Alina gebunden.
Du kannst dieses Muster verwenden:
Der Text ist __________ erzählt. Das erkennt man daran, dass __________. Dadurch erfährt der Leser __________.
Merkkasten
| Perspektive | Erkennungsmerkmal | Typische Wirkung |
|---|---|---|
| Ich-Erzähler | Figur erzählt selbst mit „ich“ | Nähe, begrenzte Sicht |
| Personal | Innensicht einer bestimmten Figur | Nähe, Mitgefühl, begrenztes Wissen |
| Auktorial | Überblick, Mehrwissen, Kommentare | Orientierung, Wissensvorsprung, Bewertung |
| Neutral | äußerlich Beobachtbares | Distanz, eigene Deutung nötig |

Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist ein Ich-Erzähler? (Eine Figur erzählt das Geschehen aus ihrer eigenen Sicht) (!Ein Erzähler kennt immer alle Gedanken) (!Ein Erzähler beschreibt nur sichtbare Handlungen) (!Ein Autor berichtet immer über sein eigenes Leben)
Welches Merkmal passt am besten zum personalen Erzählen? (Die Wahrnehmung einer bestimmten Figur steht im Mittelpunkt) (!Alle Figuren werden gleichzeitig vollständig durchschaut) (!Es gibt grundsätzlich keine Gedanken im Text) (!Der Autor spricht direkt über sein eigenes Leben)
Woran erkennt man häufig einen auktorialen Erzähler? (Er weiß mehr als einzelne Figuren und kann kommentieren) (!Er verwendet ausschließlich das Wort ich) (!Er zeigt nur sichtbare Bewegungen) (!Er kennt nie die Gedanken einer Figur)
Was kennzeichnet neutrales Erzählen im Schulmodell? (Vor allem äußerlich beobachtbare Vorgänge werden gezeigt) (!Die Erzählerfigur erzählt ihre Kindheit) (!Die Gedanken aller Figuren werden erklärt) (!Die Erzählerstimme bewertet jede Handlung)
Warum ist die Erzählperspektive für das Textverständnis wichtig? (Sie bestimmt mit, welche Informationen und Sichtweisen der Leser erhält) (!Sie bestimmt nur die Länge der Sätze) (!Sie zeigt nur, wann der Text geschrieben wurde) (!Sie verrät automatisch die Meinung des Autors)
Welche Aussage zum Erzähler und Autor ist richtig? (Der Erzähler ist eine Stimme oder Figur im Text und nicht automatisch der Autor) (!Der Erzähler und der Autor sind immer dieselbe Person) (!Der Autor kommt in jedem Text als Figur vor) (!Der Erzähler ist immer eine reale Person)
Welche Perspektive liegt nahe, wenn nur Milas Gedanken zugänglich sind und in der dritten Person erzählt wird? (Personales Erzählen) (!Neutrales Erzählen) (!Auktoriales Erzählen) (!Reine Autorenrede)
Was kann begrenztes Wissen beim Lesen bewirken? (Es kann Spannung erzeugen) (!Es verhindert grundsätzlich jedes Textverständnis) (!Es macht jede Figur unglaubwürdig) (!Es beweist immer neutrales Erzählen)
Welche Aussage zu einem Ich-Erzähler stimmt? (Seine Sicht kann begrenzt oder sogar falsch sein) (!Er kennt automatisch die Gedanken aller Figuren) (!Er steht immer außerhalb der Handlung) (!Er erzählt grundsätzlich ohne Gefühle)
Was ist bei der Bestimmung einer Erzählperspektive besonders sinnvoll? (Mehrere Merkmale und Textbelege miteinander verbinden) (!Nur nach einem einzelnen Pronomen suchen) (!Nur die Überschrift des Textes betrachten) (!Nur die Satzlänge zählen)
Memory
| Ich-Erzähler | erzählt als Figur mit ich |
| Personaler Erzähler | folgt der Wahrnehmung einer Figur |
| Auktorialer Erzähler | besitzt einen Wissensvorsprung |
| Neutraler Erzähler | zeigt vor allem äußerlich Beobachtbares |
| Innensicht | Gedanken und Gefühle einer Figur |
| Außensicht | sichtbares Verhalten einer Figur |
| Perspektivwechsel | Blickpunkt verändert sich |
| Erzählerkommentar | Bewertung durch die Erzählerstimme |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Erzählperspektive |
|---|---|
| Figur erzählt mit ich | Ich-Erzähler |
| Gedanken einer einzelnen Figur stehen im Mittelpunkt | Personaler Erzähler |
| Erzähler kennt Gedanken mehrerer Figuren | Auktorialer Erzähler |
| Nur beobachtbare Handlungen werden beschrieben | Neutraler Erzähler |
| Erzähler deutet ein späteres Ereignis an | Auktorialer Erzähler |
Kreuzworträtsel
| Icherzähler | Welche Erzählerform spricht als Figur von sich selbst? |
| Personal | Wie heißt die Perspektive, die eng an einer Figur bleibt? |
| Auktorial | Wie heißt ein Erzählen mit Überblick und möglichem Mehrwissen? |
| Neutral | Wie heißt die Perspektive, die vor allem äußerlich Beobachtbares zeigt? |
| Innenwelt | Wie nennt man Gedanken und Gefühle einer Figur zusammen? |
| Erzähler | Wie heißt die Stimme, die eine Geschichte vermittelt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Perspektivensuche: Suche in einem kurzen Prosatext drei Stellen, die Hinweise auf die Erzählperspektive geben. Markiere sie und erkläre sie in einem Satz.
- Vier-Satz-Geschichte: Schreibe eine Geschichte mit vier bis sechs Sätzen aus der Sicht eines Ich-Erzählers.
- Außen und innen: Beschreibe eine wartende Person zuerst nur von außen und ergänze danach ihre Gedanken und Gefühle.
- Perspektivenkarte: Gestalte eine kleine Übersicht mit den vier Grundformen und jeweils einem Erkennungsmerkmal.
Standard
- Perspektivwechsel: Schreibe eine kurze Szene zuerst personal aus Sicht von Figur A und dann aus Sicht von Figur B.
- Textvergleich: Nimm eine neutrale Miniszene und schreibe sie auktorial um. Erkläre anschließend, welche neuen Informationen hinzugekommen sind.
- Spannung durch Wissen: Schreibe zwei Versionen derselben Gefahrensituation. In Version eins weiß der Leser genauso wenig wie die Figur, in Version zwei weiß er mehr.
- Figurenverständnis: Untersuche einen Prosatext aus dem Unterricht und erkläre, wie die Perspektive Deine Meinung über eine Figur beeinflusst.
Schwer
- Unzuverlässiges Erzählen: Entwirf eine Ich-Erzählung, in der die erzählende Figur eine Situation zuerst falsch deutet. Baue später einen Hinweis ein, der die Fehldeutung zeigt.
- Kurzfilm und Prosa: Filme eine kurze Alltagsszene ohne gesprochene Gedanken. Schreibe danach einen personalen Prosatext dazu und vergleiche, welche Informationen in beiden Fassungen zugänglich sind.
- Interview zur Lesewirkung: Lass zwei Personen denselben kurzen Text lesen und frage sie, welcher Figur sie sich besonders nah fühlen. Untersuche, ob die Erzählperspektive ihre Antworten erklären kann.
- Erzählanalyse: Wähle eine Kurzgeschichte oder einen Romanausschnitt und untersuche Erzählperspektive, Wissensumfang, Nähe und mögliche Perspektivwechsel in einem zusammenhängenden Text.


Lernkontrolle
- Perspektive und Wirkung: Du liest zwei Versionen derselben Szene, eine personal und eine neutral. Erkläre, in welcher Fassung Du einer Figur näher bist und warum.
- Wissen und Spannung: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie ein Erzähler Spannung erzeugen kann, indem er Informationen zurückhält oder vorwegnimmt.
- Fehldeutung erkennen: Eine Ich-Figur ist überzeugt, dass eine andere Figur sie absichtlich ignoriert. Nenne zwei Gründe, warum diese Aussage nicht sicher wahr sein muss.
- Perspektivwechsel beurteilen: Erkläre, welchen Vorteil es für das Verständnis eines Konflikts haben kann, wenn ein Text nacheinander die Sicht zweier Figuren zeigt.
- Erzählweise verändern: Schreibe einen neutralen Absatz in eine personale Fassung um. Begründe anschließend, wie sich die Wirkung verändert.
- Textbelege nutzen: Formuliere zu einem unbekannten Prosaausschnitt eine begründete Bestimmung der Perspektive mit mindestens zwei unterschiedlichen Merkmalen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern sie an Texten anwenden kannst.
- Erzählperspektiven unterscheiden: Ich-Erzähler, personal, auktorial und neutral sicher auseinanderhalten.
- Textbelege finden: sprachliche und inhaltliche Hinweise aus einem Prosatext nennen.
- Innensicht und Außensicht: erkennen, ob Gedanken und Gefühle oder nur beobachtbare Vorgänge gezeigt werden.
- Wissensumfang erklären: beschreiben, was der Erzähler weiß und was Figuren wissen.
- Wirkung untersuchen: Nähe, Distanz, Spannung und Leserlenkung mit der Perspektive verbinden.
- Begründet urteilen: die eigene Bestimmung der Perspektive mit mehreren Merkmalen erklären.
- Perspektivwechsel erkennen: Veränderungen des Blickpunkts wahrnehmen und ihre Bedeutung beschreiben.
OERs zum Thema
Der Wikipedia-Artikel bietet eine vertiefende Darstellung der Erzählperspektive und verschiedener erzähltheoretischer Modelle.
Medien zum Weiterlernen

Das Bild erinnert daran, dass jede Geschichte jemanden braucht, der sie vermittelt. Beim literarischen Text ist diese Vermittlungsinstanz der Erzähler.
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