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D9 G - Dialog zur Ganzschrift

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D9 G - Dialog zur Ganzschrift




D9 G - Dialog zur Ganzschrift


Einleitung

In diesem aiMOOC trainierst Du eine typische Schreibaufgabe im Deutschunterricht der Klasse 9 auf G-Niveau: einen Dialog zu einer Ganzschrift verfassen. Dabei geht es nicht darum, ein beliebiges Gespräch zu erfinden. Ein guter Dialog muss zeigen, dass Du den gelesenen Roman verstanden hast. Die Figuren müssen so sprechen, handeln und reagieren, wie es zu ihrer bisherigen Entwicklung, ihren Beziehungen und ihren Konflikten passt.

Ein prüfungsnaher Dialog entsteht deshalb aus drei Dingen gleichzeitig: Textkenntnis, Figurenverständnis und sprachliche Gestaltung. Du musst wissen, was vor der Gesprächssituation passiert ist, welche Ziele die beteiligten Figuren verfolgen und wie ihre Beziehung zueinander aussieht. Anschließend gestaltest Du Rede und Gegenrede so, dass ein glaubwürdiges Gespräch entsteht.

Dieser Kurs ist bewusst so aufgebaut, dass Du ihn mit der Ganzschrift verwenden kannst, die Du gerade im Unterricht liest. Es werden keine Romanhandlungen erfunden. Stattdessen lernst Du Verfahren, mit denen Du konkrete Figuren, Konflikte, Beziehungen und Schlüsselszenen aus Deiner Lektüre textnah in einen Dialog überträgst.


Was bedeutet „textnaher Dialog“?

Ein textnaher Dialog ist ein erfundenes Gespräch, das sich eng an die Informationen der Ganzschrift hält. Die Gesprächssituation kann im Roman bereits angelegt sein oder sich sinnvoll aus einer Szene ergeben. Auch wenn die gesprochenen Sätze neu von Dir formuliert werden, dürfen die Figuren nicht plötzlich Eigenschaften, Wissen oder Einstellungen zeigen, die dem Roman widersprechen.

Textnähe bedeutet zum Beispiel: Eine Figur darf nur das wissen, was sie bis zum Zeitpunkt des Gesprächs erfahren hat. Ein Konflikt muss zu den bisherigen Ereignissen passen. Eine Freundschaft darf nicht ohne nachvollziehbaren Grund plötzlich in Feindschaft umschlagen. Ebenso sollte eine zurückhaltende Figur anders sprechen als eine selbstbewusste, impulsive oder besonders höfliche Figur.


Das Ziel einer Prüfungsaufgabe

In einer Klassenarbeit oder Prüfung sollst Du meist zeigen, dass Du eine Romanfigur nicht nur beschreiben kannst, sondern ihre Perspektive anwenden kannst. Ein Dialog prüft also mehrere Fähigkeiten gleichzeitig.

  1. Textverständnis: Du kennst die Situation, wichtige Ereignisse und Zusammenhänge.
  2. Figurenkonstellation: Du verstehst Beziehungen, Abhängigkeiten, Sympathien und Spannungen.
  3. Charakterisierung: Du kannst typische Eigenschaften einer Figur in Sprache und Verhalten sichtbar machen.
  4. Konflikt: Du erkennst unterschiedliche Interessen und kannst sie in Rede und Gegenrede entwickeln.
  5. Produktives Schreiben: Du gestaltest einen neuen, aber zum Roman passenden Text.


Figurenstimmen glaubwürdig entwickeln

Eine glaubwürdige Figurenstimme entsteht nicht dadurch, dass jede Figur möglichst auffällig spricht. Entscheidend ist, dass Wortwahl, Satzbau, Tonfall und Reaktionen zur Figur passen.

Eine selbstbewusste Figur kann kurze, klare Forderungen stellen: „Sag mir endlich, was passiert ist.“ Eine unsichere Figur könnte eher ausweichen: „Ich weiß nicht, ob wir darüber jetzt wirklich reden sollten.“ Eine verletzte Figur spricht vielleicht zunächst kühl oder abwehrend. Eine impulsive Figur unterbricht schneller oder reagiert heftiger.

Solche Formulierungen sind nur Muster. In Deiner Prüfung musst Du sie an die tatsächlichen Figuren Deiner Ganzschrift anpassen.

Besonders wichtig ist die Beziehungsebene. Zwei enge Freunde sprechen meist anders miteinander als zwei Personen, die einander misstrauen. Ein Gespräch zwischen Kind und Elternteil unterscheidet sich häufig von einem Gespräch zwischen Gleichaltrigen. Auch Macht, Abhängigkeit oder Schuld können den Ton bestimmen.

Das Video zur Charakterisierung hilft Dir dabei, Eigenschaften einer Figur systematisch zu erfassen. Für einen Dialog gehst Du einen Schritt weiter: Du übersetzt diese Eigenschaften in konkrete Äußerungen.


Die Figurenstimme aus dem Roman ableiten

Bevor Du schreibst, solltest Du zu jeder beteiligten Figur eine kurze Rollenkarte im Kopf oder auf einem Planungsblatt erstellen.

Figur A kann zum Beispiel folgende Merkmale haben: Sie möchte einen Fehler verheimlichen, fühlt sich unter Druck und reagiert auf Vorwürfe schnell gereizt.

Figur B könnte dagegen misstrauisch sein, nach Klarheit suchen und sich durch Figur A schon früher enttäuscht gefühlt haben.

Aus diesen Merkmalen entsteht eine glaubwürdige Dynamik:

Figur B: „Du weichst mir schon wieder aus. Genau das hast du beim letzten Mal auch gemacht.“

Figur A: „Weil du sowieso schon entschieden hast, dass ich schuld bin.“

Figur B: „Dann gib mir einen Grund, dir zu glauben.“

Figur A: „Vielleicht würde ich das, wenn du mir einmal zuhören würdest.“

Dieses Beispiel gehört zu keinem bestimmten Roman. Es zeigt nur, wie Vorgeschichte, Misstrauen, Ziel und Beziehung durch die Sprache erkennbar werden können.


Konflikte im Gespräch sichtbar machen

Ein Dialog wird besonders überzeugend, wenn die Figuren nicht einfach nacheinander ihre Meinung sagen, sondern wirklich aufeinander reagieren. Ein Konflikt entsteht, wenn unterschiedliche Interessen, Werte, Gefühle oder Ziele aufeinandertreffen.

Ein Konflikt kann offen sein: Eine Figur wirft der anderen direkt etwas vor.

Er kann aber auch verdeckt sein: Eine Figur spricht höflich, meint aber etwas anderes. Vielleicht verschweigt sie etwas, weicht aus oder versucht, die andere Figur zu beeinflussen.

Für eine Prüfung ist es hilfreich, den Konflikt vor dem Schreiben in einem Satz zu formulieren:

Figur A will ..., aber Figur B will ...

Beispiel: Figur A will eine gemeinsame Entscheidung rückgängig machen, aber Figur B fühlt sich dadurch verraten.

Aus dieser Gegenüberstellung entsteht fast automatisch Rede und Gegenrede.


Beziehungen im Dialog zeigen

Beziehungen werden nicht nur durch Aussagen wie „Du bist mein Freund“ oder „Ich vertraue dir nicht“ sichtbar. Oft zeigen kleine sprachliche Signale viel mehr.

Eine Figur kann einen Spitznamen verwenden, eine andere bewusst beim Nachnamen ansprechen. Jemand kann nachfragen, beschwichtigen, drohen, schweigen, unterbrechen oder ein altes Ereignis erwähnen. Auch die Frage, wer ein Gespräch beginnt und wer es beendet, kann etwas über die Beziehung zeigen.

Achte beim Schreiben besonders darauf, ob sich die Beziehung im Verlauf des Dialogs verändert. Ein gutes Gespräch hat häufig einen Wendepunkt: Eine neue Information wird genannt, eine Figur gesteht etwas, ein Missverständnis wird deutlich oder ein Vorwurf verschärft den Konflikt.


Die G-Niveau-Methode: S-K-Z-W-E

Für die Prüfung kannst Du Dir die Reihenfolge S-K-Z-W-E merken:

S – Situation: Wo findet das Gespräch statt? Was ist unmittelbar vorher passiert?

K – Konflikt: Worum streiten oder ringen die Figuren?

Z – Ziele: Was will jede Figur in diesem Gespräch erreichen?

W – Wendepunkt: Welche Aussage verändert das Gespräch?

E – Ende: Welche Folge hat das Gespräch? Gibt es eine Einigung, einen offenen Konflikt, einen Entschluss oder einen Abbruch?

Diese fünf Schritte helfen Dir, nicht einfach draufloszuschreiben.


Schritt 1: Aufgabenstellung genau lesen

Markiere zuerst, wer miteinander spricht, wann das Gespräch stattfindet und warum es geführt wird.

Eine typische Aufgabenstellung könnte lauten:

„Nach der Auseinandersetzung in Kapitel X treffen Figur A und Figur B erneut aufeinander. Verfasse einen Dialog, in dem beide über den Konflikt sprechen. Berücksichtige ihre bisherige Beziehung und ihre unterschiedlichen Sichtweisen.“

Daraus ergeben sich sofort vier Arbeitsaufträge: Du brauchst Wissen über die Auseinandersetzung, über beide Figuren, über ihre Beziehung und über ihre jeweilige Perspektive.


Schritt 2: Textwissen sammeln

Notiere nur Informationen, die für das Gespräch wirklich wichtig sind. Lange Nacherzählungen helfen Dir beim Dialog kaum.

Sinnvoll sind kurze Stichwörter zu folgenden Fragen: Was ist vorher passiert? Was weiß Figur A? Was weiß Figur B? Was fühlen beide? Was werfen sie einander vor? Was wollen sie erreichen? Welche früheren Ereignisse könnten im Gespräch eine Rolle spielen?

Besonders wichtig: Prüfe, ob beide Figuren dieselben Informationen besitzen. Ein häufiger Fehler ist, dass eine Figur Dinge sagt, die sie an dieser Stelle des Romans noch gar nicht wissen kann.


Schritt 3: Gesprächsziele festlegen

Ein glaubwürdiger Dialog wird stärker, wenn jede Figur ein Ziel hat.

Figur A möchte sich vielleicht rechtfertigen.

Figur B möchte ein Geständnis hören.

Figur A möchte die Freundschaft retten.

Figur B möchte Abstand gewinnen.

Figur A möchte eine Entscheidung beeinflussen.

Figur B möchte endlich die Wahrheit erfahren.

Diese Ziele dürfen sich im Gespräch verändern. Eine Figur kann zunächst angreifen und später einlenken. Eine andere kann zuerst schweigen und dann offen widersprechen.


Schritt 4: Rede und Gegenrede planen

Ein guter Dialog ist kein Doppelmonolog. Jede Äußerung sollte auf die vorherige reagieren.

Weniger gelungen:

A: „Ich bin enttäuscht.“ B: „Ich hatte gestern viel zu tun.“ A: „Du bist unfair.“ B: „Morgen habe ich Training.“

Besser:

A: „Ich bin enttäuscht, weil du mich nicht eingeweiht hast.“ B: „Ich wollte dich nicht noch stärker hineinziehen.“ A: „Du hast also für mich entschieden, ohne mich zu fragen?“ B: „Ja. Und genau das war wahrscheinlich mein Fehler.“

Im besseren Beispiel greifen die Figuren die Aussagen des Gegenübers auf. Dadurch entsteht ein echtes Gespräch.


Schritt 5: Einen Wendepunkt setzen

Prüfungsdialoge wirken oft besonders überzeugend, wenn sich das Gespräch entwickelt. Ein Wendepunkt kann zum Beispiel entstehen durch ein Geständnis, eine neue Information, eine Erinnerung, eine Drohung, eine Entschuldigung oder eine überraschende Frage.

Wichtig ist: Der Wendepunkt muss zum Roman passen. Er darf keine völlig neue Handlung erfinden, die zentrale Aussagen der Ganzschrift verändert.


Schritt 6: Ein passendes Ende finden

Nicht jeder Dialog braucht eine Versöhnung. Manchmal wäre ein versöhnliches Ende sogar unpassend.

Mögliche textnahe Enden sind: eine vorläufige Einigung, ein offener Streit, ein Entschluss, ein Gesprächsabbruch, eine neue Frage, eine Entschuldigung, ein Zweifel oder eine klare Forderung.

Frage Dich: Welche Reaktion wäre für diese Figuren nach diesem Gespräch am wahrscheinlichsten?


Formale Gestaltung

Wenn die Aufgabenstellung keine besondere Form vorgibt, kannst Du die Sprecher deutlich kennzeichnen.

Figur A: „Ich will endlich wissen, warum du das getan hast.“

Figur B: „Weil ich dachte, dass ich keine andere Wahl hätte.“

Regiehinweise solltest Du nur sparsam einsetzen und nur dann, wenn sie für das Verständnis wichtig sind.

Figur A: „Du hast es gewusst?“ Figur B: „Seit gestern.“ Figur A schweigt kurz. Figur A: „Und du hast mir nichts gesagt?“

Der Schwerpunkt liegt auf dem Gespräch, nicht auf einer langen Beschreibung von Bewegungen oder Räumen.


Direkte Rede und Zeichensetzung

In einem ausformulierten Dialog ist die direkte Rede wichtig. Gesprochene Sätze werden in Anführungszeichen gesetzt.

Beispiel:

Mara sagt: „Ich wollte dich nicht verletzen.“

Steht der Begleitsatz nach der direkten Rede, sieht die Zeichensetzung so aus:

„Ich wollte dich nicht verletzen“, sagt Mara.

In vielen schulischen Dialogaufgaben werden die Namen der Figuren vorangestellt. Dann genügt eine klare, einheitliche Form.

Mara: „Ich wollte dich nicht verletzen.“


Was „textnah“ sprachlich bedeutet

Textnah bedeutet nicht, dass Du Sätze aus dem Roman abschreiben sollst. Du sollst vielmehr die Art der Figur treffen.

Prüfe deshalb nach dem Schreiben jede Äußerung mit drei Fragen:

Passt der Inhalt? Könnte die Figur das an dieser Stelle wissen und sagen?

Passt die Sprache? Entspricht der Ton ihrer Persönlichkeit und Beziehung?

Passt die Reaktion? Antwortet sie wirklich auf das Gegenüber?


Typische Fehler

Ein häufiger Fehler ist, dass alle Figuren gleich klingen. Dann erkennt man ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht.

Ein weiterer Fehler ist die reine Nacherzählung. Wenn zwei Figuren nur wiederholen, was im Roman passiert ist, entsteht noch kein spannendes Gespräch.

Problematisch sind außerdem neue Informationen, die dem Roman widersprechen, unpassende Versöhnungen, übertriebene Jugendsprache, zu viele Regieanweisungen und fehlende Reaktionen auf das Gegenüber.

Auch ein plötzliches Ende wie „Dann gingen beide nach Hause“ wirkt oft schwach, wenn der eigentliche Konflikt noch gar nicht bearbeitet wurde.


Prüfungsnahe Situation 1: Vorwurf nach einem Vertrauensbruch

Ausgangslage: Zwei Figuren hatten bisher ein enges Verhältnis. Eine Figur hat jedoch eine wichtige Information verschwiegen.

Prüfungsauftrag: Schreibe ein Gespräch, in dem die enttäuschte Figur die andere zur Rede stellt.

Achte besonders auf: frühere Nähe, enttäuschtes Vertrauen, Rechtfertigung, mögliche Schuldgefühle und einen glaubwürdigen Wendepunkt.

Textnähe: Verwende nur Informationen, die beide Figuren zu diesem Zeitpunkt kennen.


Prüfungsnahe Situation 2: Streit nach einer folgenreichen Entscheidung

Ausgangslage: Eine Figur hat eine Entscheidung getroffen, die auch das Leben einer anderen Figur betrifft.

Prüfungsauftrag: Gestalte den Dialog unmittelbar nach dem Bekanntwerden dieser Entscheidung.

Achte besonders auf: unterschiedliche Interessen, Vorwürfe, Begründungen und Machtverhältnisse.


Prüfungsnahe Situation 3: Gespräch zwischen Freundinnen oder Freunden

Ausgangslage: Eine Freundschaft ist durch ein Missverständnis oder ein Geheimnis belastet.

Prüfungsauftrag: Schreibe ein Gespräch, in dem beide versuchen, die Situation zu klären.

Achte besonders auf: vertraute Sprache, persönliche Erinnerungen, Enttäuschung und die Frage, ob Vertrauen wieder möglich ist.


Prüfungsnahe Situation 4: Elternteil und jugendliche Figur

Ausgangslage: Eine jugendliche Figur möchte selbst entscheiden, während ein Elternteil sie schützen oder kontrollieren will.

Prüfungsauftrag: Verfasse ein Gespräch, in dem beide ihre Sichtweisen deutlich machen.

Achte besonders auf: Generationenkonflikt, Abhängigkeit, Sorge, Selbstständigkeit und angemessenen Ton.


Prüfungsnahe Situation 5: Konfrontation mit einer Gegenspielerfigur

Ausgangslage: Zwei Figuren verfolgen gegensätzliche Ziele.

Prüfungsauftrag: Schreibe eine direkte Konfrontation, in der beide versuchen, die andere Seite unter Druck zu setzen.

Achte besonders auf: Macht, Drohung, Strategie, Selbstbeherrschung und mögliche Schwächen.


Prüfungsnahe Situation 6: Gespräch nach einem Fehler

Ausgangslage: Eine Figur hat einen Fehler gemacht, dessen Folgen nun sichtbar werden.

Prüfungsauftrag: Gestalte ein Gespräch mit einer betroffenen Person.

Achte besonders auf: Schuld, Verantwortung, Ausreden, Entschuldigung und Reaktion des Gegenübers.


Prüfungsnahe Situation 7: Eine Figur will die Wahrheit erfahren

Ausgangslage: Eine Figur vermutet, dass ihr etwas verschwiegen wird.

Prüfungsauftrag: Schreibe einen Dialog, in dem sie gezielt nachfragt.

Achte besonders auf: Nachfragen, Ausweichen, Andeutungen, Misstrauen und Informationsstand.


Prüfungsnahe Situation 8: Wendepunkt in einer Beziehung

Ausgangslage: Eine Beziehung steht an einem entscheidenden Punkt.

Prüfungsauftrag: Gestalte ein Gespräch, nach dem die Figuren einander näherstehen oder sich weiter voneinander entfernen.

Achte besonders auf: Vorgeschichte, Gefühle, Schlüsseläußerung und glaubwürdiges Ende.


Prüfungsnahe Situation 9: Versöhnung – aber nicht zu einfach

Ausgangslage: Zwei Figuren haben einen ernsten Konflikt.

Prüfungsauftrag: Schreibe einen Dialog, in dem eine Annäherung möglich wird.

Achte besonders auf: nachvollziehbare Entschuldigung, Reaktion, noch offene Probleme und glaubwürdige Zurückhaltung.


Prüfungsnahe Situation 10: Gespräch nach einer Schlüsselszene

Ausgangslage: Im Roman ist gerade etwas Entscheidendes passiert.

Prüfungsauftrag: Zwei beteiligte Figuren sprechen kurz danach miteinander.

Achte besonders auf: unmittelbare Gefühle, unterschiedliche Wahrnehmung derselben Szene und mögliche Folgen.


Prüfungsnahe Situation 11: Ein Gespräch, das im Roman fehlt

Ausgangslage: Zwischen zwei Kapiteln liegt eine zeitliche Lücke.

Prüfungsauftrag: Schreibe ein Gespräch, das in dieser Lücke stattgefunden haben könnte.

Achte besonders auf: Anschluss an das vorherige Kapitel und Widerspruchsfreiheit zum folgenden Kapitel.


Prüfungsnahe Situation 12: Gespräch vor einer Entscheidung

Ausgangslage: Eine Figur steht vor einer schwierigen Entscheidung und sucht eine andere Figur auf.

Prüfungsauftrag: Gestalte das Gespräch, das die Entscheidung beeinflussen könnte.

Achte besonders auf: Argumente, Gefühle, Beziehung, Rat, Druck und Eigenständigkeit.


Modell für eine glaubwürdige Gesprächsentwicklung

Das folgende Muster gehört zu keiner konkreten Ganzschrift. Es zeigt nur eine mögliche Struktur.

Figur A: „Du hättest mir sagen müssen, was du vorhast.“

Figur B: „Und was hättest du gemacht? Mich aufgehalten?“

Figur A: „Vielleicht. Aber wenigstens hätte ich gewusst, woran ich bin.“

Figur B: „Genau deshalb habe ich geschwiegen. Du hättest sofort alles übernommen.“

Figur A: „Weil ich dir helfen wollte.“

Figur B: „Nein. Weil du immer glaubst, besser zu wissen, was für mich richtig ist.“

Figur A: „Darum geht es doch gar nicht.“

Figur B: „Doch. Für mich schon.“

Figur A: „Dann sag mir wenigstens jetzt, was du brauchst.“

Figur B: „Dass du mich ernst nimmst. Nicht dass du für mich entscheidest.“

Hier wird die Beziehung nicht erklärt, sondern durch den Konflikt sichtbar. Figur A versteht „Hilfe“ anders als Figur B. Der Wendepunkt liegt in der Forderung, ernst genommen zu werden.


Textnah statt beliebig: Der Beleg-Check

Du musst in einem kreativen Dialog normalerweise keine Seitenzahlen in jede Äußerung schreiben. Trotzdem sollte fast jede wichtige Aussage innerlich mit dem Roman belegbar sein.

Frage Dich bei zentralen Sätzen:

Woher weiß ich, dass diese Figur so denkt?

Die Antwort kann sich aus einer früheren Aussage, einer Handlung, einem Streit, einer Entscheidung oder der Beschreibung der Figur ergeben.

Je genauer Du solche Stellen kennst, desto überzeugender wird Dein Dialog.


Prüfen mit der 5-Punkte-Checkliste

  1. Situation: Der Dialog passt zeitlich und inhaltlich an die vorgegebene Stelle.
  2. Figurensprache: Die Figuren klingen unterschiedlich und glaubwürdig.
  3. Konfliktentwicklung: Es gibt Rede, Gegenrede und eine erkennbare Entwicklung.
  4. Textnähe: Wissen, Gefühle, Beziehungen und Ereignisse widersprechen dem Roman nicht.
  5. Sprache: Rechtschreibung, Zeichensetzung und direkte Rede sind verständlich und überwiegend korrekt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist für einen textnahen Dialog besonders wichtig? (Die Aussagen der Figuren müssen zur Ganzschrift passen) (!Die Figuren müssen möglichst viele neue Geheimnisse erfinden) (!Der Dialog muss immer mit einer Versöhnung enden) (!Alle Figuren müssen gleich sprechen)




Was solltest Du vor dem Schreiben zuerst klären? (Situation Konflikt und Gesprächsziele) (!Die genaue Wortzahl jedes einzelnen Satzes) (!Die Lieblingsfarbe aller Figuren) (!Eine völlig neue Nebenhandlung)




Wodurch wird eine Figurenstimme glaubwürdig? (Durch passende Wortwahl Tonfall und Reaktionen) (!Durch besonders viele Fremdwörter) (!Durch möglichst lange Sätze) (!Durch identische Formulierungen bei allen Figuren)




Was kennzeichnet Rede und Gegenrede? (Die Figuren reagieren aufeinander) (!Jede Figur erzählt unabhängig ihre Lebensgeschichte) (!Nur eine Figur spricht) (!Der Erzähler erklärt jede Aussage)




Was ist ein sinnvoller Wendepunkt im Dialog? (Eine Aussage verändert den Verlauf des Gesprächs) (!Alle Figuren wechseln plötzlich ihren Charakter) (!Das Gespräch wird ohne Grund beendet) (!Eine neue Figur löst jedes Problem sofort)




Was muss beim Informationsstand der Figuren beachtet werden? (Eine Figur darf nur wissen was sie bis dahin erfahren hat) (!Jede Figur kennt automatisch das Ende des Romans) (!Alle Figuren wissen immer gleich viel) (!Unbekannte Informationen dürfen frei erfunden werden)




Was zeigt eine Beziehung im Dialog besonders gut? (Tonfall Reaktionen und Umgang miteinander) (!Nur die Länge des Gesprächs) (!Nur die Anzahl der Fragen) (!Nur der Ort des Gesprächs)




Was ist bei einem Konflikt hilfreich zu planen? (Was jede Figur erreichen will) (!Wie viele Seiten der Roman insgesamt hat) (!Welche Figur am meisten spricht) (!Welche Wörter besonders kompliziert klingen)




Welches Ende kann zu einem textnahen Dialog passen? (Ein offener aber nachvollziehbarer Konflikt) (!Immer eine vollständige Versöhnung) (!Immer ein glückliches Ende) (!Immer eine überraschende neue Romanfigur)




Was ist ein typischer Fehler beim Dialog zur Ganzschrift? (Alle Figuren klingen sprachlich gleich) (!Die Figuren reagieren aufeinander) (!Der Konflikt entwickelt sich) (!Die Aussagen passen zur Vorgeschichte)





Memory

Textnähe Übereinstimmung mit der Ganzschrift
Figurenstimme Sprachlicher Ausdruck einer Romanfigur
Konflikt Gegensatz zwischen Interessen oder Zielen
Wendepunkt Veränderung im Gesprächsverlauf
Gesprächsziel Absicht einer beteiligten Figur
Beziehungsebene Art des Umgangs zwischen Figuren





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Ausgangssituation Was ist unmittelbar vor dem Gespräch passiert
Konfliktkern Worin unterscheiden sich die Interessen der Figuren
Figurenstimme Wie spricht und reagiert eine Figur glaubwürdig
Wendepunkt Welche Aussage verändert den Gesprächsverlauf
Gesprächsende Welche Folge hat die Auseinandersetzung






Kreuzworträtsel

Dialog Wie nennt man ein Gespräch zwischen mindestens zwei Figuren?
Konflikt Wie heißt ein Gegensatz zwischen unterschiedlichen Zielen oder Interessen?
Beziehung Was beschreibt Nähe Distanz Vertrauen oder Misstrauen zwischen Figuren?
Wendepunkt Wie nennt man die Stelle an der sich ein Gespräch deutlich verändert?
Textnähe Wie heißt die Übereinstimmung eines neu geschriebenen Dialogs mit der Ganzschrift?
Reaktion Wie nennt man die Antwort einer Figur auf eine vorherige Äußerung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein guter Dialog zur Ganzschrift muss

sein. Vor dem Schreiben klärst Du zunächst die

des Gesprächs. Danach bestimmst Du den zentralen

zwischen den Figuren. Jede Figur sollte ein eigenes

verfolgen. Eine glaubwürdige Figur spricht in einer zu ihr passenden

. Die Gesprächspartner müssen aufeinander

. Eine wichtige Aussage kann einen

auslösen. Die Beziehung der Figuren zeigt sich besonders durch Wortwahl und

. Eine Figur darf nur Informationen verwenden die zu ihrem bisherigen

passen. Am Ende solltest Du prüfen ob der Dialog zur bisherigen

der Ganzschrift passt.



Offene Aufgaben


Leicht

  1. Figurenkarte: Wähle eine Figur Deiner Ganzschrift und notiere fünf Eigenschaften, zwei typische Gefühle und ein wichtiges Ziel dieser Figur.
  2. Beziehungsprofil: Wähle zwei Figuren und beschreibe in fünf Sätzen, wie ihre Beziehung zu Beginn und an einer späteren Stelle des Romans aussieht.
  3. Konfliktsatz: Formuliere für einen wichtigen Romankonflikt den Satz „Figur A will ..., aber Figur B will ...“ und erkläre kurz, woran man das im Text erkennt.
  4. Figurenstimme: Schreibe für zwei Romanfiguren jeweils drei Sätze zum gleichen Thema, aber so, dass ihre unterschiedlichen Stimmen erkennbar werden.


Standard

  1. Dialoganfang: Wähle eine Schlüsselszene und schreibe die ersten acht bis zehn Gesprächsbeiträge für ein mögliches Gespräch unmittelbar danach.
  2. Vertrauensbruch: Gestalte einen Dialog zwischen zwei Figuren, nachdem eine von ihnen ein Geheimnis oder eine wichtige Information verschwiegen hat. Bleibe eng am Roman.
  3. Perspektivwechsel: Schreibe dieselbe Konfliktsituation zweimal: zuerst mit Figur A als Gesprächsinitiator und anschließend mit Figur B. Vergleiche die Wirkung.
  4. Wendepunkt: Verfasse einen Dialog von etwa einer Seite und baue genau einen klar erkennbaren Wendepunkt ein. Markiere anschließend die entscheidende Äußerung.


Schwer

  1. Prüfungsdialog: Wähle eine plausible Leerstelle zwischen zwei Kapiteln und verfasse einen vollständigen Dialog, der widerspruchsfrei in die Handlung passt.
  2. Beziehungsentwicklung: Gestalte ein Gespräch, in dem sich eine bereits im Roman angelegte Beziehung glaubwürdig verändert. Begründe danach mit drei Textbezügen, warum diese Entwicklung plausibel ist.
  3. Konfliktanalyse und Gestaltung: Analysiere zunächst knapp Ziele, Ängste und Machtverhältnisse zweier Figuren und schreibe anschließend einen Dialog, in dem diese Punkte nur durch die Gesprächsführung sichtbar werden.
  4. Mündliche Inszenierung: Schreibe mit einer Partnerin oder einem Partner einen textnahen Dialog, probt unterschiedliche Betonungen und nehmt eine kurze Hör- oder Videoszene auf. Begründet anschließend, welche Sprechweise am besten zu den Romanfiguren passt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferaufgabe Figurenstimme: Du erhältst zwei kurze, neu formulierte Dialogfassungen derselben Romansituation. Entscheide, welche Fassung textnäher ist, und begründe Deine Entscheidung mit Figurenmerkmalen und Beziehungen aus der Ganzschrift.
  2. Konfliktentwicklung: Wähle einen zentralen Konflikt der Ganzschrift. Erkläre, welche zwei Gesprächsziele aufeinandertreffen und wie daraus ein glaubwürdiger Wendepunkt entstehen könnte.
  3. Informationsstand prüfen: Untersuche einen selbst geschriebenen Dialog darauf, ob beide Figuren nur das wissen, was sie an dieser Stelle der Handlung wissen können. Verbessere unpassende Äußerungen.
  4. Beziehungsanalyse: Zeige an einer Romanbeziehung, wie sich Nähe, Distanz, Vertrauen oder Misstrauen sprachlich in einem erfundenen Gespräch ausdrücken ließen.
  5. Dialog überarbeiten: Überarbeite einen ersten Entwurf so, dass weniger erzählt und stärker aufeinander reagiert wird. Begründe drei Änderungen.
  6. Prüfungssimulation: Verfasse zu einer vom Unterricht vorgegebenen Schlüsselszene einen vollständigen Dialog. Kennzeichne anschließend Situation, Konflikt, Ziele, Wendepunkt und Ende.
  7. Textnähe begründen: Wähle drei Äußerungen aus Deinem Dialog und erkläre jeweils, durch welche Handlung, Aussage oder Eigenschaft der Romanfigur sie gestützt werden.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis zu D9 G - Dialog zur Ganzschrift solltest Du zeigen, dass Du eine vorgegebene Gesprächssituation im Handlungszusammenhang verstehst, die beteiligten Figuren sicher kennst und ihre Beziehung richtig einschätzt.

Wichtig ist außerdem, dass Du einen zentralen Konflikt erkennst und für beide Figuren passende Gesprächsziele entwickelst. Deine Figuren sollten unterschiedlich und glaubwürdig sprechen. Aussagen, Gefühle und Reaktionen müssen zur bisherigen Handlung passen.

Ein überzeugender Lernnachweis zeigt außerdem, dass Dein Gespräch einen nachvollziehbaren Verlauf besitzt: Einstieg, Rede und Gegenrede, Entwicklung, möglicher Wendepunkt und ein passendes Ende.

Sprachlich solltest Du auf verständliche Sätze, passende Wortwahl, direkte Rede, Zeichensetzung und Rechtschreibung achten.

Besonders stark ist Dein Lernnachweis, wenn Du nach dem Schreiben erklären kannst, warum bestimmte Äußerungen zu den Figuren und zum Roman passen.




OERs zum Thema

Für die grundlegende Bedeutung von Dialog kannst Du den Wikipedia-Artikel nutzen:


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