D9 E - Informationen exzerpieren und strukturieren

D9 E - Informationen exzerpieren und strukturieren
D9 E - Informationen exzerpieren und strukturieren
Einleitung
Im Alltag, in der Schule und später in Ausbildung oder Studium begegnen Dir immer wieder umfangreiche Informationen: Sachtexte, Webseiten, Diagramme, Videos, Interviews, Lexikonartikel oder mehrere Quellen zu derselben Frage. Auf dem E-Niveau der Klasse 9 reicht es nicht mehr aus, einzelne Stellen nur zu markieren oder abzuschreiben. Du sollst Informationen selbstständig auswählen, verstehen, verdichten, in eigenen Worten wiedergeben, korrekt belegen und übersichtlich neu ordnen.
Genau dabei hilft Dir das Exzerpieren. Ein Exzerpt ist keine Abschrift des gesamten Ausgangstextes. Es hält diejenigen Gedanken fest, die für eine bestimmte Fragestellung besonders wichtig sind. Ein gutes Exzerpt kann Paraphrasen, kurze Zitate, Quellenangaben, Stichwörter, Gliederungen und klar gekennzeichnete eigene Gedanken enthalten.
Die Bundeszentrale für politische Bildung bezeichnet das Exzerpieren als wichtige Grundtechnik selbstständiger Informationsgewinnung. Auch Materialien der Lehrerfortbildung Baden-Württemberg betonen vier zentrale Schritte: Überblick gewinnen, Fragen stellen, den Text gliedern und den Inhalt schriftlich aufbereiten.

In diesem aiMOOC trainierst Du:
- Informationen entnehmen: Du erkennst Hauptaussagen, Begründungen, Beispiele, Daten und Nebensächliches.
- Exzerpt: Du reduzierst längere Texte zielgerichtet auf relevante Informationen.
- Paraphrase: Du gibst fremde Aussagen sinngenau mit eigenen Worten wieder.
- Zitat: Du übernimmst besonders wichtige Formulierungen wortgetreu und belegst sie.
- Notizen: Du entwickelst ein übersichtliches System für Fundstellen, Kernaussagen und eigene Gedanken.
- Visualisierung: Du überführst Informationen in Tabellen, Mindmaps, Concept-Maps oder Ablaufdarstellungen.
- Quellenkritik: Du prüfst, woher Informationen stammen und ob sie für Deine Fragestellung geeignet sind.
- Informationskompetenz: Du verknüpfst Informationen aus mehreren Quellen, ohne ihre Herkunft zu verwischen.
Was bedeutet Exzerpieren?
Das Wort Exzerpt geht auf das lateinische excerpere zurück und bedeutet sinngemäß „herauspflücken“. Genau das ist die zentrale Idee: Du pflückst nicht wahllos Sätze aus einem Text, sondern wählst gezielt diejenigen Informationen aus, die Du für eine Leitfrage brauchst.
Ein Exzerpt beantwortet deshalb immer zwei Fragen:
1. Was ist für meine Fragestellung wichtig?
2. Wie kann ich diese Information so notieren, dass ich sie später korrekt verstehe und wiederverwenden kann?
Beim Exzerpieren arbeitest Du aktiv. Du entscheidest, was wesentlich ist, formulierst Kernaussagen um, hältst besondere Formulierungen als Zitat fest und dokumentierst die Fundstelle. Dadurch entsteht aus einem fremden Text ein eigenes Arbeitsinstrument.
Ein Exzerpt ist meist kürzer als der Ausgangstext. Es folgt nicht zwingend der Reihenfolge des Originals. Wenn Deine Leitfrage nur einen Teil des Textes betrifft, darf Dein Exzerpt genau diesen Teil in den Mittelpunkt stellen.
Exzerpt, Zusammenfassung und Abschrift unterscheiden
Eine Abschrift übernimmt den Wortlaut eines Textes. Sie zeigt noch nicht, ob Du das Gelesene verstanden oder Wichtiges von Unwichtigem unterschieden hast.
Eine Zusammenfassung gibt die wesentlichen Inhalte eines Textes verkürzt wieder. Sie orientiert sich häufig am gesamten Text.
Ein Exzerpt ist stärker an einer Frage oder einem Arbeitsziel ausgerichtet. Es sammelt und ordnet genau die Informationen, die Du später für eine Aufgabe, ein Referat, eine Diskussion, eine Präsentation oder einen eigenen Text brauchst.
Beispiel: Du liest einen langen Artikel über soziale Netzwerke.
Leitfrage A: Welche Chancen bieten soziale Netzwerke für politische Beteiligung?
Leitfrage B: Welche Risiken entstehen durch Desinformation?
Obwohl der Ausgangstext derselbe ist, würden zwei unterschiedliche Exzerpte entstehen, weil jeweils andere Informationen relevant sind.
Der Arbeitsprozess: Vom komplexen Text zum brauchbaren Exzerpt
Für diesen aiMOOC kannst Du Dir das Merkwort FOKUS merken:
- F – Fragestellung klären: Formuliere vor dem genauen Lesen, was Du herausfinden willst.
- O – Orientierung gewinnen: Überfliege Titel, Überschriften, Absätze, Hervorhebungen, Abbildungen und Quellenangaben.
- K – Kerninformationen erkennen: Markiere nur Aussagen, die Deine Leitfrage beantworten oder dafür notwendig sind.
- U – Umformulieren und unterscheiden: Paraphrasiere in eigenen Worten, kennzeichne Zitate und trenne fremde Aussagen von eigenen Gedanken.
- S – Strukturieren und sichern: Ordne Deine Notizen, ergänze Fundstellen und kontrolliere am Original, ob Deine Wiedergabe stimmt.
Diese Schritte sind kein starres Gesetz. Bei einem kurzen Text kannst Du einzelne Arbeitsschritte verbinden. Bei einem anspruchsvollen Text oder mehreren Quellen solltest Du sie bewusst voneinander trennen.
Schritt 1: Eine präzise Leitfrage formulieren
Ohne Leitfrage wird ein Exzerpt schnell zu lang. Eine gute Leitfrage hilft Dir beim Entscheiden.
Unpräzise wäre:
„Was steht in dem Text?“
Präziser wäre:
„Welche Ursachen nennt der Text für das Problem und welche Folgen beschreibt er?“
Noch anspruchsvoller:
„Welche Position vertritt die Autorin, mit welchen Argumenten begründet sie diese Position und welche Belege verwendet sie?“
Auf E-Niveau solltest Du zunehmend mit Fragen arbeiten, die nicht nur einzelne Fakten, sondern Zusammenhänge, Begründungen, Positionen und Folgen erfassen.
Schritt 2: Den Text orientierend lesen
Bevor Du jedes Wort liest, verschaffst Du Dir einen Überblick. Diese Form des schnellen Lesens wird häufig als Skimming bezeichnet. Beim gezielten Suchen nach bestimmten Informationen spricht man von Scanning.
Achte beim ersten Durchgang besonders auf Titel, Untertitel, Zwischenüberschriften, Einleitung, Schluss, hervorgehobene Begriffe, Bildunterschriften, Tabellen, Quellenangaben und wiederkehrende Schlüsselwörter.
Die Fünf-Schritt-Lesemethode und verwandte Verfahren wie SQ3R verfolgen ein ähnliches Ziel: Lesen soll nicht passiv ablaufen, sondern durch Fragen, Strukturierung, Wiedergabe und Kontrolle gesteuert werden.
Das Video erläutert die SQ3R-Methode auf einem höheren Lernniveau. Nutze es als Vertiefung: Vergleiche die Schritte mit dem FOKUS-Modell dieses aiMOOCs.
Schritt 3: Sinnabschnitte erkennen
Längere Texte bestehen aus Sinnabschnitten. Ein neuer Absatz ist nicht automatisch ein neuer Sinnabschnitt, und ein Sinnabschnitt kann manchmal mehrere Absätze umfassen.
Formuliere für jeden Sinnabschnitt eine kurze Randüberschrift. Gute Randüberschriften lauten beispielsweise:
Definition – Ursache – Folge – Beispiel – Gegenargument – Beleg – Bewertung – Lösungsvorschlag
Damit erkennst Du die logische Struktur des Textes.
Eine gute Probe lautet:
Kann ich in einem Satz sagen, worum es in diesem Abschnitt geht und was darüber ausgesagt wird?
Wenn Du das nicht kannst, solltest Du den Abschnitt noch einmal lesen oder unbekannte Begriffe klären.
Schritt 4: Wesentliches von Nebensächlichem unterscheiden
Nicht jede interessante Information ist für Deine Leitfrage wichtig. Auf E-Niveau musst Du begründet auswählen.
Besonders relevant sind häufig:
- zentrale Thesen oder Hauptaussagen
- Definitionen wichtiger Begriffe
- Begründungen und Argumente
- Daten oder Belege, die ein Argument stützen
- Ursachen und Folgen
- Bedingungen und Einschränkungen
- Gegenpositionen oder Einwände
- Schlussfolgerungen
Oft weniger wichtig sind: Wiederholungen, ausführliche Ausschmückungen, Beispiele ohne Bezug zur Leitfrage oder Details, die für Deine Aufgabe keine Funktion haben.
Markieren ist deshalb nur ein Zwischenschritt. Wenn am Ende fast der ganze Text farbig ist, hast Du noch nicht ausreichend ausgewählt.
Schritt 5: Paraphrasieren – in eigenen Worten und trotzdem sinngenau
Eine Paraphrase gibt eine fremde Aussage mit eigenen Worten wieder. Dabei darf sich die Formulierung ändern, aber der Sinn muss erhalten bleiben.
Paraphrasieren bedeutet nicht, nur einzelne Wörter durch Synonyme zu ersetzen. Eine gute Paraphrase zeigt, dass Du die Aussage verstanden hast und neu formulieren kannst.
Vorgehen:
- Lies den Abschnitt so lange, bis Du die Aussage verstanden hast.
- Blicke kurz vom Original weg.
- Formuliere den Sinn in einem eigenen Satz.
- Vergleiche Deine Formulierung anschließend mit dem Original.
- Prüfe, ob Du etwas ergänzt, weggelassen oder verfälscht hast.
- Notiere die Quelle beziehungsweise Fundstelle.
Beispiel:
Ausgangsaussage: Ein Exzerpt konzentriert sich auf Informationen, die für eine bestimmte Fragestellung wichtig sind.
Mögliche Paraphrase: Beim Exzerpieren werden aus einem Text gezielt diejenigen Inhalte herausgearbeitet, die helfen, eine vorher festgelegte Frage zu beantworten.
Beide Sätze drücken denselben Grundgedanken aus, obwohl Satzbau und Wortwahl verändert wurden.
Achtung: Auch eine Paraphrase bleibt fremdes Gedankengut. In schulischen Arbeiten musst Du deshalb kenntlich machen, aus welcher Quelle die Information stammt. Die genaue Zitierweise kann je nach Fach und Lehrkraft unterschiedlich festgelegt sein.
Schritt 6: Wörtlich zitieren
Ein Zitat übernimmt eine Textstelle wortgetreu. Direkte Zitate sind sinnvoll, wenn der genaue Wortlaut wichtig ist, etwa bei einer Definition, einer besonders prägnanten Aussage oder einer Formulierung, die später analysiert werden soll.

Beim direkten Zitat gilt grundsätzlich:
- Der übernommene Wortlaut muss genau stimmen.
- Das Zitat wird als fremder Wortlaut gekennzeichnet, meistens durch Anführungszeichen.
- Die Fundstelle wird angegeben.
- Das Zitat muss in Deinen eigenen Zusammenhang eingeordnet werden.
- Ein Zitat ersetzt nicht die eigene Erklärung.
Ein einfaches schulisches Nachweismuster kann beispielsweise so aussehen:
„…“ (Nachname, Jahr, S. 12)
Welche Form Deine Schule verlangt, solltest Du vor einer Abgabe prüfen.
Eine Paraphrase steht dagegen normalerweise nicht in Anführungszeichen. Trotzdem braucht auch sie einen Quellenbezug.
Das Video richtet sich ursprünglich an wissenschaftliches Arbeiten. Für Klasse 9 ist vor allem die Grundidee wichtig: Fremde Formulierungen und Gedanken müssen nachvollziehbar von den eigenen unterschieden werden.
Schritt 7: Eigene Gedanken deutlich trennen
Ein Exzerpt darf eigene Fragen, Bewertungen und Verbindungen enthalten. Sie müssen aber eindeutig von den Aussagen der Quelle getrennt sein.
Du kannst zum Beispiel mit festen Zeichen arbeiten:
Q: Aussage aus der Quelle
P: eigene Paraphrase
Z: direktes Zitat
E: eigener Gedanke
?: unklar oder zu prüfen
→: Verbindung zu einer anderen Information
Diese Kennzeichnungen helfen besonders dann, wenn Du Wochen später mit Deinen Notizen weiterarbeitest. Ohne klare Trennung besteht die Gefahr, dass Du später nicht mehr weißt, was aus einer Quelle stammt und was Deine eigene Idee war.
Schritt 8: Quellenangaben sofort notieren
Quellenangaben gehören nicht erst an das Ende einer Arbeit. Du solltest sie bereits während des Exzerpierens sichern.
Notiere mindestens:
Autorin oder Autor – Titel – Erscheinungsjahr beziehungsweise Datum – Fundort oder Internetadresse – Seitenzahl oder genauer Abschnitt
Bei Internetquellen kann zusätzlich das Abrufdatum sinnvoll oder vorgeschrieben sein.
Ein häufiger Fehler ist, zuerst Informationen zu sammeln und die Quellen später rekonstruieren zu wollen. Bei vielen Tabs, Dokumenten oder Quellen gelingt das oft nicht zuverlässig.
Eine praktische Regel lautet deshalb:
Keine Notiz ohne Fundstelle.
Strukturierte Notizen statt Informationshaufen
Ein gutes Exzerpt soll später schnell benutzbar sein. Eine lange Folge ungeordneter Stichpunkte ist deshalb oft nicht ausreichend.
Eine einfache Exzerpt-Tabelle kann so aufgebaut sein:
| Fundstelle | Thema des Abschnitts | Kernaussage in eigenen Worten | Zitat oder Beleg | Eigener Gedanke |
|---|---|---|---|---|
| S. 3 | Ursache | Paraphrase der zentralen Aussage | kurze genaue Textstelle | Frage oder Verbindung |
| S. 4 | Folge | Paraphrase der zentralen Aussage | wichtiger Beleg | mögliche Konsequenz |
Diese Form zwingt Dich dazu, Quelle, Inhalt und eigene Verarbeitung voneinander zu unterscheiden.
Cornell-Notizen als Strukturhilfe
Beim Cornell-Notizsystem wird die Seite in unterschiedliche Bereiche gegliedert. Typisch sind ein großer Notizbereich, eine schmalere Spalte für Schlüsselbegriffe oder Fragen und ein Bereich für eine kurze Zusammenfassung.

Für das Exzerpieren kannst Du dieses Prinzip anpassen:
Rechte Hauptspalte: Kernaussagen, Paraphrasen und kurze Belege
Linke Spalte: Leitfragen, Schlüsselbegriffe und Kategorien
Unterer Bereich: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse
Der Vorteil: Du sammelst nicht nur Informationen, sondern bereitest sie bereits für Wiederholung, Schreiben und Präsentieren vor.
Informationen hierarchisch ordnen
Komplexe Informationen werden verständlicher, wenn Du Ebenen bildest.
Beispiel:
Oberthema: Auswirkungen digitaler Medien
Hauptaspekt: Lernen
Unteraspekt: Informationszugang
Detail: schneller Zugriff auf unterschiedliche Quellen
Diese Ordnung unterscheidet Oberbegriffe, Unterbegriffe und Einzelinformationen.
Eine Gliederung kann zum Beispiel so aussehen:
1 Hauptaussage
1.1 Begründung
1.2 Beispiel
1.3 Einschränkung
2 Gegenposition
2.1 Argument
2.2 Beleg
Bei längeren Sachtexten ist eine solche Hierarchie oft hilfreicher als eine reine Liste.
Visualisierung: Welche Darstellung passt zu welcher Information?
Visualisieren bedeutet nicht, Informationen nur schöner zu machen. Eine gute Darstellung zeigt Beziehungen, die im Fließtext schwerer erkennbar sind.
Tabelle: geeignet zum Vergleichen mehrerer Kriterien.
Mindmap: geeignet zum Sammeln und hierarchischen Ordnen von Teilaspekten rund um ein Thema.
Concept-Map: geeignet, wenn Beziehungen zwischen Begriffen ausdrücklich benannt werden sollen.
Flussdiagramm: geeignet für Abläufe, Entscheidungen oder Ursache-Wirkungs-Ketten.
Zeitleiste: geeignet für chronologische Entwicklungen.
Diagramm: geeignet, wenn Zahlenverhältnisse oder Veränderungen dargestellt werden sollen.
Mindmap
Eine Mindmap ordnet Informationen von einem zentralen Thema aus. Hauptäste zeigen große Teilbereiche, Nebenäste weitere Unterpunkte.

Eine Mindmap ist besonders sinnvoll, wenn Du einen Überblick über Themenfelder gewinnen möchtest. Sie ist weniger geeignet, wenn Du genaue Ursache-Wirkungs-Beziehungen oder einen linearen Ablauf darstellen musst.
Beim Übertragen eines Exzerpts in eine Mindmap solltest Du nicht alle Notizen übernehmen. Verdichte sie auf Schlüsselbegriffe und prüfe, welche Hierarchie sichtbar werden soll.
Concept-Map
Eine Concept-Map zeigt nicht nur Begriffe, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen. Pfeile oder Linien können zum Beispiel beschriftet werden mit:
führt zu – begründet – widerspricht – ist Teil von – hängt ab von – verursacht – wird belegt durch

Gerade auf E-Niveau ist diese Form hilfreich, weil Du dadurch zeigen musst, wie zwei Informationen zusammenhängen.
Von einer Quelle zu mehreren Quellen
Komplexere Aufgaben verlangen oft, dass Du Informationen aus mehreren Quellen zusammenführst. Dann reicht ein einzelnes Exzerpt nicht mehr aus.
Lege zunächst für jede Quelle getrennte Notizen an. Erst danach vergleichst Du.
Eine Quellenmatrix kann helfen:
| Leitfrage | Quelle A | Quelle B | Quelle C | Eigene Synthese |
|---|---|---|---|---|
| Welche Ursache wird genannt? | Kernaussage A | Kernaussage B | Kernaussage C | Gemeinsamkeit oder Unterschied |
| Welche Belege gibt es? | Beleg A | Beleg B | Beleg C | Bewertung der Belege |
| Welche Lösung wird vorgeschlagen? | Vorschlag A | Vorschlag B | Vorschlag C | begründete Zusammenführung |
Wichtig ist, dass Du Unterschiede nicht künstlich beseitigst. Wenn zwei Quellen widersprüchliche Aussagen machen, gehört genau dieser Unterschied in Deine Notizen.
Quelle und Aussage bewerten
Ein korrektes Exzerpt kann nur so verlässlich sein wie die Quelle, aus der es entsteht. Deshalb gehört Quellenkritik zur Informationsverarbeitung.
Frage bei einer Quelle:
- Wer veröffentlicht die Information?
- Welche Fachkenntnis oder institutionelle Verantwortung ist erkennbar?
- Wann wurde der Inhalt veröffentlicht oder aktualisiert?
- Welche Belege werden genannt?
- Ist zwischen Fakten, Interpretation, Werbung und Meinung zu unterscheiden?
- Lässt sich die Aussage mit anderen verlässlichen Quellen vergleichen?
- Passt die Quelle überhaupt zu Deiner Leitfrage?
Eine professionell gestaltete Webseite ist noch kein Beweis für inhaltliche Qualität.
Vom Exzerpt zum eigenen Text
Das Exzerpt ist kein Endprodukt. Es bildet eine Brücke zwischen Lesen und Schreiben.
Bevor Du Deinen eigenen Text formulierst, sortierst Du Deine Exzerpte nach der Gliederung Deiner Aufgabe. Dadurch musst Du nicht ständig zum vollständigen Original zurückspringen.
Ein sinnvoller Ablauf ist:
Fragestellung → Recherche → Quellenprüfung → Exzerpt → Vergleich → Gliederung → eigener Text → Quellenkontrolle
Das Video von Studyflix richtet sich an wissenschaftliches Arbeiten und ist deshalb anspruchsvoller als der Unterricht in Klasse 9. Nutze es als Ausblick darauf, warum sorgfältiges Exzerpieren, Zitieren und Strukturieren auch später wichtig bleibt.
Qualitätscheck für Dein Exzerpt
Prüfe vor dem Weiterarbeiten:
- Beantworten meine Notizen wirklich die Leitfrage?
- Habe ich Hauptaussagen von Beispielen und Details unterschieden?
- Sind Paraphrasen tatsächlich in eigenen Worten formuliert?
- Habe ich den Sinn der Quelle korrekt erhalten?
- Sind direkte Zitate wortgetreu und klar gekennzeichnet?
- Hat jede wichtige Information eine Fundstelle?
- Sind eigene Gedanken eindeutig von fremden Aussagen getrennt?
- Ist die Struktur auch nach einigen Tagen noch verständlich?
- Könnte ich den Inhalt allein mit meinem Exzerpt mündlich erklären?
- Kann ich Unterschiede zwischen mehreren Quellen erkennen?
Typische Fehler und wie Du sie vermeidest
Fehler: Fast alles markieren.
Lösung: Erst lesen, dann anhand der Leitfrage auswählen.
Fehler: Ganze Sätze abschreiben und nur zwei Wörter verändern.
Lösung: Sinn verstehen, Original kurz weglegen, neu formulieren und anschließend kontrollieren.
Fehler: Zitate ohne Fundstelle speichern.
Lösung: Seitenzahl oder Abschnitt sofort mitnotieren.
Fehler: Eigene Meinung und Quellenaussage mischen.
Lösung: feste Kennzeichen oder getrennte Spalten verwenden.
Fehler: Eine Mindmap erstellen, bevor die Informationen verstanden sind.
Lösung: erst exzerpieren, dann verdichten und visualisieren.
Fehler: Informationen aus mehreren Quellen zusammenkopieren.
Lösung: Quellen zunächst getrennt auswerten und erst danach vergleichen und synthetisieren.
Ein anspruchsvolles E-Niveau-Beispiel
Stell Dir vor, Du sollst die Frage bearbeiten:
„Welche Chancen und Risiken hat der Einsatz generativer KI beim schulischen Lernen?“
Du findest dazu einen Behörden- oder Bildungsservertext, einen journalistischen Beitrag und eine wissenschaftsnahe Veröffentlichung.
Dein Arbeitsauftrag wäre nicht, aus allen drei Quellen möglichst viele Sätze zu sammeln. Du müsstest vielmehr:
- für jede Quelle Urheber, Datum und Kontext prüfen
- eine gemeinsame Leitfrage verwenden
- Kernaussagen zu Chancen und Risiken getrennt exzerpieren
- fremde Aussagen paraphrasieren
- besonders prägnante Formulierungen nur bei Bedarf zitieren
- widersprüchliche Aussagen markieren
- Belege und Beispiele unterscheiden
- die Ergebnisse in einer Vergleichstabelle oder Concept-Map strukturieren
- anschließend eine eigene, begründete Synthese formulieren
Das ist der entscheidende Schritt vom Informationen-Sammeln zum selbstständigen Verarbeiten komplexerer Informationen.
Quellen und Vertiefung
Die folgenden Materialien eignen sich zur fachlichen Vertiefung und zur Kontrolle der im aiMOOC dargestellten Verfahren:
- Bundeszentrale für politische Bildung: Text exzerpieren
- Bundeszentrale für politische Bildung: Text gliedern
- Bundeszentrale für politische Bildung: Fünf-Schritt-Lesemethode
- Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Exzerpieren
- Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Informationen strukturieren
- Lehrerfortbildung Baden-Württemberg: Umgang mit fremdem Wissen und Plagiat vermeiden
- Universität Bielefeld: Schritt für Schritt zum Exzerpieren
- Universität Konstanz: Exzerpieren und Umgang mit wissenschaftlichen Texten
- Wikipedia: Exzerpt
- Wikipedia: Paraphrasierung
- Wikipedia: Lesestrategie
- Wikipedia: Mindmap
- Wikipedia: Quellenkritik
- Wikimedia Commons: Cornell Note-Taking Method
- Wikimedia Commons: Anführungszeichen und ähnliche Zeichen
- Wikimedia Commons: deutschsprachige Concept-Map
- Wikimedia Commons: Mindmap-Regeln
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das zentrale Ziel eines Exzerpts? (Die für eine Fragestellung wichtigen Informationen gezielt festhalten) (!Den gesamten Ausgangstext möglichst vollständig abschreiben) (!Jeden Absatz auf genau einen Satz verkürzen) (!Nur besonders auffällige Wörter markieren)
Wodurch unterscheidet sich eine Paraphrase von einem direkten Zitat? (Die Paraphrase gibt den Sinn mit eigenen Worten wieder) (!Die Paraphrase muss den Wortlaut exakt übernehmen) (!Die Paraphrase benötigt immer Anführungszeichen) (!Die Paraphrase darf den Sinn der Quelle verändern)
Was solltest Du bei einem direkten Zitat unbedingt sichern? (Die genaue Fundstelle) (!Nur die Farbe Deiner Markierung) (!Eine persönliche Bewertung) (!Eine möglichst lange Abschrift des Kapitels)
Welche Frage hilft beim Erkennen eines Sinnabschnitts am meisten? (Was ist hier das Thema und was wird darüber ausgesagt) (!Wie viele Wörter enthält der Absatz) (!Welche Schriftart wird verwendet) (!Wie lang ist die Internetadresse)
Welche Darstellung eignet sich besonders gut für einen Vergleich nach mehreren Kriterien? (Eine Tabelle) (!Eine ungeordnete Stichwortsammlung) (!Ein einzelnes direktes Zitat) (!Eine bloße Abschrift)
Warum sollte eine Leitfrage vor dem Exzerpieren feststehen? (Sie hilft dabei relevante Informationen auszuwählen) (!Sie macht Quellenangaben überflüssig) (!Sie ersetzt das genaue Lesen) (!Sie legt die Antwort bereits vollständig fest)
Was gehört bei strukturierten Notizen in einen klar getrennten Bereich? (Eigene Gedanken und Fragen) (!Nur Wörter aus der Überschrift) (!Ausschließlich Internetadressen) (!Alle unwichtigen Einzelheiten)
Wann ist eine Concept-Map besonders geeignet? (Wenn Beziehungen zwischen Begriffen sichtbar gemacht werden sollen) (!Wenn ein Text wortgetreu abgeschrieben werden soll) (!Wenn nur eine einzige Zahl notiert wird) (!Wenn Quellenangaben vermieden werden sollen)
Was ist beim Arbeiten mit mehreren Quellen besonders wichtig? (Die Quellen zunächst zuzuordnen und anschließend zu vergleichen) (!Alle Aussagen sofort zu einem einzigen Text zu mischen) (!Nur die kürzeste Quelle zu verwenden) (!Widersprüche zwischen Quellen zu löschen)
Welche Kontrolle zeigt besonders gut ob ein Exzerpt brauchbar ist? (Du kannst den wesentlichen Inhalt damit korrekt erklären) (!Das Exzerpt ist fast so lang wie der Originaltext) (!Jeder Satz ist farbig markiert) (!Alle Sätze stehen in Anführungszeichen)
Memory
| Exzerpt | zielgerichtete Verdichtung wichtiger Informationen |
| Paraphrase | sinngenaue Wiedergabe mit eigenen Worten |
| Direktzitat | wortgetreue Übernahme einer Textstelle |
| Leitfrage | steuert die Auswahl relevanter Inhalte |
| Fundstelle | macht eine Information wiederauffindbar |
| Sinnabschnitt | inhaltlich zusammengehöriger Teil eines Textes |
| Mindmap | hierarchische Visualisierung rund um ein Zentrum |
| Quellenmatrix | Vergleich mehrerer Quellen nach gleichen Kriterien |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Fragestellung | bestimmt den Fokus der Informationsauswahl |
| Orientierungslesen | verschafft einen ersten Überblick über Aufbau und Thema |
| Paraphrasieren | formuliert fremde Aussagen sinngenau neu |
| Zitieren | übernimmt ausgewählten Wortlaut exakt |
| Strukturieren | ordnet Kernaussagen nach sinnvollen Beziehungen |
| Visualisieren | macht Zusammenhänge grafisch sichtbar |
Kreuzworträtsel
| Exzerpt | Wie heißt eine zielgerichtete Zusammenstellung wichtiger Gedanken aus einem Text? |
| Paraphrase | Wie heißt die sinngenaue Wiedergabe einer fremden Aussage mit eigenen Worten? |
| Fundstelle | Welcher Begriff bezeichnet den genauen Ort einer übernommenen Information? |
| Leitfrage | Welcher Begriff bezeichnet die Frage, die die Informationsauswahl steuert? |
| Mindmap | Welche Visualisierung ordnet Teilaspekte von einem zentralen Thema aus? |
| Quellenkritik | Wie heißt die systematische Prüfung von Herkunft und Zuverlässigkeit einer Quelle? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Schlüsselbegriffe markieren: Wähle einen Sachtext aus einem Schulfach und markiere höchstens zehn Schlüsselbegriffe. Begründe anschließend bei jedem Begriff in einem Halbsatz, warum er für das Textverständnis wichtig ist.
- Sinnabschnitte gliedern: Teile einen längeren Sachtext in Sinnabschnitte und formuliere für jeden Abschnitt eine Randüberschrift mit höchstens fünf Wörtern.
- Paraphrase üben: Wähle drei zentrale Aussagen aus einem Sachtext und formuliere jede Aussage vollständig mit eigenen Worten. Vergleiche anschließend Sinn und Wortlaut mit dem Original.
- Zitat oder Paraphrase: Suche in einem Text zwei Stellen, bei denen ein direktes Zitat sinnvoll wäre, und zwei Stellen, die besser paraphrasiert werden. Begründe Deine Entscheidung.
Standard
- Exzerpt erstellen: Erstelle zu einem mindestens zweiseitigen Sachtext ein Exzerpt mit Leitfrage, Fundstellen, Paraphrasen, einem kurzen Zitat und klar gekennzeichneten eigenen Gedanken.
- Cornell-Notizen: Übertrage einen anspruchsvollen Sachtext in ein Cornell-Notizblatt. Formuliere anschließend im unteren Bereich eine Zusammenfassung mit höchstens fünf Sätzen.
- Visualisierung auswählen: Verarbeite dieselben Informationen zuerst in einer Tabelle und danach in einer Mindmap. Vergleiche, welche Zusammenhänge in welcher Form besser erkennbar sind.
- Quellen vergleichen: Suche zwei seriöse Quellen zu derselben Sachfrage. Erstelle eine Tabelle mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden, Belegen und offenen Fragen.
Schwer
- Quellenmatrix entwickeln: Recherchiere drei geeignete Quellen zu einer selbst gewählten Streitfrage. Erstelle für alle Quellen getrennte Exzerpte und anschließend eine Quellenmatrix.
- Concept-Map erstellen: Überführe die Ergebnisse Deiner Quellenmatrix in eine Concept-Map. Beschrifte die Verbindungen so, dass Ursache, Folge, Widerspruch, Beleg oder Ergänzung erkennbar werden.
- Informationsdossier: Erstelle ein zweiseitiges Dossier für Deine Klasse. Es soll Leitfrage, strukturierte Kernaussagen, mindestens zwei Paraphrasen, ein korrekt gekennzeichnetes Zitat, eine Visualisierung und ein Quellenverzeichnis enthalten.
- Erklärvideo produzieren: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Lernvideo, in dem Du an einem selbst gewählten Text zeigst, wie man vom Orientierungslesen über Exzerpt und Paraphrase zu einer strukturierten Visualisierung gelangt.


Lernkontrolle
- Exzerpt beurteilen: Du erhältst zwei unterschiedliche Exzerpte desselben Textes. Entscheide begründet, welches Exzerpt für eine vorgegebene Leitfrage besser geeignet ist. Beziehe Auswahl, Genauigkeit, Quellenbezug und Struktur ein.
- Paraphrasen prüfen: Vergleiche mehrere Paraphrasen mit einem Ausgangstext. Ermittle, welche sinngenau ist, welche zu nah am Wortlaut bleibt und welche den Sinn verändert. Begründe jede Einordnung.
- Darstellungsform wählen: Für einen komplexen Informationsbestand stehen Tabelle, Mindmap, Concept-Map und Flussdiagramm zur Wahl. Entscheide Dich für eine Form und begründe anhand der vorhandenen Beziehungen, warum sie besonders geeignet ist.
- Quellenkonflikt lösen: Zwei seriöse Quellen kommen bei derselben Frage zu unterschiedlichen Einschätzungen. Entwickle ein Verfahren, mit dem Du die Unterschiede in Deinem Exzerpt sichtbar machst, ohne eine Quelle vorschnell zu verwerfen.
- Vom Exzerpt zur Argumentation: Nutze ein vorgegebenes Exzerpt, um eine kurze begründete Stellungnahme zu schreiben. Kennzeichne, welche Aussagen aus Quellen stammen und an welchen Stellen Deine eigene Schlussfolgerung beginnt.
- Informationsqualität reflektieren: Erkläre, warum korrektes Zitieren allein noch keine gute Informationsverarbeitung garantiert. Beziehe Leitfrage, Quellenauswahl, Paraphrase, Strukturierung und Bewertung ein.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis auf E-Niveau solltest Du zeigen können, dass Du komplexere Informationen selbstständig und nachvollziehbar verarbeitest.
Wichtig sind:
- Du formulierst zu einem komplexeren Thema eine brauchbare Leitfrage.
- Du gliederst längere Texte in Sinnabschnitte und erkennst deren Funktion.
- Du unterscheidest Hauptaussagen, Argumente, Belege, Beispiele und Nebensächliches.
- Du erstellst ein Exzerpt, das deutlich kürzer und strukturierter als der Ausgangstext ist.
- Du formulierst Paraphrasen sinngenau mit eigenen Worten.
- Du kennzeichnest direkte Zitate korrekt und hältst Fundstellen fest.
- Du trennst fremde Aussagen von eigenen Gedanken und Bewertungen.
- Du vergleichst Informationen aus mehreren Quellen.
- Du erkennst Übereinstimmungen, Ergänzungen und Widersprüche.
- Du wählst eine passende Form der Visualisierung und kannst Deine Wahl begründen.
- Du kannst mit Deinen strukturierten Notizen einen eigenen Text, Vortrag oder eine Präsentation vorbereiten.
- Du überprüfst am Ende, ob Deine Verarbeitung die Ausgangsquellen korrekt wiedergibt.
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