Zum Inhalt springen

Carbonsäuren - Chemie

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

Carbonsäuren - Chemie




Einleitung

Carbonsäuren sind organische Verbindungen mit mindestens einer Carboxygruppe COOH. Zu ihnen gehören bekannte Stoffe wie Ameisensäure, Essigsäure, Zitronensäure und viele Fettsäuren. Sie kommen in Lebensmitteln, Lebewesen, Reinigungsmitteln und chemischen Produkten vor.[1]

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Carbonsäuren aufgebaut und benannt werden. Du erklärst ihre Eigenschaften mithilfe der Molekülstruktur und untersuchst wichtige Reaktionen wie Neutralisation und Veresterung.


Grundlagen


Die Carboxygruppe

Die funktionelle Gruppe der Carbonsäuren heißt Carboxygruppe. Sie besteht aus einer Carbonylgruppe C=O und einer Hydroxygruppe OH, die am selben Kohlenstoffatom gebunden sind.[2]

Die allgemeine Struktur lautet:

RC(=O)OH

Der Buchstabe R steht für einen organischen Rest. Bei der einfachsten Carbonsäure ist R ein Wasserstoffatom.


Essigsäure im Strukturmodell

Essigsäure besitzt die Halbstrukturformel CH3COOH. Die verschiedenen Darstellungen zeigen, dass Strukturformel, Lewis-Formel und räumliches Modell dasselbe Molekül beschreiben.


Benennung und homologe Reihe

Bei gesättigten Monocarbonsäuren wird der Name des entsprechenden Alkans mit der Endung -säure verbunden. Die Carboxygruppe enthält bereits das erste Kohlenstoffatom der Hauptkette.

Systematischer Name Trivialname Halbstrukturformel
Methansäure Ameisensäure HCOOH
Ethansäure Essigsäure CH3COOH
Propansäure Propionsäure CH3CH2COOH
Butansäure Buttersäure CH3CH2CH2COOH
Pentansäure Valeriansäure CH3(CH2)3COOH

Benachbarte Glieder dieser homologen Reihe unterscheiden sich jeweils durch eine CH2-Gruppe.


Carbonsäuren mit mehreren funktionellen Gruppen

Moleküle können mehr als eine Carboxygruppe besitzen. Oxalsäure ist eine Dicarbonsäure mit zwei Carboxygruppen. Zitronensäure besitzt drei Carboxygruppen und zusätzlich eine Hydroxygruppe. Milchsäure ist eine Hydroxycarbonsäure.


Eigenschaften


Wasserstoffbrücken und Siedetemperatur

Carbonsäuren können starke Wasserstoffbrücken bilden. Zwei Moleküle lagern sich häufig zu einem Dimer zusammen. Deshalb besitzen Carbonsäuren im Vergleich zu ähnlich schweren unpolaren Stoffen relativ hohe Siedetemperaturen.[3]


Wasserlöslichkeit

Die Carboxygruppe ist polar und kann mit Wasser Wasserstoffbrücken bilden. Kurzkettige Carbonsäuren sind deshalb gut wasserlöslich. Mit wachsender Kohlenstoffkette nimmt der unpolare Anteil zu und die Wasserlöslichkeit sinkt.

Langkettige Carbonsäuren werden als Fettsäuren bezeichnet. Ihre Natrium- und Kaliumsalze besitzen einen wasserliebenden und einen fettliebenden Teil und können als Tenside wirken.


Geruch und Aggregatzustand

Viele kurzkettige Carbonsäuren sind bei Raumtemperatur flüssig und riechen deutlich. Essigsäure besitzt den typischen Geruch von Essig. Buttersäure riecht unangenehm. Langkettige Fettsäuren sind häufig feste oder ölige Stoffe.


Säureverhalten


Protolyse in Wasser

Carbonsäuren können nach Brønsted ein Proton an Wasser abgeben:

RCOOH+H2ORCOO+H3O+

Dabei entstehen ein Carboxylat-Ion und ein Oxoniumion. Carbonsäuren reagieren in Wasser meist als schwache Säuren. Das Gleichgewicht liegt daher überwiegend auf der Seite der undissoziierten Säuremoleküle.


Stabilität des Carboxylat-Ions

Nach der Protonenabgabe ist die negative Ladung im Carboxylat-Ion über beide Sauerstoffatome verteilt. Diese Mesomeriestabilisierung erklärt, weshalb Carbonsäuren deutlich saurer als Alkohole sind.

Der pKS-Wert beschreibt die Säurestärke. Je kleiner der pKS-Wert ist, desto stärker ist die Säure.


Wichtige Reaktionen


Neutralisation

Carbonsäuren reagieren mit Laugen zu einem Carboxylat-Salz und Wasser:

RCOOH+OHRCOO+H2O

Aus Essigsäure und Natronlauge entsteht beispielsweise Natriumacetat.


Reaktion mit unedlen Metallen

Carbonsäuren können mit geeigneten unedlen Metallen reagieren. Dabei entstehen ein Carboxylat-Salz und Wasserstoff:

2RCOOH+Mg(RCOO)2Mg+H2

Solche Versuche dürfen nur unter Aufsicht und mit geeigneter Schutzausrüstung durchgeführt werden.


Reaktion mit Carbonaten

Bei der Reaktion einer Carbonsäure mit einem Carbonat oder Hydrogencarbonat entstehen ein Salz, Wasser und Kohlenstoffdioxid. Das Gas ist an der Bläschenbildung erkennbar.

Vereinfacht für Hydrogencarbonat:

RCOOH+HCO3RCOO+H2O+CO2


Veresterung

Eine Carbonsäure reagiert mit einem Alkohol zu einem Ester und Wasser. Die säurekatalysierte Reaktion ist eine Gleichgewichts- und Kondensationsreaktion.[4]

RCOOH+ROHRCOOR+H2O

Viele niedermolekulare Ester besitzen fruchtartige Gerüche. Ester sind außerdem Bestandteile von Fetten, Kunststoffen und Lösungsmitteln.


Carbonsäuren in Natur und Alltag

Carbonsäure Vorkommen oder Bedeutung
Ameisensäure Kommt unter anderem in Ameisen vor
Essigsäure Bestimmt den sauren Charakter von Speiseessig
Milchsäure Entsteht bei Milchsäuregärungen
Zitronensäure Kommt in vielen Früchten vor und wird als Säuerungsmittel verwendet
Fettsäuren Sind Bausteine vieler Fette und Öle
Salicylsäure Wird unter anderem in chemischen und pharmazeutischen Zusammenhängen genutzt


Sicher experimentieren

Auch schwache Carbonsäuren können in hoher Konzentration ätzend wirken. Im Chemieunterricht gelten daher Schutzbrille, Laborkittel, sorgfältige Beschriftung und die Anweisungen der Lehrkraft. Chemikalien werden niemals probiert. Gerüche werden nur vorsichtig herangefächelt.

Mit Haushaltsessig lassen sich unter Aufsicht einfache Beobachtungen durchführen:

  1. Indikatorversuch: Vergleiche den pH-Wert von Wasser und verdünntem Essig.
  2. Carbonatreaktion: Beobachte die Gasentwicklung bei der Reaktion von Essig mit Natriumhydrogencarbonat.
  3. Neutralisation: Untersuche, wie sich der pH-Wert bei vorsichtiger Zugabe einer geeigneten Lauge verändert.


Zusammenfassung

  1. Carboxygruppe: Carbonsäuren besitzen mindestens eine funktionelle Gruppe mit der Formel COOH.
  2. Nomenklatur: Gesättigte Monocarbonsäuren tragen meist die Endung -säure.
  3. Stoffeigenschaft: Wasserstoffbrücken erklären relativ hohe Siedetemperaturen.
  4. Löslichkeit: Mit zunehmender Länge des unpolaren Restes sinkt meist die Wasserlöslichkeit.
  5. Säure-Base-Reaktion: Carbonsäuren geben Protonen ab und bilden Carboxylat-Ionen.
  6. Veresterung: Carbonsäuren reagieren mit Alkoholen zu Estern und Wasser.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche funktionelle Gruppe kennzeichnet Carbonsäuren? (Carboxygruppe) (!Aminogruppe) (!Ethergruppe) (!Aldehydgruppe)




Welche Halbstrukturformel besitzt Ethansäure? (CH3COOH) (!CH3OH) (!CH3CHO) (!CH3CH2OH)




Welche Endung tragen die systematischen Namen einfacher Carbonsäuren? (säure) (!ol) (!al) (!on)




Warum besitzen Carbonsäuren vergleichsweise hohe Siedetemperaturen? (Sie bilden starke Wasserstoffbrücken) (!Sie bestehen nur aus Ionen) (!Sie enthalten immer Metallatome) (!Sie bilden ausschließlich Edelgasbindungen)




Wie verändert sich die Wasserlöslichkeit meist bei längerer Kohlenstoffkette? (Sie nimmt ab) (!Sie nimmt immer stark zu) (!Sie bleibt stets gleich) (!Sie wird unabhängig von der Struktur)




Welches Teilchen entsteht bei der Protonenabgabe einer Carbonsäure? (Carboxylat-Ion) (!Alkan-Ion) (!Ammonium-Ion) (!Chlorid-Ion)




Was entsteht bei der Neutralisation einer Carbonsäure mit einer Lauge? (Carboxylat-Salz und Wasser) (!Alkan und Sauerstoff) (!Alkohol und Wasserstoff) (!Ester und Kohlenstoffdioxid)




Welches Gas entsteht bei der Reaktion einer Carbonsäure mit Hydrogencarbonat? (Kohlenstoffdioxid) (!Sauerstoff) (!Stickstoff) (!Chlor)




Welche Stoffe entstehen bei einer Veresterung? (Ester und Wasser) (!Alkan und Sauerstoff) (!Aldehyd und Wasserstoff) (!Keton und Kohlenstoffdioxid)




Was bedeutet ein kleinerer pKS-Wert im Vergleich zweier Säuren? (Die Säure ist stärker) (!Die Säure ist unpolar) (!Die Säure besitzt mehr Kohlenstoff) (!Die Säure siedet immer niedriger)





Memory

Carboxygruppe COOH
Methansäure Ameisensäure
Ethansäure Essigsäure
Carboxylat deprotoniertes Säurerest-Ion
Veresterung Bildung von Ester und Wasser
Wasserstoffbrücke Ursache hoher Siedetemperaturen
Hydrogencarbonat Bildung von Kohlenstoffdioxid





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Wasserstoffbrücken Hohe Siedetemperatur
Längere Alkylkette Geringere Wasserlöslichkeit
Protonenabgabe Säurewirkung
Neutralisation Carboxylat-Salz
Alkohol Reaktionspartner der Veresterung




...


Kreuzworträtsel

Carboxygruppe Wie heißt die funktionelle Gruppe der Carbonsäuren?
Acetat Wie heißt das Säurerest-Ion der Essigsäure?
Ester Welche Stoffklasse entsteht aus Carbonsäure und Alkohol?
Dimer Wie heißt ein Verband aus zwei Carbonsäuremolekülen?
Oxoniumion Welches positiv geladene Teilchen entsteht bei der Protolyse in Wasser?
Buttersäure Welche Carbonsäure ist für einen typisch unangenehmen Geruch bekannt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Carbonsäuren enthalten mindestens eine

. Die allgemeine Formel der funktionellen Gruppe lautet

. Bei einer Protolyse gibt die Carbonsäure ein

ab. Aus der Säure entsteht dabei ein

. Die negative Ladung wird durch

stabilisiert. Zwischen Carbonsäuremolekülen entstehen häufig

. Mit zunehmender Kettenlänge sinkt meist die

. Bei der Neutralisation entstehen ein Salz und

. Mit Hydrogencarbonat bildet sich zusätzlich

. Bei der Reaktion mit einem Alkohol entstehen Ester und

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Strukturkarte: Zeichne die allgemeine Carboxygruppe und markiere Carbonylgruppe, Hydroxygruppe und organischen Rest.
  2. Namensleiter: Erstelle Karten für Methansäure bis Pentansäure mit Namen, Trivialnamen und Halbstrukturformeln.
  3. Alltagsfundstücke: Suche auf Produktetiketten nach Essigsäure, Zitronensäure oder Milchsäure und gestalte eine geordnete Fotocollage.
  4. Molekülmodell: Baue ein Modell der Essigsäure und fotografiere es aus zwei Perspektiven.


Standard

  1. Indikatorvergleich: Plane unter Aufsicht einen Vergleich des pH-Werts von Wasser, verdünntem Essig und Zitronensäurelösung und werte die Beobachtungen aus.
  2. Gasentwicklung: Dokumentiere die Reaktion von Haushaltsessig mit Natriumhydrogencarbonat in einem kurzen Erklärvideo.
  3. Löslichkeitstest: Entwickle eine Untersuchung zur Wasserlöslichkeit unterschiedlich langer Carbonsäuren oder geeigneter Modellstoffe.
  4. Veresterungs-Infografik: Gestalte eine Infografik, die Edukte, Produkte, Katalysator und Gleichgewichtscharakter der Reaktion erklärt.


Schwer

  1. Struktur-Eigenschafts-Beziehung: Erkläre anhand selbst gewählter Beispiele, wie Kettenlänge und funktionelle Gruppen Löslichkeit und Siedetemperatur beeinflussen.
  2. Säurestärke: Vergleiche recherchierte pKS-Werte mehrerer Carbonsäuren und begründe Unterschiede durch Molekülstrukturen.
  3. Titrationsprojekt: Plane die Bestimmung der Säurekonzentration eines Speiseessigs, entwickle eine Auswertung und diskutiere Fehlerquellen.
  4. Fettsäure-Projekt: Erstelle einen Podcast oder ein Lernvideo über gesättigte und ungesättigte Fettsäuren sowie ihre Bedeutung in Fetten.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Unbekannte Carbonsäure: Eine unbekannte organische Säure ist gut wasserlöslich und besitzt einen hohen Siedepunkt. Leite aus diesen Beobachtungen mögliche Strukturmerkmale ab.
  2. Vergleich von Stoffklassen: Erkläre, weshalb Ethansäure stärker sauer reagiert als Ethanol, obwohl beide Moleküle eine OH-Gruppe besitzen.
  3. Reaktionsplanung: Entwickle eine Reaktionsfolge, mit der aus Ethansäure und Ethanol ein Ester hergestellt und anschließend wieder gespalten werden kann.
  4. Alltagsanalyse: Bewerte, warum Essigsäure sowohl als Lebensmittelbestandteil als auch als Reinigungsmittel eingesetzt werden kann.
  5. Teilchenebene: Erkläre die sichtbare Gasentwicklung bei der Reaktion von Essig mit Natriumhydrogencarbonat auf Stoff- und Teilchenebene.
  6. Transferaufgabe: Begründe, warum langkettige Carboxylat-Salze als Tenside wirken können, die zugehörigen Carbonsäuren aber nur schlecht wasserlöslich sind.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. die Carboxygruppe in Strukturformeln erkennst und beschriftest,
  2. einfache Carbonsäuren systematisch benennst,
  3. Stoffeigenschaften aus der Molekülstruktur ableitest,
  4. Protolyse- und Neutralisationsgleichungen formulierst,
  5. die Stabilisierung eines Carboxylat-Ions erklärst,
  6. die Veresterung als Gleichgewichtsreaktion darstellst,
  7. Beobachtungen aus Schulversuchen fachsprachlich auswertest,
  8. Sicherheitsregeln beim Umgang mit Säuren anwendest.




Quellenhinweise


OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...