Byzantinische Kunst - Kunst


Byzantinische Kunst - Kunst
Byzantinische Kunst - Kunst
Einleitung
Die Byzantinische Kunst entstand im Umfeld des Byzantinischen Reiches und prägte die Kunst Europas und des östlichen Mittelmeerraums über viele Jahrhunderte. Besonders bekannt sind Kuppelbauten, leuchtende Mosaiken, feierliche Ikonen, kostbare Handschriften und fein geschnitzte Elfenbeinarbeiten.
In diesem aiMOOC lernst Du, typische Merkmale zu erkennen, Bilder zu untersuchen und die Verbindung von Kunst, Religion und Herrschaft zu erklären. Der Kurs richtet sich an die Schule, besonders an die Sekundarstufe I.

Lernziele
Nach diesem Kurs kannst Du:
| Bereich | Das kannst Du |
|---|---|
| Kunstgeschichte | Du ordnest die byzantinische Kunst zeitlich und räumlich ein. |
| Bildanalyse | Du beschreibst Aufbau, Farbe, Material und Wirkung eines Werkes. |
| Architektur | Du erklärst die Bedeutung von Kuppel, Pendentif und Innenraum. |
| Transfer | Du vergleichst byzantinische Werke mit anderen Kunstepochen. |
Zeit und Raum
Die byzantinische Kunst entwickelte sich seit der Spätantike. Ihr wichtigstes Zentrum war Konstantinopel, das heutige Istanbul. Das Reich bestand bis zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453.
Die Bewohner nannten sich selbst meist Römer. Der Begriff „byzantinisch“ wurde erst später von der Geschichtswissenschaft geprägt. Bedeutende Kunstzentren lagen auch in Ravenna, auf dem Balkan, in Griechenland, Kleinasien, im Kaukasus und in Teilen des östlichen Mittelmeerraums.
Drei große Zeitabschnitte
| Abschnitt | Kennzeichen |
|---|---|
| Frühbyzantinische Zeit | Große Kirchenbauten, Mosaiken und höfische Kunst |
| Mittelbyzantinische Zeit | Neue Blüte von Ikonen, Handschriften und Elfenbeinarbeiten |
| Spätbyzantinische Zeit | Bewegtere Figuren, feinere Gefühle und regionale Kunstzentren |
Architektur: Raum, Licht und Kuppel
Die berühmte Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian I. errichtet. Ihr großer Innenraum verbindet einen länglichen Kirchenraum mit einer mächtigen Kuppel. Pendentifs leiten die Last der runden Kuppel auf einen annähernd quadratischen Unterbau weiter.
Licht fällt durch zahlreiche Fenster in den Raum. Dadurch wirkt die Kuppel leicht und beinahe schwebend. Marmorflächen, Goldmosaiken und farbige Steine steigern diesen Eindruck.

Merkmale byzantinischer Kirchen
| Bauteil | Aufgabe und Wirkung |
|---|---|
| Kuppel | Überspannt einen zentralen Raum und lenkt den Blick nach oben. |
| Pendentif | Verbindet einen eckigen Unterbau mit einer runden Kuppel. |
| Apsis | Bildet den hervorgehobenen Abschluss des Kirchenraums. |
| Marmor | Erzeugt farbige, spiegelnde und kostbare Wandflächen. |
| Mosaik | Verbindet Bild, Licht und Architektur. |
Mosaik: Bilder aus Licht
Ein Mosaik besteht aus vielen kleinen Stein-, Keramik- oder Glasstücken. Diese Stücke heißen Tesserae. Goldene Tesserae wurden häufig leicht schräg eingesetzt. So reflektieren sie das Licht unterschiedlich und lassen eine Fläche lebendig erscheinen.
Byzantinische Mosaiken zeigen oft Christus, Maria, Engel, Heilige, Herrscher oder biblische Szenen. Die Bilder sollten nicht nur eine sichtbare Welt darstellen. Sie sollten auf eine heilige Wirklichkeit verweisen.

Das Mosaik in San Vitale in Ravenna zeigt Kaiser Justinian I. mit Hof, Geistlichen und Soldaten. Die streng geordnete Gruppe verbindet politische und religiöse Macht. Justinian steht nahe der Bildmitte und trägt einen Nimbus.

Auch Kaiserin Theodora erscheint mit ihrem Gefolge. Kostbare Kleidung, Schmuck und ein goldener Hintergrund kennzeichnen den Rang der dargestellten Personen.
Ikonen: Bilder der Verehrung
Eine Ikone ist ein religiöses Bild, meist auf einer Holztafel. Ikonen zeigen häufig Christus, Maria oder Heilige. Haltung, Gesten, Farben und Gegenstände folgen oft festgelegten Bildtypen.
Die Figuren erscheinen häufig frontal, ruhig und ernst. Der Goldgrund steht nicht für einen gewöhnlichen Raum, sondern kann als Zeichen göttlichen Lichts verstanden werden. Die Malweise will deshalb nicht nur Körper und Landschaften naturgetreu wiedergeben.

Die Christusikone aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai stammt aus dem 6. Jahrhundert. Sie wurde in Enkaustik ausgeführt, also mit farbigen Wachsmischungen gemalt.
Der byzantinische Bilderstreit
Im 8. und 9. Jahrhundert wurde im Byzantinischen Reich heftig über religiöse Bilder gestritten. Gegner der Bilder befürchteten eine unerlaubte Verehrung von Gegenständen. Befürworter erklärten, dass sich die Verehrung nicht auf Holz und Farbe, sondern auf die dargestellte heilige Person richte.
Während des Bilderstreits wurden zahlreiche Bilder entfernt oder zerstört. Im Jahr 843 wurde die Verehrung von Ikonen erneut bestätigt.
Goldgrund und Bildraum
Byzantinische Bilder wirken oft flächig. Figuren können größer erscheinen, wenn sie wichtiger sind. Räumliche Tiefe, Körperlichkeit und natürliche Bewegung sind häufig weniger wichtig als Rang, Bedeutung und geistige Wirkung.
Das bedeutet nicht, dass alle byzantinischen Werke gleich aussehen. Besonders in mittel- und spätbyzantinischer Zeit entstanden auch bewegte Figuren, fein modellierte Gesichter und deutliche Raumdarstellungen.

Die Deësis zeigt Christus zwischen Maria und Johannes dem Täufer. Beide wenden sich bittend an Christus. Das Beispiel aus der Hagia Sophia verbindet feierliche Ordnung mit einer ausdrucksstarken Darstellung der Gesichter.
Buchkunst und kostbare Objekte
In Schreibwerkstätten entstanden reich ausgestattete Handschriften. Schreiber kopierten Texte, während Maler Initialen, Randbilder und ganzseitige Miniaturen ausführten.

Der Pariser Psalter aus dem 10. Jahrhundert zeigt, dass byzantinische Künstler auch auf Formen der antiken Kunst zurückgriffen. Figuren, Landschaft und Personifikationen erinnern an ältere griechisch-römische Bildtraditionen.

Das Harbaville-Triptychon ist ein klappbares Triptychon aus Elfenbein. Christus, Maria, Johannes der Täufer und Heilige erscheinen in fein geschnitzten Reliefs. Solche kleinen Werke konnten betrachtet, berührt, transportiert und zur privaten Andacht genutzt werden.
Materialien und Techniken
Byzantinische Kunst war häufig kostbar. Verwendet wurden unter anderem Gold, Silber, Email, Glas, Edelsteine, Seide, Pergament, Holz, Marmor und Elfenbein. Material und Licht waren Teil der Bildaussage.
Typische Merkmale erkennen
| Merkmal | Mögliche Wirkung |
|---|---|
| Frontalität | Die Figur tritt dem Betrachter direkt gegenüber. |
| Symmetrie | Das Bild wirkt geordnet und feierlich. |
| Goldgrund | Der Raum erscheint zeitlos und heilig. |
| Hierarchie | Größe und Position zeigen die Bedeutung einer Person. |
| Nimbus | Eine dargestellte Person wird als heilig gekennzeichnet. |
| Symbolfarbe | Farben tragen über ihre sichtbare Wirkung hinaus Bedeutung. |
Typische Merkmale sind Hilfen für die Analyse. Du solltest sie immer am konkreten Werk belegen und nicht automatisch auf jedes byzantinische Bild übertragen.
So untersuchst Du ein Werk
| Schritt | Leitfrage |
|---|---|
| Beschreiben | Was ist ohne Deutung sichtbar? |
| Untersuchen | Wie sind Figuren, Farben, Formen, Licht und Raum angeordnet? |
| Deuten | Welche religiöse, politische oder gesellschaftliche Bedeutung könnte das Werk besitzen? |
| Belegen | Welche sichtbaren Einzelheiten stützen Deine Deutung? |
| Einordnen | Zu welcher Kunstform, Zeit und Funktion passt das Werk? |
Wirkung und Nachleben
Byzantinische Kunst beeinflusste die Kunst orthodox geprägter Regionen, darunter Griechenland, der Balkan und Russland. Auch in Italien wirkten Mosaiken, Ikonentypen und Goldgründe weiter. Spuren finden sich beispielsweise in Venedig, in mittelalterlicher Tafelmalerei und in späteren Kirchenbauten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Reich steht im Mittelpunkt der byzantinischen Kunst? (Das Byzantinische Reich) (!Das Aztekenreich) (!Das Frankenreich) (!Das Perserreich der Achämeniden)
Welche Stadt war das wichtigste Zentrum der byzantinischen Kunst? (Konstantinopel) (!Paris) (!London) (!Madrid)
Woraus besteht ein Mosaik? (Aus vielen kleinen Stein- oder Glasstücken) (!Aus einem einzigen Marmorblock) (!Nur aus bedrucktem Papier) (!Nur aus geflochtenen Fäden)
Welche Wirkung besitzt der Goldgrund häufig? (Er verweist auf göttliches Licht) (!Er zeigt eine genaue Landkarte) (!Er kennzeichnet eine Alltagsszene) (!Er ersetzt immer jede andere Farbe)
Welches Bauwerk ist für seine große Kuppel bekannt? (Die Hagia Sophia) (!Der Eiffelturm) (!Das Brandenburger Tor) (!Stonehenge)
Wo befinden sich berühmte Mosaiken von Justinian und Theodora? (In San Vitale in Ravenna) (!Im Schloss Versailles) (!Im Kölner Dom) (!Im Olympiastadion Berlin)
Was ist eine Ikone? (Ein religiöses Bild) (!Ein Musikinstrument) (!Eine Säulenform) (!Eine Theatermaske)
Worum ging es im byzantinischen Bilderstreit? (Um die Zulässigkeit religiöser Bilder) (!Um den Bau von Wasserleitungen) (!Um die Einführung des Buchdrucks) (!Um die Erfindung der Fotografie)
Welches Material wurde für das Harbaville-Triptychon verwendet? (Elfenbein) (!Beton) (!Kunststoff) (!Gummi)
Welche Aussage passt zu vielen byzantinischen Bildern? (Bedeutung ist oft wichtiger als naturgetreue Raumdarstellung) (!Jedes Bild zeigt eine moderne Stadt) (!Alle Werke sind vollständig farblos) (!Es gibt grundsätzlich keine menschlichen Figuren)
Memory
| Mosaik | Bild aus kleinen Stein- oder Glasstücken |
| Ikone | Religiöses Tafelbild |
| Goldgrund | Zeichen eines heiligen Lichtraums |
| Pendentif | Übergang vom eckigen Raum zur Kuppel |
| Skriptorium | Werkstatt für Handschriften |
| Deësis | Christus zwischen Maria und Johannes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Tessera | Kleines Teilstück eines Mosaiks |
| Nimbus | Lichtschein um den Kopf |
| Apsis | Hervorgehobener Abschluss eines Kirchenraums |
| Triptychon | Dreiteiliges Kunstwerk |
| Enkaustik | Maltechnik mit farbigem Wachs |
Kreuzworträtsel
| Mosaik | Wie heißt ein Bild aus vielen kleinen Stein- oder Glasstücken? |
| Ikone | Wie heißt ein religiöses Tafelbild? |
| Kuppel | Welches gewölbte Bauteil prägt die Hagia Sophia? |
| Ravenna | In welcher italienischen Stadt liegt San Vitale? |
| Pendentif | Welches Bauteil vermittelt zwischen Quadrat und Kuppel? |
| Pantokrator | Welcher Titel bezeichnet Christus als Weltenherrscher? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bilddetektiv: Wähle ein Bild aus diesem Kurs und markiere drei Merkmale, die Du für typisch byzantinisch hältst.
- Papiermosaik: Gestalte aus farbigen Papierschnipseln ein kleines Mosaik mit einem einfachen Symbol.
- Farbwirkung: Erstelle eine Farbkarte mit Gold, Blau, Rot und Purpur und beschreibe die Wirkung jeder Farbe.
- Begriffskarte: Verbinde die Begriffe Ikone, Mosaik, Kuppel, Goldgrund und Nimbus in einer übersichtlichen Zeichnung.
Standard
- Bildanalyse: Untersuche das Justinian-Mosaik nach Beschreibung, Aufbau, Farbe, Figurenordnung und möglicher Aussage.
- Vergleich: Vergleiche eine byzantinische Ikone mit einem Porträt aus einer anderen Kunstepoche.
- Audioguide: Produziere einen zweiminütigen Audioguide zur Hagia Sophia oder zu San Vitale.
- Architekturmodell: Baue aus Papier oder Karton ein Modell, das den Übergang vom quadratischen Raum zur Kuppel zeigt.
Schwer
- Digitale Ausstellung: Kuratiere sechs Werke der byzantinischen Kunst und verfasse zu jedem Werk eine kurze, sachliche Beschriftung.
- Bilderstreit: Entwickle ein Rollengespräch zwischen einer Befürworterin und einem Gegner religiöser Bilder.
- Lichtexperiment: Untersuche, wie Licht auf glatten, matten und goldfarbenen Flächen wirkt, und übertrage Deine Ergebnisse auf Mosaiken.
- Kulturtransfer: Recherchiere ein späteres Werk, das byzantinische Merkmale aufgreift, und belege den Einfluss mit einem Bildvergleich.


Lernkontrolle
- Unbekanntes Werk analysieren: Entscheide anhand sichtbarer Merkmale, ob ein unbekanntes Werk byzantinisch geprägt sein könnte, und begründe Deine Einschätzung mit mindestens vier Beobachtungen.
- Kunst und Herrschaft: Erkläre am Justinian-Mosaik, wie Bildaufbau, Kleidung, Nimbus und Figurenordnung politische Macht vermitteln.
- Raum und Wirkung: Entwickle eine begründete Vermutung dazu, wie Kuppel, Licht und Mosaik gemeinsam auf Besucherinnen und Besucher einer Kirche wirken.
- Kontinuität und Wandel: Vergleiche zwei Werke aus unterschiedlichen Jahrhunderten und zeige, welche Merkmale gleich bleiben und welche sich verändern.
- Museumskonzept: Plane eine kleine Schulausstellung zur byzantinischen Kunst und begründe Auswahl, Reihenfolge und Präsentation der Werke.
- Gestaltungstransfer: Entwirf ein modernes Plakat mit byzantinischen Gestaltungsmitteln und erkläre, wie Du Goldgrund, Symmetrie oder Frontalität neu eingesetzt hast.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:
- Fachbegriffe: Du verwendest zentrale Begriffe wie Mosaik, Ikone, Goldgrund, Pendentif und Deësis richtig.
- Einordnung: Du ordnest Werke räumlich, zeitlich und kulturell ein.
- Analyse: Du beschreibst sichtbare Merkmale genau, bevor Du sie deutest.
- Begründung: Du belegst Aussagen durch konkrete Einzelheiten am Werk.
- Vergleich: Du erkennst Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Kunstwerken.
- Eigenständigkeit: Du entwickelst eine eigene Gestaltung oder Fragestellung.
- Quellenarbeit: Du nennst verwendete Bild- und Informationsquellen nachvollziehbar.
OERs zum Thema
- Wikipedia: Byzantinische Kunst
- Wikimedia Commons: Byzantine art
- Wikimedia Commons: Byzantine mosaics
- Wikimedia Commons: Byzantine illuminated manuscripts
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