Das dreiteilige historische Rechts- und Pflichtenbuch verbindet Regeln des Alltags mit Gerichtsverfahren und religiösen Vorstellungen. Im Vergleich mit anderen alten Rechtsquellen lassen sich gesellschaftliche Ordnung, ungleiche Rechte und die Begründung von Normen untersuchen.
Historische Rechts- und KulturquelleKlasse 11–135 Abschnitte
Yajnavalkya Smriti – Handschrift — Handschriftliche Überlieferung der Yajnavalkya Smriti. · Amitprabhakar · CC BY-SA 4.0Bildquelle ↗
Historische philosophische, religiöse und naturkundliche Aussagen sowie zeitgebundene gesellschaftliche Wertungen kritisch einordnen. Diese Texte vermitteln keine heutigen wissenschaftlichen, medizinischen oder rechtlichen Handlungsempfehlungen. Klassenangaben sind eine redaktionelle Orientierung.
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1. Den fürsten der andächtigen Yâjnavalkya verehrt habend sprachen die Munis: »Sage uns die pflichten der kasten, der orden und der anderen, sämmtlich.«
2. Der herr der andächtigen, in Mithilâ weilend, sann einen augenblick nach, und sprach zu den Munis: »In welchem lande die schwarze gazelle ist[1], dessen pflichten vernehmt.«
3. Die vier Vedas mit den Purâńas, dem Nyâya, der Mîmânsâ, den gesetzbüchern und den sechs Angas sind die vierzehn örter der wissenschaften und des rechtes.
6. Wenn eine sache an irgend einem orte, zu einer gewissen zeit, durch irgend ein mittel, mit glauben einer person übergeben wird, so fallen alle diese umstände unter den begriff des rechtes.
7. Vedas, rechtsbücher, sitte der guten, was einem selbst lieb ist[2] und der wunsch, welcher aus gehöriger überlegung entstanden, dies wird als wurzel des rechtes angesehen.
9. Vier der Vedas und des rechts kundige sind eine versammlung (parshat) oder ein Traividya.[4] Was diese sagt, das soll recht sein, oder was ein einziger sagt,[5] welcher des übergeistigen besonders kundig ist.
10. Brâhmańas, Kshatriyas, Vaiśyas und Śûdras sind die kasten; die drei ersten sind zwiegeborne[6]. Ihre heiligen handlungen von der besprengung bis zur beerdigung geschehen mit Mantras[7].
11. Die empfängniss-handlung[8] zur zeit der monatlichen reinigung; das Punsavana vor der bewegung des kindes; im sechsten oder achten monat die haarschlichtung, und wenn das kind gekommen, die geburtshandlung[9].
12. Am eilften tage die namengebung[10]; im vierten monat das ausgehen[11]; im sechsten monat das essen-geben; die haarflechte[12] ist zu machen nach dem gebrauche der familie.
13. So gelangt zur beruhigung die sünde, welche aus dem samen und dem mutterleibe entspringt[13]. Diese handlungen sind stillschweigend zu vollziehen bei frauen[14], die heirath[15] aber mit Mantras.
14. Im achten jahre nach der empfängniss oder im achten nach der geburt ist die umgürtung des Brâhmańa zu vollziehen; bei den Râjâs im eilften, bei den Vaiśyas im zwölften[16]; nach einigen nach der sitte der familie.
15. Wenn der Guru den schüler umgürtet hat, indem er die grossen worte ausspricht, soll er ihn den Veda lesen lassen und ihn die reinheitsgebräuche lehren[17].
16. Bei tage und in den dämmerungen soll er, die Brahmanenschnur am rechten ohre tragend, nach norden sehend, urin und unrath ausleeren; wenn es bei nacht ist, nach süden sehend[18].
17. Das männliche glied anfassend, soll er aufstehen und mit erde oder aufgeschöpftem wasser unverdrossen sich so reinigen, dass er geruch und schmutz entfernt[19].
18. Zwischen den knieen, an einem reinen orte sitzend, nach norden sehend oder nach osten, soll der zwiegeborne den mund ausspülen mit der stelle der hand, welche Brahman heilig ist[20].
19. Die wurzel des kleinen fingers, die des zeigefingers, die des daumen und die spitze der hand sind der reihe nach die heiligen stellen des Prajâpati, der väter, des brahman und der götter[21].
20. Nachdem er dreimal wasser geschluckt, und zweimal den mund gespült, soll er die öffnungen des kopfes berühren[22], aber mit wasser von natürlicher beschaffenheit, frei von schaum und blasen[23].
21. Durch wasser, welches bis zum herzen oder bis zur kehle oder zum gaumen gelangt, werden die zwiegeborenen der reihe nach gereinigt; eine frau aber und ein Śûdra durch wasser, welches einmal mit dem gaumen berührt wird[24].
22. Baden, abreiben des körpers unter Mantras, welche an das wasser gerichtet sind, anhalten des athems[25], anbeten der sonne und täglich das hersagen der Gâyatrî.
23. Er soll die Gâyatrî hersagen mit ihrem haupte, die heiligen wörter voran, jedes von der silbe Om begleitet[26]). Dieses anhalten des athems soll er dreimal vollziehen.
24. Nachdem er den athem angehalten und sich besprengt hat, indem er die drei Rič an das wasser hersagt[27], soll er sitzen, die Sâvitrî hersagend, gegen westen gerichtet bis zum aufgang der sterne[28].
25. Morgens in der dämmerung soll er gegen osten gerichtet eben so stehen, bis die sonne sichtbar ist[29]. Dann soll er das feueropfer der beiden dämmerungen vollziehen[30].
28. Dankbare, nicht hassende, verständige, reine, gesunde, freundliche, sind zu unterrichten dem rechte nach; gute, fähige, vertraute, wissen und reichthum spendende[34].
31. Wenn er das feueropfer vollzogen, esse er, die rede hemmend, auf des Guru's erlaubniss[39], das Apośâna voranschickend, das essen ehrend, nicht tadelnd[40].
32. Keuschheit beobachtend esse er nicht eine speise[41], ausser in der noth. Der Brâhmańa esse nach belieben bei einem Śrâddha, ohne sein gelübde zu brechen[42].
34. Der ist sein Guru[44], welcher die heiligen handlungen verrichtet hat und ihm den Veda übergiebt. Wer ihn bloss mit der schnur umgürtet hat und ihm den Veda giebt, wird lehrer[45] genannt.
35. Wer ihm einen theil des Veda giebt, heisst Upâdhyâya[46]; Ritvij[47] heisst, wer die opfer verrichtet. Diese sind der reihe nach zu ehren, die mutter aber ist ehrwürdiger als sie[48].
36. Keuschheit bewahre er für jeden Veda zwölf jahre, oder fünf; einige meinen, bis er die Vedas gelesen[49]. Das haarabschneiden erfolgt im sechszehnten jahre[50].
37. Bis zum sechszehnten, zweiundzwanzigsten und vierundzwanzigsten jahre ist die äusserste zeit für die umgürtung mit der schnur für Brâhmańas, Kshatriyas und Vaiśyas[51].
38. Nach dieser zeit fallen sie, verlieren alle rechte und sind aus der Sâvitrî gefallen, ausgestossen[52], wenn sie nicht das opfer der ausgestossenen[53] vollziehen.
39. Weil sie zuerst von der mutter geboren werden, und zum zweiten male durch das umbinden der schnur[54], deshalb werden die Brâhmańas, Kshatriyas und Vaiśyas zwiegeborene genannt.
47. Wenn sie befriedigt sind, befriedigen sie ihn durch die herrlichen früchte aller wünsche: und was für ein opfer er liest, dessen frucht erlangt er.
48. Der zwiegeborene, welcher beständig die Vedas liest, erlangt einen lohn, als wenn er dreimal die mit schätzen gefüllte erde verschenkt, und den lohn der höchsten busse.
49. Der beständige Brahmačârin aber wohne in der nähe seines lehrers[57]; wenn dieser nicht mehr lebt, bei seinem sohne, seiner frau[58] oder seinem feuer[59].
50. Wenn er nach dieser vorschrift seinen körper züchtigt, die sinne besiegend, gelangt er zur welt des Brahman, und wird hier nicht wiedergeboren[60].
52. Ohne die keuschheit gebrochen zu haben[62] heirathe er eine frau mit guten zeichen[63], die nicht früher verheirathet war, die er liebt, die nicht Sapinda von ihm ist[64], eine jüngere.
53. Eine nicht kranke[65], die brüder hat[66], die entsprossen ist von einem manne, welcher nicht gleichen namen und gleiche familie hat, und welche von seiten der mutter um mehr als fünf grade, von seiten des vaters um mehr als sieben grade von ihm entfernt ist[67].
54. Aus einer durch zehn männer berühmten grossen familie von Vedakundigen, aber nicht aus einer noch so wohlhabenden, wenn sie mit erblichen krankheiten behaftet ist[68].
55. Mit denselben eigenschaften begabt[69], von gleicher kaste, Vedakundig, sei der bräutigam, sorgfältig in der mannbarkeit geprüft, jung, verständig, bei den leuten beliebt.
56. Was gesagt wird[70]: »Die zwiegeborenen können aus den Śûdras eine frau nehmen,« das ist nicht meine meinung, weil in ihr das eigene selbst geboren wird[71].
58. Brâhma heisst die ehe, wenn die braut, nach vermögen geschmückt, dem bräutigam gegeben wird, nachdem man ihn eingeladen hat[72]. Der in ihr geborne sohn reinigt nach beiden seiten einundzwanzig männer[73].
59. Wenn die braut dem opfernden Ritvij gegeben wird, heisst die ehe Daiva[74]; wenn er ein rinderpaar empfängt, Ârsha[75]. Der sohn, welcher in der ersteren geboren wird, reinigt vierzehn, in der letzteren sechs[76].
60. Wenn die braut dem bewerber gegeben wird mit den worten: »vollzieht mit einander die pflichten«[77], so heisst die ehe Kâya. Der darin geborne sohn reinigt sechs und sechs familienglieder und sich selbst[78].
61. Die Âsura-ehe wird geschlossen durch annehmen von gut[79]; die Gândharva durch gegenseitiges übereinkommen[80]; die Râkshasa durch rauben im kampf[81]; die Paiśâča durch betrügen des mädchens[82].
62. Der bräutigam muss die hand der braut fassen, wenn sie aus gleicher kaste ist[83]; eine Kshatriyâ soll einen pfeil halten, eine Vaiśyâ soll einen stachelstock nehmen, wenn sie einen mann der ersten kaste heirathen[84].
63. Der vater, der grossvater, der bruder[85], ein männlicher verwandter und die mutter sind diejenigen, welche das mädchen dem bräutigam übergeben. Wenn von diesen der frühere gestorben ist, so tritt der nächst folgende ein, wenn er in gesundem zustande ist.
64. Wer sie nicht zur ehe giebt[86], der ladet bei jeder monatlichen reinigung die schuld einer tödtung der leibesfrucht auf sich. Ist aber niemand da, der sie zur ehe geben kann, so soll das mädchen selbst einen passlichen bräutigam wählen[87].
65. Einmal wird das mädchen dem manne gegeben[88]; wer sie wieder wegnimmt[89], verdient die strafe eines diebes. Doch darf er die gegebene nehmen, wenn ein besserer bräutigam als der frühere kommt.
66. Wer ein mädchen zur ehe giebt, ohne einen fehler, welchen sie hat, angezeigt zu haben[90], soll die höchste strafe bezahlen; eben so, wer ein fehlerloses mädchen verlässt[91]. Wer ihr aber fälschlich fehler vorwirft, soll hundert Pańas bezahlen[92].
67. Eine unverletzte oder verletzte, welche wiederum nach den heiligen gebräuchen heirathet[93], heisst eine wiederverheirathete[94]. Eine zügellose heisst diejenige, welche ihren mann verlässt und aus lust zu einem manne gleicher kaste geht.
68. Einer frau, welche keinen sohn hat, soll, um einen sohn zu erzeugen, auf des Guru's geheiss ihr schwager oder ein mann, der durch den opferkuchen verwandt ist, oder ein mann desselben stammes, mit butter gesalbt nahen[95].
70. Eine ungetreue frau[97] soll der mann wohnen lassen, ihrer würde beraubt, schmutzig, nur zur nothdurft essend, hart behandelt, auf dem fussboden schlafend.
72. Von einer untreue wird die frau rein durch die monatliche reinigung; wenn sie schwanger wird, so ist ihre entlassung angeordnet; eben so wenn sie ihre leibesfrucht oder ihren mann tödtet[98], oder eine grosse sünde begeht.
73. Eine frau, welche berauschende getränke trinkt, krank, zänkisch, unfruchtbar, verschwenderisch ist und hässlich spricht, oder welche nur töchter gebiert, ist durch eine andere zu ersetzen; eben so diejenige, welche ihren mann hasst[99].
74. Eine ersetzte muss der mann ernähren, sonst ist es grosse sünde. Wo ehegatten freundlich gegen einander sind, da gedeihen die drei gegenstände des strebens der menschen: tugend, reichthum, liebe.
76. Wer eine frau verlässt, welche seinen befehlen gehorcht, willig ist, treffliche söhne gebiert und freundlich spricht, soll den dritten theil seines vermögens bezahlen, und, wenn er kein vermögen hat, die frau ernähren[101].
77. Frauen müssen das wort ihres mannes tun[102]; das ist die höchste pflicht der frau. Bis zu seiner reinigung muss sie ihn erwarten, wenn er von einer grossen sünde befleckt ist.
78. Weil uns welten, unendlichkeit und erreichung des himmels durch sohn, enkel und urenkel zu theil werden[103], deshalb muss man die frauen ehren und wohl bewachen.
79. Sechszehn nächte sind die periode der frauen[104]; innerhalb derselben soll der mann in den graden nächten[105] sie besuchen, als Brahmačârin[106]; die knoten[107] und die vier ersten tage[108] vermeide er.
80. So zu seiner frau gehend, welche abgemagert ist, vermeide der mann die sternbilder Maghâ und Mûla, wenn der mond glücklich steht, einmal, und erzeuge einen sohn, der gute zeichen trägt.
81. Oder er folge seiner lust[109], des segens der frauen gedenkend, und sich nur seiner eigenen frauen erfreuend; denn die frauen sollen gehütet werden[110].
82. Von dem gemahl, den brüdern, dem vater, den väterlichen verwandten, schwiegermutter, schwiegervater und schwägern, und von allen verwandten sind die frauen zu ehren durch schmuck, kleidung und essen[111].
83. Sie aber, das hausgeräthe in ordnung haltend, geschickt, heiter, ausgaben meidend[112], erzeige ihren schwiegereltern verehrung, ihrem gatten ergeben.
84. Spiel, schmuck des körpers, besuch von gesellschaften und festen, gelächter und gehen in fremde häuser vermeide sie, wenn ihr gatte verreist ist[113].
85. Der vater soll sie schützen als mädchen, der gatte als verheirathete, die söhne aber im alter; wenn diese fehlen, ihre verwandten; niemals soll die frau von sich selbst abhängen[114].
86. Die, welche ohne gatten ist, soll nicht getrennt sein von vater, mutter, sohn, bruder, schwiegermutter, schwiegervater, oder mütterlichem onkel, sonst zieht sie sich tadel zu.
87. Auf das, was ihrem gatten lieb und heilsam ist, bedacht, wohlgesittet, die sinne zügelnd, erlangt sie hier ruhm[115] und nach dem tode das höchste glück.
88. Wenn der mann eine frau gleicher kaste hat, lasse er nicht eine andere eine heilige handlung vollziehen[116]. Hat er mehrere gleicher kaste, so soll keine andere als die älteste die heilige vorschrift voll bringen.
89. Wenn der gatte die gattin, welche die pflichten der kaste vollzog, im feuer verbrannt hat, nehme er der vorschrift gemäss eine andere frau und anderes feuer[117], ohne zu zögern.
90. Von männern gleicher kaste und frauen gleicher kaste[118] werden in tadellosen ehen söhne gleicher kaste erzeugt, welche die familie fortpflanzen[119].
91. Von einem Brâhmańa wird erzeugt mit einer Kshatriyâ ein Mûrdhâvasikta, mit der frau eines Vaiśya ein Ambashta[120], mit einer Sûdrî ein Nishâda oder auch ein Pâraśava[121].
92. Von einem Kshatriya kommen mit einer Vaiśyâ und Sûdrî als söhne ein Mâhishya und Ugra[122]; von einem Vaiśya aber mit einer Śûdrî ein Karańa[123]. Dies ist das gesetz, welches über die verheiratheteten frauen verkündet worden.
93. Von einer Brâhmanî stammt mit einem Kshatriya ein Sûta[124]; mit einem Vaiśya ein Vaidehaka[125]; mit einem Śûdra aber ein Cândâla[126], welcher aus allem rechte ausgestossen ist.
94. Eine Kshatriyâ erzeugt mit einem Vaiśya einen Mâgadha[127]; mit einem Śûdra einen Kshattrĭ[128]. Eine Vaiśyâ erzeugt mit einem Śûdra einen Âyogava[129] als sohn.
95. Von einem Mâhishya wird mit einer Karanî ein Rathakâra erzeugt. Alle schlechten nennt man gegen den strich geborne; die guten aber mit dem striche geborne[130].
96. Die höhere kaste wird ihnen in der siebenten[131] oder fünften Generation zu theil. Durch verkehrte beschäftigung[132] wird ihnen gleichheit. Höher oder niedriger sind sie, wie die früheren.
97. Das opfer, welches die gesetzbücher vorschreiben, soll der haushälter täglich in dem hochzeitsfeuer[133] vollziehen, oder in dem feuer, welches er zur zeit der erbtheilung empfangen; das durch die Vedas vorgeschriebene opfer[134] aber in dem opferfeuer.
98. Wenn er die sorge für den körper beseitigt, und die reinigungsvorschriften erfüllt, verrichte der Brâhmańa die morgenandacht, nachdem er vorher die zähne gereinigt[135].
100. Dann nahe er dem herrscher[137], der erreichung des lebensunterhaltes wegen; und nachdem er gebadet[138], sättige und verehre er die götter und die väter.
101. Zur Vollziehung des leisen opfers[139] lese er leise die Vedas, das Atharva, die Purâńas und Itihâsas, nach vermögen, und die wissenschaft vom höchsten geiste.
102. Das spendenopfer, die svadhâ, das brandopfer, die lesung und die bewirthung der gäste sind die grossen opfer an die Wesen, die ahnen, die unsterblichen, das Brahma und an die menschen[140].
103. Von der speise, welche von dem opfer an die götter übrig bleibt, nehme er die spende an die wesen, und werfe speise auf die erde für die hunde, Cândâlas und krähen[141].
105. Nachdem sie kindern, einer beim vater wohnenden verheiratheten tochter, alten, schwangern, kranken, jungfrauen, gästen und dienern zu essen gegeben, sollen mann und frau das übrige essen[145].
106. Der essende zwiegeborne soll durch verrichtung des Apośâna vor und nach dem essen bewirken, dass die speise nicht entblösst und unvergänglich ist.
107. Gastfreundschaft[146] ist nach kräften zu erweisen, nach der reihe der kasten[147]; ein gast ist auch abends aufzunehmen[148] mit rede, boden, gras und wasser[149].
108. Einem bettler und einem Brahmačârin[150] soll er, nachdem er ihn begrüsst, almosen geben; freunden, verschwägerten und verwandten[151], welche zur zeit kommen, gebe er zu essen.
110. Einmal im jahre sind zu bewirthen der haushälter, lehrer und herrscher, ein freund und der schwiegersohn[153]; der opferpriester aber bei jedem opfer.
111. Ein reisender ist als gast anzusehen und ein Brâhmańa, der den Veda bis zu ende kennt[154]. Diese beiden soll der haushälter ehren, welcher Brahma's welt zu erreichen wünscht.
112. Er finde nicht gefallen an mahlzeiten bei fremden[155], ausser wenn ein untadelhafter ihn einladet. Er vermeide unbesonnenheit der rede, der hände und der füsse[156], und unmässiges essen[157].
113. Einen vedakundigen gast, der gesättigt ist, begleite er bis zur grenze. Den übrigen theil des tages sitze er mit unterrichteten und lieben verwandten.
114. Nachdem er die abendandacht vollzogen, den feuern geopfert und sie verehrt und, von der dienerschaft umgeben, gegessen, nicht zur übersättigung, gehe er schlafen.
115. In der Brahma-stunde stehe er auf und gedenke an sein wohl[158]. Tugend, nutzen und vergnügen, jedes zu seiner zeit, bemühe er sich nach kräften nicht zu vernachlässigen.
116. Die menschen sind wegen wissenschaft, thaten, alters, verwandten und reichthumes der reihe nach zu ehren[159]. Wenn er diese in grossem masse besitzt, verdient auch ein Śûdra im greisenalter achtung[160].
117. Einem alten, einem belasteten, einem fürsten, einem haushalter, einer frau, einem kranken und einem im wagen fahrenden soll er auf der strasse platz machen[161]. Ein fürst ist von jenen zu ehren, ein haushalter aber vom fürsten[162].
118. Opfern, lesen und schenken kommt dem Vaiśya und Kshatriya zu[163]; dem Brâhmańa ausserdem noch das empfangen, und andere opfern und lesen zu lassen[164].
120. Die des Śûdra, gehorsam gegen die zwiegebornen[166]; wenn er dadurch nicht leben kann, werde er kaufmann, oder lebe durch verschiedene künste, für das wohl der zwiegeborenen sorgend[167].
121. An seiner gattin freude habend, rein, die diener erhaltend, an der vollziehung der todtenopfer sich freuend, versäume er nicht die fünf opfer mit dem spruche, welcher mit dem worte: »verehrung!« beginnt.
122. Nicht verletzen, wahrheit, nicht stehlen, reinheit zügelung der sinne[168], freigebigkeit, bezähmung[169], milde, geduld[170] sind pflichten aller menschen.
123. Er übe ein betragen aus, welches angemessen ist seinem alter, verstande, reichthum, seiner rede, kleidung, vedakunde, familie und seinen thaten[171]; ein aufrichtiges, nicht unwürdiges[172].
124. Der zwiegeborne, welcher lebensunterhalt auf drei jahre oder auf längere zeit hat, soll den Soma trinken[173]. Die dem Soma vorhergehenden opfer vollziehe derjenige, welcher lebensunterhalt auf ein jahr hat.
125. Das Soma-opfer ist alle jahre zu vollziehen, das viehopfer auch noch alle halbjahre; ausserdem ist das ernteopfer zu vollziehen, und die viermonatlichen opfer[174].
126. Wenn diese nicht möglich sind, so vollziehe der zwiegeborne das Viśvânara-opfer[175]. Ein opfer, welches ihm frucht bringen soll, vollziehe er nie mangelhaft, so lange er vermögen hat.
127. Als Cândâla wird er wiedergeboren, wenn er das zum opfer nötige von einem Śûdra erbittet[176]. Wenn er das zum opfer empfangene nicht giebt, so wird er ein geier oder eine krähe[177].
128. Er habe einen speicher voll getreide, oder gefässe voll, oder auf drei tage, oder nicht auf den folgenden tag[178], oder er lebe vom ährenlesen[179]. Von diesen ist jedesmal der spätere der bessere[180].
129. Er suche nicht reichthum zu erwerben, welcher sein Veda-studium stört[181], noch von jedem ohne unterschied, auch nicht durch verbotene beschäftigung[182], sondern er sei immer zufrieden[183].
130. Von einem könige, einem schüler oder einem manne, für den er opfert, suche er geld zu erlangen, wenn er von hunger gequält wird[184]. Scheinheilige, zweifler, ketzer und heuchler vermeide er[185].
131. Er sei mit weissen gewändern bekleidet, mit kurzen haaren, bart und nägeln, rein[186]; er esse nicht in gegenwart seiner frau[187]; nicht wenn er nur ein gewand trägt[188], und nicht stehend.
132. Er unternehme nichts gefährliches[189], spreche nicht ohne ursache unangenehmes, nicht unheilsames noch unwahres[190]; er sei kein dieb und kein wucherer[191].
133. Er trage gold, die brâhmańenschnur, einen rohrstab und einen wassertopf[192], und gehe bei einem götterbilde, einem erdhügel, einer kuh, einem Brâhmańa und bei grossen bäumen immer so vorbei, dass sie zu seiner rechten bleiben[193].
134. Er lasse nicht seinen urin in einen fluss, auf einen schatten, einen weg, in eine kuhhürde, in wasser noch in asche, noch auch gegen feuer, die sonne, eine kuh, den mond, die dämmerung, wasser oder einen Brâhmańa[194].
135. Er sehe nicht die sonne an[195], noch eine nackte frau[196], oder eine, die eben den beischlaf vollzogen, auch nicht urin oder unrath[197], oder, wenn er unrein ist, den Râhu[198] oder die sterne.
136. »Dass mir dieser donnerkeil« u.s.w. dieses ganze Mantra aussprechend, gehe er, wenn es regnet, unverhüllt, und schlafe nicht mit dem kopfe nach westen.
137. Speichel, blut, unrath, urin und samen werfe er nicht ins wasser[199], die füsse wärme er nicht am feuer[200], noch springe er über dasselbe[201].
138. Wasser trinke er nicht mit der hand[202], einen schlafenden wecke er nicht[203], nicht spiele er mit würfeln[204] oder mit gesetzwidrigen dingen, und schlafe nicht zusammen mit kranken.
139. Verbotene that meide er, den rauch eines scheiterhaufens[205] und das schwimmen über einen fluss[206], so wie das stehen auf haaren, asche, spreu, kohlen und schädeln[207].
140. Eine trinkende kuh zeige er nicht an[208], nicht gehe er irgendwo hinein, ausser durch die thüre[209]; nicht nehme er etwas an von einem könige[210], welcher habgierig ist und die heiligen vorschriften nicht befolgt[211].
141. In bezug auf annahme eines geschenkes sind ein fleischer, ein ölmüller, ein branntweinverkäufer, ein öffentliches mädchen, ein könig, jeder der reihe nach zehnmal schlechter als der vorhergende[212].
143. Im monat Pausha, unter dem gestirne Rohinî oder auch am achten tage, vollziehe er der vorschrift gemäss ausserhalb des ortes, nahe am wasser, die schenkung (utsarga) der Vedas[214].
144. Drei tage ist keine lesung, wenn ein schüler, ein opferpriester, ein Guru oder ein verwandter gestorben[215], oder nach der vorbereitung und schenkung[216], oder wenn einer, der dieselbe abtheilung liesst, gestorben.
145. In der dämmerung[217], beim donner[218], orkan, erdbeben, herabfallen von feuer[219] oder wenn er einen Veda vollendet, so ist einen tag und nacht keine lesung, und eben so, wenn er ein Ârańyaka gelesen[220].
146. Am fünfzehnten, vierzehnten, achten[221], bei Râhus geburt[222], in den zwischenräumen zwischen zwei jahreszeiten[223], und wenn er ein ahnenopfer gegessen oder empfangen hat[224].
147. Wenn ein vieh, oder ein frosch, ein ichneumon, ein hund, eine schlange, eine katze oder maus zwischen die lesenden läuft, so ist einen tag und nacht keine lesung[225], eben so, wenn Indra's fahne herabgenommen oder aufgerichtet wird.
148. Beim laute eines hundes, schakals, esels[226], einer eule, des Sâma-Vedas[227], eines pfeiles[228] und eines gequälten[229], so wie in der nähe von unreinen, einem leichnam[230], einem Śûdra[231], einem mann der niedrigsten kaste, einem kirchhofe[232] und einem aus der kaste gestossenen.
149. Wenn der ort unrein ist oder er selbst[233], bei wiederholtem blitz und donner[234], wenn seine hände nach dem essen feucht sind[235], im wasser[236], um mitternacht[237], bei heftigem winde[238].
150. Wenn es staub regnet[239], wenn die himmelsgegenden in feuer stehen[240], in den dämmerungen[241], bei nebel[242], bei gefahren, im laufen, bei hässlichem geruche[243], wenn ein ausgezeichneter ins haus gekommen ist.
151. Wenn er sich auf einem esel, kamel, wagen, elephant, pferd, schiff, baume oder in einer unfruchtbaren gegend befindet[244]. Diese sieben und dreissig fälle werden erwähnt, in welchen, so lange sie dauern, keine lesung stattfinden soll.
152. Er trete nicht in den schatten eines götterbildes, opferpriesters, haushälters, lehrers[245] oder einer fremden frau, noch auf blut, unrath, urin, auswurf, salbe und dgl.[246].
153. Ein Brâhmańa, eine schlange, ein Kshatriya[247] und das eigene selbst sind niemals gering zu achten; bis zum tode strebe man nach glück[248], und berühre niemandes geheimniss.
155. Eine kuh, einen Brâhmańa, feuer[251] und speise berühre er nicht, wenn er unrein ist, und nicht mit dem fusse[252]; er tadle und schlage nicht; den sohn und schüler darf er schlagen[253].
156. Mit that, geist und rede thue er sorgfältig, was recht ist; was nicht zum himmel führt und den menschen verhasst ist, thue er aber nicht, auch wenn es recht ist.
160. Fremdes lager, sitz, garten, haus und fuhrwerk meide er, wenn sie ihm nicht gegeben werden[257]; er esse nicht speise eines menschen, der das feuer entbehrt, ausser in der noth.
161. Noch speise von geizigen, gebundenen, räubern, eunuchen, schauspielern, rohrarbeitern, angeklagten, wucherern, freudenmädchen und priestern die für viele opfern;
163. Von frauen ohne mann, goldarbeitern, männern die in der gewalt ihrer frau sind, und priestern welche für ein dorf opfern, waffenhändlern, schmieden, webern und hundezüchtern.
164. Gewaltthätigen, königen, färbern, undankbaren, solchen die vom tödten leben, wäschern, branntweinhändlern, und männern bei denen ein liebhaber ihrer frau im hause wohnt;
166. Unter den Śûdras sind ein diener, ein kuhhirte, ein freund der familie, ein ackerbauer diejenigen, deren speise er essen darf, so auch ein barbier und wer sich ihm zu eigen übergiebt[258].
167. Speise die ihm ohne ehrerbietung gegeben, fleisch, was nicht geopfert ist, worauf sich läuse finden, speise die sauer geworden, die eine nacht hindurch gestanden, übriggelassene, von einem hunde berührte, von einem gefallenen angesehene;
168. Speise die von einer frau während der menstruation berührt ist, ausgebotene, für einen anderen bestimmte speise vermeide er; von einer kuh berochene, von einem vogel übrig gelassene, absichtlich mit dem fusse berührte[259].
169. Speise welche eine nacht hindurch gestanden, ist essbar, nachdem sie mit fett vermischt worden, wenn sie auch lange zeit gestanden[260]; was aber aus weizen, gerste oder milch bereitet ist, auch ohne fett[261].
170. Die milch einer kuh welche vom bullen besprungen ist, oder welche vor noch nicht zehn tagen gekalbt hat, oder deren kalb gestorben, meide er; eben so milch von kamelen, von einhufern, frauen, waldthieren und schafen[262].
171. Eben so butter die zum opfer bereitet, Morunga, rothes harz und durch einschnitte gewonnenes, fleisch welches nicht geweihet worden, was auf dem miste gewachsen, und pilze[263].
173. Kibitze, pelikane, Cakravâkas, Balâkas, reiher, vögel welche ihre nahrung mit den klauen zerreissen[265], Krisara, Samyâva, milchreiss, kuchen und Śashkulî, von welchen nicht vorher den göttern dargebracht ist[266].
175. Dohlen[268], rothfüssige vögel, frisches fleisch und gedörrtes fleisch und fische[269]. Wenn er hievon absichtlich gegessen, lebe er drei tage in fasten.
176. Wenn er zwiebeln, fleisch eines zahmen schweines, pilze, hühnerfleisch, knoblauch, oder rothen knoblauch gegessen[270], vollziehe er das Cândrâyańa.
177. Die essbaren thiere mit fünf klauen sind der igel, der alligator, die schildkröte, das stachelschwein und der hase[271]; und unter den fischen der Sinhatuńda und Rohita[272],
179. Wer fleisch isst, um sich das leben zu erhalten, oder bei einem Śrâddha, geopfertes oder auf wunsch von Brâhmańas[275], und nachdem er die götter und manen verehrt, begeht keinen fehler[276].
182. Was von gold oder silber gemacht, erzeugnisse des wassers[279], opfergeräthe und gefässe[280], steine[281], gemüse, stricke, wurzeln, früchte, kleider, rohrarbeit, leder[282];
183. Trinkgefässe und Soma – gefässe[283] sollen durch wasser gereinigt werden. Opferschüsseln, einfache und doppelte opferlöffel und fettige gefässe, durch heisses wasser[284].
184. Eben so der opferspan, schwingekorb, das antilopenfell, getreide, die mörserkeule, der mörser, der wagen[285]. Viel getreide und kleider in einem haufen werden durch besprengen rein[286].
185. Holz[287], horn und knochen[288] durch abschaben, gefässe die aus früchten gemacht sind, durch reiben mit kuhhaaren; opfergefässe während der vollziehung des opfers durch abreiben mit der hand[289].
186. Wollene und seidene stoffe werden rein durch wasser oder kuhhaare welche mit salziger erde vermischt sind; gewirkte kleider durch dieselben mit vilvafrucht, stoffe von den haaren der bergziegen durch dieselben mit den früchten der seifenpflanze vermischt[290].
187. Leinene stoffe durch dieselben mit weissem senf vermisch[291], irdene gefässe durch neues brennen[292]. Die hand eines handwerkers ist rein, eben so verkäufliche waare, erbetene speise[293] und der mund einer frau[294].
188. Der erdboden wird rein durch fegen, brennen, durch die zeit und den tritt einer kuh, durch besprengen, aufkratzen und bestreichen[295]; ein haus durch fegen und bestreichen[296].
189. Wenn speise durch eine kuh berochen, oder durch haare, fliegen oder würmer verunreinigt ist, so muss man wasser, asche oder erde hineinwerfen zur reinigung[297].
190. Zinn, blei und kupfer wird rein durch wasser mit asche, mit säure und reines wasser, weisskupfer und eisen durch asche und wasser[298]; flüssigkeiten durch vollgiessen bis zum überlaufen[299].
191. Ein gegenstand, der mit unreinigkeiten beschmiert worden, wird gereinigt, indem der geruch durch erde oder wasser entfernt wird[300]. Was für rein erklärt, oder mit wasser besprengt worden, oder wovon man nicht weiss, dass es verunreinigt, das ist stets rein[301].
192. Rein ist wasser, welches auf dem erdboden steht, den durst einer kuh löscht und keine veränderung erlitten hat[302]; eben so fleisch eines thieres welches von hunden, Cândâlas, fleischfressenden thieren oder anderen getödtet ist[303].
193. Ein lichtstral, feuer, staub, schatten, eine kuh, ein pferd, erde, wind, tropfen speichels, eine fliege[304], ein junges, welches saugt, sind bei der berührung rein[305].
194. Eine ziege und ein pferd sind rein am munde, nicht aber eine kuh und die unreinigkeiten welche aus dem menschlichen körper kommen[306]. Wege werden rein durch mond- und sonnenstralen und durch wind[307].
195. Speicheltropfen aus dem munde sind rein, und so auch die wassertropfen beim ausspülen des mundes, und ein haar welches in den mund gekommen; auch ist er rein, wenn er speise, die an den zähnen haftet, entfernt hat[308].
196. Wenn er gebadet, getrunken, geniest, geschlafen[309], und wenn er auf die strasse geht, soll er, nachdem er den Mund ausgespült, ihn nochmal ausspülen, und auch wenn er die kleider gewechselt hat.
197. Sumpf oder wasser auf der strasse die von niedrigen leuten, hunden oder krähen berührt sind, werden durch den blossen wind rein, und eben so gebäude von gebrannten ziegeln.
198. Brahman, nachdem er busse gebüsst, schuf die Brâhmańas zur hütung der Vedas, damit die väter und götter befriedigt und das recht geschützt würde[310].
199. Herren des alls sind die Brâhmańas[311] welche Vedalesung besitzen, besser als diese diejenigen welche die opfer vollziehen, und besser als diese diejenigen welche des höchsten geistes kundig sind[312].
200. Nicht durch blosses wissen, noch auch durch blosse busse entsteht würdigkeit; derjenige in welchem das rechte tun und jene beiden sich finden, wird als würdig gepriesen.
201. Kühe, land, sesam, gold und dergleichen[313], soll man einem würdigen geben mit ehrenbezeugung[314]; der weise, welcher sein eigenes wohl wünscht, gebe nichts einem unwürdigen.
203. Einem würdigen muss man täglich geben, besonders wenn anzeichen da sind, und ein gebetener[316] soll eine durch glauben gereinigte[317] gabe nach kräften geben.
204. Eine kuh mit goldenen hörnern und silbernen hufen, von guter gemüthsart, mit gewändern versehen, und mit einem gefässe von weissem kupfer, eine milchreiche muss man geben mit einem opferlohne.
205. Der geber derselben gelangt zum himmel[318] auf so viel jahre als sie haare hat. Wenn sie braun ist, so lässt sie auch seine vorfahren bis zum siebenten gliede dahin gelangen.
206. Eine kuh mit einem kalbe ist auf so viele Yugas als beide haare haben, nach beiden seiten hingewandt; der geber derselben gelangt zum himmel, wenn er sie auf die frühere weise giebt.
207. So lange die beiden füsse des kalbes und der kopf in der scheide gesehen werden, so lange ist die kuh als der erde gleich zu achten, ehe sie die geburt fahren lässt.
208. Wer auf irgend eine weise eine kuh giebt, eine milchende oder nicht milchende, eine nicht kranke und nicht schwache, der geber wird im himmel geehrt.
209. Stärkung eines ermüdeten, pflege eines kranken, verehrung der götter, reinigung der füsse, abkehrung der überbleibsel eines zwiegeborenen werden dem schenken einer kuh gleichgeachtet.
210. Wer land, kerzen, speise, kleider, wasser, öl, butter, zuflucht, geschenke fürs haus, gold oder ein lastthier geschenkt hat, der wird im himmel geehrt.
211. Wer ein haus, getreide, schutz, schuhe, einen sonnenschirm, kränze, salben, einen wagen, einen baum, etwas erwünschtes oder ein bett geschenkt hat, der wird ewig freude gemessen[319].
213. Wer, obwohl er ein geschenk empfangen kann, dasselbe nicht annimmt[321], der gelangt zu den herrlichen welten, welche den freigebigen bestimmt sind.
214. Kuśagras, gemüse, milch, fische, wohlgerüche, blumen, buttermilch, duftende erde, fleisch, lager, sitz, geröstetes korn und wasser soll man nicht zurückweisen[322].
215. Was ohne dass man gebeten dargereicht wird, soll man annehmen, selbst von einem schlecht handelnden[323], ausgenommen von einer unzüchtigen frau, einem eunuchen, einem gefallenen oder einem feinde[324].
216. Zur verehrung der götter oder gäste, zum unterhalt des Guru, derer welche man zu unterhalten verpflichtet ist u.s.w., soll man von jedermann geschenke nehmen, so wie auch zum eigenen unterhalte[325].
217. Der neumond[326], ein Ashtaka[327], eine vermehrung, die schwarze hälfte[328], die beiden hälften des sonnenlaufes[329], vorrath, ein glücksfall eines Brâhmańa, tag- und nachtgleiche, das fortrücken der sonne:
218. Der yoga Vyatipâta[330], der elephantenschatten[331], mond- oder sonnenfinsterniss, der wunsch, ein Śrâddha zu verrichten: dies sind die zeiten welche für ein Śrâddha erwähnt werden.
219. Brâhmańas die in allen Vedas ausgezeichnet sind[332], ein Veda-kundiger[333], ein Brahma-kundiger, ein junger, ein des Veda-sinnes kundiger[334], wer das beste Sâman liest[335], wer den Trimadhu oder den Trisuparna[336] liest;
220. Ein schwestersohn, ein hauspriester, ein schwiegersohn, ein opferer, ein schwiegervater, ein mütterlicher oheim[337], einer der das Trińâciketa kennt[338], ein tochtersohn, ein schüler, ein angehöriger, ein verwandter;
221. Männer welche die werke ausüben, büssende[339] welche die fünf feuer verehren[340], Brâhmacârins[341] welche vater und mutter ehren, solche sind die Brâhmańa's welche ein Srâddha gedeihen machen.
222. Ein kranker[342], einer der ein glied zu wenig oder zu viel hat[343], ein blinder, der sohn einer wiederverheiratheten[344], wer sein gelübde gebrochen[345], der uneheliche sohn einer verheirateten frau, der einer wittwe[346], ein mann mit hässlichen nägeln, einer mit schwarzen zähnenn[347];
223. Einer der für lohn unterrichtet[348], ein eunuch[349], ein jungfrauenschänder[350], ein verklagter[351], einer der seine freunde hasst[352], ein verleumder[353], ein Soma-händler[354], einer der vor seinem älteren bruder geheirathet hat[355];
224. Einer der mutter, vater oder Guru verlässt[356], einer der die speise eines unehelichen isst[357], ein sohn eines Śûdra, der mann einer wiederverheiratheten[358], ein dieb[359], und schlecht handelnde[360], sind die verbotenen.
225. Er soll die Brâhmańa's einladen am vormittage[361], ruhigen gemüthes, rein, und sie sollen auch ruhig sein in geist, rede, körper und handlungen[362].
226. Am nachmittage soll er die herangekommenen mit einem willkommen begrüssen, und mit gewaschenen händen soll er sie, nachdem sie den mund ausgespült, auf sesseln niedersitzen lassen[363].
227. Zu einem Śrâddha für die götter soll er eine grade zahl nach vermögen, zu einem Śrâddha für die väter aber eine ungrade zahl laden, an einem bestreuten, reinen platze der nach süden geneigt ist[364].
228. Zu einem Śrâddha für die götter zwei gegen osten, zu einem für die väter drei gegen norden oder zu jedem nur einen[365]; auch zu dem Śrâddha für mütterliche grossväter eben so, oder die zahl, welche bei dem Śrâddha für alle götter gebräuchlich ist.
229. Nachdem er wasser für die hände gegeben[366], und Kuśa-gras zum sitze, soll er, nachdem die Brâhmańas es erlaubt, die götter herbeirufen mit der hymne: »alle götter!«
230. Nachdem er dann gerste umhergestreut, und in ein gefäss mit Kuśa-halmen wasser gegossen, indem er die hymne: »glück uns ihr göttinen,« spricht, und gerste hineingeworfen mit dem Mantra: »du bist der abwehrer!«
231. Mit dem Mantra: »die himmlischen wasser« lege er den Argha in die hände der Brâhmańas, und nachdem er wasser gegeben, gebe er wohlgerüche, kränze[367], weihrauch und eine lampe.
232. Darauf für die väter opfernd soll er seine schnur auf die rechte schulter hängen, links zusammengefaltete Kuśa-halme legen, und mit der hymne: »begierig dich« die väter
233. Herbeirufen, dann auf bewilligung der Brâhmańas das gebet: »zu uns mögen kommen« hersagen. Statt der gerste soll er Tila nehmen, die übergabe des Argha und das übrige verrichte er wie oben.
234. Nachdem er den Argha gegeben, und das durch denselben gegossene wasser in ein gefäss getan, der vorschrift gemäss, drehet er das gefäss um, indem er sagt: »den vätern bist du ein aufenthalt.«
235. Wenn er dann im feuer opfern will, frägt er die Brâhmańas, indem er mit butter begossenen reiss nimmt. Wenn sie ihm erlaubt haben: »opfere,« und er im feuer geopfert wie das opfer für die väter,
237. Wenn er den reiss hineingethan, und das gefäss geweihet mit dem gebete: »das gefäss ist die erde,« stecke er mit der hymne: »Vishnu hat dies« den daumen der Brâhmańas in den reiss.
238. Nachdem er die Gâyatrî mit den namen der welten und die dreifache hymne: »mögen süss die winde« hergesagt, soll er sprechen »esset nach belieben,« und sie sollen schweigend essen[368].
239. Speise die ihnen erwünscht ist[369] und zum opfer passliche gebe er, den zorn meidend und die hast[370], bis zur sättigung, heilige sprüche sagend, und die obigen gebete.
240. Nachdem er die speise genommen, indem er frägt: »seid ihr befriedigt?«[371] und sie um die überbleibsel gebeten[372], werfe er diese speise auf die erde, und gebe jedem einzelnen wasser.
241. Nachdem er alle speise und das Tila weggenommen, soll er nach süden gewendet in der nähe der überbleibsel die opferkuchen geben, wie in dem opfer für die väter.
242. Eben so auch für die mütterlichen vorfahren; darauf gebe er wasser zum mund ausspülen[373], und dann lasse er sie »heil« aussprechen und gebe wasser, indem er spricht: »unvergänglich sei es.«
243. Nachdem er ihnen den opferlohn nach vermögen gegeben, spreche er Svadhâ. Nachdem sie ihm erlaubt: »sprich vor!« sage er: »sprechet Svadhâ den geehrten.«
244. Sie sprechen: »Es sei Svadhâ«[374], und nachdem sie dies gesagt, sprenge er wasser auf den boden, sage dann: »mögen alle götter zufrieden sein,« und nachdem auch sie dies gesagt, spreche er leise folgendes:
246. Nachdem er dies gesagt und freundliche reden gesprochen, verneige er sich vor ihnen und entlasse sie; mit der hymne: »bei jeder speise« entlasse er sie vergnügt, nachdem er vorher die väter angerufen.
247. Das Argha-gefäss, in welches zuerst jenes wasser gegossen ist (śl. 234), dieses soll er als gefäss der väter aufrecht hinstellen, und dann die Brâhmańas entlassen.
248. Nachdem er sie so begleitet, dass sie ihm zur rechten gehen, esse er das von den vätern genossene, und in dieser nacht soll er nebst den Brâhmańas keusch sein.
249. So die ehrfurcht beobachtend opfere er bei einem freudigen ereigniss den Nândîmukha-vätern, indem er kuchen aus geronnener milch und Karkandhu darbringt, und bei den handlungen gerste anwendet.
250. Das für einen einzelnen bestimmte Śrâddha[376] soll ohne opfer für die götter geschehen, mit einem Argha und einem gefässe, in dem anrufungsfeuer, ohne die anderen handlungen, mit der schnur auf der rechten schulter.
251. Statt des »unvergänglich« (śl. 242) spreche er: »es möge gelangen,« bei der entlassung der Brâhmańas, und: »möget ihr befriedigt sein,« und sie sprechen: »wir sind befriedigt.«
253. Mit den beiden gebeten: »Welche gemeinschaftlich.« Das übrige vollziehe er wie oben. Dies ist das zum Sapinda machen; das für einen einzelnen bestimmte kann auch für eine frau vollzogen werden.
256. Opferkuchen soll er kühen, ziegen und den Brâhmańas geben, oder sie ins feuer oder wasser werfen[377], und so lange die Brâhmańas anwesend sind, soll er die überbleibsel derselben nicht abkehren.
257. Durch opferspeise werden die väter einen monat gesättigt[378], durch milchspeise ein jahr[379], durch fleisch von fischen, von der braunen gazelle, vom bock, von vögeln[380], von ziegen, von der bunten gazelle[381],
258. Von der schwarzen gazelle, vom hirsche[382] (ruru) vom eber, vom hasen[383] der reihe nach jedes um einen monat länger, wenn sie ihnen hier gegeben werden.
260. Und was einer in Gayâ darbringt, das alles reicht für die ewigkeit aus, so wie auch, was man am dreizehnten tage der regenzeit darbringt, und besonders unter dem gestirn Maghâ[385].
262. Söhne mit göttlichem glanze, gold, silber, kupfer, ausgezeichnete kenntniss – alle diese wünsche erreicht der welcher stets das Śrâddha darbringt,
263. Am ersten tage der monatshälfte und an den folgenden, ausgenommen am vierzehnten[386]; welche aber mit waffen getödtet sind, denen wird am vierzehnten das Śrâddha dargebracht.
268. Die Vasus, Rudras und die söhne der Aditi sind die väter welche die gottheiten der Śrâddhas sind[388]; diese machen die väter der menschen geneigt, wenn sie durch das Śrâddha erfreut sind.
269. Leben, kinder, reichthum, wissenschaft, himmel, befreiung und freuden und herrschaft gewähren die väter der menschen, wenn sie geneigt gemacht worden sind.
277. Nachdem sein haupt mit allen kräutern und wohlgerüchen gesalbt, und er auf einen glücklichen sessel sich gesetzt, soll man durch vorzügliche Brâhmańas ihm heil sprechen lassen.
278. Von einem pferdestande, einem elephantenstande, einem ameisenhaufen, einem zusammenfluss von flüssen, einem see soll er erde, Goročanâ, wohlgerüche und harz in wasser werfen
282. »Was irgend für ein unglück in deinen haaren, deinem scheitel oder auf deinem haupte, auf der stirn, in den ohren, den augen, das möge dies wasser auf ewig vertilgen.«
285. Mit diesen namen und den opfergebeten hinter welchen er die anbetung (namas) ausspricht, lege er auf einem kreuzwege in einen korb, nachdem er überall Kuśagras hingestreut,
294. Glück wünschend oder ruhe wünschend vollziehe er das opfer an die planeten, oder regen, leben und gedeihen wünschend, und eben so wenn er seinen feinden schaden will.
297. Oder man soll sie mit ihren farben auf ein stück zeug malen, oder mit wohlriechenden farben in kreisen, und ihnen gewänder und blumen nach ihrer farbe geben.
298. Wohlgerüche und opferspeise und weihrauch und duftendes harz soll man ihnen geben, und jedem einzelnen reissgaben darbringen mit den heiligen gebeten.
302. Jedem einzelnen planeten sind 828 stücke von diesen brennstoffen zu opfern, mit honig, geschmolzener butter, geronnener milch und frischer milch verbunden.
303. Süssen reiss, milchspeise, opferreiss, Shâshtikareiss mit milch, reiss mit geronnener milch, reiss mit butter, reiss mit gequetschtem sesam, fleisch und bunten reiss:
304. Dies soll ein verständiger in der reihe der planeten den Brâhmańas als speise geben, oder nach vermögen was er grade hat, indem er sie bewirthet der vorschrift gemäss.
305. Eine milchende kuh, eine muschel, ein ochse, gold, ein kleid, ein pferd, eine schwarze kuh, eisen, eine ziege: diese werden der reihe nach als opfergaben genannt.
308. Von grosser ausdauer, kenntnissreich oder freigebig, eingedenk der geleisteten dienste, die alten ehrend[389], bescheiden[390], von festem charakter, von edler familie, wahr redend[391], rein[392],
309. Nicht zaudernd, gesetzkundig, nicht niedriger gesinnung, nicht tadelsüchtig, tugendhaft, nicht ausschweifend[393], weise[394], tapfer, geheimnisskundig;
310. Seine schwächen verbergend, in der logik und in der straflehre bewandert; in der erwerbung des lebensunterhaltes und in den drei Vedas[395] soll der könig sein.
311. Er wähle zu räthen[396], weise männer von guter herkunft, standhafte, reine; mit ihnen überlege er die herrschaft[397], darauf mit einem Brâhmańa[398] und dann er selbst.
312. Zum hauspriester[399] wähle er einen mann der des schicksals kundig, in den lehrbüchern bewandert, erfahren in der straflehre und in dem Atharvângirasa.
313. Zur vollziehung der in den Vedas und rechtsbüchern verordneten handlungen wähle er priester, und vollziehe die opfer nach der vorschrift, mit reicher opfergabe.[400].
314. Den Brâhmańas gewähre er genüsse und mannichfache reichthümer[401]. Das ist ein unvergänglicher schatz für die könige, was den Brâhmańas dargebracht wird[402].
315. Das nie fallende, keinen schmerz verursachende, durch bussen nicht befleckte opfer, welches von dem feuer her dem Brâhmańa-feuer dargebracht wird, dieses wird hier das beste genannt[403].
316. Nicht erreichtes suche er rechtmässig zu erreichen, erreichtes hüte er mit sorgfalt, gehütetes vermehre er beständig, vermehrtes bringe er würdigen männern dar[404].
317. Wenn der könig land geschenkt oder eine stiftung gemacht hat, so lasse er eine schrift anfertigen zur benachrichtigung für künftige gute herrscher,
318. Auf ein stück zeug oder eine kupferplatte, oben mit seinem siegel gesiegelt. Nachdem der herrscher seine vorfahren niedergeschrieben und sich selbst:
319. Den betrag des geschenkes, und die genaue angabe der grenze der gabe, setze er seine handschrift darunter und die angabe der zeit, und mache so den befehl dauerhaft.
320. In einer lieblichen, zur viehzucht passenden, mit lebensmitteln versehenen, ländlichen gegend schlage er seine wohnung auf[405]. Dort baue er eine festung[406], zum schutz der unterthanen, des schatzes und seiner selbst.
321. In verschiedenen verwaltungszweigen stelle er bewanderte, geschickte und reine aufseher an[407] welche eifrig die einkünfte und ausgaben bewachen.
322. Es giebt keine höhere pflicht für die könige, als die im kriege erbeuteten schätze den Brâhmańas zu geben, und den unterthanen beständige sicherheit zu gewähren[408].
323. Welche in der schlacht des landes wegen getödtet werden mit nicht abgewendetem antlitz, mit nicht hinterlistigen waffen, die gelangen zum himmel wie andächtige[409].
324. Diejenigen welche nicht umkehren, wenn auch das heer geschlagen wird, erreichen dieselbe stufe welche durch ein opfer erreicht wird; die guten werke derjenigen welche fliehend getödtet werden, nimmt der könig[410].
325. Einen unmännlichen welcher sich ergiebt, einen waffenlosen, einen der mit einem andern kämpft, soll man nicht tödten, so wie auch nicht einen der aus dem kampfe zurückkehrt, oder einen zuschauer des kampfes und ähnliche[411].
326. Wenn er für den schutz gesorgt, soll er jedesmal wenn er aufgestanden selbst einnahme und ausgabe prüfen[412], dann nachdem er die prozesse geprüft und gebadet, nach belieben essen[413].
327. Das gold welches von den beamten gebracht, soll er in die schatzkammer legen, dann die spione sehen[414] und boten abschicken[415], mit seinen räthen zusammengekommen.
328. Dann soll er nach belieben spazieren gehen[416], oder wieder mit den räthen zusammenkommen, und nachdem er die truppen angesehen[417], mit dem heerführer berathen.
330. Er gehe zu bette unter musik von instrumenten, und erwache[419] eben so, und wenn er erwacht ist, denke er nach über die vorschriften der heiligen bücher und über alle geschäfte.
331. Darauf sende er kundschafter[420], welche er mit achtung behandle, zu seinen beamten und zu fremden königen; dann von den priestern und dem hauspriester und lehrer mit segenswünschen begrüsst,
333. Gegen die Brâhmańas geduldig[421], gegen freunde aufrichtig, zornig gegen feinde[422] sei der könig, gegen diener und unterthanen wie ein vater[423].
334. Den sechsten theil der tugend empfängt er, wenn er den gehörigen schutz ertheilt[424], denn die beschützung der unterthanen[425] steht höher als alle gaben.
335. Er beschütze die unterthanen[426] welche zu leiden haben von betrügern, dieben, spitzbuben, räubern und anderen, besonders aber von den schreibern.
337. Welche über ein regierungsamt gesetzt sind, deren betragen erforsche er durch kundschafter[428] und erweise den guten ehre und die schlechten strafe er.
338. Die von bestechung lebenden verbanne er aus dem reiche, nachdem er ihr vermögen eingezogen[429]; den Veda-kundigen ertheile er geschenke, ehren und wohlthaten und lasse sie beständig im reiche wohnen[430].
340. Das feuer, welches aus dem brande der qual der unterthanen entsteht, erlöscht nicht eher, als bis es des königs glück, stamm und leben verbrannt hat.
341. Dasselbe verdienst, welches für einen herrscher in der beschützung seines reiches liegt, erwirbt er ganz, wenn er ein fremdes reich in seine gewalt bringt.
342. Welches herkommen, rechtspflege und verhältniss der stämme in einem lande ist, nach eben denselben soll er das land regieren, wenn es in seine gewalt gekommen[431].
343. Weil die regierung in der berathung wurzelt, so soll er die berathung sehr geheim anstellen[432], so dass niemand sie erfährt, bis die frucht der thaten aufgeht.
344. Feind, freund, gleichgültiger, oder ein benachbarter könig, ein auf ihn folgender und ein dann folgender: dieser kreis ist der reihe nach zu betrachten, in bezug auf freundschaft und die anderen weisen des verfahrens[433].
345. Die verfahrungsarten sind: freundschaft, beschenken, trennung[434] und züchtigung; wenn sie richtig angewendet werden, führen sie zum ziele, züchtigung aber ist das mittel, wenn kein anderes mittel hilft.
347. Wenn das reich des feindes mit getreide und hülfsmitteln versehen ist[436], dann ziehe er aus, und wenn der feind schwach ist, er selbst aber rüstige lastthiere und männer hat[437].
348. Vom schicksal und von der that der menschen hängt das gelingen eines unternehmens ab[438]; das schicksal ist aber offenbar nur die that des mannes in einem früheren leben.
349. Einige erwarten den erfolg vom schicksal, oder von der eigenen natur desselben, oder von der zeit, oder von der that des menschen; andere, leute weiser einsicht, erwarten ihn von der vereinigung jener.
351. Weil die erwerbung eines freundes besser ist als die erwerbung von gold und land[439], deshalb strebe er ihn zu erwerben, und hüte die wahrheit mit sorgfalt.
352. König, minister, volk, festung, schatz, strafe und freunde; diese sind die bestandtheile, nach welchen das reich siebengliedrig genannt wird[440].
353. Wenn er dieses erlangt hat, lasse der herrscher die strafe auf die bösewichter fallen, denn das recht ist ehemals von Brahman in der gestalt der strafe geschaffen[441].
354. Die strafe kann nicht gerecht verwaltet werden von einem habsüchtigen, wankelmüthigen, sondern nur von einem zuverlässigen, reinen, der gute gefährten hat, einem weisen[442].
355. Wenn die strafe der vorschrift gemäss angewandt wird, erfreut sie die ganze weit[443], die götter, Asuras und menschen; sonst erzürnt sie dieselbe[444].
357. Selbst einem bruder, sohn, verehrungswürdigen, schwiegervater oder oheim soll der könig nicht die strafe erlassen, wenn sie von ihrer pflicht abgewichen sind[446].
358. Der könig welcher die strafwürdigen straft und die welche den tod verdienen tödtet, ist als wenn er viele opfer vollzogen mit herrlichen opfergaben[447].
361. Ein stäubchen in den stralen der durchs fenster scheinenden sonne wird ein atom genannt[450], acht derselben sind ein mohnkorn, drei von diesen ein senfkorn[451].
362. Drei von diesen ein weisses senfkorn[452], sechs davon ein gerstenkorn mittler grösse, drei von diesen ein Krishnala, fünf davon ein Mâsha, und sechszehn von diesen ein Suvarńa[453].
367. Nachdem er das verbrechen erforscht und den ort, die zeit und auch die stärke, das alter, die beschäftigung und das vermögen, lasse er die strafe auf die strafwürdigen fallen[460].
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Der in ihr geborne sohn reinigt nach beiden seiten […] männer[73].«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »nachdem« in diesem Textausschnitt? »Wenn er gebadet, getrunken, geniest, geschlafen[309], und wenn er auf die strasse geht, soll er, nachdem er den Mund ausgespült, ihn nochmal ausspülen, und auch wenn er die kleider gewechselt hat.«
5. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Nachdem« in diesem Textausschnitt? »Nachdem er den Argha gegeben, und das durch denselben gegossene wasser in ein gefäss getan, der vorschrift gemäss, drehet er das gefäss um, indem er sagt: »den vätern bist du ein aufenthalt.««
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Der sättigt die himmelsbewohner mit fleisch, milch, reiss und honig, und bewirkt befriedigung der väter durch honig und butter.«
B: »Eine kuh, einen Brâhmańa, feuer[251] und speise berühre er nicht, wenn er unrein ist, und nicht mit dem fusse[252]; er tadle und schlage nicht; den sohn und schüler darf er schlagen[253].«
C: »Blumen, verschiedene wohlgerüche und dreierlei geistiges getränk, rettich, ungesäuerte kuchen, und kranzkuchen;«
7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Nachdem er die Gâyatrî mit den namen der welten und die …«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Söhne mit göttlichem glanze, gold, silber, kupfer, […] kenntniss – alle diese wünsche erreicht der welcher stets das Śrâddha darbringt,«
9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Und eben so folgende: »O […],« »Aus der speise,« »Heil mögen uns die göttlichen,« »Aus jedem stamme,« und »Licht erzeugend.««
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Welche über ein regierungsamt gesetzt sind, deren betragen erforsche er durch …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »gaumen gelangt, werden die zwiegeborenen der reihe nach gereinigt; eine frau aber«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »gaumen gelangt, werden die zwiegeborenen der reihe nach gereinigt; eine frau aber« und »die stärke, das alter, die beschäftigung und das vermögen, lasse er die«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Nachdem er den Argha gegeben, und das durch denselben gegossene wasser in ein gefäss getan, der vorschrift gemäss, drehet er das gefäss um, indem er sagt: »den vätern bist du ein aufenthalt.««. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Den fürsten der andächtigen Yâjnavalkya verehrt habend sprachen die Munis: »Sage uns die pflichten der kasten, der orden und der anderen, sämmtlich.««. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wenn er hievon absichtlich gegessen, lebe er drei tage in fasten.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Nachdem er das verbrechen erforscht und den ort, die zeit und auch die stärke, das alter, die beschäftigung und das vermögen, lasse er die strafe auf die strafwürdigen fallen[460].«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originaltext in wissenschaftlicher IAST-Umschrift und der Worttrennung des Digital Corpus of Sanskrit. Die gespeicherten Sanskrit-Satzfelder werden unverändert wiedergegeben; dies ist keine moderne Übersetzung und keine automatisch rekonstruierte Sanskritfassung. Vollständige drei Bücher der DCS-Ausgabe. Die historische deutsche Stenzler-Übersetzung und der Sanskrit-Quelltext können in der Verszählung abweichen.
Oliver Hellwig: Digital Corpus of Sanskrit (DCS), 2010–2024; wissenschaftliche Sanskrit-Satzdaten, CC BY 4.0. Originale Worttrennung und IAST-Umschrift erhalten.
Autorschaft und Ausgabe: Yajnavalkya – traditionell zugeschrieben · Oliver Hellwig
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.