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Buch - Venus und Adonis - Shakespeare, William

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Venus und Adonis

Shakespeare, William

Venus und Adonis von Shakespeare, William. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

ErzählprosaKlasse 9–10 · 11–131 Abschnitte
Historische Darstellung von William Shakespeare
Historische Darstellung von William Shakespeare — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Martin Droeshout · Public domain Bildquelle ↗

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Deutsche Übersetzung: Ferdinand Freiligrath

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 1 von 1

William Shakespeare

1
William Shakespeare
2
Venus und Adonis
3
Vilia miretur vulgus; mihi flavus Apollo
4
Pocula Castalia plena ministret aqua.
5
(Ovid, Amores I 15)
6
Dem
7
Hochgeborenen Herrn Heinrich Wriothesley
8
Grafen von Southampton und Barm von Titchfield
9
Hochgeborener Herr!
10
Ich weiß nicht, ob ich Ew. Lordschaft nicht beleidige, indem ich meine ungeglätteten Verse darbringe, und ob mich die Welt nicht dafür tadeln wird, dass ich einen so starken Pfeiler erwähle, um eine so schwache Last zu stützen. Sollte ich aber Ew. Edlen Beifall finden, so würde ich das für das größte Lob halten und geloben, dass ich allmeine Mußestunden daransetzen werde, bis ich Ihnen mit einem gewichtigeren Werke meine Hochachtung bewiesen habe. Falls aber dieser erste Sprößling meiner Eingebung sich als mißraten erweisen sollte, würde ich bekümmert sein, ihm einen so edlen Paten erwählt zu haben, und in der Besorgnis vor einer gleich schlechten Ernte niemals wieder solch unergiebigen Boden beackern. Ich überlasse ihn Ew. Edlen zur Prüfung und um Ew. Edlen Herz Befriedigung zu schaffen, die, wie ich wünsche, alle Zeit Ihrem Wunsche und der hoffnungsvollen Erwartung der Welt entsprechen möge.
11
Euer Gnaden ganz gehorsamster
12
William Shakespeare
13
Als von dem weinenden Morgen schied die Sonne
Vorlage S. 675
14
Mit Purpurantlitz, eilt' Adonis schon,
Vorlage S. 675
15
Der rosenwangige, zu des Jagens Wonne;
Vorlage S. 675
16
Jagd liebt' er, doch der Liebe lacht' er Hohn.
Vorlage S. 675
17
Von Liebe siech, tritt Venus ihm entgegen
Vorlage S. 675
18
Und wirbt um ihn, wie kecke Werber pflegen.
Vorlage S. 675
19
»Du, dreimal schöner, als ich selbst«, begann
Vorlage S. 675
20
Die Liebliche mit buhlerischem Kosen,
Vorlage S. 675
21
»Süß über alles, holder als ein Mann,
Vorlage S. 675
22
Mehr weiß und rot, als Tauben sind und Rosen;
Vorlage S. 675
23
Sich selbst besiegend, da sie dich vollendet,
Vorlage S. 675
24
Sagt die Natur, dass mit dir alles endet.
Vorlage S. 675
25
Geruh', du Wunder, dich vom Roß zu schwingen,
Vorlage S. 675
26
Und an den Sattelbogen festzuzäumen
Vorlage S. 675
27
Sein stolzes Haupt; zum Lohn von tausend Dingen
Vorlage S. 675
28
Erfährst du auch, so süßen als geheimen.
Vorlage S. 675
29
O, komm – dies Moos birgt keiner Schlange Tücke! –
Vorlage S. 675
30
Dass ich mit meinen Küssen dich ersticke.
Vorlage S. 675
31
Und fürchte nicht, verhaßte Sattheit müsse
Vorlage S. 675
32
Den Mund dir schließen; nein, im Überfluss
Vorlage S. 675
33
Soll er noch hungern, wundgeküßt: zehn Küsse
Vorlage S. 675
34
Wie einer kurz, wie zwanzig lang ein Kuß.
Vorlage S. 675
35
Ein Sommertag muss einer Stunde gleichen,
Vorlage S. 675
36
Lässt unter solchem Spiel man ihn verstreichen.«
Vorlage S. 675
37
Mit dem ergreift sie seine schweiß'ge Hand,
Vorlage S. 675
38
Die Botin seiner Kraft und Männlichkeit.
Vorlage S. 675
39
»'s ist edler Balsam«, zittert sie, »gesandt,
Vorlage S. 675
40
Dass eine Göttin seiner sich erfreut.«
Vorlage S. 675
41
So rasend gibt ihr Stärke die Begier,
Vorlage S. 675
42
Ihn sich herabzuziehn von seinem Tier.
Vorlage S. 675
43
Des Renners Zügel über einem Arm,
Vorlage S. 675
44
Schlägt sie den andern um des Knaben Leib,
Vorlage S. 675
45
Der dämisch schmollt, und rot wird, doch nicht warm,
Vorlage S. 675
46
Und abhold ist dem süßen Zeitvertreib.
Vorlage S. 675
47
Sie rot und heiß, wie Kohlen recht im Feuer;
Vorlage S. 675
48
Er rot vor Scham, allein ein frost'ger Freier.
Vorlage S. 675
49
O, Lieb' ist schnell! – um einen knorr'gen Ast
Vorlage S. 675
50
Weiß sie behend den bunten Zaum zu winden;
Vorlage S. 675
51
Das Roß ist aufgestallt, und jetzt in Hast
Vorlage S. 675
52
Versucht sie auch den Reiter festzubinden.
Vorlage S. 675
53
Ihn rückwärts stoßend, wie er sie es müsste,
Vorlage S. 675
54
Lenkt seinen Leib sie, doch nicht seine Lüste.
Vorlage S. 675
55
Kaum sinkt er hin, so fällt auch sie zur Erde,
Vorlage S. 675
56
Gleich ihm auf Hüft' und Ellenbogen lehnend;
Vorlage S. 675
57
Sie streichelt ihn, doch er mit Zorngebärde
Vorlage S. 675
58
Verweist es ihr; – ihn zu beschwicht'gen wähnend,
Vorlage S. 675
59
Vor Wollust stammelnd, sagt sie unter Küssen:
Vorlage S. 675
60
»Ja, wenn du schmälst, muss ich den Mund dir schließen.
Vorlage S. 675
61
Er brennt vor Scham, sein mädchenhaft Erglühn
Vorlage S. 675
62
Löscht sie mit Tränen; drauf mit ihren Locken
Vorlage S. 675
63
Und ihren Seufzern wieder kühlt sie ihn,
Vorlage S. 675
64
Und fächelt seine Wangen wieder trocken.
Vorlage S. 675
65
Er nennt sie frech und schilt ihr zuchtlos Werben;
Vorlage S. 675
66
Was folgen soll, lässt sie durch Küsse sterben.
Vorlage S. 675
67
Und wie ein Aar, der lange Zeit gefastet,
Vorlage S. 675
68
Den Schnabel senkt in Federn, Fleisch und Bein,
Vorlage S. 675
69
Die Schwingen schüttelt und nicht eher rastet,
Vorlage S. 675
70
Als bis er voll ist und der Raub herein:
Vorlage S. 676
71
So küsst sie Stirn ihm, Kinn und Mund und Wangen,
Vorlage S. 676
72
Um, wo sie endet, wieder anzufangen.
Vorlage S. 676
73
Er muss es schmollend wohl zufrieden sein;
Vorlage S. 676
74
Er liegt und keucht, und atmet ihr entgegen.
Vorlage S. 676
75
Sie saugt begierig seinen Odem ein,
Vorlage S. 676
76
Und nennt ihn Wonnedüften, Himmelsregen;
Vorlage S. 676
77
Und wünscht, ihr Antlitz trüge Blumenbeete,
Vorlage S. 676
78
Dass ewig sie ein solcher Tau umwehte.
Vorlage S. 676
79
Sieh, wie ein Netz den Vogel, so umstricken
Vorlage S. 676
80
Der Göttin Arme den Gefangnen; – Wut
Vorlage S. 676
81
Und finstres Zürnen sprüht aus seinen Blicken,
Vorlage S. 676
82
Und lässt sie glühn mit doppelt schöner Glut.
Vorlage S. 676
83
Wird Regen sich in volle Ström' ergießen,
Vorlage S. 676
84
Dann müssen wohl die Ufer überfließen.
Vorlage S. 676
85
Noch bittet sie, und artig bittet sie;
Vorlage S. 676
86
Denn art'gen Ohren ja tönt ihre Stimme.
Vorlage S. 676
87
Noch brütet er, noch lohnt er ihre Müh'
Vorlage S. 676
88
Mit roter Scham und aschefarbnem Grimme.
Vorlage S. 676
89
Rot zieht sie vor, doch blass auch lässt sie gelten,
Vorlage S. 676
90
Der Neuheit wegen, denn blass ist er selten.
Vorlage S. 676
91
Gleichviel, ob er sie liebt; sie muss ihn lieben,
Vorlage S. 676
92
Und schwört es laut bei ihrer Hand, der schönen,
Vorlage S. 676
93
Unsterblichen: »Durch nichts werd' ich vertrieben
Vorlage S. 676
94
Von deiner Brust, als bis mit meinen Tränen
Vorlage S. 676
95
Du Frieden machst; für dich rinnt diese Flut;
Vorlage S. 676
96
Ein süßer Kuß macht alles, alles gut.«
Vorlage S. 676
97
Als dies Versprechen ihrer Lipp' entflieht,
Vorlage S. 676
98
Hebt er das Kinn, wie Taucher sich erheben,
Vorlage S. 676
99
Und schnell versinken, wenn man sie ansieht: –
Vorlage S. 676
100
So will er ihr, was sie begehrte, geben;
Vorlage S. 676
101
Doch plötzlich blinzelt er, und kehrt zur Seite
Vorlage S. 676
102
Die Lippe, die zum Kusse schon bereite.
Vorlage S. 676
103
Nie lechzt' ein Wandrer in der Hitze so
Vorlage S. 677
104
Nach einem Trunk, wie sie nach diesem Kusse;
Vorlage S. 677
105
Dem Heile nah, wird sie des Heils nicht froh,
Vorlage S. 677
106
In Flammen steh'nd trotz ihrer Tränen Gusse.
Vorlage S. 677
107
»O, Mitleid«, ruft sie, »kieselherz'ger Knabe!
Vorlage S. 677
108
Ein Kuß nur ist's, drum ich gebeten habe!
Vorlage S. 677
109
Wie ich um dich, so hat um mich gefreit
Vorlage S. 677
110
Der fürchterliche, rauhe Gott des Krieges,
Vorlage S. 677
111
Der seinen Nacken bog in keinem Streit,
Vorlage S. 677
112
Der, wo er wandelt, sich erfreut des Sieges;
Vorlage S. 677
113
Doch hab' ich ihn zu Füßen mir gesehn,
Vorlage S. 677
114
Erflehend das, was dir wird ohne Flehn.
Vorlage S. 677
115
An meinen Altar hängt' er seine Lanze,
Vorlage S. 677
116
Sein beulig Schlachtschild und sein Helmgefieder,
Vorlage S. 677
117
Ließ sich herab zu Tändelspiel und Tanze,
Vorlage S. 677
118
Und lernte Lächeln, Schmeichelworte, Lieder,
Vorlage S. 677
119
Verschwörend Fahn' und Trommel; – sieh, sein Feld
Vorlage S. 677
120
Ward diese Brust, mein Bett war sein Gezelt.
Vorlage S. 677
121
So den Besiegenden hab' ich besiegt;
Vorlage S. 677
122
An Rosenketten hielt ich ihn gefangen.
Vorlage S. 677
123
Er, dessen Stärke starker Stahl sich biegt,
Vorlage S. 677
124
Ließ meiner Schönheit dienen sein Verlangen,
Vorlage S. 677
125
O, sei nicht stolz! Nicht rühme deines Sieges
Vorlage S. 677
126
Dich über sie, die schlug den Gott des Krieges.
Vorlage S. 677
127
Lass deine Lippen auf den meinen ruhn –
Vorlage S. 677
128
Sie sind ja rot, wenn auch nicht schön, wie deine.
Vorlage S. 677
129
Der Kuß soll dein sein, wie er mein ist! – Nun,
Vorlage S. 677
130
Das Haupt empor! Was suchst du auf dem Raine?
Vorlage S. 677
131
Sieh mir ins Aug', sieh dich auf seinem Grunde!
Vorlage S. 677
132
Wenn Aug' in Aug', warum nicht Mund auf Munde?
Vorlage S. 677
133
Schämst du, zu küssen, dich? o schließ' geschwind,
Vorlage S. 677
134
Gleich mir, das Auge! Nacht so scheint die Helle!
Vorlage S. 677
135
Die Liebe schwärmt, wo zwei beisammen sind;
Vorlage S. 677
136
Beginne kühn! kein Aug' sieht diese Stelle!
Vorlage S. 678
137
Die blauen Veilchen unsres Lagers wissen
Vorlage S. 678
138
Nicht, was wir tun, und plaudern nicht von Küssen.
Vorlage S. 678
139
Der zarte Lenz, der deine Lipp' umweht,
Vorlage S. 678
140
Nennt unreif, doch wohl mag man kosten dich.
Vorlage S. 678
141
O, dass die Zeit nicht nutzlos dir vergeht!
Vorlage S. 678
142
Nicht in sich selbst verzehre Schönheit sich!
Vorlage S. 678
143
Die Blum, die man nicht bricht im ersten Schimmern,
Vorlage S. 678
144
Wird in sich selbst vergehn bald und verkümmern.
Vorlage S. 678
145
Wär' ich verrunzelt, mißgestaltet, alt,
Vorlage S. 678
146
Von rauher Stimme, bucklig, ekelhaft,
Vorlage S. 678
147
Verachtet, kränklich, abgenutzt und kalt,
Vorlage S. 678
148
Triefäugig, mager, dürr und ohne Saft:
Vorlage S. 678
149
Dann möcht' es sein! dann taugt' ich nicht für dich!
Vorlage S. 678
150
Doch ohne Mängel, was verschmähst du mich?
Vorlage S. 678
151
Nie wird das Alter meiner Stirn gefährlich;
Vorlage S. 678
152
Mein Auge blitzt, und ist im Äugeln stark;
Vorlage S. 678
153
Dem Lenze gleich, wächst meine Schönheit jährlich;
Vorlage S. 678
154
Mein Fleisch ist weich, und brennend ist mein Mark.
Vorlage S. 678
155
Läg' meine Hand feucht in der feuchten deinen,
Vorlage S. 678
156
Sie würde schmelzend zu vergehen scheinen.
Vorlage S. 678
157
Befiehl, und schmeichelnd soll mein Wort dich locken:
Vorlage S. 678
158
Wie eine Fee leicht über's Blumenland,
Vorlage S. 678
159
Wie eine Nymphe, mit gelösten Locken,
Vorlage S. 678
160
Spurlos mich schwingen will ich über'n Sand.
Vorlage S. 678
161
Lieb' ist ein Geist, von Feuer ganz gewoben,
Vorlage S. 678
162
Leicht, nimmer sinkend, strebend nur nach oben.
Vorlage S. 678
163
Sieh nur mein Lager, diese Primeln, an!
Vorlage S. 678
164
Sie tragen mich, wie starker Bäume Macht;
Vorlage S. 678
165
Ein schwaches Taubenpaar ist mein Gespann,
Vorlage S. 678
166
Und zieht mich leicht, vom Morgen, bis zur Nacht.
Vorlage S. 678
167
Wenn also leicht die Liebe sich bewährt,
Vorlage S. 678
168
Wie, Süßer, glaubst du, dass sie dich beschwert?
Vorlage S. 678
169
Versah dein Herz an deinen Augen sich?
Vorlage S. 678
170
Kann deine Linke lieben deine Rechte?
Vorlage S. 678
171
Wirb um dich selbst dann, selbst verschmähe dich,
Vorlage S. 678
172
Und mache dich zu deinem eignen Knechte.
Vorlage S. 678
173
So ging Narciß der eignen Schöne nach,
Vorlage S. 678
174
Und starb vor Sehnsucht, als er stand am Bach,
Vorlage S. 678
175
Die Fackel ward, das Dunkel zu verjagen,
Vorlage S. 678
176
Gestein zum Schmücken, Schönheit zum Genießen,
Vorlage S. 678
177
Das Kraut zum Duften, wie der Baum zum Tragen;
Vorlage S. 678
178
Die Sprossen sünd'gen, die für sich nur sprießen:
Vorlage S. 678
179
Saat stiftet Saat, Schönheit der Schönheit Licht;
Vorlage S. 678
180
Du wardst gezeugt, und Zeugen ist dir Pflicht.
Vorlage S. 678
181
Wie wären dir der Erde Kinder eigen,
Vorlage S. 678
182
Wenn deiner Kinder nicht auch sie erworben?
Vorlage S. 678
183
Sieh, die Natur gebietet dir, zu zeugen,
Vorlage S. 678
184
Dass dein Geschlecht lebt, wenn du selbst gestorben:
Vorlage S. 678
185
So wirst du ganz nicht in den Tod gegeben,
Vorlage S. 678
186
Dein Bild ja lebt, und in ihm wirst du leben!« –
Vorlage S. 678
187
Und jetzt begann die Lechzende zu schwitzen;
Vorlage S. 678
188
Der Schatten ließ die Stelle, wo sie lagen;
Vorlage S. 678
189
Und Titan, keuchend in des Mittags Hitzen,
Vorlage S. 678
190
Sah heiß herab auf sie aus seinem Wagen:
Vorlage S. 678
191
Wünschend, Adonis säß' im goldnen heute,
Vorlage S. 678
192
Wär' er Adonis und an Venus' Seite.
Vorlage S. 678
193
Adonis aber, schläfrig und verdrossen,
Vorlage S. 678
194
Die Stirne runzelnd, finster seine Brau,
Vorlage S. 678
195
Das zorn'ge Auge mürrisch halb geschlossen,
Vorlage S. 678
196
Wie wenn den Himmel einhüllt Nebelgrau –
Vorlage S. 678
197
Mundziehend spricht er: »Lass mich fort! Zu sehr
Vorlage S. 678
198
Brennt heut die Sonne! Nichts von Liebe mehr!«
Vorlage S. 678
199
»Weh' mir!« ruft Venus, »wie so jung und kalt!
Vorlage S. 678
200
Welch leerer Vorwand, dich mir zu entziehn!
Vorlage S. 678
201
Himmlischen Odem seufz' ich dir alsbald,
Vorlage S. 678
202
Dass er dich kühle bei der Sonne Glühn.
Vorlage S. 680
203
Mein wallend Haar soll Schatten dir gewähren,
Vorlage S. 680
204
Und brennt es auch, so lösch' ich es mit Zähren.
Vorlage S. 680
205
Die Sonn' am Himmel wärmt nur und gibt Licht,
Vorlage S. 680
206
Und schau', ich liege zwischen ihr und dir!
Vorlage S. 680
207
Von dort die Hitze sengt mich wahrlich nicht,
Vorlage S. 680
208
Nur deiner Augen Glut bringt Hitze mir!
Vorlage S. 680
209
War' ich unsterblich nicht: – dahingegeben
Vorlage S. 680
210
Zwei solchen Sonnen, könnt' ich fürder leben?
Vorlage S. 680
211
Bist du von Stein denn, bist du hart wie Stahl?
Vorlage S. 680
212
Den harten Stein doch höhlt des Regens Guß!
Vorlage S. 680
213
Gebar ein Weib dich, und du fühlst die Qual
Vorlage S. 680
214
Des nicht, der liebt und einsam lieben muss?
Vorlage S. 680
215
Glich dir die Mutter, die dich trug, du Schlimmer:
Vorlage S. 680
216
Sie starb als Jungfrau und gebar dich nimmer.
Vorlage S. 680
217
Wer bin ich denn, dass du mich fliehst, Verächter?
Vorlage S. 680
218
Bringt meine Werbung dir denn auch Gefahr?
Vorlage S. 680
219
Macht denn ein Küßchen deine Lippen schlechter?
Vorlage S. 680
220
O sprich! – doch hübsch! – sonst schweige ganz und gar!
Vorlage S. 680
221
Nur einen Kuß! – du sollst ihn wieder haben,
Vorlage S. 680
222
Und willst du Zinsen, sollen zwei dich laben!
Vorlage S. 680
223
Pfui, kalt Gemälde, lebenloser Stein,
Vorlage S. 680
224
Buntschimmernd Bildnis – all' dein Glanz erlogen!
Vorlage S. 680
225
Das Aug' erfreust du; – ach, das Aug' allein!
Vorlage S. 680
226
Ding, wie ein Mann, doch nicht vom Weib erzogen!
Vorlage S. 680
227
Du bist kein Mann, was auch dein Aussehn sagt,
Vorlage S. 680
228
Denn Männer, wahrlich, küssen ungefragt!«
Vorlage S. 680
229
So spricht sie brünstig, bis die Ungeduld
Vorlage S. 680
230
Einhalt gebietet ihrer Zunge Fechten!
Vorlage S. 680
231
Ihr feurig Antlitz zeugt von ihrer Schuld,
Vorlage S. 680
232
In Liebe richtend, hilft ihr nicht ihr Rechten.
Vorlage S. 680
233
So weint sie denn, und glaubt mir nur, sie spräche,
Vorlage S. 680
234
Wenn Schluchzen nicht ihr Sprechen unterbräche.
Vorlage S. 680
235
Kopfschüttelnd nun erfasst sie seine Hand,
Vorlage S. 680
236
Senkt dann die Augen auf des Bodens Grün;
Vorlage S. 680
237
Mit ihren Armen jetzo wie ein Band,
Vorlage S. 680
238
Wie er sich sträuben mag, umschlingt sie ihn.
Vorlage S. 680
239
Und will er fort, der weiberscheue Ringer,
Vorlage S. 680
240
Verschränkt sie heftig ihre Lilienfinger.
Vorlage S. 680
241
»O, du mein Liebling«, spricht sie lächelnd, »seh'
Vorlage S. 680
242
Ich endlich dich in diesem schnee'gen Hag!
Vorlage S. 680
243
Ich will dein Park sein, so sei du mein Reh!
Vorlage S. 680
244
Geh' nach Gelüst hier deiner Weide nach!
Vorlage S. 680
245
Fang' auf den Lippen an! wenn die versiegen,
Vorlage S. 680
246
Dann tiefer, wo die lust'gen Quellen liegen!
Vorlage S. 680
247
Genug des Süßen gibt's in diesem Reiche;
Vorlage S. 680
248
Gras in den Gründen, anmutvolle Höhn;
Vorlage S. 680
249
Gewölbte Hügel, Buschwerk und Gesträuche,
Vorlage S. 680
250
Die vor dem Regen und des Sturmes Wehn
Vorlage S. 680
251
Dich schützen werden; drum sei meine Hinde,
Vorlage S. 680
252
Und fürchte nicht, dass hier ein Hund dich finde!'
Vorlage S. 680
253
Auf dies, wie spöttisch, lächelt er; – o sieh',
Vorlage S. 680
254
Wie seine Wangen jetzt zwei Grübchen tragen:
Vorlage S. 680
255
Cupido selbst, der Lose, machte sie,
Vorlage S. 680
256
Dass er drin ruhe, möcht' ihn wer erschlagen.
Vorlage S. 680
257
Er wußt' es wohl: nahm er den Sitz der Liebe
Vorlage S. 680
258
Zum Grabe sich, dass er lebendig bliebe.
Vorlage S. 680
259
Und diese Grübchen alle beide tun
Vorlage S. 680
260
Auf ihren Mund, die Seel' ihr zu verschlingen.
Vorlage S. 680
261
Vorher schon rasend, was beginnt sie nun?
Vorlage S. 680
262
Gleich anfangs tot, was hilft ein zweites Ringen?
Vorlage S. 680
263
Du arme Venus, deiner eignen Macht
Vorlage S. 680
264
Verfallen, liebst du, was dich kalt verlacht!
Vorlage S. 680
265
Was soll sie sagen jetzt, wohin sich wenden?
Vorlage S. 680
266
Zu End' ihr Reden, aber nicht ihr Glühn!
Vorlage S. 680
267
Die Zeit ist um; er will sich ihren Händen,
Vorlage S. 680
268
Die ihn umschlingen, mit Gewalt entziehn.
Vorlage S. 682
269
»O Mitleid«, ruft sie, »bin ich nichts denn wert?«
Vorlage S. 682
270
Doch er springt auf und eilt nach seinem Pferd.
Vorlage S. 682
271
Jetzt aber sieh': – vom Dickicht her erschaut
Vorlage S. 682
272
Den Hengst des Knaben eine flücht'ge Stute;
Vorlage S. 682
273
Sie jagt heran, sie schnaubt, sie wiehert laut,
Vorlage S. 682
274
Jung, ungebändigt, voll von Kraft und Mute.
Vorlage S. 682
275
Da reißt der Renner wild sich los vom Baum,
Vorlage S. 682
276
Sie zu begrüßen mit zerriss'nem Zaum.
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277
Er nimmt sich auf, er wiehert ihr entgegen,
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278
Und jetzo sprengt er seine festen Gurten;
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279
Die Erde dröhnt von seines Hufes Schlägen,
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280
Als ob Gewitter ihr im Schoße murrten.
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281
Sein hart Gebiß zerknirscht er im Entfliehn,
Vorlage S. 682
282
Bewält'gend so, was einst bewältigt ihn.
Vorlage S. 682
283
Er spitzt die Ohren; seiner Mähne Dräun
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284
Wallt auf im Takt, wie seine Füßestampfen.
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285
Mit seinen Nüstern zieht die Luft er ein,
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286
Sie wie ein Ofen wieder auszudampfen.
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287
Sein zorn'ges Auge, voll von wilder Glut,
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288
Zeigt sein Verlangen, seinen heißen Mut.
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289
Zuweilen trabt er mit bescheidnem Stolz,
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290
Als wollt' er zählen alle seine Schritte;
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291
Dann wieder bäumt er, courbettiert durch's Holz,
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292
Jagt und holt aus, als wär's zum tollsten Ritte;
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293
Als wollt' er sagen: »so tut meine Stärke
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294
Dass dort die Schöne lüstern auf mich merke!«
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295
Was kümmert jetzt ihn seines Reiters Zorn,
Vorlage S. 682
296
Sein schmeichelnd: Holla, und sein: Willst du stehn?
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297
Was gilt ihm Trense, was der scharfe Sporn,
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298
Was reicher Zäume, lust'ger Decken Wehn?
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299
Er sieht sein Lieb, und nichts sonst auf der Welt,
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300
Weil seinen Augen gar nichts sonst gefällt.
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301
Sieh', wollt' ein Maler mehr sein als das Leben,
Vorlage S. 683
302
Verließ' er kühn des Alltags breite Spur,
Vorlage S. 683
303
Wollt' er das Bild uns eines Rosses geben,
Vorlage S. 683
304
Das mehr durch Kunst, als andre durch Natur:
Vorlage S. 683
305
Traun, solch ein Roß wohl gliche diesem Pferde,
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306
So Wuchs und Farbe, Mut, Gang und Gebärde!
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307
Leicht auf den Füßen, von gedrungnem Bau,
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308
Kopf klein und zierlich, große Augen drin,
Vorlage S. 683
309
Weitauf die Nüstern, Hufhaar lang und rauh,
Vorlage S. 683
310
Schweif dicht und wallend, Mähne zart und dünn:
Vorlage S. 683
311
So trabt er stolz, und nichts fehlt seiner Schöne,
Vorlage S. 683
312
Als dass sein Kreuz ein stolzer Reiter kröne.
Vorlage S. 683
313
Oft schnaubt er fort, starrt dann auf eine Stelle,
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314
Fährt wieder auf jetzt, wenn ein Blatt nur fällt,
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315
Enteilt im Flug, beschämt des Windes Schnelle,
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316
Und lässt sie raten, wo er endlich hält.
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317
Durch seine Mähne pfeift des Windes Singen,
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318
Und Schweif und Mähne wehn ihm nach als
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319
Schwingen.
Vorlage S. 683
320
Vor seinem Lieb dann bleibt er wiehernd stehn;
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321
Sie wiehert auch, als freute sie sein Spiel;
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322
Doch bald, wie Weiber: stolz, ihn heiß zu sehn,
Vorlage S. 683
323
Macht sie die Spröde, tut sie fremd und kühl,
Vorlage S. 683
324
Weis't ab sein Werben, stampft in sein Verlangen,
Vorlage S. 683
325
Schlägt mit den Fersen sein verliebt Umfangen.
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326
Dann, wie betrübt und voll von Mißbehagen,
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327
Senkt er den Schweif wie eine fallende Feder,
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328
Lässt ihn der Schenkel weiße Schaumflut schlagen,
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329
Schnappt nach den Fliegen auf des Riemwerks Leder;
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330
Sein Lieb', gewahrend, wie so wild er tut,
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331
Wird gütiger, und nach lässt seine Wut.
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332
Sein zorn'ger Reiter naht, dass er ihn fange;
Vorlage S. 683
333
Doch sieh', die Stute fasst ein plötzlich Scheun;
Vorlage S. 683
334
Sie eilt von dannen, aufgeschreckt und bange,
Vorlage S. 683
335
Der Hengst ihr nach – Adonis steht allein.
Vorlage S. 684
336
Fort nach dem Walde jagen sie, die Tollen,
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337
Schneller als Kräh'n, die Wette fliegen wollen.
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338
Erschöpft und heiß setzt sich Adonis nieder,
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339
Verwünscht sein Tier und seine Störrigkeit;
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340
Und jetzo kehrt die günst'ge Stunde wieder
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341
In der sich Venus ihres Redens freut.
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342
Denn dreifach Leiden fühlt ein Herz, das liebt,
Vorlage S. 684
343
Fehlt ihm der Beistand, den die Zunge gibt.
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344
Verhaltne Flamme, zugedämmte Flut,
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345
Flammt auf und flutet nachher um so freier:
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346
So auch ein Gram, der still im Herzen ruht;
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347
Ein freies Reden stillt der Liebe Feuer;
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348
Doch, ward des Herzens Anwalt stumm einmal,
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349
Dann bricht der Schützling und vergeht in Qual.
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350
Er sieht sie kommen und beginnt zu glühn –
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351
So glüht im Wind erstorbner Kohlen Hitze! –
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352
Den wirren Blick, zu Boden schlägt er ihn,
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353
Die zorn'ge Stirn verbirgt er mit der Mütze;
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354
Was kümmert's ihn, dass sie so nah sich stellt,
Vorlage S. 684
355
Weil er sie seitwärts nur im Auge hält?
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356
O, welch ein Anblick, mit verstohlnem Gange
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357
Dem finstern Knaben sie sich nahn zu sehn;
Vorlage S. 684
358
Den Streit zu schaun auf ihrer süßen Wange,
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359
Den Weiß und Purpur wechselnd jetzt begehn!
Vorlage S. 684
360
Erst war sie bleich, doch bald in wilder Hitze
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361
Entfuhr ihr Feuer, wie dem Himmel Blitze.
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362
Nun steht sie vor ihm, grade wo er ruht;
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363
Kniet dann voll Demut auf den Grund, den kühlen;
Vorlage S. 684
364
Mit einer Hand erhebt sie seinen Hut;
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365
Die andre lässt sie sanft sein Antlitz fühlen.
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366
Annimmt es weich den leisen Druck der weichen,
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367
Und hält ihn fest, Schneeflocken zu vergleichen.
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368
O, welch ein Krieg von Blicken nun beginnt!
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369
Ihr Auge, schwimmend, schaut in sein's mit Flehen;
Vorlage S. 684
370
Sein Auge tut, als wär' es für sie blind.
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371
Ihr Auge wirbt, sein Auge will's nicht sehen;
Vorlage S. 684
372
Und durch den Chorus ihrer heißen Zähren
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373
Lässt seine Akte dieses Spiel erklären.
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374
Ganz freundlich nun ergreift sie seine Hand;
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375
's ist eine Lilie, rings von Schnee umsäumt;
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376
's ist Elfenbein, das Marmor licht umspannt:
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377
So weißen Feind umfängt so weiß ein Freund.
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378
Dies schöne Kämpfen, dieses süße Rauben,
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379
Dem Schnäbeln gleicht es zweier Silbertauben.
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380
Und noch einmal jetzt hebt sie stürmend an:
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381
»Du schönster Wandler auf dem ird'schen Runde!
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382
Wär'st du wie ich doch! wär' doch ich ein Mann!
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383
Wär' mein Herz heil, und trügest du das wunde!
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384
Ein süßer Blick – und Rat wollt' ich dir geben,
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385
Müsst' ich dich retten auch mit meinem Leben!«
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386
»Die Hand«, spricht er, »wozu mich länger quälen?«
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387
»Dein Herz!« spricht sie, »und gleich sollst du sie haben!
Vorlage S. 684
388
O lasse dein Herz meines nicht verstählen!
Vorlage S. 684
389
Zu hart ja würd' es, Seufzer drein zu graben!
Vorlage S. 684
390
Des Flehns der Liebe hätt' ich nimmer acht,
Vorlage S. 684
391
Wenn stählern dein Herz meines hart gemacht!«
Vorlage S. 684
392
»Schmach!« ruft er aus, »was hältst du mich gefangen?
Vorlage S. 684
393
Hin ist mein Tag! mein Renner jagt im Hain!
Vorlage S. 684
394
Nur deine Schuld ist's, dass er durchgegangen!
Vorlage S. 684
395
Fort, sag' ich, fort! und lass mich hier allein!
Vorlage S. 684
396
Denn nicht gedenk' ich heut noch andrer Dinge.
Vorlage S. 684
397
Als wie zurück ich meinen Flüchtling bringe!«
Vorlage S. 684
398
So ihr Erwidern: »Zürne nicht den Pferden!
Vorlage S. 684
399
Der Brunst zu folgen ist des Tieres Pflicht.
Vorlage S. 684
400
Lieb' ist die Kohle, die gekühlt muss werden,
Vorlage S. 684
401
Soll sie das Herz in Flammen setzen nicht!
Vorlage S. 686
402
Die See hat Grenzen, keine das Verlangen:
Vorlage S. 686
403
Warum denn staunen, dass dein Roß gegangen?
Vorlage S. 686
404
Wie stand dein Zelter mährengleich und trübe,
Vorlage S. 686
405
Als ihn dein Leder fest noch hielt am Baum!
Vorlage S. 686
406
Doch als er nahn sah seine stolze Liebe,
Vorlage S. 686
407
Ha, wie zerriss er trotzig da den Zaum!
Vorlage S. 686
408
Wie flog sein Haar, wie schnob er wild und dräuend,
Vorlage S. 686
409
Genick und Nacken, Maul und Brust befreiend!
Vorlage S. 686
410
Wer die Geliebte sieht in ihren Kissen,
Vorlage S. 686
411
Nackt, weißer schimmernd als des Lagers Lein:
Vorlage S. 686
412
Mag der vom Schwelgen nur des Auges wissen!
Vorlage S. 686
413
Er lodert ganz, will ihrer ganz sich freun.
Vorlage S. 686
414
Wer ist so mutlos, der nicht auch so kühn,
Vorlage S. 686
415
Bei Frost zu rühren an der Flamme Glühn?
Vorlage S. 686
416
Lass mich entschuld'gen deinen Renner, Knabe!
Vorlage S. 686
417
Und lern' von ihm, ich bitt' dich herzlich drum,
Vorlage S. 686
418
Wie du benutzest dargebotne Gabe!
Vorlage S. 686
419
Dies eine lehr' ich dich, und wär' ich stumm:
Vorlage S. 686
420
O, lerne lieben! leicht ja ist die Müh',
Vorlage S. 686
421
Und kannst du's einmal, du verlernst es nie!«
Vorlage S. 686
422
»Ich will's nicht lernen!« ruft er, »wär's ein Schwein,
Vorlage S. 686
423
Ein Eber noch: dann wollt' ich's jagen gehen!
Vorlage S. 686
424
Es ist ein Borgen – ich mag nichts entleihn!
Vorlage S. 686
425
Meine Lieb' zur Lieb' ist Lieb' nur, Lieb' zu schmähen!
Vorlage S. 686
426
Im Tod ein Leben ist sie, sagt man mir,
Vorlage S. 686
427
Das lacht und weint in einem Atem schier.
Vorlage S. 686
428
Wer legt ein Kleid auch unvollendet an?
Vorlage S. 686
429
Wer bricht die Knospe, eh' sie Blätter kerben?
Vorlage S. 686
430
Wird Keimendem ein Jot nur abgetan,
Vorlage S. 686
431
So muss es kläglich schon als Keim verderben.
Vorlage S. 686
432
Das Pferd, das man zu früh ritt und belud,
Vorlage S. 686
433
Verliert den Stolz, bleibt ewig ohne Mut!
Vorlage S. 686
434
Du ringst die Hand mir aus! Auf, uns zu trennen!
Vorlage S. 686
435
Dein nutzlos Reden, lass es endlich sein!
Vorlage S. 686
436
Hör' endlich auf, die Brust mir zu berennen –
Vorlage S. 686
437
Nie durch ihr Tor doch zieht die Liebe ein!
Vorlage S. 686
438
Fort deine Heucheltränen, dein Gewäsche!
Vorlage S. 686
439
Mein Herz ist hart – sie machen keine Bresche!«
Vorlage S. 686
440
Sie drauf: »Du sprichst? Was, hast du eine Zunge?
Vorlage S. 686
441
Es sei! doch wär' ich jetzt nur ohne Ohr!
Vorlage S. 686
442
Denn wie Sirenen redest du, mein Junge!
Vorlage S. 686
443
Zwiefach jetzt duld' ich, duldend schon zuvor!
Vorlage S. 686
444
Melod'scher Mißlaut! Himmelslied voll Strenge!
Vorlage S. 686
445
Herztötende, tiefsüße Erdenklänge!
Vorlage S. 686
446
Hätt' ich nicht Augen: jene ungeseh'ne
Vorlage S. 686
447
Inwend'ge Schönheit hörend würd' ich lieben;
Vorlage S. 686
448
Taub aber, fühlt' ich deine äußre Schöne
Vorlage S. 686
449
Mit jedem Teile, dem Gefühl geblieben.
Vorlage S. 686
450
Ohn' Aug' und Ohr in Liebe würd' ich sein,
Vorlage S. 686
451
Und nach dir lechzen – durch's Gefühl allein!
Vorlage S. 686
452
Selbst, hätt' ich eingebüßt des Fühlens Sinn;
Vorlage S. 686
453
Könnt' ich nicht sehn, nicht fühlen und nicht hören;
Vorlage S. 686
454
Wär' jeder Sinn, nur der Geruch nicht, hin:
Vorlage S. 686
455
Doch würde wanklos meine Liebe währen!
Vorlage S. 686
456
Denn auf von deinem holden Antlitz steigt
Vorlage S. 686
457
Dein Odem ja, der duftend Liebe zeugt.
Vorlage S. 686
458
Doch welch ein Mahl wär'st dem Geschmacke du,
Vorlage S. 686
459
Der Amm' und Nährer ist der andern Viere!
Vorlage S. 686
460
Sie würden's endlos wünschen! 'Zwiefach zu',
Vorlage S. 686
461
Hieß' es zum Argwohn, 'riegle Tor und Türe!
Vorlage S. 686
462
Damit nicht Eifersucht, die saure, herbe,
Vorlage S. 686
463
In's Haus sich schleichend, unser Fest verderbe!'«
Vorlage S. 686
464
Aufgeht noch einmal das Rubinportal,
Vorlage S. 686
465
Durch dessen Honig seine Rede gleitet;
Vorlage S. 686
466
Ein roter Morgen scheint's, der allemal
Vorlage S. 686
467
Wrack dem Matrosen, Sturm der Flur bedeutet;
Vorlage S. 688
468
Den Schäfern Leid, den kleinen Vögeln Weh',
Vorlage S. 688
469
Den Herden aber Hagelwind und Schnee.
Vorlage S. 688
470
Sie merkt das böse Zeichen mit Bedacht: –
Vorlage S. 688
471
Wie sich der Wind legt, eh' der Regen fällt,
Vorlage S. 688
472
Und wie das Obst platzt, eh' es Flecken macht,
Vorlage S. 688
473
Und wie der Wolf den Zahn weist, eh' er bellt,
Vorlage S. 688
474
Und wie die Kugel, eh' sie tötet, singt:
Vorlage S. 688
475
Ahnt sie sein Meinen, eh' sein Wort es bringt.
Vorlage S. 688
476
Und flach vor seinem Blicke fällt sie nieder,
Vorlage S. 688
477
Denn Liebe stirbt und wird belebt durch Blicke:
Vorlage S. 688
478
Ein Grollen schlägt, ein Lächeln heilt sie wieder –
Vorlage S. 688
479
Bankbrüchig jetzt, ist sie erst recht im Glücke.
Vorlage S. 688
480
Der dumme Knabe meint, sie wäre tot;
Vorlage S. 688
481
Er klopft ihr bleich Gesicht – und klopft es rot.
Vorlage S. 688
482
Und unterläßt nun, voll von Angst und Staunen,
Vorlage S. 688
483
Was er gewollt: mit Tadel sie bestürmen;
Vorlage S. 688
484
Zuvorkommt Liebe listig seinen Launen –
Vorlage S. 688
485
O Heil der List, die so sich weiß zu schirmen:
Vorlage S. 688
486
Denn wie erschlagen liegt sie auf dem Rasen,
Vorlage S. 688
487
Bis er ihr atmend Leben eingeblasen.
Vorlage S. 688
488
Er drückt die Nas' ihr, gibt ihr Backenschläge,
Vorlage S. 688
489
Krümmt ihre Finger, ruft: »O woll' erwachen!«
Vorlage S. 688
490
Reibt ihre Lippen, sinnt auf tausend Wege,
Vorlage S. 688
491
Was er verdorben, wieder gut zu machen;
Vorlage S. 688
492
Küsst sie – und sie, geschäh' nur ihr Gelüste,
Vorlage S. 688
493
Erhöbe nie sich, dass er immer küsste.
Vorlage S. 688
494
Zum Tage jetzo wird des Kummers Nacht;
Vorlage S. 688
495
Matt ihre blauen Fenster hebt sie beide,
Vorlage S. 688
496
Der Sonne gleich, wenn in erneuter Pracht
Vorlage S. 688
497
Sie grüßt den Morgen, aller Welt zur Freude;
Vorlage S. 688
498
Und wie die Sonne hehr durchstrahlt die Welt,
Vorlage S. 688
499
So wird ihr Antlitz ganz vom Aug' erhellt:
Vorlage S. 688
500
Das auf das seine heftet all' sein Flammen,
Vorlage S. 689
501
Als ob von dem nur Glut und Schein ihm kämen;
Vorlage S. 689
502
Vier solche Kerzen brannten nie zusammen,
Vorlage S. 689
503
Nur dass die seinen wölkt ein stilles Grämen;
Vorlage S. 689
504
Doch ihre, deren Strahl durch Tränen bricht,
Vorlage S. 689
505
Sprühn, wie bei Nacht im Wasser Mondenlicht;
Vorlage S. 689
506
»Bin ich im Himmel oder noch auf Erden?«
Vorlage S. 689
507
Ruft sie, »der Flut, dem Feuer preisgegeben?
Vorlage S. 689
508
Ist's müder Abend, will es Morgen werden?
Vorlage S. 689
509
Schwelg' ich im Tode? wünsch' ich noch zu leben?
Vorlage S. 689
510
Erst eben lebt' ich – ach in Sterbeleide!
Vorlage S. 689
511
Starb eben erst – und Tod war Lebensfreude!
Vorlage S. 689
512
O, du erschlugst mich! tu' es noch einmal!
Vorlage S. 689
513
Das schlau den Lehrer deiner Augen macht,
Vorlage S. 689
514
Dein hartes Herz hat so zu meiner Qual
Vorlage S. 689
515
Erzogen sie, dass meins sie umgebracht!
Vorlage S. 689
516
Und meine Augen – nie mehr sah'n die armen,
Vorlage S. 689
517
Trug nicht dein Mund ein wonnevoll Erbarmen!
Vorlage S. 689
518
Drum mögen lang sich deine Lippen küssen!
Vorlage S. 689
519
O, mög' ihr Purpur nun und nie erbleichen!
Vorlage S. 689
520
Sie sollen blühn, und alle Seuche müssen
Vorlage S. 689
521
Dem unheildroh'nden Jahre sie verscheuchen!
Vorlage S. 689
522
Dass angeführt der Sternendeuter sage,
Vorlage S. 689
523
Durch deinen Odem sei gebannt die Plage.
Vorlage S. 689
524
O, wie als Siegel deine Lippen frei
Vorlage S. 689
525
Die meinen pressten! Sprich, was muss ich geben,
Vorlage S. 689
526
Dass sie es wieder tun? Mich selbst? Es sei,
Vorlage S. 689
527
Dafern du ehrlich zahlst und handelst eben!
Vorlage S. 689
528
Willst du den Kauf? Wohl denn, besiegl' ihn stracks
Vorlage S. 689
529
Auf meiner Lippen rotem Siegelwachs!
Vorlage S. 689
530
Nicht, tausend Küsse kauft mein Herz von mir?
Vorlage S. 689
531
Du zahlst sie wieder, ganz wie dein Verlangen.
Vorlage S. 689
532
O sprich, was sind zehnhundert Küsse dir?
Vorlage S. 689
533
Sind sie nicht rasch gezählt und rasch gegangen?
Vorlage S. 690
534
Sag', dass Nicht-Zahlung sie verdoppeln müsse –
Vorlage S. 690
535
Sind solche Müh' denn zwanzighundert Küsse?«
Vorlage S. 690
536
So er: »Wenn du mich lieb hast – immer nenne
Vorlage S. 690
537
Mich blöd, doch halt' es meinem Flaum zu gut!
Vorlage S. 690
538
Willst du mich kennen, eh' ich selbst mich kenne?
Vorlage S. 690
539
Fängt denn der Fischer auch die zarte Brut?
Vorlage S. 690
540
Abfallen reife, nimmer grüne Pflaumen,
Vorlage S. 690
541
Und brichst du sie, so sind sie herb dem Gaumen.
Vorlage S. 690
542
O sieh', wie müd die Sonne niedergeht;
Vorlage S. 690
543
Ihr heißes Tagwerk endigt sie im West.
Vorlage S. 690
544
Die Eule kreischt, Herold der Nacht; 's wird spät;
Vorlage S. 690
545
Zum Pferch das Lamm, der Vogel eilt zum Nest.
Vorlage S. 690
546
Kohlschwarz Gewölk verhüllt den Himmel weit,
Vorlage S. 690
547
Und ruft: Gut' Nacht nun! es ist Scheidenszeit!
Vorlage S. 690
548
Drum gute Nacht! und sag' auch du gut' Nacht!
Vorlage S. 690
549
Ein Kuß, wenn du es sagst, wird noch gezollt!«
Vorlage S. 690
550
»Gut' Nacht!« ruft sie, und eh' er auf sich macht,
Vorlage S. 690
551
Reicht er ihr dar des Scheidens Honigsold.
Vorlage S. 690
552
Um seinen Hals die Arme schlägt sie dicht,
Vorlage S. 690
553
Sie scheinen eins, Gesicht wächst an Gesicht.
Vorlage S. 690
554
Bis atemlos er endlich sich befreit,
Vorlage S. 690
555
Und ihrem Durst das sel'ge Nass versagt,
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556
Den Purpurmund, in dessen Süßigkeit
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557
Sie schwelgt, und dennoch über Dürre klagt.
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558
Vor Mangel sie, er matt vor Überfluss,
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559
Hinfallen sie, nochmals vereint im Kuß.
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560
Jetzt hat sie ihn! Ha, wie er blöd sich fügt!
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561
Ha, wie sie nie zu sättigend ihn zerfleischt!
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562
Ihr Mund ist Sieger, seiner zahlt besiegt
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563
Die Lösung aus, die der Beleid'ger heischt,
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564
Und geierhungrig heischt so hohen Satz:
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565
Versiegen muss des Zahlers Lippenschatz.
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566
Und nun der Beute Süßigkeit sie kennt,
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567
Beginnt zu prassen sie mit blinder Wut;
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568
Heiß kocht ihr Blut, ihr Antlitz raucht und brennt,
Vorlage S. 690
569
Achtlose Wollust facht verwegnen Mut,
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570
Nicht Ehre mehr, nicht Sitte mehr ermessend,
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571
Taub der Vernunft, des Rots der Scham vergessend.
Vorlage S. 690
572
Von ihrem Ungestüm heiß und zerschlagen,
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573
Dem Falken ähnlich, den man zahm gekirrt,
Vorlage S. 690
574
Dem Rehe gleich, das matt vom langen Jagen,
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575
Dem Kinde, das durch Tändeln ruhig wird,
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576
Gehorcht er jetzt, und sie zur selben Zeit
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577
Nimmt – nach Gelüst nicht, doch nach Möglichkeit.
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578
Kein Wachs so hart, das Wärme nicht erweichte,
Vorlage S. 690
579
Drauf jeder Druck zuletzt nicht haften bliebe!
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580
Kein Ding so schwer, das Kühnheit nicht erreichte
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581
Und Stetigkeit – vor allem in der Liebe!
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582
Neigung ermattet nicht nach Feiglingsart:
Vorlage S. 690
583
Nein, wirbt am besten, wenn verschmäht sie ward.
Vorlage S. 690
584
Wich seinem Zürnen alsobald ihr Schmachten,
Vorlage S. 690
585
Von seinen Lippen Nektar sog sie nie.
Vorlage S. 690
586
Wer Liebe hegt, soll keiner Ungunst achten –
Vorlage S. 690
587
Die Ros' hat Dornen, dennoch pflückt man sie!
Vorlage S. 690
588
Wie manchem Schloß die Schönheit auch verfalle,
Vorlage S. 690
589
Die Liebe mit dem Dietrich bricht durch alle!
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590
Aus Mitleid jetzt kann sie ihn nicht mehr halten,
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591
Denn gar zu kläglich ist sein Flehn und Grämen;
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592
Drum sagt sie endlich Lebewohl dem Kalten,
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593
Und bittet ihn, ihr Herz in acht zu nehmen,
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594
Das – sie beschwört es bei Cupidos Bogen –
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595
Ihr in den Käfig seiner Brust entflogen.
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596
»Du Süßer«, spricht sie, »eine Nacht voll Sorgen
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597
Steht mir bevor! Du scheuchst den Schlaf mir fort!
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598
Sag' mir, mein Meister, treffen wir uns morgen?
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599
Sag', treffen wir uns? sag' mir, ist's ein Wort?«
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600
Er sagt ihr, nein! denn längst ward ausgemacht:
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601
Mit Freuden zieht er auf die Eberjagd.
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602
»Die Eberjagd!« – und jähes Blass zur Stunde
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603
(Dem Linnen gleich, das auf die Rose weht)
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604
Deckt ihr Gesicht; sie zittert bei der Kunde,
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Historische Darstellung von William Shakespeare
Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von William Shakespeare — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Martin Droeshout · Public domain Bildquelle ↗
605
Und reißt ihn an sich, der schon von ihr geht;
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606
Sinkt dann, indes ihn ihre Arm' umstricken:
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607
Er fällt auf ihren Leib, sie auf den Rücken.
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608
Nun ist sie recht erst in der Liebe Schranken:
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609
Aufsaß ihr Ritter ja, heiß obzusiegen;
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610
Doch diesmal auch bleibt alles beim Gedanken –
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611
Er reitet nicht, hat er sie auch bestiegen!
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612
Wer um Elysium so gebracht sein muss,
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613
Erduldet Schlimm'res wohl als Tantalus.
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614
Gleichwie, betrogen von gemalten Trauben,
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615
Hungrige Vögel schwelgen mit den Blicken –
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616
Ihr Kropf bleibt leer, kein Beerchen lässt sich rauben –
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617
So schmachtet sie in ihren Missgeschicken.
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618
Die Wärme, die er kalt sie lässt vermissen,
Vorlage S. 692
619
Sucht sie zu fachen mit beständ'gem Küssen.
Vorlage S. 692
620
Umsonst, du Gute! nie wirst du erhört! –
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621
All' ihre Listen hat sie nun geübt;
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622
Wohl scheint ihr Werben größern Lohnes wert:
Vorlage S. 692
623
Die Liebe liebt, und wird doch nicht geliebt!
Vorlage S. 692
624
»Pfui«, ruft er, »du erdrückst mich! lass mich gehn!
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625
Du hast kein Recht, mir so im Weg zu stehn!«
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626
Sie drauf: »Du wär'st schon fort zu dieser Frist,
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627
Wenn das vom Eber nicht entschlüpft dir wäre!
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628
O sei gewarnt; du weißt nicht, was es ist,
Vorlage S. 692
629
Ein tappig Schwein zu stechen mit dem Speere!
Vorlage S. 692
630
Gleichwie ein blut'ger Fleischer, mordbereit,
Vorlage S. 692
631
Die nackten Hauer wetzt er allezeit.
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632
Auf seinen Rücken starrt ihm eine Schlacht
Vorlage S. 692
633
Von borst'gen Lanzen; grimmig sein Geschnauf;
Vorlage S. 692
634
Glüh flammt sein Auge, wenn man wild ihn macht;
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635
Sein Rüssel, wo er geht, wühlt Gräber auf;
Vorlage S. 692
636
Hinwirft er, was sich zeigt auf seinem Wege,
Vorlage S. 692
637
Und tötet, was er wirft, durch Hauerschläge.
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638
Sein sehn'ger Wanst, mit straffem Haar bewehrt,
Vorlage S. 692
639
Stichfest und derb, braucht keinen Speer zu scheun;
Vorlage S. 692
640
Sein kurzer dicker Hals wird schwer versehrt;
Vorlage S. 692
641
Zornig nimmt er es auf selbst mit dem Leun;
Vorlage S. 692
642
Die er durchbricht, die Dorn- und Brombeerhecken,
Vorlage S. 692
643
Gehn vor ihm auf, als macht' er ihnen Schrecken.
Vorlage S. 692
644
Ach, wenig achtet er dein hold Gesicht,
Vorlage S. 692
645
Dem als Tribut ich staunende Blicke zolle;
Vorlage S. 692
646
Dein klares Aug', dein Mund auch rührt ihn nicht,
Vorlage S. 692
647
Noch deine Hand, die weiche, wonnevolle.
Vorlage S. 692
648
Nein, hätt' er dich: verheeren würd' er diese
Vorlage S. 692
649
Schönheiten all', wie er verheert die Wiese.
Vorlage S. 692
650
Drum stör ihn nicht, wo tief im Forst er ruht;
Vorlage S. 692
651
Was soll die Schönheit mit so garst'gen Feinden?
Vorlage S. 692
652
Komm nicht mit Fleiß zu nahe seiner Wut –
Vorlage S. 692
653
Wer gern gedeiht, nimmt Rat an von den Freunden.
Vorlage S. 692
654
Als du ihn nanntest, dass ich's nicht verhehle,
Vorlage S. 692
655
Bebt' ich um dich, und Angst befiel die Seele.
Vorlage S. 692
656
Denk' an mein Antlitz nur! War es nicht bleich?
Vorlage S. 692
657
Sahst du nicht Furcht in meinen Augen wittern?
Vorlage S. 692
658
Sank ich in Ohnmacht nieder nicht sogleich?
Vorlage S. 692
659
In meiner Brust, auf der du liegst, mit Zittern
Vorlage S. 692
660
Schlägt hoch mein ahnend Herz, die heiße Kraft,
Vorlage S. 692
661
Und wirft und schüttelt dich erdbebenhaft.
Vorlage S. 692
662
Denn wo die Liebe herrscht, kommt mit Geschrei
Vorlage S. 692
663
Die Eifersucht, und nennt sich ihren Hort;
Vorlage S. 692
664
Macht blinden Lärm gleich, spricht von Meuterei,
Vorlage S. 692
665
Und ruft sogar in Friedenszeit: 'Mord, Mord!'
Vorlage S. 694
666
Beirrend so der sanften Lieb' Entzücken,
Vorlage S. 694
667
Wie Luft und Wasser Feuer unterdrücken.
Vorlage S. 694
668
Und diese Klatsche, diese Späherin,
Vorlage S. 694
669
Die, wie ein Krebs, der Liebe Lenz verschlingt,
Vorlage S. 694
670
Sie, diese Eifersucht, die her und hin
Vorlage S. 694
671
Wahres zuweilen, oft auch Falsches bringt,
Vorlage S. 694
672
Pocht mir an's Herz, raunt mir in's Ohr und droht:
Vorlage S. 694
673
»Wenn du ihn liebst, so fürcht' auch seinen Tod!«
Vorlage S. 694
674
Und mehr als das: stellt meinem Auge dar
Vorlage S. 694
675
Ein zornig Schwein, ein toll und tobend Tier;
Vorlage S. 694
676
Und blutend unter seiner Fänge Paar
Vorlage S. 694
677
Liegt auf dem Rücken ein Gebild – gleich dir!
Vorlage S. 694
678
Die Blumen, die sein Herzblut aufgefangen,
Vorlage S. 694
679
Stehn trauernd da, und ihre Köpfchen hangen.
Vorlage S. 694
680
Was sollt ich tun, als so zu meinem Schmerz
Vorlage S. 694
681
Du mir erschienest, allzukühner Knabe?
Vorlage S. 694
682
Schon beim Gedanken blutet mir das Herz,
Vorlage S. 694
683
Und Furcht verleiht ihm der Voraussicht Gabe:
Vorlage S. 694
684
Ja, sterben wirst du, liebste meiner Sorgen,
Vorlage S. 694
685
Dafern der Eber dich hinauslockt morgen.
Vorlage S. 694
686
Doch hör' auf mich, willst du durchaus in's Feld:
Vorlage S. 694
687
Lass los die Koppel auf den bangen Hasen,
Vorlage S. 694
688
Los auf den Fuchs, der sich durch List erhält,
Vorlage S. 694
689
Los auf das Reh, das kampfscheu tritt den Rasen:
Vorlage S. 694
690
All' diese Zagen, jag' sie auf den Dünen,
Vorlage S. 694
691
Und hoch zu Roß folg' mit den Hunden ihnen.
Vorlage S. 694
692
Und wenn den Hasen frisch du aufgespürt,
Vorlage S. 694
693
O sieh' den armen Schelm, o sieh' den Bängsten,
Vorlage S. 694
694
Wie er dem Winde vorläuft, jetzt laviert,
Vorlage S. 694
695
Jetzo sich duckt und lauscht in seinen Ängsten;
Vorlage S. 694
696
Ein Labyrinth von Listen und von Launen
Vorlage S. 694
697
Durchhastet er zu seiner Feinde Staunen.
Vorlage S. 694
698
Oft läuft er zwischen eine Lämmerherde,
Vorlage S. 695
699
Dass ihr Geruch die Hunde irre macht
Vorlage S. 695
700
Oft, wo Kaninchenvolk durchwühlt die Erde,
Vorlage S. 695
701
Verbirgt er sich, dass jäh verstummt die Jagd;
Vorlage S. 695
702
Oft unter Hirschen auch enteilt er schnell:
Vorlage S. 695
703
Gefahr zeugt List, Witz ist der Furcht Gesell.
Vorlage S. 695
704
Denn seine Wittrung dort, vermischt den andern,
Vorlage S. 695
705
Bringt Ungewissheit den erhitzten Hunden;
Vorlage S. 695
706
Ihr Bellen schweigt; sie suchen und sie wandern,
Vorlage S. 695
707
Bis ihren Fehler sie zuletzt gefunden;
Vorlage S. 695
708
Dann frisch Gebell, vom Widerhall verdoppelt,
Vorlage S. 695
709
Als wär' am Himmel noch 'ne Jagd entkoppelt.
Vorlage S. 695
710
Um diese Zeit, fernab von einer Höh',
Vorlage S. 695
711
Stellt Lampe sich auf seine Hinterläufe,
Vorlage S. 695
712
Dass er sich um nach seinen Gegnern seh' –
Vorlage S. 695
713
Da wiederum tönt Klaffen und Gekeife,
Vorlage S. 695
714
Und jetzt dem Kranken gleicht er, der verstört
Vorlage S. 695
715
Vor seiner Tür des Priesters Glöcklein hört.
Vorlage S. 695
716
Noch einmal flieht er, ganz mit Tau benetzt –
Vorlage S. 695
717
Doch jede Ranke schon hält auf den Matten.
Vorlage S. 695
718
Sieh, wie im Zickzack über'n Weg er setzt –
Vorlage S. 695
719
Ach, jedes Murmeln hemmt ihn, jeder Schatten.
Vorlage S. 695
720
Denn harten Tritts das Elend treten alle:
Vorlage S. 695
721
Nicht einer, der es aufhebt nach dem Falle.
Vorlage S. 695
722
Lieg' still, und hör' noch etwas von der Sache!
Vorlage S. 695
723
Nein, still – noch kommst du nicht von meiner Seite!
Vorlage S. 695
724
Dass ich des Ebers Jagd verhaßt dir mache,
Vorlage S. 695
725
Ungleich mir selbst, hörst du mich pred'gen heute –
Vorlage S. 695
726
Auf solchen Fall anwendend solche Lehren,
Vorlage S. 695
727
Denn jedes Weh kann Liebe dir erklären.
Vorlage S. 695
728
Wo blieb ich denn?« – »Mir gleich!« sprach er entgegen;
Vorlage S. 695
729
»Bleib' mir nur fern, so endet die Geschichte!
Vorlage S. 695
730
Die Nacht ist um!« – Sie: »Was ist dran gelegen?«
Vorlage S. 695
731
Er gleich: »Man harrt mein mit dem ersten Lichte;
Vorlage S. 696
732
Und noch ist's dunkel, und ich werde fallen!« –
Vorlage S. 696
733
Sie: »Die Begier sieht nächtens hell vor allen!
Vorlage S. 696
734
Doch wenn du wirklich fällst, so wiss' und glaube:
Vorlage S. 696
735
Die Erd', in Liebe, stellte dir ein Bein,
Vorlage S. 696
736
Einzig damit sie einen Kuß dir raube.
Vorlage S. 696
737
Reich Gut lockt Wackre auch zu Dieberein:
Vorlage S. 696
738
So wölkt dein Mund Dianas Blick, der herben –
Vorlage S. 696
739
Sie möchte küssen und meineidig sterben.
Vorlage S. 696
740
Nun erst erkenn' ich dieses Dunkels Sinn:
Vorlage S. 696
741
Cynthia aus Scham birgt ihren Schein zumal,
Vorlage S. 696
742
Bis sie verurteilt als Verräterin
Vorlage S. 696
743
Sieht die Natur: die Form zu dir ja stahl
Vorlage S. 696
744
Die Freche vom Olymp, durch solches Nehmen
Vorlage S. 696
745
Die Sonn' am Tag, nachts Luna zu beschämen.
Vorlage S. 696
746
Und drum die Parzen auch ging sie bestechen,
Vorlage S. 696
747
Das seltne Kunstwerk der Natur zu kreuzen;
Vorlage S. 696
748
Der Schönheit beizumischen leid'ge Schwächen,
Vorlage S. 696
749
Ach, und Entstellung sonst vollkomm'nen Reizen,
Vorlage S. 696
750
Sie unterwerfend aller Tyrannei
Vorlage S. 696
751
Qualvollen Elends, schnöder Krüppelei:
Vorlage S. 696
752
Dem Fieber so, das brennend und verheerend,
Vorlage S. 696
753
Der Pestilenz, dem Krampf, der irren Wut,
Vorlage S. 696
754
Und jener Krankheit, die, das Mark verzehrend,
Vorlage S. 696
755
Mit heißem Wallen sieden macht das Blut! –
Vorlage S. 696
756
Die sind's! Die schwuren der Natur den Tod,
Vorlage S. 696
757
Weil sie so hold dich schuf, so weiß und rot.
Vorlage S. 696
758
Und der geringsten dieser bösen Seuchen
Vorlage S. 696
759
Erliegt die Schönheit, eh' Minuten fliehn;
Vorlage S. 696
760
Saft, Kraft und Farbe – alles siehst du weichen,
Vorlage S. 696
761
Was eben noch dem Stauner göttlich schien;
Vorlage S. 696
762
Auftaut und schmilzt es fort mit einemmal,
Vorlage S. 696
763
Wie Schnee des Bergs im Mittagssonnenstrahl.
Vorlage S. 696
764
Drum, unfruchtbare Keuschheit zu verhöhnen,
Vorlage S. 696
765
Drum Nonnen und Vestalen auch zum Torte,
Vorlage S. 696
766
Die Mangel gern an Töchtern und an Söhnen
Vorlage S. 696
767
Ausgössen auf die Erde, die verdorrte: –
Vorlage S. 696
768
Vergeude du! die Lampe, hell von Schein,
Vorlage S. 696
769
Verzehrt ihr Öl, der Welt ihr Licht zu leihn.
Vorlage S. 696
770
Was ist dein Leib, als ein verschlingend Grab
Vorlage S. 696
771
Für alle sie, die durch das Recht der Zeit
Vorlage S. 696
772
Dir die Natur zu deinen Kindern gab,
Vorlage S. 696
773
Zerstörtest du sie nicht in Dunkelheit?
Vorlage S. 696
774
Ist dem also, muss dich die Welt verachten:
Vorlage S. 696
775
Nie so den Stolz die Hoffnung sah sie schlachten.
Vorlage S. 696
776
So in dir selber stirbst du selber nun –
Vorlage S. 696
777
Ein Unheil, schlimmer, als wenn Brüder streiten,
Vorlage S. 696
778
Als wenn Verzweifler sich ein Leides tun,
Vorlage S. 696
779
Als wenn dem Sohn die Eltern Tod bereiten.
Vorlage S. 696
780
Rost frisst den Schatz, den geizig man versteckt,
Vorlage S. 696
781
Doch durch gebrauchtes Gold wird Gold geheckt.«
Vorlage S. 696
782
»Pah«, ruft Adon, »auf's neue singst du eben
Vorlage S. 696
783
Das alte Lied, das längst mich widern muss;
Vorlage S. 696
784
Umsonst der Kuß, den ich dir kaum gegeben!
Vorlage S. 696
785
Umsonst dein Ringen gegen Wind und Fluss!
Vorlage S. 696
786
Denn – seh' die brünst'ge Nacht als Zeugin nieder!
Vorlage S. 696
787
Dein Sprechen erst macht dich mir recht zuwider!
Vorlage S. 696
788
Lieh' dir die Liebe zwanzigtausend Zungen,
Vorlage S. 696
789
Und rührte jede mehr als deine mich,
Vorlage S. 696
790
Wär' jede wie Sirenenlied erklungen:
Vorlage S. 696
791
Nie schlich ein Ton doch mir zum Ohre sich!
Vorlage S. 696
792
Denn jeden falschen Ton ihm fern zu halten,
Vorlage S. 696
793
Siehst du mein Herz als Schirmvogt in ihm walten:
Vorlage S. 696
794
Dass nicht in meiner Brust friedlichen Bann
Vorlage S. 696
795
Die trügerische Harmonie sich stehle,
Vorlage S. 696
796
Und dass mein kleines Herz, vernichtet dann,
Vorlage S. 696
797
Sich ruhlos nicht auf seinem Lager quäle!
Vorlage S. 698
798
Nein, Herrin, nein! mein Herz mag keinen Kummer!
Vorlage S. 698
799
Nun es allein schläft, schläft es festen Schlummer!
Vorlage S. 698
800
Kein Wort von dir, das sich nicht widerlegt!
Vorlage S. 698
801
Breit sind die Pfade zur Gefahr und eben;
Vorlage S. 698
802
Nicht Liebe hass' ich – nur was dich bewegt,
Vorlage S. 698
803
In Liebe jedem Fremden dich zu geben!
Vorlage S. 698
804
Du tust's um Samen? wundersam Entschuld'gen!
Vorlage S. 698
805
Muss kuppelnd so Vernunft der Wollust huld'gen?
Vorlage S. 698
806
O nenn es Liebe nicht! die Lieb' entfloh
Vorlage S. 698
807
Zum Himmel ja, seit Wollust Liebe heißt,
Vorlage S. 698
808
Als Liebe frische Schönheit kostet – roh
Vorlage S. 698
809
Beschimpfend noch, wo gierig sie zerreißt;
Vorlage S. 698
810
Stets nur bedenkend, wie sie schänd' und raube –
Vorlage S. 698
811
Der Raupe gleich, die schwelgt im ersten Laube.
Vorlage S. 698
812
Die Lieb' erquickt, wie Sonnenstrahl nach Wettern;
Vorlage S. 698
813
Die Wollust wirkt, wie Sturm nach Sonnenschein;
Vorlage S. 698
814
Der Liebe Lenz prangt stets in frischen Blättern,
Vorlage S. 698
815
Der Wollust Winter bricht vor Herbst herein.
Vorlage S. 698
816
Die Lieb' hält Maß, die Lust hat nie genug;
Vorlage S. 698
817
Die Lieb' ist Wahrheit ganz, die Lust ganz Lug.
Vorlage S. 698
818
Wohl wüßt' ich mehr, doch weiter nun kein Wort!
Vorlage S. 698
819
Der Text ist alt, der Redner allzu grün.
Vorlage S. 698
820
Darum, in Trauer, will ich jetzo fort,
Vorlage S. 698
821
Scham im Gesicht, im Herzen Zornesglühn.
Vorlage S. 698
822
Mein Ohr, das angehört dein üppig Sprechen,
Vorlage S. 698
823
Verbrennt sich selbst für ein so groß Verbrechen.«
Vorlage S. 698
824
Mit dem aus ihren Armen bricht er los,
Vorlage S. 698
825
Die ihn umspannt bis jetzt mit süßem Drücken,
Vorlage S. 698
826
Rennt heimwärts durch den Wald von ihrem Schoß,
Vorlage S. 698
827
Und lässt bekümmert sie auf ihrem Rücken.
Vorlage S. 698
828
Sieh', wie ein Fallstern niederschießt in Pracht,
Vorlage S. 698
829
Von Venus' Aug' so schießt er in die Nacht.
Vorlage S. 698
830
Sie wirft den Blick ihm nach, wie wer vom Strande
Vorlage S. 698
831
Nachsieht dem Freunde, der sich eingeschifft,
Vorlage S. 698
832
Bis ihn die Flut entrafft, die mit dem Rande,
Vorlage S. 698
833
Dem bäumenden, kampffroh die Wolken trifft:
Vorlage S. 698
834
So barg die Nacht, die schwarze, mitleidsbar
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835
Ihn, der die Weide ihrer Augen war.
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836
Worauf erstaunt, wie wer ein reich Gestein
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837
Plötzlich in's Wasser sich entfallen ließ:
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838
Worauf erschreckt, wie einer, dem im Hain
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839
Ein nächt'ger Windstoß aus die Fackel blies: –
Vorlage S. 698
840
Ganz so verstört hat jetzo sie gelegen,
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841
Des schönsten Funds beraubt auf ihren Wegen.
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842
Und nun schlägt sie ihr Herz, worauf es stöhnt,
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843
Dass jeder Bergriß, der im Walde klafft,
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844
All' ihre Klagen wörtlich widertönt,
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845
Verdoppelnd Leidenschaft auf Leidenschaft.
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»Weh' mir!« ruft sie, und so die Höhlen alle;
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An zwanzigmal nachhallen's zwanzig Halle.
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848
Klagvoll sogleich, da sie den Lärmen hört,
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849
Singt sie ein Stegreiflied, wie alles Trug ist,
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850
Wie Liebe jung' und alte Männer tört,
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851
In Klugheit närrisch, in Verrücktheit klug ist.
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852
Zum Himmel jammernd steigt das Lied empor,
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853
Und so auch stets der Widerhalle Chor.
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Langweilig singt sie länger als die Nacht: –
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855
Ob scheinbar kurz auch, lang der Liebe Stunden!
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856
Was sie entzückt, was ihr Vergnügen macht,
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857
Wird, denkt sie, gern von andern auch empfunden.
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858
All' die Geschichten, die sie zahllos weiß,
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859
Enden, nie fertig, ohne Hörerkreis.
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860
Drum halten auch nur Klänge bei ihr aus,
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861
Schmarotzerhafte, diese Nacht der Klagen;
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862
Schrillstimm'gen Kellnern gleich im Schoppenhaus,
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863
Die so und so schrein nach des Gasts Behagen.
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864
Sie: »So soll's sein!« Die Klänge: »So soll's sein!«
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865
Und riefe »Nein!« sie, riefen alle »Nein!«
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866
Sieh' wie die Lerche nun, in wacher Lust,
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867
Aus feuchtem Nest auf in die Höhe geht,
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868
Weckend den Tag, von dessen Silberbrust
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869
Die Sonn' aufgeht in ihrer Majestät!
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870
Sie, die so prächtig strahlt, dass Zedernspitzen
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871
Und Berge gleich geschliffnem Golde blitzen.
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872
So gibt ihr Venus schönen guten Morgen:
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873
»Du heller Gott, Hort alles Lichts der Welt,
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874
Von dem so Stern als Lampe willig borgen
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875
Den milden Einfluss, welcher sie erhellt:
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Ein Knabe lebt, den eine Ird'sche säugte –
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877
Leih' er dir Licht, wie du bist andrer Leuchte!«
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Drauf eilt sie fort in einen Myrtenhain,
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879
Gedenkt des Morgens vorgerückter Stunden,
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880
Bebt, ohne Nachricht immer noch zu sein,
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881
Und horcht nach seinem Horn und seinen Hunden.
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882
Auf einmal bellt und gellt's in ihre Ruh';
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883
Am Waldsaum hastet auf den Lärm sie zu.
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884
Und wie sie läuft, hält der Busch ihre Hände,
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885
Der ihren Hals, der küsst ihr Angesicht,
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886
Der schlingt sich fest um ihre runde Lende –
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887
Sie aber, wie das melke Reh, durchbricht
Vorlage S. 700
888
Sie alle wild, das, Schmerz in vollen Eutern,
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889
Hinfliegt, sein Kalb zu säugen in den Kräutern.
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890
Jetzt sagt der Ton, die Hunde sind in Not;
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891
Da fährt sie auf, wie einer, den die Otter,
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892
Rund aufgerollt, auf seinem Pfad bedroht:
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893
Wie er sich ängstigt, zeigt dir sein Geschlotter.
Vorlage S. 700
894
So macht der Hunde zagendes Gebell
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895
Bleich und verwirrt die Zagende zur Stell'.
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896
Denn jetzt erkennt sie, welch ein Wild es sei –
Vorlage S. 701
897
Kein schwaches, nein: Bär, Eber, Leu vielleicht!
Vorlage S. 701
898
Weil unverwandt der Hunde bang Geschrei
Vorlage S. 701
899
Von einem Orte nun und nimmer weicht;
Vorlage S. 701
900
So furchtbar zeigt der Feind sich ihrem Hasse,
Vorlage S. 701
901
Dass sie sich streiten, wer zuerst ihn fasse.
Vorlage S. 701
902
Der trübe Ton schallt trüb in ihrem Ohr;
Vorlage S. 701
903
Durch's Ohr ihr Herz dann packt er wild und hart;
Vorlage S. 701
904
Bis jedes Glied – das Herz tat so zuvor! –
Vorlage S. 701
905
Blutlos in Furcht, blaßkalt in Schwäche starrt:
Vorlage S. 701
906
Gleichwie Soldaten, weicht ihr Hauptmann eben,
Vorlage S. 701
907
Selbst schnöde fliehn und preis das Schlachtfeld geben.
Vorlage S. 701
908
So steht sie da in zitternder Verzückung,
Vorlage S. 701
909
Bis ihre Sinne sie ermut'gend weckt,
Vorlage S. 701
910
Und ihnen sagt: »Es ist ja nur Berückung,
Vorlage S. 701
911
Kindischer Irrtum, was euch so erschreckt!
Vorlage S. 701
912
Lasst euer Zittern! wollet furchtlos sein!«
Vorlage S. 701
913
Da, bei dem Wort, kommt das gejagte Schwein.
Vorlage S. 701
914
Sein schäum'ger Mund, rundum von Rot umflossen,
Vorlage S. 701
915
Wie Milch und Blut, die man zusammenmengt,
Vorlage S. 701
916
Hat neue Furcht durch ihr Gebein gegossen,
Vorlage S. 701
917
Die, tollen Muts, ziellos hinaus sie sprengt;
Vorlage S. 701
918
Jetzt läuft sie so, jetzt so, kehrt wieder dann,
Vorlage S. 701
919
Dass sie den Eber Mordes zeihen kann.
Vorlage S. 701
920
Von tausend Grillen auf einmal gefasst,
Vorlage S. 701
921
Nach tausend Seiten irrt und eilt sie nun;
Vorlage S. 701
922
Verzug gesellt sich ihrer Überhast,
Vorlage S. 701
923
Und all ihr Tun ist wie Betrunkner Tun.
Vorlage S. 701
924
Von Angst erfüllt, ist doch sie unbedacht,
Vorlage S. 701
925
Greift alles an, und hat auf nichts doch acht.
Vorlage S. 701
926
Hier einen Hund im Busch sieht sie versteckt: –
Vorlage S. 701
927
Könnt' er von seinem Herrn nur zu ihr reden!
Vorlage S. 701
928
Ein andrer kommt, der seine Wunden leckt –
Vorlage S. 701
929
Das beste Pflaster gegen gift'ge Schäden!
Vorlage S. 702
930
Ein andrer schielt sie an, vorübereilend;
Vorlage S. 702
931
Sie spricht zu ihm, und Antwort gibt er heulend.
Vorlage S. 702
932
Und da er Luft gemacht hat seinem Grimme,
Vorlage S. 702
933
Löst alsobald ein andrer Hangmaul jach
Vorlage S. 702
934
Gegen den Himmel seine dumpfe Stimme;
Vorlage S. 702
935
Ein andrer und ein andrer folgt ihm nach.
Vorlage S. 702
936
Den Boden peitschend mit den stolzen Ruten,
Vorlage S. 702
937
Zerkratzte Ohren schütteln sie und bluten.
Vorlage S. 702
938
Sieh', wie die Leute überkommt ein Grauen
Vorlage S. 702
939
Bei Zeichen, Wundern und derlei Bedräuung;
Vorlage S. 702
940
Sie sehn sie an mit bangen Augenbrauen,
Vorlage S. 702
941
Und nehmen sich die schlimmste Prophezeiung
Vorlage S. 702
942
So sie auch jetzt! Den Atem hält sie an,
Vorlage S. 702
943
Seufzt wieder auf, und ruft dem Tode dann.
Vorlage S. 702
944
»Du Harter, Garst'ger, der des Scheidens Pein
Vorlage S. 702
945
Der Liebe schuf« (dem Tode gilt ihr Schmälen),
Vorlage S. 702
946
»Sargwurm der Erde, was nur fällt dir ein,
Vorlage S. 702
947
Schönheit und Odem gierig dem zu stehlen,
Vorlage S. 702
948
Des Hauch und Schönheit, eh' er sank in's Gral
Vorlage S. 702
949
Der Rose Schimmer, Duft dem Veilchen gab?
Vorlage S. 702
950
O wenn er tot ist – nein, es kann nicht sein,
Vorlage S. 702
951
Dass du ihn sahst und nach ihm warfst den Speer!
Vorlage S. 702
952
Und doch, es kann! blindlings ja schlägst du drein,
Vorlage S. 702
953
Und schickst den Wurfspieß aus aufs Ungefähr!
Vorlage S. 702
954
Dein Ziel das Alter: aber oft, o Schmerz,
Vorlage S. 702
955
Triffst du vorbei in eines Kindes Herz.
Vorlage S. 702
956
Warntest du nur, geredet hätt' er gleich,
Vorlage S. 702
957
Und deine Kraft entkräftet durch sein Sprechen.
Vorlage S. 702
958
Den Fluch der Parzen bringt dir dieser Streich:
Vorlage S. 702
959
Sie heischten Kraut, du gingst 'ne Blume brechen
Vorlage S. 702
960
Für Amors Goldpfeil nur war er geschaffen,
Vorlage S. 702
961
Nicht für ein dunkles Ebenholzgewaffen.
Vorlage S. 702
962
Sag', ob dir Tränen zum Getränk nur taugen,
Vorlage S. 702
963
Sag', ob dich jemals bange Seufzer nährten?
Vorlage S. 702
964
Warum in ew'gen Schlaf warfst du die Augen,
Vorlage S. 702
965
Die alle andern Augen sehen lehrten?
Vorlage S. 702
966
Was kümmert die Natur nun deine Stärke,
Vorlage S. 702
967
Seit du so tatest ihrem schönsten Werke?«
Vorlage S. 702
968
Und jetzo senkt sie, überwältigt schier,
Vorlage S. 702
969
Die Wimpern, wie durch Schleusen zu verstopfen
Vorlage S. 702
970
Die Flut der Tränen, die vom Antlitz ihr
Vorlage S. 702
971
In ihres Busens süße Rinne tropfen;
Vorlage S. 702
972
Doch bald, mit mächt'gem Strom es öffnend wieder,
Vorlage S. 702
973
Durch's Fluttor rauscht der Silberregen nieder.
Vorlage S. 702
974
O wie nun Aug' und Tränen leihn und borgen!
Vorlage S. 702
975
Ihr Aug' in Tränen, Tränen ihr im Aug' –
Vorlage S. 702
976
Kristalle, spiegelnd gegenseit'ge Sorgen,
Vorlage S. 702
977
Die zärtlich trocknet ihrer Seufzer Hauch.
Vorlage S. 702
978
Doch kaum (wie Wind und Guß ein Tag mag einen)
Vorlage S. 702
979
Von Seufzen trocken, netzt sie neues Weinen.
Vorlage S. 702
980
Abwechselnd drängen ihr beständ'ges Weh
Vorlage S. 702
981
Die Leidenschaften; jede will es kleiden;
Vorlage S. 702
982
Sie nimmt sie auf, und jede schafft, dass je
Vorlage S. 702
983
Das gegenwärt'ge scheint das erste Leiden;
Vorlage S. 702
984
Doch keine siegt; vereinigt dann zu schauen
Vorlage S. 702
985
Wie Wolken sind sie, die schlecht Wetterbrauen.
Vorlage S. 702
986
Jetzt ruft: »Hallo!« fernab ein Jägersmann;
Vorlage S. 702
987
Nie klang so süß ein Ammenlied dem Kinde.
Vorlage S. 702
988
Der Hoffnungston tut ihre Furcht in Bann: –
Vorlage S. 702
989
Dass jedes trübe, blut'ge Bild ihr schwinde,
Vorlage S. 702
990
Und dass die Lust neu ihrem Busen kehre,
Vorlage S. 702
991
Schmeichelt er ihr, dass sie Adonis höre.
Vorlage S. 702
992
Worauf, nun ebbend, Perlen gleich in Glas,
Vorlage S. 702
993
In ihrem Aug' die lichten Tropfen stehen;
Vorlage S. 702
994
Nur einer manchmal spritzt die Wang' ihr nass,
Vorlage S. 702
995
Die gleich ihn schmelzt: als sollt' er nicht vergehen,
Vorlage S. 704
996
Zum schmutz'gen Grau des Bodens hingesunken,
Vorlage S. 704
997
Der nur berauscht ist, während sie ertrunken.
Vorlage S. 704
998
Schwergläub'ge Liebe, seltsam muss es scheinen:
Vorlage S. 704
999
Bald zweifelnd, bald zu gläubig sieht man dich!
Vorlage S. 704
1000
Zu weit in Wohl und Wehe geht dein Meinen,
Vorlage S. 704
1001
So Furcht wie Hoffnung macht dich lächerlich.
Vorlage S. 704
1002
Die schmeichelt dir mit dem, was unwahrscheinlich,
Vorlage S. 704
1003
Die mit Wahrscheinlichem wird schnell dir peinlich.
Vorlage S. 704
1004
Nun löst sie auf, was früher sie gewoben;
Vorlage S. 704
1005
Adonis lebt, der Tod ist nicht zu schelten;
Vorlage S. 704
1006
Und schalt sie doch, so kann sie jetzt auch loben,
Vorlage S. 704
1007
Und eilt, durch Ehren reich ihm zu vergelten;
Vorlage S. 704
1008
Nennt Gräberkönig ihn, und Königsgrab:
Vorlage S. 704
1009
Was sterblich ist, beherrscht sein Herrscherstab.
Vorlage S. 704
1010
»Nein«, ruft sie, »süßer Tod, nie zürnt' ich dir!
Vorlage S. 704
1011
Vergib! ich scherzte (und aus Furcht ja bloß!),
Vorlage S. 704
1012
Als ich den Eber traf, das blut'ge Tier,
Vorlage S. 704
1013
Der wild und streng und gänzlich mitleidslos!
Vorlage S. 704
1014
Da, holder Schatten (Wahrheit sei gestanden!)
Vorlage S. 704
1015
Schalt ich: – mein Lieb' glaubt' ich in deinen Banden!
Vorlage S. 704
1016
Ist's meine Schuld? Es war des Ebers Rat;
Vorlage S. 704
1017
An ihm, du finstrer Herrscher, sei gerochen!
Vorlage S. 704
1018
Er ist's, der Schnöde, der dir Unrecht tat!
Vorlage S. 704
1019
Ich folgt' ihm nur, er hat den Schimpf verbrochen!
Vorlage S. 704
1020
Zwei Zungen hat der Gram; nie beide lenkte
Vorlage S. 704
1021
Ein Weib, dem Zeus nicht Witz für Zehne schenkte.«
Vorlage S. 704
1022
So, hoffend, dass Adonis noch am Leben,
Vorlage S. 704
1023
Sucht sie zu heilen die geschlagne Wunde;
Vorlage S. 704
1024
Und, seiner Schönheit mehr Gedeihn zu geben,
Vorlage S. 704
1025
Spricht sie dem Tode listig nach dem Munde;
Vorlage S. 704
1026
Spricht ihm von Säulen, Tempeln, Mausoleen,
Vorlage S. 704
1027
Spricht von Triumphen, Siegen und Trophäen.
Vorlage S. 704
1028
»O Zeus«, ruft sie, »wie war ich torheitsvoll,
Vorlage S. 704
1029
Wie schwach und albern, dessen Tod zu klagen,
Vorlage S. 704
1030
Der lebend ist, und immer leben soll,
Vorlage S. 704
1031
Bis unter sich die Menschheit sich erschlagen!
Vorlage S. 704
1032
Denn mit ihm liegt die Schönheit tot darnieder,
Vorlage S. 704
1033
Und, wenn die starb, kehrt schwarz das Chaos wieder.
Vorlage S. 704
1034
Pfui, Liebe, pfui! Wie einer, der mit Schätzen
Vorlage S. 704
1035
Im Kreis von Dieben weilt, so feig bist du!
Vorlage S. 704
1036
Auch das geringste kann in Furcht dich setzen;
Vorlage S. 704
1037
Was unvernehmbar selbst, nimmt dir die Ruh'!«
Vorlage S. 704
1038
Bei diesem Wort schallt ihr ein Horn zu Ohren;
Vorlage S. 704
1039
Da hüpft sie auf, die eben noch verloren.
Vorlage S. 704
1040
Wie Falken auf ihr Lockspiel, fliegt sie hin:
Vorlage S. 704
1041
Leicht, – keinen Halm im Flug seht ihr sie knicken;
Vorlage S. 704
1042
Bis sie erspäht in ihrem hast'gen Sinn
Vorlage S. 704
1043
Den Sieg des Ebers über ihr Entzücken;
Vorlage S. 704
1044
Worauf, als ob der Anblick es erschlage,
Vorlage S. 704
1045
Ihr Aug' erlischt – ein Stern, beschämt vom Tage.
Vorlage S. 704
1046
Auch wie die Schnecke, traf ihr Fühlhorn man,
Vorlage S. 704
1047
In ihr Gehäuse still zurück sich schmiegt,
Vorlage S. 704
1048
In Schmerz und Nacht lang sich besinnend dann,
Vorlage S. 704
1049
Eh' sie von neuem an das Helle kriecht:
Vorlage S. 704
1050
So in die Höhlen unter ihrer Brau
Vorlage S. 704
1051
Fliehn ihre Augen bei der blut'gen Schau:
Vorlage S. 704
1052
Wo Dienst und Licht sie zur Verfügung stellen
Vorlage S. 704
1053
Dem wirren Hirn, das ihnen unumwunden
Vorlage S. 704
1054
Aufträgt, annoch der Nacht sich zu gesellen,
Vorlage S. 704
1055
Und nicht durch Schaun das Herz mehr zu verwunden;
Vorlage S. 704
1056
Das, wie ein Fürst, der auf dem Throne bebt,
Vorlage S. 704
1057
Auf ihren Antrieb dumpf Gestöhn erhebt:
Vorlage S. 704
1058
Worauf die Schar der Untertanen zittert,
Vorlage S. 704
1059
Wie wenn der Wind aus unterird'schen Höhlen
Vorlage S. 704
1060
Vorbricht, die Erde bis zum Grund erschüttert,
Vorlage S. 704
1061
Und kalte Furcht gießt in der Menschen Seelen.
Vorlage S. 706
1062
Derart packt dieser Aufruhr alle Glieder:
Vorlage S. 706
1063
Hervor auch springen ihre Augen wieder;
Vorlage S. 706
1064
Ach, und erleuchten, gegen ihr Geheiß,
Vorlage S. 706
1065
Die weite Wunde, die das Schwein ergrimmt
Vorlage S. 706
1066
Schlug seiner Seite, deren Lilienweiß
Vorlage S. 706
1067
In seiner Wunde Purpurtränen schwimmt.
Vorlage S. 706
1068
Kein Laub ist nah, kein Blümchen weichgemutet,
Vorlage S. 706
1069
Das nicht sein Blut stahl, und nun mit ihm blutet.
Vorlage S. 706
1070
Wahrnimmt dies ernste Mitgefühl die Arme;
Vorlage S. 706
1071
Auf eine Schulter müde hängt ihr Haupt sie;
Vorlage S. 706
1072
Wild gibt sie hin sich ihrem Liebesharme;
Vorlage S. 706
1073
Er ist nicht tot, er kann nicht sterben, glaubt sie.
Vorlage S. 706
1074
Ihr Mund verstummt, ihr Fuß versagt den Gang,
Vorlage S. 706
1075
Ihr Aug' ist toll, dass es geweint bislang.
Vorlage S. 706
1076
So fest auf seine Wunde nun, die eine,
Vorlage S. 706
1077
Heftet den Blick sie, bis sie dreie schaut;
Vorlage S. 706
1078
Schilt dann ihr metzelnd Auge, das, wo keine
Vorlage S. 706
1079
Sein sollte, zwei noch zu der ersten haut;
Vorlage S. 706
1080
Sein Antlitz zwiefach, doppelt jedes Glied,
Vorlage S. 706
1081
Weil, trübt das Hirn sich, fehl der Blick auch sieht.
Vorlage S. 706
1082
»Nicht find' ich Worte, einen nur zu klagen,
Vorlage S. 706
1083
Und dennoch«, ruft sie, »liegen tot hier zwei!
Vorlage S. 706
1084
Verhaucht mein Seufzen, Tränen auch versagen,
Vorlage S. 706
1085
Mein Aug' ward Feuer, und mein Herz ward Blei.
Vorlage S. 706
1086
Schmilz, Blei der Brust, an Auges glüh'nder Röte,
Vorlage S. 706
1087
Dass heiß Verlangen tröpfelnd so mich töte!
Vorlage S. 706
1088
Welt, was verlorst du! Wo jetzt noch am Leben
Vorlage S. 706
1089
Ein Antlitz, wert, dass Blicke auf ihm ruhn?
Vorlage S. 706
1090
Wer spricht Musik jetzt? Was kannst du erheben
Vorlage S. 706
1091
Wie des Vergangnen, so des Künft'gen nun?
Vorlage S. 706
1092
Süß sind die Blumen, bunt, der Augen Labe –
Vorlage S. 706
1093
Doch echte Schönheit ging mit ihm zu Grabe!
Vorlage S. 706
1094
Dass niemand fürder Hut noch Schleier trage!
Vorlage S. 707
1095
Nicht Wind, nicht Sonne halt' euch je zu Haus!
Vorlage S. 707
1096
Wer Schönheit zu verlieren hat, der zage –
Vorlage S. 707
1097
Euch pfeift der Wind, euch lacht die Sonne aus!
Vorlage S. 707
1098
Als er noch war, da freilich galt es beiden,
Vorlage S. 707
1099
Ihn seiner Schönheit diebisch zu entkleiden!
Vorlage S. 707
1100
Und darum setzt' er auf auch seinen Hut: –
Vorlage S. 707
1101
Gleich kam' die Sonn', ihm untern Rand zu scheinen;
Vorlage S. 707
1102
Der Wind entführt' ihn, spielend mit der Flut
Vorlage S. 707
1103
Der Locken; dann, sahn sie Adonis weinen,
Vorlage S. 707
1104
Aus Mitleid strebten beide um die Wette,
Vorlage S. 707
1105
Wer sein Gesicht zuerst getrocknet hätte.
Vorlage S. 707
1106
Dass er sein Antlitz sehe, barg der Leu
Vorlage S. 707
1107
Sich im Gebüsch, ihn ja nicht zu erschrecken;
Vorlage S. 707
1108
Der Tiger, wenn er sang, ward zahm und scheu,
Vorlage S. 707
1109
Und lauschte seinem Liede durch die Hecken;
Vorlage S. 707
1110
Der Wolf verließ die Beute, wenn er sprach,
Vorlage S. 707
1111
Und ungefährdet blieb das Lamm den Tag.
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1112
Wenn seinen Schatten er im Bache sah,
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1113
Umschwammen ihn mit goldnem Schein die Fische;
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1114
So freuten sich die Vögel, war er nah,
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1115
Dass ein'ge sangen, andre gar ihm frische
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1116
Maulbeeren brachten: – wie er sie ging nähren
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1117
Mit seinem Anblick, so sie ihn mit Beeren.
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1118
Doch dieser Schnöde mit dem borst'gen Bug,
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1119
Der niederblickend immer sucht ein Grab,
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1120
Sah nie die Tracht der Schönheit, die er trug:
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1121
Zeugnis der Willkomm, den er wild ihm gab!
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1122
Kannt' er sein Antlitz – traun, er hätt' ihn küssen
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1123
Und so allein den Ärmsten töten müssen.
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1124
's ist wahr! 's ist wahr! so muss ich ihn betrauern!
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1125
Mit scharfem Speer vorrannt' er auf den Grimmen;
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1126
Der aber gab nicht Antwort mit den Hauern:
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1127
Durch einen Kuß dacht' er ihn umzustimmen,
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1128
Ach, und begrub, täppisch in Liebeswahn,
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1129
In des Geliebten Weiche seinen Zahn.
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1130
Wär' ich gezahnt gewesen gleich dem Schweine:
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1131
Ich selber war's, die küssend ihn erschlug!
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1132
Doch er ist tot, und nie beglückt er meine
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1133
Mit seiner Jugend – so erst recht mein Fluch!«
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1134
Mit dem zu Boden fällt sie, lang gestreckt,
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1135
Dass sein geronnen Blut ihr Antlitz fleckt.
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1136
Sie sieht auf seinen Mund, und der ist blass;
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1137
Sie nimmt ihn bei der Hand, und die ist kalt;
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1138
Sie flüstert in sein Ohr, ich weiß nicht was,
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1139
Als hört' es noch, was ihrer Brust entschallt;
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1140
Hebt seine Augenlider – ach, und sieht,
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1141
In Nacht zwei Lampen, dunkel, ausgeglüht:
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1142
Zwei Spiegel, drin sie selber tausendmal
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1143
Sich selber sah, blind und erloschen jetzt;
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1144
Hin ihre Tugend, hin ihr lichter Strahl,
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1145
All' ihre Schönheit außer Kraft gesetzt.
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1146
»Du Wunder«, spricht sie, »das ist mein Verdruss,
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1147
Dass, nun du tot, der Tag noch hell sein muss.
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1148
Seitdem du tot, ist Leid der Liebe Frucht
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1149
Jetzt und für immer – hör' es mich verkünden!
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1150
Begleitet wird sie sein von Eifersucht,
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1151
Wird süßen Anfang, bittres Ende finden;
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1152
Fallend und steigend, nie auf ebner Höh',
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1153
Wird all ihr Glück nicht gleich sein ihrem Weh.
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1154
Falsch wird sie sein, voll Unbeständigkeit;
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1155
Wird blühn und welken, wie man Atem zieht;
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1156
Ein Gift, mit Süßigkeiten überstreut,
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1157
Durch die das wahrste, schärfste Aug' nicht sieht;
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1158
Den Stärksten allermeist wird sie zum Schwachen,
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1159
Den Weisen stumm, den Toren redend machen.
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1160
Bald zimperlich, bald wieder ausgelassen,
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1161
Wird sie das Alter noch im Takte springen,
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1162
Wird sie den Raufbold fügsam werden lassen,
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1163
Wird Reiche plündern, Armen Schätze bringen;
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1164
Toll wird sie sein, mild dann und albern lind:
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1165
Wer jung, wird alt durch sie; wer alt, ein Kind.
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1166
Wo gar kein Grund ist, wird sie Argwohn hegen,
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1167
Und wo der größte, wird sie blind vertrauen;
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1168
Wird huldvoll sein und wird der Strenge pflegen;
Vorlage S. 708
1169
Wird, Wahrheit heuchelnd, Lug und Tücke brauen;
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1170
Wird Arglist einen mit der Neigung Schein,
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1171
Der Kühnheit Furcht, dem Feigen Mut verleihn.
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1172
Ursache wird sie sein von grausen Kriegen,
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1173
Von wüster Tat, von Sohn- und Vaterzwist;
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1174
Wird dienstbar sein jedwedem Mißvergnügen,
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1175
Wie trockner Brennstoff es dem Feuer ist;
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1176
Nie, seit der Tod mein Lieb mir weggediebt,
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1177
Sei froh der Liebe, wer am besten liebt.«
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1178
Um diese Zeit, gleichwie ein Rauch, zerfloß
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1179
Der tote Knab', und ward nicht mehr entdeckt;
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1180
Und aus dem Blute, das umher stand, schoss
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1181
Auf eine Purpurblume, weiß gefleckt.
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1182
Ganz seinen Wangen glich sie und dem Blute,
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1183
Das rund in Tropfen auf den weißen ruhte.
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1184
Sie neigt ihr Haupt der Neugebornen zu,
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1185
Und meint, sein Odem weh' in ihrem Duft;
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1186
Und sagt: »An meinem Busen wohne du,
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1187
Da mir ihn selber nahm der Herr der Gruft.«
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1188
Sie bricht den Stiel, und in dem Bruche zeigt
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1189
Sich grüner Saft, den Tränen sie vergleicht.
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1190
»Du Arme«, spricht sie, »ja, das war sein Brauch,
Vorlage S. 708
1191
Du eines süßern Vaters süße Tochter:
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1192
Um jeden kleinen Kummer floss sein Aug';
Vorlage S. 708
1193
Nur, wie er war, auf's neue werden mocht' er!
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1194
So möchtest du! Doch welkt sich's eben gut
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1195
An meiner Brust, wie dort in seinem Blut.
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1196
Hier war sein Lager! diese Brust! – Du bist
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1197
Der nächste Erbe, du sollst an ihr liegen!
Vorlage S. 710
1198
Es ist dein Recht! ruh' hier zu jeder Frist!
Vorlage S. 710
1199
Mein pochend Herz soll Tag und Nacht dich wiegen;
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1200
Kein Augenblick in einer Stunde müsse
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1201
Vergehen, dass ich seine Blum' nicht küsse.«
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1202
So, satt der Welt, eilt sie davon, und schirrt
Vorlage S. 710
1203
Die Silbertauben vor den leichten Wagen,
Vorlage S. 710
1204
Durch deren Schnelle sie gezogen wird
Vorlage S. 710
1205
Hin durch den leeren Raum – rasch so getragen
Vorlage S. 710
1206
Nach Paphos' Hain, in dessen Dunkel still
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1207
Und ungesehn sie sich einmauern will.
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Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Er liegt und keucht, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Was bedeutet »alsbald« in diesem Ausschnitt? »Himmlischen Odem seufz' ich dir alsbald, Dass er dich kühle bei der Sonne Glühn.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Wie schwach und albern, dessen Tod zu klagen,« B: »Sein kurzer dicker Hals wird schwer versehrt;« C: »In Liebe richtend, hilft ihr nicht ihr Rechten.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Singt sie ein Stegreiflied, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wie schwach und albern, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Sich selbst besiegend, da sie dich vollendet,«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Sich selbst besiegend, da sie dich vollendet,« und »Wie schwach und albern, dessen Tod zu klagen,«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Schlägt mit den Fersen sein verliebt Umfangen.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Vilia miretur vulgus; mihi flavus Apollo«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Deckt ihr Gesicht; sie zittert bei der Kunde,«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Und ungesehn sie sich einmauern will.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Venus und Adonis

William Shakespeare: Sämtliche Werke in vier Bänden. Band 4, Herausgegeben von Anselm Schlösser. Berlin: Aufbau, 1975. Shakespeare, William 675- Berlin

Das Werk Venus und Adonis von Shakespeare, William ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Englisch

Vollständiger Originaltext in der genannten digitalen Project-Gutenberg-Ausgabe. Die genaue historische Druckvorlage ist nicht im Katalog belegt. Wortlaut, Rechtschreibung und Interpunktion dieser Quelle bleiben erhalten; HTML-Layout wird in Lesetext übertragen. Unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen können abweichende Kapitelteilungen haben. Keine Behauptung einer Erstfassung oder Absatzparität.

Shakespeare, William: Venus and Adonis. Project Gutenberg eBook 1045.

Autorschaft und Ausgabe: Shakespeare, William

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.