Deutsch · Abschnitt 2 von 6
Erster Aufzug
1 Erste Szene
Vorlage S. 792 2 London. Eine Straße.
Vorlage S. 792 3 Gloster tritt auf.
Vorlage S. 792 5 Nun ward der Winter unsers Mißvergnügens
Vorlage S. 792 6 Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks;
Vorlage S. 792 7 Die Wolken all, die unser Haus bedräut,
Vorlage S. 792 8 Sind in des Weltmeers tiefem Schoß begraben.
Vorlage S. 792 9 Nun zieren unsre Brauen Siegeskränze,
Vorlage S. 792 10 Die schart'gen Waffen hängen als Trophä'n;
Vorlage S. 792 11 Aus rauhem Feldlärm wurden muntre Feste,
Vorlage S. 792 12 Aus furchtbar'n Märschen holde Tanzmusiken.
Vorlage S. 792 13 Der grimm'ge Krieg hat seine Stirn entrunzelt,
Vorlage S. 792 14 Und statt zu reiten das geharn'schte Roß,
Vorlage S. 792 15 Um droh'nder Gegner Seelen zu erschrecken,
Vorlage S. 792 16 Hüpft er behend' in einer Dame Zimmer
Vorlage S. 792 17 Nach üppigem Gefallen einer Laute.
Vorlage S. 792 18 Doch ich, zu Possenspielen nicht gemacht,
Vorlage S. 792 19 Noch um zu buhlen mit verliebten Spiegeln;
Vorlage S. 792 20 Ich, roh geprägt, entblößt von Liebesmajestät,
Vorlage S. 792 21 Vor leicht sich dreh'nden Nymphen mich zu brüsten;
Vorlage S. 792 22 Ich, um dies schöne Ebenmaß verkürzt,
Vorlage S. 792 23 Von der Natur um Bildung falsch betrogen,
Vorlage S. 792 24 Entstellt, verwahrlost, vor der Zeit gesandt
Vorlage S. 792 25 In diese Welt des Atmens, halb kaum fertig
Vorlage S. 792 26 Gemacht, und zwar so lahm und ungeziemend,
Vorlage S. 792 27 Dass Hunde bellen, hink' ich wo vorbei;
Vorlage S. 792 28 Ich nun, in dieser schlaffen Friedenszeit,
Vorlage S. 792 29 Weiß keine Lust, die Zeit mir zu vertreiben,
Vorlage S. 792 30 Als meinen Schatten in der Sonne spähn
Vorlage S. 792 31 Und meine eigne Mißgestalt erörtern;
Vorlage S. 793 32 Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Vorlage S. 793 33 Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Vorlage S. 793 34 Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden
Vorlage S. 793 35 Und feind den eitlen Freuden dieser Tage.
Vorlage S. 793 36 Anschläge macht' ich, schlimme Einleitungen,
Vorlage S. 793 37 Durch trunkne Weissagungen, Schriften, Träume,
Vorlage S. 793 38 Um meinen Bruder Clarence und den König
Vorlage S. 793 39 In Todfeindschaft einander zu verhetzen.
Vorlage S. 793 40 Und ist nur König Eduard treu und echt,
Vorlage S. 793 41 Wie ich verschmitzt, falsch und verräterisch,
Vorlage S. 793 42 So muss heut Clarence eng verhaftet werden
Vorlage S. 793 43 Für eine Weissagung, die sagt, dass G
Vorlage S. 793 44 Den Erben Eduards nach dem Leben steh',
Vorlage S. 793 45 Taucht unter, ihr Gedanken! Clarence kommt.
Vorlage S. 793 46 Clarence kommt mit Wache und Brakenbury.
Vorlage S. 793 47 Mein Bruder, guten Tag! Was soll die Wache
Vorlage S. 793 48 Bei Euer Gnaden?
Vorlage S. 793 49 CLARENCE.
Vorlage S. 793 50 Seine Majestät,
Vorlage S. 793 51 Besorgt um meine Sicherheit, verordnet
Vorlage S. 793 52 Mir dies Geleit, mich nach dem Turm zu schaffen.
Vorlage S. 793 54 Aus welchem Grund?
Vorlage S. 793 55 CLARENCE.
Vorlage S. 793 56 Weil man mich George nennt.
Vorlage S. 793 58 Ach, Mylord, das ist Euer Fehler nicht,
Vorlage S. 793 59 Verhaften sollt' er darum Eure Paten.
Vorlage S. 793 60 Oh, vielleicht hat Seine Majestät im Sinn,
Vorlage S. 793 61 Umtaufen Euch zu lassen dort im Turm.
Vorlage S. 793 62 Doch was bedeutet's, Clarence? Darf ich's wissen?
Vorlage S. 793 63 CLARENCE.
Vorlage S. 793 64 Ja, Richard, wann ich's weiß: denn ich beteure,
Vorlage S. 793 65 Noch weiß ich's nicht; nur dies hab' ich gehört,
Vorlage S. 793 66 Er horcht auf Weissagungen und auf Träume,
Vorlage S. 793 67 Streicht aus dem Alphabet den Buchstab G
Vorlage S. 793 68 Und spricht, ein Deuter sagt' ihm, dass durch G
Vorlage S. 793 69 Enterbung über seinen Stamm ergeh';
Vorlage S. 793 70 Und weil mein Name George anfängt mit G,
Vorlage S. 793 71 So denkt er, folgt, dass es durch mich gescheh'.
Vorlage S. 793 72 Dies, wie ich hör', und Grillen, diesen gleich,
Vorlage S. 794 73 Bewogen Seine Hoheit zum Verhaft.
Vorlage S. 794 75 So geht's, wenn Weiber einen Mann regieren,
Vorlage S. 794 76 's ist Eduard nicht, der in den Turm Euch schickt;
Vorlage S. 794 77 Mylady Grey, sein Weib, Clarence, nur sie
Vorlage S. 794 78 Reizt ihn zu diesem harten Äußersten.
Vorlage S. 794 79 War sie es nicht und jener Mann der Ehren,
Vorlage S. 794 80 Ihr guter Bruder, Anton Woodville,
Vorlage S. 794 81 Die in den Turm Lord Hastings schicken ließen,
Vorlage S. 794 82 Von wo er eben heute losgekommen?
Vorlage S. 794 83 Wir sind nicht sicher, Clarence, sind nicht sicher.
Vorlage S. 794 84 CLARENCE.
Vorlage S. 794 85 Beim Himmel, niemand ist es als die Sippschaft
Vorlage S. 794 86 Der Königin und nächtliche Herolde,
Vorlage S. 794 87 Des Königs Botenläufer zu Frau Shore.
Vorlage S. 794 88 Hörtet Ihr nicht, wie sich demütig flehend
Vorlage S. 794 89 Lord Hastings um Befreiung an sie wandte?
Vorlage S. 794 91 Demütig klagend ihrer Göttlichkeit,
Vorlage S. 794 92 Ward der Herr Oberkämmerer befreit.
Vorlage S. 794 93 Hört an, ich denk', es wär' die beste Art,
Vorlage S. 794 94 Wenn wir in Gunst beim König bleiben wollen,
Vorlage S. 794 95 Bei ihr zu dienen und Livrei zu tragen.
Vorlage S. 794 96 Die eifersücht'ge, abgenutzte Witwe
Vorlage S. 794 97 Und jene, seit mein Bruder sie geadelt,
Vorlage S. 794 98 Sind mächtige Gevatterfrau'n im Reich.
Vorlage S. 794 99 BRAKENBURY.
Vorlage S. 794 100 Ich ersuch Eu'r Gnaden beide, zu verzeihn,
Vorlage S. 794 101 Doch Seine Majestät hat streng befohlen,
Vorlage S. 794 102 Dass niemand, welches Standes er auch sei,
Vorlage S. 794 103 Soll sprechen insgeheim mit seinem Bruder.
Vorlage S. 794 104 GLOSTER.
Vorlage S. 794 105 Ja so! Beliebt's Eu'r Edeln, Brakenbury,
Vorlage S. 794 106 So hört nur allem, was wir sagen, zu:
Vorlage S. 794 107 Es ist kein Hochverrat, mein Freund. Wir sagen,
Vorlage S. 794 108 Der König sei so weis' als tugendsam,
Vorlage S. 794 109 Und sein verehrtes Eh'gemahl an Jahren
Vorlage S. 794 110 Ansehnlich, schön und ohne Eifersucht;
Vorlage S. 794 111 Wir sagen, Shores Weib hab' ein hübsches Füßchen,
Vorlage S. 794 112 Ein Kirschenmündchen, Äugelein, und wundersüße Zunge,
Vorlage S. 794 113 Und dass der Kön'gin Sippschaft adlig worden.
Vorlage S. 794 114 Was sagt Ihr, Herr? Ist alles das nicht wahr?
Vorlage S. 794 115 BRAKENBURY.
Vorlage S. 794 116 Mylord, ich bin bei allem dem nichts nutz.
Vorlage S. 795 117 GLOSTER.
Vorlage S. 795 118 Nichtsnutzig bei Frau Shore? Hör' an, Gesell:
Vorlage S. 795 119 Ist wer bei ihr nichtsnutzig als der eine,
Vorlage S. 795 120 Der tät' es besser insgeheim, alleine.
Vorlage S. 795 121 BRAKENBURY.
Vorlage S. 795 122 Als welcher eine, Mylord?
Vorlage S. 795 123 GLOSTER.
Vorlage S. 795 124 Ihr Mann, du Schuft; willst du mich fangen?
Vorlage S. 795 125 BRAKENBURY.
Vorlage S. 795 126 Ich ersuch' Eu'r Gnaden, zu verzeihn, wie auch
Vorlage S. 795 127 Nicht mehr zu sprechen mit dem edlen Herzog.
Vorlage S. 795 128 CLARENCE.
Vorlage S. 795 129 Wir kennen deinen Auftrag, Brakenbury,
Vorlage S. 795 130 Und woll'n gehorchen.
Vorlage S. 795 131 GLOSTER.
Vorlage S. 795 132 Wir sind die Verworfnen
Vorlage S. 795 133 Der Königin und müssen schon gehorchen.
Vorlage S. 795 134 Bruder, lebt wohl! Ich will zum König gehn,
Vorlage S. 795 135 Und wozu irgend Ihr mich brauchen wollt,
Vorlage S. 795 136 Müsst' ich auch Eduards Witwe Schwester nennen,
Vorlage S. 795 137 Ich will's vollbringen, um Euch zu befrein.
Vorlage S. 795 138 Doch diese tiefe Schmach der Brüderschaft
Vorlage S. 795 139 Rührt tiefer mich, als Ihr Euch denken könnt.
Vorlage S. 795 140 CLARENCE.
Vorlage S. 795 141 Ich weiß es, sie gefällt uns beiden nicht.
Vorlage S. 795 142 GLOSTER.
Vorlage S. 795 143 Wohl, Eu'r Verhaft wird nicht von Dauer sein:
Vorlage S. 795 144 Ich mach' Euch frei, sonst lieg' ich selbst für Euch:
Vorlage S. 795 145 Indessen habt Geduld.
Vorlage S. 795 146 CLARENCE.
Vorlage S. 795 147 Ich muss; leb wohl!
Vorlage S. 795 148 Clarence mit Brakenbury und der Wache ab.
Vorlage S. 795 149 GLOSTER.
Vorlage S. 795 150 Geh nur des Wegs, den du nie wiederkehrst,
Vorlage S. 795 151 Einfält'ger Clarence! So sehr lieb' ich dich,
Vorlage S. 795 152 Ich sende bald dem Himmel deine Seele,
Vorlage S. 795 153 Wenn er die Gab' aus unsrer Hand will nehmen.
Vorlage S. 795 154 Doch wer kommt da? Der neubefreite Hastings?
Vorlage S. 795 155 Hastings tritt auf.
Vorlage S. 795 156 HASTINGS.
Vorlage S. 795 157 Vergnügten Morgen meinem gnäd'gen Herrn!
Vorlage S. 795 158 GLOSTER.
Vorlage S. 795 159 Das gleiche meinem lieben Kämmerer!
Vorlage S. 795 160 Seid sehr willkommen in der freien Luft.
Vorlage S. 795 161 Wie fand Eu'r Gnaden sich in den Verhaft?
Vorlage S. 795 162 HASTINGS.
Vorlage S. 795 163 Geduldig, edler Herr, wie man wohl muss;
Vorlage S. 795 164 Doch hoff' ich, denen Dank einst abzustatten,
Vorlage S. 795 165 Die schuld gewesen sind an dem Verhaft.
Vorlage S. 795 166 GLOSTER.
Vorlage S. 795 167 Gewiss, gewiss! und das wird Clarence auch:
Vorlage S. 796 168 Die Eure Feinde waren, sind die seinen
Vorlage S. 796 169 Und haben Gleiches wider ihn vermocht.
Vorlage S. 796 170 HASTINGS.
Vorlage S. 796 171 Ja, leider wird der Adler eingesperrt,
Vorlage S. 796 172 Und Gei'r und Habicht rauben frei indes.
Vorlage S. 796 173 GLOSTER.
Vorlage S. 796 174 Was gibt es Neues draußen?
Vorlage S. 796 175 HASTINGS.
Vorlage S. 796 176 So Schlimmes draußen nichts, als hier zu Haus.
Vorlage S. 796 177 Der Fürst ist kränklich, schwach und melancholisch,
Vorlage S. 796 178 Und seine Ärzte fürchten ungemein.
Vorlage S. 796 179 GLOSTER.
Vorlage S. 796 180 Nun, bei Sankt Paul! die Neuigkeit ist schlimm.
Vorlage S. 796 181 Oh, er hat lange schlecht Diät gehalten
Vorlage S. 796 182 Und seine fürstliche Person verzehrt.
Vorlage S. 796 183 Es ist ein Herzeleid, wenn man's bedenkt.
Vorlage S. 796 184 Sagt, hütet er das Bett?
Vorlage S. 796 185 HASTINGS.
Vorlage S. 796 186 Er tut's.
Vorlage S. 796 187 GLOSTER.
Vorlage S. 796 188 Geht nur voran, ich folge bald Euch nach.
Vorlage S. 796 189 Hastings ab.
Vorlage S. 796 190 Er kann nicht leben, hoff' ich; darf nicht sterben,
Vorlage S. 796 191 Eh' George mit Extrapost gen Himmel fährt.
Vorlage S. 796 192 Ich will hinein und ihn auf Clarence hetzen
Vorlage S. 796 193 Mit wohlgestählten Lügen, trift'gen Gründen;
Vorlage S. 796 194 Und wenn mein tiefer Plan mir nicht mißlingt,
Vorlage S. 796 195 Hat Clarence weiter keinen Tag zu leben.
Vorlage S. 796 196 Dann nehme Gott in Gnaden König Eduard
Vorlage S. 796 197 Und lasse mir die Welt, zu hausen drin.
Vorlage S. 796 198 Denn dann heirat' ich Warwicks jüngste Tochter.
Vorlage S. 796 199 Ermordet' ich schon ihren Mann und Vater,
Vorlage S. 796 200 Der schnellste Weg, der Dirne g'nug zu tun.
Vorlage S. 796 201 Ist, dass ich selber werd' ihr Mann und Vater.
Vorlage S. 796 202 Das will ich denn, aus Liebe nicht sowohl
Vorlage S. 796 203 Als andrer tief versteckter Zwecke halb,
Vorlage S. 796 204 Die diese Heirat mir erreichen muss.
Vorlage S. 796 205 Doch mach' ich noch die Rechnung ohne Wirt;
Vorlage S. 796 206 Nach atmet Clarence, Eduard herrscht und thront:
Vorlage S. 796 207 Sind sie erst hin, dann wird die Müh' belohnt.
Vorlage S. 796 209 Zweite Szene
Vorlage S. 797 211 Eine andre Straße.
Vorlage S. 797 212 König Heinrichs VI, Leiche wird in einem offnen Sarge hereingetragen, Edelleute mit Hellebarden begleiten sie; hierauf Prinzessin Anna als Leidträgerin.
Vorlage S. 797 214 Setzt nieder eure ehrenwerte Last, –
Vorlage S. 797 215 Wofern sich Ehre senkt in einen Sarg, –
Vorlage S. 797 216 Indessen ich zur Leichenfeier klage
Vorlage S. 797 217 Den frühen Fall des frommen Lancaster.
Vorlage S. 797 218 Du eiskalt Bildnis eines heil'gen Königs!
Vorlage S. 797 219 Des Hauses Lancaster erblichne Asche!
Vorlage S. 797 220 Blutloser Rest des königlichen Bluts!
Vorlage S. 797 221 Vergönnt sei's, aufzurufen deinen Geist,
Vorlage S. 797 222 Dass er der armen Anna Jammer höre,
Vorlage S. 797 223 Die Eduards Weib war, deines Sohns, erwürgt
Vorlage S. 797 224 Von jener Hand, die diese Wunden schlug.
Vorlage S. 797 225 In diese Fenster, die sich aufgetan,
Vorlage S. 797 226 Dein Leben zu entlassen, träufl' ich, sieh!
Vorlage S. 797 227 Hülflosen Balsam meiner armen Augen.
Vorlage S. 797 228 Verflucht die Hand, die diese Risse machte!
Vorlage S. 797 229 Verflucht das Herz, das Herz hatt', es zu tun!
Vorlage S. 797 230 Verflucht das Blut, das dieses Blut entließ!
Vorlage S. 797 231 Heilloser Schicksal treffe den Elenden,
Vorlage S. 797 232 Der elend uns gemacht durch deinen Tod,
Vorlage S. 797 233 Als ich kann wünschen Nattern, Spinnen, Kröten
Vorlage S. 797 234 Und allem giftigen Gewürm, das lebt.
Vorlage S. 797 235 Hat er ein Kind je, so sei's mißgeboren,
Vorlage S. 797 236 Verwahrlost und zu früh ans Licht gebracht,
Vorlage S. 797 237 Des greulich unnatürliche Gestalt
Vorlage S. 797 238 Den Blick der hoffnungsvollen Mutter schrecke;
Vorlage S. 797 239 Und das sei Erbe seines Missgeschicks!
Vorlage S. 797 240 Hat er ein Weib je, nun, so möge sie
Vorlage S. 797 241 Sein Tod um vieles noch elender machen
Vorlage S. 797 242 Als mich mein junger Eh'gemahl und du! –
Vorlage S. 797 243 Kommt nun nach Chertsey mit der heil'gen Last,
Vorlage S. 797 244 Die von Sankt Paul wir zur Bestattung holten,
Vorlage S. 797 245 Und immer, wenn ihr müde seid, ruht aus,
Vorlage S. 798 246 Derweil ich klag' um König Heinrichs Leiche.
Vorlage S. 798 247 Die Träger nehmen die Leiche auf und gehen weiter. Gloster tritt auf.
Vorlage S. 798 248 GLOSTER.
Vorlage S. 798 249 Halt! Ihr der Leiche Träger, setzt sie nieder!
Vorlage S. 798 251 Welch schwarzer Zaubrer bannte diesen Bösen
Vorlage S. 798 252 Zur Störung frommer Liebesdienste her?
Vorlage S. 798 253 GLOSTER.
Vorlage S. 798 254 Schurken, die Leiche nieder! Bei Sankt Paul,
Vorlage S. 798 255 Zur Leiche mach' ich den, der nicht gehorcht!
Vorlage S. 798 256 ERSTER EDELMANN.
Vorlage S. 798 257 Mylord, weicht aus und lasst den Sarg vorbei!
Vorlage S. 798 258 GLOSTER.
Vorlage S. 798 259 Schamloser Hund! Steh du, wenn ich's befehle;
Vorlage S. 798 260 Senk' die Hell'barde nicht mir vor die Brust,
Vorlage S. 798 261 Sonst, bei Sankt Paul, streck' ich zu Boden dich
Vorlage S. 798 262 Und trete, Bettler, dich für deine Keckheit.
Vorlage S. 798 263 Die Träger setzen den Sarg nieder.
Vorlage S. 798 265 Wie nun, ihr zittert? Ihr seid all' erschreckt?
Vorlage S. 798 266 Doch ach! Ich tadl' euch nicht: ihr seid ja sterblich,
Vorlage S. 798 267 Und es erträgt kein sterblich Aug' den Teufel. –
Vorlage S. 798 268 Heb' dich hinweg, du grauser Höllenbote!
Vorlage S. 798 269 Du hattest Macht nur über seinen Leib,
Vorlage S. 798 270 Die Seel' erlangst du nicht: drum mach' dich fort!
Vorlage S. 798 271 GLOSTER.
Vorlage S. 798 272 Sei christlich, süße Heil'ge, fluche nicht!
Vorlage S. 798 274 Um Gottes willen, schnöder Teufel, fort!
Vorlage S. 798 275 Und stör' uns ferner nicht! Du machtest ja
Vorlage S. 798 276 Zu deiner Hölle die beglückte Erde,
Vorlage S. 798 277 Erfüllt mit Fluchgeschrei und tiefem Weh.
Vorlage S. 798 278 Wenn deine grimm'gen Taten dich ergötzen,
Vorlage S. 798 279 Sieh diese Probe deiner Metzgerei'n. –
Vorlage S. 798 280 Ihr Herrn, seht, seht! des toten Heinrichs Wunden
Vorlage S. 798 281 Öffnen den starren Mund und bluten frisch. –
Vorlage S. 798 282 Erröte, Klumpe schnöder Mißgestalt!
Vorlage S. 798 283 Denn deine Gegenwart haucht dieses Blut
Vorlage S. 798 284 Aus Adern, kalt und leer, wo kein Blut wohnt;
Vorlage S. 798 285 Ja, deine Tat, unmenschlich, unnatürlich,
Vorlage S. 798 286 Ruft diese Flut hervor, so unnatürlich. –
Vorlage S. 798 287 Du schufst dies Blut, Gott: räche seinen Tod!
Vorlage S. 798 288 Du trinkst es, Erde: räche seinen Tod!
Vorlage S. 799 289 Lass, Himmel, deinen Blitz den Mörder schlagen!
Vorlage S. 799 290 Gähn', Erde, weit und schling' ihn lebend ein,
Vorlage S. 799 291 Wie jetzo dieses guten Königs Blut,
Vorlage S. 799 292 Den sein der Höll' ergebner Arm gewürgt!
Vorlage S. 799 293 GLOSTER.
Vorlage S. 799 294 Herrin, Ihr kennt der Liebe Vorschrift nicht,
Vorlage S. 799 295 Mit Gutem Böses, Fluch mit Segen lohnen.
Vorlage S. 799 297 Bube, du kennst kein göttlich, menschlich Recht;
Vorlage S. 799 298 Das wild'ste Tier kennt doch des Mitleids Regung.
Vorlage S. 799 299 GLOSTER.
Vorlage S. 799 300 Ich kenne keins, und bin daher kein Tier.
Vorlage S. 799 302 O Wunder, wenn ein Teufel Wahrheit spricht!
Vorlage S. 799 303 GLOSTER.
Vorlage S. 799 304 Mehr Wunder, wenn ein Engel zornig ist! –
Vorlage S. 799 305 Geruhe, göttlich Urbild eines Weibes,
Vorlage S. 799 306 Von der vermeinten Schuld mir zu erlauben
Vorlage S. 799 307 Gelegentlich bei dir mich zu befrein.
Vorlage S. 799 309 Geruhe, gift'ger Abschaum eines Manns,
Vorlage S. 799 310 Für die bekannte Schuld mir zu erlauben
Vorlage S. 799 311 Gelegentlich zu fluchen dir Verfluchtem.
Vorlage S. 799 312 GLOSTER.
Vorlage S. 799 313 Du, schöner als ein Mund dich nennen kann!
Vorlage S. 799 314 Verleih' geduld'ge Frist, mich zu entschuld'gen!
Vorlage S. 799 316 Du, schnöder als ein Herz dich denken kann!
Vorlage S. 799 317 Für dich gilt kein Entschuld'gen, als dich hängen.
Vorlage S. 799 318 GLOSTER.
Vorlage S. 799 319 Verzweifelnd so, verklagt' ich ja mich selbst.
Vorlage S. 799 321 Und im Verzweifeln wärest du entschuldigt
Vorlage S. 799 322 Durch Übung würd'ger Rache an dir selbst,
Vorlage S. 799 323 Der du unwürd'gen Mord an andern übtest.
Vorlage S. 799 324 GLOSTER.
Vorlage S. 799 325 Setz', ich erschlug sie nicht.
Vorlage S. 799 327 So wären sie nicht tot;
Vorlage S. 799 328 Doch tot sind sie, und, Höllenknecht, durch dich.
Vorlage S. 799 329 GLOSTER.
Vorlage S. 799 330 Ich schlug nicht Euren Gatten.
Vorlage S. 799 332 Nun wohl, so lebt er noch.
Vorlage S. 799 333 GLOSTER.
Vorlage S. 799 334 Nein, er ist tot, und ihn schlug Eduards Hand.
Vorlage S. 799 336 Du lügst in deinen Hals; Margreta sah
Vorlage S. 799 337 In seinem Blut dein mörd'risch Messer dampfen,
Vorlage S. 799 338 Das du einst wandtest gegen ihre Brust,
Vorlage S. 799 339 Nur deine Brüder schlugen es beiseit.
Vorlage S. 799 340 GLOSTER.
Vorlage S. 799 341 Ich war gereizt von ihrer Lästerzunge,
Vorlage S. 799 342 Die jener Schuld legt' auf mein schuldlos Haupt.
Vorlage S. 799 344 Du warst gereizt von deinem blut'gen Sinn,
Vorlage S. 800 345 Der nie von anderm träumt' als Metzgerei'n.
Vorlage S. 800 346 Hast du nicht diesen König umgebracht?
Vorlage S. 800 347 GLOSTER.
Vorlage S. 800 348 Ich geb' es zu.
Vorlage S. 800 350 Zugibst du's, Igel? Nun, so geb' auch Gott,
Vorlage S. 800 351 Dass du verdammt seist für die böse Tat!
Vorlage S. 800 352 Oh, er war gütig, mild und tugendsam.
Vorlage S. 800 353 GLOSTER.
Vorlage S. 800 354 So taugt er, bei des Himmels Herrn zu wohnen.
Vorlage S. 800 356 Er ist im Himmel, wo du niemals hinkommst.
Vorlage S. 800 357 GLOSTER.
Vorlage S. 800 358 Er danke mir, der ihm dahin verholfen:
Vorlage S. 800 359 Er taugte für den Ort, nicht für die Erde.
Vorlage S. 800 361 Du taugst für keinen Ort als für die Hölle.
Vorlage S. 800 362 GLOSTER.
Vorlage S. 800 363 Ja, einen noch, wenn ich ihn nennen darf.
Vorlage S. 800 365 Ein Kerker.
Vorlage S. 800 366 GLOSTER.
Vorlage S. 800 367 Euer Schlafzimmer.
Vorlage S. 800 369 Verbannt sei Ruh' vom Zimmer, wo du liegst!
Vorlage S. 800 370 GLOSTER.
Vorlage S. 800 371 Das ist sie, Herrin, bis ich bei Euch liege.
Vorlage S. 800 373 Ich hoff' es.
Vorlage S. 800 374 GLOSTER.
Vorlage S. 800 375 Ich weiß es. – Doch, liebe Lady Anna,
Vorlage S. 800 376 Um aus dem raschen Anlauf unsers Witzes
Vorlage S. 800 377 In einen mehr gesetzten Ton zu fallen:
Vorlage S. 800 378 Ist, wer verursacht den zu frühen Tod
Vorlage S. 800 379 Der zwei Plantagenets, Heinrich und Eduard,
Vorlage S. 800 380 So tadelnswert als der Vollzieher nicht?
Vorlage S. 800 382 Du warst die Ursach' und verfluchte Wirkung.
Vorlage S. 800 383 GLOSTER.
Vorlage S. 800 384 Eu'r Reiz allein war Ursach' dieser Wirkung,
Vorlage S. 800 385 Eu'r Reiz, der heim mich sucht' in meinem Schlaf,
Vorlage S. 800 386 Von aller Welt den Tod zu unternehmen
Vorlage S. 800 387 Für eine Stund' an Eurem süßen Busen.
Vorlage S. 800 389 Dächt' ich das, Mörder, diese Nägel sollten
Vorlage S. 800 390 Von meinen Wangen reißen diesen Reiz.
Vorlage S. 800 391 GLOSTER.
Vorlage S. 800 392 Dies Auge kann den Reiz nicht tilgen sehn;
Vorlage S. 800 393 Ihr tätet ihm kein Leid, ständ' ich dabei.
Vorlage S. 800 394 Wie alle Welt sich an der Sonne labt,
Vorlage S. 800 395 So ich an ihm: er ist mein Tag, mein Leben.
Vorlage S. 800 397 Nacht schwärze deinen Tag und Tod dein Leben.
Vorlage S. 800 398 GLOSTER.
Vorlage S. 800 399 Fluch', hold Geschöpf, dir selbst nicht: du bist beides.
Vorlage S. 800 401 Ich wollt', ich wär's, um mich an dir zu rächen.
Vorlage S. 801 402 GLOSTER.
Vorlage S. 801 403 Es ist ein Handel wider die Natur,
Vorlage S. 801 404 Dich rächen an dem Manne, der dich liebt.
Vorlage S. 801 406 Es ist ein Handel nach Vernunft und Recht,
Vorlage S. 801 407 Mich rächen an dem Mörder meines Gatten.
Vorlage S. 801 408 GLOSTER.
Vorlage S. 801 409 Der dich beraubte, Herrin, deines Gatten,
Vorlage S. 801 410 Tat's, dir zu schaffen einen bessern Gatten.
Vorlage S. 801 412 Ein beßrer atmet auf der Erde nicht.
Vorlage S. 801 413 GLOSTER.
Vorlage S. 801 414 Es lebt wer, der Euch besser liebt als er.
Vorlage S. 801 416 Nenn' ihn.
Vorlage S. 801 417 GLOSTER.
Vorlage S. 801 418 Plantagenet.
Vorlage S. 801 420 So hieß ja er.
Vorlage S. 801 421 GLOSTER.
Vorlage S. 801 422 Derselbe Name, doch bei beßrer Art.
Vorlage S. 801 424 Wo ist er?
Vorlage S. 801 425 GLOSTER.
Vorlage S. 801 427 Sie speit nah ihm.
Vorlage S. 801 428 Warum speist du mich an?
Vorlage S. 801 430 Wär' es doch tödlich Gift, um deinethalb!
Vorlage S. 801 431 GLOSTER.
Vorlage S. 801 432 Niemals kam Gift aus solchem süßen Ort.
Vorlage S. 801 434 Niemals hing Gift an einem schnödern Molch.
Vorlage S. 801 435 Aus meinen Augen fort! Du steckst sie an.
Vorlage S. 801 436 GLOSTER.
Vorlage S. 801 437 Dein Auge, Herrin, hat meins angesteckt.
Vorlage S. 801 439 Oh, wär's ein Basilisk, dich tot zu blitzen!
Vorlage S. 801 440 GLOSTER.
Vorlage S. 801 441 Ich wollt' es selbst, so stürb' ich auf einmal,
Vorlage S. 801 442 Denn jetzo gibt es mir lebend'gen Tod.
Vorlage S. 801 443 Dein Aug' erpreßte meinen salze Tränen,
Vorlage S. 801 444 Beschämt' ihr Licht mit kind'scher Tropfen Fülle,
Vorlage S. 801 445 Die Augen, nie benetzt von Mitleids-Tränen:
Vorlage S. 801 446 Nicht als mein Vater York und Eduard weinten
Vorlage S. 801 447 Bei Rutlands bangem Jammer, da sein Schwert
Vorlage S. 801 448 Der schwarze Clifford zückte wider ihn;
Vorlage S. 801 449 Noch als dein tapfrer Vater wie ein Kind
Vorlage S. 801 450 Kläglich erzählte meines Vaters Tod
Vorlage S. 801 451 Und zehnmal innehielt, zu schluchzen, weinen,
Vorlage S. 801 452 Dass, wer dabei stand, nass die Wangen hatte,
Vorlage S. 801 453 Wie Laub im Regen: in der traur'gen Zeit
Vorlage S. 801 454 Verwarf mein männlich Auge niedre Tränen,
Vorlage S. 801 455 Und was dies Leid ihm nicht entsaugen konnte,
Vorlage S. 801 456 Das tat dein Reiz und macht' es blind vom Weinen.
Vorlage S. 802 457 Ich flehte niemals weder Freund noch Feind,
Vorlage S. 802 458 Nie lernte meine Zunge Schmeichel-Worte:
Vorlage S. 802 459 Doch nun dein Reiz mir ist gesetzt zum Preis,
Vorlage S. 802 460 Da fleht mein stolzes Herz und lenkt die Zunge.
Vorlage S. 802 461 Sie sieht ihn verächtlich an.
Vorlage S. 802 462 Nein, lehr' nicht deine Lippen solchen Hohn
Vorlage S. 802 463 Zum Kuß geschaffen, Herrin, sind sie ja.
Vorlage S. 802 464 Kann nicht verzeihn dein rachbegierig Herz,
Vorlage S. 802 465 So biet' ich, sieh! dies scharfgespitzte Schwert;
Vorlage S. 802 466 Birg's, wenn du willst, in dieser treuen Brust
Vorlage S. 802 467 Und lass die Seel' heraus, die dich vergöttert:
Vorlage S. 802 468 Ich lege sie dem Todesstreiche bloß
Vorlage S. 802 469 Und bitt', in Demut knieend, um den Tod.
Vorlage S. 802 470 Er entblößt seine Brust, sie zielt mit dem Degen nach ihm.
Vorlage S. 802 471 Nein, zögre nicht: ich schlug ja König Heinrich,
Vorlage S. 802 472 Doch deine Schönheit reizte mich dazu.
Vorlage S. 802 473 Nur zu! Denn ich erstach den jungen Eduard:
Vorlage S. 802 474 Sie zielt wieder nach seiner Brust.
Vorlage S. 802 475 Jedoch dein himmlisch Antlitz trieb mich an.
Vorlage S. 802 476 Sie läßt den Degen fallen.
Vorlage S. 802 477 Nimm auf den Degen, oder nimm mich auf!
Vorlage S. 802 Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von William Shakespeare — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Martin Droeshout · Public domain Bildquelle ↗ 479 Steh, Heuchler, auf! Wünsch' ich schon deinen Tod,
Vorlage S. 802 480 So will ich doch nicht sein Vollstrecker sein.
Vorlage S. 802 481 GLOSTER.
Vorlage S. 802 482 So heiß' mich selbst mich töten, und ich will's.
Vorlage S. 802 484 Ich tat es schon.
Vorlage S. 802 485 GLOSTER.
Vorlage S. 802 486 Das war in deiner Wut.
Vorlage S. 802 487 Sag's noch einmal, und gleich soll diese Hand,
Vorlage S. 802 488 Die deine Lieb' aus Lieb' erschlug zu dir,
Vorlage S. 802 489 Weit treuere Liebe dir zu Lieb' erschlagen;
Vorlage S. 802 490 Du wirst an beider Tod mitschuldig sein.
Vorlage S. 802 492 Kennt' ich doch nur dein Herz!
Vorlage S. 802 493 GLOSTER.
Vorlage S. 802 494 Auf meiner Zunge wohnt's.
Vorlage S. 802 496 Vielleicht sind beide falsch.
Vorlage S. 802 497 GLOSTER.
Vorlage S. 802 498 Dann meint' es niemand treu.
Vorlage S. 803 500 Nun wohl, steckt ein das Schwert.
Vorlage S. 803 501 GLOSTER.
Vorlage S. 803 502 Gewährst du Frieden mir?
Vorlage S. 803 504 Das sollt Ihr künftig sehn.
Vorlage S. 803 505 GLOSTER.
Vorlage S. 803 506 Darf ich in Hoffnung leben?
Vorlage S. 803 508 Ich hoffe, jeder tut's.
Vorlage S. 803 509 GLOSTER.
Vorlage S. 803 510 Tragt diesen Ring von mir.
Vorlage S. 803 512 Annehmen ist nicht geben.
Vorlage S. 803 513 Sie steckt den Ring an.
Vorlage S. 803 514 GLOSTER.
Vorlage S. 803 515 Sieh, wie der Ring umfasset deinen Finger,
Vorlage S. 803 516 So schließt dein Busen ein mein armes Herz;
Vorlage S. 803 517 Trag' beide, denn sie sind ja beide dein.
Vorlage S. 803 518 Und wenn dein treuster Diener eine Gunst
Vorlage S. 803 519 Erbitten darf von deiner gnäd'gen Hand,
Vorlage S. 803 520 So sicherst du sein Glück ihm zu für immer.
Vorlage S. 803 522 Was ist es?
Vorlage S. 803 523 GLOSTER.
Vorlage S. 803 524 Dass ihr dies traur'ge Werk dem überlasst,
Vorlage S. 803 525 Der größre Ursach' leidzutragen hat,
Vorlage S. 803 526 Und Euch sogleich nach Crosby-Hof begebt;
Vorlage S. 803 527 Wo ich, nachdem ich feierlich bestattet
Vorlage S. 803 528 In Chertsey-Münster diesen edlen König
Vorlage S. 803 529 Und reuevoll sein Grab genetzt mit Tränen,
Vorlage S. 803 530 Mit aller schuld'gen Ehr' Euch will besuchen.
Vorlage S. 803 531 Aus mancherlei geheimen Gründen, bitt' ich.
Vorlage S. 803 532 Gewährt mir dies.
Vorlage S. 803 534 Von ganzem Herzen; und es freut mich sehr,
Vorlage S. 803 535 Zu sehn, dass Ihr so reuig worden seid. –
Vorlage S. 803 536 Tressel und Berkley, kommt, begleitet mich.
Vorlage S. 803 537 GLOSTER.
Vorlage S. 803 538 Sagt mir Lebwohl!
Vorlage S. 803 540 's ist mehr, als Ihr verdient.
Vorlage S. 803 541 Doch weil Ihr Euch zu schmeicheln mich gelehrt,
Vorlage S. 803 542 So denkt, ich sagte schon Euch Lebewohl!
Vorlage S. 803 543 Prinzessin Anna mit zwei Edelleuten ab.
Vorlage S. 803 544 GLOSTER.
Vorlage S. 803 545 Nehmt auf die Leich', ihr Herrn.
Vorlage S. 803 546 ZWEITER EDELMANN.
Vorlage S. 803 547 Nach Chertsey, edler Lord?
Vorlage S. 803 548 GLOSTER.
Vorlage S. 803 549 Nein, zu den Karmelitern; dort erwartet mich.
Vorlage S. 803 550 Der Zug mit der Leiche ab.
Vorlage S. 803 551 Ward je in dieser Laun' ein Weib gefreit?
Vorlage S. 804 552 Ward je in dieser Laun' ein Weib gewonnen?
Vorlage S. 804 553 Ich will sie haben, doch nicht lang' behalten.
Vorlage S. 804 554 Wie? Ich, der Mörder ihres Manns und Vaters,
Vorlage S. 804 555 In ihres Herzens Abscheu sie zu fangen,
Vorlage S. 804 556 Im Munde Flüche, Tränen in den Augen,
Vorlage S. 804 557 Der Zeuge ihres Hasses blutend da;
Vorlage S. 804 558 Gott, ihr Gewissen, all dies wider mich,
Vorlage S. 804 559 Kein Freund, um mein Gesuch zu unterstützen,
Vorlage S. 804 560 Als Heuchlerblicke und der bare Teufel,
Vorlage S. 804 561 Und doch sie zu gewinnen! Alles gegen nichts!
Vorlage S. 804 563 Entfiel so bald ihr jener wackre Prinz,
Vorlage S. 804 564 Eduard, ihr Gatte, den ich vor drei Monden
Vorlage S. 804 565 Zu Tewksbury in meinem Grimm erstach?
Vorlage S. 804 566 Solch einen holden, liebenswürd'gen Herrn,
Vorlage S. 804 567 In der Verschwendung der Natur gebildet,
Vorlage S. 804 568 Jung, tapfer, weis' und sicher königlich,
Vorlage S. 804 569 Hat nicht die weite Welt mehr aufzuweisen:
Vorlage S. 804 570 Und will sie doch ihr Aug' auf mich erniedern,
Vorlage S. 804 571 Der dieses Prinzen goldne Blüte brach
Vorlage S. 804 572 Und sie verwitwet' im betrübten Bett?
Vorlage S. 804 573 Auf mich, der nicht dem halben Eduard gleichkommt?
Vorlage S. 804 574 Auf mich, der hinkt und mißgeschaffen ist?
Vorlage S. 804 575 Mein Herzogtum für einen Bettler-Pfennig,
Vorlage S. 804 576 Ich irre mich in mir die ganze Zeit:
Vorlage S. 804 577 So wahr ich lebe, kann ich's gleich nicht finden,
Vorlage S. 804 578 Sie find't, ich sei ein wunderhübscher Mann.
Vorlage S. 804 579 Ich will auf einen Spiegel was verwenden
Vorlage S. 804 580 Und ein paar Dutzend Schneider unterhalten,
Vorlage S. 804 581 Um Trachten auszusinnen, die mir stehn.
Vorlage S. 804 582 Da ich bei mir in Gunst gekommen bin,
Vorlage S. 804 583 So will ich's auch mich etwas kosten lassen.
Vorlage S. 804 584 Doch schaff' ich den Gesellen erst ins Grab
Vorlage S. 804 585 Und kehre jammernd dann zur Liebsten um.
Vorlage S. 804 586 Komm, holde Sonn', als Spiegel mir zu statten
Vorlage S. 804 587 Und zeige, wenn ich geh', mir meinen Schatten!
Vorlage S. 804 589 Dritte Szene
Vorlage S. 805 590 Ebendaselbst. Ein Zimmer im Palast.
Vorlage S. 805 591 Königin, Elisabeth, Lord Rivers und Lord Grey treten auf.
Vorlage S. 805 593 Seid ruhig, Fürstin: bald wird Seine Majestät
Vorlage S. 805 594 Sich wieder im erwünschten Wohlsein finden.
Vorlage S. 805 596 Es macht ihn schlimmer, dass Ihr's übel tragt:
Vorlage S. 805 597 Um Gottes willen also, seid getrost
Vorlage S. 805 598 Und muntert ihn mit frohen Worten auf.
Vorlage S. 805 599 ELISABETH.
Vorlage S. 805 600 Was würde mir begegnen, wär' er tot?
Vorlage S. 805 602 Kein ander Leid, als solches Herrn Verlust.
Vorlage S. 805 603 ELISABETH.
Vorlage S. 805 604 Solch eines Herrn Verlust schließt jedes ein.
Vorlage S. 805 606 Der Himmel schenkt' Euch einen wackern Sohn,
Vorlage S. 805 607 Wenn er dahin ist, Tröster Euch zu sein.
Vorlage S. 805 608 ELISABETH.
Vorlage S. 805 609 Ach! er ist jung, und bis zur Mündigkeit
Vorlage S. 805 610 Führt über ihn die Sorge Richard Gloster,
Vorlage S. 805 611 Ein Mann, der mich nicht liebt, noch wen von euch.
Vorlage S. 805 613 Ist's ausgemacht, dass er Protektor wird?
Vorlage S. 805 614 ELISABETH.
Vorlage S. 805 615 Es ist beschlossen, noch nicht ausgemacht:
Vorlage S. 805 616 Allein es muss sein, wenn der König abgeht.
Vorlage S. 805 617 Buckingham und Stanley treten auf.
Vorlage S. 805 619 Da sind die Lords von Buckingham und Stanley.
Vorlage S. 805 620 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 805 621 Eu'r königlichen Gnaden Heil und Glück!
Vorlage S. 805 622 STANLEY.
Vorlage S. 805 623 Gott mög' Eu'r Majestät erfreun wie eh'mals!
Vorlage S. 805 624 ELISABETH.
Vorlage S. 805 625 Die Gräfin Richmond, lieber Mylord Stanley,
Vorlage S. 805 626 Sagt auf Eu'r gut Gebet wohl schwerlich Amen.
Vorlage S. 805 627 Doch, Stanley, ob sie Euer Weib schon ist
Vorlage S. 805 628 Und mich nicht liebt, seid, bester Lord, versichert,
Vorlage S. 805 629 Ich hass' Euch nicht um ihren Übermut.
Vorlage S. 805 630 STANLEY.
Vorlage S. 805 631 Meßt, ich ersuch' Euch, keinen Glauben bei
Vorlage S. 805 632 Den Lästerungen ihrer falschen Kläger;
Vorlage S. 805 633 Und würde sie auf gült'gen Grund verklagt,
Vorlage S. 805 634 Tragt ihre Schwäche, die gewiss entsteht
Vorlage S. 805 635 Aus kranken Grillen, nicht bedachter Bosheit.
Vorlage S. 805 636 ELISABETH.
Vorlage S. 805 637 Saht Ihr den König heute, Mylord Stanley?
Vorlage S. 805 638 STANLEY.
Vorlage S. 805 639 Wir kommen, Herzog Buckingham und ich,
Vorlage S. 805 640 Nur eben jetzt von Seiner Majestät.
Vorlage S. 805 641 ELISABETH.
Vorlage S. 805 642 Was ist für Anschein seiner Beßrung, Lords?
Vorlage S. 806 643 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 806 644 Die beste Hoffnung, Eu'r Gemahl spricht munter.
Vorlage S. 806 645 ELISABETH.
Vorlage S. 806 646 Gott geb' ihm Heil! Bespracht Ihr Euch mit ihm?
Vorlage S. 806 647 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 806 648 Ja, gnäd'ge Frau: er wünscht den Herzog Gloster
Vorlage S. 806 649 Mit Euren Brüdern wieder auszusöhnen
Vorlage S. 806 650 Und diese mit dem Oberkämmerer
Vorlage S. 806 651 Und hieß vor Seiner Hoheit sie erscheinen.
Vorlage S. 806 652 ELISABETH.
Vorlage S. 806 653 Wär' alles gut! Doch das wird nimmer sein:
Vorlage S. 806 654 Ich fürchte, unser Glück hat seine Höh'.
Vorlage S. 806 655 Gloster, Hastings und Dorset treten auf.
Vorlage S. 806 656 GLOSTER.
Vorlage S. 806 657 Sie tun mir Unrecht, und ich will's nicht dulden.
Vorlage S. 806 658 Wer sind sie, die beim König sich beklagen,
Vorlage S. 806 659 Ich sei, man denke, hart und lieb' sie nicht?
Vorlage S. 806 660 Beim heil'gen Paul, der liebt ihn obenhin,
Vorlage S. 806 661 Wer so sein Ohr mit Zankgerüchten anfüllt.
Vorlage S. 806 662 Weil ich nicht schmeicheln und beschwatzen kann,
Vorlage S. 806 663 Zulachen, streicheln, hintergehn und kriechen,
Vorlage S. 806 664 Fuchsschwänzend wie ein Franzmann und ein Aff',
Vorlage S. 806 665 So hält man mich für einen häm'schen Feind.
Vorlage S. 806 666 Kann denn ein schlichter Mann nicht harmlos leben,
Vorlage S. 806 667 Dass nicht sein redlich Herz mißhandelt würde
Vorlage S. 806 668 Von seidnen, schlauen, schmeichlerischen Gecken?
Vorlage S. 806 670 Mit wem in diesem Kreis spricht Euer Gnaden?
Vorlage S. 806 671 GLOSTER.
Vorlage S. 806 672 Mit dir, der weder Tugend hat noch Gnade.
Vorlage S. 806 673 Wann kränkt' ich dich? Wann tat ich dir zu nah?
Vorlage S. 806 674 Und dir? Und dir? Wann einem eurer Rotte?
Vorlage S. 806 675 Die Pest euch allen! Unser gnäd'ger Fürst –
Vorlage S. 806 676 Den Gott erhalte besser, als ihr wünscht! –
Vorlage S. 806 677 Kann kaum ein Atemholen ruhig sein,
Vorlage S. 806 678 Dass ihr ihn nicht mit wüsten Klagen stört.
Vorlage S. 806 679 ELISABETH.
Vorlage S. 806 680 Bruder von Gloster, Ihr mißnehmt die Sache.
Vorlage S. 806 681 Der König hat, auf eignen höchsten Antrieb
Vorlage S. 806 682 Und nicht bewogen durch ein fremd Gesuch,
Vorlage S. 806 683 Vielleicht vermutend Euren innern Haß,
Vorlage S. 806 684 Der sich in Eurem äußern Tun verrät,
Vorlage S. 807 685 Auf meine Kinder, Brüder und mich selbst,
Vorlage S. 807 686 Zu Euch gesandt, damit er so erfahre
Vorlage S. 807 687 Die Ursach' Eures Grolls und weg sie schaffe.
Vorlage S. 807 688 GLOSTER.
Vorlage S. 807 689 Ich weiß es nicht, – die Welt ist so verderbt,
Vorlage S. 807 690 Zaunkön'ge hausen, wo's kein Adler wagt.
Vorlage S. 807 691 Seit jeder Hans zum Edelmanne ward,
Vorlage S. 807 692 So wurde mancher edle Mann zum Hans.
Vorlage S. 807 693 ELISABETH.
Vorlage S. 807 694 Schon gut! Man kennt die Meinung, Bruder Gloster:
Vorlage S. 807 695 Ihr neidet mein und meiner Freunde Glück.
Vorlage S. 807 696 Gott gebe, dass wir nie Euch nötig haben!
Vorlage S. 807 697 GLOSTER.
Vorlage S. 807 698 Gott gibt indes, dass wir Euch nötig haben;
Vorlage S. 807 699 Denn unser Bruder ist durch Euch verhaftet,
Vorlage S. 807 700 Ich selbst in Ungnad', und der Adel preis
Vorlage S. 807 701 Der Schmach gegeben, da man hohe Posten
Vorlage S. 807 702 Täglich verleiht, mit Ehren die zu krönen,
Vorlage S. 807 703 Die gestern keine Kron' im Beutel hatten.
Vorlage S. 807 704 ELISABETH.
Vorlage S. 807 705 Bei dem, der mich zu banger Höh' erhob
Vorlage S. 807 706 Von dem zufriednen Los, das ich genoss!
Vorlage S. 807 707 Ich reizte niemals Seine Majestät
Vorlage S. 807 708 Wider den Herzog Clarence, war vielmehr
Vorlage S. 807 709 Ein Anwalt, welcher eifrig für ihn sprach.
Vorlage S. 807 710 Mylord, Ihr tut mir schmählich Unrecht an,
Vorlage S. 807 711 Da Ihr mich falsch in solchen Argwohn bringt.
Vorlage S. 807 712 GLOSTER.
Vorlage S. 807 713 Ihr könnt auch leugnen, dass Ihr Schuld gehabt
Vorlage S. 807 714 An Mylord Hastings neulichem Verhaft.
Vorlage S. 807 716 Sie kann's, Mylord; denn –
Vorlage S. 807 717 GLOSTER.
Vorlage S. 807 718 Sie kann's, Lord Rivers? Ei, wer weiß das nicht?
Vorlage S. 807 719 Sie kann noch mehr als dieses leugnen, Herr:
Vorlage S. 807 720 Sie kann Euch helfen zu manch schönem Posten,
Vorlage S. 807 721 Dann leugnen ihre Hand im Spiel dabei
Vorlage S. 807 722 Und alles nennen des Verdienstes Lohn.
Vorlage S. 807 723 Was kann sie nicht? Sie kann, – ja traun! Sie kann –
Vorlage S. 807 725 Was kann sie, traun?
Vorlage S. 807 726 GLOSTER.
Vorlage S. 807 727 Was kann sie traun? Mit einem König traun,
Vorlage S. 807 728 Und der ein Junggesell, ein hübscher Bursch.
Vorlage S. 807 729 Hat Eure Großmama so gut gefreit?
Vorlage S. 807 730 ELISABETH.
Vorlage S. 807 731 Mylord von Gloster, allzu lang' ertrug ich
Vorlage S. 808 732 Eu'r plumpes Schelten und Eu'r bittres Schmäh'n.
Vorlage S. 808 733 Ich melde Seiner Majestät, beim Himmel,
Vorlage S. 808 734 Den groben Hohn, den ich so oft erlitt.
Vorlage S. 808 735 Ich wäre lieber eine Bauermagd
Vorlage S. 808 736 Als große Königin, mit der Bedingung,
Vorlage S. 808 737 Dass man mich so verachtet und bestürmt.
Vorlage S. 808 738 Ich habe wenig Freud' auf Englands Thron.
Vorlage S. 808 739 Königin Margareta erscheint im Hintergrunde.
Vorlage S. 808 740 MARGARETA.
Vorlage S. 808 741 Das Wen'ge sei verringert, Gott, so fleh' ich!
Vorlage S. 808 742 Denn mir gebührt dein Rang und Ehrensitz.
Vorlage S. 808 743 GLOSTER.
Vorlage S. 808 744 Was? Droht Ihr mir, dem König es zu sagen?
Vorlage S. 808 745 Sagt's ihm und schont nicht; seht, was ich gesagt,
Vorlage S. 808 746 Behaupt' ich in des Königs Gegenwart.
Vorlage S. 808 747 Ich wag' es drauf, in Turm geschickt zu werden.
Vorlage S. 808 748 's ist Redens Zeit: man denkt nicht meiner Dienste.
Vorlage S. 808 749 MARGARETA.
Vorlage S. 808 750 Fort, Teufel! Ihrer denk' ich allzu wohl.
Vorlage S. 808 751 Du brachtest meinen Gatten um im Turm
Vorlage S. 808 752 Und meinen armen Sohn zu Tewksbury.
Vorlage S. 808 753 GLOSTER.
Vorlage S. 808 754 Eh' Ihr den Thron bestiegt und Eu'r Gemahl,
Vorlage S. 808 755 War ich das Packpferd seines großen Werks,
Vorlage S. 808 756 Ausrotter seiner stolzen Widersacher,
Vorlage S. 808 757 Freigebiger Belohner seiner Freunde;
Vorlage S. 808 758 Sein Blut zu fürsten, hab' ich meins vergossen.
Vorlage S. 808 759 MARGARETA.
Vorlage S. 808 760 Ja, und viel beßres Blut als seins und deins.
Vorlage S. 808 761 GLOSTER.
Vorlage S. 808 762 In all der Zeit wart Ihr und Grey, Eu'r Mann,
Vorlage S. 808 763 Parteiisch für das Haus von Lancaster;
Vorlage S. 808 764 Ihr, Rivers, wart es auch. – Fiel Euer Mann
Vorlage S. 808 765 Nicht zu Sankt Albans in Margretas Schlacht?
Vorlage S. 808 766 Erinnern muss ich Euch, wenn Ihr's vergesst,
Vorlage S. 808 767 Was Ihr zuvor gewesen und nun seid;
Vorlage S. 808 768 Zugleich, was ich gewesen und noch bin.
Vorlage S. 808 769 MARGARETA.
Vorlage S. 808 770 Ein mörderischer Schurk', und bist es noch.
Vorlage S. 808 771 GLOSTER.
Vorlage S. 808 772 Verließ nicht Clarence seinen Vater Warwick,
Vorlage S. 808 773 Ja, und brach seinen Eid, – vergeb' ihm Jesus! –
Vorlage S. 808 774 MARGARETA.
Vorlage S. 808 775 Bestraf' ihn Gott!
Vorlage S. 808 776 GLOSTER.
Vorlage S. 808 777 Um neben Eduard für den Thron zu fechten?
Vorlage S. 808 778 Zum Lohn sperrt man den armen Prinzen ein.
Vorlage S. 809 779 Wär' doch mein Herz steinhart wie Eduard seins,
Vorlage S. 809 780 Wo nicht, seins weich und mitleidsvoll wie meins!
Vorlage S. 809 781 Ich bin zu kindisch töricht für der Welt.
Vorlage S. 809 782 MARGARETA.
Vorlage S. 809 783 So fahr' zur Hölle und verlaß die Welt,
Vorlage S. 809 784 Du Kakodämon! Dort ist ja dein Reich.
Vorlage S. 809 786 Mylord von Gloster, in der heißen Zeit,
Vorlage S. 809 787 Woran Ihr mahnt, der Feindschaft uns zu zeihn,
Vorlage S. 809 788 Da hielten wir an unserm Herrn und König,
Vorlage S. 809 789 Wie wir an Euch es täten, wenn Ihr's würdet.
Vorlage S. 809 790 GLOSTER.
Vorlage S. 809 791 Wenn ich es würde? Lieber ein Hausierer!
Vorlage S. 809 792 Fern meinem Herzen sei's, es nur zu denken.
Vorlage S. 809 793 ELISABETH.
Vorlage S. 809 794 So wenig Freude, Mylord, als Ihr denkt,
Vorlage S. 809 795 Dass Ihr genößt als dieses Landes König:
Vorlage S. 809 796 So wenig Freude mögt Ihr denken auch,
Vorlage S. 809 797 Dass ich genieß' als dessen Königin.
Vorlage S. 809 798 MARGARETA.
Vorlage S. 809 799 Ja, wenig Freud' hat dessen Königin:
Vorlage S. 809 800 Ich bin es, und bin gänzlich freudenlos.
Vorlage S. 809 801 Ich kann nicht länger mich geduldig halten. –
Vorlage S. 809 802 Sie tritt vor.
Vorlage S. 809 803 Hört mich, Piraten, die ihr hadernd zankt,
Vorlage S. 809 804 Indem ihr teilt, was ihr geraubt von mir!
Vorlage S. 809 805 Wer von euch zittert nicht, der auf mich schaut?
Vorlage S. 809 806 Beugt euch der Königin als Untertanen,
Vorlage S. 809 807 Sonst bebt vor der Entsetzten als Rebellen! –
Vorlage S. 809 808 Ha, lieber Schurke! Wende dich nicht weg!
Vorlage S. 809 809 GLOSTER.
Vorlage S. 809 810 Was schaffst du, schnöde Hexe, mir vor Augen?
Vorlage S. 809 811 MARGARETA.
Vorlage S. 809 812 Nur Wiederholung des, was du zerstört;
Vorlage S. 809 813 Das will ich schaffen, eh' ich gehn dich lasse.
Vorlage S. 809 814 GLOSTER.
Vorlage S. 809 815 Bist du bei Todesstrafe nicht verbannt?
Vorlage S. 809 816 MARGARETA.
Vorlage S. 809 817 Ich bin's, doch größre Pein find' ich in meinem Bann,
Vorlage S. 809 818 Als mir der Tod kann bringen, weil ich blieb.
Vorlage S. 809 819 Den Gatten und den Sohn bist du mir schuldig, –
Vorlage S. 809 820 Und du das Königreich, – ihr alle Dienstpflicht;
Vorlage S. 809 821 Dies Leiden, das ich habe, kommt euch zu,
Vorlage S. 809 822 Und alle Lust, die ihr euch anmaßt, mir.
Vorlage S. 809 823 GLOSTER.
Vorlage S. 809 824 Der Fluch, den dir mein edler Vater gab,
Vorlage S. 810 825 Als mit Papier die Heldenstirn du kröntest
Vorlage S. 810 826 Und höhnend Bäch' aus seinen Augen zogst
Vorlage S. 810 827 Und reichtest, sie zu trocknen, ihm ein Tuch,
Vorlage S. 810 828 Getaucht ins reine Blut des holden Rutland:
Vorlage S. 810 829 Die Flüch', aus seiner Seele Bitterkeit
Vorlage S. 810 830 Dir da verkündigt, sind auf dich gefallen,
Vorlage S. 810 831 Und Gott, nicht wir, straft deine blut'ge Tat.
Vorlage S. 810 832 ELISABETH.
Vorlage S. 810 833 Ja, so gerecht ist Gott zum Schutz der Unschuld.
Vorlage S. 810 834 HASTINGS.
Vorlage S. 810 835 Oh! 's war die schnödste Tat, das Kind zu morden,
Vorlage S. 810 836 Die unbarmherzigste, die je gehört ward!
Vorlage S. 810 838 Tyrannen weinten, als man sie erzählte.
Vorlage S. 810 840 Kein Mensch war, der nicht Rache prophezeite.
Vorlage S. 810 841 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 810 842 Northumberland, der's ansah, weinte drum.
Vorlage S. 810 843 MARGARETA.
Vorlage S. 810 844 Wie? Fletschtet ihr die Zähne, wie ich kam,
Vorlage S. 810 845 Bereit schon, bei der Gurgel euch zu packen,
Vorlage S. 810 846 Und kehrt ihr nun all euren Haß auf mich?
Vorlage S. 810 847 Galt Yorks ergrimmter Fluch so viel im Himmel,
Vorlage S. 810 848 Dass Heinrichs Tod, des süßen Eduards Tod,
Vorlage S. 810 849 Des Reichs Verlust, mein wehevoller Bann
Vorlage S. 810 850 Genugtut bloß für das verzogne Bübchen?
Vorlage S. 810 851 Dringt denn ein Fluch die Wolken durch zum Himmel?
Vorlage S. 810 852 Wohl, trennt die schweren Wolken, rasche Flüche! –
Vorlage S. 810 853 Wo nicht durch Krieg, durch Prassen sterb eu'r König,
Vorlage S. 810 854 Wie Mord des unsern ihn gemacht zum König!
Vorlage S. 810 855 Eduard, dein Sohn, der jetzo Prinz von Wales,
Vorlage S. 810 856 Statt Eduard, meines Sohns, sonst Prinz von Wales,
Vorlage S. 810 857 Sterb' in der Jugend, vor der Zeit, gewaltsam!
Vorlage S. 810 858 Du, Königin statt meiner, die ich's war,
Vorlage S. 810 859 Gleich mir Elenden überleb' dein Los!
Vorlage S. 810 860 Lang' lebe, deine Kinder zu bejammern!
Vorlage S. 810 861 Sieh eine andre, wie ich jetzo dich,
Vorlage S. 810 862 Gekleidet in dein Recht, wie du in meins!
Vorlage S. 810 863 Lang' sterbe deines Glückes Tag vor dir,
Vorlage S. 810 864 Und nach viel langen Stunden deines Grams
Vorlage S. 810 865 Stirb weder Mutter, Weib, noch Königin!
Vorlage S. 810 866 Rivers und Dorset, ihr saht zu dabei, –
Vorlage S. 810 867 Auch du, Lord Hastings, – als man meinen Sohn
Vorlage S. 810 868 Erstach mit blut'gen Dolchen: Gott, den fleh' ich,
Vorlage S. 811 869 Dass euer keiner sein natürlich Alter
Vorlage S. 811 870 Erreich' und plötzlich werde weggerafft!
Vorlage S. 811 871 GLOSTER.
Vorlage S. 811 872 Schließ' deinen Spruch, verschrumpfte böse Hexe!
Vorlage S. 811 873 MARGARETA.
Vorlage S. 811 874 Und ließ' dich aus? Bleib', Hund, du musst mich hören.
Vorlage S. 811 875 Bewahrt der Himmel eine schwere Plage,
Vorlage S. 811 876 Die übertrifft, was ich dir weiß zu wünschen,
Vorlage S. 811 877 O spar' er sie, bis deine Sündenreif,
Vorlage S. 811 878 Dann schleudr' er seinen Grimm herab auf dich,
Vorlage S. 811 879 Den Friedensstörer dieser armen Welt!
Vorlage S. 811 880 Dich nage rastlos des Gewissens Wurm!
Vorlage S. 811 881 Argwöhne stets die Freunde wie Verräter,
Vorlage S. 811 882 Und Erzverräter acht' als Busenfreunde!
Vorlage S. 811 883 Dein tödlich Auge schließe nie der Schlaf,
Vorlage S. 811 884 Es sei denn, weil ein peinigender Traum
Vorlage S. 811 885 Dich schreckt mit einer Hölle grauser Teufel!
Vorlage S. 811 886 Du Mißgeburt voll Maler! Wühlend Schwein!
Vorlage S. 811 887 Du, der gestempelt ward bei der Geburt,
Vorlage S. 811 888 Der Sklave der Natur, der Hölle Sohn!
Vorlage S. 811 889 Du Schandfleck für der Mutter schweren Schoß!
Vorlage S. 811 890 Du ekler Sprößling aus des Vaters Lenden!
Vorlage S. 811 891 Du Lump der Ehre! Du mein Abscheu –
Vorlage S. 811 892 GLOSTER.
Vorlage S. 811 893 Margareta.
Vorlage S. 811 894 MARGARETA.
Vorlage S. 811 895 Richard!
Vorlage S. 811 896 GLOSTER.
Vorlage S. 811 898 MARGARETA.
Vorlage S. 811 899 Ich rief dich nicht.
Vorlage S. 811 900 GLOSTER.
Vorlage S. 811 901 So bitt' ich um Verzeihung; denn ich dachte,
Vorlage S. 811 902 Du riefst mir all die bittern Namen zu.
Vorlage S. 811 903 MARGARETA.
Vorlage S. 811 904 Das tat ich auch, doch Antwort wollt' ich nicht.
Vorlage S. 811 905 O lass zum Schluss mich bringen meinen Fluch!
Vorlage S. 811 906 GLOSTER.
Vorlage S. 811 907 Ich tat's für dich: er endigt in Margreta.
Vorlage S. 811 908 ELISABETH.
Vorlage S. 811 909 So hat Eu'r Fluch sich auf Euch selbst gewandt.
Vorlage S. 811 910 MARGARETA.
Vorlage S. 811 911 Gemalte Kön'gin! Scheinbild meines Glücks!
Vorlage S. 811 912 Was streust du Zucker auf die bauch'ge Spinne,
Vorlage S. 811 913 Die dich mit tödlichem Geweb' umstrickt?
Vorlage S. 811 914 Törin! Du schärfst ein Messer, das dich würgt;
Vorlage S. 811 915 Es kommt der Tag, wo du herbei mich wünschest
Vorlage S. 812 916 Zum Fluchen auf den giftgeschwollnen Molch.
Vorlage S. 812 917 HASTINGS.
Vorlage S. 812 918 Schließ', Wahnprophetin, deinen tollen Fluch,
Vorlage S. 812 919 Erschöpf' nicht, dir zum Schaden, die Geduld!
Vorlage S. 812 920 MARGARETA.
Vorlage S. 812 921 Schand' über euch! Ihr all' erschöpftet meine.
Vorlage S. 812 923 Beratet Euch und lernet Eure Pflicht.
Vorlage S. 812 924 MARGARETA.
Vorlage S. 812 925 Mich zu beraten, müsst Ihr Pflicht mir leisten.
Vorlage S. 812 926 Lehrt Königin mich sein, Euch Untertanen;
Vorlage S. 812 927 Beratet mich und lernet diese Pflicht.
Vorlage S. 812 929 O streitet nicht mit ihr, sie ist verrückt.
Vorlage S. 812 930 MARGARETA.
Vorlage S. 812 931 Still, Meister Marquis! Ihr seid naseweis,
Vorlage S. 812 932 Eu'r neugeprägter Rang ist kaum in Umlauf.
Vorlage S. 812 933 O dass Eu'r junger Adel fühlen könnte,
Vorlage S. 812 934 Was ihn verlieren heißt und elend sein.
Vorlage S. 812 935 Wer hoch steht, den kann mancher Windstoß treffen,
Vorlage S. 812 936 Und wenn er fällt, so wird er ganz zerschmettert.
Vorlage S. 812 937 GLOSTER.
Vorlage S. 812 938 Traun, guter Rat! Marquis, nehmt ihn zu Herzen.
Vorlage S. 812 940 Er geht Euch an, Mylord, so sehr als mich.
Vorlage S. 812 941 GLOSTER.
Vorlage S. 812 942 Ja, und weit mehr: Doch ich bin hochgeboren;
Vorlage S. 812 943 In Zedernwipfeln nistet unsre Brut
Vorlage S. 812 944 Und tändelt mit dem Wind und trotzt der Sonne.
Vorlage S. 812 945 MARGARETA.
Vorlage S. 812 946 Und hüllt die Sonn' in Schatten, – weh! Ach weh!
Vorlage S. 812 947 Das zeugt mein Sohn, im Todesschatten jetzt;
Vorlage S. 812 948 Des strahlend lichten Schein dein wolk'ger Grimm
Vorlage S. 812 949 Mit ew'ger Finsternis umzogen hat.
Vorlage S. 812 950 In unsrer Jungen Nest baut eure Brut.
Vorlage S. 812 951 O Gott, der du es siehest, duld' es nicht!
Vorlage S. 812 952 Was Blut gewann, sei auch so eingebüßt!
Vorlage S. 812 953 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 812 954 Still, still! aus Scham, wo nicht aus Christenliebe.
Vorlage S. 812 955 MARGARETA.
Vorlage S. 812 Kontextbild zum Werk. Historische Bühnenrezeption von „König Richard III.“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Urheber unbekannt · Public domain Bildquelle ↗ 956 Rückt Christenliebe nicht noch Scham mir vor:
Vorlage S. 812 957 Unchristlich seid ihr mit mir umgegangen,
Vorlage S. 812 958 Und schamlos würgtet ihr mir jede Hoffnung.
Vorlage S. 812 959 Wut ist mein Lieben, Leben meine Schmach;
Vorlage S. 812 960 Stets leb' in meiner Schmach des Leidens Wut!
Vorlage S. 812 961 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 812 962 Hört auf! Hört auf!
Vorlage S. 812 963 MARGARETA.
Vorlage S. 812 964 O Buckingham, ich küsse deine Hand,
Vorlage S. 813 965 Zum Pfand der Freundschaft und des Bunds mit dir.
Vorlage S. 813 966 Dir geh' es wohl und deinem edlen Haus!
Vorlage S. 813 967 Dein Kleid ist nicht befleckt mit unserm Blut,
Vorlage S. 813 968 Und du nicht im Bezirke meines Fluchs.
Vorlage S. 813 969 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 813 970 Auch keiner sonst; nie überschreiten Flüche
Vorlage S. 813 971 Die Lippen des, der in die Luft sie haucht.
Vorlage S. 813 972 MARGARETA.
Vorlage S. 813 973 Ich glaube doch, sie steigen himmelan
Vorlage S. 813 974 Und wecken Gottes sanft entschlafnen Frieden.
Vorlage S. 813 975 O Buckingham, weich' aus dem Hunde dort!
Vorlage S. 813 976 Sieh, wann er schmeichelt, beißt er; wann er beißt,
Vorlage S. 813 977 So macht sein gift'ger Zahn zum Tode wund.
Vorlage S. 813 978 Hab' nichts mit ihm zu schaffen, weich' ihm aus!
Vorlage S. 813 979 Tod, Sünd' und Hölle haben ihn gezeichnet,
Vorlage S. 813 980 Und ihre Diener all umgeben ihn.
Vorlage S. 813 981 GLOSTER.
Vorlage S. 813 982 Was sagt sie da, Mylord von Buckingham?
Vorlage S. 813 983 BUCKINGHAM.
Vorlage S. 813 984 Nichts, das ich achte, mein gewogner Herr.
Vorlage S. 813 985 MARGARETA.
Vorlage S. 813 986 Wie? Höhnst du mich für meinen treuen Rat
Vorlage S. 813 987 Und hegst den Teufel da, vor dem ich warne?
Vorlage S. 813 988 O denke des auf einen andern Tag,
Vorlage S. 813 989 Wenn er dein Herz mit Gram zerreißt, und sage:
Vorlage S. 813 990 Die arme Margareta war Prophetin.
Vorlage S. 813 991 Leb euer jeder, seinem Haß zum Ziel,
Vorlage S. 813 992 Und er dem euren, und ihr alle Gottes!
Vorlage S. 813 994 HASTINGS.
Vorlage S. 813 995 Mir sträubt das Haar sich, fluchen sie zu hören.
Vorlage S. 813 997 Mir auch; es wundert mich, dass man so frei sie lässt.
Vorlage S. 813 998 GLOSTER.
Vorlage S. 813 999 Ich schelte nicht sie, bei der Mutter Gottes!
Vorlage S. 813 1000 Sie hat zu viel gelitten, und mich reut
Vorlage S. 813 1001 Mein Teil daran, was ich ihr angetan.
Vorlage S. 813 1002 ELISABETH.
Vorlage S. 813 1003 Ich tat ihr nie zu nah, soviel ich weiß.
Vorlage S. 813 1004 GLOSTER.
Vorlage S. 813 1005 Doch habt Ihr allen Vorteil ihres Leids.
Vorlage S. 813 1006 Ich war zu hitzig, jemand wohl zu tun,
Vorlage S. 813 1007 Der nun zu kalt ist, mir es zu gedenken.
Vorlage S. 813 1008 Mein' Treu', dem Clarence wird es gut vergolten:
Vorlage S. 813 1009 Man mästet ihn für seine Müh' im Kofen.
Vorlage S. 813 1010 Verzeih' Gott denen, welche schuld dran sind!
Vorlage S. 813 1011 RIVERS.
Vorlage S. 813 1012 Ein tugendhafter, christlicher Beschluß,
Vorlage S. 813 1013 Für die zu beten, die uns Böses tun!
Vorlage S. 813 1014 GLOSTER.
Vorlage S. 813 1015 Das tu' ich immer, weislich so belehrt: –
Vorlage S. 814 1016 Beiseit.
Vorlage S. 814 1017 Denn flucht' ich jetzt, hält' ich mich selbst verflucht.
Vorlage S. 814 1018 Catesby tritt auf.
Vorlage S. 814 1019 CATESBY.
Vorlage S. 814 1020 Fürstin, Euch fodert Seine Majestät; –
Vorlage S. 814 1021 Eu'r Gnaden auch, – und euch, ihr edlen Lords.
Vorlage S. 814 1022 ELISABETH.
Vorlage S. 814 1023 Ich komme, Catesby. – Geht ihr mit mir, Lords?
Vorlage S. 814 1024 RIVERS.
Vorlage S. 814 1025 Wir sind zu Euer Gnaden Dienst.
Vorlage S. 814 1026 Alle ab, außer Gloster.
Vorlage S. 814 1027 GLOSTER.
Vorlage S. 814 1028 Ich tu' das Bös', und schreie selbst zuerst.
Vorlage S. 814 1029 Das Unheil, das ich heimlich angestiftet,
Vorlage S. 814 1030 Leg' ich den andern dann zur schweren Last.
Vorlage S. 814 1031 Clarence, den ich in Finsternis gelegt,
Vorlage S. 814 1032 Bewein' ich gegen manchen blöden Tropf,
Vorlage S. 814 1033 Ich meine Stanley, Hastings, Buckingham,
Vorlage S. 814 1034 Und sage, dass die Kön'gin und ihr Anhang
Vorlage S. 814 1035 Den König wider meinen Bruder reizen.
Vorlage S. 814 1036 Nun glauben sie's und stacheln mich zugleich
Vorlage S. 814 1037 Zur Rache gegen Rivers, Vaughan, Grey;
Vorlage S. 814 1038 Dann seufz' ich, und nach einem Spruch der Bibel
Vorlage S. 814 1039 Sag' ich, Gott heiße Gutes tun für Böses;
Vorlage S. 814 1040 Und so bekleid' ich meine nackte Bosheit
Vorlage S. 814 1041 Mit alten Fetzen, aus der Schrift gestohlen,
Vorlage S. 814 1042 Und schein' ein Heil'ger, wo ich Teufel bin.
Vorlage S. 814 1043 Zwei Mörder kommen.
Vorlage S. 814 1044 Doch still! Da kommen meine Henkersknechte. –
Vorlage S. 814 1045 Nun, meine wackern, tüchtigen Gesellen,
Vorlage S. 814 1046 Geht ihr anjetzt, den Handel abzutun?
Vorlage S. 814 1047 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 814 1048 Ja, gnäd'ger Herr, und kommen um die Vollmacht,
Vorlage S. 814 1049 Damit man uns einlasse, wo er ist.
Vorlage S. 814 1050 GLOSTER.
Vorlage S. 814 1051 Ganz wohl bedacht! Ich habe hier sie bei mir;
Vorlage S. 814 1052 gibt ihnen die Vollmacht
Vorlage S. 814 1053 Wann ihr's vollbracht habt, kommt nach Crosby-Hof.
Vorlage S. 814 1054 Doch seid mir schleunig bei der Ausführung,
Vorlage S. 814 1055 Zugleich verhärtet euch, hört ihn nicht an;
Vorlage S. 814 1056 Denn Clarence ist beredt und kann vielleicht
Vorlage S. 815 1057 Das Herz euch rühren, wenn ihr auf ihn achtet.
Vorlage S. 815 1058 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 815 1059 Pah, gnäd'ger Herr! Wir schwatzen nicht erst lang';
Vorlage S. 815 1060 Wer Worte macht, tut wenig: seid versichert,
Vorlage S. 815 1061 Die Hände brauchen wir und nicht die Zungen.
Vorlage S. 815 1062 GLOSTER.
Vorlage S. 815 1063 Ihr weint Mühlsteine, wie die Narren Tränen;
Vorlage S. 815 1064 Ich hab' euch gerne, Burschen: frisch ans Werk!
Vorlage S. 815 1065 Geht! Geht! Macht zu!
Vorlage S. 815 1066 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 815 1067 Wir wollen's, edler Herr.
Vorlage S. 815 1068 Alle ab.
Vorlage S. 815 1069 Vierte Szene
Vorlage S. 815 1070 Ein Zimmer im Turm.
Vorlage S. 815 1071 Clarence und Brakenbury treten auf.
Vorlage S. 815 1072 BRAKENBURY.
Vorlage S. 815 1073 Wie sieht Eu'r Gnaden heut so traurig aus?
Vorlage S. 815 1074 CLARENCE.
Vorlage S. 815 1075 Oh, ich hatt' eine jämmerliche Nacht,
Vorlage S. 815 1076 Voll banger Träume, scheußlicher Gesichte!
Vorlage S. 815 1077 So wahr als ich ein frommer, gläub'ger Christ,
Vorlage S. 815 1078 Ich brächte nicht noch eine Nacht so zu,
Vorlage S. 815 1079 Gölt' es auch eine Welt beglückter Tage:
Vorlage S. 815 1080 So voll von grausem Schrecken war die Zeit.
Vorlage S. 815 1081 BRAKENBURY.
Vorlage S. 815 1082 Was war Eu'r Traum, Mylord? Ich bitt' Euch, sagt mir.
Vorlage S. 815 1083 CLARENCE.
Vorlage S. 815 1084 Mir deucht', ich war entsprungen aus dem Turm
Vorlage S. 815 1085 Und eingeschifft, hinüber nach Burgund,
Vorlage S. 815 1086 Und mich begleitete mein Bruder Gloster.
Vorlage S. 815 1087 Der lockt' aus der Kajüte mich, zu gehn
Vorlage S. 815 1088 Auf dem Verdeck; von da sahn wir nach England
Vorlage S. 815 1089 Und führten tausend schlimme Zeiten an
Vorlage S. 815 1090 Vom Kriege zwischen York und Lancaster,
Vorlage S. 815 1091 Die uns betroffen. Wie wir schritten so
Vorlage S. 815 1092 Auf des Verdeckes schwindlichtem Getäfel,
Vorlage S. 815 1093 Schien mir's, dass Gloster strauchelt' und im Fallen
Vorlage S. 815 1094 Mich, der ihn halten wollte, über Bord
Vorlage S. 815 1095 In das Gewühl der Meereswogen riss.
Vorlage S. 815 1096 O Gott! Wie qualvoll schien mir's, zu ertrinken!
Vorlage S. 816 1097 Welch grauser Lärm des Wassers mir im Ohr!
Vorlage S. 816 1098 Welch scheußlich Todesschauspiel vor den Augen!
Vorlage S. 816 1099 Mir deucht', ich säh' den Graus von tausend Wracken,
Vorlage S. 816 1100 Säh' tausend Menschen, angenagt von Fischen;
Vorlage S. 816 1101 Goldklumpen, große Anker, Perlenhaufen,
Vorlage S. 816 1102 Stein' ohne Preis, unschätzbare Juwelen,
Vorlage S. 816 1103 Zerstreuet alles auf dem Grund der See.
Vorlage S. 816 1104 In Schädeln lagen ein'ge; in den Höhlen,
Vorlage S. 816 1105 Wo Augen sonst gewohnt, war eingenistet,
Vorlage S. 816 1106 Als wie zum Spotte, blinkendes Gestein,
Vorlage S. 816 1107 Das buhlte mit der Tiefe schlamm'gem Grund
Vorlage S. 816 1108 Und höhnte die Gerippe rings umher.
Vorlage S. 816 1109 BRAKENBURY.
Vorlage S. 816 1110 Ihr hattet Muss' im Augenblick des Todes,
Vorlage S. 816 1111 Der Tiefe Heimlichkeiten auszuspähn?
Vorlage S. 816 1112 CLARENCE.
Vorlage S. 816 1113 Mir deuchte so, und oft strebt' ich, den Geist
Vorlage S. 816 1114 Schon aufzugeben: doch die neid'sche Flut
Vorlage S. 816 1115 Hielt meine Seel' und ließ sie nicht heraus,
Vorlage S. 816 1116 Die weite, leere, freie Luft zu suchen;
Vorlage S. 816 1117 Sie würgte mir sie im beklommnen Leib,
Vorlage S. 816 1118 Der fast zerbarst, sie in die See zu spein.
Vorlage S. 816 1119 BRAKENBURY.
Vorlage S. 816 1120 Erwachtet Ihr nicht von der Todesangst?
Vorlage S. 816 1121 CLARENCE.
Vorlage S. 816 1122 O nein, mein Traum fuhr nach dem Leben fort:
Vorlage S. 816 1123 Oh, da begann erst meiner Seele Sturm!
Vorlage S. 816 1124 Mich setzte über die betrübte Flut
Vorlage S. 816 1125 Der grimme Fährmann, den die Dichter singen,
Vorlage S. 816 1126 In jenes Königreich der ew'gen Nacht.
Vorlage S. 816 1127 Zum ersten grüßte da die fremde Seele
Vorlage S. 816 1128 Mein Schwiegervater, der berühmte Warwick.
Vorlage S. 816 1129 Laut schrie er: »Welche Geißel für Verrat
Vorlage S. 816 1130 Verhängt dies düstre Reich dem falschen Clarence?«
Vorlage S. 816 1131 Und so verschwand er. Dann vorüber schritt
Vorlage S. 816 1132 Ein Schatte wie ein Engel, helles Haar
Vorlage S. 816 1133 Mit Blut besudelt, und er schrie laut auf:
Vorlage S. 816 1134 »Clarence ist da, der eidvergeßne Clarence,
Vorlage S. 816 1135 Der mich im Feld bei Tewksbury erstach!
Vorlage S. 816 1136 Ergreift ihn, Furien! Nehmt ihn auf die Folter!«
Vorlage S. 816 1137 Somit umfing mich eine Legion
Vorlage S. 816 1138 Der argen Feind' und heulte mir ins Ohr
Vorlage S. 817 1139 So gräßliches Geschrei, dass von dem Lärm
Vorlage S. 817 1140 Ich bebend aufwacht' und noch längst nachher
Vorlage S. 817 1141 Nicht anders glaubt', als ich sei in der Hölle:
Vorlage S. 817 1142 So schrecklich eingeprägt war mir der Traum.
Vorlage S. 817 1143 BRAKENBURY.
Vorlage S. 817 1144 Kein Wunder, Herr, dass Ihr Euch drob entsetzt;
Vorlage S. 817 1145 Mir bangt schon, da ich's Euch erzählen höre.
Vorlage S. 817 1146 CLARENCE.
Vorlage S. 817 1147 O Brakenbury, ich tat alles dies,
Vorlage S. 817 1148 Was jetzo wider meine Seele zeugt,
Vorlage S. 817 1149 Um Eduards halb: – und sieh, wie lohnt er's mir!
Vorlage S. 817 1150 O Gott, kann dich mein innig Flehn nicht rühren,
Vorlage S. 817 1151 Und willst du rächen meine Missetaten,
Vorlage S. 817 1152 So übe deinen Grimm an mir allein!
Vorlage S. 817 1153 O schon' mein schuldlos Weib, die armen Kinder! –
Vorlage S. 817 1154 Ich bitt' dich, lieber Wärter, bleib' bei mir:
Vorlage S. 817 1155 Mein Sinn ist trüb', und gerne möcht' ich schlafen.
Vorlage S. 817 1156 BRAKENBURY.
Vorlage S. 817 1157 Ich will's, Mylord; Gott geb' Euch gute Ruh'!
Vorlage S. 817 1158 Clarence setzt sich zum Schlafen in einen Lehnstuhl.
Vorlage S. 817 1159 Leid bricht die Zeiten und der Ruhe Stunden,
Vorlage S. 817 1160 Schafft Nacht zum Morgen und aus Mittag Nacht.
Vorlage S. 817 1161 Nur Titel sind der Prinzen Herrlichkeiten,
Vorlage S. 817 1162 Ein äußrer Glanz für eine innre Last;
Vorlage S. 817 1163 Für ungefühlte Einbildungen fühlen
Vorlage S. 817 1164 Sie eine Welt rastloser Sorgen oft:
Vorlage S. 817 1165 So dass von ihren Titeln niedern Rang
Vorlage S. 817 1166 Nichts unterscheidet als des Ruhmes Klang.
Vorlage S. 817 1167 Die beiden Mörder kommen.
Vorlage S. 817 1168 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 817 1169 He! Wer ist da?
Vorlage S. 817 1170 BRAKENBURY.
Vorlage S. 817 1171 Was willst du, Kerl? Wie bist du hergekommen?
Vorlage S. 817 1172 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 817 1173 Ich will Clarence sprechen, und ich bin auf meinen Beinen hergekommen.
Vorlage S. 817 1174 BRAKENBURY.
Vorlage S. 817 1175 Wie? So kurz ab?
Vorlage S. 817 1176 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 817 1177 O Herr, besser kurz ab als langweilig. –
Vorlage S. 817 1178 Zeige ihm unsern Auftrag, lass dich nicht weiter ein.
Vorlage S. 817 1179 Die überreichen dem Brakenbury ein Papier, welches er liest.
Vorlage S. 817 1180 BRAKENBURY.
Vorlage S. 817 1181 Ich werde hier befehligt, euren Händen
Vorlage S. 818 1182 Den edlen Herzog Clarence auszuliefern.
Vorlage S. 818 1183 Ich will nicht grübeln, was hiemit gemeint ist,
Vorlage S. 818 1184 Denn ich will schuldlos an der Meinung sein.
Vorlage S. 818 1185 Hier sind die Schlüssel, dorten schläft der Herzog.
Vorlage S. 818 1186 Ich will zum König, um ihm kund zu tun,
Vorlage S. 818 1187 Dass ich mein Amt so an euch abgetreten.
Vorlage S. 818 1188 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1189 Das mögt Ihr, Herr; es wird weislich getan sein. Gehabt euch wohl!
Vorlage S. 818 1190 Brakenbury ab.
Vorlage S. 818 1191 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1192 Wie? Sollen wir ihn so im Schlaf erstechen?
Vorlage S. 818 1193 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1194 Nein, er wird sagen, das war feige von uns, wenn er aufwacht.
Vorlage S. 818 1195 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1196 Wenn er aufwacht! Ei, Narr, er wacht gar nicht wieder auf bis zum großen Gerichtstag.
Vorlage S. 818 1197 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1198 Ja, dann wird er sagen, wir haben ihn im Schlaf erstochen.
Vorlage S. 818 1199 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1200 Die Erwähnung des Wortes Gerichtstag hat eine Art Gewissensbiß in mir erregt.
Vorlage S. 818 1201 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1202 Was? Du fürchtest dich?
Vorlage S. 818 1203 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1204 Nicht ihn umzubringen, dazu hab' ich ja die Vollmacht; aber verdammt dafür zu werden, wovor mich keine Vollmacht schützen kann.
Vorlage S. 818 1205 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1206 Ich dachte, du wärst entschlossen.
Vorlage S. 818 1207 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1208 Das bin ich auch, ihn leben zu lassen.
Vorlage S. 818 1209 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1210 Ich gehe wieder zum Herzog von Gloster und sage es ihm.
Vorlage S. 818 1211 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1212 Nicht doch, ich bitte dich, wart' ein Weilchen. Ich hoffe, diese fromme Laune soll übergehn: sie pflegt bei mir nicht länger anzuhalten, als derweil man etwa zwanzig zählt.
Vorlage S. 818 1213 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1214 Wie ist dir jetzt zumute?
Vorlage S. 818 1215 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1216 Mein' Treu', es steckt immer noch ein gewisser Bodensatz von Gewissen in mir.
Vorlage S. 818 1217 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1218 Denk' an unsern Lohn, wenn's getan ist.
Vorlage S. 818 1219 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1220 Recht! Er ist des Todes. Den Lohn hatt' ich vergessen.
Vorlage S. 818 1221 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 818 1222 Wo ist dein Gewissen nun?
Vorlage S. 819 1223 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1224 Im Beutel des Herzogs von Gloster.
Vorlage S. 819 1225 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1226 Wenn er also seinen Beutel aufmacht, uns den Lohn zu zahlen, so fliegt dein Gewissen heraus.
Vorlage S. 819 1227 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1228 Es tut nichts, lass es laufen; es mag's ja doch beinahe kein Mensch hegen.
Vorlage S. 819 1229 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1230 Wie aber, wenn sich's wieder bei dir einstellt?
Vorlage S. 819 1231 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1232 Ich will nichts damit zu schaffen haben, es ist ein gefährlich Ding, es macht einen zur Memme. Man kann nicht stehlen, ohne dass es einen anklagt; man kann nicht schwören, ohne dass es einen zum Stocken bringt; man kann nicht bei seines Nachbars Frau liegen, ohne dass es einen verrät. 's ist ein verschämter, blöder Geist, der einem im Busen Aufruhr stiftet; es macht einen voller Schwierigkeiten; es hat mich einmal dahin gebracht, einen Beutel voll Gold wieder herzugeben, den ich von ungefähr gefunden hatte; es macht jeden zum Bettler, der es hegt; es wird aus Städten und Flecken vertrieben als ein gefährlich Ding, und jedermann, der gut zu leben denkt, verlässt sich auf sich selbst und lebt ohne Gewissen.
Vorlage S. 819 1233 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1234 Sapperment, es sitzt mir eben jetzt im Nacken und will mich überreden, den Herzog nicht umzubringen.
Vorlage S. 819 1235 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1236 Halt' den Teufel fest im Gemüt und glaub' ihm nicht: es will sich nur bei dir eindrängen, um dir Seufzer abzuzwingen.
Vorlage S. 819 1237 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1238 Ich hab' 'ne starke Natur, es kann mir nichts anhaben.
Vorlage S. 819 1239 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1240 Das heißt gesprochen wie ein tüchtiger Kerl, der seinen guten Namen wert hält. Komm, wollen wir ans Werk gehn?
Vorlage S. 819 1241 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1242 Gib ihm eins mit dem Degengriff übern Hirnkasten, und dann schmeiß' ihn in das Malvasierfaß im nächsten Zimmer.
Vorlage S. 819 1243 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1244 O herrlich ausgedacht! Und mache ihn so zur Tunke.
Vorlage S. 819 1245 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1246 Still! Er wacht auf.
Vorlage S. 819 1247 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1248 Schlag' zu!
Vorlage S. 819 1249 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 819 1250 Nein, lass uns erst mit ihm reden.
Vorlage S. 820 1251 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1252 Wo bist du, Wärter? Einen Becher Weins!
Vorlage S. 820 1253 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1254 Ihr sollt Wein genug haben, Herr, im Augenblick.
Vorlage S. 820 1255 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1256 Im Namen Gottes, wer bist du?
Vorlage S. 820 1257 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1258 Ein Mensch, wie Ihr seid.
Vorlage S. 820 1259 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1260 Doch nicht, wie ich bin, königlich.
Vorlage S. 820 1261 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1262 Noch Ihr, wie wir sind, bürgerlich.
Vorlage S. 820 1263 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1264 Dein Ruf ist Donner, doch dein Blick voll Demut.
Vorlage S. 820 1265 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1266 Des Königs ist mein Ruf, mein Blick mein eigen.
Vorlage S. 820 1267 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1268 Wie dunkel und wie tödlich sprichst du doch!
Vorlage S. 820 1269 Eu'r Auge droht mir: warum seht ihr bleich?
Vorlage S. 820 1270 Wer hat euch hergesandt? Weswegen kommt ihr?
Vorlage S. 820 1272 Um, um, um –
Vorlage S. 820 1273 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1274 Mich zu ermorden?
Vorlage S. 820 1276 Ja, ja.
Vorlage S. 820 1277 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1278 Ihr habt, mir das zu sagen, kaum das Herz
Vorlage S. 820 1279 Und könnt drum, es zu tun, das Herz nicht haben.
Vorlage S. 820 1280 Was, meine Freunde, tat ich euch zu nah?
Vorlage S. 820 1281 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1282 Dem König tatet Ihr zu nah, nicht uns.
Vorlage S. 820 1283 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1284 Ich söhne mich noch wieder aus mit ihm.
Vorlage S. 820 1285 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1286 Niemals, Mylord, drum schickt Euch an zum Tod.
Vorlage S. 820 1287 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1288 Erlas man euch aus einer Welt von Menschen
Vorlage S. 820 1289 Zum Mord der Unschuld? Was ist mein Vergeh'n?
Vorlage S. 820 1290 Wo ist das Zeugnis, welches mich verklagt?
Vorlage S. 820 1291 Was für Geschworne reichten ihr Gutachten
Vorlage S. 820 1292 Dem finstern Richter ein? Den bittern Spruch,
Vorlage S. 820 1293 Wer fällt' ihn zu des armen Clarence Tod?
Vorlage S. 820 1294 Eh' mich der Lauf des Rechtes überführt,
Vorlage S. 820 1295 Ist, mir den Tod zu drohn, höchst widerrechtlich
Vorlage S. 820 1296 Ich sag' euch, wo ihr hofft auf die Erlösung
Vorlage S. 820 1297 Durch Christi teures Blut, für uns vergossen:
Vorlage S. 820 1298 Begebt euch weg und legt nicht Hand an mich!
Vorlage S. 820 1299 Die Tat, die ihr im Sinn habt, ist verdammlich.
Vorlage S. 820 1300 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1301 Was wir tun wollen, tun wir auf Befehl.
Vorlage S. 820 1302 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 820 1303 Und er, der so befahl, ist unser König.
Vorlage S. 820 1304 CLARENCE.
Vorlage S. 820 1305 Mißleiteter Vasall! Der große König
Vorlage S. 821 1306 Der Kön'ge spricht in des Gesetzes Tafel:
Vorlage S. 821 1307 »Du sollst nicht töten.« Willst du sein Gebot
Vorlage S. 821 1308 Denn höhnen und ein menschliches vollbringen?
Vorlage S. 821 1309 Gib acht! Er hält die Rach' in seiner Hand
Vorlage S. 821 1310 Und schleudert sie aufs Haupt der Übertreter.
Vorlage S. 821 1311 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1312 Und selb'ge Rache schleudert er auf dich
Vorlage S. 821 1313 Für falschen Meineid und für Mord zugleich.
Vorlage S. 821 1314 Du nahmst das Sakrament darauf, zu fechten
Vorlage S. 821 1315 Im Streite für das Haus von Lancaster.
Vorlage S. 821 1316 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1317 Und als Verräter an dem Namen Gottes
Vorlage S. 821 1318 Brachst du den Eid, und dein verrät'risch Eisen
Vorlage S. 821 1319 Riss auf den Leib dem Sohne deines Herrn.
Vorlage S. 821 1320 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1321 Dem du geschworen hattest Lieb' und Schutz.
Vorlage S. 821 1322 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1323 Wie hältst du Gottes furchtbar Wort uns vor,
Vorlage S. 821 1324 Das du gebrochen in so hohem Maß?
Vorlage S. 821 1325 CLARENCE.
Vorlage S. 821 1326 Ach! Wem zu lieb tat ich die üble Tat?
Vorlage S. 821 1327 Für Eduard, meinen Bruder, ihm zu lieb.
Vorlage S. 821 1328 Er schickt euch nicht, um dafür mich zu morden;
Vorlage S. 821 1329 Denn diese Schuld drückt ihn so schwer wie mich.
Vorlage S. 821 1330 Wenn Gott gerochen sein will für die Tat,
Vorlage S. 821 1331 O dennoch wisst, er tut es öffentlich:
Vorlage S. 821 1332 Nehmt nicht die Sach' aus seinem mächt'gen Arm;
Vorlage S. 821 1333 Er braucht nicht krumme, unrechtmäß'ge Wege,
Vorlage S. 821 1334 Um die, so ihn beleidigt, wegzuräumen.
Vorlage S. 821 1335 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1336 Was machte dich zum blut'gen Diener denn,
Vorlage S. 821 1337 Als, hold erwachsend, jener Fürstensproß,
Vorlage S. 821 1338 Plantagenet, von dir erschlagen ward?
Vorlage S. 821 1339 CLARENCE.
Vorlage S. 821 1340 Die Bruderliebe, Satan und mein Grimm.
Vorlage S. 821 1341 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1342 Dein Bruder, unsre Pflicht und dein Vergeh'n
Vorlage S. 821 1343 Berufen jetzt uns her, dich zu erwürgen.
Vorlage S. 821 1344 CLARENCE.
Vorlage S. 821 1345 Ist euch mein Bruder lieb, so haßt mich nicht:
Vorlage S. 821 1346 Ich bin sein Bruder, und ich lieb' ihn treu.
Vorlage S. 821 1347 Seid ihr um Lohn gedungen, so kehrt um,
Vorlage S. 821 1348 Und wendet euch an meinen Bruder Gloster;
Vorlage S. 821 1349 Der wird euch besser lohnen für mein Leben,
Vorlage S. 821 1350 Als Eduard für die Zeitung meines Todes.
Vorlage S. 821 1351 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 821 1352 Ihr irrt Euch sehr, Eu'r Bruder Gloster haßt Euch.
Vorlage S. 822 1353 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1354 O nein! Er liebt mich, und er hält mich wert.
Vorlage S. 822 1355 Geht nur von mir zu ihm!
Vorlage S. 822 1357 Das woll'n wir auch.
Vorlage S. 822 1358 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1359 Sagt ihm, als unser edler Vater York
Vorlage S. 822 1360 Uns drei gesegnet mit siegreichem Arm
Vorlage S. 822 1361 Und herzlich uns beschworen, uns zu lieben,
Vorlage S. 822 1362 Gedacht' er wenig der getrennten Freundschaft.
Vorlage S. 822 1363 Mahnt Glostern daran nur, und er wird weinen.
Vorlage S. 822 1364 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1365 Mühlsteine, ja, wie er uns weinen lehrte.
Vorlage S. 822 1366 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1367 O nein! verleumd' ihn nicht, denn er ist mild.
Vorlage S. 822 1368 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1370 Wie Schnee der Frucht. – Geht, Ihr betrügt Euch selbst:
Vorlage S. 822 1371 Er ist's, der uns gesandt, Euch zu vertilgen.
Vorlage S. 822 1372 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1373 Es kann nicht sein: er weinte um mein Unglück,
Vorlage S. 822 1374 Schloß in die Arme mich und schwor mit Schluchzen,
Vorlage S. 822 1375 Mir eifrig meine Freiheit auszuwirken.
Vorlage S. 822 1376 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1377 Das tut er ja, da aus der Erde Knechtschaft
Vorlage S. 822 1378 Er zu des Himmels Freuden Euch erlöst.
Vorlage S. 822 1379 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1380 Herr, söhnt Euch aus mit Gott, denn Ihr müsst sterben.
Vorlage S. 822 1381 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1382 Hast du die heil'ge Regung in der Seele,
Vorlage S. 822 1383 Dass du mit Gott mich auszusöhnen mahnst,
Vorlage S. 822 1384 Und bist der eignen Seele doch so blind,
Vorlage S. 822 1385 Dass du, mich mordend, Gott bekriegen willst?
Vorlage S. 822 1386 Ach Leute! denkt, dass, der euch angestiftet,
Vorlage S. 822 1387 Die Tat zu tun, euch um die Tat wird hassen.
Vorlage S. 822 1388 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1389 Was soll'n wir tun?
Vorlage S. 822 1390 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1391 Bereut und schafft eu'r Heil!
Vorlage S. 822 1392 Wer von euch, wär' er eines Fürsten Sohn,
Vorlage S. 822 1393 Vermauert von der Freiheit, wie ich jetzt,
Vorlage S. 822 1394 Wofern zwei solche Mörder zu ihm kämen,
Vorlage S. 822 1395 Bät' um sein Leben nicht? So wie ihr bätet,
Vorlage S. 822 1396 Wär't ihr in meiner Not, –
Vorlage S. 822 1397 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 822 1398 Bereun? Das wäre memmenhaft und weibisch.
Vorlage S. 822 1399 CLARENCE.
Vorlage S. 822 1400 Nicht zu bereun ist viehisch, wild und teuflisch.
Vorlage S. 823 1401 Mein Freund, ich spähe Mitleid dir im Blick:
Vorlage S. 823 1402 Wofern dein Auge nicht ein Schmeichler ist,
Vorlage S. 823 1403 So tritt auf meine Seit' und bitt' für mich.
Vorlage S. 823 1404 Rührt jeden Bettler nicht ein Prinz, der bittet?
Vorlage S. 823 1405 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 823 1406 Seht hinter Euch, Mylord.
Vorlage S. 823 1407 ERSTER MÖRDER
Vorlage S. 823 1408 ersticht ihn.
Vorlage S. 823 1409 Nehmt das und das; reicht alles noch nicht hin,
Vorlage S. 823 1410 So tauch'ich Euch ins Malvasierfaß draußen.
Vorlage S. 823 1411 Mit der Leiche ab.
Vorlage S. 823 1412 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 823 1413 O blut'ge Tat, verzweiflungsvoll verübt!
Vorlage S. 823 1414 Gern, wie Pilatus, wüsch' ich meine Hände
Vorlage S. 823 1415 Von diesem höchst verruchten sünd'gen Mord.
Vorlage S. 823 1416 Der erste Mörder kommt zurück.
Vorlage S. 823 1417 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 823 1418 Wie nun? Was denkst du, dass du mir nicht hilfst?
Vorlage S. 823 1419 Bei Gott, der Herzog soll dein Zögern wissen.
Vorlage S. 823 1420 ZWEITER MÖRDER.
Vorlage S. 823 1421 Wüßt' er, dass ich gerettet seinen Bruder!
Vorlage S. 823 1422 Nimm du den Lohn und meld' ihm, was ich sage;
Vorlage S. 823 1423 Denn mich gereut am Herzog dieser Mord.
Vorlage S. 823 1425 ERSTER MÖRDER.
Vorlage S. 823 1426 Nicht ich; geh, feige Memme, die du bist! –
Vorlage S. 823 1427 Ich will in einem Loch die Leiche bergen,
Vorlage S. 823 1428 Bis dass der Herzog sie begraben lässt;
Vorlage S. 823 1429 Und hab' ich meinen Sold, so will ich fort:
Vorlage S. 823 1430 Dies kommt heraus, drum meid' ich diesen Ort.
Vorlage S. 823