Deutsch · Abschnitt 2 von 6
Erster Aufzug
1 Erste Szene
Vorlage S. 90 2 London. Ein Zimmer im Palaste.
Vorlage S. 90 3 König Richard tritt auf mit Gefolge: Johann von Gaunt und andre Edle mit ihm.
Vorlage S. 90 4 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 90 5 Johann von Gaunt, ehrwürd'ger Lancaster
Vorlage S. 90 6 Hast du nach Schwur und Pfand hiehergebracht
Vorlage S. 90 7 Den Heinrich Hereford, deinen kühnen Sohn,
Vorlage S. 90 8 Von jüngst die heft'ge Klage zu bewähren,
Vorlage S. 90 9 Die gleich zu hören Muße uns gebrach,
Vorlage S. 90 10 Wider den Herzog Norfolk, Thomas Mowbray?
Vorlage S. 90 12 Ja, gnäd'ger Herr.
Vorlage S. 90 13 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 90 14 So sag mir ferner, hast du ihn erforscht,
Vorlage S. 90 15 Ob er aus altem Groll den Herzog anklagt,
Vorlage S. 90 16 Ob würdiglich, als guter Untertan,
Vorlage S. 90 17 Nach einer Kenntnis des Verrats in ihm?
Vorlage S. 90 19 So weit ich in dem Stück ihn prüfen konnte,
Vorlage S. 90 20 Um augenscheinliche Gefahr, gerichtet
Vorlage S. 90 21 Auf Eure Hoheit, nicht aus altem Groll.
Vorlage S. 90 22 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 90 23 So ruft sie vor: denn Antlitz gegen Antlitz
Vorlage S. 90 24 Und droh'nde Stim an Stirne, wollen wir
Vorlage S. 90 25 Frei reden hören Kläger und Beklagten.
Vorlage S. 90 26 Einige aus dem Gefolge ab.
Vorlage S. 90 27 Hochfahrend sind sie beid' und in der Wut
Vorlage S. 90 28 Taub wie die See, rasch wie des Feuers Glut.
Vorlage S. 90 29 Die vom Gefolge kommen zurück mit Bolingbroke und Norfolk.
Vorlage S. 90 30 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 90 31 Manch Jahr beglückter Tage mög' erleben
Vorlage S. 90 32 Mein gnäd'ger König, mein huldreicher Herr!
Vorlage S. 90 34 Ein Tag erhöhe stets des andern Glück,
Vorlage S. 91 35 Bis einst der Himmel, neidisch auf die Erde,
Vorlage S. 91 36 Ein ew'ges Recht zu Eurer Krone fügt!
Vorlage S. 91 37 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 91 38 Habt beide Dank: doch einer schmeichelt nur,
Vorlage S. 91 39 Wie durch den Grund, warum ihr kommt, sich zeigt,
Vorlage S. 91 40 Einander nämlich Hochverrats zu zeihn.
Vorlage S. 91 41 Vetter von Hereford, sag, was wirfst du vor
Vorlage S. 91 42 Dem Herzog da von Norfolk, Thomas Mowbray?
Vorlage S. 91 43 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 91 44 Erst – sei der Himmel Zeuge meiner Rede! –
Vorlage S. 91 45 Aus eines Untertans ergebner Pflicht,
Vorlage S. 91 46 Für meines Fürsten teures Heil besorgt
Vorlage S. 91 47 Und frei von anderm, mißerzeugten Haß,
Vorlage S. 91 48 Komm' ich als Kläger vor dein fürstlich Haupt. –
Vorlage S. 91 49 Nun, Thomas Mowbray, wend' ich mich zu dir,
Vorlage S. 91 50 Und acht' auf meinen Gruß: denn was ich sage,
Vorlage S. 91 51 Das soll mein Leib auf Erden hier bewähren,
Vorlage S. 91 52 Wo nicht, die Seel' im Himmel Rede stehn.
Vorlage S. 91 53 Du bist ein Abgefallner und Verräter,
Vorlage S. 91 54 Zu gut, um es zu sein, zu schlecht, zu leben:
Vorlage S. 91 55 Denn je krystallner sonst der Himmel glüht,
Vorlage S. 91 56 Je trüber scheint Gewölk, das ihn durchzieht.
Vorlage S. 91 57 Noch einmal, um die Schmach mehr einzuprägen,
Vorlage S. 91 58 Werf' ich das Wort Verräter dir entgegen.
Vorlage S. 91 59 Beweisen möge, wenn's mein Fürst gewährt,
Vorlage S. 91 60 Was meine Zunge spricht, mein wackres Schwert!
Vorlage S. 91 62 Lasst meiner Antwort Kälte meinen Eifer
Vorlage S. 91 63 Herab nicht setzen! Denn kein Weiberkrieg,
Vorlage S. 91 64 Das bittre Schelten zwei erboster Zungen,
Vorlage S. 91 65 Kann diese Frage zwischen uns entscheiden;
Vorlage S. 91 66 Das Blut ist heiß, das hierum kalt muss werden.
Vorlage S. 91 67 Doch rühm' ich mich so zahmer Duldung nicht,
Vorlage S. 91 68 Dass ich nichts sagen und verstummen sollte.
Vorlage S. 91 69 Erst hält mich Scheu vor Eurer Hoheit ab,
Vorlage S. 91 70 Zu spornen statt zu zügeln meine Rede,
Vorlage S. 91 71 Die sonst wohl liefe, bis sie den Verrat
Vorlage S. 91 72 Ihm doppelt in den Hals zurückgeschleudert.
Vorlage S. 91 73 Von seines Blutes Hoheit abgesehn,
Vorlage S. 91 74 Nehmt an, er sei nicht meines Lehnsherrn Vetter:
Vorlage S. 91 75 So fodr' ich ihn heraus und spei' ihn an,
Vorlage S. 92 76 Nenn' ihn verleumderische Memm' und Schurke.
Vorlage S. 92 77 Ungleichen Kampf bestünd' ich gern hierauf
Vorlage S. 92 78 Und träf ihn, müsst' ich laufen auch zu Fuß
Vorlage S. 92 79 Bis auf der Alpen eingefrorne Zacken,
Vorlage S. 92 80 Ja jeden andern unbewohnbar'n Boden,
Vorlage S. 92 81 Wo je ein Englischer sich hingewagt.
Vorlage S. 92 82 Zum Schutze meiner Treu' indes genügt:
Vorlage S. 92 83 So wahr ich selig werden will! er lügt.
Vorlage S. 92 84 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 92 85 Da, bleiche Memme! werf' ich hin mein Pfand,
Vorlage S. 92 86 Entsagend der Verwandtschaft eines Königs;
Vorlage S. 92 87 Und achte nicht mein fürstliches Geblüt,
Vorlage S. 92 88 Das deine Furcht, nicht Ehrerbietung vorschützt.
Vorlage S. 92 89 Wenn schuld'ge Angst dir so viel Stärke lässt,
Vorlage S. 92 90 Mein Ehrenpfand zu nehmen, bücke dich;
Vorlage S. 92 91 Bei dem und jedem Brauch des Rittertums
Vorlage S. 92 92 Will ich, Arm gegen Arm, dir, was ich sprach
Vorlage S. 92 93 Und was du Schlimmres denken kannst, bewähren.
Vorlage S. 92 95 Ich nehm' es auf und schwöre bei dem Schwert,
Vorlage S. 92 96 Das sanft mein Rittertum mir aufgelegt:
Vorlage S. 92 97 Ich stehe dir nach jeglicher Gebühr,
Vorlage S. 92 98 Nach jeder Weise ritterlicher Prüfung;
Vorlage S. 92 99 Und sitz' ich auf, nie steig' ich lebend ab,
Vorlage S. 92 100 Wenn mein Verrat zur Klage Recht dir gab!
Vorlage S. 92 101 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 92 102 Was gibt dem Mowbray unser Vetter schuld?
Vorlage S. 92 103 Groß muss es sein, was nur mit dem Gedanken
Vorlage S. 92 104 Von Übel in ihm uns befreunden soll.
Vorlage S. 92 105 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 92 106 Seht, was ich spreche, dafür steht mein Leben: –
Vorlage S. 92 107 Dass er achttausend Nobel hat empfangen,
Vorlage S. 92 108 Als Borg für Eurer Hoheit Kriegesvolk,
Vorlage S. 92 109 Die er behalten hat zu schlechten Zwecken,
Vorlage S. 92 110 Als ein Verräter und ein arger Schurke.
Vorlage S. 92 111 Dann sag' ich, und ich will's im Kampf beweisen,
Vorlage S. 92 112 Hier oder sonst wo, bis zur fernsten Grenze,
Vorlage S. 92 113 Die je ein englisch Auge hat erblickt,
Vorlage S. 92 114 Dass jeglicher Verrat, seit achtzehn Jahren
Vorlage S. 92 115 In diesem Land erdacht und angestiftet,
Vorlage S. 92 116 Vom falschen Mowbray ausgegangen ist.
Vorlage S. 92 117 Ich sage ferner und will ferner noch
Vorlage S. 93 118 Dies alles dartun auf sein schnödes Leben,
Vorlage S. 93 119 Dass er des Herzog Glosters Tod betrieben,
Vorlage S. 93 120 Mißleitet seine allzugläub'gen Gegner
Vorlage S. 93 121 Und feig verrät'risch die schuldlose Seele
Vorlage S. 93 122 Dadurch ihm ausgeschwemmt in Strömen Bluts,
Vorlage S. 93 123 Das, wie das Blut des Opfer-weih'nden Abel,
Vorlage S. 93 124 Selbst aus der Erde stummen Höhlen schreit
Vorlage S. 93 125 Zu mir um Recht und strenge Züchtigung.
Vorlage S. 93 126 Und bei der Ahnen Ruhm, den ich ererbt,
Vorlage S. 93 127 Mein Arm vollbringt's, sonst sei mein Leib verderbt!
Vorlage S. 93 128 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 93 129 Wie hohen Flugs sich sein Entschluss erschwingt!
Vorlage S. 93 130 Thomas von Norfolk, was sagt Ihr hiezu?
Vorlage S. 93 132 Oh, wende mein Monarch sein Antlitz weg
Vorlage S. 93 133 Und heiße taub sein Ohr ein Weilchen sein,
Vorlage S. 93 134 Bis ich die Schmach von seinem Blut erzählt,
Vorlage S. 93 135 Wie Gott und Biedre solchen Lügner hassen!
Vorlage S. 93 136 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 93 137 Mowbray, mein Aug' und Ohr ist unparteilich;
Vorlage S. 93 138 Wär' er mein Bruder, ja des Reiches Erbe,
Vorlage S. 93 139 Statt meines Vaters Brudern Sohn zu sein,
Vorlage S. 93 140 Bei meines Szepters Würde schwör' ich doch,
Vorlage S. 93 141 Die Nachbarschaft mit unserm heil'gen Blut
Vorlage S. 93 142 Sollt' ihn nicht schützen, noch parteilich machen
Vorlage S. 93 143 Den Vorsatz meines redlichen Gemüts.
Vorlage S. 93 144 Er ist uns Untertan, Mowbray, wie du:
Vorlage S. 93 145 Furchtlose Red' erkenn' ich frei dir zu.
Vorlage S. 93 147 Dann, Bolingbroke, durch deinen falschen Hals
Vorlage S. 93 148 Bis tief hinunter in dein Herz: du lügst!
Vorlage S. 93 149 Drei Viertel von dem Vorschuß für Calais
Vorlage S. 93 150 Zahlt' ich dem Kriegsvolk Seiner Hoheit richtig,
Vorlage S. 93 151 Den Rest behielt ich auf Verwilligung,
Vorlage S. 93 152 Weil mein Monarch in meiner Schuld noch war
Vorlage S. 93 153 Von wegen Rückstands einer großen Rechnung,
Vorlage S. 93 154 Seit ich aus Frankreich sein Gemahl geholt.
Vorlage S. 93 155 Nun schling' die Lüg' hinab! – Was Glosters Tod betrifft,
Vorlage S. 93 156 Ich schlug ihn nicht, allein, zu eigner Schmach,
Vorlage S. 93 157 Ließ von der Pflicht, die ich geschworen, nach. –
Vorlage S. 93 158 Was Euch gilt, edler Herr von Lancaster,
Vorlage S. 94 159 Der ehrenwerte Vater meines Feindes,
Vorlage S. 94 160 Einst stellt' ich heimlich Eurem Leben nach,
Vorlage S. 94 161 Ein Fehl, der meine bange Seele kränkt:
Vorlage S. 94 162 Doch eh' ich letzt das Sakrament empfing,
Vorlage S. 94 163 Bekannt' ich es und bat um Euer Gnaden
Vorlage S. 94 164 Verzeihung förmlich; und ich hoff', Ihr gabt sie.
Vorlage S. 94 165 So weit geht meine Schuld; der Rest der Klage
Vorlage S. 94 166 Kömmt her aus Tücken eines Bösewichts,
Vorlage S. 94 167 Abtrünn'gen und entarteten Verräters,
Vorlage S. 94 168 Was an mir selbst ich kühnlich will bestehn;
Vorlage S. 94 169 Und wechselseitig schleudr' ich hin mein Pfand
Vorlage S. 94 170 Auf dieses trotzigen Verräters Fuß,
Vorlage S. 94 171 Um mich als biedern Ritter zu bewähren
Vorlage S. 94 172 Im besten Blut, das ihm im Busen wohrt.
Vorlage S. 94 173 Dies zu beschleun'gen bitt' ich um die Gnade,
Vorlage S. 94 174 Dass Eu'r Gebot auf einen Tag uns lade.
Vorlage S. 94 175 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 94 176 Ihr wutentflammten Herrn, folgt meinem Rat,
Vorlage S. 94 177 Vertreibt die Galle, ohne Blut zu lassen;
Vorlage S. 94 178 So sprechen wir, zwar nicht arzneigelehrt,
Vorlage S. 94 179 Weil tiefe Bosheit allzutief versehrt.
Vorlage S. 94 180 Vergebt, vergesst, seid einig, ohne Haß!
Vorlage S. 94 181 Der Doktor sagt: Hier frommt kein Aderlaß. –
Vorlage S. 94 182 Mein Ohm, wo dies begann, da lasst es enden:
Vorlage S. 94 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „König Richard II.“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Malin, Anna, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946 · Public domain Bildquelle ↗ 183 Ihr müsst den Sohn, ich will den Herzog wenden.
Vorlage S. 94 185 Das Friedestiften ziemt des Greisen Sinn.
Vorlage S. 94 186 Wirf, Sohn, das Pfand des Herzogs Norfolk hin!
Vorlage S. 94 187 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 94 188 Und, Norfolk, seines Ihr!
Vorlage S. 94 190 Nun, Heinrich? nun?
Vorlage S. 94 191 Gehorsam will, du sollst es willig tun.
Vorlage S. 94 192 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 94 193 Norfolk, wirf hin! Wir wollen's, und es muss.
Vorlage S. 94 195 Mich selbst, mein Herrscher, werf' ich dir zu Fuß.
Vorlage S. 94 196 Gebeut mein Leben, nur nicht meine Scham:
Vorlage S. 94 197 Das bin ich schuldig; doch mein reiner Nam',
Vorlage S. 94 198 Der trotz dem Tode lebt auf meinem Grabe,
Vorlage S. 94 199 Soll dein nicht sein, der finstern Schmach zur Habe.
Vorlage S. 94 200 Entehrt, verklagt, steh' ich hier voll Beschwer;
Vorlage S. 94 201 Durchbohrt hat mich der Läst'rung gift'ger Speer,
Vorlage S. 95 202 Kein Balsam als sein Herzblut kann dies dämpfen,
Vorlage S. 95 203 Aus dem das Gift kam.
Vorlage S. 95 204 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 95 205 Wut muss man bekämpfen,
Vorlage S. 95 206 Gib her sein Pfand! Der Leu macht Pardel zahm.
Vorlage S. 95 208 Doch färbt er sie nicht um; nehmt meine Scham,
Vorlage S. 95 209 Und willig geb' ich auch mein Pfand dann auf.
Vorlage S. 95 210 Der reinste Schatz in diesem ird'schen Lauf,
Vorlage S. 95 211 Mein teurer Fürst, ist unbefleckte Ehre,
Vorlage S. 95 212 Ohn' die der Mensch bemalter Leim nur wäre.
Vorlage S. 95 213 Ein kühner Geist im treuen Busen ist
Vorlage S. 95 214 Ein Kleinod in zehnfach verschloßner Kist'.
Vorlage S. 95 215 Ehr' ist des Lebens einziger Gewinn;
Vorlage S. 95 216 Nehmt Ehre weg, so ist mein Leben hin.
Vorlage S. 95 217 Drum, teurer Fürst, lasst mich um Ehre werben,
Vorlage S. 95 218 Ich leb' in ihr und will für sie auch sterben.
Vorlage S. 95 219 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 95 220 Vetter, werft hin das Pfand! Beginnet Ihr!
Vorlage S. 95 221 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 95 222 Oh, solche Sünde wende Gott von mir!
Vorlage S. 95 223 Soll ich entherzt vor meinem Vater stehn?
Vorlage S. 95 224 Mit blasser Bettlerfurcht die Hoheit schmähn
Vorlage S. 95 225 Vor dem verhöhnten Zagen? Eh' so schnöde
Vorlage S. 95 226 Mit eigner Zung' ich meine Ehre töte
Vorlage S. 95 227 Durch feigen Antrag: eh' zerreißt mein Zahn
Vorlage S. 95 228 Das Werkzeug bangen Widerrufs fortan,
Vorlage S. 95 229 Und blutend spei' ich sie, zu höchstem Hohn,
Vorlage S. 95 230 In Mowbrays Angesicht, der Schande Thron.
Vorlage S. 95 231 Gaunt ab.
Vorlage S. 95 232 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 95 233 Uns ziemet, statt zu bitten, zu befehlen.
Vorlage S. 95 234 Da wir euch auszusöhnen nicht vermocht,
Vorlage S. 95 235 So stellt euch ein, wofür eu'r Leben bürge,
Vorlage S. 95 236 Zu Coventry, auf Sankt Lambertus' Tag!
Vorlage S. 95 237 Da soll entscheiden euer Speer und Schwert
Vorlage S. 95 238 Den Zwist des Hasses, den ihr steigend nährt.
Vorlage S. 95 239 Weil wir euch nicht versöhnt, bewähr' das Recht
Vorlage S. 95 240 Die Ritterschaft des Siegers im Gefecht.
Vorlage S. 95 241 Lord Marschall, lasst das Heroldsamt der Waffen
Vorlage S. 95 242 Die Führung dieser innern Unruh' schaffen!
Vorlage S. 95 244 Zweite Szene
Vorlage S. 96 245 Ebendaselbst. Ein Zimmer im Palaste des Herzogs von Lancaster.
Vorlage S. 96 246 Gaunt und die Herzogin von Gloster treten auf.
Vorlage S. 96 248 Ach, mein so naher Teil an Glosters Blut
Vorlage S. 96 249 Treibt mehr mich an als Euer Schreien, mich
Vorlage S. 96 250 Zu rühren gegen seines Lebens Schlächter.
Vorlage S. 96 251 Doch weil Bestrafung in den Händen liegt,
Vorlage S. 96 252 Die das getan, was wir nicht strafen können,
Vorlage S. 96 253 Befehlen wir dem Himmel unsre Klage,
Vorlage S. 96 254 Der, wenn er reif die Stund' auf Erden sieht.
Vorlage S. 96 255 Aufs Haupt der Sünder heiße Rache regnet.
Vorlage S. 96 256 HERZOGIN VON GLOSTER.
Vorlage S. 96 257 So ist die Brüderschaft kein schärfrer Sporn?
Vorlage S. 96 258 Und schürt die Lieb' in deinem alten Blut
Vorlage S. 96 259 Kein lebend Feuer? Eduards sieben Söhne,
Vorlage S. 96 260 Wovon du selber einer bist, sie waren
Vorlage S. 96 261 Wie sieben Flaschen seines heil'gen Bluts,
Vorlage S. 96 262 Wie sieben Zweig' aus einer Wurzel sprossend.
Vorlage S. 96 263 Ein Teil ist nun natürlich eingetrocknet,
Vorlage S. 96 264 Ein Teil der Zweige vom Geschick gefällt;
Vorlage S. 96 265 Doch Thomas, mein Gemahl, mein Heil, mein Gloster,
Vorlage S. 96 266 Von Eduards heil'gem Blute eine Flasche,
Vorlage S. 96 267 Ein blüh'nder Zweig der königlichen Wurzel,
Vorlage S. 96 268 Ist eingeschlagen und der Trank verschüttet,
Vorlage S. 96 269 Ist umgehau'n und all sein Laub verwelkt,
Vorlage S. 96 270 Durch Neides Hand und Mordes blut'ge Axt.
Vorlage S. 96 271 Ach, Gaunt! sein Blut war deins; das Bett, der Schoß.
Vorlage S. 96 272 Der Lebensgeist, die Form, die dich gestaltet,
Vorlage S. 96 273 Macht' ihn zum Mann; und lebst du schon und atmest,
Vorlage S. 96 274 Du bist in ihm erschlagen: du stimmst ein
Vorlage S. 96 275 In vollem Maß zu deines Vaters Tod,
Vorlage S. 96 276 Da du den armen Bruder sterben siehst,
Vorlage S. 96 277 Der Abdruck war von deines Vaters Leben.
Vorlage S. 96 278 Nenn's nicht Geduld, es ist Verzweiflung, Gaunt;
Vorlage S. 96 279 Indem du so den Bruder lässt erschlagen,
Vorlage S. 96 280 Zeigst du den offnen Pfad zu deinem Leben
Vorlage S. 96 281 Und lehrst den finstern Mord, dich auch zu schlachten.
Vorlage S. 96 282 Was wir an Niedern rühmen als Geduld,
Vorlage S. 97 283 Ist blasse Feigheit in der edlen Brust.
Vorlage S. 97 284 Was red' ich viel? Du schirmst dein eignes Leben
Vorlage S. 97 285 Am besten, rächst du meines Glosters Tod.
Vorlage S. 97 287 Der Streit ist Gottes, denn sein Stellvertreter,
Vorlage S. 97 288 Sein Bot', in seinem Angesicht gesalbt,
Vorlage S. 97 289 Hat seinen Tod verursacht; wenn mit Unrecht,
Vorlage S. 97 290 Mag Gott es rächen: ich erhebe nie
Vorlage S. 97 291 Den Arm im Zorne gegen seinen Diener.
Vorlage S. 97 292 HERZOGIN VON GLOSTER.
Vorlage S. 97 293 Wo soll ich, ach! denn meine Klage führen?
Vorlage S. 97 295 Beim Himmel, der die Witwen schützt und schirmt.
Vorlage S. 97 296 HERZOGIN VON GLOSTER.
Vorlage S. 97 297 Nun gut, das will ich. Alter Gaunt, leb wohl!
Vorlage S. 97 298 Du gehst nach Coventry, den grimmen Mowbray
Vorlage S. 97 299 Mit Vetter Hereford fechten da zu sehn.
Vorlage S. 97 300 Oh, Glosters Unrecht sitz' auf Herefords Speer,
Vorlage S. 97 301 Auf dass er dring' in Schlächter Mowbrays Brust!
Vorlage S. 97 302 Und schlägt dem Unglück fehl das erste Rennen,
Vorlage S. 97 303 So schwer sei Mowbrays Sünd' in seinem Busen,
Vorlage S. 97 304 Dass sie des schäum'gen Rosses Rücken bricht
Vorlage S. 97 305 Und wirft den Reiter häuptlings in die Schranken,
Vorlage S. 97 306 Auf Gnad' und Ungnad' meinem Vetter Hereford!
Vorlage S. 97 307 Leb wohl, Gaunt! Deines weiland Bruders Weib
Vorlage S. 97 308 Verzehrt in Grams Gesellschaft ihren Leib.
Vorlage S. 97 310 Schwester, leb wohl! Nach Coventry muss ich:
Vorlage S. 97 311 Heil bleibe bei dir und begleite mich!
Vorlage S. 97 312 HERZOGIN VON GLOSTER.
Vorlage S. 97 313 Ein Wort noch! – Gram springt, wo er fällt, zurück,
Vorlage S. 97 314 Durch sein Gewicht, nicht durch die hohle Leerheit.
Vorlage S. 97 315 Ich nehme Abschied, eh' ich noch begann;
Vorlage S. 97 316 Leid endet nicht, wann es scheint abgetan.
Vorlage S. 97 317 Empfiehl mich meinem Bruder, Edmund York.
Vorlage S. 97 318 Sieh, dies ist alles: – doch warum so eilen?
Vorlage S. 97 319 Ist dies schon alles, musst du doch noch weilen;
Vorlage S. 97 320 Mir fällt wohl mehr noch ein. Heiß' ihn – o was?
Vorlage S. 97 321 Zu mir nach Plashy unverzüglich gehn.
Vorlage S. 97 322 Ach, und was wird der alte York da sehn
Vorlage S. 97 323 Als leere Wohnungen und nackte Mauern
Vorlage S. 98 324 Samt öden Hallen, unbetretnen Steinen?
Vorlage S. 98 325 Was zum Willkommen hören als mein Weinen?
Vorlage S. 98 326 Darum empfiehl mich: lass ihn dort das Leid
Vorlage S. 98 327 Nicht suchen, denn es wohnt ja weit und breit.
Vorlage S. 98 328 Trostlos will ich von hinnen und verscheiden:
Vorlage S. 98 329 Mein weinend Auge sagt das letzte Scheiden.
Vorlage S. 98 331 Dritte Szene
Vorlage S. 98 332 Gosford-Aue bei Coventry.
Vorlage S. 98 333 Der Lord Mqrschall und Aumerle treten auf.
Vorlage S. 98 334 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 98 335 Mylord Aumerle, ist Heinrich Hereford rüstig?
Vorlage S. 98 337 In voller Wehr, begehrend einzutreten.
Vorlage S. 98 338 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 98 339 Der Herzog Norfolk, wohlgemut und kühn,
Vorlage S. 98 340 Harrt nur auf die Trompete seines Klägers.
Vorlage S. 98 342 So sind die Kämpfer denn bereit und warten
Vorlage S. 98 343 Auf nichts als Seiner Majestät Erscheinung.
Vorlage S. 98 344 Trompetenstoß. König Richard tritt auf und setzt sich auf seinen Thron; Gaunt und verschiedne Edle nehmen gleichfalls ihre Plätze. Eine Trompete wird geblasen und von einer andern Trompete draußen erwidert. Alsdann erscheint Norfolk in voller Rüstung, mit einem Herold vor ihm her.
Vorlage S. 98 345 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 98 346 Marschall, erfraget von dem Kämpfer dort
Vorlage S. 98 347 Die Ursach' seiner Ankunft hier in Waffen;
Vorlage S. 98 348 Auch seinen Namen, und verfahrt mit Ordnung,
Vorlage S. 98 349 Den Eid ihm abzunehmen auf sein Recht!
Vorlage S. 98 350 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 98 351 In Gottes Namen und des Königs, sprich:
Vorlage S. 98 352 Wer bist du, und weswegen kommst du her,
Vorlage S. 98 353 So ritterlich mit Waffen angetan?
Vorlage S. 98 354 Und wider wen kommst du, und was dein Zwist?
Vorlage S. 98 355 Sprich wahrhaft, auf dein Rittertum und Eid,
Vorlage S. 98 356 So schütze dich der Himmel und dein Mut!
Vorlage S. 98 358 Mein Nam' ist Thomas Mowbray, Norfolks Herzog;
Vorlage S. 98 359 Ich komme her, durch einen Eid gebunden
Vorlage S. 98 360 (Verhüte Gott, dass den ein Ritter bräche!),
Vorlage S. 98 361 Um zu verfechten, dass ich Treu' und Pflicht
Vorlage S. 99 362 Gott und dem König halt' und meinen Erben,
Vorlage S. 99 363 Wider den Herzog Hereford, der mich anklagt;
Vorlage S. 99 364 Und will, durch Gottes Gnad' und meinen Arm
Vorlage S. 99 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „König Richard II.“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Malin, Anna, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946, Malin, Louisa Seymour, 1861-1946 · Public domain Bildquelle ↗ 365 Mich wehrend, ihn erweisen als Verräter
Vorlage S. 99 366 An Gott, an meinem König und an mir.
Vorlage S. 99 367 So schütze Gott mich, wie ich wahrhaft fechte!
Vorlage S. 99 368 Er nimmt seinen Sitz ein.
Vorlage S. 99 369 Eine Trompete wird geblasen. Bolingbroke erscheint in voller Rüstung, mit einem Herold vor ihm her.
Vorlage S. 99 370 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 99 371 Marschall, befragt den Ritter dort in Waffen
Vorlage S. 99 372 Erst, wer er ist, und dann, warum er komme,
Vorlage S. 99 373 Mit kriegerischem Zeuge so gestählt;
Vorlage S. 99 374 Und förmlich, unserem Gesetz gemäß,
Vorlage S. 99 375 Vernehmt ihn auf das Recht in seiner Sache!
Vorlage S. 99 376 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 99 377 Wie ist dein Nam', und warum kommst du her
Vorlage S. 99 378 Vor König Richard in die hohen Schranken?
Vorlage S. 99 379 Und wider wen kommst du, und was dein Zwist?
Vorlage S. 99 380 So schütz' dich Gott, sprich als wahrhafter Ritter!
Vorlage S. 99 381 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 99 382 Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby
Vorlage S. 99 383 Bin ich, der hier bereit in Waffen steht,
Vorlage S. 99 384 Durch Gottes Gnad' und meines Leibes Kraft
Vorlage S. 99 385 Hier in den Schranken gegen Thomas Mowbray,
Vorlage S. 99 386 Herzog von Norfolk, darzutun, er sei
Vorlage S. 99 387 Ein schnöder und gefährlicher Verräter
Vorlage S. 99 388 An Gott, an König Richard und an mir;
Vorlage S. 99 389 Und schütze Gott mich, wie ich wahrhaft fechte!
Vorlage S. 99 390 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 99 391 Bei Todesstrafe sei kein Mensch so kühn,
Vorlage S. 99 392 Dass er die Schranken anzurühren wage,
Vorlage S. 99 393 Den Marschall ausgenommen und Beamten,
Vorlage S. 99 394 Die dies Geschäft gebührend ordnen sollen.
Vorlage S. 99 395 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 99 396 Lord Marschall, lasst des Fürsten Hand mich küssen
Vorlage S. 99 397 Und niederknie'n vor Seiner Majestät:
Vorlage S. 99 398 Denn ich und Mowbray sind zwei Männern gleich,
Vorlage S. 99 399 Die lange, schwere Pilgerfahrt gelobt.
Vorlage S. 99 400 Lasst uns denn feierlichen Abschied nehmen
Vorlage S. 100 401 Und Lebewohl von beiderseit'gen Freunden!
Vorlage S. 100 402 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 100 403 Der Kläger, grüßt Eu'r Hoheit ehrerbietigst
Vorlage S. 100 404 Und wünscht zum Abschied Eure Hand zu küssen.
Vorlage S. 100 405 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 100 406 Ihn zu umarmen steigen wir herab. –
Vorlage S. 100 407 Vetter von Hereford, wie dein Handel recht,
Vorlage S. 100 408 So sei dein Glück im fürstlichen Gefecht!
Vorlage S. 100 409 Leb wohl, mein Blut! Musst du es heut verströmen,
Vorlage S. 100 410 Darf ich's beklagen, doch nicht Rache nehmen.
Vorlage S. 100 411 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 100 412 Kein edles Aug' müss' eine Trän' um mich
Vorlage S. 100 413 Entweihn, wenn ich von Mowbrays Speer erblich;
Vorlage S. 100 414 So zuversichtlich, wie des Falken Stoß
Vorlage S. 100 415 Den Vogel trifft, geh' ich auf Mowbray los.
Vorlage S. 100 416 Zum Lord Marschall.
Vorlage S. 100 417 Mein güt'ger Herr, ich nehme von Euch Abschied, –
Vorlage S. 100 418 Von Euch, mein edler Vetter, Lord Aumerle: –
Vorlage S. 100 419 Nicht krank, hab' ich zu schaffen gleich mit Tod,
Vorlage S. 100 420 Nein, lustig Atem holend, frisch und rot. –
Vorlage S. 100 421 Seht, wie beim Mahl, das Ende zu versüßen,
Vorlage S. 100 422 Will ich zuletzt das Auserwählt'ste grüßen: –
Vorlage S. 100 423 Zu Gaunt.
Vorlage S. 100 424 O du, der ird'sche Schöpfer meines Bluts,
Vorlage S. 100 425 Des jugendlicher Geist, in mir erneuert,
Vorlage S. 100 426 Mit doppelter Gewalt empor mich hebt,
Vorlage S. 100 427 Den Sieg zu greifen über meinem Haupt!
Vorlage S. 100 428 Mach' meine Rüstung fest durch dein Gebet,
Vorlage S. 100 429 Durch deinen Segen stähle meine Lanze,
Vorlage S. 100 430 Dass sie in Mowbrays Panzerhemde dringe,
Vorlage S. 100 431 Und glänze neu der Nam' Johann von Gaunt
Vorlage S. 100 432 Im mutigen Betragen seines Sohns!
Vorlage S. 100 434 Gott geb' dir Glück bei deiner guten Sache!
Vorlage S. 100 435 Schnell, wie der Blitz, sei in der Ausführung,
Vorlage S. 100 436 Und lass, zwiefach verdoppelt, deine Streiche
Vorlage S. 100 437 Betäubend, wie den Donner, auf den Helm
Vorlage S. 100 438 Des tödlichen, feindsel'gen Gegners fallen!
Vorlage S. 100 439 Reg' auf dein junges Blut, sei brav und lebe!
Vorlage S. 100 440 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 100 441 Mein Recht und Sankt Georg mir Beistand gebe!
Vorlage S. 100 442 Er nimmt seinen Sitz.
Vorlage S. 100 443 NORFOLK aufstehend.
Vorlage S. 100 444 Wie Himmel oder Glück mein Los auch wirft,
Vorlage S. 101 445 Hier lebt und stirbt, treu König Richards Throne,
Vorlage S. 101 446 Ein redlicher und biedrer Edelmann.
Vorlage S. 101 447 Nie warf mit froherm Herzen ein Gefangner
Vorlage S. 101 448 Der Knechtschaft Fesseln ab und hieß willkommen
Vorlage S. 101 449 Die goldne, ungebundne Loslassung,
Vorlage S. 101 450 Als wie mein tanzendes Gemüt dies Fest
Vorlage S. 101 451 Des Kampfes wider meinen Gegner feiert.
Vorlage S. 101 452 Großmächt'ger Fürst, und meiner Freunde Schar!
Vorlage S. 101 453 Es wünscht mein Mund euch manch beglücktes Jahr.
Vorlage S. 101 454 Ich geh' zum Kampfe, munter, wie zur Lust,
Vorlage S. 101 455 Denn Ruhe wohnt in einer treuen Brust.
Vorlage S. 101 456 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 101 457 Gehabt Euch wohl: ich kann genau erspähn,
Vorlage S. 101 458 Wie Mut und Tugend aus dem Aug' Euch sehn. –
Vorlage S. 101 459 Befehlt den Zweikampf, Marschall, und beginnt!
Vorlage S. 101 460 Der König und die Herren kehren zu ihren Sitzen zurück.
Vorlage S. 101 461 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 101 462 Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby,
Vorlage S. 101 463 Empfang' die Lanz', und schütze Gott dein Recht!
Vorlage S. 101 464 BOLINGBROKE
Vorlage S. 101 465 aufstehend.
Vorlage S. 101 466 Stark wie ein Turm in Hoffnung, ruf' ich Amen.
Vorlage S. 101 467 LORD MARSCHALL
Vorlage S. 101 468 zu einem Beamten.
Vorlage S. 101 469 Bring' diese Lanz' an Thomas, Norfolks Herzog!
Vorlage S. 101 470 ERSTER HEROLD.
Vorlage S. 101 471 Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby
Vorlage S. 101 472 Steht hier für Gott, für seinen Herrn und sich,
Vorlage S. 101 473 Bei Strafe, falsch und ehrlos zu erscheinen,
Vorlage S. 101 474 Um darzutun dem Thomas Mowbray, Herzog
Vorlage S. 101 475 Von Norfolk, er sei schuldig des Verrats
Vorlage S. 101 476 An Gott, an seinem König und an ihm,
Vorlage S. 101 477 Und fodert ihn zu dem Gefecht heraus.
Vorlage S. 101 478 ZWEITER HEROLD.
Vorlage S. 101 479 Hier stehet Thomas Mowbray, Norfolks Herzog,
Vorlage S. 101 480 Bei Strafe, falsch und ehrlos zu erscheinen,
Vorlage S. 101 481 Sich zu verteidigen und darzutun
Vorlage S. 101 482 Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby
Vorlage S. 101 483 Treulos an Gott, an seinem Herrn und ihm:
Vorlage S. 101 484 Mit williger Begehr und wohlgemut,
Vorlage S. 102 485 Erwartend nur das Zeichen zum Beginn.
Vorlage S. 102 486 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 102 487 Trompeten, blast! und Streiter, macht euch auf!
Vorlage S. 102 488 Es wird zum Angriff geblasen.
Vorlage S. 102 489 Doch halt! der König wirft den Stab herunter.
Vorlage S. 102 490 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 102 491 Lasst sie beiseit die Helm' und Speere legen
Vorlage S. 102 492 Und beide wiederkehren zu dem Sitz!
Vorlage S. 102 493 Zu Gaunt und den übrigen Großen, indem er sich gegen den Hintergrund der Bühne zurückzieht.
Vorlage S. 102 494 Ihr, folget uns! – und lasst Trompeten schallen,
Vorlage S. 102 495 Bis wir den Gegnern kund tun unsern Schluss!
Vorlage S. 102 496 Trompeten, anhaltend.
Vorlage S. 102 497 Wieder vortretend zu den Streitern.
Vorlage S. 102 498 Kommt her!
Vorlage S. 102 499 Vernehmt, was wir mit unserm Rat verfügt: –
Vorlage S. 102 500 Auf dass nicht unsers Reiches Boden werde
Vorlage S. 102 501 Befleckt mit teurem Blut, das er genährt;
Vorlage S. 102 502 Weil unser Aug' den grausen Anblick scheut
Vorlage S. 102 503 Von Wunden, aufgepflügt durch Nachbarschwerter;
Vorlage S. 102 504 Und weil uns dünkt, der stolze Adlerflug
Vorlage S. 102 505 Ehrsücht'ger, himmelstrebender Gedanken
Vorlage S. 102 506 Und Neid, der jeden Nebenbuhler haßt,
Vorlage S. 102 507 Hab' euch gereizt, zu wecken unsern Frieden,
Vorlage S. 102 508 Der, in der Wiege unsers Landes schlummernd,
Vorlage S. 102 509 Die Brust mit süßem Kindes-Odem schwellt;
Vorlage S. 102 510 Der, aufgerüttelt nun von lärm'gen Trommeln,
Vorlage S. 102 511 Samt heiserer Trompeten wildem Schmettern
Vorlage S. 102 512 Und dem Geklirr ergrimmter Eisenwehr,
Vorlage S. 102 513 Aus unsern stillen Grenzen schrecken möchte
Vorlage S. 102 514 Den holden Frieden, dass wir waten müssten
Vorlage S. 102 515 In unsrer Anverwandten Blut: – deswegen
Vorlage S. 102 516 Verbannen wir aus unsern Landen euch. –
Vorlage S. 102 517 Ihr, Vetter Hereford, sollt bei Todesstrafe,
Vorlage S. 102 518 Bis unsre Au'n zehn Sommer neu geschmückt,
Vorlage S. 102 519 Nicht wiedergrüßen unser schönes Reich
Vorlage S. 102 520 Und fremde Pfade der Verbannung treten.
Vorlage S. 102 521 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 102 522 Gescheh' Eu'r Wille! Dies muss Trost mir sein:
Vorlage S. 103 523 Die Sonne, die hier wärmt, gibt dort auch Schein;
Vorlage S. 103 524 Und dieser goldne Strahl, Euch hier geliehn,
Vorlage S. 103 525 Wird auch um meinen Bann vergüldend glühn.
Vorlage S. 103 526 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 103 527 Norfolk, dein wartet ein noch härtrer Spruch,
Vorlage S. 103 528 Den ich nicht ohne Widerwillen gebe:
Vorlage S. 103 529 Der Stunden leise Flucht soll nicht bestimmen
Vorlage S. 103 530 Den grenzenlosen Zeitraum deines Banns;
Vorlage S. 103 531 Das hoffnungslose Wort »Nie wiederkehren!«
Vorlage S. 103 532 Sprech' ich hier wider dich bei Todesstrafe.
Vorlage S. 103 533 NORFOLK.
Vorlage S. 103 534 Ein harter Spruch, mein höchster Lehensherr,
Vorlage S. 103 535 Ganz unversehn aus Eurer Hoheit Mund!
Vorlage S. 103 536 Erwünschten Lohn, nicht solche tiefe Schmach,
Vorlage S. 103 537 Dass man mich ausstößt in die weite Welt,
Vorlage S. 103 538 Hab' ich verdient von seiten Eurer Hoheit.
Vorlage S. 103 539 Die Sprache, die ich vierzig Jahr gelernt,
Vorlage S. 103 540 Mein mütterliches Englisch, soll ich missen;
Vorlage S. 103 541 Und meine Zunge nützt mir nun nicht mehr
Vorlage S. 103 542 Als, ohne Saiten, Laute oder Harfe,
Vorlage S. 103 543 Ein künstlich Instrument im Kasten, oder
Vorlage S. 103 544 Das, aufgetan, in dessen Hände kömmt,
Vorlage S. 103 545 Der keinen Griff kennt, seinen Ton zu stimmen.
Vorlage S. 103 Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von William Shakespeare — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Martin Droeshout · Public domain Bildquelle ↗ 546 Ihr habt die Zung' in meinen Mund gekerkert,
Vorlage S. 103 547 Der Zähn' und Lippen doppelt Gatter vor;
Vorlage S. 103 548 Und dumpfe, dürftige Unwissenheit
Vorlage S. 103 549 Ist mir zum Kerkermeister nun bestellt.
Vorlage S. 103 550 Ich bin zu alt, der Amme liebzukosen,
Vorlage S. 103 551 Zu weit in Jahren, Zögling noch zu sein:
Vorlage S. 103 552 Was ist dein Urteil denn als stummer Tod,
Vorlage S. 103 553 Das eignen Hauch zu atmen mir verbot?
Vorlage S. 103 554 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 103 555 Es hilft dir nicht, in Wehmut zu verzagen:
Vorlage S. 103 556 Nach unserm Spruche kommt zu spät das Klagen.
Vorlage S. 103 557 NORFOLK.
Vorlage S. 103 558 So wend' ich mich vom lichten Vaterland,
Vorlage S. 103 559 In ernste Schatten ew'ger Nacht gebannt.
Vorlage S. 103 560 Er entfernt sich.
Vorlage S. 103 561 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 103 562 Komm wieder, nimm noch einen Eid mit dir!
Vorlage S. 103 563 Legt die verbannten Händ' auf dies mein Schwert,
Vorlage S. 103 564 Schwört bei der Pflicht, die ihr dem Himmel schuldet
Vorlage S. 103 565 (Denn unser Teil dran ist mit euch verbannt),
Vorlage S. 104 566 Den Eid zu halten, den wir auferlegen: –
Vorlage S. 104 567 Nie sollt ihr, so euch Gott und Wahrheit helfe!
Vorlage S. 104 568 Mit Lieb' einander nahn in eurem Bann,
Vorlage S. 104 569 Noch jemals ins Gesicht einander schaun,
Vorlage S. 104 570 Noch jemals schreiben, grüßen, noch besänft'gen
Vorlage S. 104 571 Die Stürme des daheim erzeugten Hasses,
Vorlage S. 104 572 Noch euch mit überlegtem Anschlag treffen,
Vorlage S. 104 573 Um Übles auszusinnen gegen uns
Vorlage S. 104 574 Und unsre Untertanen, Staat und Land.
Vorlage S. 104 575 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 104 576 Ich schwöre.
Vorlage S. 104 577 NORFOLK.
Vorlage S. 104 578 Und ich auch, all dies zu halten.
Vorlage S. 104 579 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 104 580 Norfolk, so weit sich's unter Feinden ziemt: –
Vorlage S. 104 581 Um diese Zeit, ließ es der König zu,
Vorlage S. 104 582 Irrt' in der Luft schon eine unsrer Seelen,
Vorlage S. 104 583 Verbannt aus unsers Fleisches morschem Grabe,
Vorlage S. 104 584 Wie jetzt dies Fleisch verbannt ist aus dem Lande:
Vorlage S. 104 585 Bekenne den Verrat, eh' du entweichst;
Vorlage S. 104 586 Weil du so weit zu gehn hast, nimm nicht mit
Vorlage S. 104 587 Die schwere Bürde einer schuld'gen Seele!
Vorlage S. 104 588 NORFOLK.
Vorlage S. 104 589 Nein, Bolingbroke: war ich Verräter je,
Vorlage S. 104 590 So sei getilgt mein Nam' im Buch des Lebens
Vorlage S. 104 591 Und ich verbannt vom Himmel, wie von hier!
Vorlage S. 104 592 Doch was du bist, weiß Gott und du und ich.
Vorlage S. 104 593 Und nur zu bald wird es den König reu'n.
Vorlage S. 104 594 Lebt wohl, mein Fürst! – Nicht fehlgehn kann ich jetzt:
Vorlage S. 104 595 Die weite Welt ist mir zum Ziel gesetzt.
Vorlage S. 104 597 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 104 598 Oheim, ich seh' im Spiegel deiner Augen
Vorlage S. 104 599 Dein tiefbekümmert Herz; dein traur'ger Anblick
Vorlage S. 104 600 Hat vier aus seiner Zahl verbannter Jahre
Vorlage S. 104 601 Entrückt: –
Vorlage S. 104 602 Zu Bolingbroke.
Vorlage S. 104 603 sobald sechs frost'ge Winter aus,
Vorlage S. 104 604 Kehr' du willkommen aus dem Bann nach Haus!
Vorlage S. 104 605 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 104 606 Wie lange Zeit liegt in so kleinem Wort!
Vorlage S. 104 607 Vier träge Winter und vier lust'ge Maien
Vorlage S. 104 608 Beschließt ein Wort, wenn Kön'ge Kraft ihm leihen.
Vorlage S. 104 610 Dank meinem Fürsten, dass er mir zu lieb
Vorlage S. 104 611 Vier Jahre meines Sohns Verbannung kürzt!
Vorlage S. 104 612 Allein ich ernte wenig Frucht davon.
Vorlage S. 104 613 Eh' die sechs Jahre, die er säumen muss,
Vorlage S. 105 614 Die Monde wandeln und den Lauf vollenden,
Vorlage S. 105 615 Erlischt in ew'ger Nacht mein schwindend Licht,
Vorlage S. 105 616 Die Lampe, der vor Alter Öl gebricht;
Vorlage S. 105 617 Mit meinem Endchen Kerze ist's geschehn,
Vorlage S. 105 618 Und blinder Tod lässt mich den Sohn nicht sehn.
Vorlage S. 105 619 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 105 620 Ei, Oheim, du hast manches Jahr zu leben.
Vorlage S. 105 622 Nicht 'ne Minute, Herr, die du kannst geben.
Vorlage S. 105 623 Verkürzen kannst du meine Tag' in Sorgen,
Vorlage S. 105 624 Mir Nächte rauben, leihn nicht einen Morgen;
Vorlage S. 105 625 Du kannst der Zeit wohl helfen Furchen ziehn,
Vorlage S. 105 626 Doch nicht sie hemmen in dem raschen Fliehn:
Vorlage S. 105 627 Ihr gilt dein Wort für meinen Tod sogleich,
Vorlage S. 105 628 Doch, tot, schafft keinen Odem mir dein Reich.
Vorlage S. 105 629 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 105 630 Dein Sohn ist weisem Rat gemäß verbannt,
Vorlage S. 105 631 Wozu dein Mund ein Miturteil gegeben:
Vorlage S. 105 632 Nun scheinst du finster auf das Recht zu schaun?
Vorlage S. 105 634 Was süß schmeckt, wird oft bitter beim Verdau'n.
Vorlage S. 105 635 Ihr setztet mich als Richter zum Berater;
Vorlage S. 105 636 Oh, hießt Ihr doch mich reden wie ein Vater!
Vorlage S. 105 637 Wär' er mir fremd gewesen, nicht mein Kind,
Vorlage S. 105 638 So war ich milder seinem Fehl gesinnt.
Vorlage S. 105 639 Parteien-Leumund sucht' ich abzuwenden,
Vorlage S. 105 640 Und musste so mein eignes Leben enden.
Vorlage S. 105 641 Ach! Ich schaut' um, ob keiner spräche nun,
Vorlage S. 105 642 Ich sei zu streng, was mein, so wegzutun;
Vorlage S. 105 643 Doch der unwill'gen Zung' habt ihr erlaubt,
Vorlage S. 105 644 Dass sie mich wider Willen so beraubt.
Vorlage S. 105 645 KÖNIG RICHARD.
Vorlage S. 105 646 Vetter, lebt wohl! – Und, Oheim, sorgt dafür:
Vorlage S. 105 647 Sechs Jahr' ist er verbannt und muss von hier.
Vorlage S. 105 648 Trompetenstoß. König Richard und Gefolge ab.
Vorlage S. 105 649 AUMERLE.
Vorlage S. 105 650 Vetter, lebt wohl! Was Gegenwart verwehrt
Vorlage S. 105 651 Zu sagen, melde Schrift von da, wo Ihr verkehrt.
Vorlage S. 105 652 LORD MARSCHALL.
Vorlage S. 105 653 Kein Abschied, gnäd'ger Herr! denn ich will reiten,
Vorlage S. 105 654 So weit das Land verstattet, Euch zur Seiten.
Vorlage S. 105 656 Oh, zu was Ende sparst du deine Worte,
Vorlage S. 106 657 Dass du den Freunden keinen Gruß erwiderst?
Vorlage S. 106 658 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 106 659 Zu wen'ge hab' ich, um von Euch zu scheiden,
Vorlage S. 106 660 Da reichlich Dienst die Zunge leisten sollte,
Vorlage S. 106 661 Des Herzens vollen Jammer auszuatmen.
Vorlage S. 106 663 Dein Gram ist nur Entfernung für 'ne Zeit.
Vorlage S. 106 664 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 106 665 Lust fern, Gram gegenwärtig für die Zeit.
Vorlage S. 106 667 Was sind sechs Winter? Sie sind bald dahin.
Vorlage S. 106 668 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 106 669 Im Glück, doch Gram macht zehn aus einer Stunde.
Vorlage S. 106 671 Nenn's eine Reise, bloß zur Lust gemacht!
Vorlage S. 106 672 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 106 673 Mein Herz wird seufzen, wenn ich's so mißnenne,
Vorlage S. 106 674 Und findet es gezwungne Pilgerschaft.
Vorlage S. 106 676 Den traur'gen Fortgang deiner müden Tritte
Vorlage S. 106 677 Acht' einer Folie gleich, um drein zu setzen
Vorlage S. 106 678 Das reiche Kleinod deiner Wiederkehr!
Vorlage S. 106 679 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 106 680 Nein, eher wird mich jeder träge Schritt
Vorlage S. 106 681 Erinnern, welch ein Stück der Welt ich wandre
Vorlage S. 106 682 Von den Kleinodien meiner Liebe weg.
Vorlage S. 106 683 Muss ich nicht eine lange Lehrlingschaft
Vorlage S. 106 684 Auf fremden Bahnen dienen, und am Ende,
Vorlage S. 106 685 Bin ich nun frei, mich doch nichts weiter rühmen,
Vorlage S. 106 686 Als dass ich ein Gesell des Grames war?
Vorlage S. 106 688 Ein jeder Platz, besucht vom Aug' des Himmels,
Vorlage S. 106 689 Ist Glückes-Hafen einem weisen Mann.
Vorlage S. 106 690 Lehr' deine Not die Dinge so betrachten;
Vorlage S. 106 691 Es kommt der Not ja keine Tugend bei.
Vorlage S. 106 692 Denk' nicht, dass dich der König hat verbannt,
Vorlage S. 106 693 Nein, du den König: Leid sitzt um so schwerer,
Vorlage S. 106 694 Wo es bemerkt, dass man nur schwach es trägt.
Vorlage S. 106 695 Geh, sag, dass ich dich ausgesandt nach Ehre,
Vorlage S. 106 696 Nicht, dass der Fürst dich bannte; oder glaube,
Vorlage S. 106 697 Verschlingend hänge Pest in unsrer Luft,
Vorlage S. 106 698 Und du entfliehst zu einem reinern Himmel.
Vorlage S. 106 699 Was deine Seele wert hält, stell' dir vor
Vorlage S. 106 700 Da, wo du hingehst, nicht, woher du kommst:
Vorlage S. 106 701 Die Singevögel halt' für Musikanten,
Vorlage S. 107 702 Das Gras für ein bestreutes Prunkgemach,
Vorlage S. 107 703 Für schöne Frau'n die Blumen, deine Tritte
Vorlage S. 107 704 Für nichts als einen angenehmen Tanz:
Vorlage S. 107 705 Denn knirschend Leid hat minder Macht, zu nagen
Vorlage S. 107 706 Den, der es höhnt und nichts danach will fragen.
Vorlage S. 107 707 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 107 708 Oh, wer kann Feu'r dadurch in Händen halten,
Vorlage S. 107 709 Dass er den frost'gen Kaukasus sich denkt?
Vorlage S. 107 710 Und wer des Hungers gier'gen Stachel dämpfen
Vorlage S. 107 711 Durch bloße Einbildung von einem Mahl?
Vorlage S. 107 712 Wer nackend im Dezemberschnee sich wälzen,
Vorlage S. 107 713 Weil er phantast'sche Sommerglut sich denkt?
Vorlage S. 107 714 O nein! die Vorstellung des Guten gibt
Vorlage S. 107 715 Nur desto stärkeres Gefühl des Schlimmern;
Vorlage S. 107 716 Nie zeugt des Leides grimmer Zahn mehr Gift,
Vorlage S. 107 717 Als wenn er nagt, doch durch und durch nicht trifft.
Vorlage S. 107 719 Komm, komm, mein Sohn, dass ich den Weg dir weise;
Vorlage S. 107 720 So jung wie du, verschöb' ich nicht die Reise.
Vorlage S. 107 721 BOLINGBROKE.
Vorlage S. 107 722 Leb wohl denn, Englands Boden! Süße Erde,
Vorlage S. 107 723 Du Mutter, Wärterin, die noch mich trägt!
Vorlage S. 107 724 Wo ich auch wandre, bleibt der Ruhm mein Lohn:
Vorlage S. 107 725 Obschon verbannt, doch Englands echter Sohn.
Vorlage S. 107 726 Alle ab.
Vorlage S. 107