Deutsch · Abschnitt 2 von 25
1. Gesang
2 Den Priester Chryses zu rächen, dem Agamemnon die Tochter vorenthielt, sendet Apollon den Achaiern eine Pest. Agamemnon zankt mit Achilleus, weil er durch Kalchas die Befreiung der Chryseis fordern ließ, und nimmt ihm sein Ehrengeschenk, des Brises Tochter. Dem zürnenden Achilleus verspricht Thetis Hilfe. Entsendung der Chryseis und Versöhnung Apollons. Der Thetis gewährt Zeus so lange Sieg für die Troer, bis ihr Sohn Genugtuung erhalte. Unwille der Here gegen Zeus. Hephästos besänftigt beide.
Vorlage S. 5 3 Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus,
Vorlage S. 5 4 Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte
Vorlage S. 5 5 Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Ais
Vorlage S. 5 6 Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden
Vorlage S. 5 7 Und dem Gevögel umher. So ward Zeus' Wille vollendet:
Vorlage S. 5 8 Seit dem Tag, als erst durch bitteren Zank sich entzweiten
Vorlage S. 5 9 Atreus' Sohn, der Herrscher des Volks, und der edle Achilleus.
Vorlage S. 5 10 Wer hat jene der Götter empört zu feindlichem Hader?
Vorlage S. 5 11 Letos Sohn und des Zeus. Denn der, dem Könige zürnend,
Vorlage S. 5 12 Sandte verderbliche Seuche durchs Heer; und es sanken die Völker:
Vorlage S. 5 13 Drum, weil ihm den Chryses beleidiget, seinen Priester,
Vorlage S. 5 14 Atreus' Sohn. Denn er kam zu den rüstigen Schiffen Achaias,
Vorlage S. 5 15 Freizukaufen die Tochter, und bracht unendliche Lösung,
Vorlage S. 5 16 Tragend den Lorbeerschmuck des treffenden Phöbos Apollon
Vorlage S. 5 17 Um den goldenen Stab; und er flehete laut den Achaiern,
Vorlage S. 5 18 Doch den Atreiden vor allen, den zween Feldherren der Völker:
Vorlage S. 5 19 Atreus Söhn und ihr andern, ihr hellumschienten Achaier,
Vorlage S. 5 20 Euch verleihn die Götter, olympischer Höhen Bewohner,
Vorlage S. 5 21 Priamos' Stadt zu vertilgen und wohl nach Hause zu kehren;
Vorlage S. 5 22 Doch mir gebt die Tochter zurück und empfahet die Lösung,
Vorlage S. 5 23 Ehrfurchtsvoll vor Zeus' ferntreffendem Sohn Apollon.
Vorlage S. 5 24 Drauf gebot beifallend das ganze Heer der Achaier,
Vorlage S. 5 25 Ehrend den Priester zu scheun und die köstliche Lösung zu nehmen.
Vorlage S. 5 26 Aber nicht Agamemnon, des Atreus Sohne, gefiel es;
Vorlage S. 5 27 Dieser entsandt ihn mit Schmach und befahl die drohenden Worte:
Vorlage S. 5 28 Dass ich nimmer, o Greis, bei den räumigen Schiffen dich treffe,
Vorlage S. 5 29 Weder anitzt hier zaudernd noch wiederkehrend in Zukunft!
Vorlage S. 5 30 Kaum wohl möchte dir helfen der Stab und der Lorbeer des Gottes!
Vorlage S. 5 31 Jene lös ich dir nicht, bis einst das Alter ihr nahet,
Vorlage S. 5 32 Wann sie in meinem Palast in Argos, fern von der Heimat,
Vorlage S. 5 33 Mir als Weberin dient und meines Bettes Genossin!
Vorlage S. 5 34 Gehe denn, reize mich nicht, dass wohlbehalten du kehrest!
Vorlage S. 5 35 Jener sprach's, doch Chryses erschrak und gehorchte der Rede.
Vorlage S. 5 36 Schweigend ging er am Ufer des weit aufrauschenden Meeres;
Vorlage S. 5 37 Und wie er einsam jetzt hinwandelte, flehte der Alte
Vorlage S. 5 38 Viel zum Herrscher Apollon, dem Sohn der lockigen Leto:
Vorlage S. 5 39 Höre mich, Gott, der du Chrysa mit silbernem Bogen umwandelst
Vorlage S. 5 40 Samt der heiligen Killa und Tenedos mächtig beherrschest.
Vorlage S. 5 41 Smintheus! hab ich dir je den prangenden Tempel gekränzet,
Vorlage S. 5 42 Oder hab ich dir je von erlesenen Farren und Ziegen
Vorlage S. 5 43 Fette Schenkel verbrannt, so gewähre mir dieses Verlangen:
Vorlage S. 5 44 Meine Tränen vergilt mit deinem Geschoß den Achaiern!
Vorlage S. 5 45 Also rief er betend; ihn hörete Phöbos Apollon.
Vorlage S. 5 46 Schnell von den Höhn des Olympos enteilet' er zürnenden Herzens,
Vorlage S. 5 47 Auf der Schulter den Bogen und rings verschlossenen Köcher.
Vorlage S. 5 48 Laut erschollen die Pfeile zugleich an des Zürnenden Schulter,
Vorlage S. 5 49 Als er einher sich bewegt'. Er wandelte düster wie Nachtgraun,
Vorlage S. 5 50 Setzte sich drauf von den Schiffen entfernt und schnellte den Pfeil ab;
Vorlage S. 5 51 Und ein schrecklicher Klang entscholl dem silbernen Bogen.
Vorlage S. 5 52 Nur Maultier' erlegt' er zuerst und hurtige Hunde:
Vorlage S. 5 53 Doch nun gegen sie selbst das herbe Geschoß hinwendend,
Vorlage S. 5 54 Traf er; und rastlos brannten die Totenfeuer in Menge.
Vorlage S. 5 55 Schon neun Tage durchflogen das Heer die Geschosse des Gottes.
Vorlage S. 5 56 Drauf am zehnten berief des Volks Versammlung Achilleus,
Vorlage S. 5 57 Dem in die Seel es legte die lilienarmige Here;
Vorlage S. 5 58 Denn sie sorgt' um der Danaer Volk, die Sterbenden schauend.
Vorlage S. 5 59 Als sie nunmehr sich versammelt und vollgedrängt die Versammlung,
Vorlage S. 5 60 Trat hervor und begann der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 5 61 Atreus' Sohn, nun denk ich, wir ziehn den vorigen Irrweg
Vorlage S. 5 62 Wieder nach Hause zurück, wofern wir entrinnen dem Tode,
Vorlage S. 5 63 Weil ja zugleich der Krieg und die Pest hinrafft die Achaier.
Vorlage S. 5 64 Aber wohlan, fragt einen der Opferer oder der Seher
Vorlage S. 5 65 Oder auch Traumausleger (auch Träume ja kommen von Zeus her),
Vorlage S. 5 66 Der uns sage, warum so ereiferte Phöbos Apollon,
Vorlage S. 5 67 Ob versäumte Gelübd ihn erzürneten, ob Hekatomben:
Vorlage S. 5 68 Wenn vielleicht der Lämmer Gedüft und erlesener Ziegen
Vorlage S. 5 69 Er zum Opfer begehrt, von uns die Plage zu wenden.
Vorlage S. 5 70 Also redete jener und setzte sich. Wieder erhub sich
Vorlage S. 6 71 Kalchas, der Thestoride, der weiseste Vogelschauer,
Vorlage S. 6 72 Der erkannte, was ist, was sein wird oder zuvor war,
Vorlage S. 6 73 Der auch her vor Troja der Danaer Schiffe geleitet
Vorlage S. 6 74 Durch wahrsagenden Geist, des ihn würdigte Phöbos Apollon;
Vorlage S. 6 75 Dieser begann wohlmeinend und redete vor der Versammlung:
Vorlage S. 6 76 Peleus' Sohn, du gebeutst mir, o Göttlicher, auszudeuten
Vorlage S. 6 77 Diesen Zorn des Apollon, des fernhin treffenden Herrschers.
Vorlage S. 6 78 Gerne will ich's ansagen; doch du verheiße mit Eidschwur,
Vorlage S. 6 79 Dass du gewiss willfährig mit Wort und Händen mir helfest.
Vorlage S. 6 80 Denn leicht möcht erzürnen ein Mann, der mächtigen Ansehns
Vorlage S. 6 81 Argos' Völker beherrscht und dem die Achaier gehorchen.
Vorlage S. 6 82 Stärker ja ist ein König, der zürnt dem geringeren Manne.
Vorlage S. 6 83 Wenn er auch die Galle den selbigen Tag noch zurückhält,
Vorlage S. 6 84 Dennoch laurt ihm beständig der heimliche Groll in dem Busen,
Vorlage S. 6 85 Bis er ihn endlich gekühlt. Drum rede du, willst du mich schützen?
Vorlage S. 6 86 Ihm antwortete drauf der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 6 87 Sei getrost und erkläre den Götterwink, den du wahrnahmst.
Vorlage S. 6 88 Denn bei Apollon fürwahr, Zeus' Lieblinge, welchem, o Kalchas,
Vorlage S. 6 89 Flehend zuvor, den Achaiern der Götter Rat du enthüllest:
Vorlage S. 6 90 Keiner, solang ich leb und das Licht auf Erden noch schaue,
Vorlage S. 6 91 Soll bei den räumigen Schiffen mit frevelnder Hand dich berühren,
Vorlage S. 6 92 Aller Achaier umher! Und nenntest du selbst Agamemnon,
Vorlage S. 6 93 Der nun mächtig zu sein vor allem Volke sich rühmet.
Vorlage S. 6 94 Jetzo begann er getrost und sprach, der untadlige Seher:
Vorlage S. 6 95 Nicht versäumte Gelübd erzürnten ihn noch Hekatomben,
Vorlage S. 6 96 Sondern er zürnt um den Priester, den also entehrt' Agamemnon,
Vorlage S. 6 97 Nicht die Tochter befreit' und nicht annahm die Erlösung:
Vorlage S. 6 98 Darum gab uns Jammer der Treffende, wird es auch geben.
Vorlage S. 6 99 Nicht wird jener die schreckliche Hand abziehn vom Verderben,
Vorlage S. 6 100 Bis man zurück dem Vater das freudigblickende Mägdlein
Vorlage S. 6 101 Hingibt, frei, ohne Entgelt und mit heiliger Festhekatombe
Vorlage S. 6 102 Heim gen Chrysa entführt. Das möcht ihn vielleicht uns versöhnen.
Vorlage S. 6 103 Also redete jener und setzte sich. Wieder erhub sich
Vorlage S. 6 104 Atreus' Heldensohn, der Völkerfürst Agamemnon,
Vorlage S. 6 105 Zürnend vor Schmerz; es schwoll ihm das finstere Herz von der Galle,
Vorlage S. 6 106 Schwarz umströmt, und den Augen entfunkelte strahlendes Feuer.
Vorlage S. 6 107 Gegen Kalchas zuerst mit drohendem Blicke begann er:
Vorlage S. 7 108 Unglücksseher, der nie auch ein heilsames Wort mir geredet!
Vorlage S. 7 109 Immerdar nur Böses erfreut dein Herz zu verkünden!
Vorlage S. 7 110 Gutes hast du noch nimmer geweissagt oder vollendet!
Vorlage S. 7 111 Jetzt auch meldest du hier als Götterspruch den Achaiern,
Vorlage S. 7 112 Darum habe dem Volk der Treffende Wehe bereitet,
Vorlage S. 7 113 Weil für Chryses' Tochter ich selbst die köstliche Lösung
Vorlage S. 7 114 Anzunehmen verwarf. Denn traun! weit lieber behielt ich
Vorlage S. 7 115 Solche daheim, da ich höher wie Klytämnestra sie achte,
Vorlage S. 7 116 Meiner Jugend Vermählte; denn nicht ist jene geringer,
Vorlage S. 7 117 Weder an Bildung und Wuchs noch an Geist und künstlicher Arbeit.
Vorlage S. 7 118 Dennoch geh ich sie willig zurück, ist solches ja besser.
Vorlage S. 7 119 Lieber mög ich das Volk errettet schaun denn verderbend.
Vorlage S. 7 120 Gleich nur ein Ehrengeschenk bereitet mir, dass ich allein nicht
Vorlage S. 7 121 Ungeehrt der Danaer sei; nie wäre das schicklich!
Vorlage S. 7 122 Denn das seht ihr alle, dass mein Geschenk mir entgehet.
Vorlage S. 7 123 Ihm antwortete drauf der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 7 124 Atreus' Sohn, ruhmvoller, du Habbegierigster aller,
Vorlage S. 7 125 Welches Geschenk verlangst du vom edlen Volk der Achaier?
Vorlage S. 7 126 Nirgends wissen wir doch des Gemeinsamen vieles verwahret,
Vorlage S. 7 127 Sondern soviel wir aus Städten erbeuteten, wurde geteilet;
Vorlage S. 7 128 Auch nicht ziemt es dem Volke, das einzelne wieder zu sammeln.
Vorlage S. 7 129 Aber entlaß du jetzo dem Gotte sie, und wir Achaier
Vorlage S. 7 130 Wollen sie dreifach ersetzen und vierfach, wenn uns einmal Zeus
Vorlage S. 7 131 Gönnen wird, der Troer befestigte Stadt zu verwüsten.
Vorlage S. 7 132 Gegen ihn rief antwortend der Völkerfürst Agamemnon:
Vorlage S. 7 133 Nicht also, wie tapfer du seist, gottgleicher Achilleus,
Vorlage S. 7 134 Sinn auf Trug! Nie wirst du mich schlau umgehn noch bereden!
Vorlage S. 7 135 Willst du, indes dir bleibt das Geschenk, dass ich selber umsonst hier
Vorlage S. 7 136 Sitze, des meinen beraubt? Und gebietest mir, frei sie zu geben?
Vorlage S. 7 137 Wohl denn, wofern mir ein andres verleihn die edlen Achaier,
Vorlage S. 7 138 Meinem Sinn es erlesend, das mir ein voller Ersatz sei!
Vorlage S. 7 139 Aber verleihn sie es nicht, dann komm ich selber und nehm es,
Vorlage S. 7 140 Deines vielleicht, auch des Ajas Geschenk wohl oder Odysseus'
Vorlage S. 7 141 Führ ich hinweg, und zürnen vielleicht wird, welchem ich nahe!
Vorlage S. 7 142 Doch von solcherlei Dingen ist Zeit zu reden auch künftig.
Vorlage S. 7 143 Auf nun, zieht ein schwärzliches Schiff in die heilige Meerflut,
Vorlage S. 7 144 Sammelt hinein vollzählig die Ruderer, bringt auch Apollons
Vorlage S. 8 145 Hekatomb; und sie selbst, des Chryses rosige Tochter,
Vorlage S. 8 146 Führet hinein. Und Gebieter des Schiffs sei der Könige einer:
Vorlage S. 8 147 Ajas oder der Held Idomeneus oder Odysseus
Vorlage S. 8 148 Oder auch du, Peleide, du schrecklichster unter den Männern,
Vorlage S. 8 149 Dass du den Treffenden uns durch heilige Opfer besänftigst.
Vorlage S. 8 150 Finster schaut' und begann der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 8 151 Ha, du in Unverschämtheit Gehülleter, sinnend auf Vorteil!
Vorlage S. 8 152 Wie doch gehorcht dir willig noch einer im Heer der Achaier,
Vorlage S. 8 153 Einen Gang dir zu gehn und kühn mit dem Feinde zu kämpfen?
Vorlage S. 8 154 Nicht ja wegen der Troer, der lanzenkundigen, kam ich
Vorlage S. 8 155 Mit hieher in den Streit, sie haben's an mir nicht verschuldet.
Vorlage S. 8 156 Denn nie haben sie mir die Rosse geraubt noch die Rinder,
Vorlage S. 8 157 Nie auch haben in Phthia, dem scholligen Männergefilde,
Vorlage S. 8 158 Meine Frucht sie verletzt, indem viel Raumes uns sondert,
Vorlage S. 8 159 Waldbeschattete Berg und des Meers weitrauschende Wogen.
Vorlage S. 8 160 Dir, schamlosester Mann, dir folgten wir, dass du dich freutest;
Vorlage S. 8 161 Nur Menelaos zu rächen und dich, du Ehrevergeßner,
Vorlage S. 8 162 An den Troern! Das achtest du nichts, noch kümmert dich solches!
Vorlage S. 8 163 Selbst mein Ehrengeschenk, das drohest du mir zu entreißen,
Vorlage S. 8 164 Welches mit Schweiß ich errungen und mir verehrt die Achaier!
Vorlage S. 8 165 Hab ich doch nie ein Geschenk wie das deinige, wann die Achaier
Vorlage S. 8 166 Eine bevölkerte Stadt des troischen Volkes verwüstet,
Vorlage S. 8 167 Sondern die schwerste Last des tobenden Schlachtengetümmels
Vorlage S. 8 168 Trag ich mit meinem Arm: doch kommt zur Teilung es endlich,
Vorlage S. 8 169 Dein ist das größte Geschenk, und ich, mit wenigem fröhlich,
Vorlage S. 8 170 Kehre heim zu den Schiffen, nachdem ich erschlafft von dem Streite.
Vorlage S. 8 171 Doch nun geh ich gen Phthia! Denn weit zuträglicher ist es,
Vorlage S. 8 172 Heim mit den Schiffen zu gehn, den gebogenen! Schwerlich auch wirst du,
Vorlage S. 8 173 Weil du allhier mich entehrst, noch Schätz und Güter dir häufen!
Vorlage S. 8 174 Ihm antwortete drauf der Herrscher des Volks Agamemnon:
Vorlage S. 8 175 Fliehe nur, wenn's dein Herz dir gebeut! Nie werd ich dich wahrlich
Vorlage S. 8 176 Anflehn, meinethalb zu verziehn! Mir bleiben noch andre,
Vorlage S. 8 177 Ehre mir zu erwerben, zumal Zeus' waltende Vorsicht!
Vorlage S. 8 178 Ganz verhaßt mir bist du vor allen beseligten Herrschern;
Vorlage S. 8 179 Stets doch hast du den Zank nur geliebt und die Kämpf und die Schlachten!
Vorlage S. 8 180 Wenn du ein Stärkerer bist, ein Gott hat dir solches verliehen!
Vorlage S. 8 181 Schiffe denn heim, du selbst mit den Deinigen, dass du in Ruhe
Vorlage S. 9 182 Myrmidonen gebietest; denn du bist nichts mir geachtet,
Vorlage S. 9 183 Nichts auch gilt mir dein Pochen! Vielmehr noch droh ich dir also:
Vorlage S. 9 184 Weil mir Chryses' Tochter hinwegnimmt Phöbos Apollon,
Vorlage S. 9 185 Werd ich sie mit eigenem Schiff und eignen Genossen
Vorlage S. 9 186 Senden, allein ich hole die rosige Tochter des Brises
Vorlage S. 9 187 Selbst mir aus deinem Gezelt, dein Ehrengeschenk: dass du lernest,
Vorlage S. 9 188 Wieviel höher ich sei als du, und ein anderer zage,
Vorlage S. 9 189 Gleich sich mir zu wähnen und so mir zu trotzen ins Antlitz!
Vorlage S. 9 190 Jener sprach's; da entbrannte der Peleion, und das Herz ihm
Vorlage S. 9 191 Unter der zottigen Brust ratschlagete wankenden Sinnes,
Vorlage S. 9 192 Ob er, das schneidende Schwert alsbald von der Hüfte sich reißend,
Vorlage S. 9 193 Trennen sie sollt auseinander und niederhaun den Atreiden
Vorlage S. 9 194 Oder stillen den Zorn und die mutige Seele beherrschen.
Vorlage S. 9 195 Als er solches erwog in des Herzens Geist und Empfindung
Vorlage S. 9 196 Und er das große Schwert schon hervorzog, naht' ihm vom Himmel
Vorlage S. 9 197 Pallas Athen, entsandt von der lilienarmigen Here,
Vorlage S. 9 198 Die für beide zugleich in liebender Seele besorgt war.
Vorlage S. 9 199 Hinter ihn trat sie und fasste das bräunliche Haar des Peleiden,
Vorlage S. 9 200 Ihm allein sich enthüllend; der anderen schaute sie keiner.
Vorlage S. 9 201 Staunend zuckte der Held und wandte sich: plötzlich erkannt er
Vorlage S. 9 202 Pallas Athenens Gestalt, und fürchterlich strahlt' ihm ihr Auge.
Vorlage S. 9 203 Und er begann zu jener und sprach die geflügelten Worte:
Vorlage S. 9 204 Warum, o Tochter Zeus', des Ägiserschütterers, kamst du?
Vorlage S. 9 205 Etwa den Frevel zu schaun von Atreus' Sohn Agamemnon?
Vorlage S. 9 Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Homer — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Manner of Caravaggio · Public domain Bildquelle ↗ 206 Aber ich sage dir an, und das wird wahrlich vollendet:
Vorlage S. 9 207 Sein unbändiger Stolz wird einst noch das Leben ihm kosten!
Vorlage S. 9 208 Drauf antwortete Zeus' blauäugige Tochter Athene:
Vorlage S. 9 209 Deinen Zorn zu stillen, gehorchtest du, kam ich vom Himmel;
Vorlage S. 9 210 Denn mich sendete Here, die lilienarmige Göttin,
Vorlage S. 9 211 Die für beide zugleich in liebender Seele besorgt ist.
Vorlage S. 9 212 Aber wohlan, lass fahren den Streit und zücke das Schwert nicht,
Vorlage S. 9 213 Magst du mit Worten ihn doch beleidigen, wie es dir einfällt.
Vorlage S. 9 214 Denn ich sage dir an, und das wird wahrlich vollendet:
Vorlage S. 9 215 Einst wird dir noch dreimal so herrliche Gabe geboten
Vorlage S. 9 216 Wegen der heutigen Schmach. Drum fasse dich nun und gehorch uns.
Vorlage S. 9 217 Ihr antwortete drauf der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 9 218 Euer Wort, o Göttin, geziemet es wohl zu bewahren,
Vorlage S. 10 219 Welche Wut auch im Herzen sich hebt; denn solches ist besser.
Vorlage S. 10 220 Wer dem Gebot der Götter gehorcht, den hören sie wieder.
Vorlage S. 10 221 Sprach's und hemmte die nervichte Hand an dem silbernen Hefte,
Vorlage S. 10 222 Stieß in die Scheide zurück das große Schwert und verwarf nicht
Vorlage S. 10 223 Athenäens Gebot. Sie wandte sich drauf zum Olympos,
Vorlage S. 10 224 In den Palast des donnernden Zeus, zu den anderen Göttern.
Vorlage S. 10 225 Doch der Peleide begann mit erbitterten Worten von neuem
Vorlage S. 10 226 Gegen des Atreus Sohn, denn noch nicht ruht' er vom Zorne:
Vorlage S. 10 227 Trunkenbold, mit dem hündischen Blick und dem Mute des Hirsches,
Vorlage S. 10 228 Niemals, weder zur Schlacht mit dem Volke zugleich dich zu rüsten
Vorlage S. 10 229 Noch zum Hinterhalte zu gehn mit den Edlen Achaias,
Vorlage S. 10 230 Hast du im Herzen gewagt! das scheinen dir Schrecken des Todes!
Vorlage S. 10 231 Zwar behaglicher ist es, im weiten Heer der Achaier
Vorlage S. 10 232 Ihm sein Geschenk zu entwenden, der dir entgegen nur redet!
Vorlage S. 10 233 Volkverschlingender König! denn nichtigen Menschen gebeutst du!
Vorlage S. 10 234 Oder du hättest, Atreide, das letztemal heute gefrevelt!
Vorlage S. 10 235 Aber ich sage dir an, und mit heiligem Eide beschwör ich's:
Vorlage S. 10 236 Wahrlich, bei diesem Zepter, der niemals Blätter und Zweige
Vorlage S. 10 237 Wieder zeugt, nachdem er den Stamm im Gebirge verlassen,
Vorlage S. 10 238 Nie mehr sproßt er empor, denn ringsum schälte das Erz ihm
Vorlage S. 10 239 Laub und Rinde hinweg, und edele Söhne Achaias
Vorlage S. 10 240 Tragen ihn jetzt in der Hand, die Richtenden, welchen Kronion
Vorlage S. 10 241 Seine Gesetze vertraut: dies sei dir die hohe Beteurung!
Vorlage S. 10 242 Wahrlich, vermisst wird Achilleus hinfort von den Söhnen Achaias
Vorlage S. 10 243 Allzumal; dann suchst du umsonst, wie sehr du dich härmest,
Vorlage S. 10 244 Rettung, wenn sie in Scharen, vom männermordenden Hektor
Vorlage S. 10 245 Niedergestürzt, hinsterben; und tief in der Seele zernagt dich
Vorlage S. 10 246 Zürnender Gram, dass den besten der Danaer nichts du geehret!
Vorlage S. 10 247 Also sprach der Peleid und warf auf die Erde den Zepter,
Vorlage S. 10 248 Rings mit goldenen Buckeln geschmückt; dann setzt' er sich nieder.
Vorlage S. 10 249 Gegen ihn stand der Atreid und wütete. Jetzo erhub sich
Vorlage S. 10 250 Nestor mit holdem Gespräch, der tönende Redner von Pylos,
Vorlage S. 10 251 Dem von der Zung ein Laut wie des Honiges Süße daherfloß.
Vorlage S. 10 252 Diesem waren schon zwei der redenden Menschengeschlechter
Vorlage S. 10 253 Hingewelkt, die vordem ihm zugleich aufwuchsen und lebten,
Vorlage S. 10 254 Dort in der heiligen Pylos; und jetzt das dritte beherrscht' er.
Vorlage S. 10 255 Dieser begann wohlmeinend und redete vor der Versammlung:
Vorlage S. 11 256 Wehe, wie großes Leid dem achaiischen Lande herannaht!
Vorlage S. 11 257 Traun, wohl freun wird sich Priamos des und Priamos' Söhne,
Vorlage S. 11 258 Auch das Volk der Troer wird hoch frohlocken im Herzen,
Vorlage S. 11 259 Wenn sie das alles gehört, wie ihr durch Zank euch ereifert,
Vorlage S. 11 260 Ihr, die ersten Achaier im Rat und die ersten im Kampfe.
Vorlage S. 11 261 Aber gehorcht! ihr beide seid jüngeren Alters, denn ich bin!
Vorlage S. 11 262 Denn schon vormals pflog ich mit stärkeren Männern Gemeinschaft,
Vorlage S. 11 263 Als ihr seid; und dennoch verachteten jene mich nimmer!
Vorlage S. 11 264 Solche Männer ersah ich nicht mehr und ersehe sie schwerlich,
Vorlage S. 11 265 So wie Peirithoos war und der völkerweidende Dryas,
Vorlage S. 11 266 Käneus auch und der Held Exadios, auch Polyphemos,
Vorlage S. 11 267 Oder wie Ägeus' Sohn, der götterähnliche Theseus.
Vorlage S. 11 268 Traun, das waren die stärksten der lebenden Erdebewohner,
Vorlage S. 11 269 Waren selbst die stärksten und kämpften nur wider die stärksten,
Vorlage S. 11 270 Wider die Bergkentauren, und übeten grause Vertilgung.
Vorlage S. 11 271 Seht, und jenen war ich ein Kriegsgenoß, der aus Pylos
Vorlage S. 11 272 Herkam, fern aus dem Apierland; denn sie riefen mich selber;
Vorlage S. 11 273 Und ich kämpfte das Meinige mit. Doch jene vermöchte
Vorlage S. 11 274 Keiner, so viel nun leben des Menschengeschlechts, zu bekämpfen.
Vorlage S. 11 275 Dennoch hörten sie Rat von mir und gehorchten dem Worte.
Vorlage S. 11 276 Aber gehorcht auch ihr; denn Rat zu hören ist besser.
Vorlage S. 11 277 Weder du, wie mächtig du seist, nimm jenem das Mägdlein,
Vorlage S. 11 278 Sondern lass, was ihm einmal zum Dank verliehn die Achaier;
Vorlage S. 11 279 Noch auch du, o Peleid, erhebe dich wider den König
Vorlage S. 11 280 So voll Trotz; denn es ward nie gleicher Ehre ja teilhaft
Vorlage S. 11 281 Ein bezepterter König, den Zeus mit Ruhme verherrlicht.
Vorlage S. 11 282 Wenn du ein Stärkerer bist und Sohn der göttlichen Mutter,
Vorlage S. 11 283 Ist er mächtiger doch, weil mehrerem Volk er gebietet.
Vorlage S. 11 284 Atreus' Sohn, lass fahren den Zorn; und ich selbst will Achilleus
Vorlage S. 11 285 Anflehn, auch sein Herz zu besänftigen, ihn, der die große
Vorlage S. 11 286 Schutzwehr ist dem achaiischen Volk im verderbenden Kriege.
Vorlage S. 11 287 Gegen ihn rief antwortend der Völkerfürst Agamemnon:
Vorlage S. 11 288 Wahrlich, o Greis, du hast wohlziemende Worte geredet.
Vorlage S. 11 289 Aber der Mann will immer den anderen allen zuvor sein;
Vorlage S. 11 290 Allen will er gebieten im Heer und alle beherrschen,
Vorlage S. 11 291 Allen Gesetz' austeilen, die niemand, mein ich, erkennet!
Vorlage S. 11 292 Wenn sie ja Lanzenkund ihm verliehn, die ewigen Götter,
Vorlage S. 12 293 Stellen sie darum ihm frei, auch Schmähungen auszurufen?
Vorlage S. 12 294 Ihm in die Red einfallend, begann der edle Achilleus:
Vorlage S. 12 295 Ja fürwahr, ein Feiger und Nichtiger müsst ich genannt sein,
Vorlage S. 12 296 Wenn ich in allem mich dir demütigte, was du nur aussprichst!
Vorlage S. 12 297 Andern gebeut du solches nach Willkür, aber nur mir nicht
Vorlage S. 12 298 Winke Befehl; ich möchte hinfort dir wenig gehorchen!
Vorlage S. 12 299 Eines verkünd ich dir noch, und du bewahr es im Herzen:
Vorlage S. 12 300 Niemals heb ich die Arme zum Streit auf wegen des Mägdleins,
Vorlage S. 12 301 Weder mit dir noch andern; ihr gabt und nehmet sie wieder.
Vorlage S. 12 302 Aber so viel mir sonst bei dem dunkelen Schiffe sich findet,
Vorlage S. 12 303 Davon nimmst du mir schwerlich das mindeste wider mein Wollen.
Vorlage S. 12 304 Oder wohlan, versuch es! Damit sie alle mit ansehn,
Vorlage S. 12 305 Wie alsbald an der Lanze dein schwarzes Blut mir herabträuft!
Vorlage S. 12 306 Also haderten beide mit widerstrebenden Worten,
Vorlage S. 12 307 Standen dann auf und trennten den Rat bei den Schiffen Achaias.
Vorlage S. 12 308 Peleus' Sohn, zu den Zelten gewandt und schwebenden Schiffen,
Vorlage S. 12 309 Wandelte samt Menötios' Sohn und seinen Genossen.
Vorlage S. 12 310 Doch der Atreid entließ ein hurtiges Schiff in die Meerflut,
Vorlage S. 12 311 Wählete zwanzig hinein der Ruderer, bracht auch Apollons
Vorlage S. 12 312 Hekatomb, und darauf des Chryses rosige Tochter
Vorlage S. 12 313 Führt' er hinein; und Gebieter des Schiffs war der weise Odysseus.
Vorlage S. 12 314 Alle nun eingestiegen, durchsteuerten flüssige Pfade.
Vorlage S. 12 315 Drauf hieß Atreus' Sohn sich entsündigen alle Achaier:
Vorlage S. 12 316 Und sie entsündigten sich und warfen ins Meer die Befleckung,
Vorlage S. 12 317 Opferten dann für Apollon vollkommene Sühnhekatomben
Vorlage S. 12 318 Mutiger Stier' und Ziegen am Strand des verödeten Meeres;
Vorlage S. 12 319 Und hoch wallte der Duft in wirbelndem Rauche gen Himmel.
Vorlage S. 12 320 So war alles im Heere beschäftiget. Doch Agamemnon
Vorlage S. 12 321 Ließ nicht ruhn, was er zankend zuvor gedroht dem Achilleus;
Vorlage S. 12 322 Sondern Talthybios schnell und Eurybates rief er ermahnend,
Vorlage S. 12 323 Die Herold' ihm waren und rasch aufwartende Diener:
Vorlage S. 12 324 Gehet hin zum Gezelte des Peleiaden Achilleus,
Vorlage S. 12 325 Nehmt an der Hand und bringt des Brises rosige Tochter.
Vorlage S. 12 326 Wenn er sie nicht hergäbe, so möcht ich selber sie nehmen,
Vorlage S. 12 327 Hin mit mehreren kommend, was ihm noch schrecklicher sein wird!
Vorlage S. 12 328 Jener sprach's und entließ sie, die drohenden Worte befehlend.
Vorlage S. 12 329 Ungern gingen sie beid am Strand des verödeten Meeres,
Vorlage S. 13 330 Bis sie die Zelt' und Schiffe der Myrmidonen erreichten.
Vorlage S. 13 331 Ihn nun fanden sie dort am Gezelt und dunkelen Schiffe
Vorlage S. 13 332 Sitzend; und traun, nicht wurde des Anblicks fröhlich Achilleus.
Vorlage S. 13 333 Beide, bestürzt vor Scheu und Ehrfurcht gegen den König,
Vorlage S. 13 334 Standen und wageten nichts zu verkündigen oder zu fragen.
Vorlage S. 13 335 Aber er selbst vernahm es in seinem Geist und begann so:
Vorlage S. 13 336 Freude mit euch, Herold', ihr Boten Zeus' und der Menschen!
Vorlage S. 13 337 Nahet euch! Ihr nicht seid mir Verschuldete, nur Agamemnon,
Vorlage S. 13 338 Der euch beide gesandt um Brises' rosige Tochter.
Vorlage S. 13 339 Auf denn, führe heraus das Mägdelein, edler Patroklos,
Vorlage S. 13 340 Und lass jene sie nehmen. Doch sei'n sie selber mir Zeugen
Vorlage S. 13 341 Vor den seligen Göttern und vor den sterblichen Menschen,
Vorlage S. 13 342 Auch vor dem Könige dort, dem Wüterich: wenn man hinfort noch
Vorlage S. 13 343 Meiner Hilfe bedarf, dem schmählichen Jammer zu steuern
Vorlage S. 13 344 Jenes Volks ...! Ha, wahrlich! er tobt in verderblichem Wahnsinn,
Vorlage S. 13 345 Blind im Geiste zugleich vorwärts zu schauen und rückwärts,
Vorlage S. 13 346 Dass bei den Schiffen er sichre das streitende Heer der Achaier!
Vorlage S. 13 347 Jener sprach's; und Patroklos, dem lieben Freunde gehorchend,
Vorlage S. 13 348 Führt' aus dem Zelt und gab des Brises rosige Tochter
Vorlage S. 13 349 Jenen dahin; und sie kehrten zurück zu den Schiffen Achaias.
Vorlage S. 13 350 Ungern ging mit ihnen das Mägdelein. Aber Achilleus,
Vorlage S. 13 351 Weinend, setzte sich schnell, abwärts von den Freunden gesondert,
Vorlage S. 13 352 Hin an des Meeres Gestad und schaut' in das finstre Gewässer.
Vorlage S. 13 353 Vieles zur trauten Mutter nun flehet er, breitend die Hände:
Vorlage S. 13 354 Mutter, dieweil du mich nur für wenige Tage gebarest,
Vorlage S. 13 355 Sollte mir Ehre doch der Olympier jetzo verleihen,
Vorlage S. 13 356 Der hochdonnernde Zeus! Doch er ehret mich nicht auch ein wenig!
Vorlage S. 13 357 Siehe, des Atreus Sohn, der Völkerfürst Agamemnon,
Vorlage S. 13 358 Hat mich entehrt und behält mein Geschenk, das er selber geraubet!
Vorlage S. 13 359 Also sprach er betränt; ihn vernahm die treffliche Mutter,
Vorlage S. 13 360 Sitzend dort in den Tiefen des Meeres beim grauen Erzeuger.
Vorlage S. 13 361 Eilenden Schwungs entstieg sie der finsteren Flut wie ein Nebel,
Vorlage S. 13 362 Und nun setzte sie nahe sich hin vor den Tränenbenetzten,
Vorlage S. 13 363 Streichelt' ihn drauf mit der Hand und redete, also beginnend:
Vorlage S. 13 364 Liebes Kind, was weinst du? und was betrübt dir die Seele?
Vorlage S. 13 365 Sprich, verhehle mir nichts, damit wir es beide wissen.
Vorlage S. 13 366 Doch schwerseufzend begann der mutige Renner Achilleus:
Vorlage S. 14 367 Mutter, du weißt das alles; was soll ich es dir noch erzählen?
Vorlage S. 14 368 Thebe belagerten wir, Eetions heilige Feste,
Vorlage S. 14 369 Und verwüsteten sie und führeten alles von dannen.
Vorlage S. 14 370 Redlich teilten den Raub die tapferen Söhne Achaias,
Vorlage S. 14 371 Und man erkor dem Atreiden des Chryses rosige Tochter.
Vorlage S. 14 372 Chryses darauf, der Priester des treffenden Phöbos Apollon,
Vorlage S. 14 373 Kam zu den rüstigen Schiffen der erzumschirmten Achaier,
Vorlage S. 14 374 Freizukaufen die Tochter, und bracht unendliche Lösung,
Vorlage S. 14 375 Tragend den Lorbeerschmuck des treffenden Phöbos Apollon
Vorlage S. 14 376 Um den goldenen Stab; und er flehete laut den Achaiern,
Vorlage S. 14 377 Doch den Atreiden vor allen, den zween Feldherrn der Völker.
Vorlage S. 14 378 Drauf gebot beifallend das ganze Heer der Achaier,
Vorlage S. 14 379 Ehrend den Priester zu scheun und die köstliche Lösung zu nehmen.
Vorlage S. 14 380 Aber nicht Agamemnon, des Atreus Sohne, gefiel es;
Vorlage S. 14 381 Dieser entsandt ihn mit Schmach und befahl ihm drohende Worte.
Vorlage S. 14 382 Zürnend vernahm es der Greis und wandte sich. Aber Apollon
Vorlage S. 14 383 Hörte des Flehenden Ruf; denn sehr geliebt war ihm jener.
Vorlage S. 14 384 Und nun sandt er sein Todesgeschoß; und die Völker Achaias
Vorlage S. 14 385 Starben in Scharen dahin, da rings die Geschosse des Gottes
Vorlage S. 14 386 Flogen im weiten Heere der Danaer. Siehe, da weissagt'
Vorlage S. 14 387 Uns ein kundiger Seher den heiligen Rat des Apollon.
Vorlage S. 14 388 Eilend riet ich selber zuerst, den Gott zu versöhnen.
Vorlage S. 14 389 Aber der Atreion ereiferte; schnell sich erhebend,
Vorlage S. 14 390 Sprach er ein drohendes Wort, das nun der Vollendung genaht ist.
Vorlage S. 14 391 Jene geleiten im Schiff frohblickende Söhne Achaias
Vorlage S. 14 392 Heim nach Chrysa zurück, auch bringen sie Gaben dem Herrscher.
Vorlage S. 14 393 Doch mir nahmen nur eben die Herold' aus dem Gezelte
Vorlage S. 14 394 Brises' Tochter hinweg, das Ehrengeschenk der Achaier.
Vorlage S. 14 395 Oh, wenn du es vermagst, so hilf dem tapferen Sohne!
Vorlage S. 14 396 Steig empor zum Olympos und flehe Zeus, wenn du jemals
Vorlage S. 14 397 Ihm mit Worten das Herz erfreuetest oder mit Taten.
Vorlage S. 14 398 Denn ich habe ja oft dich selbst im Palaste des Vaters
Vorlage S. 14 399 Rühmen gehört, wie du einst dem schwarzumwölkten Kronion,
Vorlage S. 14 400 Du von den Göttern allein, die schmähliche Kränkung gewendet,
Vorlage S. 14 401 Als vordem ihn zu binden die andern Olympier drohten,
Vorlage S. 14 402 Here und Poseidaon zugleich und Pallas Athene.
Vorlage S. 14 403 Doch du kamst, o Göttin, und lösetest ihn aus den Banden,
Vorlage S. 15 404 Rufend zum hohen Olympos den hundertarmigen Riesen,
Vorlage S. 15 405 Den Briareos nennen die Himmlischen, aber Ägäon
Vorlage S. 15 406 Jeglicher Mensch; denn er raget auch selbst vor dem Vater an Stärke.
Vorlage S. 15 407 Dieser nun saß bei Kronion dem Donnerer, freudigen Trotzes.
Vorlage S. 15 408 Drob erschraken die Götter und scheuten sich, jenen zu fesseln.
Vorlage S. 15 409 Setze nun, des ihn erinnernd, zu jenem dich, faß ihm die Knie auch,
Vorlage S. 15 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Ilias“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · H.-P.Haack · Public domain Bildquelle ↗ 410 Ob es vielleicht ihm gefalle, den Troern Schutz zu gewähren,
Vorlage S. 15 411 Aber zurückzudrängen zum Lager und Meer die Achaier,
Vorlage S. 15 412 Niedergehaun, bis sie alle sich sättigen ihres Gebieters;
Vorlage S. 15 413 Auch er selbst, der Atreide, der Völkerfürst Agamemnon,
Vorlage S. 15 414 Kenne die Schuld, da den besten der Danaer nichts er geehret!
Vorlage S. 15 415 Aber Thetis darauf antwortete, Tränen vergießend:
Vorlage S. 15 416 Wehe mir, dass ich, mein Kind, dich erzog, unselig Geborner!
Vorlage S. 15 417 Möchtest du hier bei den Schiffen doch frei von Tränen und Kränkung
Vorlage S. 15 418 Sitzen, dieweil dein Verhängnis so kurz nur währet, so gar kurz!
Vorlage S. 15 419 Aber zugleich frühwelkend und unglückselig vor allen
Vorlage S. 15 420 Wurdest du! Ja, dich gebar ich dem Jammergeschick im Palaste!
Vorlage S. 15 421 Dies dem Donnerer Zeus zu verkündigen, ob er mich höre,
Vorlage S. 15 422 Geh ich selber hinauf zum schneebedeckten Olympos.
Vorlage S. 15 423 Du indes, an des Meers schnellwandelnden Schiffen dich setzend,
Vorlage S. 15 424 Zürne dem Danaervolk und des Kriegs enthalte dich gänzlich.
Vorlage S. 15 425 Zeus ging gestern zum Mahl der unsträflichen Äthiopen
Vorlage S. 15 426 An des Okeanos Flut, und die Himmlischen folgten ihm alle.
Vorlage S. 15 427 Aber am zwölften Tag dann kehret er heim zum Olympos.
Vorlage S. 15 428 Hierauf steig ich empor zum ehernen Hause Kronions
Vorlage S. 15 429 Und umfaß ihm die Knie; und ich traue mir, ihn zu bewegen.
Vorlage S. 15 430 Als sie solches geredet, enteilte sie. Jener, allein nun,
Vorlage S. 15 431 Zürnt' im Geist und gedachte des schöngegürteten Weibes,
Vorlage S. 15 432 Das man mit Trotz und Gewalt ihm hinwegnahm. Aber Odysseus
Vorlage S. 15 433 Kam und brachte gen Chrysa die heilige Sühnhekatombe.
Vorlage S. 15 434 Als sie nunmehr in des Ports tiefgründige Räume gekommen,
Vorlage S. 15 435 Zogen sie ein die Segel und legten ins schwärzliche Schiff sie;
Vorlage S. 15 436 Lehnten darauf zum Behälter den Mast, an den Tauen ihn senkend,
Vorlage S. 15 437 Eilig hinab und schoben das Schiff mit Rudern zur Anfurt,
Vorlage S. 15 438 Warfen dann Anker hinaus und befestigten Seil' am Gestade.
Vorlage S. 15 439 Aus nun stiegen sie selbst an den wogenden Strand der Gewässer,
Vorlage S. 15 440 Aus auch lud man das Opfer dem treffenden Phöbos Apollon;
Vorlage S. 16 441 Aus auch stieg Chryseis vom meerdurchwallenden Schiffe.
Vorlage S. 16 442 Diese nun führte sogleich zum Altar der weise Odysseus,
Vorlage S. 16 443 Gab in des Vaters Hände sie hin und redete also:
Vorlage S. 16 444 Chryses, mich sandte daher der Völkerfürst Agamemnon,
Vorlage S. 16 445 Dass ich die Tochter dir brächt und die Sühnhekatombe dem Phöbos
Vorlage S. 16 446 Opferte für die Achaier, den Zorn zu versöhnen des Herrschers,
Vorlage S. 16 447 Der nun Argos' Volke so schmerzliches Wehe verhänget.
Vorlage S. 16 448 Sprach's und gab in die Hände sie ihm; und mit Freuden empfing er
Vorlage S. 16 449 Seine geliebte Tochter. Auch ordneten jene des Gottes
Vorlage S. 16 450 Herrliche Sühnhekatombe um den schöngebaueten Altar,
Vorlage S. 16 451 Wuschen darauf sich die Händ' und nahmen sich heilige Gerste.
Vorlage S. 16 452 Aber Chryses betete laut mit erhobenen Händen:
Vorlage S. 16 453 Höre mich, Gott, der du Chrysa mit silbernem Bogen umwandelst
Vorlage S. 16 454 Samt der heiligen Killa, und Tenedos mächtig beherrschest!
Vorlage S. 16 455 So wie schon du zuvor mich höretest, als ich dich anrief,
Vorlage S. 16 456 Wie du Ehre mir gabst und furchtbar schlugst die Achaier,
Vorlage S. 16 457 Also auch nun von neuem gewähre mir dieses Verlangen:
Vorlage S. 16 458 Gib den Danaern nun der schmählichen Plage Genesung!
Vorlage S. 16 459 Also rief er betend; ihn hörete Phöbos Apollon.
Vorlage S. 16 460 Aber nachdem sie gefleht und heilige Gerste gestreuet,
Vorlage S. 16 461 Beugten zurück sie die Häls' und schlachteten, zogen die Häut' ab,
Vorlage S. 16 462 Sonderten dann die Schenkel, umwickelten solche mit Fette
Vorlage S. 16 463 Zwiefach umher und bedeckten sie dann mit Stücken der Glieder.
Vorlage S. 16 464 Jetzo verbrannt es auf Scheitern der Greis, und dunkelen Weines
Vorlage S. 16 465 Sprengt' er darauf; ihn umstanden die Jünglinge, haltend den Fünfzack.
Vorlage S. 16 466 Als sie die Schenkel verbrannt und die Eingeweide gekostet,
Vorlage S. 16 467 Schnitten sie auch das übrige klein und steckten's an Spieße,
Vorlage S. 16 468 Brieten es dann vorsichtig und zogen es alles herunter.
Vorlage S. 16 469 Aber nachdem sie ruhten vom Werk und das Mahl sich bereitet,
Vorlage S. 16 470 Schmausten sie, und nicht mangelt' ihr Herz des gemeinsamen Mahles.
Vorlage S. 16 471 Aber nachdem die Begierde des Tranks und der Speise gestillt war,
Vorlage S. 16 472 Füllten die Jünglinge schnell die Krüge zum Rand mit Getränke,
Vorlage S. 16 473 Wandten von neuem sich rechts und verteileten allen die Becher.
Vorlage S. 16 474 Jene den ganzen Tag versöhnten den Gott mit Gesange,
Vorlage S. 16 475 Schön anstimmend den Päan, die blühenden Männer Achaias,
Vorlage S. 16 476 Preisend des Treffenden Macht; und er hörte freudigen Herzens.
Vorlage S. 16 477 Als die Sonne nunmehr hinsank und das Dunkel heraufzog,
Vorlage S. 17 478 Legten sich jene zur Ruh an den haltenden Seilen des Schiffes.
Vorlage S. 17 479 Als aufdämmernd nun Eos mit Rosenfingern emporstieg,
Vorlage S. 17 480 Jetzo schifften sie heim zum weiten Heer der Achaier.
Vorlage S. 17 481 Günstigen Hauch sandt ihnen der treffende Phöbos Apollon;
Vorlage S. 17 482 Und sie erhuben den Mast und spannten die schimmernden Segel.
Vorlage S. 17 483 Voll nun schwellte der Wind des Segels Mitt, und umher scholl
Vorlage S. 17 484 Laut die purpurne Wog um den Kiel des gleitenden Schiffes;
Vorlage S. 17 485 Und es durchlief die Gewässer, den Weg in Eile vollendend.
Vorlage S. 17 486 Als sie nunmehr hinkamen zum weiten Heer der Achaier,
Vorlage S. 17 487 Zogen das schwärzliche Schiff sie empor an die Feste des Landes,
Vorlage S. 17 488 Hoch auf den kiesigen Sand, und breiteten drunter Gebälk hin;
Vorlage S. 17 489 Selbst dann zerstreuten sie sich ringsher zu Gezelten und Schiffen.
Vorlage S. 17 490 Jener zürnt', an des Meers schnellwandelnden Schiffen sich setzend,
Vorlage S. 17 491 Peleus' göttlicher Sohn, der mutige Renner Achilleus.
Vorlage S. 17 492 Niemals mehr in den Rat, den männerehrenden, ging er,
Vorlage S. 17 493 Niemals mehr in die Schlacht. Doch Gram zernagte das Herz ihm,
Vorlage S. 17 494 Dass er blieb; er verlangte nur Feldgeschrei und Getümmel.
Vorlage S. 17 495 Als nunmehr die zwölfte der Morgenröten emporstieg,
Vorlage S. 17 496 Kehreten heim zum Olympos die ewigwährenden Götter
Vorlage S. 17 497 Alle zugleich; Zeus führte. Doch Thetis vergaß das Geheiß nicht
Vorlage S. 17 498 Ihres Sohns; sie enttauchte der Woge des Meers und erhub sich
Vorlage S. 17 499 Schon in dämmernder Frühe zum Himmel empor und Olympos;
Vorlage S. 17 500 Fand nun den waltenden Zeus abwärts von den anderen sitzend,
Vorlage S. 17 501 Dort auf dem obersten Gipfel des vielgezackten Olympos.
Vorlage S. 17 502 Und sie setzte sich nahe vor ihn, umschlang mit der Linken
Vorlage S. 17 503 Seine Knie und berührt' ihn unter dem Kinn mit der Rechten;
Vorlage S. 17 504 Flehend zugleich begann sie zum herrschenden Zeus Kronion:
Vorlage S. 17 505 Vater Zeus, wenn ich je mit Worten dir oder mit Taten
Vorlage S. 17 506 Frommt' in der Götter Schar, so gewähre mir dieses Verlangen:
Vorlage S. 17 507 Ehre mir meinen Sohn, der frühhinwelkend vor andern
Vorlage S. 17 508 Sterblichen ward! Doch hat ihn der Völkerfürst Agamemnon
Vorlage S. 17 509 Jetzo entehrt und behält sein Geschenk, das er selber geraubet!
Vorlage S. 17 510 Aber o räch ihn du, Olympier, Ordner der Welt, Zeus!
Vorlage S. 17 511 Stärke die Troer nunmehr mit Siegskraft, bis die Achaier
Vorlage S. 17 512 Meinen Sohn mir geehrt und reichliche Ehr ihm vergolten!
Vorlage S. 17 513 Jene sprach's; ihr erwiderte nichts der Wolkenversammler;
Vorlage S. 17 514 Lange saß er und schwieg. Doch Thetis schmiegte sich fest ihm
Vorlage S. 18 515 An die umschlungenen Knie und flehte wieder von neuem:
Vorlage S. 18 516 Unverstellt verheiße mir jetzt und winke Gewährung
Vorlage S. 18 517 Oder verweigere mir's! (nichts scheuest du!) dass ich es wisse,
Vorlage S. 18 518 Ganz sei ich vor allen die ungeehrteste Göttin!
Vorlage S. 18 519 Unmutsvoll nun begann der Herrscher im Donnergewölk Zeus:
Vorlage S. 18 520 Heillos, traun, ist solches, dass du mit Here zu hadern
Vorlage S. 18 521 Mich empörst, wann sie künftig mich reizt durch schmähende Worte.
Vorlage S. 18 522 Zanket sie doch schon so im Kreis der unsterblichen Götter
Vorlage S. 18 523 Stets mit mir und saget, ich helf im Streite den Troern.
Vorlage S. 18 524 Eile denn du jetzt wieder hinweg, dass nicht dich bemerke
Vorlage S. 18 525 Here; doch mir sei die Sorge des übrigen, wie ich's vollende.
Vorlage S. 18 526 Aber wohlan, mit dem Haupte dir wink ich es, dass du vertrauest.
Vorlage S. 18 527 Solches ist ja meiner Verheißungen unter den Göttern
Vorlage S. 18 528 Heiligstes Pfand; denn nie ist wandelbar oder betrüglich,
Vorlage S. 18 529 Noch unvollendet das Wort, das mit winkendem Haupt ich gewähret.
Vorlage S. 18 530 Also sprach und winkte mit schwärzlichen Brauen Kronion;
Vorlage S. 18 531 Und die ambrosischen Locken des Königes wallten ihm vorwärts
Vorlage S. 18 532 Von dem unsterblichen Haupt; es erbebten die Höhn des Olympos.
Vorlage S. 18 533 So ratschlagten sie beid und trennten sich. Siehe, die Göttin
Vorlage S. 18 534 Fuhr in die Tiefe des Meers vom glanzerhellten Olympos,
Vorlage S. 18 535 Zeus dann in seinen Palast. Die Unsterblichen standen empor ihm
Vorlage S. 18 536 Alle vom Sitz, dem Vater entgegenzugehen; und nicht einer
Vorlage S. 18 537 Harrte des Kommenden dort, entgegen ihm traten sie alle.
Vorlage S. 18 538 Er nun nahte dem Thron und setzte sich. Aber nicht achtlos
Vorlage S. 18 539 Hatt es Here bemerkt, wie geheim ratschlagte mit jenem
Vorlage S. 18 540 Nereus' Tochter, des Greises, die silberfüßige Thetis.
Vorlage S. 18 541 Schnell mit kränkender Rede zu Zeus Kronion begann sie:
Vorlage S. 18 542 Wer hat, Schlauer, mit dir der Unsterblichen wieder geratschlagt?
Vorlage S. 18 543 Immer war es dir Freude, von mir hinweg dich entfernend,
Vorlage S. 18 544 Heimlich ersonnenen Rat zu genehmigen! Hast du doch niemals
Vorlage S. 18 545 Mir willfährigen Geistes ein Wort gesagt, was du denkest!
Vorlage S. 18 546 Drauf begann der Vater des Menschengeschlechts und der Götter:
Vorlage S. 18 547 Here, nur nicht alles getraue dir, was ich beschließe,
Vorlage S. 18 548 Einzusehn; schwer würde dir das, auch meiner Gemahlin!
Vorlage S. 18 549 Zwar was dir zu hören vergönnt ist, keiner soll jenes
Vorlage S. 18 550 Früher erkennen denn du, der Unsterblichen oder der Menschen.
Vorlage S. 18 551 Doch was mir von den Göttern entfernt zu beschließen genehm ist,
Vorlage S. 19 552 Solches darfst du mir nicht auskundigen oder erforschen.
Vorlage S. 19 553 Ihm antwortete drauf die hoheitblickende Here:
Vorlage S. 19 554 Welch ein Wort, Kronion, du Schrecklicher, hast du geredet!
Vorlage S. 19 555 Nie doch hab ich zuvor mich erkundiget oder geforschet,
Vorlage S. 19 556 Sondern ganz in Ruhe beschließest du, was dir genehm ist.
Vorlage S. 19 557 Doch nun sorg ich im Herzen und fürchte mich, dass dich beschwatze
Vorlage S. 19 558 Nereus' Tochter, des Greises, die silberfüßige Thetis.
Vorlage S. 19 559 Denn sie saß in der Frühe bei dir und umschlang dir die Knie.
Vorlage S. 19 560 Ihr dann winkend, vermut ich, gelobtest du, dass du Achilleus
Vorlage S. 19 561 Ehren willst und verderben der Danaer viel an den Schiffen.
Vorlage S. 19 562 Gegen sie rief antwortend der Herrscher im Donnergewölk Zeus:
Vorlage S. 19 563 Immer, du Wunderbare, vermutest du, spähest mich immer!
Vorlage S. 19 564 Doch nicht schafft dein Tun dir das mindeste, sondern entfernter
Vorlage S. 19 565 Wirst du im Herzen mir stets, was dir noch schrecklicher sein wird;
Vorlage S. 19 566 Wenn auch jenes geschieht, so wird mir's also gelieben!
Vorlage S. 19 567 Sitze denn ruhig und schweig und gehorche du meinem Gebote!
Vorlage S. 19 568 Kaum wohl schützten dich sonst die Unsterblichen all im Olympos,
Vorlage S. 19 569 Trät ich hinan, ausstreckend zu dir die unnahbaren Hände!
Vorlage S. 19 570 Jener sprach's, da erschrak die hoheitblickende Here;
Vorlage S. 19 571 Schweigend saß sie nunmehr und bezwang die Stürme des Herzens.
Vorlage S. 19 572 Doch rings traurten im Saale die göttlichen Uranionen.
Vorlage S. 19 573 Jetzo begann Hephästos, der kunstberühmte, zu reden,
Vorlage S. 19 574 Seiner Mutter zu Gunst, der lilienarmigen Here:
Vorlage S. 19 575 Heillos, traun, wird solches zuletzt und gar unerträglich,
Vorlage S. 19 576 Wenn ihr beid um Sterbliche nun euch also entzweiet
Vorlage S. 19 577 Und zu Tumult aufreizet die Himmlischen! Nichts ja genießt man
Vorlage S. 19 578 Mehr von der Freude des Mahls; denn es wird je länger, je ärger!
Vorlage S. 19 579 Jetzt ermahn ich die Mutter, wiewohl sie selber Verstand hat,
Vorlage S. 19 580 Unserem Vater zu nahn mit Gefälligkeit, dass er hinfort nicht
Vorlage S. 19 581 Schelte, der Vater Zeus, und uns zerrütte das Gastmahl.
Vorlage S. 19 582 Denn sobald er es wollte, der Donnergott des Olympos,
Vorlage S. 19 583 Schmettert' er uns von den Thronen; denn er ist mächtig vor allen.
Vorlage S. 19 584 Aber wohlan, du wollest mit freundlichen Worten ihm schmeicheln;
Vorlage S. 19 585 Bald wird wieder zu Huld der Olympier uns versöhnt sein.
Vorlage S. 19 586 Jener sprach's und erhub sich und nahm den doppelten Becher.
Vorlage S. 19 587 Reicht' in die Hand der Mutter ihn dar und redete also:
Vorlage S. 19 588 Duld, o teuerste Mutter, und fasse dich, herzlich betrübt zwar!
Vorlage S. 20 589 Dass ich nicht, du Geliebte, mit eigenen Augen es sehe,
Vorlage S. 20 590 Wann er dich straft; dann sucht' ich umsonst, wie sehr ich mich härmte,
Vorlage S. 20 591 Rettung; schwerlich ja mag dem Olympier einer begegnen!
Vorlage S. 20 592 Denn schon einmal vordem, als abzuwehren ich strebte,
Vorlage S. 20 593 Schwang er mich hoch, bei der Ferse gefasst, von der heiligen Schwelle.
Vorlage S. 20 594 Ganz den Tag hinflog ich, und spät mit der sinkenden Sonne
Vorlage S. 20 595 Fiel ich in Lemnos hinab und atmete kaum noch Leben;
Vorlage S. 20 596 Aber der Sintier Volk empfing mich Gefallenen freundlich.
Vorlage S. 20 597 Sprach's; da lächelte sanft die lilienarmige Here.
Vorlage S. 20 598 Lächelnd darauf entnahm sie der Hand des Sohnes den Becher.
Vorlage S. 20 599 Jener schenkte nunmehr auch der übrigen Götterversammlung
Vorlage S. 20 600 Rechts herum, dem Kruge den süßen Nektar entschöpfend.
Vorlage S. 20 601 Doch unermessliches Lachen erscholl den seligen Göttern,
Vorlage S. 20 602 Als sie sahn, wie Hephästos in emsiger Eil umherging.
Vorlage S. 20 603 Also den ganzen Tag bis spät zur sinkenden Sonne
Vorlage S. 20 604 Schmausten sie, und nicht mangelt' ihr Herz des gemeinsamen Mahles,
Vorlage S. 20 605 Nicht des Saitengetöns von der lieblichen Leier Apollons,
Vorlage S. 20 606 Noch des Gesangs der Musen mit hold antwortender Stimme.
Vorlage S. 20 607 Aber nachdem sich gesenkt des Helios leuchtende Fackel,
Vorlage S. 20 608 Gingen sie auszuruhn zur eigenen Wohnung ein jeder,
Vorlage S. 20 609 Dort, wo jedem vordem der hinkende Künstler Hephästos
Vorlage S. 20 610 Bauete seinen Palast mit erfindungsreichem Verstande.
Vorlage S. 20 611 Zeus auch ging zum Lager, der Donnergott des Olympos,
Vorlage S. 20 612 Wo er zuvor ausruhte, wann süßer Schlaf ihm genaht war;
Vorlage S. 20 613 Dorthin stieg er zu ruhn mit der goldenthronenden Here.
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