Ein Reisender beschreibt eine Stadt, deren Arbeit, Bildung und gemeinschaftliches Leben umfassend organisiert sind. Campanellas Utopie eröffnet Fragen nach Wissen, Gemeinwohl, Freiheit und den Grenzen einer vollkommen geplanten Gesellschaft.
UtopieKlasse 11–135 Abschnitte
Thomas Campanella – historisches Bildnis — Historische Darstellung von Thomas Campanella. Bild zur Autorschaft; keine Illustration einer bestimmten Textszene. · Francesco Cozza · Public domainBildquelle ↗
Historische philosophische, religiöse und naturkundliche Aussagen sowie zeitgebundene gesellschaftliche Wertungen kritisch einordnen. Diese Texte vermitteln keine heutigen wissenschaftlichen, medizinischen oder rechtlichen Handlungsempfehlungen. Klassenangaben sind eine redaktionelle Orientierung.
Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.
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Deutsch · Abschnitt 1 von 5
Der Sonnenstaat · Leseabschnitt 1
Redaktioneller Leseabschnitt innerhalb von „Der Sonnenstaat“. Die zusätzliche Gliederung verändert weder Wortlaut noch Reihenfolge.
DER GENUESE. Ich habe dir schon auseinandergesetzt, in welcher Weise ich meine Weltumsegelung ausgeführt habe und endlich nach Taprobana gekommen und gezwungen worden bin zu landen, dann, aus Furcht vor den Einwohnern mich in einem Walde verborgen habe, den ich nach einiger Zeit wieder verließ, um mich in einer großen Ebene direkt unter dem Aequator zu befinden.
DER GENUESE. Ich gerieth in einen Haufen bewaffneter Männer und Weiber, deren Viele unsere Sprache kannten. Sie führten mich geraden Wegs nach der Sonnenstadt.
DER GENUESE. In einer weitgestreckten Ebene er hebt sich ein mächtiger Hügel, auf dem der größte Theil der Stadt staffelförmig angelegt ist. Die vielfachen Umkreise der Stadt erstrecken sich eine lange Strecke über den Fuß des Berges hinaus, so dass der Durchmesser der Stadt zwei, ihr Umfang aber über sieben Meilen beträgt. In Folge ihrer hügeligen Lage nimmt sie mehr Raum ein, als wenn sie in der Ebene läge.
Sie ist in sieben große Kreise eingetheilt, die nach den sieben Planeten benannt sind. Aus einem in den andern gelangt man auf vier Wegen und durch vier Thore, die nach den vier Weltgegenden gerichtet sind. Diese Stadt ist so gebaut, dass, wenn Jemand den ersten Kreis erobert hätte, er die doppelte Anstrengung daranwenden müsste, um den zweiten zu erobern, und noch größere, um den dritten in die Hand zu bekommen, und so hätte er immerfort gesteigerte Bemühungen und Anstrengungen aufzubieten, so dass die Stadt siebenmal von ihm erobert werden müsste. Ich bin aber der Ansicht, dass nicht einmal der erste Kreis eingenommen werden könnte, mit so breiten Erdwällen ist er eingefaßt und mit Bollwerken aller Art befestigt und bewehrt, wie Thürmen, Gräben, Bombarden.
Als ich nun durch das nördliche Thor eingetreten war, das mit Eisen überzogen und so gearbeitet ist, dass es in die Höhe gezogen und herabgelassen wer den kann, und sich mit Leichtigkeit und völliger Sicherheit schließen lässt, indem seine Angeln sich höchst kunstvoll in den Rinnen starker Balken bewegen, erblickte ich einen ebenen Zwischenraum von siebzig Schritt, der die erste Mauer von der zweiten trennt. Dann sieht man großartige Paläste, die alle an die Mauern des zweiten Kreises angebaut sind, so dass man sie sämmtlich für einen einzigen Gebäudekomplex halten könnte. In halber Höhe der Paläste sieht man den ganzen Kreis entlang fortgeführte Schwibbogen mit Spazierdächern auf denselben, von schönen, unten breit auslaufenden Säulen getragen, die wie Peristyle oder Klosterräume eine Säulenhalle umsäumen.
Unten sind nur Eingänge in den konkaven Partien der Mauern; in die unten belegenen Zimmer gelangt man ebenerdig und in die oberen Stockwerke auf Marmortreppen, die zu Spazierdächern im Innern führen, von denen man wieder in die oberen prächtigen Stockwerke gelangt. Diese empfangen Licht durch zierlich gestaltete Fenster, die sich im konkaven und im konvexen Theile der Wände befinden.
Die konvexe, d.i. die sich ausbauchende oder vorspringende Mauer, hat eine Dicke von 8 Spannen, die konkave auf der Innenseite von nur drei Spannen, die Zwischenmauer nur von einer Spanne oder vielleicht noch einer halben.
Wenn man über die erste Ebene hinüber ist, gelangt man auf die zweite, die etwa um drei Schritte schmäler ist. Von hier aus erblickt man die erste Mauer des zweiten Kreises, mit ähnlichen Wandelgängen oben und unten geschmückt, und mehr nach rückwärts ist eine zweite Mauer, welche die dort befindlichen Paläste umfängt, und unten befinden sich von Säulen getragene Erker und Peristyle, oben aber, wo die Ausgänge der höher gelegenen Häuser sind, sind ausgezeichnete Gemälde angebracht.
So geht man durch ähnliche Kreisrundgänge und doppelte Mauern, die Paläste zwischen sich einschließen und mit Wandeldächern nach außen geschmückt sind, die von Säulen gestützt werden, und gelangt zum obersten Rundgang, immerfort auf gerader Fläche. Nur wenn man durch die Thore der einwärts und der auswärts gebogenen Mauer schreitet, steigt man über Stufen, was man aber kaum gewahr wird, da sie sehr schräg angehen und die Steigung der einzelnen Stufen kaum merkbar ist.
DER GENUESE. Der Tempel ist von vollkommen runder Gestalt und nicht von Mauern umgeben, sondern schwebt auf starken, zierlich gearbeiteten Säulen. Die größere Kuppel in der Mitte des Daches, gleichsam der Pol des Tempels, ist von einer kleineren überhöht, die im Mittelpunkt ein Guckloch hat, durch welches man direkt auf den Altar herabsieht, der sich in der Mitte des Tempels befindet, dessen Peripherie dreihundertfünfzig Schritt übersteigt. Auf der Außenseite der Säulenkapitäle und auf diese gestützt, erheben sich etwa acht Schritt vorragende Schwibbogen, die von unten auf einer dicken, drei Schritt hohen Mauer basiren, so dass die Säulen des Tempels und jene, welche den äußeren Schwibbogen tragen, mit ihren Zwischenräumen eine niedere Galerie bilden, die ein prächtiges Pflaster hat. Die Innenseite der niedrigen Mauer ist von zahlreichen Thüren unterbrochen, und hier und da erblickt man unbewegliche Sitze, wenn gleich auch zahlreiche zierliche, tragbare Stühle zwischen den inneren Säulen des Tempels selbst vorhanden sind.
Ueber dem Altar sind nur zwei Globen zu sehen, weiter nichts; auf dem größeren derselben ist der gesammte Himmel abgebildet, auf dem zweiten die ganze Erde. In der größeren Kuppel sind die Sterne von der ersten bis zur sechsten Größe abgebildet und mit ihren speziellen Namen verzeichnet, auch ist ihr Einfluss auf die irdischen Dinge je in drei Versen geschildert. Darauf sind auch die Pole und die größeren und kleineren Himmelskreise in perspektivischer Zeichnung, doch nicht fertig ausgeführt, da die Mauer nach untenzu abbricht, der Globus also, wie die Kuppel, nur eine Halbkugel ist. Man kann sich durch Betrachtung dieser Globen wissenschaftlich belehren. Der Estrich schimmert von kostbaren Steinen. Sieben goldene Lampen hängen von der Decke herab und brennen beständig. Sie führen die Namen der sieben Planeten.
Die kleinere Kuppel des Daches umgeben zierliche kleine Zellen und hinter jener Terrasse oder Plattform über den Schwibbogen der inneren und äußeren Säulen befinden sich viele große und schmucke Zellen, worin die Priester und Mönche wohnen, neunundvierzig an der Zahl.
Ueber der kleinen Kuppel ragt eine nach allen Seiten bewegliche Fahne empor, welche die Winde anzeigt, deren man bis zu sechsunddreißig unterscheidet. Sie kennen die einzelnen Winde, die im Jahre herrschen und was für Wetterwechsel zu Lande und zur See stattfinden, aber nur in ihrem Himmelsstriche. Unter der Fahne wird ein Buch aufbewahrt, worin diese meteorologischen Angaben mit goldenen Buchstaben verzeichnet sind.
DER GROSSMEISTER. Ich bitte dich, edler Held, setze mir die Verfassung und Regierung dieses Volkes auseinander. Ich habe mit Ungeduld gewartet, bis du zu diesem Punkte kommen würdest.
DER GENUESE. Der oberste Fürst bei ihnen ist ein Priester, den sie in ihrer Sprache Sol (Sonne) nennen; wir würden ihn in unserer Sprache Metaphysikus nennen, Er ist der höchste Machthaber in geistlichen und weltlichen Dingen; alle Angelegenheiten und Streitigkeiten werden durch sein Urteil entschieden.
Dem »Macht« liegen die Interessen des Krieges und Friedens ob, so alle militärischen Angelegenheiten; darin ist er unbedingter Herr, doch nicht über dem Sol. Er hat die Oberaussicht über die militärischen Behörden, über das Heer, über die Kriegsvorräthe, die Befestigungen, die Belagerungen, die Kriegsmaschinen und über alle dahin einschlägigen Dinge.
Dem »Weisheit« unterstehen die freien und die mechanischen Künste und die Wissenschaften, die betreffenden Behörden und die Unterrichtsanstalten. Es gibt einen Beamten, der Astrolog heißt, desgleichen einen Kosmographen, einen Geometer, einen Historiographen, einen Dichter, Logiker, Rhetor, Grammatiker, Arzt, Physiker, Politiker, Moralisten.
Sie haben nur ein einziges Buch, das sie »Weisheit« nennen, ein Compendium aller Wissenschaften, die mit wunderbarer Leichtigkeit zusammengefaßt sind. Dieses lesen sie dem Volke nach der Weise der Pythagoräer vor.
»Weisheit« hat die Mauern der ganzen Stadt von außen und von innen, sowohl oben wie unten mit ausgezeichneten Gemälden schmücken lassen, welche in herrlicher Anordnung die Wissenschaften darstellen. Auf den äußern Wänden des Tempels und auf den Vorhängen, die herabgelassen werden, wenn der Priester predigt, damit der Schall seiner Stimme nicht zerstreut wird, sind die gemalten Sterne zu erblicken, und in drei Verschen sind ihre Größe, ihr Lauf, ihre Bahnen und ihre geheimen Kräfte geschildert.
Auf der Innenseite der Mauer des ersten Kreises sind alle mathematischen Zeichen und Zahlen abgebildet, in bei weitem größerer Anzahl als Archimedes und Euklid deren entdeckt haben; sie sind in einem bestimmten Größenverhältniß zur Mauer angebracht und ein erklärendes Verschen ist beigegeben, das eine Definition enthält.
Auf der convexen Außenseite dieser Mauer befindet sich eine Beschreibung der ganzen Erde. Darauf folgen Speziallandkarten der einzelnen Provinzen, worauf die Sitten und Gebräuche, die Gesetze, der Ursprung und die Streitkräfte jedes Volkes in einem kurzen Prosa-Auszug angegeben sind und die verschiedenen Alphabete der Völker stehen über dem Alphabet des Sonnenstaates.
Auf der Innenseite der Mauer des zweiten Kreises sind mit Hilfe der Malerei alle möglichen Steine abgebildet, sowohl Edelsteine als gewöhnliches Gestein und alle Arten von Mineralien, sowie die Metalle, woneben ein wirkliches Stück von jedem Naturerzeugniß angebracht ist, dazu eine Erklärung in zwei Versen.
Auf der Außenseite der Mauer dieses Kreises sind sämmtliche Meere, Flüsse, Landseen und Quellen der Welt verzeichnet, auch Weine und Oele, sowie, andere Flüssigkeiten mit Angabe ihres Herkommens und ihrer Eigenschaften. Flaschen, die Flüssigkeiten zur Heilung der verschiedenen Krankheiten enthalten, sind in die Mauer eingelassenen Nischen aufgestellt und werden so seit hundert Jahren, bis zurück zu dreihundert Jahren aufbewahrt. Hagel, Schnee, Donnerwetter und andere Luftphänomene sind gleicherweise durch Gemälde und kurze Verse erläutert.
Auf der Innenseite der dritten Kreismauer sind alle Arten Bäume und Pflanzen abgebildet und einige lebendige Exemplare derselben sind in Vasen auf die Schwibbogen der äußeren Mauer gestellt. Eine Inschrift besagt, wo ihre ursprüngliche Heimat ist und gibt ihre Kräfte und Eigenschaften an, ihre Beziehungen zu den Metallen, zu den Gestirnen und den menschlichen Körpertheilen, sowie zu den Produkten des Meeres, auch ihren Gebrauch in der Heilkunde u.s.w.
Auf der Außenseite finden sich alle Fluss-, See- und Meerfischgattungen, ihre Lebensweise und -Gewohnheiten, sowie ihre Fortpflanzungsverhältnisse, ihre Aufzucht, ihr Nutzen für das Weltall, insbesondere aber für uns. Zugleich auch die Aehnlichkeit, die sie mit andern irdischen und himmlischen Dingen haben, die entweder auf natürlichem Wege oder durch Kunst hervorgebracht sind. Auch war ich nicht wenig erstaunt, Fische »Bischof, Kette, Panzer, Nagel, Stern, Penis« benannt und die frappante Aehnlichkeit zu sehen, die sie mit bei uns sich vorfindenden Naturobjekten haben, von denen sie eben ihren Namen führen. Da gewahrt man Igel, Muscheln, Austern u.s.w. Kurz, Alles, was die Wasserwelt Wissenswerthes einschließt, ist in einem vortrefflichen Gemälde dargestellt und textlich erläutert.
Auf der Innenwand des vierten Mauerkreises sind sämmtliche Vogelgeschlechter gemalt zu erblicken. Von allen ist Größe, Farbe, Lebensweise und sonstige Eigenschaften angegeben. Der Phönix ist wie ein wirklich existirendes Wesen auch vorhanden.
Auf der Außenseite dieser Mauer sind die Reptilien vertreten, wie Würmer, Schlangen, Drachen; auch die Insekten, wie Fliegen, Bremsen, Käfer u.s.w., mit ihren Lebensgewohnheiten, guten und schlechten Eigenschaften. Solches Gethier ist bei weitem zahlreicher, als man glauben möchte.
Auf der Innenseite der fünften Kreismauer sind die höchstentwickelten Landthiere in einer Anzahl dargestellt, dass du darüber wohl erstaunen würdest. Wir kennen nicht den tausendsten Theil davon. Da ihre Zahl gar zu groß ist und sie in riesigen Dimensionen gehalten sind, so bedecken sie auch noch die Außenfläche der Mauer. Von wie vielerlei könnte ich da reden – ich erwähne nur die eine Gattung: die Pferde, die da abgebildet sind und mit welcher Geschicklichkeit!
Vorlage S. 11
Kontextbild zum Werk. Thomas Campanella – historisches Bildnis — Historische Darstellung von Thomas Campanella. Bild zur Autorschaft; keine Illustration einer bestimmten Textszene. · Francesco Cozza · Public domainBildquelle ↗
Auf der Innenseite der Mauer des sechsten Kreises ist alles die mechanischen Künste Betreffende gemalt und die zu ihrer Ausübung benöthigten Werkzeuge. Eine Inschrift besagt, wie diese von den verschiedenen Völkern gehandhabt werden. Diese Werkzeuge sind nach ihrer Wichtigkeit geordnet und die Namen ihrer Erfinder sind angegeben.
Die Außenseite dieser Umwallungsmauer ist mit den Bildnissen aller Männer geschmückt, die sich entweder durch Entdeckungen in den Wissenschaften oder durch Erfindungen im Waffenfache ausgezeichnet haben, sowie mit den Porträten der Gesetzgeber. Ich habe daselbst Moses, Osiris, Jupiter, Merkur, Lykurg, Pompilius, Pythagoras, Zamolxis, Solon und viele Andere gesehen. Selbst Mahomed befindet sich darunter, obwohl sie ihn für einen Betrüger und schlechten Gesetzgeber halten. An hervorragendster Stelle sah ich das Bild Jesu Christi und die Bildnisse der zwölf Apostel, die sie hoch und tief verehren.
Ich sah Cäsar, Alexander, Pyrrhus und Hannibal und andere im Kriege und in den Künsten des Friedens ruhmreiche Heroen, insbesondere Römer, die in den unten belegenen Säulenhallen abgebildet waren.
Und als ich verwundert fragte, woher sie unsere Geschichte kennten, da sagten sie, dass ihnen alle Sprachen bekannt wären, und dass sie absichtlich Kundschafter und Gesandte über den ganzen Erdkreis aussendeten, welche sich über Sitten und Gebräuche, Land und Leute, Regierungsformen und die Geschichte der Völker zu unterrichten hätten und was allerwärts Gutes und Schlechtes sich zutrage. Von alledem statten diese Abgesandten zu Hause Bericht ab und da zieht man Vorteil dar aus. – Dort war es, wo ich erfahren habe, dass die Bombarden und der Buchdruck von den Chinesen lange vor unserer Zeit erfunden worden sind.
Eigene Lehrer erklären diese Gemälde und die Knaben erlernen ohne Mühe und fast spielend alle Wissenschaften auf rein geschichtlichem Wege noch vor ihrem zehnten Jahre.
Dem »Liebe« liegt vor allem die Sorge für das Zeugungsgeschäft ob, d.h. er hat dafür zu sorgen, dass Männer und Weiber in der Weise ehelich verbunden werden, dass die beste Nachkommenschaft daraus hervorgehe. Aber die Sonnenstaatler machen sich über uns lustig, dass wir uns sorgfältig auf die Rassenverbesserung der Hunde und Pferde verlegen, dagegen unser eigenes menschliches Geschlecht vernachlässigen. Seiner Herrschaft ist auch die Aufziehung der Neugebornen unterstellt. Die Heilkunde, sowie die Arzneibereitungskunst, ferner die Aussaat und Ernte, die Obstlese, sowie der gesammte Ackerbau und die Viehzucht. Sodann die Besorgung des Eßtisches und der Speisen, überhaupt Alles, was sich auf die Ernährung, auf die Kleidung und den geschlechtlichen Akt bezieht und ihm sind die obrigkeitlichen Personen alle unterthan, die über die betreffenden Verrichtungen gesetzt sind.
Der Metaphysikus handelt im Einvernehmen mit diesen drei Herrschern und ohne, ihn geschieht nichts, so dass alle Staatsangelegenheiten von diesen Vier vereint geordnet werden. Was der Metaphysikus Willens ist, dem stimmen die Anderen von selbst bei.
DER GROSSMEISTER. Aber erzähle mir, Freund, Näheres über die Obrigkeiten, die Aemter, ihre Funktionen, über die Erziehung und Lebensweise, und ob die Staatsform eine republikanische, monarchische oder aristokratische ist?
DER GENUESE. Dieser Menschenschlag stammt aus Indien, von wannen er vor der Unmenschlichkeit der Magier, Briganten und Tyrannen, die die Landstriche verheeren und veröden, geflohen war. Hier haben sie nun eine philosophische, gemeinschaftliche Lebensführung einzuhalten beschlossen.
Obwohl Weibergemeinschaft bei den andern Einwohnern des Landes nicht existirt, ist sie doch bei ihnen Brauch wie das werde ich sofort auseinandersetzen. Alles ist Gemeingut; die Zutheilung aber ist Sache der obrigkeitlichen Behörden. Die Wissenschaft jedoch, die Ehrenstellen und die Lebensgenüsse sind in der Art gemeinschaftlich, dass Keiner sich vor den Andern etwas aneignen kann. Sie behaupten, dass die Idee des Eigenthums bei uns nur dadurch habe aufkommen und sich befestigen können, weil wir individuelle Heimstätten und eigene Kinder und Gattinnen haben. Daraus entspringt die Selbstsucht, die bewirkt, dass wir, um einen Sohn zu Reichthum und Würden emporzubringen und als unsern Erben vieler Güter zu hinterlassen, zu Räubern am öffentlichen Gute werden, wenn Einer reich und mächtig durch sein Geschlecht, sich der Furcht entschlägt; dessen Kräfte aber gering sind, und der von unansehnlicher Herkunft ist, der wird geizig, hinterlistig, ein Heuchler. Wenn sich aber die Selbstsucht, zwecklos geworden, (da es kein Eigenthum gibt) verliert, so bleibt nur die Liebe zum Gemeinwesen zurück.
DER GROSSMEISTER. Aber unter so bewandten Umständen würde Niemand arbeiten wollen, indem sich Jeder auf die Arbeit des Andern, auf dass sie ihn ernähre, verließe, wie das Aristoteles schon dem Plato eingewendet hat.
DER GENUESE. Ich verstehe mich schlecht darauf, eine Disputation zu führen, aber ich kann dir sagen, dass ihre Vaterlandsliebe so warm und feurig ist, dass du sie dir kaum vorstellen kannst. Sehen wir denn nicht, dass die Geschichtsbücher erzählen, wie, je mehr sich die Römer ganz nur dem Vaterlande weihten, sie um so mehr ihr persönliches Eigenthum von sich warfen? Und ich glaube auch, dass, wenn unsere Fratres, Mönche und Geistlichen von weniger Liebe zu ihren Verwandten und Freun den beherrscht würden, als sie es sind, oder von weniger Ehrgeiz verzehrt würden, zu immer höheren Würden emporzusteigen, sie bei weitem heiligeren Sinnes wären, weniger am Eigenthum hingen und mehr Liebe zur Gesammtheit athmeten.
DER GROSSMEISTER. Das scheint der heilige Augustin gesagt zu haben. Die Freundschaft gilt bei Jenen also nichts, da sie nichts besitzen, womit sie sich gegenseitig Liebesdienste erweisen können?
DER GENUESE. O doch, gar sehr! Und es verlohnt sich wahrhaftig zu sehen, wie, obwohl Keiner vom Andern Geschenke erhalten kann – denn was sie bedürfen, erhalten sie Alles vom Gemeinwesen, und die Obrigkeit sorgt streng dafür, dass Keiner über Gebühr empfange, aber auch keinem irgend etwas Benöthigtes verweigert werde – wie die Freundschaft unter ihnen sich im Kriege zu erkennen gibt, bei Krankheiten oder durch Unterstützung und Belehrung beim Studium der Wissenschaften, manchmal auch durch Lobspendung, Dienstleistungen, oder indem einer von seinem Bedarfe dem Andern gibt.
Die Gleichalterigen nennen sich unter einander Alle Brüder; die über zweiundzwanzig Jahre alt sind, werden von den Jüngeren Väter genannt, die Jüngeren heißen Söhne, und die Obrigkeit wacht wohl darüber, dass Keiner einem Bruder-Genossen ein Unrecht anthue.
DER GENUESE. Es gibt bei ihnen so viel Obrigkeiten als bei uns Namen von Tugenden: Großmuth, Tapferkeit, Keuschheit und Freigebigkeit; Straf- und Civil-Gerichtsbarkeit, Gewissenhaftigkeit, Wahrheit, Wohlthätigkeit, Dankbarkeit, Heiterkeit, Tätigkeit, Nüchternheit u.s.w. Und zu diesen Aemtern werden sie erwählt, je nachdem sie bereits als Kinder in der Schule den größten Hang zu dieser oder jener Tugend verrathen haben.
Da sie nun weder Diebstahl, noch Meuchelmord, noch Schändung, noch Blutschande, noch Ehebruch, noch andere Schandthaten kennen, deren wir uns gegenseitig anklagen, so können sie sich nur der Undankbarkeit, der Böswilligkeit (wenn Einer dem Andern eine Schuldige Genugthuung verweigert), der Faulheit, der Traurigkeit, des Jähzorns, der Frivolität, der Verleumdung und der Lüge, die sie mehr als die Pest verabscheuen, beschuldigen.
Zur Strafe werden die Schuldigen von der gemeinschaftlichen Mahlzeit oder vom Umgang mit den Frauen und von andern Ehren ausgeschlossen, auf eine Zeitdauer, die der Dichter als eine dem Vergehen adäquate Strafe erachtet.
Vorerst also musst du wissen, dass die Kleidung der Männer und Frauen fast die gleiche und eine für den Krieg passende ist, nur dass die Toga der Frauen über das Knie geht, die der Männer nicht bis zum Knie reicht.
Alle ohne Unterschied werden in sämmtlichen Künsten unterrichtet. Nach Ablauf des ersten und noch vor Beginn ihres dritten Jahres fangen sie an das Alphabet auf den Wänden und die Sprache zu erlernen, indem sie dabei auf- und abwandeln; die Kinder sind in vier Schaaren abgetheilt und vier Greise führen diese und ertheilen ihnen den Unterricht.
Nach einiger Zeit wird die Jugend im Turnen, Wettlaufen, im Wurfscheibenspiel und in anderen Spielen eingeübt, wodurch alle Glieder gleichmäßig gekräftigt werden. Haupt und Füße sind bis zum siebenten Jahre immer nackt. Man führt Alle miteinander in die verschiedenen Werkstätten, zum Schuster, zum Schneider, zum Schmiede, zum Tischler, in die Malerateliers, in die Küchen u.s.w. Damit sich die Talente auf diese Weise für ein Fach entscheiden.
Nach dem siebenten Jahre, wenn sie in der Mathematik die ersten Kenntnisse erworben haben, werden sie mittelst der Abbildungen auf den Mauern in allen Naturwissenschaften unterrichtet. Für die vier Abtheilungen gibt es vier Lehrer und so werden sie in vier Stunden alle vier vorgenommen; denn während die Einen körperliche Uebungen machen, die Andern im Dienste des Gemeinwesens tätig sind, treiben wieder Andere geistige Arbeit. Diesen reihen sich höhere Mathematik, Medizin und die anderen Wissenschaften an. Beständige Disputirübungen und wissenschaftliche Streitfragen werden unterhalten und Diejenigen, die sich in einer Wissenschaft oder in einer mechanischen Fertigkeit besonders auszeichnen, werden zu Obrigkeiten ernannt und Jedermann betrachtet sie als Vorbilder und Richter.
Ackerbau und Viehzucht werden aus unmittelbar praktischer Anschauung erlernt, die Solarier halten Jemand für einen um so vorzüglicheren und edleren Menschen, je mehr Handwerke er erlernt hat und verständig auszuüben versteht.
Darum verspotten sie uns deswegen, weil wir die Handwerke etwas Niedriges und gerade Diejenigen edelgesinnt nennen, die kein Handwerk erlernt haben, sondern im Müssiggange leben und eine Menge von Sklaven halten, die dem Müssiggange und den Lüsten der Herren zu dienen bestimmt sind; wie aus einer Schule des Lasters gehen daraus ganze Schaaren verkommener Subjekte und Uebelthäter zum Verderben des Staates hervor.
Die anderen Obrigkeiten werden von den vier Obersten gewählt; nämlich dem Metaphysikus, Pon, Sin und Mor und von den Lehrern jener Kunstfertigkeit, der sie vorzustehen haben, denn diese müssen besser als jeder Andere wissen, ob der Betreffende geeignet ist, Unterricht in einem Handwerk oder in irgend einer Tugend zu ertheilen, wofür ein Lehrmeister aufzustellen ist.
Sie treten nicht selbst nach Art der Kandidaten auf, sondern werden im Rathe von den obrigkeitlichen Personen in Vorschlag gebracht und wer etwas für oder gegen die Wahl geltend zu machen hat, der erhält das Wort.
Doch kann Niemand zur Würde des Metaphysikus gelangen, der nicht gründlich die Geschichte aller Völker, die Religions- und Opfergebräuche und die Gesetze sowohl der Republiken als der Monarchien kennt. Desgleichen muss er die Namen der Urheber der Gesetze und der Erfinder der Künste und Gewerbe kennen, die Ursache und die Geschichte Alles Dessen, was am Himmel und auf Erden vorgeht. Nicht minder muss er alle Handwerke kennen (denn in zwei Tagen ist er eins zu erlernen im Stande, wenn er es auch zu keiner Fertigkeit darin gebracht haben kann, doch wird ihm diese durch praktische Uebungen und die Mauergemälde sehr erleichtert), desgleichen muss er die Wissenschaften der Physik, Mathematik und Astronomie kennen.
Vor Allem aber muss der Aspirant in der Metaphysik und Theologie beschlagen sein; er muss durch und durch Ursprung, Grundlagen und Beweise aller Wissenschaften kennen, die Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten der Dinge, die Notwendigkeit, das Schicksal und die Harmonie der Welt; die Macht, Weisheit und Liebe in den Werken Gottes; die Stufenfolge der Wesen und ihre Zusammenhänge mit den Dingen am Himmel, auf Erden und zu Wasser und mit den Idealen Gottes, soweit menschlicher Verstand sie zu begreifen vermag. Sie müssen auch die Propheten und Astrologie studirt haben.
Wer von ihnen Metaphysikus werden wird, wissen die Einwohner lange Zeit vorher, aber Keiner kann zu dieser Würde gelangen, bevor er das fünfunddreißigste Jahr erreicht hat. Dieses Amt ist lebenslänglich, wofern sich nicht ein Anderer findet, der weiser und zum Regieren geeigneter ist.
DER GENUESE. Das habe ich ihnen auch schon entgegengehalten. Und sie antworteten: Das kann unserem Metaphysikus nicht widerfahren. Denn um so viele Wissenschaften und Künste zu erlernen, muss einer ein umfassender, allseitig befähigter Geist sein, daher insbesondere auch zum Regieren geeignet. Es entzieht sich keineswegs unserer Kenntnis, dass Derjenige, der nur eine Wissenschaft erlernt hat, weder in dieser gründlich Bescheid weiß, noch in den andern, und dass derjenige, der nur eine einzelne Wissenschaft sich anzueignen im Stande ist, die blos aus Büchern geschöpft ist, ungebildet und trägen Geistes ist.
Das Gegentheil ist freilich bei schlagfertigen, in allen Wissenschaften bewanderten Geistern der Fall, die eine natürliche Anlage besitzen, das Wesen der Dinge zu erfassen, wie unser Metaphysikus einer sein muss.
Ueberdieß werden die Wissenschaften in unserem Staate mit solcher Leichtigkeit erlernt, dass die Schüler bei uns in einem Jahre mehr Kenntnisse erwerben, als bei euch in zehn oder auch in fünfzehn Jahren. Mache doch die Probe mit diesen Knaben selbst.
War ich nun schon über diese wahrheitsgetreuen Mittheilungen erstaunt, so war ich es noch bei weitem mehr, als ich einen Versuch mit ihren Knaben anstellte, die meine Muttersprache sehr gut sprachen. Drei nämlich mussten diese lernen, drei andere die arabische, wieder drei andere die polnische und so weiter fort immer je drei Knaben eine der anderen Sprachen. Weder Ruhe noch Rast wird ihnen gelassen, außer eine solche, durch welche sie ebenfalls in ihrem Wissen und Können Nutzen selbst wieder haben. Denn zur Erholung geht es aufs Feld hinaus, wo sie sich im Wettlaufen, im Pfeilschießen, im Wurfspießschleudern und im Hakenbüchsenschießen üben; sie jagen das Wild, botanisiren und sammeln Mineralien u.s.w., lernen den Ackerbau und die Viehzucht und zwar jetzt dieser Trupps, ein andermal ein anderer.
Die drei Hauptwürdenträger, die dem Sol (Sonne) Metaphysikus zur Seite stehen, brauchen nur die zu ihrem Regierungsfache gehörigen Künste und Handwerke ganz gründlich zu kennen, von den andern, Allen gemeinsamen, brauchen sie bloß allgemeine theoretische Kenntnisse zu besitzen, in den ausschließlich ihren Bereich bildenden dagegen sind sie aufs Minutiöseste bewandert. »Macht« z.B. beherrscht alles auf die Reitkunst Bezügliche, das Heereskommando, die Lagerkunst, die gesammte Waffenfabrikation und Kriegsmaschinenerzeugung, die Strategie und Taktik, kurz das Militärwesen im weitesten Umfange. Außerdem aber müssen die genannten drei Ober-Magistratspersonen sich Philosophie, Geschichte, Politik und Physik angeeignet haben.
DER GENUESE. Häuser, Schlafräume, Betten und andere notwendige Dinge sind Allen gemeinsam. Jedesmal nach sechs Monaten trifft die Obrigkeit eine Bestimmung, welche Personen hier, welche dort zu schlafen haben, was auf dem Querbalken über der Thür angeschrieben ist.
Unterricht in allen mechanischen Künsten, sowie in den spekulativen Wissenschaften, wird Männern und Frauen gleichmäßig zu Theil, mit dem einzigen Unterschiede, dass diejenigen Arbeiten, die mehr Mühe und Kraft oder die Zurücklegung eines Weges erfordern, von den Männern ausgeübt werden, wie z.B. das Pflügen, Säen, Früchtelesen, das Dreschen, die Weinlese. Aber z.B. die Schafe zu melken und Käse zu bereiten ist Sache der Frauen. Auch haben diese die Gemüse- und Obstgärten in der Umgebung der Stadt zu pflegen, das Obst abzulesen und die Küchenkräuter einzusammeln. Auch die Gewerbsthätigkeiten, die im Sitzen oder Stehen ausgeübt werden, gehören ebenfalls in den Bereich der Frauen, wie Weben, Spinnen, Nähen, Haar- und Bartschneiden, die Arzneibereitung und das Kleidermachen.
Ausgeschlossen sind sie von der Tischlerei, der Schmiedekunst und der Waffenfabrikation. Wenn eine zur Malerei Talent verräth, wird sie nicht daran gehindert, es zu bethätigen.
Die Musik ist allein die Domäne der Frauen und manchmal auch der Knaben, weil ihre Stimmen lieblicher klingen, doch ist es nicht Brauch, dass sie Trompete blasen und die Pauke schlagen. Auch bereiten sie das Mahl und decken den Tisch, an welchem Knaben aufwarten und Mädchen, die noch nicht das zwanzigste Jahr erreicht haben.
Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.
Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.
Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.
1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Dann sieht man großartige Paläste, die alle an die Mauern des zweiten …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Die größere Kuppel in der Mitte des Daches, gleichsam der Pol des Tempels, ist von einer kleineren überhöht, die im Mittelpunkt ein Guckloch hat, durch welches man direkt auf den Altar herabsieht, der sich in der Mitte des Tempels befindet, dessen Peripherie […] Schritt übersteigt.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obwohl« in diesem Textausschnitt? »Selbst Mahomed befindet sich darunter, obwohl sie ihn für einen Betrüger und schlechten Gesetzgeber halten.«
4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Nur wenn man durch die Thore der einwärts und der auswärts gebogenen Mauer schreitet, steigt man über Stufen, was man aber kaum gewahr wird, da sie sehr schräg angehen und die Steigung der einzelnen Stufen kaum merkbar ist.«
B: »Sie treten nicht selbst nach Art der Kandidaten auf, sondern werden im Rathe von den obrigkeitlichen Personen in Vorschlag gebracht und wer etwas für oder gegen die Wahl geltend zu machen hat, der erhält das Wort.«
C: »Ich sah Cäsar, Alexander, Pyrrhus und Hannibal und andere im Kriege und in den Künsten des Friedens ruhmreiche Heroen, insbesondere Römer, die in den unten belegenen Säulenhallen abgebildet waren.«
7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Zur Strafe werden die Schuldigen von der gemeinschaftlichen Mahlzeit oder vom Umgang …«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Damit sich die […] auf diese Weise für ein Fach entscheiden.«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Darum verspotten sie uns deswegen, weil wir die Handwerke etwas Niedriges und gerade Diejenigen edelgesinnt nennen, die kein Handwerk erlernt haben, sondern im Müssiggange leben und eine Menge von Sklaven halten, die dem Müssiggange und den Lüsten der Herren zu dienen bestimmt sind; wie aus«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »brauchen sie bloß allgemeine theoretische Kenntnisse zu besitzen, in den …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Die vielfachen Umkreise der Stadt erstrecken sich eine lange Strecke über den Fuß des Berges hinaus, so dass der Durchmesser der Stadt zwei, ihr Umfang aber über sieben Meilen beträgt.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Die vielfachen Umkreise der Stadt erstrecken sich eine lange Strecke über den Fuß des Berges hinaus, so dass der Durchmesser der Stadt zwei, ihr Umfang aber über sieben Meilen beträgt.« und »in den Bereich der Frauen, wie Weben, Spinnen, Nähen, Haar- und Bartschneiden«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Sie behaupten, dass die Idee des Eigenthums bei uns nur dadurch habe aufkommen und sich befestigen können, weil wir individuelle Heimstätten und eigene Kinder und Gattinnen haben.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Ein genuesischer Schiffskommandant, sein Gast.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Dem »Liebe« liegt vor allem die Sorge für das Zeugungsgeschäft ob, d.h. er hat dafür zu sorgen, dass Männer und Weiber in der Weise ehelich verbunden werden, dass die beste Nachkommenschaft daraus hervorgehe.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Auch bereiten sie das Mahl und decken den Tisch, an welchem Knaben aufwarten und Mädchen, die noch nicht das zwanzigste Jahr erreicht haben.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Deutsches Textarchiv, BBAW, DiBiPhil-Korpus; Kuration Matthias Boenig, Susanne Haaf, Marius Hug und DTA-Team; ursprüngliche Digitalisierung Editura/Digitale Bibliothek. Historische Quellausgabe: Thomas Campanella: Der Sonnenstaat. Übersetzt und mit einer biographischen Skizze, sowie mit sachlichen Anmerkungen versehen von Ignaz Emanuel Wessely, München: M. Ernst, 1900 (Sammlung gesellschaftswissenschaftlicher Aufsätze, Heft 14/15).
Vollständige lateinische Dialogfassung mit dem abschließenden Gespräch und FINIS. Die lateinische Originalfassung und die deutsche historische Übersetzung werden unabhängig gelesen; keine Satzgleichheit.
Thomas Campanella; Wikisource contributors, CC BY-SA4.0.
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.