Erzählungen, Gleichnisse und Lehrgespräche führen von Gesang und Ritual zu Fragen nach Wahrheit, Welt und Selbst. Die acht Bücher enthalten bekannte Unterweisungen wie Uddalakas Gespräch mit Shvetaketu.
PhilosophieKlasse 11–1310 Abschnitte
Chandogya-Upanishad – Handschrift — Handschrift der Chandogya-Upanishad von 1865; historisches Überlieferungszeugnis. · Ms Sarah Welch · CC BY-SA 4.0Bildquelle ↗
Historische philosophische, religiöse und naturkundliche Aussagen sowie zeitgebundene gesellschaftliche Wertungen kritisch einordnen. Diese Texte vermitteln keine heutigen wissenschaftlichen, medizinischen oder rechtlichen Handlungsempfehlungen. Klassenangaben sind eine redaktionelle Orientierung.
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Wie die Upanishad's des Ṛigveda ausgehen von einer allegorischen Betrachtung des Uktham (Ait. Âr. 2, 1-3; Kaush. Up. 2,6, oben S. 10. 32), so beschäftigen sich die beiden ersten Prapâṭhaka's der zum Sâmaveda gehörigen Chândogya-Upanishad mit mystischen Ausdeutungen des Sâman und seines Hauptteils, des vom Udgâtar selbst gesungenen Udgîtha (Hochgesang).
Der Agnishṭoma, das Somaopfer in seiner einfachsten Form, hat nach einer Reihe vorbereitender Tage nur einen Sutyâ-Tag, an welchem der Soma im Prâtaḥ-savanam, Mâdhyandina-savanam und Tṛitîya-savanam des Morgens, Mittags und Abends gekeltert wird. Die Hauptmomente bei der Kelterungsfeier sind: 1) graha, die Schöpfung des ausgepressten Soma in Becher, durch den Adhvaryu und seine Gehilfen, hierauf 2) das stotram, der Lobgesang des Udgâtar und seiner Gehilfen, sodann 3) das çastram, die Rezitation des Hotar und seiner Gehilfen, und endlich 4) die âhuti, die Libation des Soma im Feuer. Dieser Vorgang von Schöpfung, Lobgesang, Rezitation und Libation (graha, stotram, çastram, âhuti) wiederholt sich (von einzelnen Modalitäten abgesehen) bei der Frühspende des Agnishṭoma fünfmal, bei der Mittagsspende fünfmal und bei der Abendspende zweimal. Alle die dabei vorkommenden graha, stotra und çastra haben verschiedene Namen und erfahren mannigfache Deutungen.
Ein Stotram, welches zu singen dem Udgâtar und seinen Gehilfen, dem Prastotar und Pratihartar obliegt, pflegt aus einigen Versen zu bestehen, deren jeder von den genannten Priestern beim Gesange in fünf Teile, hiñkara, prastâva, udgîtha, pratihâra und nidhanam, zerlegt wird. – So liegen z.B. dem Sâman Rathantaram, welches als zweites Stotram der Mittagsspende benutzt wird, die Verse zugrunde (Ṛigv. 7,32,22-23 = Sâmav. I, 3,1,5,1 und II, 1,1,11,1):
Von andern Sâman's ausser dem Rathantaram werden noch Gâyatram, Vâmadevyam, Bṛihad, Vairûpam, Vairâjam, Çâkvaram, Raivatam, Yajñâyajñîyam, Râjanam und Sâman im allgemeinen Chând. Up. 2,11-21 erwähnt und nach ihren fünf Teilen, hiñkâra, prastâva, udgîtha, pratihâra und nidhanam, allegorisch verarbeitet.
Neben diesem fünffachen Sâman gibt es ein siebenfaches Sâman (Chând. 2,8-10), welches entsteht, indem zwischen Prastâva und Udgîtha die Silbe om noch als ein neues Glied, der Âdiḥ, eingeschoben, und ferner der Pratihâra in Pratihâra und Upadrava zerlegt wird.
Soviel zur Einleitung in Prapâṭhaka 1 und 2 im allgemeinen. Wenn die in ihnen mit diesen Dingen getriebenen Allegorien für uns Fernstehenden auch nichts Anziehendes haben, so dürfen wir doch als sicher annehmen, dass sie nicht neben den wertvollsten philosophischen Gedanken als gleichberechtigt stehen würden, wären sie nicht dem Inder (der in diesen liturgischen Vorstellungen erzogen war, und der nur durch Umdeutung derselben von ihnen den Übergang zu einer höhern, philosophischern Ansicht der Dinge zu gewinnen wusste) sehr wichtig und interessant gewesen. Ein Historiker aber in vollem Sinne wird nur der heissen können, der sich so ganz in den Geist der Fremde und Vergangenheit zu versetzen weiss, dass er auch ihre Gefühle für Wert und Unwert der Dinge vorübergehend zu den seinigen zu machen vermag.
Der Udgîtha, diese Hauptverrichtung des Haupt-Sâmapriesters, wird identisch gesetzt mit der (auch den Anfang des Udgîtha bildenden) heiligen Silbe Om. Als solche ist er die Essenz aller Essenzen, das Produkt der (als ṛic erscheinenden) Vâc und des (als sâman erscheinenden) Prâṇa. An diese Silbe ist das Gedeihen des Opfers geknüpft, sie ist der Ausgangspunkt der drei Veden, und der Udgâtar, der den Udgitha als diese Silbe verehrt, macht dadurch sein Werk wirksamer.
5. Die Ṛic ist Rede, das Sâman ist Odem (prâṇa), der Udgîtha ist die Silbe Om. Darum bilden sie ein Paar[1], die Rede und der Odem, die Ṛic und das Sâman.
8. Sie ist aber auch die Silbe der Zustimmung, denn wenn man in irgend etwas zustimmt, so sagt man Om (Ja). Zustimmung aber ist Förderung. – Wahrlich ein Förderer der Wünsche wird, wer, dieses also wissend, den Udgîtha als diese Silbe verehrt.
9. In ihr bewegt sich diese dreifache Wissenschaft [der Veden]; denn mit Om ruft der [Adhvaryu] zu, und mit Om rezitiert der [Hotar], und Om singt der [Udgâtar], um dieser Silbe Ehrfurcht zu zollen, wegen ihrer Majestät, wegen ihrer Essenz.
10. Mit ihr verrichten zwar beide das [Opfer-] Werk, wer dieses also weiss, und wer es nicht weiss. Aber doch ist ein Unterschied zwischen Wissen und Nichtwissen. Denn was man mit Wissen verrichtet, mit Glauben, mit der Upanishad [der Kenntnis des geheimen Sinnes von Udgîtha als Om], das ist wirkungskräftiger.
Wie vorher als Symbol der alle Veden befassenden Silbe Om, so erscheint hier der Udgîtha als Symbol des Prâṇa (Lebenshauches, Lebensprinzips) im Menschen. Seine Superiorität über die andern Lebensorgane und alleinige Berechtigung, im Udgîtha verehrt zu werden, wird durch eine Legende dargetan, die sich auch Bṛih. Up. 1,3 findet. Aber während es sich dort darum handelt, welches unter den Lebensorganen befähigt ist, den Udgîtha zu singen, so behandelt unsre Stelle die Frage, welches der Lebensorgane berechtigt ist, im Udgîtha verehrt zu werden. Die ursprünglichere Fassung ist ohne Zweifel die in Bṛih. Up., was um so bemerkenswerter ist, als die Erzählung, da es sich um den Udgîtha handelt, im Kreise der Sâmavedatheologen entstanden zu sein scheint.[2]
1. Dazumal, als die Götter und Dämonen miteinander stritten, beide von Prajâpati abstammend, da griffen die Götter zum Udgîtha, denn mit ihm, so dachten sie, werden wir jene überwinden.
2. Aber sie verehrten den Udgîtha als den Hauch in der Nase; da schlugen ihn die Dämonen mit Übel. Darum riecht man mit ihm beides, das Wohlriechende und das Übelriechende: denn er ist mit Übel geschlagen.
3. Da verehrten sie den Udgîtha als die Rede; da schlugen sie die Dämonen mit Übel. Darum redet man mit ihr beides, das Wahre und Unwahre; denn sie ist mit Übel geschlagen.
4. Da verehrten sie den Udgîtha als das Auge; da schlugen es die Dämonen mit Übel. Darum sieht man mit ihm beides, Zusehendes und Nichtzusehendes; denn es ist mit Übel geschlagen.
5. Da verehrten sie den Udgîtha als das Ohr; da schlugen es die Dämonen mit Übel. Darum hört man mit ihm beides, Zuhörendes und Nichtzuhörendes; denn es ist mit Übel geschlagen.
6. Da verehrten sie den Udgîtha als das Manas; da schlugen es die Dämonen mit Übel. Darum stellt man mit ihm vor beides, Vorzustellendes und Nichtvorzustellendes; denn es ist mit Übel geschlagen.
7. Da verehrten sie den Udgîtha als jenen Hauch (Lebensodem, prâṇa) im Munde; den trafen die Dämonen: da zerstoben sie, wie, wer auf einen Stein als Widerstand trifft, zerstiebt.
8. Ebenso geschieht es, dass, gleichwie, wer auf einen Stein als Widerstand trifft, zerstiebt, also auch der zerstiebt, welcher einem, der solches weiss, Böses anwünscht oder ihn anfeindet; denn er wird ihm zum Stein des Widerstandes.
9. Mit diesem (Prâṇa) unterscheidet man nicht Wohlriechendes und Übelriechendes, denn er hat das Übel von sich abgeschlagen. Mit diesem isst man und trinkt man und ernährt dadurch die andern Lebensorgane. Und indem der Prâṇa diese [die Nahrung für sich und die andern, âhâram, wie wir ergänzen müssen] am Ende nicht mehr findet, zieht er aus. Daher kommt es (iti), dass man beim Sterben den Mund aufreisst [als wollte der Prâṇa noch nach Nahrung schnappen].
11. Als diesen verehrte den Udgîtha Bṛihaspati, ja man hält ihn selbst für Bṛihaspati, darum dass die Rede bṛihatî (die schwellende), und er ihr Herr (pati) ist.
Fortsetzung: wie in psychischer Hinsicht (adhyâtmam) ein Symbol des Prâṇa, so ist in kosmischer Hinsicht (adhidaivatam) der Udgîtha ein Symbol der Sonne (1-2). – Auch als Vyâna soll man den Udgîtha verehren (3-5). – Sodann werden nach dem Schema (vgl. Talav. Up. Br. 1,57,7):
in spielender Weise die drei Silben des Wortes udgîtha auf die drei Hauptverrichtungen des Menschen (Atmen, Reden, Essen), die drei Hauptgebiete der Welt, ihre drei Regenten und die drei Veden gedeutet (6-7). – Zum Schlusse folgt (ähnlich wie am Schlusse des verwandten Abschnittes Bṛih. 1,3 der Pavamânânâm Abhyâroha) eine Âçîḥ-saṃriddhi) d.h. eine Anweisung, woran man beim Singen des Udgîtha zu denken habe, um dieser Zeremonie den vollen Erfolg zu sichern (8-12).
Der dort glüht (die Sonne), als den soll man den Udgîtha verehren. Denn indem er aufgeht (ud-yan) lobsingt er (udgâyati) für die Geschöpfe. Und indem er aufgeht, verscheucht er Dunkel und Furcht. Wahrlich, ein Verscheucher von Dunkel und Furcht wird, wer solches weiss.
2. Auch sind dieser (Prâṇa) und jener (die Sonne) gleichartig. Heiss ist dieser, und heiss ist jener. Als Klang bezeichnet man diesen, als Klang [svara, im Anklang an svar Licht], als [täglich] Wiederneuklang auch jenen. Darum soll man als diesen hier und als jenen dort den Udgîtha verehren.
3. Aber auch als den Vyâna (Zwischenhauch) soll man den Udgîtha verehren. Denn dass man aushaucht, das ist der Prâṇa (Aushauch), und dass man einhaucht[5], das ist der Apâna (Einhauch); aber das Bindeglied zwischen Prâṇa und Apâna, das ist der Vyâna. Der Vyâna aber ist dasselbe wie die Rede; daher kommt es, dass man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen die Rede ausspricht.
4. Die Rede wiederum ist dasselbe wie die Ṛic; daher kommt es, dass man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen die Ṛic ausspricht. Die Ṛic wiederum ist dasselbe wie das Sâman; daher kommt es, dass man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen das Sâman singt. Das Sâman endlich ist dasselbe wie der Udgîtha; daher kommt es, dass man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen den Udgîtha singt.
5. Aber auch sonst was noch für kraftanstrengende Tätigkeiten sind, wie das Reiben des Feuers, das Laufen um die Wette, das Spannen eines starken Bogens, die verrichtet man ohne auszuhauchen und ohne einzuhauchen. – Aus dieser Ursache soll man den Udgîtha als den Vyâna verehren.
ud ist der Prâṇa, denn durch den Prâṇa steht man aufrecht (ut-tishṭhati, vgl. Kaush. 3,3, oben S. 45), gî ist die Rede, denn Anrufungen (giraḥ) sind Reden; tha ist die Nahrung, denn in der Nahrung ist die ganze Welt beruhend (sthita);
Dem lässt die Rede Melktrank strömen, den Melktrank, der der Rede eigen ist, der wird nahrungreich, nahrunggeniessend, wer, solches wissend, diese Silben des Wortes ud-gî-tha verehrt.
9. Man nehme seine Zuflucht zu der Ṛic, auf welcher es beruht, zu dem Ṛishi, welchen es zum Dichter hat, zu der Gottheit, welche man in dem Stotram preisen will.
10. Man nehme seine Zuflucht zu dem Metrum, in welchem man das Stotram singen will; man nehme seine Zuflucht zu der Stomaform, in welcher man das Stotram für sich singen will.
Superiorität der Silbe Om über die drei Veden (d.h.: der Meditation über den Opferkultus). Pañc. Br. 22,12,1 fürchten sich die Götter vor dem Tode, und Prajâpati gibt ihnen die Unsterblichkeit, indem er ihnen den Navarâtra (eine Somafeier mit neun Presstagen) mitteilt. Nach unsrer Stelle hingegen suchen die Götter vergebens in der dreifachen Wissenschaft des Veda Schutz vor dem Tode, und erst indem sie in den Laut Om eingehen, werden sie unsterblich. (Vgl. Talav. Up. Br. 1,18).
2. Die Götter, da sie sich vor dem Tode fürchteten, flüchteten sich in die dreifache Wissenschaft. Sie hüllten sich ein[6] in die Metra. Weil sie sich in diese einhüllten (acchâdayan), darum heissen die Metra chandas.
3. Aber der Tod erspähte sie daselbst, wie man einen Fisch im Wasser erspäht, in der Ṛic, im Sâman, im Yajus. Das merkten die Götter, erhoben sich über die Ṛic, das Sâman und das Yajus und flüchteten sich in den Klang.
Vorlage S. 72
Kontextbild zum Werk. Chandogya-Upanishad – Handschrift — Handschrift der Chandogya-Upanishad von 1865; historisches Überlieferungszeugnis. · Ms Sarah Welch · CC BY-SA 4.0Bildquelle ↗
4. Wenn man eine Ṛic anwendet, so lässt man dieselbe ausklingen in den Laut Om; ebenso ein Sâman; ebenso ein Yajus. Also der Klang, das ist jene Silbe; sie ist das Unsterbliche, das Furchtlose. Und indem die Götter sich in sie flüchteten, wurden sie unsterblich und furchtlos.
5. Wer, solches wissend, diese Silbe als Praṇava ertönen lässt, der flüchtet sich in diese Silbe, welche der Klang, das Unsterbliche, das Furchtlose ist. Und wer in sie flüchtet, so unsterblich die Götter sind, so unsterblich wird auch er.
Da (nach 1,2-3) der Udgîtha ein Symbol der Sonne und des Prâṇa ist, so gilt das Gleiche auch von der mit dem Udgîtha identischen Silbe Om. Kaushîtaki, der diese Einheit der belebenden Kräfte in der Natur (als Sonne) und die Einheit der lebenden Kräfte im Menschen (als Prâṇa) besungen hatte, hatte dafür auch nur einen Sohn. Aber wie jene Einheit der Sonne, des Lebensodems keine mannigfaltigkeitslose, sondern eine solche ist, welche die Vielheit der Strahlen, der Lebenskräfte in sich schliesst, so wurde auch Kaushîtaki für die Einzigkeit seines Sohnes durch die Vielheit seiner Enkel entschädigt. – Die allzu kurze und dadurch dunkle Stelle sieht wie eine Warnung aus, den Monismus, der in der Tendenz des Zeitalters lag, nicht zu einem starren, die Mannigfaltigkeit der Dinge ausschliessenden werden zu lassen. – Auf der Identität des Udgîtha mit dem auch dem Hotar zukommenden Om beruht das Eingreifen des Hotar bei Fehlern des Udgâtar.
1. Nun aber ist der Udgîtha der Praṇava (der heilige Laut Om) und der Praṇava ist der Udgîtha. Darum ist der Udgîtha jene Sonne, und sie ist der Praṇava, denn als Om ertönend wandelt sie einher.
2. »Weil ich nur sie angesungen habe, darum bist du mein einziger«, so sprach einst Kaushîtaki zu seinem Sohne; »in ihre Strahlen wandle sie, und es werden dir viele geboren werden!« – Soviel in bezug auf die Gottheit.
4. »Weil ich nur ihn angesungen habe, darum bist du mein einziger«, so sprach einst Kaushîtaki zu seinem Sohne; »die Lebensodem (prâṇân, wie auch Çañk. zu lesen scheint) singe an als Vielheit und wisse, dass dir viele werden geboren werden!« (Vgl. Talav. Up. Br. 2,6,10).
5. So also ist der Udgîtha der Praṇava, und der Praṇava der Udgîtha. – Darum auch kann man von dem Sitze des Hotar aus einen [vom Udgâtar] falsch gesungenen Udgîtha wieder zurechtbringen, – wieder zurechtbringen.
6.–7. Khaṇḍa: Verehrung des Udgîtha als des kosmischen und psychischen (als Mann in der Sonne und Mann im Auge erscheinenden) Prinzips. – Auf der Ṛic beruht das Sâman, die beherrschende Macht des Sâman aber ist der Udgîtha (vgl. das Beispiel, oben S. 66). Ebenso beruht in kosmischer Hinsicht auf der Erde Agni, auf dem Luftraume Vâyu, auf dem Himmel Âditya (als Hauptgötter der drei Gebiete), auf den Mondstationen der Mond (sie nehmen ihn nacheinander bei sich auf), auf dem hellen Lichte der Sonne das Dunkle, ganz Schwarze (»denn dieses erscheint bei unverwandt auf sie gerichtetem Blicke[7]«, Ça k)., – und entsprechend in psychischer Hinsicht auf der Rede der Aushauch (weil er beim Reden ausströmt), auf dem Auge die leibliche Gestalt (âtman, nach Ça k. châyâtman das Spiegelbild), auf dem Ohre das Manas (weil das Wort die Vorstellung weckt), auf dem Weissen im Auge das Dunkle, ganz Schwarze; – aber wie über Ṛic und Sâman der Udgîtha herrscht, so über die genannten kosmischen und psychischen Phänomene der Mann in der Sonne und der Mann im Auge; der eine beherrscht die unendliche Aussenwelt jenseits der Sonne (ye amushmât parâñco lokâḥ), der andre die ebenfalls unendliche Innenwelt diesseits des Auges (ye etasmâd arvâñco lokâḥ), d.h. die Welt im Innern des Menschen; im übrigen sind beide nach Gestalt, Name (Ud, daher symbolisiert durch den Udgîtha) und Verehrungsweise (durch die Gesänge des Ṛig- und Sâmaveda) miteinander identisch. (Identität des kosmischen und des psychischen Prinzips). Vgl. Talav. Up. Br. 1,25-27.
1. Die Ṛic ist diese Erde, das Sâman ist Agni, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist diese Erde, ama ist Agni, das macht sâma.
2. Die Ṛic ist der Luftraum, das Sâman ist Vâyu, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist der Luftraum, ama ist Vâyu, das macht sâma.
3. Die Ṛic ist der Himmel, das Sâman ist Âditya, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist Himmel, ama ist Âditya, das macht sâma.
4. Die Ṛic ist die Mondhäuser, das Sâman ist der Mond, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist die Mondhäuser, ama ist der Mond, das macht sâma.
5. Weiter aber ist die Ṛic auch jenes weisse Licht der Sonne, und das Sâman ist an ihr das Dunkle, ganz Schwarze; und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen.
Nun aber der goldne Mann (purusha), welcher im Innern der Sonne gesehen wird mit goldnem Bart und goldnem Haar, bis in die Nagelspitzen ganz von Golde, –
7. seine Augen sind wie die Blüten des Kapyâsa-Lotus, sein Name ist »hoch« (ud), denn hoch über allem Übel ist er; hoch hebt sich über alles Übel, wer solches weiss; –
8. seine Gesänge (geshṇau) sind Ṛic und Sâman, darum [heisst es] der Hochgesang (udgîtha), darum auch der Hochsänger (udgâtar), denn er ist sein Sänger; auch die Welten, welche von der [Sonne] jenseits liegen, auch über die herrscht er und über die Wünsche der Götter.
Die Ṛic ist die Rede, das Sâman ist der Odem, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist die Rede, ama ist der Odem, das macht sâma.
2. Die Ṛic ist das Auge, das Sâman die eigne Person (âtman), und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist das Auge, ama ist die eigne Person, das macht sâma.
3. Die Ṛic ist das Ohr, das Sâman das Manas, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist das Ohr, ama ist das Manas, das macht sâma.
4. Weiter aber ist die Ṛic auch jenes weisse Licht des Auges, und das Sâman ist an ihm das Dunkle, ganz Schwarze, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet. Darum wird das Sâman als auf der Ṛic gegründet gesungen. Nämlich sâ ist auch jenes weisse Licht des Auges, und ama ist das Dunkle, ganz Schwarze, das macht sâma.
5. Nun aber der Mann, welcher im Innern des Auges gesehen wird, der ist diese Ṛic, dieses Sâman, diese Preisrede (uktham), dieser Opferspruch (yajus), dieses Gebet (brahman). Die Gestalt, welche jener hat, die hat auch dieser, jenes Gesänge sind auch seine Gesänge, jenes Name sein Name;
6. auch die Welten, welche von ihm diesseits [diesseits des Auges, also im Innern des Menschen] liegen, auch über die herrscht er und über die Wünsche der Menschen. Darum die, welche hier zur Laute singen, die besingen ihn; deswegen wird ihnen Gut zuteil.
7. Wer nun, solches wissend, dieses Sâman singt, der singt in ihm beide, der wird von jenem auch die von ihm jenseits liegenden Welten, auch diese erlangen und die Wünsche der Götter,
8.–9. Khaṇḍa: Gespräch dreier Männer über den Udgîtha, in welchem der König Pravâhaṇa (bekannt aus Bṛih. 6,2. Chând. 5,3) weiser erscheint als die Brahmanen Çilaka und Caikitâyana. – Caikitâyana erklärt für den letzten Grund des Sâman, und somit für dasjenige, was man unter dem Symbol des Udgîtha zu verehren habe, die Himmelswelt. Çilaka macht dagegen geltend, dass die Himmelswelt (sofern die Götter der Opfer bedürfen) von der irdischen Welt abhängig sei, dass somit die Erdenwelt der letzte Grund des Udgîtha sein müsse. Pravâhaṇa endlich erweist als dasjenige, von welchem sowohl Himmelswelt als Erdenwelt abhängig seien, den Âkâça (Raum, Äther), d.h. das Unendliche, aus welchem alle Wesen (himmlische wie irdische) hervorgehen, und in welches sie wieder zurückgehen. Der Âkâça also (welcher selbst wiederum nur eine symbolische Vorstellung des Brahman ist) sei zuhöchst unter dem Symbol des Udgîtha (als parovarîyân udgîthaḥ) zu verehren. – Dunkel blickt in der Abhängigkeit des Lebens von der Nahrung, dieser vom Regen, dieses vom Himmel, dieses wiederum von der Erde, die Lehre durch, nach welcher »nach der fünften Opferung die Wasser mit Menschenstimme reden«, d.h. die Theorie von der Seelenwanderung, welche in dieser Form Bṛih. 6,2. Chând. 5,3-10 von ebendemselben Könige Pravâhaṇa vorgetragen wird.
1. Drei waren einstmals im Udgîtha erfahren, Çilaka Çâlâvatya, Caikitâyana Dâlbhya und Pravâhaṇa Jaivali. Sie sprachen: »Wir sind ja im Udgîtha erfahren; wohlan, lasst uns über den Udgîtha eine Unterredung halten.«
2. »So sei es«, sprachen sie und setzten sich zusammen nieder. Da sprach Pravâhaṇa Jaivali: »Ihr Ehrwürdigen mögt zuerst reden, und ich werde, indem ihr beiden Brahmanen redet, eurer Rede zuhören.«
4. »Worauf geht das Sâman zurück?« fragte er. – »Auf den Ton«, war die Antwort. – »Worauf geht der Ton zurück?« – »Auf den Lebensodem.« – »Worauf geht der Lebensodem zurück?« – »Auf die Nahrung.« – »Worauf geht die Nahrung zurück?« – »Auf das Wasser.«
5. »Worauf das Wasser?« – »Auf jene Welt.« – »Worauf jene Welt?« – »Über die Himmelswelt kann man es nicht hinausführen«, erwiderte er, »als die Himmelswelt stelle ich das Sâman fest, denn was im [Symbol des] Sâman gepriesen wird, das ist der Himmel.« –
6. Da sprach Çilaka Çâlâvatya zu Caikitâyana Dâlbhya: »Dein Sâman ist ja ohne Fundament, o Dâlbhya, und wenn jetzt einer spräche: »dein Kopf soll zerspringen!«, so würde dein Kopf zerspringen.«
»Worauf geht jene Welt zurück?« so fragte jener. – »Auf diese Welt«, war die Antwort. – »Und worauf geht diese Welt zurück?« – »Über die Fundamentwelt kann man es nicht hinausführen«, erwiderte er, »als die Fundamentwelt stelle ich das Sâman fest, denn was im [Symbol des] Sâman gepriesen wird, das ist das Fundament.«
8. Da sprach zu ihm Pravâhaṇa Jaivali: »Dein Sâman ist ja endlich, o Çâlâvatya, und wenn jetzt einer spräche: »dein Kopf soll zerspringen!«, so würde dein Kopf zerspringen.« – »Wohlan, so lass mich es von dir, o Herr, erfragen!« – »Erfrage es«, so sprach er.
1. »Worauf geht diese Welt zurück?« so fragte jener. – »Auf den Âkâça«, erwiderte er, »denn der Âkâça ist es, aus dem alle diese Wesen hervorgehen, und in welchen sie wieder untergehen, der Âkâça ist älter als sie alle, der Âkâça ist der letzte Ausgangspunkt. 2. Dieser ist der allervortrefflichste Udgîtha, er ist der unendliche. – Allervortrefflichstes wird dem zuteil, die allervortrefflichsten Welten gewinnt, wer, dieses also wissend, den allervortrefflichsten Udgîtha verehrt! – 3. Diesen lehrte vordem Atidhanvan Çaunaka dem Udaraçânḍilya und sprach: »Solange sie in deiner Nachkommenschaft den Udgîtha als diesen wissen werden, so lange wird ihnen in dieser Welt das allervortrefflichste Leben zuteil werden, 4. und auch in jener Welt eine Heimstätte.« Und wer diesen, solches wissend, verehrt, dem wird in dieser Welt das allervortrefflichste Leben zuteil und auch in jener Welt eine Heimstätte, – in jener Welt eine Heimstätte.«
10.–11. Khaṇḍa: Die Erzählung von dem gänzlich verarmten und bei aller Armut noch stolzen Ushasti Câkrâyaṇa (ein Ushasta Câkrâyaṇa spielt Bṛih. 3,4 nur eine untergeordnete Rolle), der die zum Anstimmen des Stotram versammelten Priester durch seine Fragen in Bestürzung versetzt und sofort vor ihnen allen den Vorzug erhält, verdankt ihre Aufnahme in die Upanishad wohl mehr ihrer anmutigen Anschaulichkeit als der Bedeutsamkeit ihres Inhalts. Denn wenn Ushasti als seine eigne, so hochgeschätzte Weisheit nichts weiter entwickelt, als dass an den drei Teilen des Stotram, Prastâva, Udgîtha, Pratihâra, die drei »Gottheiten« Prâṇa, Âditya, Annam (Hauch, Sonne, Nahrung) Anteil haben, so ist der Grund dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung und Parallelisierung wohl kaum in etwas andrem zu suchen, als in dem Anklange von prastâva an prâṇa, von udgîtha an ud (hoch) und pratihâra an pratihar (zu sich nehmen). Wenn nach der Meinung des Ça kara (ad Brahmasûtrâṇi 1,1,23, p. 138 sq., mein »System des Vedânta« S. 158 fg). der Prâṇa hier, wie so oft, ein Symbol des Brahman sein soll, so verbietet dieses nicht nur die Zusammenstellung mit Sonne und Nahrung, über welche sich Ça kara mit einem sannidhânasya akiñcitkaratvât allzu leicht hinweghilft (l.c.p. 141,5), sondern auch der Wortlaut; denn die Worte (1,11,5): sarvâṇi ha vâ' imâni bhûtâni prâṇam eva abhisaṃviçanti, prâṇam abhyujjihate bedeuten nicht (wie wir »Sûtras des Vedânta« S. 66, an Ça kara gebunden, übersetzen mussten) »alle diese Wesen gehen ein in den Prâṇa und aus dem Prâṇa entspringen sie«, sondern (wie der Akkusativ prâṇam, auch an zweiter Stelle, zeigt) »alle diese Lebewesen (Seelen) gehen hinter dem Odem her (in den Leib) ein, und hinter dem Odem her springen sie aus ihm heraus«. Somit ist prâṇa, nur der Odem, an dessen Verweilen im Leibe das Verweilen der Geschöpfe in ihm gebunden ist, wie in andrer Hinsicht an das Dasein der Sonne und der Nahrung, die hier mit dem Prâṇa in eine Linie gestellt werden. – Wir möchten vermuten, dass das ganze Stück aus älterer Zeit stammt, wo man mit solchen flüchtigen Analogien noch Eindruck machen konnte, aus der Zeit vor Konsolidierung der Brahmanlehre; denn nachdem diese einmal da war, musste alles auf Brahman entweder direkt oder indirekt (durch die Symbole Om, Udgîtha, Prâṇa, Âkâça usw). bezogen werden. Dieser Ursprung aus älterer Zeit wird dadurch bestätigt, dass das hier geschilderte Somaopfer eine andre und viel einfachere Form zu haben scheint als die, welche uns aus den Brâhmaṇa's und Sûtra's bekannt ist, denn nach der letztern wäre das Einspringen eines Fremden am Sutyâ-Tage und nachdem die Wahl der 16 Priester schon fünf Tage vorher stattgefunden, um dann »mit allen Priesterämtern« auf einmal betraut zu werden, wohl undenkbar.
1. In dem von Hagelschlag betroffenen Lande der Kuru's wohnte, mit seiner Gattin Âṭikî, Ushasti Câkrâyaṇa, indem er sich im Dorfe eines reichen Mannes in Armut umhertrieb.
2. Da sah er den reichen Mann, wie er ein Gericht Bohnen ass, und bettelte ihn an. Der erwiderte ihm: »Es ist nicht mehr davon da, als was man mir hier vorgesetzt hat.«
3. »So gib mir von denen«, bat er, und jener gab ihm davon. »Da ist auch ein Trunk dazu«, fügte er hinzu. Aber der andre sprach: »Dann würde ich ja den Überrest eines andern trinken« [welches verunreinigt].
4. »Aber diese [von dir angenommenen Bohnen] hier sind doch auch ein Überrest.« – »Wenn ich die nicht ässe, so könnte ich nicht leben«, versetzte er, »aber Wasser zu trinken, steht in meinem Belieben.«
5. Nachdem er gegessen, brachte er die übrig gebliebenen seinem Weibe. Die aber hatte schon vorher reichlich zu essen gefunden, nahm jene in Empfang und verwahrte sie.
6. Am andern Morgen sprang er auf und rief: »Wüsste ich nur an Essen zu kommen [mich für die Wanderung zu stärken], so wüsste ich auch an einiges Geld zu kommen. Der Râjâ so und so ist im Begriff, ein Opfer vollbringen zu lassen; der würde mich zu allen Priesterämtern[8] wählen.«
8. Da kam er zu den Udgâtar's wie sie gerade auf dem dazu bestimmten Platze das Stotram anstimmen wollten und setzte sich zu ihnen hin. Und er sprach zum Prastotar:
9. »Prastotar! die Gottheit, welche an dem Prastâva beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Prastâva singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.«
10. Ebenso sprach er zum Udgâtar: »Udgâtar! die Gottheit, welche an dem Udgîtha beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Udgîtha singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.«
11. Ebenso sprach er zum Pratihartar: »Pratihartar! die Gottheit, welche an dem Pratihâra beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Pratihâra singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.«
2. Und jener sprach: »Dich, o Herr, habe ich ringsherum gesucht, um dich mit allen diesen Priesterämtern zu betrauen; und nur, weil ich dich nicht finden konnte, habe ich andre gewählt.
3. Jetzt bist du mir, o Herr, zuteil geworden für alle Priesterämter.« – »So sei es«, sprach er, »doch mögen immerhin diese da mit zugelassen werden, das Stotram zu singen. Nur musst du [da ich nicht mit ihnen teilen mag] mir ebensoviel Lohn geben, wie du ihnen [zusammen] geben wirst.«
4. Da näherte sich ihm der Prastotar und sprach: »Du sagtest zu mir, o Herr: ›Prastotar, die Gottheit, welche an dem Prastâva beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Prastâva singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.‹ So sage: welches ist diese Gottheit?«
5. »Der Odem«, so antwortete er. »Denn alle diese Geschöpfe ziehen mit dem Odem ein und mit dem Odem ziehen sie wieder aus [aus dem Leibe]. Das ist die Gottheit, die an dem Prastâva beteiligt ist. Hättest du, ohne diese zu wissen, den Prastâva gesungen, so wäre dein Kopf zersprungen, nachdem du also von mir gewarnt worden.«
6. Da näherte sich ihm der Udgâtar und sprach: »Du sagtest zu mir, o Herr: ›Udgâtar, die Gottheit, welche an dem Udgîtha beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Udgîtha singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.‹ So sage: welches ist diese Gottheit?«
7. »Die Sonne«, so antwortete er. »Denn alle diese Geschöpfe singen (gâyanti) die hoch (uccaiḥ) gestiegene Sonne an. Das ist die Gottheit, die an dem Udgîtha beteiligt ist. Hättest du, ohne diese zu wissen, den Udgîtha gesungen, so wäre dein Kopf zersprungen, nachdem du also von mir gewarnt worden.«
8. Da näherte sich ihm der Pratihartar und sprach: »Du sagtest zu mir, o Herr: ›Pratihartar, die Gottheit, welche an dem Pratihâra beteiligt ist, wenn du, ohne die zu wissen, den Pratihâra singen wirst, so muss dein Kopf zerspringen.‹ So sage: welches ist diese Gottheit?«
9. »Die Nahrung«, so antwortete er. »Denn alle diese Geschöpfe leben, indem sie Nahrung zu sich nehmen (pratiharamâṇâni). Das ist die Gottheit, die an dem Pratihâra beteiligt ist. Hättest du, ohne diese zu wissen, den Pratihâra gesungen, so wäre dein Kopf zersprungen, nachdem du also von mir gewarnt worden, – also von mir gewarnt worden.«
Dem nun folgenden Hunde-Udgîtha lässt sich wohl kaum ein andrer Sinn abgewinnen, als dass er (wie bereits »System des Vedânta« S. 13, Anm. 11 ausgesprochen) ursprünglich, ähnlich wie das Lied an die Frösche Ṛigv. 7,103, eine Satire auf die Tätigkeit der Priester und ihre egoistische Endabsicht war, welche später, irgendwie allegorisch umgedeutet, Aufnahme in den Kanon fand. Diese allegorischen Deutungen (die Götter seien, erfreut über das Studium des Baka, ihm in Hundegestalt erschienen, um ihm die Belehrung zu erteilen, dass der Zweck des Studiums der Broterwerb sei, – oder, die Lebensodem hätten ihm in dieser Erscheinung ihr Ernährtwerden durch den Mukhya Prâna allegorisch zu verstehen gegeben) sind zu sinnlos, um ein Wort darüber zu verlieren, während als Satire das Stück durch die Hunde und das was sie tun und sagen das Gebaren der Priester und ihre hungrige Bettelhaftigkeit sehr gut persiflieren würde.
3. Und er sprach zu ihnen: »Trefft morgen früh mit mir allhier zusammen.« Dieses beschloss Baka Dâlbhya – der da auch heisst Glâva Maitreya – abzuwarten.
4. Da kamen sie herangezogen, wie die Priester, wenn sie das Bahish-pavamâna-Stotram singen wollen, einander [am Kleide, Ind. Stud. IX, 224] anfassend, heranziehen. Und sie setzten sich nieder und stimmten das Hi an.
5. Und sie sangen: »Om! ich möchte essen, Om! ich möchte trinken; Om! möge der Gott Varuṇa, Prajâpati und Savitar Nahrung herbeischaffen; o Nahrungsherr, Nahrung schaffe herbei, – schaffe herbei! Om!«
Über den mystischen Sinn (upanishad) gewisser beim Singen des Sâman vorkommender Laute. Dreizehn solcher Singlaute (stobha) werden ohne weitere Begründung auf dreizehn, ungeordnet durcheinander stehende, Welterscheinungen gedeutet. Wir fügen die Erklärungen des Ça kara bei, hauptsächlich, weil sie zeigen, wie wenig Sinn hinter diesen allegorischen Spielereien steckt.
4. Dem lässt die Rede Melktrank strömen, den Melktrank, der der Rede eigen ist, der wird nahrungreich, nahrunggeniessend, wer also von den Sâmalauten diesen Geheimsinn (upanishad) kennt, – diesen Geheimsinn kennt (vgl. 1,3,7).
7 Auf Vâlukeçvare bei Bombay sah ich (November 1892) eine alte Frau, welche die Morgensonne verehrte, indem sie, Wasser sprengend, in dieselbe hineinstarrte. Sie soll dies schon seit zwanzig Jahren betreiben, ohne dass es, wie mei e Hindufreunde versicherten, ihren Augen geschadet habe. – Credat Judaeus Apella!
Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.
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Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.
1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Der Udgîtha, diese Hauptverrichtung des Haupt-Sâmapriesters, wird identisch gesetzt …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Wie vorher als Symbol der alle Veden befassenden Silbe Om, so erscheint hier der Udgîtha als Symbol des Prâṇa (Lebenshauches, […]) im Menschen.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »»Weil ich nur ihn angesungen habe, darum bist du mein einziger«, so sprach einst Kaushîtaki zu seinem Sohne;«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Darum redet man mit ihr beides, das Wahre und Unwahre; denn sie ist mit Übel geschlagen.«
B: »»Denn alle diese Geschöpfe ziehen mit dem Odem ein und mit dem Odem ziehen sie wieder aus [aus dem Leibe].«
C: »Die Ṛic ist der Luftraum, das Sâman ist Vâyu, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet.«
7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »die Wasser mit Menschenstimme reden«, d.h. die Theorie …«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Khaṇḍa: Die Erzählung von dem gänzlich verarmten und bei aller Armut noch stolzen Ushasti Câkrâyaṇa (ein Ushasta Câkrâyaṇa spielt Bṛih. 3,4 nur eine […] Rolle), der die zum Anstimmen des Stotram versammelten Priester durch seine Fragen in Bestürzung«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Satire das Stück durch die Hunde und das was sie tun und …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »in Becher, durch den Adhvaryu und seine Gehilfen, hierauf 2) das stotram, der«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »in Becher, durch den Adhvaryu und seine Gehilfen, hierauf 2) das stotram, der« und »î ist Agni [weil alle Sâman's an Agni mit î auslauten];«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »lassen. – Auf der Identität des Udgîtha mit dem auch dem Hotar«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Wie die Upanishad's des Ṛigveda ausgehen von einer allegorischen Betrachtung des Uktham (Ait. Âr. 2, 1-3;«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Die Ṛic ist diese Erde, das Sâman ist Agni, und besagtes Sâman ist auf besagter Ṛic gegründet.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Dem lässt die Rede Melktrank strömen, den Melktrank, der der Rede eigen ist, der wird nahrungreich, nahrunggeniessend, wer also von den Sâmalauten diesen Geheimsinn (upanishad) kennt, – diesen Geheimsinn kennt (vgl. 1,3,7).«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Deutsches Textarchiv, BBAW, DiBiPhil-Korpus; Kuration Matthias Boenig, Susanne Haaf, Marius Hug und DTA-Team; ursprüngliche Digitalisierung Editura/Digitale Bibliothek. Historische Quellausgabe: Sechzig Upanishads des Veda. Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Paul Deussen, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1963 [Nachdruck der 3. Aufl. Leipzig: F.A. Brockhaus 1921].
Vollständige acht Prapāṭhakas mit 154 Khaṇḍas in Devanagari. Die historische deutsche Ausgabe und die Sanskrit-Fassung haben unterschiedliche Unterabschnittszählungen. Zwei im Quelltext erhaltene Druck-/Übertragungsfehler betreffen nur die Ziffern: 2.3 beginnt mit 4 statt 1; 6.6 endet mit 6 statt 5. Die vollständigen Wortfolgen dieser beiden Abschnitte wurden unabhängig mit dem DCS-Text verglichen. Gesonderte Bildunterschriften, Verweise und ein Padma-Purāṇa-Kommentar werden nicht als Originaltext übernommen.
Sanskrit Wikisource und beitragende Personen; unveränderter Sanskrit-Werktext in Devanagari, CC BY-SA 4.0; Navigations- und gesonderte Anhangstexte ausgeschlossen.
Autorschaft und Ausgabe: Altindische Überlieferung · Sanskrit Wikisource contributors
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.