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Buch - Brihadaranyaka-Upanishad - Altindische Überlieferung

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Brihadaranyaka-Upanishad

Altindische Überlieferung

Ausführliche Lehrgespräche, darunter Yajnavalkyas Auseinandersetzungen mit Maitreyi und Gargi, erkunden Selbst, Erkenntnis und Wirklichkeit. Die sechs Bücher verbinden philosophische Debatten mit historischen Ritual- und Gesellschaftsvorstellungen.

PhilosophieKlasse 11–139 Abschnitte
Brihadaranyaka-Upanishad – Textüberlieferung
Brihadaranyaka-Upanishad – Textüberlieferung — Textzeugnis der Brihadaranyaka-Upanishad mit den Versen 1.3.1 bis 1.3.4. · Ms Sarah Welch · CC BY-SA 4.0 Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Deussen, Paul

Hinweise für den Unterricht
  • Historische philosophische, religiöse und naturkundliche Aussagen sowie zeitgebundene gesellschaftliche Wertungen kritisch einordnen. Diese Texte vermitteln keine heutigen wissenschaftlichen, medizinischen oder rechtlichen Handlungsempfehlungen. Klassenangaben sind eine redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 4 von 9

Erster Adhyâya.

1
Erster Adhyâya.
Vorlage S. 380
2
Erstes Brâhmaṇam.
Vorlage S. 380
3
1.-2. Brâhmaṇam: Die mystische Bedeutung des Rossopfers. – Die Çâṇḍilyabücher des Çatapathabrâhmaṇam (VI-X) bekunden ihre ursprüngliche Selbständigkeit unter anderm auch dadurch, dass sie im Agnirahasyam, als ginge damit der Veda zu Ende (vedânta), mit upanishadartigen Betrachtungen schliessen: Çatap. Br. 10,5,3 und die benachbarten Stücke werden schon von den Brahmasûtra's 3,3,44-52 als zur Vidyâ gehörig in Anspruch genommen; zwei weitere Abschnitte, 10,6,1 (Vaiçvânaravidyâ) und 10,6,3 (Çâṇḍilyavidyâ) sind uns in bedeutsamer Fortbildung in der Chândogya-Upanishad begegnet (oben S. 144 fg., 109 fg)., und die beiden letzten Kapitel, Çatap. Br. 10,6,4-5, über die mystische Bedeutung des Rossopfers, werden von der Kâṇva-Rezension als Bṛih. 1,1-2 an den Anfang der Upanishad gestellt, und aus guten Gründen. Denn wie die Upanishad's des Ṛigveda vom uktham (oben S. 10 fg., 21 fg)., die des Sâmaveda vom sâman, udgîtha usw. ihren Ausgangspunkt nehmen (oben S. 66 fg., S. 203 Anm)., so knüpft die yajurvedische Bṛihadâraṇyaka-Upanishad in ihren beiden ersten Abschnitten an das Opfer, und zwar an das Rossopfer als die höchste Opfer leistung an, um dasselbe allegorisch zu deuten. Nur der versteht das Rossopfer in Wahrheit (Bṛih. 1,2,7), welcher weiss, dass das zu opfernde Ross, wie das erste Brâhmaṇam in grotesker Anschauung ausführt, das Weltall ist. Denn die Welt ist, nach einem schon im Ṛigveda hervortretenden Gedanken (10,81,1. 6, Gesch. d. Phil. I, 135 fg)., von Prajâpati, der zugleich das Leben (prâṇa, Bṛih. 1,2,3) und der Tod (mṛityu) oder der Hunger ist, erschaffen worden, um dasselbe als ein von ihm selbst sich selbst dargebrachtes Opfer zu verschlingen. Zu diesem Zwecke schafft er zunächst die Urwasser (1,2,1) und als eine Verdichtung derselben die Erde (1,2,2), breitet sich als Lebenshauch dreifach zu Agni, Vâyu und Âditya aus, schafft, durch Zeugung seines Manas mit der Rede (dem göttlichen Vedaworte), das Jahr und sodann alle Geschöpfe, um sie als Aditi (von ad »essen« abgeleitet) zu verschlingen. Seinen höchsten Ausdruck findet dieser Gedanke darin, dass Prajâpati selbst sich in ein Ross umwandelt, welches ihm, und mit ihm den übrigen Gottheiten, im Rossopfer dargebracht wird. Wer sich durch dieses Wissen zur Einheit mit Prajâpati, dem Hunger, dem Tode erhebt, dem kann der Tod nichts mehr anhaben, weil der Tod sein eignes Selbst ist.
Vorlage S. 380
4
Om!
Vorlage S. 381
5
1. Die Morgenröte, wahrlich, ist des Opferrosses Haupt, die Sonne sein Auge, der Wind sein Odem, sein Rachen das allverbreitete Feuer, das Jahr ist der Leib des Opferrosses. Der Himmel ist sein Rücken, der Luftraum seine Bauchhöhle, die Erde seines Bauches Wölbung; die Pole sind seine Seiten, die Zwischenpole seine Rippen, die Jahreszeiten seine Glieder, die Monate und Halbmonate seine Gelenke, Tage und Nächte seine Füsse, die Gestirne seine Gebeine, das Gewölk sein Fleisch. Das Futter, das es verdaut, sind die Sandwüsten, die Flüsse seine Adern, Leber und Lungen die Gebirge, die Kräuter und Bäume seine Haare; die aufgehende Sonne ist sein Vorderteil, die niedergehende sein Hinterteil. Was es bleckt, das ist Blitz, was es schauert, ist Donner, was es wässert, Regen; seine Stimme ist Rede.
Vorlage S. 381
6
2. Der Tag, fürwahr, ist entstanden für das Ross als die Opferschale, die vor ihm stehet: seine Wiege ist in dem Weltmeere gen Morgen; die Nacht ist für es entstanden als die Opferschale, die hinter ihm stehet: ihre Wiege ist in dem Weltmeere gen Abend; diese beiden Schalen entstanden, das Ross zu umgeben. Als Ross zog es die Götter, als Kämpfer die Gandharven, als Renner die Dämonen, als Pferd die Menschen. Der Ozean ist sein Verwandter, der Ozean seine Wiege.
Vorlage S. 381
7
Zweites Brâhmaṇam.
Vorlage S. 382
8
1. Am Anfang war hier nichts; denn diese Welt war verhüllt von dem Tode; von dem Hunger; denn der Tod ist Hunger. Da schuf er das Manas (den Verstand, den Willen); denn er begehrte, selbsthaft (körperhaft) zu sein. Er wandelte lobsingend; da er lobsang, entstand das Wasser; denn er sprach: »Da ich lobsang (arc), ward mir Freude (ka)«. Dieses ist das Wesen des Strahles (arka). Dem wird Freude zuteil, der also dieses Wesen des Strahles weiss.
Vorlage S. 382
9
2. Denn der Strahl ist das Wasser. Was an dem Wasser der Rahm war, das wurde gekernt; daraus entstand die Erde. Dabei ermüdete er. Da er ermüdete, da er sich erhitzte, ward seine Kraft, sein Saft zu Feuer.
Vorlage S. 382
10
3. Er zerteilte sich selbst in drei, [ein Drittel Feuer], ein Drittel Sonne, ein Drittel Wind; so war er als Lebenshauch (prâṇa) dreifach ausgebreitet. Sein Kopf war die Gegend gen Morgen, hier und dort waren seine Vorderschenkel; sein Schweif war die Gegend gen Abend, hier und dort waren seine Hinterschenkel; Süd und Nord waren seine Seiten, der Himmel sein Rücken, der Luftraum seine Bauchhöhle, diese Erde seine Brust. Derselbige stehet gegründet auf den Wassern. – Wo immer er gehen mag, da stehet gegründet, wer solches weiss.
Vorlage S. 382
11
4. Er begehrte, ein zweites Selbst (Leib) zu haben; da pflog er als Manas mit der Rede Begattung (vgl. 1,4,17 und Gesch. d. Phil. I, S. 201. 206), er, der Hunger, der Tod. Was sich als Same ergoss, das ward das Jahr (die Zeit); denn vordem war das Jahr nicht vorhanden. Selbiges trug er so lange Zeit, wie ein Jahr ist, und nach Ablauf dieser Zeit liess er es hervorgehen. Gegen selbiges, nachdem es geboren war, sperrte er den Rachen auf; da schrie es: bhâṇ! Daraus entstand die Rede [bhaṇ, bhaṇati reden].
Vorlage S. 382
12
5. Er erkannte: »Wenn ich diesem nachstelle, so wird meine Speise nur gering sein«. Da schuf er mit jener Rede [dem Veda], mit jenem Selbste [dem Manas] dieses Ganze, was immer vorhanden, die Verse [des Ṛigveda], die Sprüche [des Yajurveda], die Lieder [des Sâmaveda], die Gesänge, die Opfer, die [opfernden] Geschöpfe, die [zu opfernden] Tiere. Alles, was er immer schuf, das beschloss er zu verschlingen; weil er alles verschlingt (ad), darum ist er die Aditi (die Unendlichkeit). Der wird zum Verschlinger des Weltalls, dem dient das Weltall zur Speise, wer also das Wesen der Aditi versteht.
Vorlage S. 383
13
6. Da begehrte er, noch weiter ein grösseres Opfer darzubringen; er mühte sich ab, er kasteite sich; da er sich abmühte, da er sich kasteite, wichen von ihm Schönheit und Kraft. Nämlich die Lebensgeister sind Schönheit und Kraft. Indem die Lebensgeister aus ihm wichen, begann sein Leib anzuschwellen; aber sein Manas war in dem Leibe geblieben.
Vorlage S. 383
14
7. Da begehrte er: »Dieser Leib soll mir opfertauglich (medhya) werden; in ihm will ich mich verkörpern«. Darauf ward er zu einem Rosse (açva), darum dass er angeschwollen war (açvat). Und er sprach: »Dieser (Leib) ist mir opfertauglich (medhya) geworden«. Darum heisst das Rossopfer Açva-medha. – Fürwahr, der versteht das Rossopfer, der es also versteht! – Selbiges [Ross] bewachte er, ohne es zu fesseln. Nach Ablauf eines Jahres brachte er es als Opfer für sich selbst dar; die [übrigen, bei der Açvamedhafeier geopferten] Tiere aber überwies er den Göttern. Darum bringt man, als ein [zugleich] allen Göttern geweihtes, dem Prajâpati dies Opfer dar. Wahrlich, jener ist das Rossopfer, welcher dort [als Sonne] leuchtet; sein Leib ist das Jahr. Dieses [irdische] Feuer ist der Arka (das Opferfeuer beim Rossopfer); sein Leib sind diese Welten. Diese beiden sind das Opferfeuer und das Rossopfer. Und wiederum sind sie nur eine einzige Gottheit, nämlich der Tod. – [Wer solches weiss,] der wehret ab den Wiedertod; der Tod überwältigt ihn nicht, darum dass der Tod sein Selbst ist (Çatap. Br. 10,5,2,23); zu einer jener Gottheiten [die an dem Rossopfer teilhaben] wird er.
Vorlage S. 383
15
Drittes Brâhmaṇam.
Vorlage S. 383
16
Ehe man die philosophische Kraft besass, das Prinzip der Dinge, den Âtman, in seiner Reinheit aufzufassen und mittels jenes grossen »neti, neti« (Bṛih. 2,3,6. 3,9,26. 4,2,4. 4,4,22. 4,5,15) in Gegensatz zu allen seinen Erscheinungen zu stellen, versuchte das noch ungereifte (auch in der Metaphysik mit empirischen Anschauungsformen operierende) Denken, das Prinzip der Welt zu ergreifen, indem es dasselbe in irgend einer besonders deutlichen Erscheinungsform anschaute. Eine solche ist namentlich der Prâṇa, »der Lebenshauch«, welcher daher nicht nur in der Vorgeschichte der Âtmanlehre eine wichtige Stelle einnimmt (vgl. darüber Gesch. d. Phil. I, 294-305), sondern auch in den Upanishad's eines der gebräuchlichsten Symbole (pratîkam, Brahmasûtra 4,1,4) des Âtman bleibt. So begegneten wir z.B. im dritten Adhyâya der Kaushîtaki-Upanishad (oben S. 41 fg). dem Bestreben, durch Identifikation von Prâṇa und Prajñâtman, über das Symbol hinaus zur Wesenheit zu gelangen; und so bieten die beiden grössten unter den Upanishad's, als Vorbereitung der Âtmanlehre und daher gleich am Eingange, Chând. 1,2-3 und Bṛih. 1,3, einen Text, welcher den Prâṇa (psychisch und kosmisch) als die von Übel und Bösem unberührbare und alle übrigen Organe (psychisch und kosmisch) über Übel und Böses hinausführende Wesenheit verherrlicht. Beide Texte gehen ohne Zweifel auf eine gemeinsame Grundlage zurück, weichen aber in der Ausführung erheblich voneinander ab. Der Hauptunterschied ist, dass es sich Bṛih. 1,3 um ein Singenlassen des Udgîtha durch die Lebenshauche, hingegen Chând. 1,2 um ein Verehrtwerden der Lebenshauche unter dem Symbol des Udgîtha handelt. Schon oben S. 69 bezeichneten wir Ersteres als das Ursprünglichere und führten als Bestätigung an, dass es sich bei dem dreimaligen Vorkommen der Erzählung im Talavakâra-Upanishad-Brâhmaṇam (1,60. 2,1-2. 2,10-11) stets um ein Singen des Udgîtha handelt. (Eine vierte Version der Legende, Talav. Up. Br. 2,3, lässt den Udgîtha ausser Betracht). Hierbei blieb jedoch unerklärt, warum Chând. 1,2 so auffallend von allen andern Versionen abweicht. Vielleicht gelingt es, den Schlüssel dieses Rätsels aus der Betrachtung von Bṛih. 1,3 zu gewinnen.
Vorlage S. 384
17
Hier werden, behufs Überwindung der Dämonen, Rede, Geruch, Auge, Ohr, Manas der Reihe nach von den Göttern beauftragt, für sie beim Opfer den Udgîtha zu singen. Sie beginnen damit und ersingen Schönes für sich selbst und die Götter, werden aber, während des Singens (wie wir annehmen müssen), von den Dämonen mit Übel geschlagen und dadurch unfähig, den Sieg zu erringen. Als sechster wird dann der Lebensodem, Prâṇa (zur Unterscheidung von Prâṇa, dem Geruchssinne, in Bṛih. âsanya prâṇa, in Chând. mukhya prâṇa, »der Lebenshauch im Munde« genannt) aufgefordert, den Udgîtha zu singen; an ihm zerstieben die Dämonen, er erringt den Sieg, verbannt das Übel, mit dem die übrigen Organe behaftet worden waren, an das Ende der Weltgegenden und führt sodann Rede, Geruch, Auge, Ohr und Manas als Agni, Vâyu, Âditya, Diç's und Candramas über Tod und Übel hinaus. Hierauf ersingt er für sich Nahrung und lässt die andern Organe, indem sie in ihn eingehen, daran teilnehmen, wofür er dann als Ayâsya  girasa, Bṛihaspati, Brahmaṇaspati gefeiert wird. – Nun plötzlich (Bṛih. 1,3,22) ändert sich die Situation. War der Prâṇa vorher der siegreiche Sänger des Sâman, des Udgîtha, so wird er jetzt selbst für das Sâman, den Udgîtha erklärt, und das Stück endigt mit einer Glorifikation des Sâman und einer Anweisung darüber, wie beim Gesange desselben vom Yajamâna und den Priestern zu verfahren. Wir glauben hier die Naht zu erkennen, welche zwei ursprünglich verschiedene Stücke verbindet: 1) Bṛih. 1,3,1-21 (aufs nächste verwandt mit Talav. Up. Br. 2,1-2. 10-11) schildert in einer Legende die Superiorität des die Dämonen besiegenden Prâṇa über die übrigen Lebensorgane; 2) Bṛih. 1,3,22-28 hingegen scheint ursprünglich eine Verherrlichung des Sâman (Udgîtha) als Prâṇa zu sein, verbunden mit Weisungen, welche die Ausführung der Sâma-Liturgie betreffen. – Auch Chând. 1,2-3 (dessen Version sich im übrigen näher an Talav. Up. Br. 1,60. 2,3 anschliesst) verbindet beide Elemente, verschmelzt sie aber sekundär so weit, dass es sich von vornherein nicht um ein Singen des Udgîtha durch den Prâṇa, sondern um ein Verehrtwerden des Prâṇa unter dem Symbole des Udgîtha handelt, wodurch dann die ursprüngliche Pointe der Erzählung verloren geht.
Vorlage S. 384
18
1. Zwiefach waren die Kinder des Prajâpati, Götter und Dämonen. Von ihnen waren die schwächeren die Götter, die stärkeren die Dämonen. Selbige stritten um diese Welten. Da sprachen die Götter: »Wohlan, lasst uns die Dämonen beim Opfer durch den Udgîtha überwinden!«
Vorlage S. 385
19
2. Da sprachen sie zur Rede: »Singe du für uns den Udgîtha!« – »So sei es«, sprach sie. Da sang die Rede für sie den Udgîtha. Der Nutzen, der in der Rede ist, den ersang sie für die Götter, dass sie Schönes redet, das für sich selbst. – Da merkten jene [die Dämonen]: »Durch diese als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf dieselbe ein und erfüllten sie mit Übel. Das Übel, dass sie so Unziemliches redet, das eben ist jenes Übel.
Vorlage S. 385
20
3. Da sprachen sie zum Geruche (prâṇa): »Singe du für uns den Udgîtha!« – »So sei es«, sprach er. Da sang der Geruch für sie den Udgîtha. Der Nutzen, der in dem Geruche ist, den ersang er für die Götter, dass er Schönes riecht, das für sich selbst. – Da merkten jene: »Durch diesen als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf denselben ein und erfüllten ihn mit Übel. Das Übel, dass er so Unziemliches riecht, das eben ist jenes Übel.
Vorlage S. 385
21
4. Da sprachen sie zum Auge: »Singe du für uns den Udgîtha!« – »So sei es«, sprach es. Da sang das Auge für sie den Udgîtha. Der Nutzen, der in dem Auge ist, den ersang es für die Götter, dass es Schönes schaut, das für sich selbst. – Da merkten jene: »Durch dieses als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf dasselbe ein und erfüllten es mit Übel. Das Übel, dass es so Unziemliches schaut, das eben ist jenes Übel.
Vorlage S. 385
22
5. Da sprachen sie zum Ohre: »Singe du für uns den Udgîtha!« – »So sei es«, sprach es. Da sang das Ohr für sie den Udgîtha. Der Nutzen, der in dem Ohre ist, den ersang es für die Götter, dass es Schönes hört, das für sich selbst. – Da merkten jene: »Durch dieses als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf dasselbe ein und erfüllten es mit Übel. Das Übel, dass es so Unziemliches hört, das eben ist jenes Übel.
Vorlage S. 386
23
6. Da sprachen sie zum Manas (Verstand, Willen): »Singe du für uns den Udgîtha!« – »So sei es«, sprach es. Da sang das Manas für sie den Udgîtha. Der Nutzen, der in dem Manas liegt, den ersang es für die Götter, dass es Schönes vorstellt (beschliesst), das für sich selbst. – Da merkten jene: »Durch dieses als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf dasselbe ein und erfüllten es mit Übel. Das Übel, dass es so Unziemliches vorstellt (beschliesst), das eben ist jenes Übel.
Vorlage S. 386
24
Also geschah es, dass sie diese Gottheiten mit Übeln überkamen, dass sie dieselben mit Übel erfüllten.
Vorlage S. 386
25
7. Da sprachen sie zu diesem Lebensodem im Munde (âsanya prâṇa): »Singe du für uns den Udgîtha!'' – »So sei es«, sprach er. Da sang dieser Lebensodem für sie den Udgîtha. – Da merkten jene: »Durch diesen als Sänger werden sie uns überwinden«, drangen auf denselben ein und wollten ihn mit Übel erfüllen (avivyatsan). Da aber, gleichwie ein Erdkloss, wenn er auf einen Stein trifft, zerstiebt, also auch stoben sie auseinander und vergingen. Darum bestanden die Götter, zunichte waren die Dämonen. – Der besteht durch sich selbst (âtmanâ), dessen Widersacher wird zunichte, wer solches weiss.
Vorlage S. 386
26
8. Da sprachen sie: »Wo war er doch, der sich unser also angenommen? Im Munde weilt er (ayam âsye), darum heisst er Ayâsya, und  girasa, denn er ist der Saft (rasa) der Glieder (a ga).«
Vorlage S. 386
27
9. Wahrlich, diese Gottheit heisset Dûr mit Namen, denn von ihr bleibt der Tod ferne (dûram). – Von dem bleibt der Tod ferne, der solches weiss.
Vorlage S. 387
28
10. Nachdem diese Gottheit also von jenen Gottheiten das Übel, den Tod, abgewehrt hatte, so versetzte sie dasselbe dorthin, wo dieser Weltgegenden Grenze ist; dorthin verlegte sie die Übel derselben. Darum soll man nicht gehen unter die Heiden, nicht gehen zur Grenze, damit man nicht sich hinbegebe zu dem Übel, zu dem Tode!
Vorlage S. 387
29
11. Nachdem diese Gottheit also von jenen Gottheiten das Übel, den Tod, abgewehrt hatte, so führte sie dieselbigen über den Tod hinüber.
Vorlage S. 387
30
12. Zuerst führte sie die Rede hinüber; indem diese vom Tode erlöst wurde, ward sie zu dem Feuer. Als dieses Feuer, über den Tod hinausgeschritten, flammt sie.
Vorlage S. 387
31
13. Darauf führte sie den Geruch hinüber; indem dieser vom Tode erlöst wurde, ward er zu dem Winde. Als dieser Wind, über den Tod hinausgeschritten, reinigt er.
Vorlage S. 387
32
14. Darauf führte sie das Auge hinüber; indem dieses vom Tode erlöst wurde, ward es zu der Sonne. Als diese Sonne, über den Tod hinausgeschritten, glüht es.
Vorlage S. 387
33
15. Darauf führte sie das Ohr hinüber; indem dieses vom Tode erlöst wurde, ward es zu den Weltgegenden. Als diese Weltgegenden [ist es] über den Tod hinausgeschritten.
Vorlage S. 387
34
16. Darauf führte sie das Manas hinüber; indem dieses vom Tode erlöst wurde, ward es zu dem Monde. Als dieser Mond, über den Tod hinausgeschritten, glänzt es.
Vorlage S. 387
35
Wahrlich, den führt diese Gottheit ebenso über den Tod hinaus, der solches weiss.
Vorlage S. 387
36
17. Darauf ersang sie für sich selbst Speise zum Essen. Denn was immer an Speise gegessen wird, das wird von dem [Lebens-]Odem gegessen; [dadurch] bestehet er hienieden.
Vorlage S. 387
37
18. Da sprachen jene Gottheiten: »alles dieses, was Speise ist, so viel es ist, das hast du für dich selbst ersungen; so lass uns mit dir an dieser Speise teilnehmen!« – »Wohlan«, sprach er, »so gehet alle in mich ein!« – »So sei es«, sprachen sie; da gingen sie von allen Seiten her in ihn hinein.
Vorlage S. 387
38
Darum geschieht es, dass von der Speise, die man um des Lebenshauches willen geniesst, jene andern sich sättigen.
Vorlage S. 388
39
Fürwahr, in den gehen ebenso die Seinigen ein, der ist der Ernährer der Seinigen, ist ihr Fürst, ihr Herzog, Esser der Speise und Oberherr, der solches weiss; und wer gegen ihn, der solches weiss, als ein Widersacher unter den Seinigen aufsteht, der vermag nicht hinauszuhelfen denen, die ihm anhängen; aber wer jenem sich unterordnet, wer ihm folgend die Seinigen zu unterhalten strebt, der, fürwahr, vermag hinauszuhelfen denen, die ihm anhängen.
Vorlage S. 388
40
19. Er ist Ayâsya  girasa, denn er ist der Saft (rasa) der Glieder (a ga); denn das Leben (prâṇa) ist der Saft der Glieder. Denn weil das Leben der Saft der Glieder ist, darum geschieht es, dass, aus welchem Gliede immer das Leben entweicht, das eben vertrocknet; darum ist es der Saft der Glieder.
Vorlage S. 388
41
20. Er ist aber auch Bṛihaspati; denn die Rede ist Bṛihatî [Name eines Metrums, hier für Ṛigveda], und er ist ihr Herr; darum ist er auch Bṛihaspati.
Vorlage S. 388
42
21. Er ist aber auch Brahmaṇaspati; denn die Rede ist Brahman [das Gebet, hier für Yajurveda], und er ist ihr Herr; darum ist er auch Brahmaṇaspati.
Vorlage S. 388
43
22. Er ist aber auch das Sâman; denn die Rede ist Sâman [Gesang]. Weil er sâ und ama [sie und er, d.h. Weibliches und Männliches] ist, daher kommt der Name Sâman.[1] – Oder auch daher, weil er gleich (sama) ist der Ameise, gleich der Mücke, gleich dem Elefanten, gleich diesen drei Welträumen, gleich diesem Weltganzen. – Der erlangt das Sâman, der erwirbt mit dem Sâman Lebensgemeinschaft, Weltgemeinschaft, wer also dieses Sâman kennt.
Vorlage S. 388
44
23. Er ist aber auch der Udgîtha; denn der Prâṇa ist ut, denn durch den Prâṇa (das Leben) wird diese ganze Welt aufrechterhalten (ut-tabdham); und die Rede ist gîthâ (Gesang); ut und gîthâ aber machen zusammen Udgîtha.
Vorlage S. 388
45
24. Darum auch sprach Brahmadatta, der Nachkomme des Cikitâna, da er den König [Soma] kostete: »Dieser König soll mir das Haupt zersprengen, wenn Ayâsya  girasa mit etwas anderem als ich hier den Udgîtha gesungen hat. Denn auch er«, so sprach er, »hat nur durch die Rede und durch den Prâṇa den Udgîtha gesungen.«
Vorlage S. 389
46
25. Wer das Eigentümliche dieses Sâman kennt, dem wird Eigentum zuteil. Der Wohllaut ist sein Eigentümliches. Darum, wer des Priesteramtes walten will, der wünsche seiner Stimme Wohllaut; mit einer solchen wohllautreichen Stimme soll er des Priesteramtes walten. Darum begehrt man zum Opferdienste nur einen solchen, der wohllautreich sei, als welcher das Eigentümliche besitzt. – Dem wird Eigentum zu teil, wer also dieses Eigentümliche des Sâman kennt.
Vorlage S. 389
47
26. Wer das Gold dieses Sâman kennt, dem wird Gold zuteil. Das Gold des Sâman ist der Wohllaut. – Dem wird Gold zuteil, wer also dieses Gold des Sâman kennt.
Vorlage S. 389
48
27. Wer die Grundlage dieses Sâman kennt, der ist wohl gegründet. Die Grundlage des Sâman ist die Rede; denn auf die Rede ist der Prâṇa gegründet, wenn er solchermassen [als Sâman] gesungen wird. – Andre sagen: er ist gegründet auf die Nahrung.
Vorlage S. 389
49
28. Nunmehr folgt die Erhebung zu den Reinigungssprüchen. – Der Prastotar also hat den Eingang des Sâman zu singen. Während derselbe ihn singt, soll er [der Yajamâna] folgende [Sprüche] murmeln:
Vorlage S. 389
50
»Aus dem Nichtseienden führe mich zum Seienden;
Vorlage S. 389
51
Aus der Finsternis führe mich zum Lichte;
Vorlage S. 389
52
Aus dem Tode führe mich zur Unsterblichkeit!«
Vorlage S. 389
53
Wenn er sagt: »aus dem Nichtseienden führe mich zum Seienden«, so bedeutet das Nichtseiende den Tod, das Seiende die Unsterblichkeit, und er sagt damit: »aus dem Tode führe mich zur Unsterblichkeit, mache mich unsterblich«. Wenn es heisst: »aus der Finsternis führe mich zum Lichte«, so bedeutet die Finsternis den Tod, das Licht die Unsterblichkeit, und er sagt damit: »aus dem Tode führe mich zur Unsterblichkeit, mache mich unsterblich.« Wenn es heisst: »aus dem Tode führe mich zur Unsterblichkeit«, so ist darin nichts, was verborgen wäre.
Vorlage S. 389
54
Was weiter die übrigen Strophen des Preisliedes (stotram) betrifft, so mag er [der Udgâtar und seine Gehilfen, oben S. 66] in ihnen für sich selbst Nahrung zum Essen ersingen. Darum mag er auch in ihnen eine Gabe erbitten, und wenn er irgend einen Wunsch hat, so kann ihn der solches wissende Udgâtar ersingen, sei es für sich selbst oder auch für den Veranstalter des Opfers, wenn dieser einen Wunsch hat.
Vorlage S. 390
55
Dieses [Wissen des Sâman als Prâṇa] erwirbt die Himmelswelt (loka). Es ist nicht zu fürchten, dass der nicht die Himmelswelt erlange, welcher also dieses Sâman kennt.
Vorlage S. 390
56
Viertes Brâhmaṇam.
Vorlage S. 390
57
Ursprung der Welt aus dem Âtman. Der Verfasser dieses tiefsinnigen Abschnittes bedient sich der überkommenen Form der Schöpfungsmythen (Proben derselben Gesch. d. Phil. I, 183 fg). als eines Rahmens, nicht um eine zusammenhängende Legende von der Schöpfung der Welt aus dem Âtman zu erzählen, sondern nur, um die innere Abhängigkeit alles Seienden von dem Âtman darzutun. Daher knüpft er immer wieder von neuem an den Âtman, das Brahman an, und die äussere Form hat dadurch etwas Fragmentarisches; aber an eine Sammlung von Fragmenten zu denken, verbietet die vollkommene Einheitlichkeit des durchgehenden Grundgedankens. Besonders charakteristisch ist die wiederholt durchbrechende, scharfe und kühne Polemik gegen den Götterkultus; sie beweist, dass unser Stück in eine frühe Zeit gehört, in welcher der Âtman seine Superiorität den Göttern gegenüber erst noch erkämpfen musste. Bei allen Betrachtungen des Abschnittes ist festzuhalten, dass dieser weltschöpferische, übergöttliche Âtman als das eigentliche »Selbst«, d.h. als Subjekt des Erkennens unmittelbar in einem jeden von uns zu finden ist.
Vorlage S. 390
58
1-4. Das erste Bewusstsein des Âtman als Weltprinzips, und so auch in uns, ist: aham asmi, »ich bin«. – Dieser alles in allem seiende Âtman ist ohne Sünde (Etymologie von purusha) und ohne Furcht. Aber er ist auch, weil allein, ohne Freude. Daher er sich, ähnlich wie in dem Mythus des Aristophanes (Platon, Symp. p. 189 C fg)., zerlegt in Mann und Weib (beide zusammen machen erst den ganzen Menschen aus), wodurch die Menschen und sodann die verschiedenen Tiergeschlechter entstehen (sie sind mit dem Menschen eines Wesens).
Vorlage S. 390
59
5 und 6b (vor 6a zu stellen). Der Âtman weiss, dass er die ganze Schöpfung ist, und dass die Götter, deren Verehrung die Leute empfehlen, nur eine Umwandlung seiner selbst sind.
Vorlage S. 390
60
6a und 6c. Der Âtman schafft Nahrungesser und Nahrung, als deren Prototyp Feuer und Soma vorschweben. Ersteres entsteht aus den geriebenen Händen und dem in sie hauchenden Munde als Mutterschoss, letzteres aus seinem alles Flüssige befassenden Samenerguss.
Vorlage S. 390
61
6d. Sofern der Âtman als Mensch, als Sterblicher, die unsterblichen Götter schafft, ist seine Schöpfung eine Überschöpfung (atisṛishṭi).
Vorlage S. 391
62
7. Der Âtman breitet Namen und Gestalten aus und geht sodann in dieselben ein, wodurch er unsichtbar wird. Alle Organe (und Götter) enthalten ihn nur stückweise (akṛitsna), daher man (nicht sie sondern) den Âtman verehren soll. – Der Âtman (in uns) ist »die Wegspur, der man nachzugehen hat« (padanîyam), um zum ganzen Universum zu gelangen.
Vorlage S. 391
63
8. Der Âtman, als das Selbst, ist von allem das Teuerste, weil das Nächste (Keim des Bṛih. 2,4,5 weiter ausgeführten Gedankens); er ist nicht, wie alles andre, verlierbar.
Vorlage S. 391
64
9-10. Durch das Wissen des (später so viel gefeierten) »grossen Wortes«: aham brahma asmi »ich bin Brahman«, wurde Brahman zum Weltall: und so jeder, der dasselbe weiss. Wer aber die Götter als etwas von sich Verschiedenes, sich Gegenüberstehendes verehrt, der ist wie ein Stück Vieh aus ihrer Herde, das sie freilich nicht gern verlieren mögen.
Vorlage S. 391
65
11-15. Das Brahman (als Weltprinzip und zugleich als Brahmanenstand) schafft, zunächst als göttliche Wesen, die Kshatriya's (Indra, Varuṇa, Soma, Rudra, Parjanya, Yama, Mṛityu, Îçâna), die Vaiçya's (die Vasu's, Rudra's, Âditya's, Viçve devâḥ und Marut's) und Çûdra's (Pûshan, d.h. die nährende Erde), und noch höher als sie alle das Recht (dharma) und die mit ihm identische Wahrheit (satyam). Von jenen göttlichen Kasten sind die menschlichen abgeleitet, während das Brahman selbst unter den Göttern als Agni, unter den Menschen als Brahmane lebt. Wer nun stirbt, ohne »die eigne Welt« (sva loka, d.h. seinen Âtman) erkannt zu haben, dessen Werke, wie heilig sie auch sein mögen, sind vergänglich; darum soll man den Âtman als Welt verehren.
Vorlage S. 391
66
16. Der Âtman (in uns) ist die Welt der Götter, Ṛishi's, Väter, Menschen und Tiere; daher dieselben die täglichen fünf Spenden empfangen und dafür dem Spendenden, als ihrem Selbste, Wohlfahrt wünschen.
Vorlage S. 391
67
17. Die fünf Güter des Lebens sind die eigne Person, Weib, Kinder, Besitz und Werk. Wer den Âtman kennt, der braucht sie nicht zu erstreben, sondern trägt sie als Manas, Rede, Prâṇa, Auge-Ohr und Leib (âtman) in sich. So ist er in und an sich selbst das fünffache Opfer (vorher, 16), das fünffache Opfertier (Mensch, Ross, Rind, Schaf, Ziege), der fünffache Mensch, das fünffache Weltall.
Vorlage S. 391
68
1. Am Anfang war diese Welt allein der Âtman, in Gestalt eines Menschen (vgl. Ait. 1,1,4). Der blickte um sich: da sah er nichts andres als sich selbst. Da rief er zu Anfang aus: »Das bin ich!« Daraus entstand der Name Ich. – Daher auch heutzutage, wenn einer angerufen wird, so sagt er zuerst: »Das bin ich!« und dann erst nennt er den andern Namen, welchen er trägt. – Weil er vor diesem allem alle Sünden vorher (pûrva) verbrannt hatte (ush), darum heisst er pur-ush-a (der Mensch, der Geist). Wahrlich, es verbrennt den, welcher ihm vor zu sein begehrt, wer solches weiss.
Vorlage S. 391
69
2. Da fürchtete er sich; darum fürchtet sich einer, wenn er allein ist. Da bedachte er: »wovor sollte ich mich fürchten, da nichts andres ausser mir da ist?« Dadurch entwich seine Furcht; denn wovor hätte er sich fürchten sollen? Denn vor einem Zweiten ist ja die Furcht.
Vorlage S. 392
70
3. Aber er hatte auch keine Freude; darum hat einer keine Freude, wenn er allein ist. Da begehrte er nach einem Zweiten. Nämlich er war so gross wie ein Weib und ein Mann, wenn sie sich umschlungen halten. Dieses, sein Selbst zerfällte er (apâtayat) in zwei Teile; daraus entstanden Gatte (pati) und Gattin (patnî). Darum ist dieser Leib an dem Selbste[2] gleichsam eine Halbscheid; so nämlich hat es Yâjñavalkya erklärt. Darum wird dieser leere Raum hier durch das Weib ausgefüllt. – Mit ihr begattete er sich; daraus entstanden die Menschen.
Vorlage S. 392
71
4. Sie aber erwog: »Wie mag er sich mit mir begatten, nachdem er mich aus sich selbst erzeugt hat? Wohlan! ich will mich verbergen!« – Da ward sie zu einer Kuh; er aber ward zu einem Stier und begattete sich mit derselben. Daraus entstand das Rindvieh. – Da ward sie zu einer Stute; er aber ward zu einem Hengste; sie ward zu einer Eselin, er zu einem Esel und begattete sich mit derselben. Daraus entstanden die Einhufer. – Sie ward zu einer Ziege, er zu einem Bocke; sie zu einem Schafe, er zu einem Widder und begattete sich mit derselben; daraus entstanden die Ziegen und Schafe. – Also geschah es, dass er alles, was sich paart, bis hinab zu den Ameisen, dieses alles erschuf.
Vorlage S. 392
72
5. Da erkannte er: »Wahrlich, ich selbst bin die Schöpfung; denn ich habe diese ganze Welt erschaffen«. – So entstand der Name Schöpfung. – Der, fürwahr, ist in dieser seiner Schöpfung [Schöpfer], wer solches weiss.
Vorlage S. 392
73
6. Darauf rieb er [die vor den Mund gehaltenen Hände] so; da brachte er aus dem Munde als Mutterschoss und aus den Händen das Feuer hervor; darum ist dieses beides von innen ohne Haare; denn der Mutterschoss ist inwendig ohne Haare.
Vorlage S. 393
74
Darum[3], wenn die Leute von jedem einzelnen Gotte sagen: »Opfere diesem, opfere jenem!« so [soll man wissen, dass] diese erschaffene Welt von ihm allein herrührt; er also allein ist alle Götter.
Vorlage S. 393
75
Alles nun, was auf der Welt feucht ist, das erschuf er aus dem Samenerguss; dieser aber ist der Soma; denn diese ganze Welt ist nur dieses: Nahrung und Nahrungesser. Der Soma ist die Nahrung, das Feuer der Nahrungesser.
Vorlage S. 393
76
Diese [Schöpfung] hier ist eine Überschöpfung des Bráhman. Weil er als höhere [als er selbst ist] die Götter schuf, und weil er, als Sterblicher, die Unsterblichen schuf, darum heisst sie die Überschöpfung. – In dieser seiner Überschöpfung ist [Schöpfer], wer solches weiss.
Vorlage S. 393
77
7. Die Welt hier war damals nicht entfaltet; eben dieselbe entfaltete sich in Namen und Gestalten, so dass es hiess: »der so und so mit Namen Heissende hat die und die Gestalt«. Ebendieselbe wird auch heute noch entfaltet zu Namen und Gestalten, so dass es heisst: »der so und so mit Namen Heissende hat die und die Gestalt«. In sie ist jener [Âtman] eingegangen bis in die Nagelspitzen hinein, wie ein Messer verborgen ist in einer Messerscheide oder das allerhaltende [Feuer] in dem feuerbewahrenden [Holze].[4] Darum siehet man ihn nicht: denn er ist zerteilt; als atmend heisst er Atem, als redend Rede, als sehend Auge, als hörend Ohr, als verstehend Verstand; alle diese sind nur Namen für seine Wirkungen. Wer nun eines oder das andre von diesen verehrt, der ist nicht weise; denn teilweise nur wohnt jener in dem einen oder andern von ihnen. Darum soll man ihn allein als den Âtman verehren; denn in diesem werden jene alle zu einem.
Vorlage S. 393
78
Darum ist dieses die [zu verfolgende] Wegespur des Weltalls, was hier [in uns] der Âtman ist; denn in ihm kennt man das ganze Weltall; ja, fürwahr, wie man mittels der Fussspur [ein Stück Vieh] auffindet, also [erkennt man mittels des Âtman diese Welt]. – Ruhm und Ehre findet, wer solches weiss!
Vorlage S. 394
79
8. Darum ist dieses teurer als ein Sohn, teurer als Reichtum, teurer als alles andre; denn es ist innerlicher, weil es diese Seele (âtman) ist.
Vorlage S. 394
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Wenn nun jemand einen andern als den Âtman für teuer erklärt, und von ihm einer sagt: »Verlieren wird er, was ihm teuer ist!« der kann Herr sein, dass dies also geschehe. Darum soll man den Âtman allein als teuer verehren; wer den Âtman allein als teuer verehrt, dessen Teures ist nicht vergänglich.
Vorlage S. 394
81
9. Hier sagen sie: dieweil die Menschen durch das Wissen von Bráhman zum Weltall zu werden gedenken, was wusste denn dieses Bráhman, wodurch es zu diesem Weltall wurde? –
Vorlage S. 394
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10. Wahrlich, diese Welt war am Anfang Bráhman, dieses wusste allein sich selbst. Und es erkannte: » Ich bin Bráhman!« – Dadurch ward es zu diesem Weltall. Und wer immer von den Göttern dieses [durch die Erkenntnis: »Ich bin Bráhman«] inne ward, der ward eben zu demselbigen; und ebenso von den Ṛishi's, und ebenso von den Menschen. – Dieses erkennend hub Vâmadeva, der Ṛishi, an (Ṛigv. 4,26,1):
Vorlage S. 394
83
»Ich war einst Manu, ich war einst die Sonne.«
Vorlage S. 394
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Und auch heutzutage, wer also eben dieses erkennt: »Ich bin Bráhman!« der wird zu diesem Weltall; und auch die Götter haben nicht Macht, zu bewirken, dass er es nicht wird. Denn er ist die Seele (âtman) derselben.
Vorlage S. 394
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Wer nun eine andre Gottheit [als den Âtman, das Selbst] verehrt und spricht: »Eine andre ist sie, und ein andrer bin ich«, der ist nicht weise; sondern er ist gleich als wie ein Haustier der Götter. So wie viele Haustiere dem Menschen von Nutzen sind, also auch ist jeder einzelne Mann den Göttern von Nutzen. Wenn auch nur ein Haustier entwendet wird, das ist unangenehm, wie viel mehr, wenn viele! – Darum ist es denselben nicht angenehm, dass die Menschen dieses wissen.
Vorlage S. 394
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11. Wahrlich, diese Welt war zu Anfang nur Bráhman allein; dieses, da es allein war, war nicht entfaltet. Selbiges schuf über sich [über das bráhman, Priestertum, die erste Kaste] hinaus als ein edler Gestaltetes das Kshatram [Fürstentum, die zweite Kaste]; jene, welche Fürsten sind unter den Göttern, mit Namen Indra, Varuṇa, Soma, Rudra, Parjanya, Yama, Mṛityu, Îçâna. Darum gibt es nichts Höheres als das Kshatram. Darum verehrt der Brahmane den Kshatriya in Unterwürfigkeit bei der Königsweihe; dem Kshatram eben zollt er diese Ehre. – Aber eben dieses Bráhman ist der Mutterschoss des Kshatram. Darum, wenn auch der König die höchste Stelle inne hat, so nimmt er doch am Ende seine Zuflucht zum Bráhman als zu seinem Mutterschosse. Wer aber diesen [einen Brahmanen] verletzt, der schädigt seinen Mutterschoss; er ist um so schlimmer, je edler der war, den er verletzte.
Vorlage S. 395
87
12. Er war noch nicht entfaltet; da schuf er die Viç [den Bürgerstand, die dritte Kaste]; jene, welche, als Götter geboren, in Scharen aufgezählt werden, nämlich die Vasu's, Rudra's, Âditya's, Viçve devâḥ und Marut's.
Vorlage S. 395
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13. Er war noch nicht entfaltet; da schuf er als die Çûdra-Kaste den Pûshan; nämlich diese [Erde] ist Pûshan; denn sie ernährt (pushyati) dieses alles, was vorhanden ist.
Vorlage S. 395
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14. Er war noch nicht entfaltet; da schuf er über sich hinaus als ein edler Gestaltetes das Recht (dharma). Dieses ist Herrscher des Herrschers, was das Recht ist. Darum gibt es nichts Höheres als das Recht. Daher auch der Schwächere gegen den Stärkeren seine Hoffnung setzt auf das Recht, gleich wie auf einen König. Fürwahr, was dieses Recht ist, das ist die Wahrheit (satyam). Darum, wenn einer die Wahrheit spricht, so sagt man, er spricht recht; und wenn einer recht spricht, so sagt man, er spricht die Wahrheit; denn beides ist eines und dasselbige.
Vorlage S. 395
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15. Eben dieses ist Brahman, Kshatram, Viç und Çûdra. Dieses Brahman war mittels des Agni [als Agni, Gott des Feuers] unter den Göttern, als Brahmane unter den Menschen. Als [göttlicher] Kshatriya ward es zum [menschlichen] Kshatriya, als Vaiçya zum Vaiçya, als Çûdra zum Çûdra. Darum wünscht man in [Gestalt des] Agni[5] eine Stätte unter den Göttern, in [der des] Brahmanen eine Stätte unter den Menschen; denn in diesen beiden Gestalten kam das Brahman [unmittelbar] zur Erscheinung.
Vorlage S. 396
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Wer nun aus dieser Welt dahinscheidet, ohne dass er die eigne Welt [die Welt des Âtman] geschaut hat, dem hilft sie, da sie unerkannt geblieben, nicht, wie der Veda, wenn er nicht studiert, oder ein Werk, wenn es nicht getan wird. Und selbst wenn er, der solches nicht wissende, ein grosses gutes Werk vollbringt, so wird es ihm doch am Ende [durch Aufzehrung des Lohnes] zunichte. Darum soll man den Âtman allein als die Welt [zu der man im Tode eingeht] verehren. Wer den Âtman als die Welt verehrt, dessen Werk wird nicht zunichte; vielmehr wird er aus diesem Âtman erschaffen, was er immer begehrt.[6]
Vorlage S. 396
92
16. Es ist aber sogar auch dieser Âtman [der eigene Leib] eine Wohnstätte (Welt) für alle Wesen[7]: sofern man opfert und opfern lässt, ist er eine Stätte der Götter; sofern man [den Veda] hersagt, der Ṛishi's; sofern man den Ahnen die Spende darbringt, sofern man Nachkommenschaft begehrt, der Ahnen; sofern man die Menschen beherbergt und speiset, der Menschen; sofern man für das Vieh Gras und Wasser sucht, des Viehes; sofern in eines Hause die Tiere des Feldes und die Vögel bis herab zu den Ameisen ihr Futter finden, insofern ist er eine Stätte für diese. – Wahrlich, sowie einer seiner eigenen Wohnstätte Wohlfahrt wünscht, also wünschen alle Wesen Wohlfahrt dem, der solches weiss. – Das ist gewisslich erkannt und erforscht.
Vorlage S. 396
93
17. Diese Welt war am Anfang der Âtman einzig und allein. Derselbe begehrte: »Möge ich ein Weib haben! möge ich mich fortpflanzen! möge ich Reichtum haben! möge ich ein Werk vollbringen!« So weit nämlich reicht das Begehren. Auch wenn einer wollte, könnte er nicht mehr als dies erlangen. Darum auch heutzutage, wenn einer allein steht, so begehrt er: »Möge ich ein Weib haben! möge ich mich fortpflanzen! möge ich Reichtum haben! möge ich ein Werk vollbringen!« Solange er von diesen Stücken auch nur eines nicht erlangt, so lange glaubt er sich unvollständig. Jedoch, seine Vollständigkeit ist diese[8]: das Manas ist sein Selbst (âtman); die Rede sein Weib; der Odem seine Nachkommenschaft; das Auge sein menschlicher Reichtum, denn mit dem Auge macht er ihn ausfindig, das Ohr sein göttlicher, denn mit dem Ohre hört er ihn; der Leib (âtman) ist sein Werk, denn mit dem Leibe vollbringt er das Werk. Also ist fünffach das Opfer[an Götter, Ṛishi's, Ahnen, Menschen, Tiere], fünffach das Opfertier (Ind. Stud. X, 347. XIII, 218), fünffach der Mensch [als Manas, Rede, Odem, Auge-Ohr, Leib], fünffach dieses alles, was irgend vorhanden ist. – Dieses alles erlangt, wer solches weiss. –
Vorlage S. 397
Brihadaranyaka-Upanishad – Textüberlieferung
Kontextbild zum Werk. Brihadaranyaka-Upanishad – Textüberlieferung — Textzeugnis der Brihadaranyaka-Upanishad mit den Versen 1.3.1 bis 1.3.4. · Ms Sarah Welch · CC BY-SA 4.0 Bildquelle ↗
94
Fünftes Brâhmaṇam.
Vorlage S. 397
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Dieses Brâhmaṇam zerlegt sich in fünf Abschnitte, welche nur teilweise einen innern Zusammenhang erkennen lassen.
Vorlage S. 397
96
1-13. Ein Versrätsel über die sieben Speisen, welche der Vater (Prajâpati) erschaffen, wird aufgeführt und erklärt; als die drei Speisen, welche der Vater für sich selbst bestimmt, werden Manas, Vâc und Prâṇa bezeichnet, und von denselben psychologische Erklärungen gegeben. Sodann werden dieser Dreiheit (ziemlich willkürlich) die verschiedensten Dreiheiten untergeordnet, nach folgendem Schema:
Vorlage S. 397
97
Vâc:Manas:Prâṇa:
Vorlage S. 397
98
ayaṃ lokaḥantarikshamasau lokaḥ
Vorlage S. 398
99
ṛigvedaḥyajurvedaḥsâmavedaḥ
Vorlage S. 398
100
devâḥpitaraḥmanushyâḥ
Vorlage S. 398
101
mâtâpitâprajâḥ
Vorlage S. 398
102
vijñâtamvijijñâsyamavijñâtam.
Vorlage S. 398
103
Dieselben haben als Leib:
Vorlage S. 398
104
pṛithivîdyausâpas
Vorlage S. 398
105
und als Lichtgestalt (jyotîrûpam):
Vorlage S. 398
106
ayam agniḥasau âdityaḥasau candramâḥ.
Vorlage S. 398
107
Hierin kann, in Analogie mit Bṛih. 1,2, der (allerdings nicht weiter ausgesprochene) Gedanke gefunden werden, dass Prajâpati das Weltall und seine Verhältnisse sich selbst zur Nahrung erschaffen habe.
Vorlage S. 398
108
14-15. An die Auffassungen des Prajâpati als Jahr (Gesch. d. Phil. I, 208) und als Mond (oben S. 35) schliesst sich der gegenwärtige Abschnitt, welcher schildert, wie der sechzehnteilige Prajâpati beim Abnehmen des Mondes allnächtlich einen Teil einbüsst, bis er in der Neumondsnacht ganz verschwunden ist und nur noch als Prâṇa in allem Lebenden fortbesteht, aus dem er am nächsten Morgen (als die neue Mondsichel) wieder geboren wird. Hierin findet der sich als Prajâpati Wissende einen Trost, auch wenn er alle Habe einbüsst und nur das Leben behält; er weiss, dass damit das Wesentliche (der Prâṇa) gerettet ist, aus dem, wie aus jenem letzten Sechzehntel des Prajâpati, alles übrige wieder entstehen kann. (Einer verwandten Vorstellung begegneten wir Chând. 6,7, oben S. 163).
Vorlage S. 398
109
16. Ohne ersichtlichen Zusammenhang mit dem Vorhergehenden, vermutlich um auf die dann folgende Vermachungszeremonie vorzubereiten, erscheint hier die Lehre von den drei Welten: der Menschenwelt, welche durch einen Sohn, der Väterwelt, welche durch die Werke, der Götterwelt, welche durch das Wissen erworben wird. – Die Stelle scheint den ersten Keim der Lehre von Pitṛiyâna und Devayâna zu enthalten.
Vorlage S. 398
110
17-20. Weiter folgt die Zeremonie der Vermachung, Sampratti, ähnlich dem Kaush. 2,15 geschilderten Sampradânam (oben S. 40), nur dass unsre Stelle noch weiter geht und schildert, wie in den Vater, nachdem er seine Lebenskräfte dem Sohne vermacht, aus Erde, Him mel und Wasser die nach obigem Schema in ihnen enthaltenen, göttlichen Vâc, Manas und Prâṇa eingehen, wodurch er, wofern er solches weiss, zum Selbste aller Wesen wird und an allem ihrem Guten teil hat, während das Übel derselben ihn nicht berührt.
Vorlage S. 398
111
21-23. Die nun folgende Vrata-mîmâṅsâ »Überdenkung der Observanz« ist von besonderem Interesse als eine erste Vorläuferin der spätern Yogapraxis. Die Stellung des Stückes nach der Sampratti scheint dadurch bedingt zu sein, dass es in dieser von dem göttlichen Prâṇa hiess, er sei der, »welcher, mag er hinstreichen oder nicht hinstreichen, nicht wankt und auch nicht Schaden leidet«, eine Bemerkung, welche hier wiederkehrt, wiewohl in etwas anderm Sinne, sofern es sich vorher nur um den kosmischen Prâṇa, hier jedoch zunächst um den psychischen Prâṇa handelt, da ihm ja als kosmische Potenz Vâyu gegenübersteht. In diesem, nicht ermüdenden und nicht untergehenden, Vâyu-Prâṇa finden (ähnlich wie bei dem Daiva Parimara, Kaush. 2,12-13, oben S. 37) die übrigen, der Ermüdung und dem Tode unterworfenen, Kräfte, vâc, cakshuḥ, çrotram von psychischer, und agni, âditya, candramas von kosmischer Seite, Eingang und Rettung; denn er, der Prâṇa, ist (wie ein teilweise Kâṭh. 4,9. 13 wiederkehrender Vers besagt) das unvergängliche Weltprinzip, welches die Götter als ewig gültige Satzung (dharma) aufgestellt haben. Darum soll man sich über Tod und Übel erheben, indem man nur und allein (d.h. mit Unterdrückung der übrigen Lebensäusserungen) ausatmet und einatmet, – eine Observanz (vratam), in welcher wir den ersten Keim des beim spätern Yoga geübten Prâṇâyâma (Regelung des Atmens) erkennen dürfen.
Vorlage S. 398
112
1. Durch Geisteskraft und Anstrengung
Vorlage S. 399
113
Sieben Speisen der Vater schuf:
Vorlage S. 399
114
Die eine ist gemein allen;
Vorlage S. 399
115
Zwei teilte er den Göttern zu;
Vorlage S. 399
116
Drei hat er für sich selbst bestimmt;
Vorlage S. 399
117
Eine bot er den Tieren dar;
Vorlage S. 399
118
Auf diese gründet sich alles,
Vorlage S. 399
119
Was da atmet, und was da nicht.
Vorlage S. 399
120
Wie kommt's, dass sie nicht abnehmen,
Vorlage S. 399
121
Da man sie aufzehrt allerwärts?
Vorlage S. 399
122
Wer versteht dies Nichtabnehmen,
Vorlage S. 399
123
Der isst Nahrung mit seinem Mund,
Vorlage S. 399
124
Der geht ein zu den Gottheiten,
Vorlage S. 399
125
Der ernährt aus der Fülle sich.
Vorlage S. 399
126
So lauten die Verse.
Vorlage S. 399
127
2. »Durch Geisteskraft und Anstrengung sieben Speisen der Vater schuf«, – also durch Geisteskraft und durch Anstrengung hat sie der Vater erschaffen. – »Die eine ist gemein allen«, – nämlich dieses eben ist jene allen gemeinsame: die Speise, die da gegessen wird; wer diese hochschätzt, der wird nicht von dem Übel befreit, denn sie ist eben gemengt (nicht gewählt, gemein). – »Zwei teilte er den Göttern zu«, – nämlich [Feuer-]Opfer und [sonstige] Spenden, darum opfert und spendet man den Göttern; – oder auch sie erklären es als das Neu-und Vollmondsopfer. Darum soll man nicht der [auf egoistische Zwecke gerichteten] Wunschopfer sich befleissen. – »Eine bot er den Tieren dar«, – dies ist die Milch; denn von Milch leben zu Anfang sowohl Menschen als auch Tiere. Darum lassen sie ein Kind, wenn es geboren ist, zuerst Butter lecken oder an der Brust saugen, und ein neugeborenes Kalb nennt man »ein nicht Gras fressendes«. – »Auf diese gründet sich alles, was da atmet, und was da nicht«, – nämlich auf die Milch gründet sich alles, was da atmet und was nicht atmet. Wenn es aber heisst: »wer ein Jahr lang Milch opfert, der wehrt den Wiedertod (oben S. 262) ab«, so soll man das nicht annehmen; sondern vielmehr, an welchem Tage er opfert, an diesem Tage wehrt den Wiedertod ab, wer solches weiss: denn alle Speise, die er verzehrt, die reichet er [dem Âtman und durch diesen] den Göttern dar.[9] – »Wie kommt's, dass sie nicht abnehmen, da man sie aufzehrt allerwärts?« – nämlich der Purusha (Mann, Geist) ist das Nichtabnehmen (die Unerschöpflichkeit); dieser erzeugt diese Speise immer wieder neu. – »Wer versteht dies Nichtabnehmen«, – also der Purusha ist das Nichtabnehmen; dieser erzeugt die Speise durch die jedesmalige Meditation als seine Werke; denn wenn er das nicht täte, so würde sie freilich abnehmen. – »Der isst Nahrung mit seinem Mund«; – pratîkam ist der Mund; also mit seinem Munde isst er die Nahrung. – »Der geht ein zu den Gottheiten, der ernährt aus der Fülle sich«, – dies ist gesagt zu seiner Verherrlichung.
Vorlage S. 399
128
3. »Drei hat er für sich selbst bestimmt«; – diese sind: Manas, Rede und Prâṇa; diese hat er für sich selbst bestimmt.
Vorlage S. 400
129
»Ich war anderswo mit meinem Verstande (Manas), darum sah ich nicht; ich war anderswo mit meinem Verstande, darum hörte ich nicht«; so sagt man; denn nur mit dem Verstande sieht man und mit dem Verstande hört man. Verlangen, Entscheidung, Zweifel, Glaube, Unglaube, Festigkeit, Unfestigkeit, Scham, Erkenntnis, Furcht, – alles dies ist nur Manas. Darum, wenn einer auch von hinten berührt wird, so erkennt er es durch das Manas.
Vorlage S. 400
130
Alles was Ton ist, das ist Rede; selbige gehet zu Ende [als menschliche Rede], und selbige auch wieder nicht [als die himmlische Vâc, Ṛigv. 10,125; Gesch. d. Phil. I, 146 fg.].
Vorlage S. 400
131
Aushauch, Einhauch, Zwischenhauch, Aufhauch, Allhauch; alles dieses ist Hauch (ana), nämlich Prâṇa.
Vorlage S. 401
132
Hieraus bestehend ist dieser Âtman; aus Rede bestehend, aus Manas bestehend, aus Prâṇa bestehend.
Vorlage S. 401
133
4. Eben diese sind die drei Welten; die Rede ist diese [Erden-]Welt, das Manas ist die Luftraum-Welt, der Prâṇa ist jene [Himmels-]Welt.
Vorlage S. 401
134
5. Eben diese sind die drei Veden; die Rede ist der Ṛigveda, das Manas der Yajurveda, der Prâṇa der Sâmaveda.
Vorlage S. 401
135
6. Eben diese sind Götter, Ahnen, Menschen; die Rede ist die Götter, das Manas die Ahnen, der Prâṇa die Menschen.
Vorlage S. 401
136
7. Eben diese sind Vater, Mutter und Kind. Das Manas ist der Vater, die Rede die Mutter, der Prâṇa das Kind.
Vorlage S. 401
137
8. Eben diese sind das Erkannte, das zu Erkennende und das Unerkannte.
Vorlage S. 401
138
Alles Erkannte ist eine Form der Rede; denn die Rede ist die erkannte. Indem sie dieses ist, hilft sie ihm [der sie als solche weiss].
Vorlage S. 401
139
9. Alles zu Erkennende ist eine Form des Manas; denn das Manas ist das zu erkennende. Indem es dieses ist, hilft es ihm [der es als solches weiss].
Vorlage S. 401
140
10. Alles Unerkannte ist eine Form des Prâṇa; denn der Prâṇa ist der unerkannte. Indem er dieses ist, hilft er ihm [der ihn als solchen weiss].
Vorlage S. 401
141
11. Dieser Rede Leib ist die Erde, und ihre Lichtgestalt ist dieses [irdische] Feuer; darum, soweit sich die Rede erstrecket, so weit erstrecket sich die Erde, so weit dieses Feuer.
Vorlage S. 401
142
12. Aber jenes Manas' Leib ist der Himmel, und seine Lichtgestalt ist jene Sonne; darum, soweit sich das Manas erstrecket, so weit erstrecket sich der Himmel, so weit jene Sonne.
Vorlage S. 401
143
Diese beiden [die Rede und das Manas] gingen eine Paarung ein; daraus ward geboren der [Welt-]Odem (prâṇa); dieser ist Indra, und der ist ohne Nebenbuhler; nämlich ein Zweiter heisst ein Nebenbuhler. – Dem erstehet kein Nebenbuhler, wer solches weiss.
Vorlage S. 401
144
13. Aber jenes Prâṇa Leib sind die Wasser, und seine Lichtgestalt ist jener Mond; darum, soweit sich der Prâṇa erstrecket, so weit erstrecken sich die Wasser, so weit jener Mond.
Vorlage S. 401
145
Eben diese [Rede, Manas, Prâṇa] sind alle gleich gross, sind alle unendlich. – Wer selbige als endlich verehrt, der erwirbt eine endliche Stätte [im Himmel]; aber wer selbige als unendlich verehrt, der erwirbt eine unendliche Stätte.
Vorlage S. 402
146
14. Eben dieser Prajâpati ist das Jahr [die durch Zunahme und Abnahme des Mondes gegliederte Zeit], ist sechzehnteilig. Die Nächte [zwischen Neu- und Vollmond] sind fünfzehn Teile desselben; unwandelbar ist sein sechzehnter Teil; durch die Nächte wird er [der als Mond vorgestellte Prajâpati] vermehrt und wiederum vermindert; und nachdem er in der Neumondnacht mit jenem sechzehnten Teile in alles, was da Odem hat, eingegangen ist, so wird er am darauf folgenden Morgen [als die neue Mondsichel] geboren. Darum soll man in jener Nacht keinem Lebendigen das Leben rauben, wäre es auch eine Eidechse; nämlich aus Ehrerbietung gegen jene Gottheit.
Vorlage S. 402
147
15. Fürwahr, der dieses Jahr ist, der sechzehnteilige Prajâpati, dieser eben ist der Mann hier, der solches weiss. Seine Habe ist die fünfzehn Teile an ihm, seine Person (âtman) ist an ihm der sechzehnte Teil. Nur in bezug auf seine Habe wird er vermehrt und wiederum vermindert. Seine Person, das ist die Radnabe, seine Habe der Radkranz. Darum, wenn er auch in aller Weise geschunden wird, und er bleibt seiner Person nach am Leben, so sagt man: »mit dem Radkranze [zahlend] ist er davongekommen.«
Vorlage S. 402
148
16. Nun aber, fürwahr, sind drei Welten: die Menschenwelt, die Väterwelt und die Götterwelt. Die eine, die Menschenwelt, ist zu erwerben nur durch einen Sohn, nicht durch sonst ein Werk. Durch das [Opfer-]Werk wird die Väterwelt, durch das Wissen die Götterwelt erworben.[10] Die Götterwelt aber ist unter den Welten die beste; darum rühmen sie das Wissen.
Vorlage S. 402
149
17. Nunmehr das Vermächtnis (sampratti). – Wenn einer denkt, dass es mit ihm zu Ende gehet, so spricht er zu seinem Sohne: »Du bist das Gebet, du bist das Opfer, du bist die Welt.« Darauf antwortet der Sohn: »Ich bin das Gebet, ich bin das Opfer, ich bin die Welt.« – Nämlich, alles was [im Veda] studiert, worden ist, das wird zusammengefasst in das Wort »Gebet« (brahman); und alle Opfer werden zusammengefasst in das Wort »Opfer«; und alle Welten werden zusammengefasst in das Wort »Welt«. Denn soweit [wie diese drei Worte] erstreckt sich dieses Ganze, und [so denkt der Vater]: »sofern er dieses Ganze ist, möge mich dieser von hier aus fördern.« – Darum sagt man von einem unterrichteten Sohne, dass er Welt[-Erfahrung] habe; darum unterrichtet man ihn.
Vorlage S. 403
150
Wenn nun der, welcher solches weiss, aus dieser Welt dahinscheidet, dann geht er mitsamt jenen Lebensgeistern [Rede, Manas und Prâṇa] ein in den Sohn; und wenn von ihm irgend etwas in die Quere begangen worden, so wird sein Sohn das alles sühnen; daher der Name »Sohn« (putra, weil er pûraṇena trâyati pitaram, Ça k).; durch den Sohn nämlich bestehet er fort in dieser Welt. In ihn selbst aber [der seine Lebensgeister dem Sohne vermacht hat] gehen jene göttlichen, unsterblichen Lebensgeister ein;
Vorlage S. 403
151
18. aus der Erde und aus dem Feuer geht in ihn ein die göttliche Rede; dieses aber ist die göttliche Rede, durch welche, was immer er reden mag, das alles geschieht;
Vorlage S. 403
152
19. aus dem Himmel und aus der Sonne geht in ihn ein das göttliche Manas; dieses aber ist das göttliche Manas, durch welches einer voll Wonne wird, also dass er sich nicht mehr bekümmert;
Vorlage S. 403
153
20. aus den Wassern und aus dem Monde gehet in ihn ein der göttliche Prâṇa (Odem); dieses aber ist der göttliche Prâṇa, welcher, mag er hinstreichen oder nicht hinstreichen, nicht wankt und auch nicht Schaden leidet.
Vorlage S. 403
154
Er, der solches weiss, wird zu dem Selbste aller Kreaturen; gleichwie jene Gottheit [Prajâpati] ist, also ist auch er; gleichwie jener Gottheit alle Kreaturen förderlich sind, also sind auch ihm, der solches weiss, förderlich alle Kreaturen. – Allen Schmerz aber, den die Geschöpfe hier erleiden, den behalten sie für sich, und nur ihr Gutes gehet hin zu ihm; denn das Übel gehet nicht hin zu den Göttern.
Vorlage S. 403
155
21. Nunmehr die Betrachtung des Gelübdes (vratamîmâṅsâ). – Prajâpati also schuf die Verrichtungen; diese, nachdem sie erschaffen, wetteiferten miteinander. »Ich will reden«, so strebte die Rede, »ich will sehen«, so das Auge, »ich will hören«, so das Ohr, und ebenso die übrigen Verrichtungen, je nach ihrer Verrichtung. Diese übermannte, als Müdigkeit, der Tod, diese packte er, und nachdem er sie gepackt, hielt sie der Tod gefangen. Darum eben ermüdet die Rede, ermüdet das Auge, ermüdet das Ohr. Nur ihn packte er nicht, der da der Prâṇa in der Mitte ist [der Mukhya Prâṇa, Ça k.]. Da suchten ihn jene [andern] zu erkennen. Und sie sprachen: »Fürwahr, der ist unter uns der beste, welcher, mag er hinstreichen oder nicht hinstreichen, nicht wankt und auch nicht Schaden leidet; wohlan! lasset uns alle zu seiner Natur werden!« Da wurden sie alle zu seiner Natur. Darum werden dieselben nach ihm benannt und heissen Prâṇa's (Lebensgeister). – Wahrlich, nach dem benennen sie sein Geschlecht, das Geschlecht aus welchem er stammt, wer solches weiss. Wer aber mit einem, der solches weiss, wetteifert, der vertrocknet und geht am Ende zugrunde. –
Vorlage S. 404
156
So viel, in bezug auf das Selbst.
Vorlage S. 404
157
22. Nun in bezug auf die Götter:
Vorlage S. 404
158
»Ich will brennen«, so strebte das Feuer, »ich will wärmen«, so die Sonne, »ich will glänzen«, so der Mond; und ebenso die übrigen Gottheiten, je nach ihrer Gottheit. Was aber unter jenen Prâṇa's der Prâṇa in der Mitte ist, das ist unter diesen Gottheiten Vâyu (der Wind); denn die übrigen Gottheiten gehen zur Rast, nicht aber der Vâyu; das ist die Gottheit, welche keinen Niedergang hat, der Vâyu.
Vorlage S. 404
159
23. Darüber ist dieser Vers [vgl. zu Kâṭh. 4,9, oben S. 280]:
Vorlage S. 404
160
Aus dem der Sonne Aufgang ist,
Vorlage S. 405
161
In dem sie wieder untergeht, –
Vorlage S. 405
162
nämlich aus dem Prâṇa geht sie auf und in den Prâṇa unter,
Vorlage S. 405
163
Den machten zum Gesetz Götter,
Vorlage S. 405
164
Er ist es heut und morgen auch.
Vorlage S. 405
165
Nämlich was dieselben ehedem festgesetzt haben, das befolgen sie auch heute noch.
Vorlage S. 405
166
Darum soll man nur ein Gelübde befolgen: man soll [mit Unterdrückung der andern Sinnestätigkeiten, Ça k.], einatmen und ausatmen und wünschen: »Möge mich nicht das Übel, der Tod, packen!« – Wer dies Gelübde befolgt, der suche es durchzuhalten; dann wird er dadurch mit jener Gottheit Verbindung und Zusammensein erlangen, wer solches weiss.
Vorlage S. 405
167
Sechstes Brâhmaṇam.
Vorlage S. 405
168
Die drei objektiven Weltfaktoren: Name, Gestalt, Werk, haben ihr uktham (Rigveda), ihr sâman (Sâmaveda), ihr brahman (Yajurveda), d.h. ihr Prinzip, aus dem sie entspringen (denn der Veda ist das Prinzip der Welt; sie ist aus dem Veda entsprungen), in den drei subjektiven Faktoren: Rede, Auge und Leib (âtman). Somit geht jene Dreiheit (Name, Gestalt, Werk) zurück (auf Rede, Auge, Leib, und durch sie) auf den Âtman oder Prâṇa. Er ist das Unsterbliche (amṛitam), jene Dreiheit bildet die (empirische) Realität (satyam); ihre Namen und Gestalten sind somit das Unsterbliche, verhüllt durch die Realität (amṛitaṃ satyena channam). Man vergleiche zu diesem tiefsinnigen Gedanken namentlich Çatap. Br. 11,2,3 (Gesch. d. Phil. I, 259-260) und Chând. 8,3,1-2 (oben S. 191); und so schon das prathamachad, Ṛigv. 10,81,1 (Gesch. d. Phil. I, 136).
Vorlage S. 405
169
1. Dreifach, fürwahr, ist diese Welt: Name, Gestalt und Werk.
Vorlage S. 405
170
Was unter ihnen die Namen betrifft, so ist das, was man die Rede nennt, ihr Preislied (uktham), denn aus ihr entstehen (ut-sthâ) alle Namen, ihr Gesang (sâman), denn sie ist bei allen Namen gleich (sama), ihr Gebet (brahman), denn sie trägt (bibharti) alle Namen.
Vorlage S. 405
171
2. Aber für die Gestalten ist das, was man das Auge nennt, ihr Preislied, denn aus ihm entstehen alle Gestalten, ihr Gesang, denn es ist bei allen Gestalten gleich, ihr Gebet, denn es trägt alle Gestalten.
Vorlage S. 405
172
3. Aber für die Werke ist das, was man den Leib (âtman) nennt, ihr Preislied, denn aus ihm entstehen alle Werke, ihr Gesang, denn es ist bei allen Werken gleich, ihr Gebet, denn es trägt alle Werke.
Vorlage S. 405
173
Dieses, wiewohl es dreifach ist, ist eines, nämlich der Âtman, und der Âtman wiederum, wiewohl er einer ist, ist jenes Dreifache. Dasselbige ist das Unsterbliche, verhüllt durch die Realität (amṛitaṃ, satyena channam); der Prâṇa nämlich ist das Unsterbliche, Name und Gestalt sind die Realität; durch diese ist jener Prâṇa verhüllt.
Vorlage S. 406
174
Fußnoten
Vorlage S. 406
175
1 Vgl. Chând. 1,6. Talav. Up. Br. 1,53,5.
Vorlage S. 406
176
2 sve = âtmani. Sehr annehmbar ist Böhtlingk's Vorschlag, svas als Verbum finitum zu lesen: »darum sind wir beiden so gleichsam eine Halbscheid«, – wiewohl es sich bei dem Akzentuationssystem des Çatapatha-brâhmaṇam nicht sicher feststellen lässt; wie es denn auch gerade dem Yâjñavalkya weniger anstehen würde, im Dual zu reden, da er zwei Weiber hatte.
Vorlage S. 406
177
3 Dieser Absatz, welcher hier den Zusammenhang störend unterbricht, ist am Ende von 5 oder von 6 anzuschliessen.
Vorlage S. 406
178
4 Vgl. Kaush. 4,20, oben S. 58. In diesen Stellen begegnen wir zuerst dem im spätern Vedânta typisch gewordenen Vergleiche: Brahman ist in den Erscheinungen latent, wie das Feuer im Brennholze, Brahmasûtra p. 787,11.
Vorlage S. 406
179
5 Als der Gott Agni; oder (Ça k).: im Feuer opfernd.
Vorlage S. 406
180
6 Als Erläuterung kann Chând. 8,2 (oben S. 190) dienen.
Vorlage S. 406
181
7 Über die fünf täglich zu bringenden Mahâyajña's, welche hier zu einem Opfer an den Âtman umgedeutet werden, vgl. Manu 3,69 fg.
Vorlage S. 406
182
8 Wer den Âtman kennt, besitzt in ihm bereits die fünf Ziele menschlichen Strebens.
Vorlage S. 406
183
9 Erste Spur der Lehre vom Prâṇâgnihotram, über welches Weiteres oben S. 146 fg. und in den Atharva-Upanishad's.
Vorlage S. 406
184
10 Nämlich (nach der spätern Theorie) die Väterwelt auf dem Wege des Pitṛiyâna, die Götterwelt auf dem des Devayâna.
Vorlage S. 406

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Süd und Nord waren seine Seiten, der Himmel sein …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Wesenheit zu gelangen; und so bieten die beiden grössten unter den Upanishad's, als […] der Âtmanlehre und daher gleich am Eingange, Chând. 1,2-3 und Bṛih. 1,3, einen Text, welcher den Prâṇa (psychisch und kosmisch) als die von Übel und Bösem unberührbare und alle übrigen«

Eine Antwort ist richtig.

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3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Weibliches und Männliches] ist, daher kommt der Name Sâman.[1] – Oder auch daher, weil er gleich (sama) ist der Ameise, gleich der Mücke, gleich dem Elefanten, gleich diesen drei Welträumen, gleich diesem Weltganzen. – Der erlangt das Sâman, der erwirbt mit dem Sâman Lebensgemeinschaft, Weltgemeinschaft, wer also dieses Sâman kennt.«

Eine Antwort ist richtig.

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4. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich einen Grund oder eine daraus gezogene Folge? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

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5. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

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6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Was weiter die übrigen Strophen des Preisliedes (stotram) betrifft, so mag er [der Udgâtar und seine Gehilfen, oben S. 66] in ihnen für sich selbst Nahrung zum Essen ersingen.« B: »Hierin kann, in Analogie mit Bṛih. 1,2, der (allerdings nicht weiter ausgesprochene) Gedanke gefunden werden, dass Prajâpati das Weltall und seine Verhältnisse sich selbst zur Nahrung erschaffen habe.« C: »Er erkannte: »Wenn ich diesem nachstelle, so wird meine Speise nur gering sein«.«

Eine Antwort ist richtig.

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7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »eine Stätte für diese. – Wahrlich, sowie einer seiner eigenen Wohnstätte Wohlfahrt wünscht, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Weiter folgt die Zeremonie der Vermachung, Sampratti, ähnlich dem Kaush. 2,15 […] Sampradânam (oben S. 40), nur dass unsre Stelle noch weiter geht und schildert, wie in den Vater, nachdem er seine Lebenskräfte dem Sohne vermacht, aus Erde, Him mel und Wasser die nach obigem Schema«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Darum ist dieses teurer als ein Sohn, teurer als Reichtum, teurer als alles andre; denn es ist innerlicher, weil es diese Seele (âtman) ist.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Diese übermannte, als Müdigkeit, der Tod, diese packte er, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Süd und Nord waren seine Seiten, der Himmel sein «. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Süd und Nord waren seine Seiten, der Himmel sein « und »der Prâṇa nämlich ist das Unsterbliche, Name und Gestalt sind die«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Darum ist dieses teurer als ein Sohn, teurer als Reichtum, teurer als alles andre; denn es ist innerlicher, weil es diese Seele (âtman) ist.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Brâhmaṇam: Die mystische Bedeutung des Rossopfers. – Die Çâṇḍilyabücher des Çatapathabrâhmaṇam (VI-X) bekunden ihre ursprüngliche Selbständigkeit unter anderm auch dadurch, dass sie im Agnirahasyam, als ginge damit der Veda zu Ende (vedânta), mit upanishadartigen Betrachtungen schliessen: Çatap.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Da rief er zu Anfang aus: »Das bin ich!« Daraus entstand der Name Ich. – Daher auch heutzutage, wenn einer angerufen wird, so sagt er zuerst: »Das bin ich!« und dann erst nennt er den andern Namen, welchen er trägt. – Weil er vor diesem allem alle Sünden vorher (pûrva) verbrannt hatte (ush), darum heisst er pur-ush-a (der Mensch, der Geist).«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Dasselbige ist das Unsterbliche, verhüllt durch die Realität (amṛitaṃ, satyena channam); der Prâṇa nämlich ist das Unsterbliche, Name und Gestalt sind die Realität; durch diese ist jener Prâṇa verhüllt.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Brihadaranyaka-Upanishad – DTA DiBiPhil

Deutsches Textarchiv, BBAW, DiBiPhil-Korpus; Kuration Matthias Boenig, Susanne Haaf, Marius Hug und DTA-Team; ursprüngliche Digitalisierung Editura/Digitale Bibliothek. Historische Quellausgabe: Sechzig Upanishads des Veda. Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Paul Deussen, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1963 [Nachdruck der 3. Aufl. Leipzig: F.A. Brockhaus 1921].

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY-SA 4.0 Lizenz

Originalsprache · Sanskrit

Die vollständigen unveränderten Sanskrit-Textzeilen der historischen DCS-Ausgabe werden in IAST-Umschrift wiedergegeben. Die Wörter wurden weder aus Analysedaten rekonstruiert noch maschinell übersetzt. Historische Übersetzung und Sanskrit-Ausgabe können in Lesarten und Verszählung voneinander abweichen.

Oliver Hellwig: Digital Corpus of Sanskrit (DCS), historische Korpusfassung, CC BY 4.0. Sanskrit-Originaltext in wissenschaftlicher IAST-Umschrift.

Autorschaft und Ausgabe: Altindische Überlieferung · Oliver Hellwig

Originaltext und Ausgabe ↗ · Digital Corpus of Sanskrit, Oliver Hellwig · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.