Bildergeschichte im Deutschunterricht
Einleitung
Eine Bildergeschichte erzählt eine Handlung vor allem durch eine geordnete Folge von Bildern. Im Deutschunterricht lernst du, aus sichtbaren Hinweisen eine zusammenhängende Erzählung zu entwickeln. Dabei reicht es nicht, nur aufzuzählen, was auf jedem Bild zu sehen ist: Du verbindest die Bilder logisch, ergänzt sinnvolle Gedanken, Gefühle und Übergänge und gestaltest einen verständlichen Spannungsbogen.

Die erste Seite der Erstausgabe von Wilhelm Buschs Max und Moritz von 1865 ist gemeinfrei und zeigt ein historisches Beispiel für die Verbindung von Bild und Erzählung. Bildergeschichten wie diese gelten als wichtige Vorformen moderner Comics.
Das Lernvideo erklärt zentrale Schritte beim Verfassen einer Bildergeschichte: Vorbereitung, Einleitung, Hauptteil und Schluss. Nutze es als Ergänzung und prüfe anschließend mit den Aufgaben, ob du die Hinweise selbst anwenden kannst.
Was ist eine Bildergeschichte?
Eine Bildergeschichte besteht aus mehreren Einzelbildern, die zusammen eine Handlung ergeben. Zwischen den Bildern liegen oft Erzähllücken. Genau dort beginnt deine eigene Denkarbeit: Was ist wahrscheinlich zwischen zwei Bildern passiert? Warum handelt eine Figur so? Wie verändert sich die Situation?
Beim Schreiben unterscheidest du zwischen dem, was du wirklich sehen kannst, und dem, was du plausibel ergänzen darfst. Gute Ergänzungen passen zu Figuren, Ort, Zeit und Handlung. Unpassende Erfindungen können die Bildfolge unlogisch machen.

Ein einzelnes Bild zeigt meist nur einen Moment. Erst durch mehrere Bilder und durch passende sprachliche Übergänge entsteht eine fortlaufende Geschichte.
Vor dem Schreiben: Bilder genau untersuchen
Bevor du losschreibst, betrachte die gesamte Bildfolge. Kläre zuerst die wichtigsten W-Fragen:
- Wer ist beteiligt?
- Wo spielt die Geschichte?
- Wann könnte sie stattfinden?
- Was geschieht auf den Bildern?
- Warum handeln die Figuren so?
- Welche Folgen haben ihre Handlungen?
Achte zusätzlich auf Blickrichtungen, Gestik, Mimik, Körperhaltung, Gegenstände, Veränderungen im Hintergrund und die Reihenfolge der Ereignisse. Diese Details helfen dir dabei, Gefühle und Zusammenhänge nachvollziehbar zu beschreiben.
Aufbau einer gelungenen Bildergeschichte
Eine Bildergeschichte kann wie viele andere Erzählungen in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert werden.
Einleitung: Führe Figuren, Ort und Ausgangssituation knapp ein. Verrate noch nicht sofort die Pointe.
Hauptteil: Erzähle die Ereignisse in sinnvoller Reihenfolge. Beschreibe nicht jedes Detail gleich ausführlich, sondern konzentriere dich auf wichtige Veränderungen und den Konflikt. Baue auf einen Höhepunkt hin.
Schluss: Löse die Situation auf. Der Schluss kann überraschend, lustig, nachdenklich oder offen sein, muss aber zur Bildfolge passen.

Erzähllücken sinnvoll füllen
Zwischen zwei Bildern kann viel passieren. Du darfst solche Zwischenschritte ergänzen, wenn sie logisch aus den Bildern hervorgehen. Nutze dafür Formulierungen wie kurz darauf, plötzlich, währenddessen, deshalb, doch dann oder schließlich.
Beispiel: Auf einem Bild steht ein Kind neben einem umgestürzten Fahrrad. Auf dem nächsten Bild kommt ein Erwachsener hinzu. Du könntest ergänzen, dass das Kind um Hilfe gerufen hat. Du solltest aber nicht ohne Bildhinweis behaupten, dass plötzlich ein Gewitter begonnen hat oder ein Hund das Fahrrad umgestoßen hat.
Lebendig erzählen
Eine gute Bildergeschichte wirkt lebendig, wenn du verschiedene sprachliche Mittel gezielt einsetzt.
- Wörtliche Rede macht Figuren unmittelbar hörbar.
- Gedankenrede kann zeigen, was eine Figur denkt.
- Passende Adjektive beschreiben Situationen genauer.
- Treffende Verben wirken stärker als allgemeine Verben wie „machen“ oder „gehen“.
- Abwechslungsreiche Satzanfänge verhindern monotone Wiederholungen.
- Eine einheitliche Zeitform sorgt für Klarheit.
Beispiel: Statt „Er ging schnell zur Tür“ kann „Er stürmte zur Tür“ genauer und lebendiger sein.
Spannung erzeugen
Spannung entsteht, wenn Leserinnen und Leser wissen möchten, wie es weitergeht. Du kannst einen wichtigen Moment ausführlicher erzählen, das Erzähltempo verlangsamen, kurze Sätze einsetzen oder Gedanken und Gefühle einer Figur zeigen.
Vergleiche: „Dann fiel die Vase herunter.“ „Mia streckte die Hand aus. Zu spät. Die Vase kippte, rutschte über die Tischkante und fiel.“
Die zweite Version dehnt den entscheidenden Moment und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Höhepunkt.
Bildbeschreibung und Erzählung unterscheiden
Eine reine Bildbeschreibung nennt vor allem sichtbare Einzelheiten. Eine Bildergeschichte verbindet diese Beobachtungen zu einer Handlung. Statt „Auf Bild drei sieht man einen Jungen vor einer Tür“ könntest du schreiben: „Vorsichtig schlich Ben zur Tür und lauschte. Dahinter war plötzlich ein leises Kratzen zu hören.“
Wichtig ist: Deine Ergänzung muss zur Bildfolge passen. Gute Geschichten entstehen aus dem Zusammenspiel von genauer Beobachtung und sprachlicher Gestaltung.
Überarbeiten
Nach dem ersten Entwurf beginnt die Überarbeitung. Prüfe deinen Text mit diesen Fragen:
- Ist die Reihenfolge der Ereignisse klar?
- Passen alle Ergänzungen zu den Bildern?
- Gibt es einen erkennbaren Höhepunkt?
- Sind Einleitung, Hauptteil und Schluss sinnvoll verbunden?
- Nutze ich abwechslungsreiche Satzanfänge und treffende Verben?
- Bleibe ich in einer passenden Zeitform?
- Sind wörtliche Rede und Satzzeichen korrekt?
- Habe ich Rechtschreibung und Grammatik kontrolliert?
Lies deinen Text am Ende laut. Dabei bemerkst du oft Wiederholungen oder holprige Stellen, die beim stillen Lesen unauffällig bleiben.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste dein Wissen
Was ist beim Schreiben einer Bildergeschichte besonders wichtig? (Die Bilder logisch zu einer Handlung verbinden) (!Jedes sichtbare Detail gleich lang beschreiben) (!Nur direkte Rede verwenden) (!Zwischen den Bildern nichts ergänzen)
Was gehört typischerweise in die Einleitung? (Figuren, Ort und Ausgangssituation) (!Die vollständige Lösung des Konflikts) (!Nur der Höhepunkt) (!Eine Bewertung aller Bilder)
Was ist eine Erzähllücke? (Ein nicht gezeigter Schritt zwischen zwei Bildern) (!Ein Rechtschreibfehler im Text) (!Ein fehlendes Satzzeichen) (!Ein unleserliches Bild)
Welche Ergänzung ist für eine Bildergeschichte geeignet? (Eine plausible Handlung zwischen zwei Bildern) (!Eine völlig unabhängige Nebenhandlung) (!Eine erfundene Figur ohne Bezug zur Bildfolge) (!Ein zufälliger Ortswechsel ohne Hinweis)
Welche Formulierung kann einen Übergang markieren? (Kurz darauf) (!Tisch und Stuhl) (!Blau und grün) (!Fragezeichen)
Was kann eine Geschichte lebendiger machen? (Treffende Verben und wörtliche Rede) (!Nur sehr lange Sätze) (!Möglichst viele Wiederholungen) (!Der Verzicht auf Gefühle)
Was ist ein sinnvoller Zweck des Schlusses? (Die Situation passend aufzulösen) (!Alle Figuren neu einzuführen) (!Die Bildreihenfolge zu verändern) (!Jedes Bild noch einmal vollständig zu beschreiben)
Warum ist eine einheitliche Zeitform hilfreich? (Sie macht die Erzählung klarer) (!Sie ersetzt die Handlung) (!Sie macht Satzzeichen überflüssig) (!Sie verhindert jeden Dialog)
Was solltest du beim Überarbeiten prüfen? (Ob Handlung, Sprache und Rechtschreibung stimmen) (!Ob jedes Wort gleich oft vorkommt) (!Ob alle Sätze gleich lang sind) (!Ob die Geschichte ohne Verben auskommt)
Wodurch kann ein Höhepunkt spannender wirken? (Durch genaues Erzählen des entscheidenden Moments) (!Durch das Auslassen aller wichtigen Informationen) (!Durch eine zufällige Bildreihenfolge) (!Durch möglichst viele Fachbegriffe)
Memory-Spiel
| Einleitung | Führt Figuren, Ort und Ausgangssituation ein |
| Hauptteil | Entwickelt Handlung, Konflikt und Höhepunkt |
| Schluss | Löst die Situation passend auf |
| Erzähllücke | Nicht gezeigter Schritt zwischen zwei Bildern |
| Wörtliche Rede | Gibt gesprochene Worte einer Figur wieder |
| Überarbeitung | Verbessert Inhalt, Sprache und Rechtschreibung |
Drag and Drop
| Ordne die passenden Begriffe zu. | Funktion |
|---|---|
| Blickrichtung | Kann zeigen, worauf eine Figur reagiert |
| Mimik | Gibt Hinweise auf Gefühle |
| Übergang | Verbindet zwei Ereignisse sprachlich |
| Höhepunkt | Markiert einen besonders wichtigen Moment |
| Schluss | Führt die Handlung zu einem passenden Ende |
Kreuzworträtsel
| Einleitung | Welcher Teil führt Figuren, Ort und Ausgangssituation ein? |
| Hauptteil | In welchem Teil entwickelt sich die zentrale Handlung? |
| Höhepunkt | Wie heißt der besonders spannende oder wichtige Moment? |
| Erzähler | Wer vermittelt die Handlung sprachlich? |
| Übergang | Wie nennt man eine sprachliche Verbindung zwischen Ereignissen? |
| Überarbeitung | Wie heißt das gezielte Verbessern eines ersten Textentwurfs? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildbeobachtung: Wähle drei Bilder einer Bildergeschichte und notiere zu jedem Bild fünf sichtbare Details, ohne etwas zu erfinden.
- W-Fragen: Beantworte zu einer kurzen Bildfolge die Fragen Wer, Wo, Wann, Was und Warum in Stichpunkten.
- Satzanfänge: Schreibe acht unterschiedliche Satzanfänge, die du in einer Bildergeschichte verwenden könntest.
- Gefühle beschreiben: Wähle eine Figur aus einer Bildfolge und beschreibe ihre Gefühle an zwei Stellen mit Belegen aus Mimik, Gestik oder Körperhaltung.
Standard
- Erzähllücken: Ergänze zwischen drei aufeinanderfolgenden Bildern jeweils einen plausiblen Zwischenschritt und begründe deine Entscheidung.
- Wörtliche Rede: Schreibe zu einer Bildszene einen kurzen Dialog mit mindestens vier Sprecherwechseln und korrekter Zeichensetzung.
- Spannungsaufbau: Formuliere einen sichtbaren Höhepunkt zweimal, einmal sachlich und einmal spannend, und vergleiche die Wirkung.
- Bildergeschichte schreiben: Verfasse zu einer Bildfolge eine vollständige Geschichte mit Einleitung, Hauptteil, Höhepunkt und Schluss.
Schwer
- Perspektivwechsel: Erzähle dieselbe Bildfolge aus der Sicht zweier verschiedener Figuren und untersuche, wie sich Wortwahl und Bewertung verändern.
- Textüberarbeitung: Überarbeite eine erste Fassung systematisch anhand einer selbst erstellten Checkliste und markiere mindestens sechs konkrete Verbesserungen.
- Storyboard: Entwickle selbst eine Bildergeschichte mit sechs Bildern, zeichne ein Storyboard und schreibe anschließend die passende Erzählung dazu.
- Medienvergleich: Vergleiche eine klassische Bildergeschichte mit einem modernen Comic oder Storyboard hinsichtlich Bildfolge, Textanteil, Perspektive und Spannung.


Lernkontrolle
- Handlungslogik: Erkläre an einer selbst gewählten Bildfolge, welche Hinweise du benutzt, um die Reihenfolge und Ursache von Ereignissen zu erkennen.
- Erzähllücke analysieren: Zeige an zwei benachbarten Bildern, welche Ergänzungen plausibel sind und welche die Bildlogik verletzen würden.
- Spannung gestalten: Überarbeite einen kurzen sachlichen Abschnitt so, dass ein klarer Höhepunkt entsteht, und begründe mindestens drei sprachliche Veränderungen.
- Erzählperspektive anwenden: Schreibe eine Szene aus Sicht einer beteiligten Figur und erläutere, welche Informationen sich dadurch gegenüber einer neutralen Darstellung verändern.
- Überarbeitung begründen: Vergleiche Erstfassung und Endfassung einer Bildergeschichte und begründe, welche Änderungen Verständlichkeit, Spannung und sprachliche Qualität verbessern.
- Transfer Comic: Übertrage die Regeln einer Bildergeschichte auf einen kurzen Comic und erkläre, welche Regeln gleich bleiben und wo sich Unterschiede ergeben.
Lernnachweis
Als Lernnachweis kannst du zeigen, dass du Bilder genau beobachtest, Bildfolgen logisch erschließt und zwischen sichtbaren Informationen und eigenen Ergänzungen unterscheidest. Du kannst eine vollständige Bildergeschichte mit klarer Einleitung, nachvollziehbarem Hauptteil, Höhepunkt und passendem Schluss verfassen.
Zu einem guten Lernnachweis gehören außerdem abwechslungsreiche Satzanfänge, treffende Verben, sinnvolle Übergänge, korrekt eingesetzte wörtliche Rede sowie eine weitgehend sichere Rechtschreibung und Grammatik. Besonders aussagekräftig ist eine dokumentierte Überarbeitung, bei der du erklärst, warum du bestimmte Stellen verändert hast.
Ein mögliches Produkt ist ein Portfolio aus Bildanalyse, erster Textfassung, Feedback, überarbeiteter Endfassung und kurzer Selbstreflexion. Damit wird nicht nur das Endergebnis sichtbar, sondern auch dein Schreibprozess.
OER und Wikipedia
Für historische Beispiele eignen sich die gemeinfreien Bildergeschichten Wilhelm Buschs. Wikimedia Commons stellt zahlreiche digitalisierte Bildfolgen von Max und Moritz bereit. Die deutsche Wikipedia beschreibt das Werk und seine Merkmale als Bildergeschichte.
Weitere offene oder frei zugängliche Ausgangspunkte:
- Wilhelm Busch: Autor und Zeichner zahlreicher Bildergeschichten.
- Max und Moritz: Historisches Beispiel einer Bildergeschichte.
- Comic: Weiterentwicklung des Erzählens mit sequenziellen Bildern.
- Storyboard: Planung von Handlungen in geordneten Einzelbildern.
Verknüpfte Lernbereiche
Die Arbeit mit Bildergeschichten verbindet Deutschunterricht, Schreibkompetenz, Lesekompetenz, Medienbildung und Kunstunterricht. Du lernst, visuelle Informationen sprachlich zu erschließen, eine Handlung strukturiert zu erzählen und Texte gezielt zu überarbeiten.
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