Beuys und Ulrichs und der Mensch als Kunstwerk - Kunst
Beuys und Ulrichs und der Mensch als Kunstwerk - Kunst
Fach: Kunst | Klasse: 9–10 | Niveau: Sekundarstufe I
Leitfrage: Ist ein Mensch ein Künstler, ein Kunstwerk oder beides?
In diesem aiMOOC vergleichst Du zwei Künstler: Joseph Beuys und Timm Ulrichs. Beide stellten die Frage, wo Kunst beginnt und wo sie aufhört. Ihre Antworten sind aber nicht gleich.
Du untersuchst echte Werke, schaust Bilder und Videos an und prüfst, welche Aussagen durch Quellen belegt sind. Am Ende begründest Du Deine eigene Meinung.
Wichtig: Für die Aufgaben brauchst Du weder einen Shop noch ein externes Benutzerkonto. Videos und Hörbeispiele sind ergänzende Angebote; die wichtigsten Informationen stehen auch im Text.
Einleitung
Zwei Künstler – zwei Fragen
Leitfrage: Was ist der Unterschied zwischen einem Künstler und einem Kunstwerk?

Medium 1 – Foto: Joseph Beuys, Hamburg, 1977. Fotograf: Fritz Peyer; Rechtefreigabe durch die Erben. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons.
Joseph Beuys (1921–1986) verstand Kunst nicht nur als Malerei oder Bildhauerei. Für ihn konnten auch Gedanken, Gespräche und gemeinsames Handeln eine Gesellschaft verändern.

Medium 2 – Foto: Timm Ulrichs, 1997. Fotograf: Claude Lebus. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE. Quelle: Wikimedia Commons.
Timm Ulrichs (1940–2026) machte sich selbst zum Thema seiner Kunst. Bereits 1961 bezeichnete er sich auf einer Visitenkarte als lebendes Kunstwerk. 1966 stellte er sich in einer Galerie öffentlich aus.
Bildbetrachtung: Beide Fotos zeigen Künstler. Ist deshalb schon jedes Porträtfoto ein Kunstwerk? Oder kommt es darauf an, wer das Bild macht, in welchem Zusammenhang es gezeigt wird und welche Idee dahintersteht?
Begriffshilfe: Ein Kunstwerk kann ein Gegenstand, eine Handlung oder ein künstlerisches Konzept sein. Ein Künstler ist eine Person, die Kunst gestaltet. Beide Rollen müssen nicht zusammenfallen.
Joseph Beuys: Jeder Mensch kann gestalten
Der erweiterte Kunstbegriff
Leitfrage: Kann auch gemeinsames Handeln Kunst sein?
Beuys vertrat einen erweiterten Kunstbegriff. Er wollte, dass Menschen ihre schöpferischen Fähigkeiten nutzen, um ihr Zusammenleben zu verändern.
Sein bekannter Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ bedeutet nicht, dass alle Menschen beruflich Kunst schaffen müssen. Gemeint ist die Fähigkeit jedes Menschen, kreativ zu denken und etwas zu gestalten.
Quellenprüfung: Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erläutert diesen Satz als Grundlage seines erweiterten Kunstbegriffs. Die Pinakothek der Moderne verweist zusätzlich auf die Veröffentlichung Jeder Mensch ist ein Künstler: Gespräche auf der documenta 5/1972, erschienen 1988. Diese Museumsquellen erklären und dokumentieren den Gedanken; sie ersetzen keine Prüfung einer einzelnen Originalaufnahme.

Medium 3 – Foto: Joseph Beuys mit Umberto Mariani und Jean Pierre Van Tieghem auf der documenta 5 in Kassel, 1972. Urheberangabe der Dateiseite: Mariani. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons. Das Foto belegt die dargestellte Begegnung, nicht den Wortlaut eines Zitats.
Bildbetrachtung: Welche Bedeutung haben Begegnungen und Gespräche für ein Kunstverständnis, das Menschen einbezieht?
Begriffshilfe: Kreativität bedeutet, neue Ideen und Lösungen zu entwickeln. Soziale Plastik nennt Beuys die Möglichkeit, gesellschaftliche Verhältnisse durch bewusstes gemeinsames Gestalten zu verändern.
Museums-Video: Eine Einführung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zum Thema „Jeder Mensch ist ein Künstler“.
Medium 4 – Video: Herausgeber: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2021. Rechte am Video: beim Herausgeber beziehungsweise den jeweiligen Rechteinhabern; keine freie Lizenz nachgewiesen. Einbindung ausschließlich über den offiziellen YouTube-Player. Quelle: YouTube.
Werkbeispiel: 7000 Eichen
Leitfrage: Warum können gepflanzte Bäume Kunst sein?
1982 begann Beuys in Kassel das Kunstprojekt „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Bis 1987 wurden 7000 Bäume gepflanzt. Zu jedem Baum gehört eine Basaltstele.
Das Projekt veränderte den Stadtraum dauerhaft. Viele Menschen waren an seiner Verwirklichung beteiligt. Die Stadt Kassel beschreibt es deshalb als Beispiel für Beuys' Soziale Plastik.

Medium 5 – historisches Foto: Basaltsteine zur documenta 7 in Kassel, Aufnahme vom 24. August 1982. Fotograf: Gerd Eichmann. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons.

Medium 6 – aktuelles Foto: Baum und Basaltstele des Projekts am Wehlheider Platz, Kassel, 2021. Fotograf: Baummapper. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE. Quelle: Wikimedia Commons. Genauigkeit: Der fotografierte Baum ist eine 1987 gepflanzte Kaiserlinde. Nicht alle 7000 Bäume sind Eichen.
Bildbetrachtung: Vergleiche die beiden Bilder. Wie wird aus einem Vorrat an Steinen ein Kunstprojekt, das Jahrzehnte später noch sichtbar ist?
Belegt: Die Stadt Kassel bestätigt die Entstehungszeit 1982–1987, die 7000 Bäume und die zugehörigen Basaltstelen.
Interpretation: Das Kunstwerk besteht nicht nur aus Bäumen und Steinen. Auch die Zusammenarbeit und die langfristige Pflege können als Teil seines künstlerischen Gedankens verstanden werden.
Begriffshilfe: Eine Basaltstele ist ein aufrecht stehender Stein aus Basalt. Eine Aktion ist in der Kunst eine bewusst gestaltete Handlung.
Vertiefungsvideo: Deutsche Welle über Joseph Beuys und seine Kunst.
Medium 7 – Video: Herausgeber: Deutsche Welle, 2021. Rechte: beim Herausgeber und den beteiligten Rechteinhabern; keine freie Lizenz nachgewiesen. Nur offizieller YouTube-Player. Quelle: YouTube.
Timm Ulrichs: Der Künstler als Kunstwerk
Erstes lebendes Kunstwerk
Leitfrage: Was passiert, wenn ein Künstler sich selbst zum Kunstwerk erklärt?
Timm Ulrichs ließ 1961 eine Visitenkarte mit folgender Aufschrift drucken:
„Timm Ulrichs. Erstes lebendes Kunstwerk“
Er machte damit seine eigene Person zum Gegenstand einer künstlerischen Idee. Vom 1. bis 5. Juni 1966 stellte er sich in der Galerie Patio in Frankfurt am Main öffentlich als Kunstwerk aus.
Quellenprüfung: In einem Gespräch mit dem Städel Museum berichtete Ulrichs 2015 selbst von seiner Visitenkarte und der Ausstellung. Das ist ein Künstlerinterview als Primärzeugnis, allerdings ein später Rückblick. Die ursprüngliche Visitenkarte wird hier nicht als geprüftes Originaldokument ausgegeben.
Wichtig: Das Wort „erstes“ ist Teil der künstlerischen Selbstbezeichnung. Es beweist nicht, dass zuvor nirgendwo ein Mensch als lebende Kunst präsentiert wurde.
Originalwerk ansehen: Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien dokumentiert Ulrichs' Arbeit „Erstes lebendes Kunstwerk“. Die dortige Werkabbildung ist nicht als frei lizenziert nachgewiesen. Deshalb wird sie hier nur verlinkt, nicht kopiert.
Begriffshilfe: Eine Selbstdeklaration ist eine Aussage, mit der jemand den eigenen Status festlegt. Eine Selbstausstellung ist eine Ausstellung, in der die eigene Person zum präsentierten Werk wird. Konzeptkunst betont die Idee hinter einem Werk.
Kunst, Körper und Publikum
Leitfrage: Braucht ein lebendes Kunstwerk eine Galerie?
Ulrichs beschäftigte sich mit Totalkunst. Dabei können das eigene Leben, der Körper, Sprache und Alltag zum Material der Kunst werden.
Die Galerie veränderte 1966 den Blick auf ihn: Besucherinnen und Besucher sollten nicht nur einen Menschen sehen, sondern ihn als ausgestelltes Kunstwerk betrachten.
Interpretation: Seine Selbstausstellung kann als Frage an das Publikum verstanden werden: Wer entscheidet eigentlich, ob etwas Kunst ist?
Medium 8 – Foto: Timm Ulrichs bei einer Filmveranstaltung im Kino im Sprengel, Hannover, 18. Juni 2016. Fotograf: Bernd Schwabe. Lizenz: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons. Dieses Bild zeigt eine spätere Veranstaltung, nicht die Selbstausstellung von 1966.
Bildbetrachtung: Auf dem Bild steht Ulrichs zwischen Leinwand und Publikum. Was ändert sich, wenn wir ihn als Künstler betrachten? Was ändert sich, wenn wir auch ihn selbst als Werk betrachten?
Video: Ein Beitrag des Goethe-Instituts über Timm Ulrichs.
Medium 9 – Video: Herausgeber: Goethe-Institut, 2010; Beitrag von Christo Bakalski. Rechte: beim Herausgeber beziehungsweise den jeweiligen Rechteinhabern; keine freie Lizenz nachgewiesen. Nur offizieller YouTube-Player. Quelle: YouTube.
Noch ein Werk von Timm Ulrichs
Leitfrage: Hat Ulrichs nur sich selbst ausgestellt?
Nein. Er schuf auch Skulpturen im öffentlichen Raum.

Medium 10 – Foto: Timm Ulrichs' öffentlich aufgestellte Skulptur „Das Ganze und die Teile“ in Recklinghausen, eingeweiht 1991. Fotograf: Arnoldius, Aufnahme 2018. Lizenz des Fotos: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons. Urheber des abgebildeten Kunstwerks: Timm Ulrichs; dessen eigene Werkrechte sind von der Fotolizenz zu unterscheiden.
Die Skulptur erinnert an die Verfolgung jüdischer Menschen während des Nationalsozialismus. Sie zeigt, dass Ulrichs' Werk über die Selbstausstellung hinausgeht.
Bildbetrachtung: Achte auf die beiden gegenüberliegenden Formen und den Zwischenraum. Wie können räumliche Gegensätze eine Aussage vermitteln?
Commons-Video: Eine weitere öffentliche Skulptur von Ulrichs, „Von Null bis Unendlich“, in Einbeck.
Medium 11 – Video: Aufnahme von Barbara Arand, 8. Oktober 2021; zeigt eine 2018 eingeweihte Skulptur. Lizenz der Videoaufnahme: CC BY-SA 4.0. Quelle: Wikimedia Commons. Urheber des gezeigten Kunstwerks: Timm Ulrichs; Werkrechte gesondert beachten.
Hörbeispiel und Quellenkritik
Was beweist eine Tonaufnahme?
Leitfrage: Ist jede Aufnahme über Beuys auch eine Aufnahme von Beuys?
1965 führte Beuys die Aktion „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ durch. Auf Wikimedia Commons gibt es dazu einen gesprochenen Wikipedia-Artikel.
Medium 12 – Audio: Gesprochener Wikipedia-Artikel „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“, Aufnahme 2011. Sprecher: MSh; Text: Mitwirkende des Wikipedia-Artikels. Lizenz: CC BY-SA 3.0. Quelle und Hörmöglichkeit: Wikimedia Commons. Dies ist weder Beuys' Stimme noch ein Originalmitschnitt der Aktion.
Hörauftrag: Höre einen kurzen Ausschnitt und unterscheide zwischen einem Bericht über eine Kunstaktion und einer Originalaufnahme dieser Aktion.
Begriffshilfe: Eine Primärquelle stammt direkt aus dem untersuchten Zusammenhang, etwa eine zeitgenössische Aufnahme oder eine erhaltene Visitenkarte. Eine Sekundärquelle erklärt oder untersucht diesen Zusammenhang später. Ein späteres Interview mit dem Künstler ist ein wichtiges Primärzeugnis für seine Erinnerungen, aber nicht automatisch ein zeitgenössisches Dokument.
Beuys und Ulrichs im Vergleich
Leitfrage: Ist „Jeder Mensch ist ein Künstler“ dasselbe wie „Der Mensch ist ein Kunstwerk“?
| Vergleich | Joseph Beuys | Timm Ulrichs |
|---|---|---|
| Ausgangspunkt | Jeder Mensch besitzt schöpferische Möglichkeiten. | Der Künstler erklärt seine eigene Person zum Werk. |
| Belegtes Beispiel | „7000 Eichen“, 1982–1987. | Visitenkarte von 1961 und öffentliche Selbstausstellung 1966. |
| Was wird gestaltet? | Gesellschaft und Umwelt durch gemeinsames Handeln. | Wahrnehmung der eigenen Person durch eine künstlerische Setzung. |
| Rolle des Publikums | Menschen können selbst aktiv mitgestalten. | Menschen entscheiden mit, wie sie die ausgestellte Person wahrnehmen. |
| Kunstbegriff | Erweiterter Kunstbegriff und Soziale Plastik. | Totalkunst, Selbstinszenierung und Konzeptkunst. |
Merksatz: Beuys betont besonders das kreative Handeln von Menschen. Ulrichs zeigt besonders deutlich, wie ein Mensch selbst zum Gegenstand einer Kunstidee werden kann.
Das ist ein Vergleich ausgewählter Werke, keine starre Grenze: Beuys nutzte ebenfalls seinen Körper in Aktionen. Und Ulrichs schuf auch Kunstwerke für den öffentlichen Raum.
Was ist belegt, was ist Fiktion, was ist Interpretation?
- Belegte Aussage: Ulrichs berichtete im Städel-Interview von seiner Visitenkarte von 1961; die Galerie Patio präsentierte seine Selbstausstellung 1966.
- Künstlerische Setzung: Ulrichs nannte sich „Erstes lebendes Kunstwerk“. Die Bezeichnung „erstes“ ist kein überprüfter Weltrekord.
- Belegte Aussage: Das Projekt „7000 Eichen“ begann 1982 und war 1987 abgeschlossen. Die Stadt Kassel dokumentiert seine Entstehung.
- Interpretation: Beuys wollte die Gesellschaft gemeinsam gestalten, während Ulrichs besonders den Kunststatus seiner eigenen Person infrage stellte.
- Weiterführende These: „Jeder Mensch ist Kunst“ wird im Projekt auf MOOCwiki diskutiert. Dieser Satz ist nicht einfach mit dem belegten Beuys-Gedanken „Jeder Mensch ist ein Künstler“ gleichzusetzen.
Besondere Quellenfrage: Auf MOOCwiki wird ein weiterer Satz Beuys zugeschrieben: „Ich selbst bin in diesem Augenblick das Kunstwerk.“ Als Quelle wird eine ORF-Sendung Club 2 vom 27. Januar 1983, etwa Minute 47, genannt. Da der vollständige Originalmitschnitt hier nicht direkt geprüft werden konnte, gilt der genaue Wortlaut in diesem Kurs als nicht unabhängig verifiziert. Du findest die Behauptung auf der Lernseite Joseph Beuys Zitat zu "Jeder Mensch ist Kunst". Eine Quellenangabe ist ein Anfang, aber noch keine abgeschlossene Originalprüfung.
Achtung bei künstlerischer Fiktion: Künstlerische Figuren, erfundene Selbstbeschreibungen und spekulative Kunsttheorien können Denkanstöße sein. Sie sind aber keine historischen Tatsachen. Unterscheide auf MOOCwiki deshalb zwischen nachprüfbarer Dokumentation, künstlerischem Projekt und persönlicher Deutung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Hinweis: Bei jeder Frage steht die richtige Antwort an erster Stelle. Die Rückmeldung erklärt, warum sie richtig ist.
1. Was bedeutet Beuys' erweiterter Kunstbegriff besonders? (Auch menschliches Handeln kann schöpferisch sein) (!Nur Gemälde gehören zur Kunst) (!Kunst muss immer teuer sein) (!Nur Museumsdirektoren dürfen Kunst machen)
Feedback: Beuys bezog Denken, Handeln und gesellschaftliches Gestalten in seinen Kunstbegriff ein.
2. Welches Werk schuf Beuys in Kassel? (7000 Eichen) (!Erstes lebendes Kunstwerk) (!Das Ganze und die Teile) (!Von Null bis Unendlich)
Feedback: „7000 Eichen“ ist Beuys' Projekt aus den Jahren 1982 bis 1987. Die anderen genannten Arbeiten sind mit Timm Ulrichs verbunden.
3. Was gehört zu jedem Baum des Projekts 7000 Eichen? (Eine Basaltstele) (!Eine Glasvitrine) (!Ein Bildschirm) (!Ein Ölgemälde)
Feedback: Eine Basaltstele kennzeichnet die Baumstandorte. Das bestätigt die Stadt Kassel.
4. Was erklärte Timm Ulrichs 1961 auf einer Visitenkarte? (Erstes lebendes Kunstwerk) (!Erster Museumsdirektor) (!Erfinder der Fotografie) (!Gründer der documenta)
Feedback: Seine Visitenkarte war Teil einer künstlerischen Selbstdeklaration. Sie beweist aber keinen historischen Vorrang gegenüber allen anderen Künstlern.
5. Wann fand Ulrichs' öffentliche Selbstausstellung in der Galerie Patio statt? (1966) (!1921) (!1982) (!2015)
Feedback: Der Städel-Nachweis unterscheidet die Idee und Visitenkarte von 1961 von der öffentlichen Ausstellung im Juni 1966.
6. Was steht bei der Konzeptkunst oft im Mittelpunkt? (Die Idee des Werks) (!Die Größe des Rahmens) (!Der Materialpreis) (!Die Anzahl der Farben)
Feedback: Ein Konzept kann wichtiger sein als ein aufwendig hergestellter Gegenstand.
7. Was beschreibt Beuys' Soziale Plastik am besten? (Gemeinsames Gestalten gesellschaftlicher Verhältnisse) (!Eine Skulptur aus reinem Marmor) (!Ein Porträt nur für reiche Menschen) (!Eine Ausstellung ohne Besucher)
Feedback: Bei der Sozialen Plastik können Denken und gemeinsames Handeln Teil des Gestaltens sein.
8. Welche Aussage über das Wort erstes bei Ulrichs ist richtig? (Es gehört zu seiner künstlerischen Selbstbezeichnung) (!Es ist ein offiziell bestätigter Weltrekord) (!Es stammt aus einem Naturgesetz) (!Es bedeutet dass Kunst erst 1961 begann)
Feedback: Die Selbstbezeichnung ist dokumentiert. Der behauptete Vorrang bleibt jedoch eine künstlerische Setzung.
9. Was hörst Du in der Commons-Audiodatei über den toten Hasen? (Einen gesprochenen Wikipedia-Artikel) (!Einen Originalmitschnitt mit Beuys) (!Ein Interview mit Timm Ulrichs) (!Eine Rede aus dem Jahr 1982)
Feedback: Der Sprecher MSh las 2011 einen Wikipedia-Artikel vor. Das ist eine spätere Darstellung, keine Originalaufnahme der Aktion von 1965.
10. Welche Aussage vergleicht beide Künstler angemessen? (Beuys betont kreatives Gestalten und Ulrichs stellt sich selbst als Werk aus) (!Beide arbeiteten ausschließlich als Landschaftsmaler) (!Beide lehnten jede Form von Kunst ab) (!Ulrichs pflanzte die 7000 Eichen)
Feedback: Beide erweiterten die Vorstellung von Kunst auf unterschiedliche Weise. Der Vergleich gilt den hier untersuchten Werken.
Memory
Auftrag: Finde jeweils den passenden Begriff und seine Erklärung.
| Joseph Beuys | Soziale Plastik |
| Timm Ulrichs | Erstes lebendes Kunstwerk |
| 7000 Eichen | Stadtverwaldung |
| Visitenkarte | Selbstdeklaration |
| Originaldokument | Primärquelle |
| Kunstidee | Konzeptkunst |
Drag and Drop
Auftrag: Ordne die Begriffe den passenden Beschreibungen zu.
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Soziale Plastik | Gesellschaft gemeinsam gestalten |
| Totalkunst | Eigenes Leben und Alltag in Kunst einbeziehen |
| Selbstausstellung | Eigene Person als Kunstwerk präsentieren |
| Quellenprüfung | Eine Aussage mit ihrem Nachweis vergleichen |
| Interpretation | Eine begründete Deutung eines Werks formulieren |
Kreuzworträtsel
| Beuys | Welcher Künstler entwickelte die Idee der Sozialen Plastik? |
| Ulrichs | Welcher Künstler bezeichnete sich als lebendes Kunstwerk? |
| Basalt | Aus welchem Gestein bestehen die Stelen des Kasseler Baumprojekts? |
| Kassel | In welcher Stadt entstand das Projekt 7000 Eichen? |
| Konzeptkunst | Welche Kunstrichtung stellt die Idee besonders in den Mittelpunkt? |
| Galerie | An welchem Ausstellungsort kann das Publikum Kunstwerke betrachten? |
LearningApps
Hier kannst Du freiwillig nach weiteren Übungen suchen. Die Suche führt zu einem externen Angebot. Für diesen Kurs musst Du dort weder ein Konto eröffnen noch eine Übung erstellen.
Lückentext
Offene Aufgaben
Bearbeite die Aufgaben mit Papier und Stift oder einem vorhandenen Textprogramm. Du musst keine Medien hochladen, keine Personen fotografieren und kein Konto erstellen.
Leicht
- Bildbetrachtung: Wähle das historische und das aktuelle Foto zu Beuys' „7000 Eichen“. Notiere fünf sichtbare Details und erkläre in drei Sätzen, warum dieses Projekt mehr sein kann als eine gewöhnliche Baumpflanzung. Unterscheide zwischen dem, was Du siehst, und Deiner Deutung.
Standard
- Quellenkritik: Prüfe zwei Aussagen: die Visitenkarte von Ulrichs aus dem Jahr 1961 und das Beuys-Zitat „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Nutze das Städel-Interview und die beiden genannten Museumsquellen. Erstelle eine kleine Tabelle mit Aussage, Quelle, Art der Quelle und dem, was noch offenbleibt. Formuliere einen eigenen Vergleich von etwa 120 Wörtern.
Schwer
- Konzeptkunst: Entwirf schriftlich eine kurze Ausstellung mit dem Titel „Mensch als Künstler – Mensch als Kunstwerk“. Stelle zwei Stationen für Beuys und Ulrichs vor. Beschreibe jeweils den Werkbeleg, die mögliche Wirkung auf das Publikum und eine kritische Frage. Begründe anschließend, ob Du selbst die These „Jeder Mensch ist Kunst“ überzeugend findest. Kennzeichne Deine eigenen künstlerischen Ideen ausdrücklich als Entwurf oder Fiktion.


Lernkontrolle
- Kunst und Gesellschaft: Erkläre anhand von „7000 Eichen“, wie eine Kunstidee die Lebenswelt einer Stadt verändern kann. Berücksichtige dabei die Bedeutung gemeinsamer Arbeit.
- Kunstbegriff: Vergleiche die Aussagen „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und „Jeder Mensch ist ein Kunstwerk“. Wann stimmen sie überein und wo unterscheiden sie sich?
- Konzeptkunst: Ein Schüler erklärt seinen Schulrucksack zum Kunstwerk. Untersuche, welche Idee, welcher Ausstellungsrahmen und welche Begründung daraus tatsächlich ein Kunstprojekt machen könnten.
- Quellenkritik: Eine Internetseite schreibt einem Künstler einen Satz zu, zeigt aber keine Originalaufnahme. Erkläre, wie Du vorgehen würdest, bevor Du das Zitat in einem Referat verwendest.
- Kunstrezeption: Vergleiche die Rolle des Publikums bei Ulrichs' Selbstausstellung mit der Beteiligung von Menschen am Projekt „7000 Eichen“. Welche Rolle findest Du wichtiger? Begründe.
Lernnachweis
Für einen gelungenen Lernnachweis solltest Du:
- den erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys in eigenen Worten erklären können;
- die Selbstausstellung von Timm Ulrichs zeitlich richtig einordnen können;
- die Werke „7000 Eichen“ und „Erstes lebendes Kunstwerk“ mit den richtigen Künstlern verbinden können;
- mindestens drei Unterschiede oder Gemeinsamkeiten der untersuchten Kunstpositionen erläutern können;
- eine Beobachtung von einer Interpretation unterscheiden können;
- bei Zitaten Quelle, Urheber, Entstehungszeit und mögliche Unsicherheiten benennen können;
- Deine eigene begründete Meinung zur Leitfrage formulieren können.
Quellen, Medienrechte und OERs zum Thema
Nachweise zu Künstlern und Werken
- Timm Ulrichs als Originalzeuge: Städel Museum, Café Deutschland, Gespräch mit Timm Ulrichs, 2015. Grundlage für Visitenkarte 1961 und Galerie Patio 1966.
- Institutionelle Werkdokumentation: ZKM, Erstes lebendes Kunstwerk. Geschützte Museumsabbildung nur verlinkt.
- Beuys und sein Kunstbegriff: Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Museumstext zur Ausstellung 2021.
- Beuys-Werk und Literaturhinweis: Pinakothek der Moderne, Intuition. Bildrechte verbleiben bei den dort angegebenen Rechteinhabern.
- 7000 Eichen: Stadt Kassel, Stiftung 7000 Eichen. Nachweis für Baumarten, Stelen und Entstehungsjahre.
- Freie Fotos und Aufnahmen: Wikimedia Commons. Urheber, Einzelquelle und jeweilige Creative-Commons-Lizenz sind direkt bei den zwölf Medien angegeben.
- Geschützte Bewegtbilder: YouTube-Beiträge der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Welle und des Goethe-Instituts. Sie werden nur über die offiziellen Abspielangebote verlinkt beziehungsweise eingebettet; die Videos werden nicht neu veröffentlicht.
- Rechtehinweis: Eine freie Fotolizenz bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Rechte an einem abgebildeten Kunstwerk ebenfalls frei sind. Nutze die Medien deshalb in den jeweils angegebenen Zusammenhängen.
Wikipedia zum Nachlesen
Projektbezug: Jeder Mensch ist Kunst auf MOOCwiki
Im Projekt Jeder Mensch ist Kunst werden Fragen nach dem Menschen als Kunstwerk weitergedacht. Dieser Kurs liefert dazu zwei historische Vergleichspunkte und fordert dazu auf, neue Behauptungen an Originalquellen zu prüfen.
Passende vorhandene MOOCwiki-Lernseiten:
- Joseph Beuys: Einstieg in Leben und Werk.
- Timm Ulrichs: Weitere Werke und Themen.
- Soziale Plastik: Kunst und gesellschaftliche Gestaltung.
- Erweiterter Kunstbegriff - Soziale Plastik: Kunst jenseits des klassischen Werkgegenstands.
- Ich bin Kunst - Timm Ulrichs: Vertiefung zum Menschen als Kunstwerk.
- Joseph Beuys Zitat zu "Jeder Mensch ist Kunst": Beispiel für eine Behauptung, deren Originalnachweis sorgfältig geprüft werden muss.
Merke: Ein MOOCwiki-Projekt kann selbst ein künstlerischer Diskussionsraum sein. Seine Projektthesen sind jedoch von nachgewiesenen historischen Aussagen über Beuys und Ulrichs zu unterscheiden.
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