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ABI - Sprache und Stil pragmatischer Texte untersuchen

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ABI - Sprache und Stil pragmatischer Texte untersuchen




ABI - Sprache und Stil pragmatischer Texte untersuchen

Mini-Beschreibung: Du untersuchst Wortwahl, Syntax, Register, rhetorische Gestaltung und Adressatenbezug pragmatischer Texte funktional. Entscheidend ist nicht das bloße Benennen sprachlicher Mittel, sondern die Frage: Welche Funktion erfüllt eine sprachliche Entscheidung im konkreten Kommunikationszusammenhang, und welche Wirkung ist bei den angesprochenen Adressatinnen und Adressaten plausibel?

Der aiMOOC richtet sich an die Kursstufe Deutsch in Baden-Württemberg und unterscheidet zwischen Basisfach und Leistungsfach. Er ist auf das Deutsch-Abitur 2027 bezogen. Maßgeblich bleiben immer der aktuelle Facherlass, der gültige Bildungsplan, die schulische Unterrichts- und Lektüreauswahl sowie die Hinweise der Lehrkraft. Vorgaben späterer Prüfungsjahrgänge müssen neu geprüft werden.


Einstieg

Lies die drei selbst erstellten Varianten. Die Information ist ähnlich, die sprachliche Wirkung nicht.

Variante Text Erste Beobachtung
A Die Schulbibliothek schließt ab Montag um 18 Uhr. sachlich, knapp, informationsorientiert
B Schon ab Montag gehen um 18 Uhr die Lichter aus – wer länger lernen will, steht vor verschlossener Tür. anschaulicher, stärker wertend und adressatenbezogen
C Die Begrenzung der Öffnungszeit auf 18 Uhr tritt am Montag in Kraft. institutionell, nominal geprägt, distanzierter

Einstiegsauftrag: Formuliere zu jeder Variante eine Wirkungshypothese. Nutze möglichst diese Struktur: Beleg → sprachliches Merkmal → Funktion → mögliche Wirkung.

Beispiel: Die Formulierung „steht vor verschlossener Tür“ konkretisiert die Folge bildhaft. Dadurch kann die Einschränkung für Lernende unmittelbarer und problematischer erscheinen.

Medienimpuls: Die Grafik erinnert daran, dass Bedeutung nicht nur im Text „steckt“. Kontext, Medium, Vorwissen und Rückmeldung beeinflussen, wie eine Äußerung verstanden wird. Untersuche bei pragmatischen Texten deshalb immer auch die Kommunikationssituation.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du sprachliche Gestaltung nicht nur benennen, sondern funktional deuten.

Bereich Du kannst ...
Wortwahl Denotation, Konnotation, Wertung, Fachwortschatz, Schlüsselwörter und Modalität untersuchen.
Syntax Satzlänge, Haupt- und Nebensatzstrukturen, Ellipsen, Passiv und Informationsdichte funktional analysieren.
Register Stilebene, Grad der Formalität und Nähe oder Distanz zum Publikum bestimmen.
Rhetorische Gestaltung sprachliche Mittel nur dann einbeziehen, wenn Du ihre Funktion am Text belegen kannst.
Adressatenbezug Anrede, Pronomen, Vorwissen, Interessen und erwartete Reaktionen der Zielgruppe berücksichtigen.
Wirkungshypothese eine plausible, textnahe Wirkung formulieren, ohne Wirkung als sicher zu behaupten.
Prüfung AFB I, II und III unterscheiden und sprachliche Analyse in einen abiturgeeigneten Argumentationsgang einbauen.


Vorwissen aktivieren

Ordne Dir selbst zu, was Du bereits sicher kannst. Notiere bei Unsicherheiten ein kurzes Beispiel.

Vorwissensfrage Meine Notiz
Was unterscheidet Thema, These und Intention?
Was ist der Unterschied zwischen Parataxe und Hypotaxe?
Was bedeutet Konnotation?
Wie belege ich eine sprachliche Beobachtung am Text?
Wann ist eine Wirkungshypothese plausibel?


Grundwissen: pragmatische Texte funktional untersuchen

Pragmatische Texte sind zweckgebundene Texte in konkreten Kommunikationssituationen. Dazu gehören beispielsweise Kommentare, Reden, Essays, Rezensionen, Leitartikel, Stellungnahmen, Informationsseiten oder institutionelle Mitteilungen.

Im Bildungsplan der Kursstufe werden solche Texte als Sach- und Gebrauchstexte behandelt. Zentral ist das Wirkungsgefüge von Inhalt und Form: Sprache wird nicht isoliert betrachtet, sondern in Verbindung mit Thema, Argumentation, Intention, Medium und Adressaten.

Merksatz: Nicht „Welche Stilmittel finde ich?“, sondern „Welche sprachliche Entscheidung trägt wie zur kommunikativen Funktion bei?“

Die Darstellung von Ethos, Pathos und Logos kann als heuristische Hilfe dienen. Sie ersetzt keine Textanalyse. Prüfe am konkreten Text, ob Glaubwürdigkeit, emotionale Aktivierung oder sachlogische Begründung tatsächlich sprachlich aufgebaut werden.


Wortwahl und Semantik

Beobachtung Leitfrage mögliche Funktion
wertende Wörter Welche Haltung wird sprachlich markiert? Zustimmung, Kritik oder Dringlichkeit rahmen
Fachsprache Welches Vorwissen wird vorausgesetzt? Präzision oder fachliche Autorität signalisieren
Umgangssprache Welche Nähe wird hergestellt? Zugänglichkeit oder Gruppenbezug erzeugen
Schlüsselwörter Welche Begriffe werden wiederholt? Thema fokussieren oder Deutungsrahmen stabilisieren
Modalverben Wie sicher, notwendig oder möglich erscheint etwas? Verpflichtung, Möglichkeit oder Abschwächung markieren
Konnotationen Welche Nebenbedeutungen werden aktiviert? Sachverhalte emotional oder normativ rahmen

Mini-Beispiel: „Wir müssen jetzt handeln“ enthält das Modalverb „müssen“ und das inklusive Pronomen „wir“. Das kann Handlungsdruck und gemeinsame Verantwortung sprachlich verdichten.


Syntax

Syntax steuert Tempo, Gewichtung und Informationsdichte.

Merkmal mögliche Funktion Vorsicht
kurze Hauptsätze Klarheit, Tempo, Nachdruck nicht automatisch „emotional“
Hypotaxe Differenzierung, Bedingungsgefüge, fachliche Präzision nicht automatisch „kompliziert“
Ellipse Verdichtung, Mündlichkeit, Nachdruck Kontext beachten
Passiv Vorgang oder Ergebnis hervorheben kann Handelnde ausblenden, muss es aber nicht
Nominalstil Verdichtung, institutionelle oder fachliche Wirkung kann Lesbarkeit verringern
Parallelismus Struktur, Einprägsamkeit, rhythmischer Nachdruck Funktion am konkreten Inhalt erklären


Register und Stilebene

Ein Register ist eine situationsabhängige Sprachform. Frage nicht nur, ob ein Text „formell“ oder „informell“ wirkt. Untersuche, warum dieses Register für Situation, Medium und Publikum gewählt wird.

Beispiel:

Variante Register Funktion
„Bitte reichen Sie den Antrag bis Freitag ein.“ formell-administrativ klare institutionelle Rollen markieren
„Schick das Formular bitte bis Freitag.“ alltagsnah direkte, persönliche Ansprache
„Freitag ist Schluss – Formular raus!“ stark verdichtet und umgangssprachlich Aufmerksamkeit und Nachdruck erzeugen


Rhetorische Gestaltung

Rhetorische Mittel sind Werkzeuge, keine fertigen Wirkungsformeln.

Videoauftrag: Notiere drei im Video genannte Stilmittel. Ergänze jeweils ein eigenes Beispiel und formuliere eine Wirkung nur im Zusammenhang mit einer konkreten Aussage.

Prüfregel: „Metapher = anschaulich“ reicht nicht. Besser: Welche Vorstellung wird übertragen? Welche Perspektive auf den Sachverhalt wird dadurch nahegelegt?


Adressatenbezug

Untersuche, welches Publikum ein Text voraussetzt und wie es sprachlich angesprochen wird.

Signal Analysefrage
direkte Anrede Wer wird ausdrücklich angesprochen?
Pronomen Wer gehört zu „wir“, „uns“, „ihr“ oder „Sie“?
Vorwissen Welche Begriffe werden erklärt, welche nicht?
Beispiele Sind sie an Erfahrungen der Zielgruppe angepasst?
Ton Wird Nähe, Distanz, Respekt, Dringlichkeit oder Zugehörigkeit erzeugt?
Handlungsaufforderung Welche Reaktion soll wahrscheinlich ausgelöst werden?

Transferfrage: Was verändert sich an Deiner Analyse, wenn derselbe Satz als Plakat, Kommentar, Rede, Elternbrief oder Social-Media-Post erscheint?


Die Wirkungshypothese

Eine Wirkungshypothese ist keine Behauptung darüber, was alle Lesenden tatsächlich empfinden. Sie verbindet einen Textbeleg mit einer plausiblen kommunikativen Funktion.

Formel: Beleg → Merkmal → Funktion → adressatenbezogene Wirkungshypothese

schwach stärker
„Die Metapher macht den Text spannend.“ „Die Metapher verdichtet die abstrakte Belastung zu einem räumlichen Bild; dadurch kann das Problem für die angesprochene Zielgruppe konkreter und dringlicher erscheinen.“
„Kurze Sätze sind überzeugend.“ „Die Folge kurzer Hauptsätze reduziert syntaktische Komplexität und setzt einzelne Aussagen deutlich voneinander ab; das kann die Kernforderungen leichter erfassbar machen.“

Geeignete Verben: kann hervorheben, legt nahe, rahmt, verdichtet, kontrastiert, relativiert, verstärkt, strukturiert, signalisiert, vereinfacht, differenziert.


Analyse-Matrix

Nutze in Klausuren keine starre Checkliste, sondern bilde Untersuchungsschwerpunkte. Diese Matrix hilft beim Sortieren.

Ebene Beleg Beobachtung Funktion Wirkungshypothese
Wortwahl Textstelle z. B. wertendes Verb Position rahmen mögliche Leserreaktion formulieren
Syntax Textstelle z. B. kurze Hauptsätze Aussage gewichten mögliche Wahrnehmung erläutern
Register Textstelle z. B. formell institutionelle Distanz markieren mögliche Erwartung des Publikums erklären
Rhetorik Textstelle z. B. Metapher Deutungsrahmen verdichten mögliche Perspektivierung benennen
Adressatenbezug Textstelle z. B. „wir“ Gemeinschaft sprachlich herstellen mögliche Einbindung des Publikums erklären


Textvarianten-Labor

Ausgangsaussage: Eine Gemeinde plant, an stark belasteten Tagen zusätzliche Busse einzusetzen.

Variante 1 – sachlich: „An Tagen mit besonders hoher Auslastung sollen zusätzliche Busse eingesetzt werden.“

Variante 2 – adressatennah: „Wenn Busse wieder voll sind, sollen zusätzliche Fahrten dafür sorgen, dass Du leichter mitkommst.“

Variante 3 – institutionell: „Zur bedarfsgerechten Kapazitätsanpassung ist an hoch ausgelasteten Verkehrstagen eine Erweiterung des Fahrtenangebots vorgesehen.“

Auftrag: Vergleiche Wortwahl, Syntax, Register und Adressatenbezug. Formuliere zwei Wirkungshypothesen und begründe, welche Variante für eine amtliche Mitteilung, eine Jugendseite oder einen kurzen Nachrichtenbeitrag jeweils funktional sein könnte.


Hilfestufen

Hilfestufe 1: Markiere Verben, Pronomen und auffällige Nomen.

Hilfestufe 2: Bestimme Satzbau und Grad der Formalität.

Hilfestufe 3: Ergänze zu jeder Beobachtung den Satz: „Das ist in dieser Kommunikationssituation funktional, weil ...“


Lösungshinweise

Mögliche Lösung: Variante 1 bleibt vergleichsweise neutral und eignet sich für eine knappe Information. Variante 2 nutzt „Du“ und alltagsnahe Formulierungen, wodurch direkte Adressatennähe entsteht. Variante 3 enthält Nominalstil und institutionelle Fachsprache; sie kann formeller und distanzierter wirken. Entscheidend ist nicht, welche Variante „besser“ ist, sondern welche zum Medium, Zweck und Publikum passt.


Medienlabor

Medien verändern die Analyse. Bei Audio und Video kommen Stimme, Sprechtempo, Pausen, Betonung, Bildauswahl, Schnitt und Einblendungen hinzu.


Audio untersuchen

Die kurze historische Aufnahme von 1914 ist auf Wikimedia Commons als gemeinfreies Audio verfügbar. Sie dient hier nur als historisches Analyseobjekt, nicht als Muster für heutige politische Kommunikation.

Hörauftrag: Untersuche Wortwahl, Imperative, Satzlänge, Lautstärke, Sprechtempo und Betonung. Trenne dabei drei Ebenen: Was ist hörbar? Was ist sprachlich belegt? Welche Wirkung vermutest Du?

Quellenkritik: Ordne Entstehungszeit, Kommunikationssituation und historische Interessen des Redners ein. Übernimm keine Perspektive der Quelle ungeprüft.


Video untersuchen

Videoauftrag: Prüfe, ob die Erklärung zur Sachtextanalyse tatsächlich Beleg, Merkmal, Funktion und Wirkung miteinander verbindet. Notiere eine Stelle, die Du übernehmen würdest, und eine Stelle, die Du präzisieren würdest.

Vergleichsauftrag: Das Video behandelt literarische und pragmatische Texte. Vergleiche seine Kategorien mit den Kriterien dieses aiMOOCs. Belege mindestens eine Übereinstimmung und eine Differenz. Übernimm Erklärungen nicht ungeprüft.


Visualisierung untersuchen

Visualisierungsauftrag: Erkläre, warum zwischen sprachlichem Zeichen, Vorstellung und bezeichnetem Gegenstand unterschieden werden kann. Übertrage die Idee auf ein politisch oder gesellschaftlich aufgeladenes Schlüsselwort Deiner Wahl, ohne eine politische Position zu bewerten: Welche unterschiedlichen Vorstellungen können mit demselben Wort verbunden sein?


Urheberrecht und Datenschutz

Verwende für eigene Lernprodukte bevorzugt selbst erstellte, gemeinfreie oder offen lizenzierte Materialien. Nutze geschützte Texte nur in kurzen, funktionalen Ausschnitten mit Quellenangabe. Geschützte Ganzschriften werden begleitet und analysiert, aber nicht vollständig wiedergegeben.

Bei eigenen Audio-, Video- oder Bildprojekten veröffentlichst Du keine unnötigen personenbezogenen Daten. Nutze Einwilligungen, neutrale Rollenbezeichnungen oder fiktive Beispiele.


KI-Spirale

KI kann Rückmeldung geben, ersetzt aber keine eigene Textarbeit.

Schritt Handlung
1 Aufgabe verstehen: Operator, Material, Ziel und Adressaten klären.
2 Selbst erschließen: Text markieren, Argumentation und sprachliche Auffälligkeiten eigenständig erfassen.
3 Eigenen Ansatz entwickeln: Untersuchungsschwerpunkte und erste Wirkungshypothesen formulieren.
4 KI gezielt befragen: nur konkrete Unsicherheiten prüfen lassen, nicht die gesamte Analyse ersetzen.
5 Unabhängig prüfen: Texttreue, Fakten, Logik und Quellen selbst kontrollieren.
6 Eigene Lösung verbessern: nur nachvollziehbare Hinweise übernehmen.
7 KI-Hilfe transparent machen: kurz dokumentieren, wofür KI genutzt wurde.

Sinnvolle KI-Frage: „Prüfe meine Wirkungshypothese zu Satz 4. Welche Textbelege stützen oder schwächen sie? Erfinde keine Belege.“

Ungeeignete KI-Frage: „Schreib mir die komplette Analyse.“


Basisfach und Leistungsfach

Der Bildungsplan unterscheidet in der Kursstufe nicht nach G-, M- oder E-Stufen, sondern nach Basisfach und Leistungsfach.

Aspekt Basisfach Leistungsfach
Textanforderung anspruchsvollere Sach- und Gebrauchstexte sicher verstehen und analysieren auch komplexe und anspruchsvolle Sach- und Gebrauchstexte differenziert analysieren
Analyse Thema, Thesen, Argumentation, Sprache und Kommunikationszusammenhang funktional untersuchen größere Komplexität, Materialfülle, Selbstständigkeit und Durchdringungstiefe
Klausuren auch Analyse und Erörterung pragmatischer Texte sowie materialgestütztes Schreiben berücksichtigen dieselben grundlegenden Aufgabenformate, jedoch mit höheren quantitativen und qualitativen Anforderungen
Abitur 2027 Der Facherlass regelt die mündliche Prüfung; pragmatische Texte sind in angemessenem Umfang einzubeziehen. Das Themenfeld „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“ ist verbindlich; Aufgabe III betrifft Analyse oder Erörterung pragmatischer Texte.

Amtliche Grundlage, Stand 24.09.2026: Ministerium für Kultus Baden-Württemberg – Abitur 2027 sowie der dort verlinkte Facherlass 2027, Stand 09.09.2025.

Bildungsplan: Basisfach – Sach- und Gebrauchstexte und Leistungsfach – Sach- und Gebrauchstexte.


AFB I, II und III

Anforderungsbereich typische Leistung Erwartung bei diesem Thema
AFB I wiedergeben, benennen, beschreiben Kommunikationssituation, Thema, zentrale Aussagen und sprachliche Merkmale sicher erfassen
AFB II analysieren, erläutern, vergleichen sprachliche Merkmale funktional mit Intention, Argumentation, Medium und Adressaten verknüpfen
AFB III beurteilen, erörtern, reflektieren, gestalten Wirkungshypothesen abwägen, Varianten funktional beurteilen, eigene adressatengerechte Fassung gestalten

Im Facherlass 2027 liegt der Schwerpunkt bei Klausuren in Basisfach und Leistungsfach im AFB II. Im Leistungsfach wird AFB III gegenüber AFB I stärker akzentuiert; im Basisfach wird AFB I gegenüber AFB III stärker akzentuiert.


Abitur-Check 2027

Leistungsfach: Die schriftliche Prüfung umfasst laut Facherlass 2027 vier vorgelegte Aufgaben; eine wird bearbeitet. Für dieses Thema besonders relevant ist Aufgabe III: Analyse und Erörterung pragmatischer Texte. Auch materialgestütztes Schreiben kann an das Themenfeld Sprache angebunden sein. Die Bearbeitungszeit beträgt 315 Minuten einschließlich Auswahlzeit.

Basisfach: Für 2027 ist im Facherlass die mündliche Abiturprüfung geregelt. Pragmatische Texte sollen dort in angemessenem Umfang berücksichtigt werden. Auch die Klausuren der Kursstufe sollen die einschlägigen Aufgabenformate einbeziehen.

Wichtig: Die schulische Unterrichts- und Lektüreauswahl konkretisiert die Vorbereitung. Für spätere Prüfungsjahrgänge müssen Facherlass und Bildungsplan erneut geprüft werden.


Typische Fehler

Fehler Bessere Strategie
Stilmittel nur aufzählen Funktion und Zusammenhang erklären
Wirkung als sicher behaupten adressatenbezogene Wirkungshypothese formulieren
Sprache ohne Argumentation analysieren sprachliche Gestaltung mit Aussage und Argumentationsschritt verbinden
lange Zitate übernehmen kurze funktionale Belege auswählen und präzise auswerten
Fachbegriffe ohne Textbezug verwenden nur Begriffe nutzen, die analytischen Mehrwert haben
Autorabsicht erfinden aus Text, Situation und Medium vorsichtig auf Intention schließen
KI-Antwort übernehmen Belege, Fakten, Logik und Quellen unabhängig prüfen


Prüfungstipps

Phase Tipp
Aufgabenwahl Operatoren und Material zuerst vergleichen.
Planung Zwei bis vier sinnvolle Untersuchungsschwerpunkte bilden.
Schreiben Absätze nach Analysegedanken, nicht nach Stilmittel-Liste strukturieren.
Belegen kurze, präzise Textbelege verwenden.
Deuten Funktion und Wirkungshypothese immer an Text und Adressaten binden.
Prüfen Am Ende kontrollieren: Texttreue, Logik, Fachbegriffe, Zitate, Sprache.


Interaktive Aufgaben


Mikro-Analyse mit Feedback

Eigener Übungstext:

„Unsere Schule startet eine Testphase für einen stillen Lernraum. Wer konzentriert arbeiten möchte, soll dort in den Freistunden einen verlässlichen Platz finden. Damit das funktioniert, gelten wenige klare Regeln: Gespräche bleiben draußen, Smartphones lautlos, Arbeitsplätze sauber.“

Aufgabe: Analysiere drei sprachliche Entscheidungen funktional.

Hilfestufe 1: Suche Pronomen, Modalverben, Satzlängen und die Dreierstruktur am Ende.

Hilfestufe 2: Frage jeweils: Was wird dadurch hervorgehoben? Welche Rolle erhält das Publikum?

Hilfestufe 3: Nutze die Formel Beleg → Merkmal → Funktion → Wirkungshypothese.

Lösungshinweise: „Unsere Schule“ kann Zugehörigkeit markieren. „soll“ formuliert ein Angebot beziehungsweise eine vorgesehene Nutzung weniger zwingend als „muss“. Die Dreierstruktur „Gespräche ... Smartphones ... Arbeitsplätze ...“ ordnet die Regeln parallel und erleichtert ihre Erfassung.


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet eine funktionale Sprachanalyse am besten? (Sie verbindet sprachliche Merkmale mit Funktion und Kommunikationssituation.) (!Sie sammelt möglichst viele Stilmittel.) (!Sie bewertet den Text nur nach persönlichem Geschmack.) (!Sie ersetzt Textbelege durch Fachbegriffe.)




Was ist eine Wirkungshypothese? (Eine textgestützte Vermutung über eine mögliche Wirkung auf Adressaten.) (!Eine sichere Aussage über die Gefühle aller Lesenden.) (!Eine Zusammenfassung des gesamten Textes.) (!Eine Liste rhetorischer Mittel.)




Welche Ebene betrifft die Konnotation eines Wortes? (Wortwahl und Semantik.) (!Zeichensetzung allein.) (!Seitenlayout allein.) (!Rechtschreibung allein.)




Welche Beschreibung trifft Hypotaxe? (Ein Satzbau mit untergeordneten Nebensätzen.) (!Eine reine Folge einzelner Stichwörter.) (!Ein Text ohne Verben.) (!Eine zufällige Wortwiederholung.)




Was gehört zum Adressatenbezug? (Die Frage, welches Publikum angesprochen und sprachlich einbezogen wird.) (!Nur die Anzahl der Absätze.) (!Nur die Länge des Titels.) (!Nur das Erscheinungsjahr.)




Wie sollte die Wirkung eines Passivs analysiert werden? (Im konkreten Kontext und in Verbindung mit Informationsfokus und Akteursnennung.) (!Immer als Täuschung.) (!Immer als besonders emotional.) (!Immer als umgangssprachlich.)




Was ist bei rhetorischen Mitteln in einer Analyse entscheidend? (Ihre Funktion für Aussage, Argumentation und Kommunikationssituation.) (!Ihre möglichst große Anzahl.) (!Ihre alphabetische Reihenfolge.) (!Ihre Seltenheit.)




Welcher Anforderungsbereich steht beim Analysieren typischerweise im Zentrum? (AFB II.) (!Nur AFB I.) (!Nur AFB III.) (!Kein Anforderungsbereich.)




Was ist ein sinnvoller Einsatz von KI bei der Textanalyse? (Eine eigene Hypothese gezielt prüfen lassen und anschließend selbst am Text kontrollieren.) (!Die gesamte Analyse ungeprüft übernehmen.) (!Textbelege erfinden lassen.) (!Quellenprüfung auslassen.)




Welches Aufgabenformat ist im Leistungsfach Deutsch Abitur 2027 für pragmatische Texte ausdrücklich vorgesehen? (Analyse und Erörterung pragmatischer Texte.) (!Nur Diktat.) (!Nur Nacherzählung.) (!Nur Grammatiktest.)





Quiz-Feedback

Wenn Dir vor allem die Fragen 1 bis 3 schwerfielen, wiederhole Funktion, Wirkungshypothese und Wortwahl. Bei Unsicherheiten in den Fragen 4 bis 7 arbeite erneut mit den Abschnitten Syntax, Adressatenbezug und Rhetorik. Bei den Fragen 8 bis 10 prüfe noch einmal AFB, Abitur-Check und KI-Spirale.


Memory

Wortwahl Konnotation
Syntax Satzbau
Register Stilebene
Adressatenbezug Zielgruppenorientierung
Metapher Bildlichkeit
Hypotaxe Unterordnung
Parataxe Nebenordnung
Modalverb Verpflichtungsgrad





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
präzise Verben Wortwahl
kurze Hauptsätze Syntax
formelle Anrede Register
direktes Du Adressatenbezug
bildhafte Übertragung Rhetorik





Kreuzworträtsel

Register Wie heißt die situationsabhängige sprachliche Stilebene?
Hypotaxe Wie heißt ein Satzbau mit untergeordneten Nebensätzen?
Metapher Wie heißt eine bildhafte Bedeutungsübertragung?
Appell Wie heißt eine sprachliche Aufforderung an ein Publikum?
Adressat Wie heißt die angesprochene Zielperson eines Textes?
Konnotation Wie heißt eine mit einem Wort verbundene Nebenbedeutung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine funktionale Analyse verbindet sprachliche Beobachtungen mit ihrer

im Text. Die Untersuchung der Bedeutung und Nebenbedeutung von Wörtern gehört zur

. Ein Satzbau mit vielen untergeordneten Nebensätzen wird als

bezeichnet. Die situationsabhängige Stilebene eines Textes heißt

. Eine plausible Annahme über die mögliche Reaktion des Publikums ist eine

. Der Bezug auf die angesprochene Zielgruppe heißt

. Im Abitur liegt der Schwerpunkt der Analyse typischerweise im

. KI-Ergebnisse müssen unabhängig am Text und an den

geprüft werden.




Selbstkontrolle

Prüfe Deine eigene Analyse mit dieser Tabelle.

Kontrollfrage erledigt
Habe ich die Kommunikationssituation geklärt? ☐
Habe ich Untersuchungsschwerpunkte statt einer Stilmittel-Liste gebildet? ☐
Ist jede wichtige Beobachtung am Text belegt? ☐
Erkläre ich die Funktion des sprachlichen Merkmals? ☐
Formuliere ich Wirkungen als Hypothesen statt als Gewissheiten? ☐
Beziehe ich Adressaten, Medium und Intention ein? ☐
Unterscheide ich Beobachtung und Bewertung? ☐
Habe ich KI-Hilfe gegebenenfalls transparent dokumentiert und selbst geprüft? ☐


Transfer

Überarbeite den folgenden neutralen Satz für drei Kommunikationssituationen:

„Am Mittwoch findet eine Informationsveranstaltung zur neuen Lernplattform statt.“

Zielmedium Gestaltungsziel Deine Variante
offizielle Schulhomepage präzise und formell
Social-Media-Post der Schülervertretung knapp und adressatennah
Nachricht an Lehrkräfte sachlich und organisationsbezogen

Transferfrage: Welche sprachlichen Veränderungen sind durch das Medium begründet, welche durch die Zielgruppe und welche durch die Intention?


Kompetenzcheck

Bearbeite einen selbst gewählten kurzen pragmatischen Text. Wähle vorzugsweise eine offene oder rechtmäßig zugängliche Quelle.

Kompetenz Nachweis
Erschließen Ich kann Thema, These, Argumentationsgang und Kommunikationssituation knapp bestimmen.
Analysieren Ich kann Wortwahl, Syntax, Register und rhetorische Gestaltung funktional untersuchen.
Belegen Ich kann kurze Textbelege präzise einbinden.
Hypothesen bilden Ich kann mögliche Wirkungen vorsichtig und adressatenbezogen formulieren.
Vergleichen Ich kann zwei Textvarianten hinsichtlich ihrer Funktion vergleichen.
Gestalten Ich kann eine eigene adressatengerechte Variante schreiben.
Prüfen Ich kann Fakten, Quellen, Texttreue und KI-Hinweise unabhängig kontrollieren.


Reflexion

Reflexionsimpuls Deine Antwort
Welche sprachliche Ebene analysierst Du bisher am sichersten?
Wo neigst Du noch zu pauschalen Wirkungsbehauptungen?
Welche zwei Formulierungen helfen Dir, Wirkung vorsichtig zu beschreiben?
Wie hat der Vergleich von Textvarianten Deine Sicht auf „Stil“ verändert?
Welche KI-Hilfe wäre für Dich sinnvoll, ohne die eigene Textarbeit zu ersetzen?


Folgekurs-Empfehlung

Wenn Du die funktionale Sprachanalyse sicher beherrschst, eignen sich als nächste Schritte besonders ABI - Analyse und Erörterung pragmatischer Texte und ABI - Materialgestütztes Schreiben. Für das Themenfeld Sprache 2027 ist außerdem Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen sinnvoll.


Offene Aufgaben


Leicht

  1. Wortwahl markieren: Suche in einem kurzen Zeitungskommentar fünf auffällige Wörter und notiere jeweils Denotation, mögliche Konnotation und Funktion.
  2. Satzbau verändern: Forme drei hypotaktische Sätze in kurze Hauptsatzfolgen um und beschreibe, was sich an Lesetempo und Gewichtung verändert.
  3. Register wechseln: Schreibe dieselbe Information einmal formell und einmal alltagsnah. Markiere anschließend die sprachlichen Unterschiede.
  4. Adressatenprofil: Bestimme für einen frei zugänglichen Informationstext Zielgruppe, vorausgesetztes Wissen und direkte oder indirekte Anrede.


Standard

  1. Wirkungshypothesen prüfen: Formuliere zu vier Textbelegen jeweils eine Wirkungshypothese und ergänze eine alternative Deutung.
  2. Audioanalyse: Nimm einen eigenen 30-sekündigen Sachtext in zwei Sprechweisen auf und vergleiche Tempo, Betonung, Pausen und mögliche Wirkung. Verwende keine unnötigen personenbezogenen Daten.
  3. Medienvergleich: Vergleiche dieselbe Nachricht in einer Webseite, einem Social-Media-Post und einer Audiofassung. Untersuche, welche sprachlichen Mittel medienbedingt variieren.
  4. Visualisierung gestalten: Erstelle ein Schaubild „Beleg → Merkmal → Funktion → Wirkungshypothese“ mit einem eigenen Beispiel und einer offenen Lizenz.


Schwer

  1. Kommentar analysieren: Analysiere einen anspruchsvollen frei zugänglichen Kommentar mit zwei bis vier Untersuchungsschwerpunkten und verknüpfe Sprache, Argumentation und Adressatenbezug.
  2. Variantenexperiment: Schreibe drei Versionen desselben pragmatischen Textes für unterschiedliche Zielgruppen und begründe jede sprachliche Entscheidung.
  3. Quellenkritisches Medienprojekt: Kombiniere Text, Bild und Audio zu einem zweiminütigen Informationsbeitrag. Dokumentiere Quellen, Lizenzen, Auswahlentscheidungen und mögliche Wirkungen.
  4. KI-Revision: Verfasse zuerst eine eigene Analyse, lasse anschließend nur zwei konkrete Hypothesen von einer KI kritisch prüfen, kontrolliere alle Hinweise am Text und dokumentiere transparent, was Du verändert oder verworfen hast.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Funktionsanalyse: Analysiere einen unbekannten pragmatischen Text so, dass mindestens drei sprachliche Beobachtungen nachvollziehbar mit Argumentation, Intention und Adressaten verknüpft werden.
  2. Wirkungsvergleich: Vergleiche zwei sprachliche Varianten derselben Aussage und erkläre, unter welchen Kommunikationsbedingungen die jeweilige Form funktional sein kann.
  3. Medientransfer: Übertrage einen schriftlichen Informationstext in eine kurze Audiofassung und begründe Änderungen an Satzbau, Wortwahl und Anrede.
  4. Urteilsbildung: Beurteile eine vorgegebene Wirkungshypothese anhand konkreter Textbelege und formuliere gegebenenfalls eine präzisere Alternative.
  5. Quellenprüfung: Prüfe eine Analyse mit externen oder KI-generierten Hinweisen auf Texttreue, sachliche Richtigkeit, logische Schlüssigkeit und Quellenlage.
  6. Adressatengerechtes Gestalten: Schreibe einen kurzen pragmatischen Text für zwei unterschiedliche Zielgruppen und erläutere die funktionalen Unterschiede.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Textverständnis: Thema, zentrale Aussagen, Argumentationsstruktur und Kommunikationssituation sicher erfassen.
  2. Sprachanalyse: Wortwahl, Syntax, Register und rhetorische Gestaltung mit passenden Fachbegriffen untersuchen.
  3. Funktionsbezug: Beobachtungen mit Intention, Argumentation, Medium und Adressaten verknüpfen.
  4. Textbelege: kurze, präzise und funktionale Belege verwenden.
  5. Wirkungshypothesen: mögliche Wirkungen nachvollziehbar, differenziert und nicht als Gewissheit formulieren.
  6. Transfer: Textvarianten vergleichen und eine eigene adressatengerechte Fassung gestalten.
  7. Reflexion: Grenzen der eigenen Deutung benennen und alternative Lesarten berücksichtigen.
  8. KI-Transparenz: gegebenenfalls eingesetzte KI-Hilfe offenlegen und alle übernommenen Hinweise selbst prüfen.




OERs zum Thema

Amtliche und offene Grundlagen:

Abiturinformationen des Kultusministeriums Baden-Württemberg

Bildungsplan Deutsch Leistungsfach – Sach- und Gebrauchstexte

Bildungsplan Deutsch Basisfach – Sach- und Gebrauchstexte

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