Zum Inhalt springen

Weltliteratur verstehen - Der Sophist - Platon

Aus MOOCsWiki Staging
Die Druckversion wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.
aiMOOC-Siegel aiMOOC

Weltliteratur verstehen - Der Sophist - Platon

QR-Code


Weltliteratur verstehen - Der Sophist - Platon


Einleitung

Klassenstufe: 11–13. Fächer: Deutsch, Philosophie, Geschichte.

Leitfrage: Wie kann eine Aussage falsch sein, wenn sie dennoch etwas aussagt?

In Der Sophist lässt Platon zwei Gesprächspartner nach dem Wesen des Sophisten suchen. Dabei prüfen sie, wie Begriffe zusammenpassen und wie man wahre von falschen Aussagen unterscheidet. Im Zentrum stehen Sein, Nichtsein und Wahrheit.

Buchausgabe: Zur vorhandenen MOOCwiki-Buchseite „Buch - Der Sophist - Platon“. Diese Buchseite wird verlinkt und nicht neu angelegt.

Römische Kopie eines antiken Platonporträts. Das Bild ist kein Foto des historischen Autors.


Antike und Überlieferung

Der Dialog entstand im 4. Jahrhundert v. Chr. in der griechischen Antike. Platon schrieb auf Altgriechisch. Der genaue Entstehungszeitpunkt des Dialogs ist nicht sicher.

Griechische, römische, chinesische und indische Texte gehören zu wichtigen frühen Literatur- und Denktraditionen. Dazu zählen etwa griechische Dialoge, römische Reden, chinesische klassische Schriften und indische Upanishaden. Ihre Sprachen, Formen und Überlieferungswege sind verschieden. Eine direkte Verbindung zu Platon ist damit nicht nachgewiesen.

Beginn des „Sophistes“ im Codex Clarke 39 von 895 n. Chr.. Die Handschrift ist viel jünger als der Text.

Merke: Entstehung ist nicht Überlieferung. Das Jahr 895 datiert diese Handschrift, nicht Platons Werk. Auch das Datum einer deutschen Übersetzung ist kein Entstehungsdatum des Originals.

Moderne Animation griechischer Großbuchstaben. Sie hilft Dir, die Schrift zu erkennen; sie ist keine antike Quelle.


Gespräch, Aufbau und Argumentation

Der Fremde aus Elea führt die Untersuchung. Theaitetos fragt nach und antwortet. Sokrates und Theodoros von Kyrene treten zu Beginn auf. Die Figuren vertreten Rollen in einem literarisch gestalteten Dialog; das Gespräch ist kein historisches Protokoll.

Die Argumentation verläuft in Schritten: Erst wird das Einteilen von Begriffen am Angler geübt (218b–221c). Dann werden verschiedene Beschreibungen des Sophisten geprüft. Später untersucht der Dialog die Verbindung von Sein, Bewegung, Ruhe, Selbigkeit und Verschiedenheit (254d–257c). Schließlich wird erklärt, wie falsche Rede möglich ist (262e–263d).

Dihairesis bedeutet: Einen weiten Begriff systematisch in Untergruppen teilen. So lässt sich genauer abgrenzen, was etwas ist und was nicht.


Textstelle A: Der Angler (218b–221c)

Der Angler dient als Übungsbeispiel für das Einteilen. Erst danach versuchen die Gesprächspartner, den schwierigeren Begriff „Sophist“ zu bestimmen.

Deine Frage: Warum hilft ein einfacher Begriff, bevor ein schwieriger untersucht wird?

Study History: Überblick über griechische Philosophie. Ab etwa 3:26 geht es um Sophisten. Das Video bietet Kontext und ersetzt keine Textstelle.


Textstelle B: Sein und Nichtsein (254d–257c)

Die Begriffe Bewegung und Ruhe sind verschieden. Beide können aber als seiend bezeichnet werden. Daraus folgt: Verschiedene Begriffe können in einer bestimmten Hinsicht miteinander verbunden sein.

Bei 257b untersucht Platon, wie Nichtsein als Verschiedenheit verstanden werden kann. „Nicht dasselbe“ bedeutet nicht einfach „überhaupt nichts“.

Die moderne Venn-Animation zeigt eine Schnittmenge. Sie ist nur eine Denkhilfe für mögliche Verbindungen, keine Darstellung aus Platons Werk.

Deine Frage: Was ist der Unterschied zwischen „nicht rot“ und „nicht vorhanden“?


Textstelle C: Wahre und falsche Rede (262e–263d)

Originalsprache, Altgriechisch (263a):

Θεαίτητος κάθηται.

Θεαίτητος, ᾧ νῦν ἐγὼ διαλέγομαι, πέτεται.

Historische deutsche Übersetzung, Friedrich Schleiermacher (263a):

»Theaitetos sitzt.«

»Der Theaitetos, mit dem ich jetzt rede, fliegt.«

Erklärung in einfachen Worten (keine Übersetzung): Beide Sätze handeln von Theaitetos. Der zweite schreibt ihm aber im Gespräch etwas Falsches zu. Eine falsche Aussage ist also weiterhin eine Aussage über etwas. Die Namen und Tätigkeitswörter müssen dafür sinnvoll verbunden sein.

Textbeleg: Deutsche historische Fassung, Abschnitt 46, 262e–263d und Altgriechischer Text, 263–264 nach der Ausgabe von John Burnet. Die dort angebotene englische KI-Übersetzung ist keine historische Quelle und wird hier nicht verwendet.

Sprachvergleich: Markiere im Griechischen und Deutschen den Namen Theaitetos und die Tätigkeiten sitzen und fliegen. Prüfe, wie die Satzteile in beiden Sprachen verbunden werden. Verwechsle eine sinngemäße Erklärung nicht mit einem wörtlichen Zitat.

Audio: ξένος, „Fremder/Gast“, rekonstruierte attische Aussprache – keine antike Tonaufnahme.

Audio: ψυχή, „Seele“, rekonstruierte attische Aussprache. Bei 263e beschreibt Platon das Denken als inneres Gespräch.

Hörbuch „Sophistes“, Sprecher Volker Braumann. Diese Lesung verwendet die Übersetzung von Otto Apelt, nicht die oben zitierte Übersetzung Schleiermachers.

Todd McGowan: „Plato's The Sophist“ (englisch). Eine moderne Deutung; prüfe ihre Aussagen am Original.


Gestufte Hilfen

Stufe 1 – Einstieg: Lies zuerst die beiden deutschen Sätze bei 263a. Unterstreiche, wer gemeint ist. Kreise die Verben ein. Welcher Satz passt zur Gesprächssituation?

Stufe 2 – Verstehen: Vergleiche die Satzteile im Griechischen mit der deutschen Übersetzung. Nenne für jede Aussage ein Subjekt und eine Tätigkeit. Erkläre, warum beide Sätze verständlich sind, obwohl einer falsch ist.

Stufe 3 – Vertiefung: Lies zusätzlich 257b und 263b–d. Erkläre mit eigenen Worten, warum „falsch“ nicht mit „sinnlos“ oder „ohne Gegenstand“ gleichgesetzt werden darf. Trenne Textbeleg, Deutung und eigenes Beispiel deutlich.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Sprache verfasste Platon den „Sophistes“? (Altgriechisch) (!Latein) (!Sanskrit) (!Klassisches Chinesisch)




Wer führt das Hauptgespräch mit Theaitetos? (Der Fremde aus Elea) (!Aristoteles) (!Homer) (!Cicero)




Welcher Beruf dient als erstes Übungsbeispiel? (Angler) (!Schmied) (!Arzt) (!Bäcker)




Was bedeutet Dihairesis im Dialog? (Systematisches Einteilen von Begriffen) (!Rechnen mit Zahlen) (!Auswendiglernen von Versen) (!Übersetzen ins Lateinische)




Welche Begriffe gehören zur Untersuchung der großen Gattungen? (Sein Bewegung Ruhe Selbigkeit Verschiedenheit) (!Feuer Wasser Erde Luft Äther) (!Stadt Staat Familie Schule Gesetz) (!Tragödie Komödie Roman Lied Epos)




Wie wird das Nichtsein um 257b erklärt? (Als Verschiedenheit) (!Als unbekannter Planet) (!Als völliges Ende der Sprache) (!Als eine Art von Zahl)




Warum ist eine falsche Rede dennoch eine Rede? (Sie sagt über etwas etwas Unzutreffendes aus) (!Sie besteht nur aus unverständlichen Lauten) (!Sie enthält niemals ein Verb) (!Sie hat keinen Gegenstand)




Welcher Satz ist im Dialog das Beispiel für eine falsche Aussage? (Der Theaitetos mit dem ich jetzt rede fliegt) (!Theaitetos sitzt) (!Ein Satz enthält Wörter) (!Der Fremde spricht mit Theaitetos)




Was bezeichnet das Jahr 895 im Zusammenhang mit dem Dialog? (Die Datierung einer erhaltenen Handschrift) (!Den Tod Platons) (!Die erste Aufführung des Dialogs) (!Die Entstehung des griechischen Originals)




Was ist beim Vergleich von Textfassungen wichtig? (Original Übersetzung und eigene Deutung unterscheiden) (!Eine spätere Übersetzung für das Original halten) (!Zitate stillschweigend vereinfachen) (!Die Quellenangabe weglassen)





Memory

Fremder aus Elea Führt das Hauptgespräch
Theaitetos Junger Gesprächspartner
Dihairesis Begriffe systematisch teilen
Verschiedenheit Deutung von Nichtsein
Angler Beispiel zur Begriffsbestimmung
Codex Clarke 39 Handschrift aus dem Jahr 895
Stephanus-Zählung Stellenangaben wie 263a





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung im Dialog
Angler Übungsbegriff
Sophist Untersuchungsgegenstand
Dihairesis Teilungsverfahren
Verschiedenheit Erklärung des Nichtseins
Falsche Rede Unzutreffende Aussage
Handschrift Überlieferungszeugnis





Kreuzworträtsel

Platon Wer ist der Autor des Dialogs?
Elea Aus welcher Stadt stammt der Fremde?
Theaitetos Wie heißt der junge Hauptgesprächspartner?
Sophist Welchen Begriff wollen die Gesprächspartner bestimmen?
Dihairesis Wie heißt das Einteilungsverfahren?
Stephanus Nach welchem Gelehrten heißen die üblichen Stellenzahlen?





LearningApps

Das ist eine Suche nach passenden Lernaktivitäten, keine geprüfte Einzelübung.


Lückentext

Vervollständige den Text.
Platons Dialog wurde ursprünglich auf

verfasst.
Der leitende Gesprächspartner kommt aus

.
Der junge Gesprächspartner heißt

.
Als erstes Beispiel dient ein

.
Das systematische Einteilen von Begriffen heißt

.
Eine wichtige Bedeutung von Nichtsein ist die

.
Im zweiten Beispielsatz wird behauptet, Theaitetos

.
Der Codex Clarke 39 ist eine mittelalterliche

.
Die deutsche Fassung von Schleiermacher ist eine spätere

.



Offene Aufgaben

Drei Aufgabenprojekte mit je vier Arbeitsschritten. Du kannst allein oder in einer Gruppe arbeiten. Gib immer die benutzte Textstelle und die verwendete Ausgabe an.


Leicht: Zwei Sätze untersuchen

  1. Textverständnis: Lies „Theaitetos sitzt“ und den Satz über das Fliegen in der deutschen Fassung von 263a.
  2. Satzglieder: Markiere in beiden Sätzen den Namen und die Tätigkeiten.
  3. Wahrheit: Schreibe in drei kurzen Sätzen auf, warum die zweite Aussage im Dialog falsch ist.
  4. Quellenangabe: Notiere Autor, Werktitel, Stelle 263a und die benutzte Übersetzung.


Standard: Begriffe erklären

  1. Begriffsanalyse: Lies die Abschnitte zum Angler und zu den großen Gattungen (218b–221c und 254d–257c).
  2. Begriffsbestimmung: Lege eine kleine Begriffskarte zu Angler, Sophist und Dihairesis an.
  3. Vergleich: Erkläre den Unterschied zwischen „nicht gleich“ und „nicht vorhanden“ an einem eigenen Alltagsbeispiel.
  4. Argumentation: Schreibe einen Text von etwa 150 Wörtern mit mindestens zwei belegten Stellen.


Schwer: Original und Deutung prüfen

  1. Originaltext: Vergleiche die griechischen Sätze von 263a mit der historischen deutschen Übersetzung.
  2. Quellenkritik: Erläutere, warum die Handschrift von 895 und eine neuzeitliche Übersetzung unterschiedliche historische Zeugnisse sind.
  3. Philosophische Argumentation: Beurteile mit Bezug auf 257b und 263b–d, warum falsche Aussagen nicht bedeutungslos sein müssen.
  4. Präsentation: Präsentiere eine begründete Deutung und kennzeichne Originalzitat, Übersetzung und eigene Aussage sichtbar.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer: Erkläre mit einem selbst erfundenen falschen Satz, wie eine Aussage etwas Bestimmtes über einen Gegenstand behauptet.
  2. Unterscheidung: Begründe, warum „nicht blau“ nicht automatisch „nicht existent“ bedeutet.
  3. Argumentanalyse: Zeige, wie die Begriffsbestimmung am Angler auf die Suche nach dem Sophisten vorbereitet.
  4. Textvergleich: Untersuche an 263a, was sich beim Wechsel vom Griechischen zur deutschen Übersetzung ändern kann und was gleich bleiben muss.
  5. Historische Quellenkritik: Erkläre den Unterschied zwischen dem 4. Jahrhundert v. Chr., der Handschrift von 895 und einer modernen Ausgabe.
  6. Urteil: Prüfe die Behauptung „Jeder verständliche Satz ist wahr“ mithilfe von 263a–d.




Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis zeigst Du, dass Du den Inhalt des Dialogs kurz erklären, die Figuren und ihren Gesprächsaufbau beschreiben und Dihairesis an einem Beispiel anwenden kannst. Du erläuterst Sein, Nichtsein und falsche Rede mit Belegen aus 257b und 263a–d. Du unterscheidest Originaltext, historische Übersetzung und eigene Interpretation. Du ordnest Entstehung und Überlieferung zeitlich richtig ein. Nenne für jeden Textbeleg die Stelle nach der Stephanus-Zählung und für Deine deutsche Fassung den Übersetzer.




OERs zum Thema

Überblick:

Textgrundlagen: Bestehende Buchseite auf MOOCwiki; deutsche historische Textfassung; griechische Textstelle 263–264 nach Burnet. Achte darauf, dass digitale Texte und Übersetzungen unterschiedliche Editionsgrundlagen haben können.


Bild-, Audio- und Lizenznachweise

Die folgenden Dateien wurden unverändert von Wikimedia Commons eingebunden. Die Lizenzlinks führen zu den jeweiligen Bedingungen; bei CC BY-SA sind Urhebernennung und Lizenzverweis erforderlich.

  1. Platonbüste: Foto von Marcus Cyron, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 3.0.
  2. Beginn der Handschrift: Codex Clarke 39, 895, Commons-Dateiseite, als originalgetreue Reproduktion eines gemeinfreien Werks als gemeinfrei gekennzeichnet.
  3. Griechische Schriftanimation: Andrikkos, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 3.0.
  4. Venn-Animation: Marble machine, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 4.0.
  5. Audio ξένος: Erutuon, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 4.0.
  6. Audio ψυχή: Erutuon, Commons-Dateiseite, CC BY-SA 4.0.

Videoquellen: Study History, „Sophistes“-Lesung mit Volker Braumann, Todd McGowan. Diese YouTube-Beiträge werden nur eingebettet, nicht kopiert. Eine freie OER-Lizenz der Videos ist nicht nachgewiesen. Aussagen aus den Videos sind von Platons Originaltext zu unterscheiden.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte



Schulfach+




aiMOOCs



aiMOOC Projekte